Seite 7 von 8 Erste ... 2345678 Letzte
Zeige Ergebnis 61 bis 70 von 79

Diskutiere im Thema Hypoaktive Typ vs( Hyperaktive Typ) im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #61
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 116

    AW: Hypoaktive Typ vs( Hyperaktive Typ)

    Morgenröte schreibt:
    Womit ich nicht zurechtkomme, sind Leute, die aus Trotz oder Opposition irgendein Image annehmen, ohne es zu "sein". Sie wirken unecht und sind meist auch anstrengend, weil sie alle anderen krampfhaft von ihrem Image überzeugen wollen.
    Mir fällt es oft sehr schwer, dass ich mit ADHS so anders zur Welt gekommen bin. Oft wünsche ich mir, ich wäre so "normal" wie andere auch, das Leben wäre dann sicher viel bequemer. Und dann sehe ich, wie "Normalos" sich die größte Mühe geben, mit aller Gewalt "anders", bloß nicht Mainstream zu sein? Das ist wirklich albern!

  2. #62
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 272

    AW: Hypoaktive Typ vs( Hyperaktive Typ)

    Interessant, was ihr hier gerade thematisiert...

    Ich frage mich das selbst auch oft, was aus mir und meinem Leben geworden wäre, wenn meine Eltern nicht so konsequent in der Erziehung gewesen wären...

    Eine Kindheitserinnerung kommt da wieder hoch, bei der wir bei alten Schulfreunden meiner Eltern zu Besuch waren, deren Kinder diagnostiziertes, hyperaktives ADHS hatten:
    Meine Eltern haben später so gelästert über diese "rotzfrechen Gören" und über deren Erziehung, dass es mir wieder Angst und bange wurde.
    Bei mir wurde so ein Verhalten einfach nicht geduldet!

    Ich denke es kommt auch nicht von ungefähr, dass Hypoaktivität vor allem bei Mädchen bekannt ist. Auch bei denen wird so ein Verhalten eben nicht geduldet. Bei Jungs heißt es dann schon eher: "Ja, die sind halt etwas wilder"

    Oder wenn ich an die Schule denke... Schlechte Noten, aufsässiges Verhalten, das war keine Option.
    Meine Eltern haben immer die Hausaufgaben kontrolliert, oder mit mir gelernt.
    Wenn die Heftführung unordentlich war, dann musste ich es eben noch mal neu machen.
    Klar habe ich viel geheult und geschrien weil ich nicht mehr konnte, wenn wir Diktate bis zum Umfallen geübt haben. Aber genutzt hat es nichts. Dann haben wir eben mal Pause gemacht und dann weiter.
    Musste auch Schönschreiben üben bis zum Abwinken, aber habe trotzdem immer noch eine Sauklaue.^^

    Ich habe es wohl meinen Eltern zu verdanken, dass ich die Schule ohne Probleme geschafft habe, oder nie irgendwelche Raufereien oder sonstige Probleme hatte.
    Aber was war der Preis dafür?!
    Habe mich total ruhig und schüchtern zurückgezogen, ohne Selbstwertgefühl...
    Habe an keinen außerschulichen Aktivitäten teilgenommen, kaum Freunde, immer Angst. Zwänge...

    Man kann "es" eben nicht wegerziehen. Man kann höchstens die Probleme verlagern...
    Dann ist man vielleicht nicht mehr unordentlich, ist gut in der Schule... Aber dafür platzt es an anderer Stelle dann auf.

    So gesehen sind die ADS-Eltern schon arm dran... Egal was sie tun und versuchen, Probleme wird es immer geben.
    Das gilt sicher für alle Eltern, aber ihr wisst schon was ich meine...

  3. #63
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 217

    AW: Hypoaktive Typ vs( Hyperaktive Typ)

    Hallo Evermind,

    vorweg eine Verständnisfrage:
    Evermind schreibt:
    wenn meine Eltern nicht so konsequent in der Erziehung gewesen wären...
    Ich habe es "negativ" verstanden, d.h. dass du das Ausmass der Konsequenz negativ beurteilst?

    Ich denke, es ist etwas dran, dass "wildes" Verhalten bei Mädchen weniger geduldet wird und ihnen die Hypoaktivität vielleicht "anerzogen" wird. Wenn ich so daran zurückdenke, was ein Mädchen alles nicht macht... Diese ganzen Erziehungssprüche...

    Für Eltern ist es wahrscheinlich schwierig, den goldenen Mittelweg zu finden, einerseits das Kind nicht völlig zu unterdrücken, andererseits zu erziehen und das Verhalten in die richtigen Bahnen zu lenken... Zum Beispiel dem Kind beizubringen, wie es seine überschüssige Energie sozialverträglich abbauen kann, anstatt die Wohnung auseinanderzunehmen.

    Und dann gibt es immer noch die anderen Leute, die auch diese für das Kind guten Versuche für Nicht-Erziehung halten.

    Aber letztlich kann man es ja nie allen Leuten rechtmachen.

  4. #64
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 116

    AW: Hypoaktive Typ vs( Hyperaktive Typ)

    Hallo Evermind,

    Evermind schreibt:
    Ich habe es wohl meinen Eltern zu verdanken, dass ich die Schule ohne Probleme geschafft habe, oder nie irgendwelche Raufereien oder sonstige Probleme hatte.
    Aber was war der Preis dafür?!
    Habe mich total ruhig und schüchtern zurückgezogen, ohne Selbstwertgefühl...
    Habe an keinen außerschulichen Aktivitäten teilgenommen, kaum Freunde, immer Angst. Zwänge...
    Genauso ist's bei mir auch gelaufen. Hinzu kommt, dass ich als Adoptiv-Kind der einzige AD(H)Sler in der Familie bin, insofern war's für alle Angehörigen sehr schwierig, mit mir richtig umzugehen und mich zu verstehen.
    Aber soll ich meinen Eltern deswegen heute Vorwürfe machen? Nun, sobald ich von zu Hause ausgezogen war, hab' ich mich erst mal mit allen Mitteln aus dem engen Korsett meiner spießigen Erziehung befreien müssen, war nämlich auch depressiv, extrem schüchtern, sehr einsam und ohne jedes Selbstwertgefühl. Der "Erwachungsmoment" kam, als ich Kontakt zu meinen leiblichen Erzeugern suchte und mit Überraschung feststellte, dass mein leiblicher Vater sämtliche "Charaktereigenschaften" hatte, die ich auch an mir selbst kannte. Jedoch war er deswegen nicht ständig getadelt worden so wie ich, sondern wurde von vielen sogar bewundert!
    Lange Jahre hatte ich ein sehr unversöhnliches Verhältnis zu meinen Adoptiveltern. Jedoch bin ich heute so weit, anzuerkennen, dass auch die nach ihrem Ermessen stets bemüht waren, das richtige für mich zu tun. Die Depression und einsame Jugend auf der einen Seite. Aber eine fundierte Schulausbildung, auf die ich mein weiteres Leben aufbauen konnte, auf der anderen. Unterm Strich war an der Erziehung sicher nicht alles richtig gewesen, aber eben auch nicht alles verkehrt.

    LG
    Camisinho

  5. #65
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 210

    AW: Hypoaktive Typ vs( Hyperaktive Typ)

    Camisinho schreibt:
    Mir fällt es oft sehr schwer, dass ich mit ADHS so anders zur Welt gekommen bin. Oft wünsche ich mir, ich wäre so "normal" wie andere auch, das Leben wäre dann sicher viel bequemer. Und dann sehe ich, wie "Normalos" sich die größte Mühe geben, mit aller Gewalt "anders", bloß nicht Mainstream zu sein? Das ist wirklich albern!
    Empfindest du das wirklich so? Ich hatte immer mein ganzes Leben den Eindruck, dass der Großteil aller Menschen mit aller Gewalt versucht eben genau "Mainstream" zu sein. Aber auf unbewusster Ebene. Sie verstehen nicht, dass sie die Produkte die sie kaufen, die Musik die sie hören, die Kleidung die sie tragen - das all das nicht Ausdruck ihrer Persönlichkeit, sondern in Wirklichkeit einfach nur unbewusstes Kopieren des Verhaltens anderer ist. Oder auf unsere moderne Gesellschaft bezogen: Sie sind ohne es zu realisieren Marionetten einer großen Marketingmaschinerie, die diesen Mechanismus schlicht erkannt haben und längst ausnutzen, Menschen durch Werbung, Prominente und Medien zu manipulieren. All das suggeriert uns doch letztendlich nur: Kauf es, denn alle tun das. Bzw. die "coolen" Leute tun das. Du willst dazugehören. Wir verschaffen dir auf simplen Wege den sozialen Status den du dir so sehnlich wünscht. Für nur 99,95€.

    Als Teenager habe ich die Menschen dafür quasi gehasst und war aus Protest auch langhaariger HeavyMetal Hörer. Aber im Endeffekt machen diese "Randgruppen" ja nichts anderes - weil sie sich nicht von dem Großteil der Menschen verstanden fühlen, rationalisieren sie ihre "Andersartigkeit" und "Unabhängigkeit vom Gruppenzwang und Anpassung" zu etwas Positivem. Dabei kopieren sie dieses Verhalten ja damit auch nur im Kleinen - sie kopieren eben Angehörige einer kleineren Randgruppe, nicht den Mainstream. Vielleicht meintest du das damit, vielleicht aber auch das naive "i`m so unique" Gehabe, welches so en vogue ist. (es ist erstaunlich wieviel "einzigartige" Teenies man auf sozialen Portalen so trifft, die doch alle irgendwie gleich ausehen, dasselbe schreiben, sich von schräg oben mit dem Handy im Spiegel fotografieren, ihr Profil mit Herzchen und bedeutungsschwangeren (da englischen, nicht deutschen) Nachrichten zupacken.) Da glauben Millionen von Leuten doch tatsächlich, dass sie ja ach so "alternativ" sind, weil sie von der extrem seltenen Sorte Mensch sind, die bunte Chucks tragen und sich mit Totenköpfen und Schachbrettmuster schmücken.

    Inzwischen bin ich in meinen Ansichten etwas reifer geworden. Ich verachte Menschen nicht mehr für ihre (zumindest für mich) offensichtliche Naivität. Ich verstehe inzwischen, dass das ein Teil sozialer Intelligenz ist. In gewisser Weise gehört es zum vernünftigen Umgang mit Menschen dazu, sich anzupassen und es ist ein Trieb, der in jedem von uns steckt. Der Mensch ist ein soziales Tier, er möchte sich zugehörig fühlen, er möchte sich mit einer Gruppe identifizieren und er ist unglücklich wenn er das nicht kann. Das trifft wohl auch auf mich zu und mag der Auslöser gewesen sein wieso ich in meiner "Rebellenphase" nicht wirklich zufrieden war. Anpassung kann für manche schwer sein - eben weil sie anders denken und anders ticken als der Durchschnitt. Aber zum akzeptiert werden gehört eben, Akzeptanz zurückzugeben. Wenn man den Leuten das Gefühl von Wertschätzung geben kann, so werden auch sie wesentlich mehr "Andersartigkeit" akzeptieren als wenn man sich einfach protestierend querstellt.


    Zum restlichen Thema:

    Ich überlege auch, inwieweit die Art wie sich AD(H)S äußert, also ob unaufmerksam, hyperaktiv oder impulsiv tatsächlich davon abhängen könnte, wie die Erziehung war, bzw welche Erfahrungen man sammeln durfte. Ich ziehe die erbliche Linie bei mir definitiv zu meinem Vater. Während ich jedoch "hypo" in sehr reiner Form bin, also primär ruhig, unkonzentriert und verträumt, so ist mein Vater klar sehr stark der impulsive Typus. Ich weiß nicht wie es bei ihm mit den (mir fast komplett fehlenden) Hyperaktivitätssymptomen steht, jedoch ist er doch etwas verschieden zu mir. Er ist emotional sehr sprunghaft, sehr schnell zornig, ein sehr schroffer und forscher Typus, der durch seine Art schnell (und man hat den Eindruck gerne) bei anderen (und auch bei mir gelegentlich) aneckt. Sein Vater war wie irgendwo schonmal geschrieben ein Choleriker und Alkoholiker (und mein Vater hat noch rechtzeitig die Reißleine gezogen bevor er auch endgültig zu Letzterem wurde). Bei mir waren Drogenprobleme nicht wirklich vorhanden, eine jahrelange Phase regelmäßigen Kiffens mal ausgenommen. Aber auch das konnte ich problemlos aus eigenem Antrieb abstellen und Alkoholismus stellt für mich zumindest gefühlt nicht mal im Ansatz eine realistische Gefahr dar. Mein Vater hat im Gegensatz zu mir eine ganz andere sehr viel schwerere Kindheit gehabt, in der er mit viel Gewalt und ständiger Kritik ("Nichtsnutz") seines Vaters zu kämpfen hatte.

    Bei mir persönlich war im Gegensatz die Erziehungsphase durch wenig Einfluss meines Vaters gekennzeichnet - eventuell auch etwas Positives, objektiv rückblickend betrachtet. Mein Vater war in dieser Zeit komplett auf seine Arbeit fokussiert anstatt auf seine Familie - was dann auch letztendlich zu einem (im Zusammenhang mit ADHS recht typischen) Burnout-Syndrom geführt hat.

    Da wir ja schon dieselben Erbanlagen teilen werden frage ich mich, inwieweit dieser Unterschied in der Kindheit tatsächlich ausschlaggebend für unsere unterschiedliche Krankheitsausprägung sein könnte (ein bei ihm nicht diagnostiziertes ADS mal einfach hypothetisch angenommen). Ich habe ja zusätzlich auch das Glück von den ganzen Komorbiditäten halbwegs verschont geblieben zu sein. Eventuell habe ich auch all das ein bisschen meiner Kindheit zu verdanken.
    Auf jeden Fall ist das eine interessante Diskussion.
    Geändert von hypocampus ( 6.08.2011 um 18:29 Uhr)

  6. #66
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 272

    AW: Hypoaktive Typ vs( Hyperaktive Typ)

    Ja in gewisser Weise sehe ich diese "Konsequenz" schon negativ, aber mittlerweile sehe ich es ähnlich wie Camisinho es berichtet, dass es eben Vor- und Nachteile hat.
    Ich verstehe inzwischen auch besser, warum meine Eltern diese Einstellung haben, dass sie alles übergenau nehmen und total auf Leistung fixiert sind... Diese Zwanghaftigkeit ist ja eine sehr häufige Kompensationsstrategie des ADS.
    Ich habe wie Camishimo auch die letzten 10 Jahre gebraucht um diese Verhaltensweisen und Ansichten, Ängste und Zwänge (mit denen man wirklich ein trauriges Leben führt) einigermaßen abzulegen.
    Dadurch sind dann die typischen ADS-Symptome auch immer mehr zum Vorschein gekommen.
    Also bin ich quasi vom Regen in die Traufe gekommen.
    Zurück kann und will ich aber nicht mehr... Extreme habe ich satt.

    Das ist ja eins der Probleme am ADS... man KANN eben nicht einfach mal z.B. "normal ordentlich" sein, sondern kommt vom Chaos gleich in das Zwanghafte und umgekehrt.

    Nun hoffe ich aber, dass ich nach der Diagnose durch eine fachgerechte Behandlung endlich "die Mitte" finde, und ein einigermaßen normales Leben führen kann...

  7. #67
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 116

    AW: Hypoaktive Typ vs( Hyperaktive Typ)

    Hi Hypocampus,

    Gut dass du das mal so umfassend zur Sprache bringst!!!!!!

    Mit Anfang 20 habe ich selbst im schnellen Wechsel sämtliche subkulturellen Rollen ausprobiert, vom Punk zum Grufti, zum Hippie zum Heavy Metal usw. Das klingt jetzt sehr albern und das war es auch! Mein damaliger Kerngedanke war "Wieso brauchen die anderen Gleichaltrigen immer etwas, womit sie sich identifizieren und damit cool vorkommen? Ich probier's jetzt einfach mal aus, ob's mir auch steht!" Aber glaub' mir: Mit irgendeiner Subkultur konnte ich mich niemals richtig identifizieren!

    hypocampus schreibt:
    Empfindest du das wirklich so?
    Es ist anstrengend, von Natur aus immer dagegen zu sein! Aber was soll ich machen? Überall wird so viel gelogen, Konsens-Meinungen werden einfach übernommen, weil's schick ist. Da fühl' ich mich schon der Wahrheit verpflichtet und riskiere unangenehme Meinungen!

    hypocampus schreibt:
    Ich hatte immer mein ganzes Leben den Eindruck, dass der Großteil aller Menschen mit aller Gewalt versucht eben genau "Mainstream" zu sein. Aber auf unbewusster Ebene. Sie verstehen nicht, dass sie die Produkte die sie kaufen, die Musik die sie hören, die Kleidung die sie tragen - das all das nicht Ausdruck ihrer Persönlichkeit, sondern in Wirklichkeit einfach nur unbewusstes Kopieren des Verhaltens anderer ist. Oder auf unsere moderne Gesellschaft bezogen: Sie sind ohne es zu realisieren Marionetten einer großen Marketingmaschinerie, die diesen Mechanismus schlicht erkannt haben und längst ausnutzen, Menschen durch Werbung, Prominente und Medien zu manipulieren. All das suggeriert uns doch letztendlich nur: Kauf es, denn alle tun das. Bzw. die "coolen" Leute tun das. Du willst dazugehören. Wir verschaffen dir auf simplen Wege den sozialen Status den du dir so sehnlich wünscht. Für nur 99,95€.
    Und sich für 250€ ne Baggy-Pant zu kaufen, um im Stadtviertel Ghetto-Feeling zu verbreiten? Also extra viel Geld ausgeben, um arm auszusehen?

    hypocampus schreibt:
    Als Teenager habe ich die Menschen dafür quasi gehasst und war aus Protest auch langhaariger HeavyMetal Hörer. Aber im Endeffekt machen diese "Randgruppen" ja nichts anderes - weil sie sich nicht von dem Großteil der Menschen verstanden fühlen, rationalisieren sie ihre "Andersartigkeit" und "Unabhängigkeit vom Gruppenzwang und Anpassung" zu etwas Positivem. Dabei kopieren sie dieses Verhalten ja damit auch nur im Kleinen - sie kopieren eben Angehörige einer kleineren Randgruppe, nicht den Mainstream.
    Viele kriegen's nie so richtig mit, dass sie sich zwar erfolgreich vom Mainstream abgesondert haben, im Grunde jedoch in einem kleineren Strom noch viel angepasster mitschwimmen und niemals den Mut aufbringen würden, sich diesem Gruppenzwang zu widersetzen. Also im Grunde noch viel spießiger als der Mainstream!

    hypocampus schreibt:
    vielleicht aber auch das naive "i`m so unique" Gehabe, welches so en vogue ist.
    Was sich wiederum hervoragend von der Mode- und Werbeindustrie ausschlachten läßt. Bis alle so einzigartig sind, dass es wie ne Uniform rüberkommt?

    hypocampus schreibt:
    Inzwischen bin ich in meinen Ansichten etwas reifer geworden. Ich verstehe inzwischen, dass das ein Teil sozialer Intelligenz ist. In gewisser Weise gehört es zum vernünftigen Umgang mit Menschen dazu, sich anzupassen und es ist ein Trieb, der in jedem von uns steckt. Der Mensch ist ein soziales Tier, er möchte sich zugehörig fühlen, er möchte sich mit einer Gruppe identifizieren und er ist unglücklich wenn er das nicht kann. Wenn man den Leuten das Gefühl von Wertschätzung geben kann, so werden auch sie wesentlich mehr "Andersartigkeit" akzeptieren als wenn man sich einfach protestierend querstellt.
    Das stimmt in der Tat. Insbesondere fährt man gut damit, nicht alles zu hinterfragen, sondern einfach auch mal geschehen zu lassen. Jeder von uns hat so seine Untugenden, die man akzeptieren sollte.

    LG Camisinho
    Geändert von Camisinho ( 6.08.2011 um 19:49 Uhr)

  8. #68
    mit Nebenwirkung

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 48
    Forum-Beiträge: 4.672

    AW: Hypoaktive Typ vs( Hyperaktive Typ)

    ...das ist ja hier richtig spannend geworden.

    Noch kurz zu meiner Ausgangssituation... müssen/sollen/wollen.

    Camisonho, leider habe ich, weil ich sehr unsicher war und bin, viiiiele Erziehungsbücher gelesen. Das verwirrt noch mehr, im Endeffekt.

    Aber in einem, waren sich fast alle Autoren einig. Mit Fragen, ob ein Kind will, kann man sie sehr schnell überfordern... vllt. nicht beim Haare bürsten, aber bei anderen dingen. Und Fragen zeigt dem Kind...die Mama/der Papa weiß es auch nicht... das ist nicht gut, in sofern, weil es das Vertrauen in die Allmacht der Eltern nimmt. Es ist aber bis zu einem gewissen Alter normal und wichtig, das Kinder den Vater für "Supermann" halten und die Mama für eine "Wunderheilerin" und sowas...
    also... das glaube ich...
    (Genau das gab es bei mir übrigens nie... also dass ich meinen Eltern so voll vertraut hätte, und bei euch wohl auch nicht, vllt. aber so sollte es sein. Zumindest ungefähr so)

    Und, wie Morgenröte sagt, wer fragt muss ein nein akzeptieren.

    Irgendwann sollte es dann erfahren, dass Eltern auch nicht unfehlbar sind, aber dennoch nicht hilflos. Sonst würden ja alle Kinder glauben sie müssten Unfehlbar sein, um im Leben zu bestehen...

    Naja und so weiter, das wird sonst zu lang...ist aber so kurz gefasst schon missverständlich... na, egal jetzt...

    Also die Theorie meines Erziehungsstils habe ich im Kopf richtig gut drauf . Ich kann es nur nicht umsetzten.
    In meiner Theorie ist es eine Mischung aus (an)leiten und lassen, und das in der richtigen Zusammensetzung...


    Ich will kurz sagen, wie ich darauf kam.
    Ich hatte mit einem Chaoten über unsere Problematiken gesprochen und wie sie wohl entstanden sind...und da kamen wir auf das Elternhaus.... und je mehr er beschrieb, was ihn heute wütend macht, um so mehr sah ich meine Erziehungsfehler. Allerdings sind das ganz andere, wie ich sie in meiner Familie (kann man eigentlich gar nicht so nennen) erfahren habe.
    Ich bin also der festen Überzeugung gewesen, es besser zu machen und kam zum Schluss, dass ich es nur anders falsch mache...
    Das war schon hart...

    Mein einziger Halt vorher war, dass ich mit meinen Kindern über meine Fehler spreche und ihnen meine "seltsamen" Verhaltensweisen in sofern zu erklären versuche, dass ich ihnen immer wieder sage...Es hat nichts mit euch zu tun... und natürlich vieles mehr, was jetzt aber auch zu weit führen würde.
    Weil ich vermisst habe (unbewusst) , dass man mit mir kommuniziert hat und heute unter den falschen Rückschlüssen, die ich in Ermangelung an Ehrlichkeit und Offenheit gezogen habe, leide...mehr als unter der Unterlassung, Gleichgültigkeit, Unberechenbarkeit und all dem anderen Kram.
    Ich dachte, wenn meine Kinder nur wissen, dass sie geliebt werden, so wie sie sind, und dass es meine Probleme sind und nicht ihre... wenn sie nur niemals denken, dass ich sie nicht haben will, sondern nur ertrage, ...dann ist es gut.

    Das hat der Chaotenfreund aber anders gesehen... und daher meine kurzgefasste Verzweiflung im Beitrag von heute Morgen.


    Ich nehme an, wie immer, liegt die Wahrheit dazwischen... Es ist wichtig für Kinder. dass sie konsequent (gleichförmig) erzogen werden... und ganz zwanglos ist das alles wohl nicht machbar... aber sie müssen wissen, dass sie ehrlich und voll und ganz angenommen sind. Und ausschließlich ihr VERHALTEN an Situationen anpassen sollen...nicht sich selbst an andere (oder die Gesellschaft)


    Wenn ich jemals rausbekomme, wie das geht und dann feststelle, dass es so auch funktioniert, sage ich euch bescheid.


    Insofern, ist es hier sowieso gerade interessant, weil sowohl die elterliche Lage (und mit ADHS wird es ja nicht leichter) als auch die kindliche Empfindung beleuchtet wird.



    Vllt. sollte ich noch was zur Verhaltensanpassung sagen, bevor ich schimpfe bekomme.
    Ich finde, es ist für den Menschen wichtig, dass er im Stande ist, auf äußere Bedingungen, durch einen temporäre Anpassung seiner Verhaltensweise ein zu gehen... Ob er das nun zu seinem oder anderer Wohl tut... Leider sind die "Situationen" sehr Extrem und unnatürlich geworden. das macht es sehr schwierig.
    Ich denke nur an die Kinder, die um 7.45Uhr mit der Lernerei anfangen sollen, obwohl man heraus gefunden hat, dass das gar nicht "ihre" Uhrzeit ist, die wäre nämlich ungefähr um 9Uhr...aber da sind sie schon müde, überfordert oder gar gefrustet, weil sie nicht mitkommen. Gilt natürlich nicht für alle gleichermaßen... aber das ist wohl ein Richtwert.

    Das könnte man auch auf den stärkenorientierten Unterricht erweitern, den es ja nur sehr begrenzt, wenn überhaupt gibt. Alle Kinder werden über einen Kamm geschoren und müssen erstmal möglichst alles können und das auch noch theoriebetont erlernen...

    da wir aber in einer so schrecklich großen Gemeinschaft Leben und alles mit allem zusammenhängt, bleibt für individuellere Handhabung kein Platz.


    Deswegen muss man sich anpassen können...situativ und nicht prinzipiell... so wie sich früher die Menschen einfach an die kalten, nahrungsarmen Winter anpassen mussten, bis sie vorbei waren... so meine ich das.
    Nicht dass man sich selbst aufgibt und so tut, als wäre man ganz anders... das meine ich nicht.


    Ich glaube zwar, dass ich jetzt ganz gewaltig den Faden verloren habe, aber zum Nochmallesen fehlt mir gerade die Geduld...

    Liebe Grüße (und hoffentlich ist es jetzt nicht allzu sehr daneben....lasst euch nicht stören )

    happy

  9. #69
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 116

    AW: Hypoaktive Typ vs( Hyperaktive Typ)

    Hallo Happygill,

    wie ich schon gesagt hatte, darf ich mir - mangels eigener Erfahrung - kaum erlauben, in Erziehungsfragen mitzureden.
    Aber zumindest zu einem Punkt: Die Sicherheit! Das war z.B. das erste, was ich als Exkursionführer zu lernen hatte. Denjenigen, für die man verantwortlich ist, muß man immer das Gefühl absoluter Sicherheit vermitteln. Dabei darf man gerne auch mal eigene Unsicherheit überspielen und so tun, also wären bestimmte unvorhergesehene Ereignisse bzw. Schwierigkeiten genauso so geplant oder vorhergesehen gewesen.

    Beispielsweise war ich über zwei Jahre Skipper auf einem offenen 7m-Fischerboot, manchmal bin ich von einer spontanen Wetteränderung mit Sturmböen so überrascht worden ... uhh das war garnicht gut. Aber was soll's. Cool bleiben, so tun als wär's nicht anders vorhergesehen, die Leute in Öljacken einkleiden und ihnen verklickern, es wird demnächst feucht-fröhlich, das gehöre nun mal zu jeder anständigen Seefahrt dazu - und dann haben die tatsächlich auch sehr viel Spaß dabei!

    Ein anderes Beispiel ist, als ich meinen ersten Hundewelpen großgezogen hab. Hatte Flöhe und das kleine Kerlchen wehrte sich beim täglichen Bürsten "mit Händen und Füßen" - ich wollte ihm ja auch nicht weh tun. Las ich also in eine Hunde-Ratgeber, dass ich auf jeden Fall der Herr sein muss und bei allem was ich tue gibt's absolut keine Diskussion! (Allerdings im freundlichen Sinne, ich will ja was gutes tun) Ab sofort hat sich das Tier beim Bürsten nie wieder gewehrt, sondern sich alles ganz brav gefallen gelassen.

    So, diese Beispiele mögen in Bezug auf Kindes-Erziehung etwas weit hergeholt erscheinen ....
    Aber ich meine herauszuhören, dass Selbstunsicherheit echt ein Problem für dich ist. Da hast du nun viele Bücher gelesen und im Endeffekt hat's dich vielleicht noch mehr verunsichert. Außerdem glaube ich, dass das Potential, ein guter Vater oder eine gute Mutter zu sein, schon von Natur aus in jedem von uns drin steckt - sonst wären wir doch längst ausgestorben, oder? Klar, wenn du an dir selbst zweifelst, werden auch deine Kinder an dir zweifeln und anfangen zu bocken ...

    Nun noch was zu der "Willst du daß ..."-Frage: Natürlich war das als Suggestiv-Frage, also sozusagen als Aufforderung gemeint - allerdings im positiven Sinne, so daß der Adressat das auch will! Selbstverständlich ist das nicht in jeder Situation angebracht, aber ich persönlich hab' gerade bei Kindern gute Erfahrung damit.

    Mehr fällt mir gerade nicht ein .... schlage vor, wir unterhalten uns in ein paar Jahren nochmal über das Thema, vielleicht hab' ich dann ja sogar andere Erfahrung, statt mit Hundewelpen zu kommen.

    happypill schreibt:
    Irgendwann sollte es dann erfahren, dass Eltern auch nicht unfehlbar sind, aber dennoch nicht hilflos. Sonst würden ja alle Kinder glauben sie müssten Unfehlbar sein, um im Leben zu bestehen...
    Genau, das noch. Selbstverständlich ist vorgegebene Unfehlbarkeit völliger Blödsinn und führt letzendlich nur noch zu mehr Verunsicherung. Auch gegenüber Kindern hatte ich bisher nie das Problem Irrtümer zuzugestehen, mich sogar belehren zu lassen. Nur sollte halt klar sein, dass man jederzeit "das Ruder fest in der Hand" hat (also nicht hilflos ist). Andererseits ist es gut, ein gewisses Vertrauen auch den Kindern entgegenzubringen, nur überfordern darf man sie dabei nicht.

    LG Camisinho
    Geändert von Camisinho ( 6.08.2011 um 22:01 Uhr)

  10. #70
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 217

    AW: Hypoaktive Typ vs( Hyperaktive Typ)

    Camisinho schreibt:
    Nun noch was zu der "Willst du daß ..."-Frage: Natürlich war das als Suggestiv-Frage, also sozusagen als Aufforderung gemeint - allerdings im positiven Sinne, so daß der Adressat das auch will! Selbstverständlich ist das nicht in jeder Situation angebracht, aber ich persönlich hab' gerade bei Kindern gute Erfahrung damit.
    Das nennt man Manipulation. Und im schlimmsten Falle beeinflusst du die Kinder so, dass sie verwirrt sind und nicht mehr wissen, was sie selbst wollen und fühlen.

Seite 7 von 8 Erste ... 2345678 Letzte

Ähnliche Themen

  1. "Das hyperaktive Baby und Kleinkind" - Cordula Neuhaus
    Von 1411erika im Forum ADS ADHS Bücher
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 19.05.2009, 17:01

Stichworte

Thema: Hypoaktive Typ vs( Hyperaktive Typ) im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
©2017 ADHS bei Erwachsenen Forum