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Diskutiere im Thema "ADS-Outing" und Auswirkungen auf Freunde! Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #41
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 277

    AW: "ADS-Outing" und Auswirkungen auf Freunde! Welche Erfahrungen habt ihr gemac

    Hallo Elischa,

    ich verstehe Deine Situation, die Probleme, die damit zusammenhängen und das Dilemma, in dem Du steckst. Natürlich, es sind Bedingungen, die für einen AD(H)S'ler viele Fallen bereithalten. Ich kann das insofern nachvollziehen, da ich auch schon etliche Projekte koordiniert habe, auch freiberuflich tätig war oder in Vorständen von Vereinen Verantwortung für einige Mitarbeiter, große Geldsummen und eine anspruchvolle inhaltliche Arbeit hatte. Ich habe, denke ich, diese Arbeit recht gut gemacht, zumindest wurde mir das von den anderen meist so zurückgespiegelt. Andere haben aber natürlich nicht gesehen, wieviel Energie ich da reinpowern musste, um dieses Ergebnis abzuliefern. Und der Energieaufwand war eben aus meiner heutigen Sicht oft deulich höher, als es jemand vermocht hätte, der kein ADS hat.
    Wenn ich selbst das Geühl hatte, ich werde der Verantwortung nicht (mehr) gerecht oder es kostet mich doch zu viel Energie, habe ich entweder die Aufgabe abgegebebn oder eben Veränderungen organisiert, die mir Struktur geben und/oder mich unterstützen bzw. entlasten.

    Wenn ersteres bei Dir nicht zur Debatte steht, bliebe für Dich nur die zweite Möglichkeit.

    Du kannst in solchen Positionen nicht erwarten, dass die anderen tolerieren, dass bestimmte Aspekte der Gemeindearbeit nicht laufen, weil der Verantwortliche AD(H)S hat. Aber Du kannst etwas dafür tun, dass es bei Dir besser läuft bzw. das Gemeindeleben so umorganiseren, dass es anders und für alle Seiten zufriedenstellend läuft. Die Frage ist also einerseits: Was kann Dir Halt, was kann Dir in einem so offenen, strukturarmen Aufgabengebiet Struktur geben? Wenn du das selbst momentan oder dauerhaft nicht hinbekommst, dann hole Dir Hilfe von außen. Ich denke da an Coaching. Was könnte Dir helfen, pünktlicher zu sein? Was könnte helfen, Aufgaben rechtzeitig erledigt zu haben? Usw. Mir fallen da gleich einige konkrete Maßnahmen ein. Aber das würde jetzt hier zu weit führen. Und andererseits lassen sich Prozesse, Strukturen und Verantwortlichkeiten durchaus oft mehr umorganisieren, als man auf den ersten Blick glaubt. Das kann für alle Beteiligten durchaus eine Chance sein.

    Zusammen mit einem Coach/Unternehmensberater etc. kannst Du Dir ein System erarbeiten, dass Dir die Arbeit erleichtert und für die Beteiligten eine größere Zufriedenheit ergibt, sowohl, was den Prozess betrifft, als auch, was das Ergebnis ausmacht. Vielleicht kannst Du mit diesem - auf Dich und Deinen konkreten Bedingungen zugeschnittene System - nach einiger Zeit allein erfolgreich weiterarbeiten. Vielleicht ist es auch sinnvoll, ein Coaching, eine beratende Begleitung beizubehalten. Das wirst Du sehen.

    Natürlich kostet das u.U. Geld. Aber das ist nun mal die Verantwortung die ich habe, wenn ich Aufgaben übernehme: Wenn ich diese übernehmen will, dann überlege ich mir, wie die Voraussetzungen dazu geschaffen werden, dass ich dieser Verantwortung gerecht werde. Blickige Unternehmen sind übrigens bereit, in solche Beratungs- und Weitereintwicklungsprozesse mit Begleitung/Moderation durch externe Fachleute zu investieren. Mein Arbeitsgeber tut das inzwischen, durch meine Motivation und Anregung. Ich habe ihm konkret aufgelistet und beschrieben, was im Argen liegt, vorgeschlagen, wie der Prozess zur Behebung der Misstände ablaufen sollte. Inzwischen bezahlt der Arbeitgeber professionelle externe Supervisoren und Organisationsberater und führt regelmäßig Organisationsentwicklung durch, genau nach dem Konzept, was ich ihm vorgelegt habe. Alle Mitarbeiter werden für die Teilnahme an diesen Veranstaltungen, die außerhalb der Einrichtung unter Klausurbedingungen stattfinden, bezahlt freigestellt. Das Ergebnis dieses andauerneden und fortlaufenden Prozesses lohnt die Investition allemal...es hat sich etliches zum Positiven verändert, besonders die Kommunikationskultur, der Umgang miteinander, die Zufriedenheit der Beteiligten und die Arbeitsqualität.

    So etwas machen übrigens auch manche Kirchgemeinden, die unzufrieden sind, Misstände erkennen, diese abstellen und sich weiterentwicklen wollen. Vielleicht ist Deine Gemeinde bereit, in sowas zu investieren? Falls nicht, bleibt Dir die Möglichkeit, Dich coachen/beraten zu lassen, zumindest für eine begrenzten Zeitraum.

    Das als konkrete Anregung. Ich gehe immer davon aus, dass ich entscheide, welche Aufgaben und Arbeitsgebiete ich übernehme und dann die Verantwortung dafür trage. Ich bin dann auch dafür verantwortlich, dass das Arbeitsgebiet läuft. Ich gehe aber dann auch davon aus, die Rahmenbedingungen so mitgestalten zu können, dass ich der Verantwortung gerecht werde. Sollte sich dann doch heraustellen, dass das nicht möglich ist, ist es für mich eine notwendige Konsequenz, die Aufgabe wieder abzugeben. Ich sehe für diese Vorgehensweise für mich keine Alternative. Diese Herangehensweise ist für mich die einzige Möglichkeit, zufrieden und gelassen zu sein. Nur so habe ich dauerhaft Erfolgserlebnisse.

    LG Spezi

  2. #42
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 47
    Forum-Beiträge: 68

    AW: "ADS-Outing" und Auswirkungen auf Freunde! Welche Erfahrungen habt ihr gemac

    Hallo Spezi,

    dieser Grundansatz, den du hast, überzeugt mich. Und danke für die ausführlichen Hinweise/Erläuterungen in deinen Beiträgen. Über einiges werde ich noch mal in Ruhe nachdenken. Ich muss ja zugeben: Da hat's bei mir auch schon einzelne Versuche und Erfolge gegeben, ganz so schwarz sieht es nicht aus. Gut hat es z.B. geklappt, wenn ich einen "zweiten Mann" an der Seite gehabt habe, der für eine Teilaufgabe die Termine macht und die ganze Sache strukturiert - und ich habe die Verantwortung für Inhalt, Ziele und die Mitarbeiter gehabt.

    Tatsächlich kann ich organisatorische Dinge auch selbst - genau wie du schreibst. Aber dazu brauche ich den Druck des Besonderen - und es kostet mich vermutlich 2-3 mal soviel Energie wie jemanden, dem so etwas liegt. Das sehen die Leute von außen nur nicht. Solche Erfahrungen tun gut, und ich würde nicht alles dieser Art delegieren wollen. Aber aktuell ist es für meine "Konstitution" zu viel, und ich habe nach dem Gemeindewechsel nun wieder eine Situation vorgefunden, in der einige Strukturen fehlen, die ich (!) vorher z.T. selbst geschaffen habe. Das bedeutet allerdings für die Anfangszeit: Verstärktes Arbeiten im eigenen Schwächebereich. Denn auch das Struktur-Schaffen dauert bei mir länger als bei anderen. Wie viel sich insgsamt sinnvoll umgestalten lässt, da bin ich gespannt.

    Ich denke, Coaching ist in der Tat angesagt, ich überlege noch, in welcher Form das für mich sinnvoll/realistisch ist.

    Du erwähntest Supervisionsangebote mancher Kirchen. In unserem Gemeindebund gibt es zumindest Intervision - wenn die Teilnehmer etwas erfahren damit sind, ist das auch sehr hilfreich (und kostenlos). Damit habe ich schon gute Erfahrungen gemacht.


    So weit mal. Schön, dass du dich auf den längeren Dialog eingelassen hast. Jetzt verstehe ich auch umfassender deine Haltung zum "outing". Das hat viel für sich. Ich denke, viele von uns (ich incl.) müssen nach einigen Negativerfahrungen aufpassen, dass sie nicht grundsätzlich defensiv an diese Frage herangehen.


    Wir kommen bestimmt mal wieder beim ein oder anderen Thema ins Gespräch.

    Liebe Grüße!

    Elischa

  3. #43
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 277

    AW: "ADS-Outing" und Auswirkungen auf Freunde! Welche Erfahrungen habt ihr gemac

    Elischa schreibt:
    Gut hat es z.B. geklappt, wenn ich einen "zweiten Mann" an der Seite gehabt habe, der für eine Teilaufgabe die Termine macht und die ganze Sache strukturiert - und ich habe die Verantwortung für Inhalt, Ziele und die Mitarbeiter gehabt.
    Hallo Elischa,

    das ist bei mir genauso. Gut bin ich in der Begleitung von laufenden Prozessen, also wo kein Ergebnis abzuliefern ist - und eben in der Arbeit im Team mit jemandem anders.
    Bei der Teamarbeit bin ich dann immer in permanenter Kommunikation mit dem oder den Kollegen. Ich frage dann: "Was liegt alles noch an?", und die Kollegen fragen: "Dies und das lieget jetzt an, wie wollen wir das machen?"...und ich habe dann oft gute Lösungsvorschläge... Die Kollegen haben die Übersicht über zeitliche Abfolgen, ich die Lösungskompetenz. Meine Strategie, mich zu meiner eigenen Rückversicherung mit den anderen immer wieder abzusprechen, wird von Kollegen und Freunden als Wertschätzung wahrgenommen, weswegen sie u.a. gern mit mir zusammenarbeiten. Sie empfinden es als das Signal "Der nimmt uns wichtig..."...was ja auch so ist...

    An diesem und andern Beispielen ist mir klar geworden, dass man nicht perfekt sein muss, sondern Schwächen und Grenzen haben darf. Es ist total in Ordnung, allein "nicht überlebensfähig" oder "nicht arbeitsfähig" zu sein, weil es auch eine Motivation zu Kommunikation ist, zum Aufbau und zur Pflege von Beziehungen, auch zum Austausch von Reccourcen mit anderen Menschen. Erst in der Beziehung mit anderen werde ich "vollständig". Und das ist doch irgendwie auch schön. Hier zeigt sich auch, dass eine scheinbare "Schwäche" oder "Unsicherheit" auf einem bestimmten Gebiet auch zu einer Stärke werden kann, zu einer Triebkraft, mit positivem Ergebnis.

    Ich möchte alle Betroffenen ermutigen, ihr AD(H)S auch aus diesem Blickwinkel zu sehen


    Das bedeutet allerdings für die Anfangszeit: Verstärktes Arbeiten im eigenen Schwächebereich. Denn auch das Struktur-Schaffen dauert bei mir länger als bei anderen. Wie viel sich insgsamt sinnvoll umgestalten lässt, da bin ich gespannt.
    (...)
    Du erwähntest Supervisionsangebote mancher Kirchen. In unserem Gemeindebund gibt es zumindest Intervision - wenn die Teilnehmer etwas erfahren damit sind, ist das auch sehr hilfreich (und kostenlos). Damit habe ich schon gute Erfahrungen gemacht.
    Ja - nutze Deine "Schwächen" konstruktiv und positiv - s. oben. Vielleicht fühlen sich Gemeindemitglieder wertgeschätzt, wenn sie deutlich mehr mit einbezogen werden, öfter oder regelmäßig zu den anstehenden Themen und Projekten gefragt werden, mitentscheiden können? Sie werden Dir Struktur und Halt geben. Wir AD(H)S'ler haben oft die Gabe der Kommunikation und Empathie - nutze sie, um Beziehungen und eine konstruktive Zusammenarbeit aufzubauen. Es werden alle Beteiligten etwas davon haben!


    Ich denke, viele von uns (ich incl.) müssen nach einigen Negativerfahrungen aufpassen, dass sie nicht grundsätzlich defensiv an diese Frage herangehen.
    Ja, genau. Es ist auch eine Chance!


    Wir kommen bestimmt mal wieder beim ein oder anderen Thema ins Gespräch.
    Gern!

    Liebe Grüße
    Spezi

  4. #44
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 34
    Forum-Beiträge: 34

    AW: "ADS-Outing" und Auswirkungen auf Freunde! Welche Erfahrungen habt ihr gemac

    seit ich das forum durchstoeber rast mein kopf und hier geht schon wieder die sonne auf, verzeiht die gedankenspruenge.

    outing vor der familie hatte ich wohl, haben nur indirekt drueber geredet wegen dem mph... obs mir hilft etc.
    ich habe ein sehr gutes verhaeltniss zu meinen eltern und sie kennen mich und meine art ja und gehen ganz wunderbar damit um.

    bei freunden, eigentlich das gleiche, hatte in letzter zeit einen ziemlich drastischen filter und die die ich behalten habe wissen oder vermuten es.

    und dann ist da der rest der welt, arbeit und neue menschen...
    auf arbeit mit diesem festen sozialregelwerk bin ich nicht ansatzweise so dynamisch und redegewand wie sonst was irgendwie ziemlich an mir nagt weil ich bin mir sicher ich koennte es.
    im arbeitsleben halt ichs jedenfalls im hintergrund, glaube nicht das man davon profitiert ausser der eigene chef ist genauso drauf...

    und jetzt der punkt aufgrund dessen ich hier das schreiben angefangen habe, neue menschen.
    die bleiben in der regel ja erstmal total kleben wenns mir auch spass macht, aber sind dann meistens erstmal recht perplex wenn ich nen schlechten tag hab.
    wenn sie nett sind wird mir gesagt das ich ja schon n bischen komisch und anstrengend bin, geraderaus waer dann ob ich noch ganz sauber tick.

    und wenn mir dann jemand wichtig ist, rede ich erstmal von einer stoffwechselstoerung oder einem dopaminmangel

    damit bin ich bis jetzt recht gut gefahren.


    limax

    PS: hehe, diesen nick hab ich zufaellig ausgewaehlt weil ich mir den namen irgendwann mal gemerkt habe, jetzt sehe ich, das ist eine nacktschnecken art.
    ja, schnecke passt
    Geändert von Limax (13.03.2011 um 10:45 Uhr)

  5. #45
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 45
    Forum-Beiträge: 32

    AW: "ADS-Outing" und Auswirkungen auf Freunde! Welche Erfahrungen habt ihr gemac

    Hallo alle zusammen,

    habe natürlich mit Begeisterung eure Beiträge zu diesem Thema gelesen.
    Grundsätzlich noch etwas vorneweg. Meine Diagnose wurde 2009 gestellt und obwohl auch bei mir im Umfeld Leute waren, die diesen Verdacht hegten, hat es mich trotz allem überrumpelt. Heute, nach Therapie und Skillstraining, sowie dem MPH, habe ich jedenfalls mehr Selbstbewußtsein und verbiege mich nicht mehr für andere. Auch gilt ADHS nicht als Entschuldigung für schlechtes Benehmen. Habe eben auch keine Lust mehr mich stets und ständig bei anderen zu entschuldigen,weil ich so bin wie ich bin und entweder man akzeptiert mich so wie ich bin oder läßt es eben bleiben. Das ist meine Meinung und gilt privat.Beruflich muß man da wohl etwas vorsichtiger sein. Ich denke, ihr wisst, was ich meine.

    Das Wissen über ADHS hat mir jedenfalls geholfen, mich so besser im Alltag zu strukturieren.

    Und jetzt zum eigentlichen Thema. Bin selbst gerade in einer Umschulung, die mir sehr viel Spass macht. Ich bin auch ein Mensch, der gern reinruft, schlecht jemanden ausreden lassen kann, laut und überschäumend, aber auch engagiert ist, sowie Menschen mitreißen kann. Das sind positive, sowie negative Eigenschaften. Auch kenne ich Rebounds, wenn ich meine Medis zu spät genommen habe, weil vergessen. Normalerweise mit MPH und AD sehr lustig, viel Humor und temperamentvoll, dann nur noch müd und schweigsam. Das ist mir jetzt auch schon passiert. Aber ab dem 1. Tag habe ich darüber geredet, und ich muss sagen, die meisten haben es sehr positiv aufgenommen. Nehme mich natürlich, weil keiner kennt mich so gut wie ich selbst, etwas zurück, aber trotz allem hab ich einen Vorschlag gemacht, den ich eher mit viel Humor nehme, statt als Kritik. Nämlich die rote Karte zeigen. Soll heißen, wenn ich vor lauter Begeisterung in der Schule überschäumen sollte oder eben zu laut und chaotisch, und sich deswegen einer gestört fühlt, hebt meine Tischnachbarin die rote Karte un ich weiß, woran ich bin. In vorhergehenden Praktika habe ich teilweise über mein ADHS gesprochen, da ich immer ins Büro reingestürmt bin wie eine Dampflok. Bin natürlich auch schon auf Vorurteile gestoßen, die waren aber in der Minderheit. Natürlich sollte jeder selbst entscheiden wem er in seinem Arbeitsumfeld über sein ADHS berichtet. Jeder ist verschieden, der eine ist mehr betroffen, der andere weniger. Und ich denke, es kommt auch auf die Arbeit an, die man macht, sowie die Kollegen und den Chef. So das war einmal zum Arbeitsleben.

    Im Privatleben habe ich auch eher Glück gehabt, da ich einen Mann und eine Familie habe, die sehr verständnisvoll. Aber trotz allem ertappe auch ich mich, wenn ich etwas vergessen habe (Termine z.B., trotz 3 Terminkalender und Notizbuch, daß ich dann ADHS als aussrede nehme. Wird zwar immer seltener, kommt aber noch vor und ist voll gegen meine Prinzipien. Das auch deshalb, weil unser Jüngster (9) auch ADHS hat und wir wollen nicht dass er ADHS als Ausrede für alles nimmt und meint, er müßte sich deshalb in der Schule nicht anstrengen. Das ist nur ein Beispiel. Er hat viel Unterstützung. Wir arbeiten eng mit seiner Klassenlehrerin zusammen. Außerdem geht er nach der Schule in eine Tagesgruppe, die ausschließlich nur ADHS-Kinder hat. Er soll ja auch soziale Kompetenzen erlernen, die so wichtig sind für das Leben. Er ist auch in psychologischer Behandlung und wird regelmäßig vom Arzt untersucht wegen dem Ritalin, was er bekommt. Zu Hause hat er den Vorteil, dass ich sozusagen sein Übersetzer bin. Vieles kann ich erklären, was den anderen doch nicht so verständlich ist. Ich weiß ja selbst wie man sich fühlt. Oft unverstanden. Deshalb reden wir sehr viel. Jeder hat das Recht seine Meinung zu sagen. Aber es kostet auch viel Nerven und geht trotz strukturierten Alltag doch sehr hoch her. Und natürlich dürfen die anderen 2 Kinder nicht auf der Strecke bleiben, genauso wie wir als Eltern.

    Wir nehmen vieles mit Humor, Trotz Regeln, und sind garantiert nicht mit anderen Familien verleichbar.

    noch kurz zu meinen/unseren Freunden. Es gibt positive sowie negative Meinungen, womit mein Mann und ich leben können. Deswegen muss der ganze Mensch, der über ADHS nicht so positiv denkt, ja nicht unbedingt schlecht sein.

    Jetzt bin ich doch mal gespann, was ihr dazu schreibt.

    Liebe Grüße

  6. #46
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsener
    Forum-Beiträge: 1.649

    AW: "ADS-Outing" und Auswirkungen auf Freunde! Welche Erfahrungen habt ihr gemac

    Womit ich schlechte Erfahrungen gemacht habe;

    im beruflichen Zusammenhang meine Diagnose ADHS zu erwähnen, hat in einem Fall dazu geführt, dass von der entsprechenden Person meine Fachkompetenz in Frage gestellt wurde (und das hat mich ziemlich erschreckt)!

    und im Zusammenhang mit Ritalin wird man schnell als "drogensüchtig" einsortiert. Es kann also durchaus "gefährliche" Auswirkungen haben, bzw. dazu geführt, dass ich sehr vorsichtig geworden bin.

    @Stefka, ich finde es ist ein großer Glücksfall wenn ein Partner hinter einem steht; das macht vieles leichter und man stellt sich nicht grundsätzlich immer wieder in Frage und sieht sich als ausserhalb der Gesellschaft und mit etlichen Defiziten behaftet insb. wenn beruflich so einiges schiefgeht.

  7. #47
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 47
    Forum-Beiträge: 68

    AW: "ADS-Outing" und Auswirkungen auf Freunde! Welche Erfahrungen habt ihr gemac

    hypie1 schreibt:
    im Zusammenhang mit Ritalin wird man schnell als "drogensüchtig" einsortiert.
    Das regt mich total auf. Diese billigen Vorurteile! Tatsache ist ja, dass das erstens überhaupt nicht stimmt, und zweitens wird ja gerade dadurch die Suchtgefahr herabgesetzt. Na ja, das wisst ihr ja sicher.

    betr.: "Fachkompetenz in Frage gestellt": Also, auf was für Schlussfolgerungen manche kommen...

    @ Stefka: Deinen Beitrag habe ich mit Interesse gelesen, und ich finde das gut, wie du mit einigen Dingen umsgehst, die du erwähnst (ADS = keine Entschuldigung, rote Karte, Umgang mit dem ADS von eurem Sohn,...).


    Noch ein Gedanke zu "ADS als Ausrede": Nein, ich meine auch, wir sollen Verantwortung übernehmen für das, was schlecht gelaufen ist. Allerdings für mich selbst macht es natürlich schon einen Unterschied. Dann sage ich mir: "Okay, da ist es wieder, ADS hat wieder zugeschlagen..." und verurteile mich innerlich nicht so sehr wie ich es früher gemacht habe (es sei denn, es gibt dafür wirklich einen Grund: nachlässige Haltung,...)


    So, jetzt aber zu dem, was ich hier neu schreiben wollte: Ich hab mich neulich "geoutet" in der Gemeindeleitung - und die Reaktionen waren sehr erfreulich: Wertschätzung dafür, dass ich das gesagt habe, und einzelne "aha"-Erlebnisse, wie ich annehme. Und: Ohne dass ich das selbst angesprochen hätte, kam der Satz: "Dann ist es unsere Aufgabe, zu sehen, wie wir das mit deiner Arbeit anders strukturieren können" (sinngemäß). Ist das nicht klasse? Ich habe dann gleich gesagt, dass ich nicht erwarte, dass andere wegen meiner besonderen "Konstitution" sich viel zusätzliche Arbeit machen sollen. Aber vielleicht könnte man manches anders aufteilen. Und es sei eben so, dass da noch einiges an Potenzial bei mir nicht ausgeschöpft ist - was sich erst im Arbeiten im Team richtig entfalten kann.

    Dann haben wir erste Vereinbarungen getroffen für mehr Struktur und sprechen bei der nächsten Sitzung weiter darüber. Ich muss allerdings dazu sagen: Der Kreis ist sehr klein (wir sind in der Leitung zu dritt), und ich habe gut sieben Monate damit gewartet, bis ich den Eindruck hatte, dass wir uns jetzt gut genug kennen. In der Gemeinde insgesamt wissen ansonsten nur noch drei Familien davon - jeweils Angehörige von ADS-Kindern. Wie ich weiter damit umgehe, ist für mich offen.

    LG, Elischa

  8. #48
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 8

    AW: "ADS-Outing" und Auswirkungen auf Freunde! Welche Erfahrungen habt ihr gemac

    Die vielen Beiträge haben mich wirklich weitergebracht. Danke!

    Ich bin ziemlich sicher, dass ich Adhs/Ads habe, denn bei meinem Sohn wurde es diagnostiziert.
    Ich war es auch, der ihn veranlaßt hat sich testen zu lassen. Es hat mich unheimlich erleichtert zu erfahren, dass meine Probleme nicht einfach auf Dummheit, weil sehr vergesslich, Trägheit, weil unfähig etw. i.d. richtigen Reihenfolge anzugehen u.s.w. zurückzuführen sind.

    Ich habe das auch gleich meinem Vater mitgeteilt, dass das warscheinlich eine Erklärung für meine Schwierigkeiten i. d. Schule, Leben u.s.w. wäre.

    Es hat sich herausgestellt, wie ja viele auch beschrieben haben, dass er (schon über 80j) nicht allzuviel über Adhs wußte, außer dass das so eine Modeerscheinung sei, die ja jetzt jeder hat.

    Nun ja, nach einigen Gesprächen und nach dem Test bei meinem erwachsenen Sohn hat er es so einigermaßen aktzeptiert.

    Bei Freunden und Bekannten sind die Reaktionen recht unterschiedlich, je nach Wissensstand. - Ausrede, die ja jetzt fast jeder hat. - Die wollen jetzt jedes Problem mit Medikamenten lösen - Das liegt an der Ernährung, sagte mir eine Lehrerin, weniger Zucker und Weizenmehl essen. - Da hat man eine Entschuldigung um nicht an sich arbeiten zu müssen.- Das alles doof Syndrom -

    Das waren so einige Antworten. Ich habe allerdings nicht locker gelassen und immer wieder Aufklärungsarbeit geleistet und diskutiert, so daß jetzt sogar mein Mann immer mehr Verständniss für mich und auch für meine Söhne zeigt.

    Es ist sogar so, daß er mein bester Coach ist. Seit kürzlich sein Sohn auch getestet wurde und deshalb Tabletten nehmen muß witzelt er auch nicht mehr rum, von wegen Alles-Doof-Syndrom u.s.w.
    Die absolute Wende war nämlich als sein Sohn schon nach zwei Wochen Tabletteneinnahme zu erstaunlichen Dingen fähig war.
    Er zoffte sich nicht mehr mit den Brüdern, verhällt sich jetzt in der Schule sozial, schreibt super Noten, hört aufmerksam zu.

    Ich persönlich nehme es niemanden allzu übel, der nicht Bescheid weiß. Selbst kenne ich mich ja auch nicht mit jeder Behinderung oder Unzulänglichkeit aus. Man beschäftigt sich doch eigendlich meist nur mit Dingen, die einen persönlich betreffen.

    Eines beruhigt mich immer wieder. Ich habe festgestellt, dass jeder Mensch ob Adhs oder nicht irgendwelche Ticks, Unvollkommenheiten oder Fehler hat, genauso wie er auf der anderen Seite auch Stärken und spezielle Begabungen hat.

    Ich habe gelernt nachsichtiger mit unnachsichtigen uninformierten Menschen umzugehen.
    (Na ab und zu rege ich mich über zu viel Ignoranz dann doch mal auf!)

    Also dann Tschüß, war ein interessantes Thema

  9. #49
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 32
    Forum-Beiträge: 26

    AW: "ADS-Outing" und Auswirkungen auf Freunde! Welche Erfahrungen habt ihr gemac

    Hi,

    hab jetzt nicht alle seiten gelesen, aber verstehe worums geht.

    Ich fass mal was zu meinen erfahrungen zusammen. Nun ja ich bin meist auf kritik gestoßen, vorallem früher im freundeskreis. Keiner wollte es wahrhaben, ich bilde mir das nur ein, ich sei halt einfach so anders aber adhs
    durfte es net sein. Danach folgten vorfürfe und so, naja ich hab dann irgendwann darauf gesch** und hab mir einen mist daraus gemacht was die anderen über mich so denken, sind ja eh nur dauer kritiker, wer will schon ständiges gemeker, keiner. Den leuten schreibe ich auch zu das sie nicht mit so dingen wie adhs umgehen können, für die ist das dann ein unmensch oder ein "kranker", weil er ja eine diagnose hat, klingt schon teilweise
    diskriminierend ist wohl bei jenen auch so, keine verständiss, nur die suche nach dem "reinen" dem "besten" der das alles ohne kratzer auf die reihe bekommt, das selbe gilt auch wenn man sich mit depressionen outet,
    fast die selben reaktionen. Wenn ich mir heute einige leute, die ich früher kannte anschaue, dann leben sie dieses typiche saus-und-braus dennoch aber langweiliges leben und sind stark auf die anderen angewiesen.
    Party, Urlaub, Disko, Party, Urlaub, Facebook, WkW gefüllt mit 100% coolness, wehe du hast "adhs" oder gar depressionen, dann folgt die "kündigung", weil das ist ja "stange".

    Seitdem ich damit komplett offen umgehe, von anfang an sage wer ich bin, komme ich besser zurecht mit menschen, da sie die offenheit irgendwo toll finden.

    LG, ledànqy

  10. #50
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 277

    AW: "ADS-Outing" und Auswirkungen auf Freunde! Welche Erfahrungen habt ihr gemac

    Elischa schreibt:
    So, jetzt aber zu dem, was ich hier neu schreiben wollte: Ich hab mich neulich "geoutet" in der Gemeindeleitung - und die Reaktionen waren sehr erfreulich: Wertschätzung dafür, dass ich das gesagt habe, und einzelne "aha"-Erlebnisse, wie ich annehme. Und: Ohne dass ich das selbst angesprochen hätte, kam der Satz: "Dann ist es unsere Aufgabe, zu sehen, wie wir das mit deiner Arbeit anders strukturieren können" (sinngemäß). Ist das nicht klasse? Ich habe dann gleich gesagt, dass ich nicht erwarte, dass andere wegen meiner besonderen "Konstitution" sich viel zusätzliche Arbeit machen sollen. Aber vielleicht könnte man manches anders aufteilen. Und es sei eben so, dass da noch einiges an Potenzial bei mir nicht ausgeschöpft ist - was sich erst im Arbeiten im Team richtig entfalten kann.

    Dann haben wir erste Vereinbarungen getroffen für mehr Struktur und sprechen bei der nächsten Sitzung weiter darüber.
    Hallo Elischa,

    na das ist ja super!

    Freut mich, zu lesen, dass Du das Ganze so konstruktiv angehst und es so anscheinend auch einen positiven Verlauf nimmt. Weiterhin viel Erfolg!

    Liebe Grüße
    Spezi

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