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  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 34
    Forum-Beiträge: 13

    Das Gefühl alles verpasst zu haben

    Hi,
    also, ich weiss seit ca 3Jahren das ich ADS habe und nehme seit dem auch Tabletten. Parallel dazu mache ich auch eine Therapie, die mir auch schon sehr geholfen hat.
    Aber nun habe ich das Gefühl, das ich meine ganze Jugend einfach so an bei vorbei gezogen ist.
    Ich habe das Gefühl das ich in meiner Jugend nur die Hälfte mitbekommen habe.

    Jetzt, mit Hilfe der Tabletten und Therapie, hab ich das Gefühl das ich mich sehr stark verändert habe. Ich nehme alles anders war und verarbeite es anders.
    Kurz gesagt, ich habe das Gefühl, als könnte ich jetzt all das erreichen, was ich in meiner Jugend nicht erreichen konnte. Dabei geht es hauptsächlich um das soziale Umfeld, der Umgang mit anderen, etc...
    Aber nun ist es irgendwie zu spät. Aber das negative Gefühl ist einfach da.
    Wenn ich diesem Gefühl aber nachgeben würde, könnte ich mir alles kaputt machen, das ich mir aufgebaut habe. Ich habe viel erreicht, aber das Gefühl, das ich etwas verpasst habe, das mir "bewusste" Jahre meines Lebens fehlen ist manchmal einfach so erdrückend.

    Geht es hier auch jemanden so?

  2. #2
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 234

    AW: Das Gefühl alles verpasst zu haben

    Ja das Gefühl bzw. die Tatsache vieles verpasst zu haben, kenn ich auch. Alleine das Wissen, dass man unter einer Stoffwechselerkrankung leidet und deshalb nicht richtig sein Potential ausschöpfen konnte, bringt einen da auch nicht weiter.

    Vielleicht hilft ja der Gedanke, dass man überhaupt Hilfe gefunden hat. Oder vergeht einem der Gedanke, sobald man sein "wahres ich" wie viele ADS'ler es gerne nennen, gefunden hat?

  3. #3
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 372

    AW: Das Gefühl alles verpasst zu haben

    Ich bekomme immer einen Schreck, wenn ich hier nur Negatives über AD(H)S lese. Es gibt doch auch viele Vorteile.

    Ich habe ADS und war in meinem Leben trotzdem vorwiegend sehr glücklich.
    Medikamente konnte ich aus gesundheitlichen Gründen nicht einnehmen. Wegen meiner schlechten Konzentration wären sie (zumindest für meine Arbeit) sicher sehr hilfreich gewesen.

    Natürlich ging so einiges in meinem Leben schief, aber ich bin im Nachhinein über jede Erfahrung, die ich gemacht habe, dankbar.
    Ich glaube, dass alles im Leben einen Sinn hat. Die Erfahrungen kann man in der Zukunft in etwas Positives verwandeln.
    Besonders wenn man noch jung ist, gibt es noch unzählige Chancen im Leben.
    Manchmal verpasst man etwas, aber bekommt genau dadurch später im Leben etwas viel Schöneres.
    So war es sehr oft in meinem Leben. Hatte ich bisher nur Glück oder lag es daran, dass ich bisher nie aufgegeben habe? Das ist mir noch nicht ganz klar.

  4. #4
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 151

    AW: Das Gefühl alles verpasst zu haben

    Also wenn die "Passung" stimmt, also man in der passenden Familie, Umgebung aufwächst, man die richtige Schule besucht, und man dann auch vielleicht Talente mitbringt, die man als Berufung umsetzen kann, also dann auch ein passendes Arbeitsumfeld hat bzw. Sich gewählt hat, wenn möglich, dann kann Sich ADHS vielleicht auch als Vortieil oder als "Gabe" präsentieren.
    Kreativität, einfühlungsvermögen, div. Gaben die ADHS lern oft nachgesagt werden sind leichter umzusetzen, wenn man auch eine gute Umgebung hat. Später kann man sich so eine leichter schaffen als als Kind.
    Wenn man dieses Glück gehabt hat, zumindest großteils, dann weiters nicht zu sensibel war, aufgrund von vielen Fehlern (Impulsivität, Unaufmerksamkeit, schlechten Schulleistungen, und mehr) nicht vorher zu sehr in seinem Selbstwert "gekränkt" geworden zu sein, recht stark und nicht zu sensibel ist, das alles gut reflektieren kann, kann man mit ADHS gut leben.
    Aber wenn man darin nicht so gut ist, und immer wieder sich wo "reinreitet", Fehler macht, Leute vor den Kopf stößt, im Nachhinein alles wieder gut machen muss oder will, ist das Leben bisschen schwieriger.
    Wird wohl bei jedem unterschiedlich sein ob die positiven ADHS Charakteristika die negativen überwiegen.
    Naja, mal so ein bisschen unausgereifte überlegungen zu unserem ADHS-Glück


    LG
    ianna

  5. #5
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 735

    AW: Das Gefühl alles verpasst zu haben

    Chris83m schreibt:
    Aber nun ist es irgendwie zu spät. Aber das negative Gefühl ist einfach da.
    Wenn ich diesem Gefühl aber nachgeben würde, könnte ich mir alles kaputt machen, das ich mir aufgebaut habe. Ich habe viel erreicht, aber das Gefühl, das ich etwas verpasst habe, das mir "bewusste" Jahre meines Lebens fehlen ist manchmal einfach so erdrückend.

    Geht es hier auch jemanden so?
    Natürlich!
    Ich denke, viele hier durchleben diese Art Trauerprozeß.
    Lebenszeit...einfach so verpufft...So viel Kraftanstrengung...So viel Nerven!
    Unverständnis...Das ist ein bisschen wie unschuldig im Knast sitzen und plötzlich
    kommt einer und lässt einen raus?

    Wir haben alles Recht der Welt wütend zu sein und traurig und das gehört dazu!
    Aber verdammt, es nutzt halt nix, die Erfahrungen sind gemacht, die Zeit ist weg.
    Das Einzige was uns bleibt, diese negativen Energien irgendwie umzuwandeln in
    eine Kraft...irgendetwas Posives, Wunderbares. Das muß doch verdammt nochmal
    möglich sein. Ich sage mir immer: Es geeeeht. Irgendwie wird es gut werden.
    das sind die Herausforderungen, die das Leben an uns stellt. Nehmen wir sie an.



    Herzlich
    Etosha

  6. #6
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 151

    AW: Das Gefühl alles verpasst zu haben

    Ja Etosha.

    Nur manchmal fühle ich mich wie mit einem Bein im Gefängnis und einem draußen. Weil ich immer wieder so blöde Fehler mach und oft immer noch, trotz Medis, meine Impulsivität schwer kontrollieren kann, oft Dinge sag, die ich dann gleich bereue. Dann muss ich wieder Konsequenzen tragen, hab dann oft das Gefühl, dass ich Verantwoetung für etwas übernehmen muss, wofür ich nichts kann. Aber ich bin ja erwachsen und es war ja wohl ich die sowas getan hat, auch wenn's mir dann so vorkommt, dass es nicht ich war sondern mein böser Zwilling, wie bei Dr. Chekyl und Mr. Hyde....

    Musste ich noch loswerden, aber prinzipiell hast du recht, jetzt wissen wir was los ist, und wir lernen draus und alles wird gut

    LG
    ianna

  7. #7
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 735

    AW: Das Gefühl alles verpasst zu haben

    ianna schreibt:
    Ja Etosha.

    Nur manchmal fühle ich mich wie mit einem Bein im Gefängnis und einem draußen. Weil ich immer wieder so blöde Fehler mach und oft immer noch, trotz Medis, meine Impulsivität schwer kontrollieren kann, oft Dinge sag, ...
    Ja, wir sind gut da drin, uns richtig fies unter Druck zu setzen.
    Diese ganzen Mechanismen, alle über Jahrzehnte antrainiert...die kriegste doch nicht
    wech so wie nen Schnupfen...Ein Schritt vor, zwei zurück. Logisch.
    Ohne richtig gute Unterstützung um Dich rum...ohne Verhaltenstherapie und weiß
    der Henker...Aber Medis allein, daran glaub ich irgendwie nicht. Kurzfristig vielleicht,
    aber auf Dauer? Dazu haben wir zu lange da drin gehockt in diesem Loch ohne
    richtiges Licht. Da muss man natürlich erstmal gehen und sich zurecht finden lernen.

  8. #8
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 51
    Forum-Beiträge: 393

    AW: Das Gefühl alles verpasst zu haben

    Chris83m schreibt:
    Aber nun ist es irgendwie zu spät. Aber das negative Gefühl ist einfach da.
    Hallo Chris83m,
    warum ist es mit 27 Jahren zu spät? Du hast doch fast ¾ Deines Lebens vor Dir.

    Mach was draus!

    Chris83m schreibt:
    Kurz gesagt, ich habe das Gefühl, als könnte ich jetzt all das erreichen, was ich in meiner Jugend nicht erreichen konnte
    Dann tu`s doch!

    Vergrabe Dich nicht in der Vergangenheit sondern lebe jetzt! ...und in der Zukunft!

    Ich wünsche Dir dafür viel Erfolg.
    Elektron

  9. #9
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 243

    AW: Das Gefühl alles verpasst zu haben

    Hallo,

    die Trauerarbeit gehört in gewisser Weise zu Heilung dazu...ADS zu haben und es erst später zu erfahren, ist je nach Schwere der Ausprägung der ADS- symptome und der vielen negativen Folgen und Lebenserfahrungen echt eine harte Nuss..

    .Als ich vor neun Jahren das erste Mal Ritalin nahm, wusste ich natürlich nicht, was da alles auf mich zukommen würde. Nach anfänglicher Euphorie, dass das Medikament so gut half, kam ein langer Umdenkprozess auf mich zu, den ich so bewusst gar nicht eingeschlagen habe."Learning by doing und Schritt für Schritt"... Eine flankierende ADStherapie gab es nicht, das Störungsbild ADS bei Erwachsenen gabs nicht. Und so musste ich auf den Gutwill meines Hausarztes hoffen, der mir aber bis heute die Medikamente verschreibt. JAhrelang hatte ich regelrecht Angst, dass er mir kein Ritalin mehr verschreiben könnte, weil es ja bei ERwachsenen so was nicht wirklich gibt. In den letzten Jahren hat sich bezüglich der Enttabuisierung von ADS bei ERwachsenen eine Menge getan. Ich habe dennoch sehr schnell verstanden, dass das Ritalin mir als Türöffner diente und ich mein ungerichtetes Leiden irgendwie angehen und auch langsam beenden konnte.

    Aus heutiger Sicht und einer Rückschau kann ich nur staunen, was ich da geleistet habe und wie konstant und friedlich ich geworden bin. Das heißt nicht, dass ich angepasst bin, oder ein Mitläufer, nein, ich bin innerlich freier, zufriedener, satter, ruhier und mehr ich selbst, ohne diese vielen Widersprüche und Katastrophen auf allen Ebenen weiter fortführen zu müssen. Das hat sich aber sehr langsam verändert, nicht von heute auf morgen...sondern war in der Lage, einzelne Problem nach und nach anzuschauen und auch zu bearbeiten (z.B. Beziehungsprobleme, Konfliktmuster, Trigger, die zu Ausbrüchen geführt haben zu hinterfragen und zu erfühlen).

    Ein lebenslanges Lernen wird bleiben und vielleicht auch Ritalin und andere Stimmungsstabilisatoren...dami t habe ich mich aber ausgesöhnt und diese tolle Entwicklung als Beweis und Trost für die vielen sehr, sehr schmerzhaften Jahre zurückbekommen.

    Ich wollte immer Opernsängerin werden, mein Traum und mein Talent! Aber meine Familie konnte mit meiner ADS nichts anfangen und so wurde ich sehr schnell (schon als Kindergartenkind auch depressiv und musste jahrelang durch einen Irrweg von Depressionen und sozialen Repressalien hindurch...und bin dankbar, dass ich unbewusst nach allen Strohalmen gegriffen habe, die am Wegesrand standen, auch wenn sie nicht die waren, die ich mir ohne ADS ausgesucht hätte. Mein Leben ist einen Aneinanderreihung von Dramen und Katastrophen und das fing bereits im Kindergarten an, die Schule, in der Familie und der größte Absturz war dann die Zeit der Berufsausbildungen und meine Männergeschichten....und dann kam endlich meine Idee, ADS zu haben..und ich machte den Test...

    Heute arbeite ich in einem Jugendamt an der Front und viele der Menschen haben ähnliche Probleme und ich kann ihnen zur Seite stehen...mit einem Wissen, dass meiner Meinung nach nicht bezahlbar ist, ich gehe jeden Tag gerne zur Arbeit, bei aller Arbeitsüberlastung und geringer Bezahlung...es ist mein Traumjob, den ich niemals bewusst angestrebt habe...
    Aber wenn es sowas wie eine Bestimmung gibt, dann ist das sicherlich hier meine!

    Liebe Grüße
    rosenmädchen

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