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Diskutiere im Thema ADS erst im Erwachsenenalter bemerkbar? im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 266

    ADS erst im Erwachsenenalter bemerkbar?

    Hallo miteinander!

    Ich habe bisher noch keinen ADS-Test machen lassen, aber meine Therapeutin hat schon mal den Verdacht geäußert, dass ich dies haben könnte.
    Ich finde mich selbst auch hier in vielen Beiträgen wieder.

    Nun meine Frage:

    Kann es sein, dass ADS im Kindesalter mehr oder weniger unbemerkt bleibt, und sich dann erst im Erwachsenenalter bemerkbar macht?

    Wenn ich so an meine Kindheit zurückdenke, dann habe ich leider nur sehr wenige Erinnerungen.
    Ich war ein ruhiges, schüchternes Kind, das wenige richtig gute Freunde hatte, viel gegrübelt und nachgdacht hat und sich oft auch in seine eigene Welt zurückgezogen hat.
    In der Schule war ich bis ich aufs Gymnasium kam, sehr gut, dann sackte ich ein wenig ab, aber ich denke, dass das eher an den höheren Anforderungen auf dem Gymi lag.
    Eigentlich war ich schon als Kind eher faul. Für die Schule hab ich nur das Nötigste gemacht, Sport und Bewegung war nicht so meins.
    Ich habe den Eindruck, dass ich damals nicht so chaotisch war wie heute. Damals stand ich irgendwie meist unter Spannung. Das mag auch daran gelegen haben, dass meine Mutter damals ziemlich dominant war und mich mit Liebesentzug gestraft hat, wenn ich mal nicht das gemacht hab, was sie wollte.

    Aber seit ich von zu Hause ausgezogen bin, und insbesondere, seit ich studiere, habe ich das Gefühl, dass ich immer mehr typische ADS-Verhaltensweisen an denTag lege.
    Z.B. bin ich sehr chaotisch, lass mich leicht ablenken, will viel auf einmal machen etc. Durch meine Therapie bin ich langsam dabei dies in den Griff zu bekommen.

    Aber mir passieren oft Dinge, wo ich mich frage, wo das noch hinführen soll.

    Z.B. kann ich mich beim Zugfahren so in ein Buch vertiefen, dass ich fast die Haltestelle verpasse.
    Und letztens war ich so in Gedanken, dass ich mich am falschen Bahnsteig anstellte und fast in den falschen Zug gestiegen wäre, wenn ich nicht zufällig die Lautsprecherdurchsagen gehört hätte.
    Sowas wär mir früher nie passiert! Das mag jetzt zwar nicht so tragisch klingen, aber ich hab langsam schon Angst, dass ich irgendwas Wichtiges vergesse, weil ich so in Gedanken bin.

    Deshalb habe ich mich gefragt, ob durch meine Selbständigkeit und die Ablösung vom Elternhaus, durch die Tatsache, dass ich so sein kann, wie ich bin, jetzt auch diese ganzen Auffälligkeiten, die auf ADS schließen lassen zum Ausbruch kommen.

    Freue mich über Antworten!

    Liebe Grüße

    Nasenbär

  2. #2
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 14

    AW: ADS erst im Erwachsenenalter bemerkbar?

    Hi Nasenbär,

    ich kann leider nicht mit einer Antwort dienen, aber stelle mir die gleiche Frage.

    Ich kann auch nur schlecht und vage auf meine Kindheit zurückblicken, andere beschreiben mich da als ganz normal, schüchtern, oder auch manche als verträumt. Aber scheinbar im Rahmen dessen dass ich nicht so sonderlich aufgefallen bin in der schule und ganz gut durchkam.
    so ab 10Jahre oder so wurde ich oft als verpeilt und irgendwie anders (weil immer so kompliziert) erlebt -> keine ahnung wann aber ab irgendwann hab ich auch die erinnerung dass ich micht anders fühlte...+in der pubertät wurde dass dann mehr ...
    (oje-ich kann doch hier nicht mein leben zusammenfassen-would be a long biographie..)
    ab da gings immer rauf und runter mit meiner stimmung und allgemeinen lage...

    Ok, mal zu aktuell: ich hab auch ein studium angefangen vor nem Jahr und es ist das reinste chaos innerlich und teils auch äusserlich. Ich hab vorher schon jahre lang allein gewohnt und ja auch gearbeitet- das war teils ein durcheinander, aber das studium toppt es nun noch mal.
    Es ist wie ein Kampf...
    Mir geht es besonders oft zu schnell wenn die profs was erzählen + ich bin extrem frustriert wenn ich dann nicht mitkomm (oder ärgerlich- teils über die, teils über mich)
    ....u.v.m.

    ....puh, ich sitz schon viel länger am rechner wie ich energie hab- ich muß dringend schlafen gehen..

    LG Kassiopeia

  3. #3
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 14

    AW: ADS erst im Erwachsenenalter bemerkbar?

    Hallo Nasenbär,

    ich glaube, mir ging es genauso wie Dir...in der Schule am Gymnasium bin ich als ruhige Schülerin nicht aufgefallen. Ich erinnere mich im Nachhinein, dass ich nie mitbekommen habe, welche Hausaufgaben wir aufhatten. Ich habe dies einfach dann vom Hausaufgabenbuch meiner Banknachbarin abgepinselt. Ich hatte überhaupt eine liebe Clique, die sozusagen auf mich mit aufgepasst haben- ich habe sie dafür amüsiert und unterhalten mit aktuellen Neuigkeiten...und ein Fest aus unserem Schulalltag gemacht

    Komischerweise bestand ich das Abi besser als meine Freunde, die dann etwas pikiert schauten, da ich aus Faulheit früher oft abgeschrieben habe und Hausaufgaben auch oft gefelt haben- ich konnte mich aber sehr gut spontan retten und war sehr fleißig im vorlauten Mitarbeiten...In Extremsituationen funktioniere ich halt sehr gut...

    Zum Ausgleich habe ich mir dann einen sehr ernsten Freund und ein hartes Doppel- Studium ausgesucht. Ich brauchte ja Herausforderungen und hielt mich eh für grenzenlos begabt...

    Im Studium war ich mir extrem selbst überlassen...es war nicht gerade verschult...ich war auch oft so in Gedanken, wie Du...hab aber immer passende Ausreden gehabt...(mir fiel das gar nicht so auf in meinem Elternhaus, da meine Eltern auch so verpeilt und schusselig, aber gesellschaftlich sehr beliebt sind...) und da ich meine Wege eher alleine ging, störte das auch niemanden...Meine Beziehung war über Jahrzehnte eine Wochenendbeziehung...

    Ich bestand auf Anhieb alle Scheine und machte im Zweitstudium auch noch die geforderten Scheine im Schnelldurchgang. blöd kann ich anscheinend nicht sein...

    Ich bestand das Staatsexamen und das Referendarexamen, wobei ich während der Referendarzeit auch noch halbtags anderweitig arbeitete- und das ging seltsamerweise...(mein dauernder Lebensgefährte war gut darin, mich anzupeitschen.../ motivieren wäre zu schwach auusgedrückt...). Er machte mir dauernd Riesenstress...

    Dannach erst kamen so richtig die Auswirkungen- ich wurde beruflich Schreibtischtäterin und kam damit nicht wirklich gut zurecht...ich wurde da so lethargisch und kam nicht vom Fleck...ich sinnierte nur so vor mich hin und verlor in der zeitlichen Dimension...

    Erst nochmal 10 Jahre später (nachdem ich andauernd arbeitslos wurde) dachte ich über ADS nach...fiel aber nach außen nicht auf, da ich gleichzeitig selbständig tätig war...

    Mir geht es echt genauso wie Dir- in Gedanken abschweifend...dauernd flüchtete und flüchte ich mich in Bücher...die sind meine wahren Freunde...immer da und immer spannend...man kann sich auf das geschriebene Wort fokusieren...

    Weshalb bist Du eigentlich in Therapie? Gibt es da Lösungsansätze?

    Jetzt nach Reduzierung meiner Tätigkeit während der Säuglingszeit bräuchte ich eine neue Perspektive...oder müßte mich neu erschaffen...

    Ich erwarte jetzt den passenden Einfall....darüber muß ich noch nachdenken...daneben vergeht das Leben...

    Ich denke, dass unser Problem schon die fehlenden Strukturen und der fehlende Adrenalinpegel ist....(daran habe ich viele im Studium scheitern sehen, die voll depressiv wurden oder Partner fanden, die sie voll unterdrückt haben)...

    Ich muß mich jetzt bald mal untersuchen lassen...noch weiß ich nichts genaues...aber "zwanghaft zerstreut" kommt schon hin...


    Liebe Grüße

  4. #4
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 93

    AW: ADS erst im Erwachsenenalter bemerkbar?

    Hallo zusammen,

    bei mir war das ähnlich. In der Schule war ich ganz gut, habe aber etwas gelitten. Ich habe mich nicht so gut verstanden mit anderen Leuten, wie andere das taten. Die hatten sowas wie soziale Fähigkeiten und bei mir war das offensichtlich eine Eigenheit oder der Mangel an Einsatz. Das ergab für mich keinen rechten Sinn. Aber dieses Problem habe ich ganz einfach verdrängt, so wie viele andere Kleinigkeiten z. b. dass ich keine rechten Freunde hatte, nicht so beliebt war, ein wenig clownhaft usw. Ich begann zu studieren, und machte die ersten Scheine ganz gut. Schließlich begannen die Probleme größer zu werden und ich habe mir gedacht, dass ich einfach zu viel alleine bin und darum die Lust verlöre, mehr aus meinem Leben zu machen. Diese Sache versuchte dann ein Doc zu lösen. Ergebnis war eine Diagnose. Aber leider bis heute erfolglos. Dass es an Aufmerksamkeit mangelte, war mir bis vor kurzem nicht bewußt. Ich habe immer gedacht, das was die anderen mir vermittelten, sei richtig. Dass es nur Faulheit ist, dass man wollen muß, dass man das/die Richtige finden muß, das zu einem paßt. Das ergab dann für mich auch keinen Sinn, aber es gab keine andere Erklärung für die vielen Mißerfolge.

    Und so bin ich hier gelandet und finde mich in so vielen Kleinigkeiten wieder. Ich muß mich auch mal untersuchen lassen.

    Liebe Grüße

  5. #5
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 138

    AW: ADS erst im Erwachsenenalter bemerkbar?

    lol viele herzen und ein gedanke, denn ich wollte grade die gleiche frage hier im forum stellen.
    mir geht es genauso. ich habe einen eigenverdacht auf ad(h)s und habe jetz die fragebögen dazu bekommen um dann einen termin für ein gespräch beim arzt machen zu können. früher war ich normal in der schule. nicht schlecht, aber auch nie herausragend gut. hätte aber eigendlich immer mehr gekonnt. faul sei ich hieß es.
    ob ich verträumt war weiss ich nicht mehr kann schon sein das ich bei langeweile etc abwesend war gedanklich.
    naja auf jeden fall habe auch ich den eindruck, dass ich als kind da keine probleme in dem sinne hatte wie heute und mir deswegen der gedanke kommt, es spricht nicht für ads. aber das, was mitlerweile ist, da bin ich wohl dann doch voll der adsler:

    struktur ist für mich ein fremdwort. ich lebe in den tag hinein.essenstechnisch bin ich genauso unstrukturiert, was meinem gewicht und meiner gesundheit nicht wirklich zu gute kommt.
    einerseits hab ich gemekrt ,brauche ich struktur und andererseits hasse ich sie. ich mag keine festen regeln, termine etc wo kein spielraum ist.
    ansonsten leide ich unter aufschieberities und wohl auch immer mehr unter konzentrationsproblemen. und fühle mich ständig wie getrieben...immer auf achse.

    also entweder sind wir in der kindheit nicht aufgefallen oder es macht sich in der kindheit einfach nicht so bemerkbar. denn es heisst ja das adhs auch erblich bedingt sei und so macht es für mcih keinen sinn, dass man diese krankheit erst im erwachsenenalter erwirbt. ich denke eher,das sie sich da mehr bemerkbar macht, weil wir dann auf uns alleine gestellt sind weil unsere eltern keine struktur im tagesablauf mehr geben können.

    lg
    herzchen

  6. #6
    Has


    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 29
    Forum-Beiträge: 69

    AW: ADS erst im Erwachsenenalter bemerkbar?

    Hallo

    Also bei mir waren die AD(H)S Symptome alle schon sehr ausgeprägt im Kindesalter. Mir kommt es aber auch so vor als würde es immer schlimmer. Aber daran glaube ich nicht dass sich ads verschlimmern kann einfach so.
    Vielmehr habe ich für mich selbst die Theorie aufgestellt dass es als Kind nicht so große folgen hatte wenn man unter einem Sympton litt.
    Bspw.:
    als Kind: gegen nen Pfeiler gelaufen, Jacke vieleicht mal vergessen(naund mama kauft eine neue), dies und das halt aber nichts was das leben total zerstört.
    Wenn man älter wird siehts dann anders aus da rennt man nicht gegen den Pfeiler sondern fährt mit 30kmh davor,1000 € weg. Außerdem die ganze Verantwortung die auf einen zu kommt die man als kind nicht hatte... die ganzen behörden, termine organisieren, dies und das und alles ....sovieeeel.
    Ich glaube ads wird nicht schlimmer nur es lässt sich schwieriger damit leben als erwachsener

    mfg

  7. #7
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 54

    AW: ADS erst im Erwachsenenalter bemerkbar?

    Ja, ich meine auch ADS macht sich als Erwachsener mit ganz anderer Tragweite bemerkbar. Auch weil man in der Kindheit von Eltern und Schule Strukturen vorgesetzt bekommt.

    Ich wusste als Kind, dass ich anders bin, hatte aber nie den Eindruck an einer Aufmerksamkeitsschwäche zu leiden. Im Gegenteil, ich wusste, ich kann mich viiiel besser konzentrieren als alle anderen, wenn nur das Thema interressant ist und ja nicht zu einfach. Ich wusste, dass ich den meissten gleichaltrigen geistig weit überlegen war und hatte auch sehr früh in irgendeinem Readers Digest etwas über Hochbegabtenforschung gelesen und mich selbst darin wiedergefunden.
    Ich wusste, dass ich viel mehr Leistung bringen könnte, wenn mich nich nur alles so langeweilen würde.

    Es passierte zum Beispiel: Ich saß im Unterricht, laß im Physikbuch das Thema Optik durch, während der Klasse Mechanik zustiess. Der Lehrer bemerkte wohl, dass ich nicht bei der Sache war und fragte mich etwas zum Thema. Kurzer Hyperfocus an die Tafel, und ich kam mit der richtigen Antwort.

    Dass ich nur wenige gute Freunde hatte, kompensierte ich mit Büchern. Ich entwickelte zeitweise eine richtige Sucht nach Büchern.

    Meine Schwierigkeiten in der Schule und die hänseleien von gleichaltrigen wurde von Erwachsenen wenig ernst genommen, da ich ja nie wirklich schlechte Noten schrieb und in fast allen fächern gut mitkam. Dass ich in manchen Fächern extrem unterfordert war merkten die wenigsten. Ich müsse mich mehr anstrengen, dann könne ich ja aufs Gymnasium wechseln hörte ich dann. Faulheit und mangelnde Selbstdisziplin bekam ich auch oft vorgeworfen.

    Als es dann in der Pupertät schwieriger wurde mit der Welt zurechtzukommen, ging ich davon aus, das hänge mit der Pubertät zusammen. Etwas hatte sich verändert. Der Hormonhaushalt stellt sich um.

    Als ich dann vom Ausbildungsbetrieb im dritten Lehrjahr gekündigt wurde, als zweitbester des Lehrjahres, hielten meine Eltern es für eine gute Idee mich vor die Tür zu setzen, damit ich endlich meine Faulheit überwinde und Selbstdiziplin lerne. Ich war damit aber erstmal völlig überfordert.

    Eine ehemalige Klassenkameradin sammelte mich zufällig von der Strasse ein, als ich obdachlos war und mal hier mal dort bei Freunden von mir schlief. Ihr ging es ähnlich wie mir, sie konnte nur besser damit umgehen, sie wusste nämlich im Gegensatz zu mir, dass sie ADS hat. Sie hatte schon gelernt damit zu leben. Ich kam immer noch nicht auf die Idee, dass ich eventuell ADS haben könnte. LAs ich zu ihr in eine WG zog wurde es besser. Wohl weil sie (gleiches Helfersyndrom wie ich) half meinen Tagesablauf zu strukturieren und mir häufig verbal in den Arsch trat.

    Ich lernte dann endlich mal eine Frau kennen, mit der es länger hielt als wenige Wochen und heiratete eine wenig zu überstürzt. Dann ging es mir einigermassen gut. Ich schaffte es auch mal länger in einem Job zu bleiben, wohl aus Verantwortungsgefühl und weil in einer Beziehung der Tagesablauf sowieso strukturierter ist.

    Ich war das erste mal seit beginn der Pubertät glücklich mit meinem Leben und vor allem ich kam endlich mal zurecht. Das wichtigste war wohl, ich konnte mich um jemanden kümmern (Helfersyndrom) und hatte auch jemanden der sich um mich kümmerte und so meine Unfähigkeiten kompensierte.

    Es kamen dann schnell 2 Kinder dicht hintereinander und meine damalige Frau war überfordert mit der Situation. Sie war schon immer schwierig gewesen, was sich aber immer mehr zuspitzte. Ich kam oft an sie nicht heran und sie tolerierte immer weniger meine Fehler. Mein hohes Schlafbedürfnis und meine extremen Anlaufschwierigkeiten morgens waren das schlimmste für sie. Es passierte, dass sie mich dreimal weckte für die Arbeit und ich kam trotzdem zu spät auf die Arbeit. Ohne eine gewisse Narrenfreiheit auf der Arbeit, eben weil ich Fachlich so gut war, hätte ich den Job sicher viel früher verloren.

    Irgendwann wurde meine Stelle wegrationalisiert. Ich hatte Glück, durch die politische Diskussion über Greencard für Inder bezahlte das Arbeitsamt jedem eine IT Umschulung, der nicht schnell genug den Baum oben war. Bei den Vortests fiel ich wieder mal positiv durch Ergebnisse auf, die den Schulleiter verblüfften.

    Leider litt meine Beziehung enorm. Ich Hyperfocussierte mich völlig auf den Unterricht und da 3,5 Jahre Ausbildungsinhalt auf 22 Monate komprimiert waren, war das die erste Schule auf der ich mich nicht langweilte. Dass ich dann abends kaum noch was auf die Reihe bekam und oft zuhause geistig völlig abschaltete zerstörte dann die Beziehung. Es war zum Teil auch die Borderliner Persönlichkeit meiner Exfrau, das verstand ich aber erst, als es schon zu spät war.

    Seitdem bin ich unglücklich. Ich vermisse meine Kinder jeden Tag, ausser wenn ich mich nicht gerade mittels Hyperfocus völlig von der Welt abschotte. Computerspiele sind da ganz gefährlich. Wenn ich arbeite, werde ich zum Workaholic, habe Schwierigkeiten mit Pünktlichkeit, bekomme die einfachsten Dinge nicht hin (z.B. Stundenzettel mal zum Termin ausgefüllt abgeben) und kann mich oft trotzdem im Job halten, weil ich Fachlich so gut bin und mit jedem Chaos klarkomme. Je Chaotischer, desto besser. Wenn ich improvisieren muss bin ich in meinem Element.

    Dass sich die Auswirkungen von ADS im Erwachsenenalter ändern hat meiner Meinung nach unterschiedliche Gründe
    - Pubertät bewirkt Umstellung im Hormonhaushalt, was auch den Neurotransmitterhaushalt beeinflusst
    - Als Kind bekommt man Tagesablauf von aussen Strukturiert
    - Bei Kindern wird Versagen eher toleriert
    - Verhaltensweisen haben als Kind weniger gravierende Auswirkung
    - Deppressionen führen bei Erwachsenen oft zu falscher Ernährung, beeinflusst Neurotransmitterhaushalt
    - Als Erwachsener wird man nicht von Eltern von Reizüberflutung geschützt

    Der massive Anstieg der Diagnosen ist meiner Meinung auch einfach zu erklären und hängt mit dem Kapitalistischen System zusammen
    - Die Familienverbände zerfallen immer mehr, ADSler werden weniger von aussen Strukturiert
    - Reizüberflutung nimmt zu
    - Schadstoffbelastung wird immer komplexer (immer mehr künstliche Materialien und Lebensmittel)
    - Stressbelastung an Arbeitsplätzen nimmt immer mehr zu

    Wenn ich gesund lebe, also keinen sozialen Stress, gesund ernährt, natürliche Umgebung ohne Umweltbelastung, keine Reizüberflutung im Alltag, dann gehts mir richtig gut. Sobald einer der genannten Faktoren aus dem Ruder läuft, habe ich Schwierigkeiten in dieser Welt zurechtzukommen.

    Zum Glück gab es bei meinen Eltern niemals ein Fernsehgerät.

  8. #8
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 266

    AW: ADS erst im Erwachsenenalter bemerkbar?

    Hallöchen!

    Vielen Dank für Eure Antworten.

    Da scheint es ja den meisten ähnlich zu gehen.

    @Its_me: ich bin wegen Depressionen in Therapie, und da ist dann irgendwie auch dazu gekommen, dass ich Schwierigkeiten habe, Dinge auf die Reihe zu bekommen. Meist sind es kleine Sachen, die den Alltag betreffen.
    In Sachen Schule und Ausbildung hat zum Glück alles geklappt, obwohl ich 2 Ausbildungen habe und jetzt studiere. Zwischendurch hab ich natürlich auch gearbeitet. Es ist nicht so, dass mir das Arbeiten keinen Spaß macht, im Gegenteil! Jetzt bin ich im Praxissemester und es macht so viel Freude, wieder zu arbeiten, weil ich da endlich selber ma wieder was tun kann und nicht nur in Vorlesungen sitzen und mich berieseln lassen muss.

    Meine Therapeutin hat mir den Tipp gegeben, alles zu strukturieren, mit Zettel schreiben, Kalender führen etc.
    Das hab ich auch ne Weile durchgehalten, aber natürlich hab ich es schon längst wieder aufgegeben, weil ich nichts durchhalten kann...

    Wer von Euch leidet auch an solch extremer Antriebsschwäche?
    Gerade ist es bei mir wieder mal so schlimm!

    Habe das Gefühl, dass ich mit meiner Energie nicht haushalten kann.

    In der Woche bin ich immer von morgens bis abends unterwegs beim Praktikum. Dort hänge ich mich meist voll rein, weil es mir Spaß macht.
    Wenn ich dann abends heim komme, dann bin ich so platt, dass ich kaum noch was schaffe im Haushalt, außer das wirklich Wichtige. Dann fall ich aufs Sofa, schau noch ne Weile TV und geh dann ins Bett.

    Freunde kann ich unter der Woche abends garnicht mehr treffen, weil mir die Energie fehlt.
    Und am Wochenende bin ich meistens noch geschaffter. Das ist besonders heute so... könnte den ganzen Tag schlafen.
    Ich weiß, dass Sport helfen sollte, aber ich kann mich nicht aufraffen. Da bin ich körperlich schon garnicht in der Lage, mir wird dann so schnell schwindlig und alles kostet mich extrem viel Anstrengung.

    Kennt das jemand? Weiß jemand, wie man dagegen ankommt?

    LG

    Nasenbär

  9. #9
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 138

    AW: ADS erst im Erwachsenenalter bemerkbar?

    Nasenbär schreibt:
    Und am Wochenende bin ich meistens noch geschaffter. Das ist besonders heute so... könnte den ganzen Tag schlafen.

    liegt vielleicht daran das man die ganze woche stress hat und am wochenende kann man endlich sich mal gehen lassen.

    das gefühl kenn ich auch.
    anderes beispiel: unter der woche könnte ich immer ewig lange wach bleiben. kaum ist es wochenende geh ich früh ins bett dabei könnte man dann ja erst recht lange aufbleiben.
    aber unter der woche will man dann so viel wie möglich noch schaffen abends oder die zeit genießen und am wochenende lässt man dann mal fünfe grade sein und is dann total platt glaub ich.

    einen tipp kann ich dir geben.versuch dir kleine ruheinseln in deinen alltag zu bauen. nutz deine pause im praktikum beispielsweise für irgendwas was du gerne machst, bzw was dir gut tut.
    sei es vielleicht was lesen (je nach dem wie lange deine pause ist)nen telefonat mit na lieben freundin oder bizzl musik hören.
    vielleicht auch einfach nen kleinen spaziergang um ein bizzl frische luft und tageslicht abzubekommen...kommt bei depressionen ja auch gut.

    lg herzchen

  10. #10
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 167

    AW: ADS erst im Erwachsenenalter bemerkbar?

    Nasenbär schreibt:
    ...Kann es sein, dass ADS im Kindesalter mehr oder weniger unbemerkt bleibt, und sich dann erst im Erwachsenenalter bemerkbar macht?...
    Ich denke mir gewisse Grundzüge sind aber sicherlich schon im Kindesalter zu sehen. Interessant finde ich dabei die Schulzeugnisse der 1. und 2.Klasse wo die Lehrer einen ja nur schriftlich beurteilen. Was steht denn da bei dir?

    Ansonsten denke ich mir aber es kann sein das das Elternhaus einem genug Struktur vorgibt das vorallem dieses Schweifen lassen und Dahinträumen nicht so ausgeprägt ist. Auch ist der kindliche/jugendliche Stoffwechseln noch viel schneller was sicherlich auch eine Auswirkung hat. Auf jedenfall würde ich mich aber bei einer Diagnose nicht nur auf eine Meinung verlassen vorallem da es leider auch sehr sehr viele "schlechte" Diagnostiker für erwachsenen AD(H)S gibt. Grundsätzlich finde ich aber bei einem Erwachsenen muss man organische Ursachen unbedingt ausschliessen. Z.b bekommt man Hashimoto viel später oder im Laufe der Jahre bekommt man eine Schilddrüsenunterfunktion. Beides kann sehr viele Syntome einer ADS zeigen.

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