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Diskutiere im Thema AD(H)S als Erklärung für Probleme - ist das nicht manchmal überbewertet?! im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #11
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 54

    AW: AD(H)S als Erklärung für Probleme - ist das nicht manchmal überbewertet?!

    Hallo, alle Ihr Lieben, die Ihr mir so lieb und ausführlich geantwortet hat.

    Puuuuh, mir schwirrt der Kopf! - wow - so viele Infos.

    Aber bevor ich es vergesse - vielen lieben Dank für eure große Mühe, mir so ausführlich und liebevoll zu antworten.

    Ich kriege zwar alles gerade so überhaupt nicht auf die Reihe, aber ich werde mir die Beiträge alle noch mal in Ruhe durchlese und sicher auch noch eine Antwort schreiben.

    Aber ich muss das erst noch sortieren.

    Es ist schon so, mein ganzes Leben habe ich mich nie verstanden gefühlt. Habe oft das Gefühl gehabt, mich immer für mich und meine Gefühle und Taten rechtfertigen muss.

    Und ich habe immer gedacht, dass ist doch völlig normal, was ich tue und was ich fühle. Was wollen die eigentlich immer von mir, wieso ist es so schwer mich zu verstehen.

    Ich habe hier so viele Informationen bekommen, so viele AHA-Effekte gehabt, teilweise so krease Übereinstimmungen gefunden, ...aber ...

    ...die Erkenntnisse flirren mir genau so schnell aus dem Kopf, wie sie reingekommen sind.

    Manchmal denke ich, jetzt ist es mir klar - im nächsten Moment weiß ich nicht mehr, was meinen die eigentlich!

    Ich versuche herauszufinden, was das AS(H)S bei mir ausmacht. An welcher Stellen muss man ansetzen. Ja, schon klar, dass wird auch in der/einer passenden Therapie aufgedröselt und behandelt (sofern ich einen "guten" Therapeuten finde, der sich damit auskennt.) Das wird alles viel Zeit brauchen - und G E D U L D.

    Aber Geduld ist leider nicht meine Stärke!

    In der letzten Zeit habe ich so oft das Gefühl, dass ich nichts verstehe.

    Aber ich arbeite daran.

    Und ich bin sehr froh, dass ich hier "gelandet" bin.

    Nochmals vielen Dank euch allen,

    Alles Liebe,
    Kristy

  2. #12
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 277

    AW: AD(H)S als Erklärung für Probleme - ist das nicht manchmal überbewertet?!

    Zuerst mal finde ich es sehr wichtig: Jeder von AD(H)S betroffene Mensch ist mehr als sein AD(H)S. Ich definiere mich nicht nur darüber.

    Meine Erfahrungen:

    Als Kind wurde ich - obwohl nicht diagnostiziert - für meine ADS-typischen Eigenschaften gleichermaßen kritisiert und gemaßregelt (Unaufmerksamkeit) als auch anerkannt und besonders gefördert (ausgeprägte Interessen - und auf diesen Gebieten außergewöhnliche Leistungen). Ich hatte somit wohl noch irgendwie Glück.

    Als Erwachsener wurden die ADS-Auswirkungen (begrenzte Konzentrationdauer, Vergesslichkeit, mangelnde Ordnung) weniger wahrgenommen - von anderen noch weniger als von mir. Bzw. mein "Anderssein" wurde eher mit einem liebevollen Lächeln akzeptiert, als "sympatische Verschrobenheit" angenommen und manche Fehler verziehen. Die Rückmeldungen von anderen, wir sie mich erleben, besagten, ich wirkte auf sie stark, kompetent, souverän, kommunikativ, sympatisch, zuverlässig, inspirierend, interessiert, angenehm usw. Anders als andere - und deswegen interessant und was Besonderes. Ich wurde als Mitmensch, Gespächspartner, Kollege, Freund geschätzt. Verstimmungen wegen meiner "Macken" - auch wenn sie für andere nicht nachvollziehbar sind - konnte ich so meist wieder ausbügeln. All das machte es mir einfacher, meine Grenzen zu akzeptieren. Ich hatte mich selbst auch akzeptiert und meinen Frieden mit meinem "Andersein" gefunden, der mir ja auch was "Besonderes" gab, was andere schätzten - ich war mir meiner Kompetenzen bewusst.

    Erstaunlicherweise trauten mir meine Mitmenschen viel mehr zu, als ich selbst zu leisten auf Dauer in der Lage war. Zum Glück kannte ich mich und meine Grenzen recht gut, so dass ich mir Misserfolge meist ersparte. Ich konnte an der richtigen Stelle "Nein" sagen.

    So ging es viele Jahre gut. Aber all das bewahrte mich nicht davor, ab einem bestimmten Zeitpunkt zunehmend "auszubrennen". Zunächst merkte wohl nur ich was davon, dass der Akku leerer wurde. Trotzdem fehlte mir die Erklärung, warum. Warum kostet vieles so viel Kraft, was andere mit Leichtigkeit tun? Warum kriege ich maches nicht auf die Reihe, das eigentlich nicht so schwer sein kann? Ich wusste, dass ich schon immer anders war als andere, aber wie ich die Situation ändern sollte...dazu hatte ich keine Anhaltspunkte.

    Diese lieferte erst das Wissen über ADS. Mit einem Mal verändert sich der Blick auf das eigene Leben, klärt sich so manches - und ich bin schon betroffen, wenn ich sehe, wie das ADS mein Leben, meine Biographie, mich selbst geprägt und beeinflust hat. Trotzdem: Ich bin so. Ob mit oder ohne ADS. Ich bin, wie ich bin. Würde sich morgen harausstellen, ADS gäbe es gar nicht, wäre ich trotzdem genauso. ;-)

    Ob ADS über- oder unterbewertet wird, mag ich (noch) nicht einschätzen. Zumindest fehlt viel, sehr viel tatsächliches Wissen darüber in der Gesellschaft. Und damit einher gehen natürlich schlicht und einfach Fehlbewertungen und falsche Schlüsse. Aber mir begegnet im persönlichen Umfeld auch viel, sehr viel Interesse und Verständnis - und wo ich kann, kläre ich auch auf... ;-) ...und das ist die positive Erfahrung dabei.

    Und zu der Frage, wer nun an allem "Schuld" ist, das es einem so "scheisse" geht, "das ADS" oder die "scheiss Gesellschaft", kann ich nur sagen: Alle. Nämlich das Zusammenspiel zwischen allen drei Faktoren. Ich würde den gesellschaftliche Faktor nicht unterschätzen. Diese "Gesellschaft", dieses System ist so menschenfeindlich, dass selbst Nicht-AD(H)S'ler krank werden.

    Nichtsdestotrotz: Ändern kann ich nur mich. Aber das bedeutet nicht, dass ich mich anpasse oder das Spiel der "Scheiss Gesellschaft" ;-) versuche mitzuspielen. Quasi so zu werden, wie die Anderen, die versuchen, zu funktionieren. Das wäre der falsche Weg. Leider versuchen manche Therapeuten, Ärzte usw. genau das...
    Ich stehe da lieber über diesem Spiel. Gehe meinen Weg. Es ist einfach ein Postulat meines "Andersseins" von Geburt an, der Respekt vor mir selbst. Therapeuten und Arzte zu finden, die so einen Weg mitgehen und darauf orientieren, dass es einem selbst gut geht und nicht, dass man die Erwartungen des Umfeldes erfüllt und im gesellschaftlichen, systemischen Kontext funktioniert, muss man sich schon gut aussuchen. Aber das ist nicht nur ein Problem für Menschen mit AD(H)S, sondern ein Problem für alle, die "anders sind" und in dieser Gesellschaft nicht "effektiv funktionieren". So gesehen ist es (auch) ein gesellschaftliches Problem.

    Spezi
    Geändert von Spezi (11.01.2011 um 16:03 Uhr) Grund: Sinnentstellenden Tippfehler ausgebügelt, nämlich "nicht AD(H)S'ler" in "Nicht-AD(H)S'ler" ;-)

  3. #13
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 372

    AW: AD(H)S als Erklärung für Probleme - ist das nicht manchmal überbewertet?!

    Hallo Kristy,
    hoffentlich trage ich jetzt nicht dazu bei, dass Dir der Kopf noch mehr schwirrt.
    Die Beiträge von Eiselein, Dori und die der anderen haben bei mir einen neuen Schreibanfall ausgelöst. Ich kann den Meinungen fast überall zustimmen, würde darauf aber gerne noch einmal eigehen. Meine Gedanken sprudeln über (typisch AD(H)S).
    Es hat nicht direkt mit Deiner Frage zu tun, aber ich muss es noch loswerden.

    Haha, Eiselein,
    dass mit dem Straßenverkehr finde ich sehr gut beschrieben und richtig lustig, weil es mich daran erinnert, wie ich über die Straße laufe. Alle in meiner Umgebung lachen mich (liebevoll) aus. Ich warte ewig, bis ich überhaupt kein Auto mehr sehe und dann gehe ich erst los.
    Vor mir sind dann schon manchmal mehrere Senioren über die Fahrbahn geschlichen und ich traue mich immer noch nicht rüber.
    Trotzdem kenne ich einige mit AD(H)S, die sich sehr sicher im Straßenverkehr bewegen. Daher dachte ich eher, dass es eine Teilleistungsstörung bei mir sei. Daraus sollten wir vielleicht mal ein neues Thema machen.

    Dori, Du hast vieles genau auf den Punkt gebracht. Ich laufe den ganzen Tag in der Wohnung rum, weil ich immer irgendetwas suche oder vergessen habe. Da könnten mehrere Kilometer zusammenkommen. Vielleicht gleicht das meine Faulheit in Bezug auf Sport aus.

    Abgesehen von der offiziellen Definition, denke ich auch, dass AD(H)S keine Krankheit sein muss, es kann sich aber zu einer entwickeln. Wie ich schon öfter und auch hier geschrieben habe, gibt es ja außerdem sehr verschiedene Ausprägungen davon.

    Hier im Forum haben sich bestimmt die Meisten angemeldet, weil sich bei Ihnen Probleme durch diese „Andersartigkeit“ entwickelt haben.
    Ganz ohne Probleme kann man zwar mit AD(H)S nicht leben, aber man muss doch nicht unbedingt unglücklicher sein (zumindest nicht immer), als die Nicht-ADS`ler. Die haben auch oft (andere) Probleme im Leben und sind auch nicht immer glücklich.
    Manchmal frage ich mich, ob ich mit irgendjemand, den ich kenne, tauschen wollte und muss dann immer wieder feststellen, dass ich das auf keinen Fall möchte.

    Ich hatte mich hier unter anderem angemeldet, weil ich anderen auch Mut zusprechen wollte.
    Ich gehöre ja zu den Älteren hier und nicht alles wurde mit der Zeit schlimmer, sondern vieles auch besser, obwohl ich keine Medikamente nehmen darf.
    Ich richte mein Leben immer mehr ADS-freundlich ein und finde immer bessere Tricks, um die Symptome abzumildern.
    Meine Konzentration wird leider trotzdem schlechter (seit den Wechseljahren), aber ich nehme mir auch weniger vor und kann es dadurch wieder ausgleichen.

    Wenn man einseitig nur die Nachteile ließt, dann fördert es doch noch die Depressionen. Zumindest geht es mir so.


    Auch Du, Spezi, hast mir zum großen Teil aus der Seele geschrieben.

    Ich hatte in meinem Leben von anderen oft auch sehr positive Rückmeldungen.

    Natürlich ist mit klar, dass sehr viele nicht so viel Glück hatten wie ich und wenn das Leben schon am Anfang in die falsche Richtung läuft, dann wird es immer schwerer mit all den Blessuren, die man bekommen hat, noch alles so zu drehen, dass man trotzdem glücklich werden kann. Aber man sollte nie aufgeben und kann selbst trotzdem noch Vieles verändern.

    Hier in diesem Forum gibt es so viele Tipps, die eine Lebenshilfe sein können und wenn man dann (vielleicht auch spät) noch das Glück hat, die richtigen Freunde oder Partner sowie einen günstigen Beruf zu finden, dann lässt es sich manchmal auch mit AD(H)S sehr gut leben. Es ist doch zumindest einen Versuch wert, dies anzustreben – oder nicht?
    Im Leben lässt sich doch immer noch etwas verändern und falls die Bedingungen ungünstig sind oder eine Änderung zunächst noch schwer sein sollte, können im schlimmsten Fall Medikamente oder eine Therapie dabei helfen.
    Ich kenne fast nur Leute näher, die ebenfalls ein AD(H)S haben (die anderen sind mir zu langweilig), obwohl sie keine Medikamente einnehmen und den Meisten geht es nicht schlecht.
    Im Gegenteil, einige sind meist sehr lustig und lebensfroh.

    Das soll jetzt auf keinen Fall ein Widerspruch zu den Schilderungen derjenigen sein, die die negative Seite von AD(H)S beschreiben. Es gibt aber auch die andere Seite und ich schreibe das hier, um deren Hoffnung zu stärken.
    Von mir selbst kann ich sagen, dass ich unheimlich viel Glück im Leben hatte. Glücklicherweise konnte ich frei bestimmen, wie ich mein Leben gestalte und welchen Beruf ich ausübe. Als ich jung war, fand ich mein Leben wunderbar abenteuerlich (mit Höhen und Tiefen). Ich kann mich auch ganz extrem freuen, was ich auf das ADS zurückführe.
    Seit Jahren denke ich, dass, wenn ich wählen könnte, alles noch einmal genauso erleben möchte (auch die schlechten Seiten, weil sie meinen Charakter geprägt haben und ich dadurch nicht mehr so oberflächlich bin, wie in meiner Jugend). Meine größten Erkenntnisse habe ich durch die schlechten Zeiten gewonnen.
    Vieles war natürlich auch beschwerlich und auch manchmal gefährlich, es ist aber alles immer sehr gut ausgegangen und oft sogar noch besser, als ich es mir gewünscht hatte. Ich war also in meinem Leben mehr glücklich, als unglücklich. Beides aber im Extrem.

    Wenn mein ADS eine Krankheit wäre, dann ist es mir auch egal, weil mein Glücksgefühl, meine Albernheit, mein Gerechtigkeitsgefühl, meine Hilfsbereitschaft …. sowie meine Weitsicht (alles im extrem) für mich das Wichtigste sind. Das möchte ich nicht hergeben. Ich möchte mein ADS behalten (natürlich nur, wenn die Bedingungen weiter stimmen).

    Trotzdem muss ich zugeben, dass ich in letzter Zeit nicht mehr ganz so euphorisch wie früher bin. Das liegt daran, dass ich langsam Angst vor der Zukunft bekomme und nicht mehr so gut in der Gegenwart leben kann, wie früher. Ich würde so gerne noch ganz lange leben, aber die Zeit wird langsam überschaubar, denn ich bin nun schon 54 Jahre alt. Dabei soll ich noch jünger aussehen (ich selbt finde ja immer mehr, dass ich langsam alt werde ) und oft benehme mich alberner als ein Teenie. Da meine beste Freundin auch so ist, stören uns die merkwürdigen Blicke der anderen nicht, wenn wir mal wieder in der Öffentlichkeit einen Lachkrampf haben.
    Ich habe inzwischen nicht mehr viele Aufgaben und frage mich, was ich in Zukunft Sinnvolles machen kann, ohne mich zu überfordern. Im Moment ist es noch gut so, wie es ist.
    Langfristig würde ich meinen Freundeskreis gerne erweitern, da ich vermutlich bald zu viel Zeit haben werde, denn in meinem Leben wird es Änderungen geben.

    Vielleicht wird das AD(H)S im Alter dann doch noch ein Problem für mich. Ich hoffe nicht. Aber warum mache ich nun ein Problem, wo noch gar keins ist? Genau das wird mir oft gesagt und ist wohl mein Problem im Moment. Gut, dass ich es gerade schreibe. Erkenntnis ist doch ein guter Weg, um sich zu therapieren.
    Eine Eigenschaft von mir ist, dass ich sehr oft versuche Probleme zu lösen, bevor sie entstehen und schon über Dinge trauere, die erst noch passieren werden oder passieren könnten. Ist das typisch für AD(H)S - oder eine andere Eigenart von mir? Wenn es dann kommt, habe ich auf der anderen Seite aber oft meine Trauerarbeit schon fast erledigt. Das ist dann ja irgendwie auch ein Vorteil – oder?
    Ich stelle immer wieder fest, alles hat Vor- und Nachteile und man kann doch in fast allem auch etwas Positives entdecken.
    So, jetzt sind meine Gedanken wieder mit mir durchgegangen. Das kann ja keiner lesen und es passt kaum noch in das Thema, weil es allgemein mit AD(H)S zu tun hat.
    Ich möchte aber unter anderem auch herausfinden, was nicht zum AD(H)S gehört.

    Mir tut das Schreiben aber sehr gut. Es ist, als ob ich ein Tagebuch schreiben würde – in meinem Fall ist es wohl so etwas wie ein Lebensbuch ….. und endlich tschüss.

  4. #14
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 54

    AW: AD(H)S als Erklärung für Probleme - ist das nicht manchmal überbewertet?!

    Hallo, Ihr Lieben,

    ich freue mich soooo sehr über die vielen und tollen Beiträge von euch!

    Und über meine erste Enttäuschung über mangelnde Resonanz kann ich mich nun wirklich nicht mehr beklagen

    ...und ich habe soooo viel Übereinstimmungen gefunden und bin immer wieder total erstaunt. Und bitte, schreibe mir ruhig viel, schwirrender Kopf hin oder her.

    (Ich bin im moment richtig aufgeregt, schreibe und schreibe, - vertippe mich, zwei Mal war der Text schon weg [irgendwelche Tasten gedrückt] - aber da ich das von mir schon kenne, kopiere ich das Geschriebene immer mal zwischendurch)

    Stimme auch völlig mit Celine überein, daß das Schreiben ungemein gut tut, Erkenntnisse bringt und mich auch sehr entlastet.

    Ich habe mir angewöhnt, eine art "Lebensbuch" zu führen, einen ständigen Begleiter, dem ich alles anvertrauen kann. In Krisenzeiten schreibe ich mir auch alles von der Seele. Es besteht zwar immer die Angst, es könnte einer finden und meine Gedanken lesen, aber ich habe mit meinem Mann echt Glück, ER würde das niemals anrühren. Er hätte selbst Probleme damit, wenn ich ihn darum bitten würde. Da kann ich mich voll drauf verlassen.

    Liebe Celine,
    ich bin hier auch nicht mehr eine der Frischesten. Im April werde ich 48 und kokettiere gerne damit. Ich sage immer, ich bin ja schon fast 50.

    Ja, ich bin auch "anders", dass habe ich oft gemerkt. Lange, lange bevor AS(H)S auch nur ein Gedanke gewesen wäre.

    Aber auch ich habe mein Leben, so denke ich doch, immer ganz gut gemeistert.

    ...und egal, wie anders es war, ich wolle auch nie wirklich so sein, wie die "Anderen".

    Worüber ich sehr froh bin ist, dass ich wirklich sehr gute Freunde habe. Es sind nicht viele, aber ich kann mich auf meine FreundInnen wirklich echt verlassen. Namentlich kenne ich aber niemanden in meinem Umfeld, der auch AD(H)S hat.

    Das mit dem "Ausgebrannt sein", das ist echt ein Thema von mir.

    Ja, ich glaube, dass tritt auch auf mich zu. Da ich so ein Kämpfer bin - geht ich auch oft über meine Grenzen. Das habe ich auch schon früher oft gespührt, dass ich manchmal einfach nicht mehr kann.

    Von Hause aus habe ich immer mitgekriegt, dass man nicht aufgeben darf. Und das, wenn es nicht läuft, es immer an mir liegt. Alle hatte immer Recht, nur ich nicht.

    Ich hätte es nicht gekommt, mich von einem ungeliebten Job zu trennen. Mir einzugestehen, dass ich mit dem Job unglücklich bin und das eigentlich nicht mehr tun möchte. Nein, ich habe mich durchgebissen. Im wahrsten Sinne des Wortes, dann mir sind tatsächlich Zähne abgebrochen. Ich habe soooo oft an meinen Leistungen gezweifelt und immer noch mehr geben wollen.

    Erwähnt hatte ich ja schon, dass ich im Elternhaus da doch sehr beeinflusst wurde, was Selbstbewustsein/Selbstvertrauen betrifft.

    Das habe ich mein Leben lang zu bekämpfen versucht. Und es ist mir in manchen Bereichen auch durchaus gelungen, aber es hat mich extrem viel Kraft gekostet und genommen.

    Immer 100% geben und wenn möglich immer eher mehr.

    Ich kann es nicht auseinander halten, wer Recht hat. Wenn mir einer sagt, du bist "Scheiße", dann glaube ich das. Wenn einer sagt, du leistes zu wenig - oder schlecht, dann nehme ich das für "Wahr".

    Jeder Fehler, der mir beruflich passiert, treibt mich in totale Verzeiflung. Wenn ich eine zeitlang gut und zufriedenstellend für mich gearbeitet habe, dann kann mich eine kleine Schusseligkeit völlig fertig machen.

    Ich kann nicht zu meinen Leistungen stehen, ich denke immer, es ist immer noch zu wenig.

    Seit fast 6 Jahren arbeite ich nun in einem Büro und ich habe es noch nie fertig gekriegt, mal nach einer Gehaltserhöhung zu fragen. Dann wenn ich ständig diese Schusseligkeiten habe, dann habe ich auch kein Recht etwas zu verlangen.

    Letztens habe ich es einfach vergessen, meinem Chef einen wichtigen Anruf weiterzugeben. Das war so der I-Punkt. Das war so furchtbar. Ich habe mir solche Vorwürfe gemacht, habe an allem gezweifelt.

    Das hat mich dann auch dazu getrieben, mir Hilfe zu holen. Es ging einfach nicht mehr.

    Resultat war, ich bin inzwischen seit über 4 Monaten krankheitsbedingt zu Hause. Am Montag, 17.01. will ich es wieder wagen zur Arbeit zu gehen.

    Aber wenn ich mir den gestigen Tag ansehe, da habe ich mich nach all der Zeit so dermaßen "erschöpft" gefühlt, dass ich den ganzen Tag geschlafen habe.

    Na, gut, ich fange ganz langsam wieder an zu Arbeiten. Die ersten 2 Wochen 4 Stunden und dann die nächsten 2 Wochen für 6 Stunden.

    Irgendwie ist das echt aufregend. Bin gespannt, wie es läuft.

    Einerseits habe ich wieder total Lust zur Arbeit zu gehen, andererseits denke ich manchmal, ich schaffe es nicht.

    Aber es muss wieder vorwärts gehen.

    OK, Ihr Lieben, ich mache erstmal Schluss, sonst höre ich auch gar nicht mehr auf.

    Vielen lieben Dank nochmals, an euch alle für die tollen Beiträge.

    ...und hört nicht auf, ich freue mich über jeden Beitrag.

    Liebe Grüße aus Berlin,
    Kristine

  5. #15
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 277

    AW: AD(H)S als Erklärung für Probleme - ist das nicht manchmal überbewertet?!

    Hallo Kristy,

    nimm die Symptone nicht zu leicht.

    Es ist empirisch auffällig, dass viele Menchen mit AD(H)S im jüngeren Erwachsenenalter die damit einhergehenden Schwierigkeiten mit viel Kraft- und Energieaufwand kompensieren. Das geht oft lange gut. Doch mit steigendem Alter lassen Kraft und Belastbarkeit nach. Jenseits der 40, manchmal auch schon eher, brennen daher viele Betroffene aus und erkranken.

    Daher - da Du solche Anzeichen beschreibst - meine Anregung: Belasse es nicht dabei, einfach wieder einzusteigen und weiterzumachen wie bisher. Sorge für Dich, damit es Dir besser geht. Triff Veränderungen, die Dich stärken können (med./therapeut. Behandlung etc.) oder/und Dich entlasten (Unterstützung, "Coaching", angenehmes Umfeld, senken der Belastung etc.).

    Irgendwie war das mein spotaner Impuls, das auszusprechen.
    Ich finde es toll für jede und jeden, die oder der die Kurve vorher kriegt.

    LG
    Spezi

  6. #16
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 372

    AW: AD(H)S als Erklärung für Probleme - ist das nicht manchmal überbewertet?!

    Jetzt habe ich gerade etwas geschrieben und dann hat Spezi vor mir geantwortet.
    Er hat absolut recht.
    Bei mir wurde mit den Wechseljahren zunächst alles schlimmer und dann wieder besser.
    Ich wollte Dir aber keine Angst machen, darum hatte ich es noch nicht gleich geschrieben. Wenn man es ruhig angehen lässt, muss es nicht unbedingt schlimmer werden.
    Außerdem kann man sich Medikamente verordnen lassen. Das war bei mir nicht möglich.

    Hier ist der Text, den ich schon geschrieben hatte:
    Jetzt muss ich doch noch einmal ganz schnell schreiben, weil ich Deine Schilderungen gut nachempfinden kann und sie gehen mir Nahe, denn ich habe manches auch so erlebt.

    Wenn man etwas Wichtiges (besonders beim Chef) vergessen hat, kann einen das schon ganz schön belasten.

    Ich kenne ähnliche Situationen und ich habe immer Angst gehabt, einen Fehler zu machen.

    In diesem Fall kann man wohl sagen, dass AD(H)S eine Erklärung für dieses Problem ist.

    Bei mir hat das dazu geführt, dass ich alles immer und immer wieder kontrolliere und alles Mögliche aufschreibe (in einen Ringblock - der geht nicht verloren). Ich streiche dann das Erledigte durch. Dadurch verliert man allerdings viel Zeit und kommt noch mehr Stress.
    Ich begrenze meine Tätigkeiten daher auf das Notwendige. Das musste ich mir aber erst bewusst machen.

    In letzter Zeit ist mir aufgefallen, dass überall und ständig Fehler passieren. Egal, ob es in einem Geschäft ist oder ob man einen Brief von einer Behörde bekommt......
    Es kann ja wohl nicht sein, dass inzwischen alle an AD(H)S leiden.

    Jetzt habe ich fast das Gefühl, die anderen machen mehr falsch, als ich.
    In unserer Zeit stehen alle so unter Druck, dass sie auch nicht mehr so gut arbeiten können. Denen fehlen aber die Tricks, um damit klar zu kommen (nur, es scheint vielen oft egal zu sein. Sie belasten sich anscheinend nicht so damit wie wir).
    Durch meine Tricks fühle ich mich inzwischen im Vorteil.
    Das beruhigt mich und es hat mein Selbstbewusstsein wieder aufgebaut.
    Ich habe aber keinen beruflichen Stress mehr.
    Vielleicht hilft es Dir auch ein wenig, wenn Du weißt, dass Du nicht die Einzige bist, die etwas vergisst.
    Wenn man alles zu 100 Prozent erledigen möchte, ist man aber sehr gefährdet krank zu werden. Wem schreibe ich das? Die Erfahrung hast Du ja leider schon gemacht.
    Ich wünsche Dir jedenfalls einen guten, stressfreien Arbeitsanfang, Kristy!
    Ich vermute aufgrund Deiner Schilderung, dass Du viel besser arbeitest, als Du glaubst.

  7. #17
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 40

    AW: AD(H)S als Erklärung für Probleme - ist das nicht manchmal überbewertet?!

    Zur Frage:

    AD(H)S als Erklärung für Probleme - ist das nicht manchmal überbewertet?!

    Ja, das wird sehr oft so gesagt, oft auch wirklich so gemeint, viele glauben auch das es so ist und manchmal glaubt man es hin und wieder selbst.

    Aber das AD(H)S ist ja so freundlich und zeigt einem immer wieder sehr sehr deutlich, wer der Chef ist und was es davon hält unterbewertet zu werden.

    Da kann man intensiv Vorsätze schmieden, gecoacht werden, Pläne machen, mental brainstormen, Kraft sammeln, trainieren Listen machen (Pläne) und ausdenken (um zu überlisten), Vorbereitungen treffen, Waffen und Schutzschilde bereitstellen dann das Ganze angehen, nochmals alles checken (v. a. Koffein- und MPH Spiegel), und dann >

    Start > Angriff > Vollgas > volle Beschleunigung > > > > > > > und dann steht ganz cool wieder das AD(H)S vor Dir, bremst Dich mit dem kleinen Finger aus und zeigt Dir wieder mal wer der wirklich der Chef ist.

    P

  8. #18
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 54

    AW: AD(H)S als Erklärung für Probleme - ist das nicht manchmal überbewertet?!

    Danke für die Warnungen!

    ...denn im Geiste bin ich natürlich schon wieder voll auf dem Sprung.

    Ich habe schon die Erfahrung gemacht, dass wenn ich erstmal in Bewegung bin auch ne Menge schaffe. Will sagen, wenn ich von der Arbeit komme, dann gehe ich noch einkaufen, mache Essen und hänge sogar noch die Wäsche auf.

    Aber wehe ich bin zu Hause. Schwer ist es nur immer erstmal in die Gänge zu kommen. Die letzten 2 Tage habe ich das Haus nicht verlassen.

    Na ja, Gefahr erkannt - Gefahr gebannt ?! (schön wär´s ja)

    Ich freue mich schon auf den Neustart - und - lasse es langsam angehen.

    Alles Liebe,
    Kristine

  9. #19
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 69

    AW: AD(H)S als Erklärung für Probleme - ist das nicht manchmal überbewertet?!

    Eiselein schreibt:
    Genau genommen ist es unterbewertet.

    Und, man höre und staune, der stärkste Unterbewerter von ADHS und ihren Folgen, ist weder die Gesellschaft, noch die Medien, noch die Psychiater, die sich in aller Regel damit nicht auskennen u.s.w.

    Der stärkste Unterbewerter von ADHS, ist der ADHSler.

    Es gibt da - jedenfalls am Anfang - vor Beginn von Diagnose und Therapie so eine Tendenz, das "Problemchen" herunterzuspielen.

    Übel nehmen kann man des aber niemand. Des ist so eine Art lebenslang antrainierter Schutzmechanismus, die Probleme wegzuschieben, beliebteste Varianten sind a) Scheiss Lebenspartner, b) Scheiss Arbeit und c) Scheiss Gesellschaft.

    In anderen Worten: "Verrückt" sind die anderen.

    Aber des gibt sich mit der Zeit, wenn die wirkliche Auseinandersetzung anfängt.

    Des kommt so sicher wie des Amen in der Kirche.

    Es sei denn man steckt auf und gibt sich erstmal geschlagen.

    Des heisst, viele gehen nach der Diagnose und ersten, teils noch unzureichenden Therapieversuchen, erst mal auf Tauchstation. Um der anstehenden Trauerarbeit erst mal auszumweichen.

    Des ist auch o.k.

    Aber no koi Panik, sie kommen alle wieder.

    Des mit dem sich selber aus dem Wege gehen und sich alle übrigen Sachen schönzureden, klappt nämlich ned auf Dauer.

    Find ich sehr gut geschrieben und erkannt. Ich denke auch, dass man dazu neigt, sich zuviel "Unmögliches" abzugewinnen, sich mit anderen zu vergleichen bei bestimmten Leistungen. Dieser Vergleich ist nicht sinnvoll bei einer derartigen Disposition. Was nicht heisst, dass man keinen Ehrgeiz haben sollte, vielleicht auf seine individuelle andere Art und Weise, bestimmte Ziele zu erreichen. Und mindestens genauso gut zu sein, sofern das möglich ist.

    Ich kann aber auch nachvollziehen, dass die ständige Fixierung auf und Beschäftigung mit ADS zu einem Dauerkreisel führen kann. Schlimmstenfalls sogar eine Blockade auslöst. Oder dass man anfängt, sich selber ständig zu stigmatisieren und auf seine Schwächen zu fokussieren. Nicht mehr sich selbst, als Persönlichkeit, als eigenständige Identität zu sehen, sondern eben ständig als ADSler - die Welt in ADSler und Nicht-ADSler einteilt. Ich merke, dass ich seit der Diagnose oft dazu tendiere, auch unbewusst und dass das meinem Identitätsempfinden nicht immer förderlich ist. Manchmal frage ich mich: Wer bin ich, was ist Charakter und was ist ADS. Das ist ganz schön verwirrend.

    Ich glaube deshalb: die Mitte machts! Durch das Wissen um eine ADS-disposition und entsprechende typische Aspekte, die damit verbunden sind, fällt es ggf. leichter, damit umzugehen. Nicht: ich bin die Schlampe, die hier wieder alles rumliegen lässt, sondern: ich bin stark ablenkbar und reizoffen, deshalb entsteht schnell ein Chaos, das hat nichts mit Faulheit oder Nachlässigkeit zutun. Andererseits kann zuviel ADS-Reflektion auch zu Blockaden führen, etwas zu verändern, weil man sich vielleicht (auch unbewusst) in der Disposition gefangen fühlt. Oder auch dazu, dass man aufhört, mit guter, hilfreicher Improvisation zu kompensieren - das, was man vor der Diagnose zwangsläufig sein leben über getan hat.

    Jeder Mensch hat seine Macken, niemand ist perfekt. Der eine ist eben stark reizoffen, inneren und äußeren Reizen gegenüber, der andere, hat große Probleme sich zu öffenen, mit Menschen zu kommunizieren, der nächste hat massive körperliche/gesundheitlich Schwierigkeiten, die ihm probleme bereiten. Jeder hat seine Stärken und Schwächen. Manchmal kann es auch ganz entspannend sein, die Perspektive mal wieder zu wechseln, von der "ich bin ADSler Perspektive" Urlaub zu nehmen und bspw. in "Jeder ist ein menschliches Individuum mit ganz bestimmten Stärken und Schwächen, Eigenarten, Fähigkeiten, Begabungen, Ansichten usw." zu wechseln.

  10. #20
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 42

    AW: AD(H)S als Erklärung für Probleme - ist das nicht manchmal überbewertet?!

    WIe auch immer. Ob man ads hat oder nicht. Man macht sich Gedanken und redet darüber das etwas nicht mit einem stimmt. Und das bedeutet immer ein Umbruch und viele viele Gefühle, welche man schon erlebt hat und/oder wird. Ist doch gut findest du nicht. Als ADS als schutzschild zu sehen ist doch ok Jeder Mensch hat deverse SChutzschilder die er aufrichtet wenn es mal nicht so nach dem eigenen Sinn geht.. Dann nimmt man einiges vielleicht lockerer und macht sich nicht verrückt. Man akzeptiert mit der Zeit, denke ich, die entstandene SItuation und macht sich nicht mehr so fertig wie früher wenn man den soweit in seiner veränderung gekommen ist.

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Thema: AD(H)S als Erklärung für Probleme - ist das nicht manchmal überbewertet?! im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen bei ADHS bei Erwachsenen Forum
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