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Diskutiere im Thema "ADS-Outing" und Auswirkungen auf Freunde! Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #31
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 88

    AW: "ADS-Outing" und Auswirkungen auf Freunde! Welche Erfahrungen habt ihr gemac

    jaaa genau, oder "Och weisst du, ich habe auch schlechte Tage an denen ich nicht mag", oder eben dann wie du sagst den klaren Versuch, sich zu indetifizieren damit...

  2. #32
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 277

    AW: "ADS-Outing" und Auswirkungen auf Freunde! Welche Erfahrungen habt ihr gemac

    Elischa schreibt:
    Mein aktueller Gedanke ist: Ich bekenne mich in einer Situation dazu, in der ich für etwas ausdrücklich gelobt werde, was eigentlich nur ADHS'ler so gut können. Dann ist es raus und sofort mit einer Stärke verbunden. Allerdings: Das ist noch nicht erprobt, wie ich zugeben muss. Denn ich will es nicht unbedacht forcieren, sondern einen passenden Moment abwarten.
    Wozu soll das gut sein?
    ADS ist für mich auch kein "Bekenntnis"...
    Irgendwie spricht für mich aus dieser Vorgehensweise so etwas wie (unbewusste?) Scham...auch, weil es offensichtlich Überwindung kostet, dass es dann "raus ist"...

    Ein Anlass oder eine Notwendigkeit, mein ADS zu thematisieren, besteht für mich dann, wenn es Besonderheiten zu erklären gibt. Im Freundes- und Familienkreis sind das eben im Moment bestimmte Einschränkungen, auf die Rücksicht genommen werde sollte (z.B. Rückzugsmöglichkeiten), sowie bestimmte Unterstützung, die ich benötige (Erinnerungen, Arbeiten gemeinsam machen). Außerdem wollen die ja auch wissen, was bei Behandlungen usw. passiert, warum ich gegebenfalls eine Zeitlang in eine Klinik gehe etc. Es hat also ganz praktische Gründe.

    Darüber hinaus kann es auch in anderen Kontexten dann sinnvoll sein, wenn im gemeinsamen Umgang, im Arbeitsprozess etc. bestimmte Regelungen oder Verfahrensweisen getroffen werden sollten, die die Besonderheiten bei AD(H)S berücksichtigen. Z.B. wenn ich bestimmte Arbeitsbedingungen bevorzuge. Z.B Arbeitszeiten ohne Störung durch Anfragen oder Telefonate oder andere störende Geräusche/Vorgänge, bestimmte Systeme (Visualisierung von Arbeitsabläufen und anstehenden Aufgaben), geänderte Arbeitszeiten, Teamarbeit zur Strukturunterstützung etc. Dann würde ich u.U. darauf verweisen, dass ich dann eine noch bessere Arbeitsleistung aufweisen kann und warum - woran der Arbeitgeber ja ein Interesse haben müsste. (Sichtweise weitblickender Arbeitgeber: "Es gibt nicht den falschen Mitarbeiter, sondern nur den Mitarbeiter, der mit den falschen Aufgaben betraut ist oder unter den falschen Bedingungen arbeitet"). Auf diese Weise gehe ich mit diesem Phänomen konstruktiv um...also ich schlage Lösungen vor, die für beide Seiten Vorteile bringen. Im Prinzip mache ich es auch im Bekanntenkreis so, ich schlage dann vor, wie wir eine Unternehmung am besten planen und durchführen, sage, welche Aufgaben ich übernehmen würde und was ich lieber andere machen lassen würde, wie wir am besten zusammen arbeiten könnten, wie das ablaufen sollte etc. Das habe ich zwar immer schon gemacht, aber mit dem Hintergrund meines Wissens über ADS und dadurch, dass es nun auch Freunde und Familienmitglieder wissen, funktioniert es nach meiner Wahrnehmung noch spürbar besser.

    Kurzum: Ich würde ADS nur thematisieren, wenn Besonderheiten zu erklären sind und Regelungsbedarf besteht. Ansonsten sehe ich nicht viel Sinn. Keineswegs würde ich dies irgendwie wertend darstellen, also auch nicht zuerst auf "Stärken" beziehen. Es ist einfach ein "Anderssein", eine persönliche Eigenart, so wie jeder Mensch einzigartig ist. Es ist weder gut noch schlecht. Jeder Mensch darf aber den Anspruch an seine Umgebung haben, dass seine "Einzigartigkeit" akzeptiert und respektiert wird, sofern es sich um Eigenschaften handelt, die man nicht ändern kann. Mit diesem Anspruch lebe ich meinen Alltag, ich kommuniziere es auch so - und mache bisher eigentlich sehr gute Erfahrungen damit.

    LG Spezi

  3. #33
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 30
    Forum-Beiträge: 46

    AW: "ADS-Outing" und Auswirkungen auf Freunde! Welche Erfahrungen habt ihr gemac

    Das fände ich auch vom rein Praktischen her bedenklich: Denn es ist eine Identität, die ja auch etwas Trennendes hat, die uns unterscheidet von anderen Menschen. Viele hier im Forum schreiben ja über schlimme Erfahrungen des Andersseins, des Ausgegrenztwerdens, des "sich-nicht-angemessen-verhalten-Könnens" (also: wie es subjektiv erwartet wird) usw. Das tut ja oft weh. Ich denke nur: Wenn das "Ich habe ADHS" auch in meinem Kopf so pausenlos präsent wäre - dann ziehe ich ja selbst eine unsichtbare Linie, die mich trennt von den andern. Versteht ihr, was ich meine?
    Ich verstehe sehr gut was du meinst und stimme dem absolut zu.
    Bitte nicht um Nachsicht. Ich habe mich sehr interessiert durch einige deiner Beiträge gewühlt...
    ...und bin der Meinung, dass du einen sehr klaren Blick für das eigene ADHS, die Identitätsdefinition, den Umgang mit dem eigenen Ich und anderen Menschen hast.

    Eingefahren ist es mir deshalb so extrem weil ich gemerkt habe, dass ich mich in letzter Zeit sehr stark über das eigene ADS definiere, gezielten Kontakt zu Menschen suche, die ähnlich "ticken" wie ich und tatsächlich begonnen habe mich vom sonstigen Umfeld etwas abzugrenzen
    (im Sinne von: Die verstehen mich ja sowiso nicht).
    Wobei ich die Kontaktsuche zu Seelenverwandten gut finde, die unsichtbare Linie (wie du es nennst) hingegen nicht.
    Denn ja: Das Wissen über das ADHS soll uns befreien, nicht zusätzlich einsperren.
    Hab mich also etwas "ertappt" gefühlt...
    Ich danke dir für diesen Augenöffner.

    Viel Leute im Netz machen so ein riesen Theater um das ADS Thema. "Wir sind die Auserwählten!" Neeee, nicht wirklich.
    Das ist wieder ein interessanter Punkt. "Die Auserwählten"... Vielleicht nicht....
    Aber nicht umsonst verleiht ADHS gewisse Charakterzüge, die uns von der Masse auf eine Art abheben (ob wir wollen oder nicht), verstärkte Kreativität, ein "Denken in alle Richtungen", Leidenschaft, Hyperfokus, etc. Das alles sind Grundsteine, die zu einem ganz bestimmten Weg führen können.
    Nicht umsonst sind viele berühmte Künstler, Musiker oder Wissenschaftler klar ins "ADHS-Schema" einzuodnen.

  4. #34
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 47
    Forum-Beiträge: 68

    AW: "ADS-Outing" und Auswirkungen auf Freunde! Welche Erfahrungen habt ihr gemac

    Spezi schreibt:
    Wozu soll das gut sein?
    ADS ist für mich auch kein "Bekenntnis"...
    Irgendwie spricht für mich aus dieser Vorgehensweise so etwas wie (unbewusste?) Scham...auch, weil es offensichtlich Überwindung kostet, dass es dann "raus ist"...
    Hallo Spezi,

    ob es nun Scham ist, Befangenheit, Ängstlichkeit oder ähnliches, oder von allem etwas - du hast das gut beobachtet, Kompliment. Danke für die Rückmeldung, das sagt einem ja sonst nicht jeder so offen.

    Wenn ich deinen Text so lese, habe ich den Eindruck, dass du recht souverän damit umgehst, das ist ermutigend. Von der Grundüberzeugung her bin ich ganz auf deiner Seite; aber die zahllosen Erfahrungen, bestimmten Erwartungen (bezügl. kontinuierlichem Arbeiten, Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, usw.) nicht zu entsprechen, haben über die Jahre ihre Spuren hinterlassen. Mein Eindruck ist: Meine besonderen ADS-bedingten Stärken werden gern angenommen, aber es wird irgendwie vorausgesetzt, dass das andere gleichzeitig auch klappen muss. Darum fühle ich mich doch oft in der Defensive - daher diese Überlegung.

    Aber ich nehme deine Ausführungen (gute Tipps!) gern zum Anlass, etwas weniger verschämt damit umzugehen. Vielleicht braucht das noch etwas Zeit.

    Übrigens: Du scheinst einen coolen Arbeitgeber zu haben.

    Also dann!

    Elischa

  5. #35
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 37
    Forum-Beiträge: 703

    AW: "ADS-Outing" und Auswirkungen auf Freunde! Welche Erfahrungen habt ihr gemac

    die reaktionen, die ich auf meine diagnose erhalten habe (auch wenn ich noch mitten drin stecke,da der letzte termin sich aus zeitlichen gründen bei mir nach hinten verschoben hat,war schon nach einer sitzung relativ sicher,dass ichs habe),waren genauso,wie erwartet:
    überrascht hats niemanden und der tenor war durchweg:"ah ok das erklärt einiges..."
    meine zahlreichen auffälligkeiten haben also nun ne medizinische bezeichnung bekommen.das wars.*schulterzuck*
    bei mir wissens alle freunde und die familie.wüsste nicht,warum ich daraus ein geheimnis machen sollte.

  6. #36
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 25

    AW: "ADS-Outing" und Auswirkungen auf Freunde! Welche Erfahrungen habt ihr gemac

    Kurz und knapp:

    Für mich stellt sich die Frage nach Outing gar nicht, da es nichts zu outen gibt. In meinen Augen wäre ein Outing, wie eine vorgetreckte Entschuldigung. ( Du hast den Termin vergessen bsp. )
    Muss im Endeffekt jeder selbst wissen wen er es sagen möchte und wen nicht. Im engesten Freundeskreis ist das ganze vielleicht noch etwas anderes, da man mit denen ja meist auch sehr vertrauensvoll unterhält.

    Ich bin Ad(h)s und Ad(h)s ist Ich.... was gibts da zu outen? Die die es wissen, wissen es... und die die es nicht wissen müssen es auch nicht wissen. Wenn man mich fragen würde, würde ich es natürlich sagen.

    Gruß,

    Apfeltee

  7. #37
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 277

    AW: "ADS-Outing" und Auswirkungen auf Freunde! Welche Erfahrungen habt ihr gemac

    Elischa schreibt:
    Wenn ich deinen Text so lese, habe ich den Eindruck, dass du recht souverän damit umgehst, das ist ermutigend. Von der Grundüberzeugung her bin ich ganz auf deiner Seite; aber die zahllosen Erfahrungen, bestimmten Erwartungen (bezügl. kontinuierlichem Arbeiten, Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, usw.) nicht zu entsprechen, haben über die Jahre ihre Spuren hinterlassen. Mein Eindruck ist: Meine besonderen ADS-bedingten Stärken werden gern angenommen, aber es wird irgendwie vorausgesetzt, dass das andere gleichzeitig auch klappen muss. Darum fühle ich mich doch oft in der Defensive - daher diese Überlegung.
    Hallo Elischa,

    aus diesen Zeilen spricht für mich ein grundsätzliches Missverständnis: Es geht nicht nur darum, dass andere Rücksicht auf unsere "AD(H)S-typischen Defizite" Rücksicht nehmen. Damit würden wir die Verantwortung nur auf die anderen abwälzen und uns selbst vor der eigenen Verantwortung drücken. Ich sehe es genau anders herum: Ich als Betroffener mit den entsprechenden Hintergrundinformationen und Erfahrungen weiß doch am besten, wie ein Prozess, ein System aussehen muss, damit ich darin gut arbeiten und ein gutes Ergebnis abliefern kann. Das herauszubekommen, das zu erarbeiten, zu formulieren, zu artikulieren und zu kommunizieren, dass ist meine Aufgabe, das ist meine Verantwortung. Ich gehe hier zunehmend in die Offensive, das habe ich zwar auch früher schon getan, aber mit der Diagnose meines ADS und den damit Verbundenen neunen Ideen, Anregungen und Ansatzmöglichkeiten haben sich meine Handlungsmöglichkeiten deutlich erweitert.

    Es geht mir nicht primär (nur) um Rücksicht, sondern um Lösungsorientierung.

    Ich würde mir hier wünschen, dass Menschen grundsätzlich selbstbewusster sind und nicht immer nur versuchen sollten, nach den Ansprüchen irgendwelcher fragwürdiger Systeme zu funktionieren. Ich beziehe das nicht nur auf Menschenmit AD(H)S, sondern auf die meisten Menschen unserer Gesellschaft. Sehr viele sind doch unglücklich, gestresst, überlastet, scheitern... Hätten diese Menschen den Mut, nach dem und dafür zu leben, was ihnen wirklich wichtig ist, würden sie Wertvorstellungen und Rollenverständnisse überprüfen und korrigieren, sähe diese Welt schon anders aus...aber jetzt gerate ich ins Weite.

    Jedenfalls: Nach meiner Erfahrung begegnen andere Menschen einer offensiven, selbstbewussten und konstruktiven Herangehensweise durchaus beeindruckt und respektvoll, ich fühle mich angenommen und akzeptiert. Voraussetzung dafür ist aber, dass ich lösungsorientiert vorgehe. Davon haben alle Beteiligten was.


    Übrigens: Du scheinst einen coolen Arbeitgeber zu haben.
    Also da wir mit Menschen zu tun haben und es dabei im Grunde genau darauf ankommt, Menschen in ihrer Einzigartigkeit zu sehen (auch wenn der gesellschaftliche Kontext natürlich oft "funktionieren" erwartet...), habe ich ja entscheidende Argumente auf meiner Seite. Außerdem schätzt mein Arbeitgeber meine fachliche Kompetenz, die besonderen Sichtweisen und Anregungen, die ich einbringe, das Verhältnis, dass ich zu Kollegen habe und den Menschen, mit denen wir arbeiten, meine klare, direkte Art (er weiß bei mir, woran er ist)...mein Chef berät sich bei schwierigen Problemem mit mir, ich habe maßgebliche Anregungen für die konzeptionelle Entwicklung der Einrichtung geliefert...ohne diese Impulse wäre die Qualität in einiger Bereichen deutlich unter Niveau... Wärend früher hinter dem Rücken der Leitungsebene getuschelt, getratscht und kritisiert wurde, aber aus Angst niemand wirklich was offen sagte, habe ich die Konfrontation gesucht, habe mich kritsich-konstruktiv geäußert, das sogar (als einziger!) auf schriftlichen Weg getan und auch an die übergeordneten Dienststellen...das hat viel Wirbel verursacht, viel in Bewegung gebracht, die Einrichtung zum Positiven verändert, für eine offene, kritische, klare und konstruktive Kommunikationskultur gesorgt, die Arbeitsqualität entschieden angehoben...

    Also wenn ein Chef nicht schätzt, wenn man Lösungswege für Probleme einbringt, auch wenn diese mit dem eigenen ADS zusammenhängen, dann tut er mir leid, dann müsste ich mit dem auch nicht mehr zusammearbeiten, würde mir mein Engagement sparen und mir über kurz oder lang was anderes suchen.

    Ein Schlüssel zur Freiheit war für mich, die Ängste vor den etwaigen (angenommenen) Folgen abzulegen, wenn ich das sage und tue, wovon ich überzeugt bin...und paradoxerweise ist es genau das, was mein Umfeld heute an mir schätzt...Freunde, Arbeitskollegen, Chefs... Es kommt aber immer darauf an, wie man das tut...

    LG Spezi
    Geändert von Spezi ( 2.03.2011 um 18:31 Uhr)

  8. #38
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 47
    Forum-Beiträge: 68

    AW: "ADS-Outing" und Auswirkungen auf Freunde! Welche Erfahrungen habt ihr gemac

    Hallo Spezi,

    Lösungsansätze, nicht Bitte um Rücksicht - ja, das war mir schon klar. Und wie gesagt: Ich stimme dir zu, vom Kopf her. Emotional muss das noch etwas hinterherwachsen.

    Nun ist es aber so: Die beruflichen Gegebenheiten sind bei mir ganz anders. Ich bin Pastor einer Gemeinde, und das bedeutet: Ich bin der einzige, der das hauptberuflich macht und voll ausgebildet ist dafür, die anderen machen das als Ehrenamt. Manche sind erfahren, bibelfest und fit, andere gar nicht. Aber jeder ist nur ein paar Stunden in der Woche da. Strukturen und Arbeitsaufträge sind häufig unklar, Arbeitszeiten sehr flexibel. Die, mit denen ich auf Leitungsebene zusammenarbeite, sehe ich nur 1-2 mal pro Woche, und für Grundsätzliches fehlt oft die Zeit. Und selbst sie haben nur begrenzt Ahnung, was alles zu meiner Arbeit gehört und wie sich das anfühlt.

    Das bedeutet: Du arbeitest zwar viel unter Menschen, aber doch im Wesentlichen als Solist: keine kollegialen Gespräche und Abstimmungen, so gut wie keine äußere Kontrolle der Arbeitszeiten, extrem viele Einzelentscheidungen, die du allein triffst - und du bist selten geistig so gefordert, dass du mal richtig 'ran musst. (Bei Gemeinden mit vielen Akademikern ist das etwas anders.) Dafür aber ist da eine Menge Organisation und Verwaltung, die schwer zu delegieren ist und mich wiederum überfordert.

    Manches kann ich über die Freizeit ausgleichen - z.B. gehe ich ab und zu zum Debattierclub an der Uni. Aber was berufsintern nicht ideal ist für einen ADHS'ler, lässt sich so schnell nicht ändern: Ich kann nicht einfach sagen: Ich mache keine Geburtstags-, Alten-, oder Krankenbesuche mehr oder streiche die Hälte meiner Besprechungen, nur weil ich lieber aufstehen und engagiert mit Außenstehenden diskutieren würde. Und ich kann auch nicht noch mehr junge oder lebhafte Leute herbeizaubern, nur weil das meinem Naturell mehr entspricht. Und wenn ich in meinem Büro sitze und einen Durchhänger habe, ist niemand da zum Reden.

    Natürlich gibt es da Möglichkeiten, und ich kann mich über "unsere Leute" nicht beklagen, wirklich nicht. Sie behandeln mich und unsere Familie mit großer Herzlichkeit, schätzen mich, vertrauen mir, lassen mir Freiraum, usw. Aber du kannst den Beruf eines normalen Allround-Gemeindepastors nicht neu erfinden, nur weil du ADHS hast. Und daran liegt es eben, dass mir das Gespräch darüber nicht so ganz leicht erscheint. Das ist bei mir nicht so beweglich wie in manchen Firmen, wenn du ein Team mit mehreren qualifizierten Fachleuten hast. In meiner "Branche" gibt es das nur in ganz großen Gemeinden, und die sind selten.

    Darum vermute ich: Wenn ich meinen Leuten sage, dass ich ADHS habe und was das bedeutet, dann löst das erstmal Verunsicherung und schiere Ratlosigkeit aus... Ich werde es sicherlich in absehbarer Zeit bei einzelnen tun - aber man muss auch bedenken, was das mit den Leuten macht. Einen Manager haben wir dabei, der wird Ideen haben. Aber die meisten anderen wird das einfach überfordern, es sei denn, ich kann ihnen von mir her bereits ein ausgereiftes Konzept vorlegen. So was kriege ich aber wiederum nur im Gespräch mit einem anderen Fachmann entworfen. - Ja, und u.a. darum bin ich hier ins Forum eingestiegen: Weil ich nach ADS'lern suche, die genau diese Arbeitsumgebung verstehen und schon ein wenig Erfahrung haben mit Lösungsansätzen.

    Vielleicht würdet ihr jetzt gern sagen: "Mann, dann wechsel doch den Beruf!" Aber so einfach ist das nicht. Wir glauben, dass auf absehbare Zeit hier unser Platz ist - und gerade durch mein ADHS habe ich den Leuten hier auch viel zu geben, und sie wissen das zu schätzen. In einzelnen Bereichen bin ich top. Aber ich habe noch keine Strategie für's Ganze, habe manchmal schreckliche Durchhänger, wenn's zu ruhig wird. Und ohne einen gescheiten Grundansatz will ich die Gemeinde nicht mit der ADHS-Info unnötig verunsichern.

    Flexible Arbeitszeit hin oder her - ich muss mal ins Bett...
    Aber das musste einfach mal raus.

    Hinweise, Gedanken oder Tipps sind ausdrücklich willkommen!
    Vielleicht sollte ich mal in der Rubrik "Beruf" ein neues Thema dazu beginnen...

    Macht's gut,
    Elischa

    P.S.: Mann, sind wir eine Spezies! Selbst um diese Zeit sind hier noch fast 500 Leute online...

  9. #39
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 39
    Forum-Beiträge: 521

    AW: "ADS-Outing" und Auswirkungen auf Freunde! Welche Erfahrungen habt ihr gemac

    Meine Krankheit wirklich erklären mußte ich bisher noch nie. Durch meine Unruhe, Zappligkeit und das sehr schnelle Sprechen ist allen in meinem Umfeld klar, daß ich nicht gesund bin. Ich habe während meiner Reha viele neue Leute kennengelernt und war über ihre Akzeptanz meiner Krankheit doch positiv überrascht. Lag sicher auch daran, daß diese Leute selbst unter diversen Problemen litten und vor allem, weil sie ja selbst wissen, wie bescheiden es ist, immer der Ausgegrenzte zu sein.

  10. #40
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 37
    Forum-Beiträge: 115

    AW: "ADS-Outing" und Auswirkungen auf Freunde! Welche Erfahrungen habt ihr gemac

    Es ist generell schwer vermittelbar.
    Gerade auf der Arbeit

    Es wird halt als "Ausrede" angesehen weil man sich kein klares Bild machen kann davon.
    Wobei ich Kimbini zustimmen muss ist, dass man in Hospitzen, Rehas ganz anders aufgenommen wird von seinen Mitpatienten.
    Jedoch ist es damit ganz schnell vorbei sobald man da raus ist, leider.

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