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  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 42
    Forum-Beiträge: 98

    Meine Geschichte - nur wer mag (sehr lang)

    „Was bisher geschah …“

    Dieser Text ist entstanden, nachdem ich am 24. März 2010 aus einer Sitzung mit einer Psychologin in einer Kureinrichtung im Schwarzwald kam, in der Hand ein Buch mit dem Titel „Zwanghaft zerstreut“.
    Das Buch hätte auch ich schreiben können, wenn ich gewusst hätte, dass an mir so viel „anders“ ist als an anderen Menschen. Nachdem ich es innerhalb weniger Stunden gelesen hatte, begann ich, einige Dinge aufzuschreiben.

    Seitdem habe ich einiges über ADHS gelesen und mir viele Gedanken über mich selbst gemacht und der Text wuchs und wächst und manchmal habe ich das Gefühl, er wird nie fertig. Aber ich bin zu meinem Problem vorgedrungen und das ist irgendwie sehr befriedigend, auch wenn es neue Rätsel aufgibt und wahrscheinlich wieder mal ein Berg Arbeit vor mir liegt.
    Der Text beschreibt, was „anders“ an mir ist – basierend auf meinen Erfahrungen und Eindrücken, auf Gesprächen mit Freunden und meinem Mann und auf dem, was ich bisher über ADHS gelesen habe („Zwanghaft zerstreut“; „ADHS im Erwachsenenalter“).

    Mein Chaos, mein ständiges Streben nach „dem“ Ordnungssystem, nach Arbeitserleichterung, meine zeitweise penible Ordnung und meine Stimmungsschwankungen sind nicht „normal“. Meine emotionalen „Zustände“, die von „autistischem“ Rückzug, Unterkühlung, Hass und Aggression bis hin zu völliger (aus heiterem Himmel kommender) Euphorie, Selbstüberschätzung und Extrovertiertheit reichen, meine Selbstzweifel und das Gefühl, ich bestehe nur noch aus erzwungener Empathie und nicht mehr aus meiner Persönlichkeit – all das belastet mich.

    Die Mitte zu finden, ist für mich in vielen Lebensbereichen unerreichbar. Ich kann mich „totorganisieren“, ich kann Organisation aber auch völlig aus meinem Leben verbannen. Der Effekt ist ähnlich. Es klappt längerfristig nichts. Die Unruhe und Aggressionen werden nur mehr.
    Mein Leben besteht daraus, endlich meine innere und äußere Mitte und eine gewissen Gelassenheit zu finden, aber ich schaffe das nur leidlich. Genauso unstet sind meine Emotionen, auf die ich noch weniger Einfluss habe - ich scheine einen Schalter zu haben, der sich von alleine umlegt.
    Die Diagnose „Depression“, die ich für mich selber bereits in „manisch-depressiv“ umgewandelt habe, passt nur zum Teil, genauso wie das Siegel „dumm“, egoistisch“, „faul“ und „Helferpersönlichkeit“ oder „multiple Persönlichkeit“.
    Ebenso belastend ist es, in meinem Beruf als Lehrerin zu merken, dass ich im Gegensatz zu anderen Kollegen nicht in der Lage bin, Unterricht effizient vorzubereiten und gelassen und mit einer gewissen Selbststrukturiertheit zu halten.


    Mein Mann tut mir nur noch Leid, wenn ich ihn abwechselnd hasse, nur noch genervt von ihm und seinen Berührungen bin, ihm dann aber am Tag darauf eine Liebeserklärung nach der anderen mache. Langsam schafft er es auch nicht mehr, meine Unfähigkeit zur Ordnung und Struktur auszubaden

    Ich hatte schon immer „spezielle“ Probleme – als Kind und Jugendliche hatte ich keinen guten Kontakt zu Gleichaltrigen. Ich empfand es oft als Qual, mich mit ihnen vergleichen lassen zu müssen und mich ihnen anzupassen. Ich hatte Freunde, die jünger waren. Ich hatte oft das Gefühl, 3 Jahre jünger zu sein, als in meinem Ausweis stand.
    Mein größtes Problem war immer das Heimweh – als Grundschulkind schaffte ich es nicht, bei einer Freundin zu übernachten und deren wild fluchender Vater brachte mich spät abends zu meinen Eltern zurück.
    Mit 17 sollte ich meinen Onkel in Kanada und seine Familie besuchen – ich hatte solches Heimweh, dass ich eine Depression (mit Suizidgedanken) bekam und früher als geplant nach Hause flog.
    Eine weitere depressive Episode folgte, als ich an einem fremden Ort mein Studium aufnahm und dort hinzog. Ein erster Therapieversuch scheiterte, weil ich zu der Therapeutin keinen Draht hatte.
    Nach dem Studium verließ mich mein langjähriger Freund, weil ich nicht zu ihm ziehen wollte und seine Karrierepläne, die mit häufigen Ortswechseln verbunden waren, nicht mitmachen wollte bzw. konnte. Dazu war mein Studium zuende, ich musste wieder zu meinen Eltern ziehen und ich hatte Angst vor dem Lehrerberuf und dem Referendariat, da ich mich selbst als viel zu schüchtern dafür befand.
    Diese völlig neue Lebenssituation mit all ihren Wechseln machte mich erneut depressiv und ich wurde medikamentös mit Insidon und Remergil behandelt. Eine Therapie scheiterte, da ich noch nicht verbeamtet war und Angst hatte, es auch nicht zu werden, falls in meiner Akte stand, dass ich schon mal eine Psychotherapie gemacht hatte.
    Ich bewältigte Liebeskummer, Referendariat und erste Berufsjahre und hatte endlich das Gefühl, „in mir“ angekommen zu sein. Nach 5 solo-Jahren kam ich dann mit meinem Mann zusammen und 2008 wurde ich schwanger.
    Die Schwangerschaft war die grauenhafteste Erfahrung meines Lebens – Übelkeit, ständige Krankheiten, das Gefühl, mir mein Leben durch das Kind „verbaut“ zu haben (obwohl ein absolutes Wunschkind war) und Ängste, das Leben sei zu komplex für mich, führten zu einer Schwangerschaftsdepression.
    Auch die psychoanalytische Therapie, die ich mittlerweile machte, half mir nicht und so fand ich mich im 7. Schwangerschaftsmonat mit einer schweren Depression in der Psychiatrie wieder. Dort wurde ich mit Tavor/ Tafil und Zoloft behandelt und nach einer schrecklichen Eingewöhnung ging es mir besser. Ich konnte die letzten Wochen der Schwangerschaft „genießen“.

    Ich war trotz einer Risikoschwangerschaft (die letzten Tage) und wieder vielen Tagen Aufenthalt im Krankenhaus guten Mutes und hatte dann auch eine gute, schnelle Geburt. Ich liebte meine Tochter vom ersten Augenblick an mehr als mich selbst!
    Ich genoss das Elternjahr und wir waren uns schnell sicher, noch ein Kind zu bekommen.
    Aber nach und nach wuchs mir wieder alles über den Kopf – die Kleine krabbelte, schlief nicht mehr durch, die Wohnung wurde zu klein und zu laut, meine Neigung zum Chaos wurde durch die Enge, das Baby und die langen Arbeitszeiten meines Mannes potenziert. Mir fehlte mein Beruf, obwohl ich wahnsinnig Selbstzweifel hatte und nicht wusste, ob ich noch unterrichten kann oder es jemals gut konnte.

    Wir kauften ein Haus und ich kümmerte mich um alles Organisatorische - sämtliche Formalitäten und Vorbereitungen für die nötigen Bauvorhaben. Da die Verkäufer völlig zerstrittene, psychisch kranke Geschwister waren und das Haus kernsaniert werden musste, hing ich ständig am Telefon oder mit der Kleinen im eiskalten Haus, um es potentiellen Handwerkern zu zeigen.

    Als die Bauarbeiten losgingen und mein Mann auch endlich beginnen konnte, sich um das Haus zu kümmern, eskalierte die Situation. Ich bekam auf einem Konzert einen Tinnitus, musste jeden Tag zur Infusion und wusste nicht, wohin mit der Kleinen. Ich konnte sie für einen Tag zu einer Freundin mit einem gleichaltrigen Kind geben – im Gegenzug musste ich dann einen Tag darauf aber auf die beiden aufpassen, da meine Freundin einen Termin hatte.
    Ich saß in der zu kleinen, völlig chaotischen Wohnung mit zwei schreienden fast 1-Jährigen, mein Mann arbeitet wieder mal 12 Stunden, das Telefon klingelte ständig und die vor Langem beantragte Kur war immer noch nicht genehmigt.
    Ich wusste, dass ich bald wieder arbeiten gehen musste und brach irgendwann an diesem Tag in Tränen aus. Da ich schon die ganze Schwangerschaft nicht arbeiten konnte, hätte ich ein schlechtes Gewissen gehabt, mich wieder in die Psychiatrie zu begeben. Ich schwankte zwischen Aggression und Verzweiflung und wusste, dass es so nicht weitergehen konnte.
    Die Lösung war für mich ein Ortswechsel. Nach einer kurzen Recherche fand ich noch einen freien Platz in einer Kureinrichtung im Schwarzwald und packte schon einen Teil meiner Sachen.
    Am nächsten Tag fuhr ich mit der Kleinen los in den Schwarzwald.
    Die Entscheidung, zu fahren, war die beste meines Lebens – dort eröffneten sich mir durch die Psychologin dort neue Perspektiven.
    Mir ging ein Licht auf, als sie meine Probleme anhörte, von ADHS sprach und mir ein Buch mitgab.

    Seither gehen mir permanent Lichter auf und ich werde zwar nicht ruhiger, bin aber von einer großen Last befreit. Endlich gibt es einen Namen für das, was ich bin. Manchmal bin ich aber auch resigniert, weil es ja nichts daran ändert, dass ich bin wie ich bin. Aber es tut gut, endlich eine Erklärung zu haben. Es erleichtert das ständig schlechte Gewissen. Es erklärt meine Unfähigkeit, „normal“ zu sein und andere Menschen für Lügner zu halten, weil sie diese Probleme angeblich nicht haben.
    Lange dachte ich, die sie stehen nicht dazu, aber jetzt weiß ich, dass sie diese Probleme wirklich nicht haben und ihnen Dinge, die mir schwer fallen, oft automatisch von der Hand gehen.
    Ich habe in einem langen Prozess gelernt, mich anzupassen, das „andere“ zu unterdrücken; Strategien zu entwickeln, „normal“ zu wirken, sorgfältig zu überlegen, was ich sage und mich zurückzuhalten, um nicht komische Blicke zu ernten oder vergeblich auf die Lacher zu warten.
    Ich bin aber trotzdem „anders“. Ich habe jahrelang Anpassung geleistet, ich bin wie „programmiert“.


    Meine Kindheit/ Jugend

    Ich war als Kind motorisch sehr aktiv. Meine Eltern haben mir wenig Grenzen gesetzt, wie ich immer heraushöre, wenn sie von mir erzählen.
    Als knapp 1-Jährige musste ich zu einer Standard-Untersuchung zum Kinderarzt. Dort fiel auf, dass ich beim Balancieren auf einer Linie die Arme stark zu Hilfe nehmen musste, um das Gleichgewicht zu halten. Die Diagnose lautete „Grenzfall zu MCD, unternommen wurde aber nichts.

    Im Kindergarten hieß es für meine Mutter ab und zu „Wir hatten wieder Stress auf dem Außengelände – Angelika ist immer dabei!“
    Ich war motorisch sehr aktiv und kletterte bis ins Jugendalter auf jeden Baum.
    Ich hatte wenige Freunde und wurde in der Schule schnell zum Außenseiter. Ich war immer die „Kleine“, die von den größren Mädchen (ich war sehr klein und schlank) „beschützt“ wurde. Als dann in der 5. Klasse ein ebenso kleines und zierliches Mädchen in meiner Klasse war, das aber sehr gute Noten hatte, waren meine „Beschützerinnen“ schnell weg.
    Ich hinkte immer Jahre hinterher und hatte wenig Kontakt zu Gleichaltrigen, eher zu jüngeren Kindern oder zu Erwachsenen.
    Ich war sehr geschickt und habe mir nie ernsthaft wehgetan. Ich war sehr dünn und sehr biegsam, beweglich und schnell. Ich musste mich immer überall durchdrängeln und durchquetschen, weil ich einen so großen Bewegungsdrang hatte.
    Ich hatte als Kind bis zum Alter von 4 sehr viel Aufmerksamkeit durch meine Eltern. Als dann mein Bruder zur Welt kam, fiel es mir schwer, diese zu teilen. Ich war furchtbar eifersüchtig darauf, dass mein Bruder Freundschaften hatte und ich nicht und wollte ihn von Treffen mit seinen Freunden oft abhalten.
    Ich war damals extrem multi-tasking-fähig; ich konnte ein Buch lesen und gleichzeitig einen Film gucken und konnte hinterher exakt den Inhalt beider wiedergeben. Das hat sich aber im Laufe der Jahre verloren.
    Im Unterricht wurde ich auf dem Gymnasium immer stiller und saß irgendwann ganz hinten alleine. Dort träumte ich vor mich hin und der (Frontal-) unterricht zog an mir vorüber. Vor allem in den Fächern ohne Klassenarbeiten habe ich nichts bekommen, so erklären sich meine großen Lücken in Erdkunde, Geschichte, Politik etc. Meine mündlichen Noten waren bis zum Ende der Schulzeit ganz schlecht, meine schriftlichen gut, wurden dann aber in der Oberstufe auch immer schlechter. Ich hatte etliche blaue Briefe, vor allem in den Naturwissenschaften. Ich mag Mathe eigentlich sehr – sie ist so klar und eindeutig. Aber ich war immer schlecht in Mathe bzw. brauchte sehr lange, um Inhalte zu verstehen und Aufgaben zu lösen.
    Ich hasste meine Klasse und meine Stufe und wurde immer schlechter.
    Ich wiederholte schließlich die Klasse 12, hatte endlich gute Kontakte und sogar ein paar Schulfreunde und schaffte ich ein Abitur von 3,3.

    Mein Studium

    Im Studium bin ich allmählich aufgeblüht, hatte aber Probleme, da ich in Hausarbeiten immer versagte. Meine Zwischenprüfungshausarbeit wurde ebenso wie meine Examensarbeit mit 5,3 bewertet mit dem Vermerk, ich könne nicht wissenschaftlich arbeiten und meine Arbeit sei unstrukturiert. Beide neu zu schreiben, war für mich ein Kraftakt sondergleichem. Ich habe beide mehr oder weniger zum gleichen Thema geschrieben und die Struktur aus einem Buch fast 1:1 übernommen.

    Ich habe immer lange dafür gebraucht, Wissensinhalte zu verknüpfen, also Detailwissen in einen größeren Kontext einzuordnen und „Überblick“ zu bekommen. Gleichaltrige waren dazu wesentlich früher in der Lage.

    Ich komme mir heute noch vor, als wüsste ich sehr wenig. Das, was ich weiß, erscheint mir sehr oberflächlich, diffus und in wenigen Bereichen in die Tiefe gehend (dann aber nur in Details).
    Ich fühle mich manchmal ungebildet und kaufe mir dann Bücher zu etlichen Themen (Wirtschaft etc.), die ich dann aber nie lese. Mein Studiumswissen ist in Teile schon veraltet – ich habe entsprechend neue Literatur zwar hier, lese sie aber nicht und irgendwann ist auch diese veraltet.

    Berufsleben

    Im Referendariat gefiel mir die Struktur und ich genoss es, ein letztes Mal in der Schülerrolle zu sein – diesmal aber mündlich aktiv und mit guten Noten!
    Dass man nach Lehrproben „auseinandergepflückt“ und sehr genau unter die Lupe genommen und bewertet wurde, machte mich sehr nervös und ich hatte große Angst vor dieser Art von Prüfung. Mehr Spaß gemacht hat mir die (empirische) zweite Staatsarbeit.
    Jahrelang hatte ich Angst davor, das falsche zu studieren, da ich mich für zu schüchtern für den Lehrerberuf hielt. Aber diese Schüchternheit anderen Menschen gegenüber und die Angst davor, im Mittelpunkt zu stehen, legten sich bald.
    Es ist nach wie vor nicht meine Lieblingssituation, wenn alle Augen auf mich gerichtet sind, aber ich betrachte es als Herausforderung, und je netter die Klasse ist, desto weniger macht es mir aus. Ich empfinde es nur als sehr, sehr anstrengend – vor allem, da man ja in den Frontalunterrichtsphasen auf sehr viel gleichzeitig achten muss.

    Nach erfolgreicher Beendigung des Referendariats trat ich eine feste Stelle an einer neuen Schule an, die mit sehr viel Korrekturaufwand verbunden war und durch die Struktur der Schule ist auch der Anspruch recht hoch (Fachabitur- und Abiturklassen).
    Da begann das Dilemma. Die volle Stundezahl sowie der hohe Anspruch und der Korrekturaufwand wurden mir zum Verhängnis. Aus dem Referendariat war ich es gewohnt, Unterricht präzise vorzubereiten. Den Sprung, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden und den Stoff sinnvoll zu strukturieren, habe ich häufig nicht geschafft und bin auch heute noch damit beschäftigt, effektiv vorzubereiten.

    Ich bereite so uneffektiv Unterricht vor, dass ich in Bedrängnis gerate, wenn es Abend wird und ich erst einen Bruchteil der Stunden vorbereitet habe. Ich verzettele mich bei der Planung, werde nie „fertig“ mit einer Stunde, selbst, wenn sie vielleicht schon ok ist, kann sie nicht weglegen, weil ich Angst habe, dass sie nicht laufen wird oder ich zu wenig vorbereitet habe, und finde in manchen Themen und Methoden auch einfach keine Struktur, so dass ich dem Unterricht auch keine logische Reihenfolge geben kann.
    Auch mein Unterrichtsmaterial ist nicht geordnet. Ich möchte es am liebsten akribisch geordnet katalogisieren, aber das schaffe ich nicht. Im Moment habe ich ein gutes Ordnungssystem (das hundertste!), aber letztendlich endet alles immer im Blätterwust.

    Bei der Unterrichtsvorbereitung fehlt mir häufig der Überblick über das Thema, weil ich bei der Vorbereitung viele Aspekte aufgenommen habe, die ich dann alle auch in den Unterricht integrieren möchte. Es fällt mir schwer, zu strukturieren und zu selektieren.
    Ich schreibe mir immer noch Planungen, die ich auf dem Lehrerpult vor mir liegen haben muss. Manchmal ergibt sie sich auch aus dem Unterricht, dann muss ich sie aber immer direkt aufschreiben, für nachfolgenden Unterricht.
    Ich möchte eine Planung haben, die mir Sicherheit gibt. Das kommt daher, dass ich während des Unterrichts nicht viel denken oder spontan machen möchte – ich muss da auf so vieles gleichzeitig achten, so dass eine gute Planung meine Überforderung mit der Vielfalt meiner Aufgaben abmildert. Ich habe manchmal das Gefühl, dass meine Schüler ein Thema besser strukturieren können als ich und ich die Struktur nur für mich brauche. Ich denke aber auch, dass sie davon profitieren, wenn ich eine gute Stunde halte und immer wieder zusammenfasse, an welchem Punkt der Struktur wir uns befinden.
    Ich würde gerne immer wieder dasselbe unterrichten, statt oft etwas Neues zu machen, je mehr Struktur und Erfahrung, desto besser, auch wenn es vielleicht irgendwann langweilig wäre – zumindest könnte ich ständig mein Material optimieren. Allerdings müsste ich dann ja auch irgendwann eine Grenze ziehen, wann die Reihe „perfekt“ ist und das würde mir schwer fallen.
    Auch, wenn ich eine Reihe gut geplant habe, bin ich unruhig, denn es gibt immer noch etwas zu optimieren, sei es das Design der Aufbewahrungsmappe. Das mache ich dann eher, als mich an die wichtige Vorbereitung einer baldigen Stunde zu einem anderen Thema zu setzen.

    Früher habe ich mich oft krankgemeldet, wenn ich am Ende des Tages (4 Stunden Unterrichtsvorbereitung, 2 Stunden kochen, 2 Stunden Internetsurfen, 2 Stunden Fernsehen, alles durcheinander und teilweise gleichzeitig) nur eine Doppelstunde vorbereitet hatte und die anderen Stunden, die ich auch am nächsten Tag hatte, noch gar nicht vorbereitet waren. Das Krankmelden war dann wie eine Last, die von meinen Schultern fiel.
    Mittlerweile komme ich auch ohne gute Vorbereitung über die Runden, das kann mir dann aber vor den entsprechenden Stunden den Schlaf rauben.
    Ich habe generell immer Panik, dass mein Unterrichtsmaterial nicht ausreicht und ich schneller als gedacht fertig bin. Ich bekäme dann Panik und wüsste nicht, wie ich die Zeit füllen soll. Ich habe diese Situation zwar noch nie erlebt – meistens reicht mein Material völlig aus.
    Ich habe aber massive Probleme damit, die Zeit abzuschätzen und meine Planung anzupassen – ich lasse sie dann laufen und oft enden die Stunden in einem ungünstigen Moment. Ich hätte das beeinflussen können, dazu fehlt mir aber die innere Geplantheit und Struktur, so dass meine Stunden oft chaotisch enden.

    Die Unterrichtsvorbereitung belastet mich am meisten. Ich habe schon unzählige Fehldrucke von Arbeitsblättern, selbstverfassten Texten etc. produziert, weil ich immer noch etwas verbessern muss. Ich will alles in Word und gut leserlich haben, deshalb tippe ich oft Texte aus Büchern ab und optimiere sie – das stiehlt Zeit. Dafür werde ich aber irgendwann die ordentlichste Sammlung an Unterrichtsmaterial auf dem PC haben. Irgendwann … oder nur halb vollendet …
    Auf der Suche nach dem Ordnungssystem habe ich schon viel Zeit verloren – nun habe ich aber eins gefunden (erfunden), das praktikabel ist und eine Arbeitserleichterung darstellt (darstellen könnte). Ich benutze aber es aber nicht (richtig) und ende wie immer im Chaos.

    In der Schule habe ich schon etliche Male unzählige Arbeitsblätter überflüssigerweise kopiert – sie waren entweder bereits kopiert und die Klasse hatte sie schon oder sie lagen meinem Fach. Manchmal waren auch Fehler drauf, die ich dann verbessern musste und so habe ich alles weggeworfen, geändert und neu kopiert.
    Ich korrigiere lieber Klausuren als dass ich Unterricht vorbereite. Ich denke, das liegt an der Strukturierung – wenn ich sie vorgeben muss, dauert alles ewig und ist unangenehm; wenn ich sie vorgegeben bekomme, bin ich schnell.
    Ich bin zeitmäßig absoluter Spitzenreiter im Klausurenkorrigieren, aber absolute Niete in effizienter Unterrichtsvorbereitung. Es wird aber langsam etwas besser. Mir hilft der Dreischritt Einstieg – Erarbeitung – Transfer. Am liebsten würde ich nur solche Stunden geben.
    Schwierigkeiten bekomme ich damit im Abiturbereich. Die Schüler sind oft schon sehr selbstständig und stellen hohe Ansprüche an den Lehrer. Das macht mich nervös und setzt mich bei der Unterrichtsplanung zusätzlich unter Druck. Es fällt mir auch schwer, viele Details zu überspringen, weil die Schüler ein Vorwissen mitbringen – diese Details fehlen mir dann und ich bin nicht so souverän im Unterrichtsgespräch.
    Ich unterrichte am liebsten jüngere, unselbstständigere Schüler und mache sie selbstständig. Vor gut vorgebildeten, selbstständigen, älteren, ehrgeizigen Schülern habe ich teilweise sogar Angst. Im Moment setze ich alles daran, nicht im Abiturbereich unterrichten zu müssen.


    Arbeitsorganisation

    Ich liebe es, Papierkram (Rechnungen, Telefonate, Anträge ausfüllen etc) zu erledigen – ich habe es nicht so schwer, damit anzufangen und bin total zufrieden, wenn ich alles erledigt habe. Den Papierkram dann aber abzuheften, gelingt mir nicht. Ich bin froh, wenn ich es schaffe, ihn in eine große Kiste werfe – wenn ich dann etwas Bestimmtes suche, weiß ich ja, dass es in der Kiste sein muss.

    Ich verbringe einen großen Teil meines Lebens damit, Ordnungssysteme für mein Berufs- und Privatleben zu schaffen, aber ich bringe sie nie zuende oder schaffe es nicht, sie richtig zu benutzen, so dass ich am Ende viele Stunden investiert habe und doch im Chaos ende. Ich will ein Ordnungssystem dann auch so perfektionieren, dass ich nicht mehr viel zu tun habe, aber das ist nicht möglich und dann finde ich die Mitte zwischen totaler Ordnung und Chaos nicht und ende mutlos und resigniert im Chaos.

    Ich hasse Umständlichkeiten wie die Pest. Ich bin zwar manchmal detailverliebt und komme nicht zum Punkt, aber irgendwie habe ich ein Ziel – vor allem, wenn ich mich konzentrieren kann. Dann geht es auch manchmal sehr schnell, weil ich dann nicht ablenkbar bin. Ich lege oft einen gewissen Pragmatismus an den Tag. Ich kann mir nicht vorstellen, dass umständliche Menschen glücklich sind. Wenn ich im Kopf etwas plane, möchte ich es auch sofort in die Tat umsetzen. Sonntags im Bett zu liegen, zu faulenzen und in den Tag hineinzuleben, habe ich vor ein paar Jahren verlernt. Meinen Mann stört es, wenn ich nicht in Ruhe kuscheln und den Morgen genießen kann, aber er hat sich wohl damit – wie mit Vielem – abgefunden.

    Manchmal wünsche ich mir, in einem Beruf zu arbeiten, in dem sich Kreativität und vorgegebene Struktur vereinen – mir fällt aber keiner ein. Ich kann einfache, strukturierte Aufgaben noch strukturierter und effizienter gestalten, so dass ich sehr schnell in so was bin – Fließbandarbeit könnte ich gut.
    Ich habe viele sehr kreative Ideen und verfolge sie oft bis zum Exzess. Ich setze viel Energien in sie und vernachlässige dafür wichtige Alltagsdinge. Meine Mutter sagte immer „Sie hat schon wieder eine Schnapsidee und muss sie bis zum bitteren Ende verfolgen“. Seit neuestem verfolge ich nicht mehr alle, weil es einfach nicht geht. Ich habe phasenweise eine Messie-Wohnung gehabt. Ein Mittelding gab es bei mir schon als Kind nicht – entweder es war total aufgeräumt oder total chaotisch (meistens). Vor allem Geschirr und Essensreste stehen viel herum.

    Ein weiteres großes Problem ist neben der Küche und dem Papierkram die Wäsche. Häufig wasche ich sie, vergesse aber, sie zu trocknen und wasche sie dann noch mal, nachdem sie 3 Tage in der Waschmaschine lag. Das kann sich mehrmals wiederholen.
    Ich lege sie auf mein Bett um sie sortieren. Ich sortiere sie nicht und wenn ich abends schlafen gehe, fege ich sie vom Bett auf den Boden. Am nächsten Morgen trete ich drauf und lasse sie liegen oder werfe sie aufs Bett. Neue frische Wäsche kommt dazu, aber auch alte, getragene. Ich trampele wieder drauf herum. Diese Prozedur wiederholt sich, bis der Turm hoch ist, ich drüber stolpere und mein Autoschlüssel und mein Handy vergraben sind. Ich kann dann nicht mehr auseinanderhalten, was frisch und dreckig ist und wasche alles noch mal.
    Ich habe auch immer viel Wäsche, weil ich schnell Sachen in die Wäsche lege, anstatt sie zu falten und in den Schrank zu legen. Ich treffe so gut wie nie Vorkehrungen, die den Wäscheberg verringern würden, z.B. Baby eine Sabberlatz umhängen, alte Wäsche zum Joggen anziehen (ich mache immer in frischen Sachen Sport), dreckige Hände woanders als an der sauberen Hose abstreifen.
    Ich habe viel Wäsche und finde mit ihr keine Ordnung. Ähnlich ist es in der Küche, nur, dass da irgendwann Fliegen auf den Lebensmitteln sitzen, genauso wie im Kaninchenkäfig. Wenn die Küche chaotisch ist, schiebe ich das Zeug beiseite und fange an, etwas Neues zu kochen. Ich ergänze das Chaos um neue Abfälle, Töpfe etc. und irgendwann fällt etwas herunter.
    Wir haben oft abgelaufene und schimmelnde Dinge im Kühlschrank.

    Ich kaufe viel zu viel Zeug, das wir im Überfluss haben, wie Scheren, Pflaster, Lebensmittel, Kosmetika, Dekoartikel, Klamotten. Ich definiere mich irgendwie über meinen Besitz und nicht über mein Können und meinen Geist. Ich freue mich immer sehr über schöne neue Sachen. Mit nur einem Rucksack monatelang als Backpacker durch die Welt zu reisen, wäre für mich unvorstellbar. Ich würde unterwegs so viel kaufen, dass ich eine Halle anmieten müsste. Was ich nicht kaufe, fotografiere ich oft.

    Ich tätige oft Impulskäufe – manchmal stehe ich an der Kasse und denke „Das brauche ich ja gar nicht“. Anstatt es zurückzulegen, rechtfertige ich den Kauf dann vor mir selber und finde immer eine gute Ausrede. Ich sammele Krempel an und veranstalte dann 1x im Jahr oder seltener wahre Wegwerfaktionen.

    Ich tätige oft Sammelkäufe – wenn ich eine Kerze schön finde, kaufe ich davon direkt 30 Stück. Wenn ich einen Saft gerne mag, kaufe ich davon eine Palette – ich werfe dann die Hälfte davon weg, weil ich ihn in der Zeit, bis er abläuft, gar nicht trinken kann.
    Ich kaufe oft auf Vorrat – ich habe 4 Wochen nach der Geburt meiner Tochter mehrere Hosen für 2-3-jährige Kinder gekauft. Bei Discountern wie Aldi sind die nonfood-Ständer immer eine große Verlockung für mich – ich kaufe dann oft Dinge, die ich „irgendwann“ mal brauchen könnte.



    Mein Gemüt und meine Persönlichkeit

    Ich liebe Regenwetter – da kann ich mich zurückziehen und muss nicht fröhlich sein und das Gefühl haben, raus unter Menschen zu müssen.

    Wenn ich den Ehrgeiz habe, etwas zuende zu bringen, dann handelt es sich oft um etwas, womit ich anderen helfe z.B. mit dem Sohn einer Freundin dessen umfangreiche Hausaufgaben machen

    Ich denke oft, dass andere perfekt und kompetent sind und ich die einzige bin, mit der etwas nicht stimmt. Das sorgt anscheinend dafür, dass ich mich vor anderen klein mache und infolgedessen behandelt werde wie ein kleines Kind. Selbstbewusstsein zu schauspielern, nehme ich mir manchmal selber nicht ab. Wenn es klappt, stimmt mich das aber nicht positiv und ich habe ein schlechtes Gewissen, dass ich dadurch etwas bekommen habe wie z.B. das Geld zurück nach einem Umtausch.

    Ich mache mich selten schick – es ist zeitraubend, aufwändig und unpraktisch – man kann sich nicht die Augen reiben, nicht kratzen und viele schicke Klamotten sind einfach unbequem und eng. Oft ziehe ich mich gar nicht um, wenn ich morgens aufstehe. Eine Strickjacke über das Oberteil, eine Jeans an und ab zur Arbeit.


    Ich gucke immer in die Zukunft und kann Naheliegendes oft nicht berücksichtigen. Ich kann Zwischenschritte hinarbeiten, ich bin dazu zu ungeduldig und muss immer das Endresultat vor Augen haben. Ich stecke oft Energien in Schritte, die ganz zum Schluss kommen und merke dann, dass mir die Arbeit für die Zwischenschritte fehlt, was wieder Stress bedeutet.
    Ich habe schon ein Bild für den Flur gemalt, als wir das Haus noch gar nicht gekauft hatten, es noch nicht entleert und komplett saniert war.
    Ich denke nicht vorausschauend, ich packe z.B. meinen Koffer chaotisch, denn am Urlaubsort kann ich ja in Ruhe auspacken und sortieren. Genauso ist es mit Fahrten zu Freunden. Ich werfe alles auf einen Haufen auf dem Beifahrersitz oder wenn ich nicht fahre, in den Fußraum des Beifahrersitzes (so dass ich meine Beine gar nicht ausstrecken kann), durcheinander oder in eine Tasche gestopft. Oft fehlt dann doch etwas (Windeln etc.) oder ich muss ewig krame, bevor ich es finde, wobei ich gereizt werde.

    Ich habe einen Kaufzwang – es kann mir nicht passieren, dass ich nichts zu essen im Kühlschrank habe – eher Schimmel und Abgelaufenes. Ich kaufe auch immer Geschenke, wenn ich was sehe, dass jemandem gefallen könnte, auch wenn ich den gar nicht gut kenne und egal, wann die Leute Geburtstag haben Ich finde das logisch, meine Freunde verstehen es nicht.

    Ich bin unglaublich kreativ und wenn ich meine Kreativität ausleben will, auch sehr pragmatisch. Ich sehe schöne Dinge und will aus ihnen selbst etwas herstellen – ich will ein Unikat statt etwas fertig gekauftem. Ich finde es langweilig, dass es nur noch so wenig Auswahl gibt, an Bekleidung, Dekoration, Geschirr etc. ich suche immer das Individuelle, Besondere. Ich verändere Dinge oder schaffe sie selbst um etwas Individuelles zu haben.
    Ich habe 1.000 Ideen und muss sie aufschreiben, sonst bin ich unruhig und habe Angst, sie zu vergessen. Das führt dazu, dass sie zwanghaft ständig in meinem Kopf umherschwirren.
    Wenn ich sie aufgeschrieben habe und sie nach ein paar Tagen betrachte, streiche ich vieles wieder durch, weil sie teilweise unsinnig oder unumsetzbar sind.
    Ich hasse Sonn- und Feiertag – sie haben keine Struktur. Deshalb fahren wir am Wochenende oft zu Freunden.
    Ich sage oft Termine ab, weil ich sie gemacht habe, ohne nachzudenken oder weil ich manchmal einfach zu gestresst bin, sie einzuhalten. Ich bin sehr stolz darauf, dass ich sehr selten Termine verpasse.
    Ich vergesse ständig mein Handy bzw. bin zu faul, es zu holen, und ärgere mich dann, wenn ich es brauche.
    Ich mache oft noch mehr Chaos in dem Wissen, dass ich ja eh gleich aufräume. Wenn ich das dann aber nicht tue, was sehr häufig der Fall ist, weil ich spontan wegfahre oder etwas anderes mache. Stört mich die Unordnung natürlich noch mehr und es kann sein, dass sich ein Fleck Marmelade vom Küchenboden in der ganzen Wohnung verteilt. Ich bin schon aus dem Haus gegangen und war eigentlich gerade dabei, eine Suppe zu kochen.

    Ich bin mir of zu spät über die Folgen meines Handelns bewusst – erst, wenn es zu spät ist (Freunde einladen trotz mehrerer Termine). Ich gerate dann in Stress und werde aggressiv. Ich kann dieses Verhalten aber nicht abstellen und meine Aggressionen richten sich dann gegen die Leute, denen ich helfe/ einen Gefallen tue oder gegen leute, denen ich nahe stehe („Mein Mann arbeitet zuviel und entlastet mich hier zuhause nicht genug“, „Meine Mutter ist auch chaotisch und hilft zu viel, sie hat mir das beigebracht“, „Diese Wohnung ist Mist, mein Vater hätte eine bessere kaufen sollen“ (wohne in einem Haus, das meinem Vater gehört). Wen ich dann genauer nachdenke, finde ich die Schuld immer nur bei mir, das macht mich aber noch wütender und hilfloser.

    Manchmal funktioniere ich wie ein Roboter und esse am Ende des Tages nicht in Ruhe, sondern automatisch und stehe während es letzen Bissens schon auf um den Teller wegzuräumen. Das ist extrem so, seit meine Tochter auf der Welt ist und vor allem, sei ich sie bei unserem Essen füttern muss.
    Genauso verhält es sich mit dem Schlafen – ich liege da wie ein Brett und kuschele mich nicht ein. Manchmal wünsche ich mir sowieso, nicht schlafen zu „müssen“ – ich habe dann noch so viel Spannung und so viel Planung für den nächsten tag in mir, dass ich direkt mit dem Tagegeschäft weitermachen möchte.
    Ich bin drauf programmiert, nicht zu spät zu kommen. Bin ich knapp, was oft vorkommt, schwitze ich, fahre hektisch, rege mich über die anderen Autofahrer auf und komme dann abgehetzt, aber pünktlich an oder maximal 5 Minuten zu spät.
    Beim Lesen überspringe ich oft Absätze, weil es mir nicht schnell genug geht. Wenn ich dann mehrmals Dinge überlese, merke ich das entweder im Laufe des Buches – mir fehlen dann Informationen oder ich merke es direkt, und lege das Buch weg.

    Meine Stimmung spiegelt sich oft beim Autofahren wider – bin ich „dröge“, fahre ich in gebückter, versunkener Haltung eher langsam und unkonzentriert. Manchmal denke ich, ich sollte in diesem Zustand kein Auto fahren.
    Oft kann ich mich dann auch nicht an Detail der Strecke erinnern, mir fehlen dann die 5 km zwischen Ausfahrt soundso und Ausfahrt soundso. Ich habe dann abgeschaltet. Ich nehme Strecken auch nicht kontinuierlich wahr – ich habe das Gefühl, dass es sich in dem und dem Abschnitt ewig zog, während es da und da schneller ging, obwohl der Verkehr der gleiche war und die Strecken gleichlang.
    Manchmal fahre ich ganz anders – mein Mann sagt dann immer „Schnell am Gas, spät an der Bremse“. Dann fahre ich hochkonzentriert und schnell – in diesen Situationen überhole ich viel und fahre forsch, trotz meiner 75 PS. In diesen Zeiten verbraucht mein Auto dann auch wesentlich mehr als sonst. Ich muss dann aufpassen, dass ich nicht drängele oder hupe. Ich stelle mir dann immer vor, dass die anderen Leute dann sauer werden. Ich war schon mal so ungeduldig, dass ich eine rote Ampel angehupt habe. Ich habe dann einen „Trommelzwang“ (Finger der linken Hand aufs Lenkrad).
    Ich bin im Auto so ungeduldig, dass ich dauernd von Sender zu Sender zappe. Höre ich CD, überspringe ich Lieder – es gibt Alben, die ich nie ganz höre, sondern immer nur die 3 Lieder davon, die mir am besten gefallen. Ich habe nicht die Geduld, ein neues Album ganz zu hören, daher höre ich auch kaum neue Musik. Ich stelle mir nur Sampler mit einzelnen Liedern zusammen, die ich mag und die mich nicht die Mühe kosten, mich an Neues zu gewöhnen. Wenn ein Lied langsam ausfaded, springe ich direkt zum nächsten. Wenn ein Lied, das ich mag, langsam anfängt spule ich den langweiligen Anfang vor. Es gibt Lieder, die habe ich noch nie ganz gehört.

    Ich habe einen schlechten Orientierungssinn und schlechte topographische Kenntnisse. Das war früher auch schon so – ich antwortete mal auf die Frage, wo ich zur Schule gehe: „Unter Ehrenfeld“. Ich meinte damit den Stadtteil Bilderstöckchen, der südlich von Ehrenfeld liegt. Ich war auch schon immer etwas weltfremd – im Denken und auch im Ausdruck.

    Ich habe manchmal visuelle Aussetzer – Funken vor den Augen, Probleme, Geschriebenes wie z.B. Schilder auf der Autobahn zu erfassen, zu lesen, der Schrift mit den Augen zu folgen, das Gelesen aufzunehmen.
    Ich verspreche mich sehr oft im Sinne einer „freudschen Fehlleistung“.
    Ich kenne alle Folgen des Hörspiels „Drei Fragezeichen“, weiß aber von vielen die Lösung nicht ich kann sie etliche Male hören, aber der Inhalt fliegt oft an mir vorüber. Ich kann mich auf einen Film konzentrieren und trotzdem beginnt mein Blick, umher zu schweifen und ich stehe dann auf und bastele etwas oder male zu dem Film. Wenn ich ihn konzentriert gucken kann es aber trotzdem passieren, dass ich eine „Lücke“ habe – ich spule dann zurück und es kommt mir vor, als hätte ich die Sequenz nie gesehen.

    In Läden mit Plunder, Krimskrams etc. bin ich total überfordert. Ich gucke, gucke, gucke und kann nicht weggucken, obwohl z.B. mein Handy klingelt oder meine Tochter im Kinderwagen schreit. Nach einem Besuch in so einem Laden bin ich völlig fertig.

    Ich vergesse oft Sachen, z.B. dass eine Suppe auf dem Herd steht. Das ist dann einfach weg. Bisher ist noch nichts passiert – manchmal weiß ich nicht, wie.
    Ich räume im Arbeitszimmer auf, finde einen Schnürsenkel, gehe zum Schuhschrank und räume den auf. Das Arbeitszimmer ist dann WEG. Wenn ich dorthin zurückgehen, fällt mir ein, dass ich es ja aufräumen wollte. Bis dahin habe ich aber angefangen zu kochen und vergesse auch das. Ganz schlimm wird es, wenn dann das Telefon klingelt.
    Ich bin nicht nur leicht ablenkbar, ich werde auch aggressiv, wenn ich mich oder jemand anders mich zwingt, eine unangenehme Sache zuende zu bringen. Danach geht es mir aber besser.
    Wenn ich keine penible Ordnung halte, versinke ich im Chaos. Wenn es nämlich nur einigermaßen ordentlich ist, werde ich unruhig und fühle mich fast so, wie wenn es unordentlich ist. Ich lebe entweder im totalen Chaos oder in penibler Ordnung. Ich veranstalte wahre Aufräumorgien bis zur völligen Erschöpfung. Fertig bin ich nur, wenn alle Räume total unordentlich sind, sonst habe ich ein Gefühl er Unzufriedenheit. Schaffe ich es nicht, alle Räume ordentlich zu machen, ist die Gefahr groß, dass das Chaos wieder entsteht.
    Es ist besser geworden- mit einem kleinen Kind ist das beides nicht durchzuhalten und ich werde gezwungen, auch die Mitte zu finden und mich mit ihr abzufinden. Aber mich macht aggressiv, dass sie nicht weggeht, die Neigung zum Chaos.

    Ich habe Phasen, in denen ich extrem viel in kurzer Zeit erledige und auch sehr strukturiert und effizient arbeiten kann. Ich reiße mich dann zusammen und konzentriere mich – das klappt gut bei nicht anspruchsvollen, oft motorischen Dingen wie z.B. aufräumen. Dann bin ich multi-tasking-fähig, effizient und schnell. Leider kommt das nicht allzu oft vor – in diesen Zeiten räume ich dann viel von dem auf, was ich tage vorher in ein Chaos verwandelt habe.

    Mein Mann ist mein Gegenpol. Er ist ruhig und gelassen, manchmal fast schon passiv und phlegmatisch. Er kein guter Aufräumer, aber er macht auch kein Chaos, so wie ich. Manchmal bringt er mich zur Weißglut, wenn ich z.B. etwas frage und er nachfragt und sich mit der Antwort Zeit lässt, werde ich wahnsinnig. Ich motze ihn dann an oder gehe einfach aus dem Raum. Generell habe ich sehr hohe Erwartungen an ihn – er soll mich entlasten. Wenn er viel arbeitet, nehme ich ihm das übel. Er kann in den schnellen Phasen nicht mit mir mithalten und beschwert sich, dass ich dann keine Rücksicht auf seine Erschöpfung nehme und ihn rumkommandiere. Wenn er nicht da ist und ich habe Stress, dann bin ich immer sauer auf ihn, Wenn ich mir dann aber vor Augen führe, dass er nicht für meine Aufgaben verantwortlich ist und dass ich ja eigentlich gar nicht so viel zu tun habe, macht mich das wütend und hilflos und ich weiß nicht, wohin mit meiner Wut.
    Ich habe ein sehr geringes Selbstbewusstsein und stehe immer eine Stufe tiefer. Ich halte mich für weniger wert als andere Menschen. Ich habe auch immer sehr viel Mitleid mit anderen und ein schlechtes Gewissen, dass ich es besser habe als andere. Ich sauge Geschichten von Menschen auf, denen es besser geht als mir und die noch fauler sind, weil mich das beruhigt.

    Ich fühle mich manchmal noch so unmündig wie ein kleines Kind und werde auch oft so behandelt.

    So richtig entspannen kann ich nur durch völlige Erschöpfung, einen vollen Magen, Süßigkeiten oder Alkohol. Wenn es total aufgeräumt ist, bin ich auch entspannter, ruhiger und glücklicher. Dass ich mir zu viel aufhalse und dann kribbelig und unzufrieden bin, kommt eher vor, wenn die Wohnung unordentlich ist.

    Die Gedanken in meinem Kopf sind zu viele, zu schnell, zu dominant und zu laut. Sie hindern mich am beruhigen und ich kann sie nicht abstellen. Ich kann wahnsinnig schnell denken –je schneller, desto unproduktiver und quälender.

    Wenn ich ausnahmsweise mal nichts denke, rattere ich einen Liedtext oder Tonleiter-Übungen in meinem Kopf herunter – nicht mit Absicht, das kommt einfach. Ich spiele die Tonleitern dann auch oft hektisch und schnell mit den Fingern nach, wie auf dem Klavier oder der geige. Ich habe einen Grübelzwang und wache oft schon grübelnd oder einen Ohrwurm in Gedanken textmäßig herunterratternd nachts auf und kann dann nicht mehr schlafen.
    Ich habe diverse Zwänge Ich habe manchmal die fixe Idee, dass in meinem Umfeld Schnüre gespannt sind und ich richte dann meine Bewegungen so ein, dass ich nicht mit ihnen kollidiere. Ich knabbere in der Unterlippe knabbern, Nagelhaut abknabbern, Luft anhalten, Luft zwischen den Zähnen mit der Zunge durchdrücken), mal weniger, mal mehr.

    Ich ertrage Ruhe nur schlecht – in der Wohnung läuft immer das Radio, eine CD oder eine DVD, meistens mehrer Dinge auf einmal.
    Ich mache auch oft mehrere Dinge auf einmal – ich lege eine DVD und bastele. Oft läuft die DVD und ich gucke gar nicht hin. Seit ich mehrere Zimmer habe (vorher Studenten-WG), läuft die DVD auch oft durch, weil ich dann auf einmal in einem anderen Zimmer bin, wo ich eine CD oder das Radio anmache. Wenn ich dann ins Arbeitszimmer gehe und mp3 höre, habe ich 3 Geräuschquellen. Wenn in der Situation mein Mann nach Hause kommt und alles unordentlich und laut ist, gibt es Streit und ich habe ein ganz ungutes Gefühl, ein schlechtes Gewissen und bin aggressiv und hilflos.

    Manchmal wünsche ich mir, mit etwas endgültig fertig zu sein, mit dem man nicht fertig sein kann z.B. Nägel schneiden, Haushalt, bügeln etc.
    Ich bin immer unzufrieden, weil ich weiß, dass überall neue Aufgaben auf mich warten, die mich nervös machen. Bin ich untätig, werde ich noch nervöser.

    Ich habe das Gefühl, dass langweilige, gründliche Tätigkeiten wie aufräumen, Jacke ordentlich wieder aufhängen, wenn man nach Hause kommt, Bluse abends in den Schrank hängen, wenn man sie auszieht etc. zeitraubend sind. Sie sind es nicht wert, ihnen viel Zeit zu opfern.

    Ich handele sehr, sehr lustbetont, was mich denken lässt, dass ich faul bin, weil ich andere Dinge dann oft liegenlasse. Das gibt auch immer Stress. Ich sage es manchmal meinem Mann gar nicht, dass ich etwas gebastelt habe, weil ich seine Ablehnung und seine Vorwürfe, dass etwas anderes deshalb liegen geblieben ist und die Wohnung unordentlich ist, nicht erleben will.

    Es ist für mich eine Strafe, zu rekapitulieren, was ich getan habe und erledigte Aufgaben abzuhaken (z.B. „Habe ich die Pferdebox verriegelt?“) Was vergangen ist, ist vergangen und ich möchte meine Konzentration auf die Zukunft richten. Ich schreibe lieber auf, was ich morgen alles machen muss.

    Meine Motorik
    Ich stoße mich ständig. Wenn ich ein Glas aus dem Schrank hole ratsche ich mit den Arm an. Ich kann das nur vermeiden, wenn ich ganz langsam und konzentriert bin. Das nervt mich dann aber weil das in meinen Augen Zeitverschwendung ist. Wenn ich einen guten Tag habe, verletzte ich mich nicht so oft

    Ich hatte einen Unfall, weil ich eine Kurve, die ich eigentlich gut kannte, zu scharf genommen habe oder einen Fahrfehler begangen habe – ich weiß es nicht mehr. Heute noch fragen sich freunde und Familie, wie man in der Kurve einen Unfall bauen kann.
    Ich habe manchmal Probleme mit Serpentinen. Ich mühe mich dann ab und schwitze, und trotzdem ist hinter mir eine lange Schlange. Ich finde nie den idealen Weg in Kurven.

    Meine Lieblingssportarten haben mit Bewegung zu tun, z.B. joggen und reiten. Walken langweilt mich. Wenn ich einen Ausritt mache, kommt immer mehr Trag und Galopp dazu als ich geplant habe.
    Ich mag Karussels, bei denen man Auftrieb und Geschwindigkeit im Bauch spürt und die Höhe zurücklegen, am besten eine Kombination aus beidem. Dinge, die wenig in Bewegung sind, find eich langweilig (Autoscooter, Riesenrad). Ich mag Kettenkarussells, Breakdance, Achterbahnen etc.

    Ich habe eine Zeitlang Tischfußball gespielt – mit Leuten, die sehr gut waren. Ich habe trainiert wie irre, kam aber nie auf einen grünen Zweig. Es ist mir noch heute, Jahre später, ein Bedürfnis, diesen Leuten zu beweisen, dass ich nicht dumm bin. Ich war damals immer froh, dass ich in meiner Ausbildung trotz gleichen Alters schon weiter war als einige von ihnen – das hat mein Selbstbewusstsein gestärkt und ich sah es als Joker an.
    Mir hat das Spielen geholfen, mich zu konzentrieren – ich war damals im Referendariat und hatte viel zu tun.
    Wenn mein Mann ungeschickt ist, macht mich das aggressiv, weil ich mich an meine eigene Ungeschicklichkeit erinnert, vor allem, wenn ich im Bett liege und er abends dagegen läuft, macht mich das wütend.



    Freizeit/ Freunde/ Beziehungen

    Wenn ich abends etwas trinken gehe, sehe ich zu, dass ich schnell auf einen bestimmten Pegel komme, ich trinke dann z.B. 3 Schnäpse direkt hintereinander, weil ich das Gefühl des Betrunkenseins brauche, wie es durch meinen Körper fließt und mich ruhig macht. Ich werde dann entspannt und gleichgültig – wie sonst nie. Von meinen Freunden muss ich mir immer anhören, dass ich nicht so „Gas geben“ soll. Man trinkt aus Genuss. Ich nicht. Ich mag kaum ein alkoholisches Getränk. Ich möchte mich nur betrinken. Wenn ich nüchtern werde, trinke ich weiter – am liebsten Schnaps, das geht am schnellsten und ich hab ihn nicht ständig in der Kehle, den ekligen Alkoholgeschmack.,
    ich habe es auch sehr genossen, beim Rauchen oder Kiffen ruhiger zu werden, ich habe 14 Jahre mal mehr, mal weniger geraucht, aber vor der Schwangerschaft aufgehört, geschmeckt hat es mir nie.

    Wenn ich nicht so viel Krempel in meinem Auto umherfahren würde, würde ich mehr Platz haben und seltener tanken müssen.

    Mein Denken

    Ich habe die Ablenkbarkeit von Hausarbeit, Unterrichtsvorbereitung, Papierkram etc. immer als Faulheit gedeutet.
    Ich habe oft Geistesblitze und nehme – wenn ich konzentriert bin – Dinge sehr schnell auf. Ich komme dann schnell auf die Lösung und wundere mich, warum die anderen dafür so lange brauchen. Früher im unterricht habe ich mich nie getraut, die Lösung zu sagen, weil ich so schüchtern war.
    Es passiert mir schon seit Jahre, dass ich in einem Raum gehe und dann nicht mehr weiß, was ich da wollte.
    Ich habe gerne Zeit für mich, bekomme mich dann aber nicht sortiert, habe Angst, die Zeit nicht nutzen zu können , weil si so schnell vergeht und da so viele Dinge sind, die ich gerne machen würde.Ich tue dann nichts Zielgerichtetes, weil ich mich nicht entscheiden kann oder auch die Reihenfolge meines Plans nicht einhalten kann. Ich bin dann fahrig, tue nichts richtig und vertrödele meine Zeit mit Dingen, die mir gar keinen Spaß machen und bei denen ich auch noch Chaos mache. Abends geht es mir dann schlecht, wenn mein Mann und meine Tochter da sind und ich den Tag nicht genossen bzw. genutzt habe.
    Ich bin internetsüchtig – ich bin in viele Foren um mich ständig mitzuteilen und mich immer auf dem Laufenden zu halten.
    Ich verlange von anderen gute Planung und Perfektionismus. Mir ist es wichtig, dass diese nicht mitbekommen, wenn bei mir mal wieder was nicht klappt.




    Selbstreflexion

    Als ich ADHS als mögliche Diagnose vor Augen geführt bekam, war ich erst froh, dass es für das alles, was ich bin, einen Namen gibt, dass ich nicht schuld bin und auch nicht faul, egoistisch und lernbehindert.

    Wenn ich eine Schnapsidee habe, sage ich mir manchmal, wie unvernünftig das wäre. Der Wunsch bleibt aber und das macht mich aggressiv und nervös.

    Meine Emotionen

    Meine Umwelt und ich leiden unter meinen starken Stimmungsschwankungen, ich hatte sogar schon den Verdacht, manisch-depressiv zu sein.
    Ich wechsele von purer Aggression und Menschenhass zu Euphorie und dem Bedürfnis, mich mit der ganzen Welt zu versöhnen. Diese Stimmungsschwankungen belasten mich in sehr starkem Maße, weil ich keine innere Mitte habe – die gibt es nur innerhalb der Stimmungen und da die Stimmungen wechseln, ist dann ja auch die innere Mitte wieder weg. Ich bin dann sehr subjektiv und kann nicht darauf warten, dass meine gute Stimmung ja vielleicht bald wiederkommt. Ich habe keinen Anhaltspunkt, was meine Stimmungen angeht, weil ich sie nicht „von oben“ betrachten kann. Wenn ich sie habe, sind sie da und ich kann sie nur erleiden (oder genießen).
    Ich kann gutgelaunt und extrovertiert sein und bin bei vielen Menschen beliebt. Dabei besteht aber auch die Gefahr, dass ich oberflächlich bin und mich verstelle, denn es ist anstrengend, dauer-offen zu sein und entspricht irgendwie nicht meinem Naturell – ich bin oft schweigsam. Wenn es in einer Konversation zwischen mir und jemand anderem Schweigepausen gibt, bin ich darauf „programmiert“, etwas zu sagen oder auf eine Äußerung, die ich unwichtig finde, zu reagieren, damit ich mir nicht anhören muss, dass ich so schweigsam bin. Ich bin dann nicht authentisch. Manchmal bin ich sehr in mich gekehrt und finde es anstrengend, mich auf andere einzustellen, selbst auf meine Tochter.

    Wenn ich an meinen Mann denke, habe ich Schmetterlinge im Bauch. Sekunden später aber kann das umschlagen, wenn er wieder lange in der Firma ist und ich überlastet bin – dann werde ich richtig hasserfüllt. Das war einer der Gründe, warum ich in Kur gefahren bin.
    Ich kuschele nicht mehr so gerne wie früher – Petting, Knutschen etc. kann ich nicht genießen, weil ich Berührungen nicht mehr so gerne mag wie früher – ich bin mittlerweile total kitzelig, wenn es zwischen meinem Mann zum Austausch von Zärtlichkeiten kommt.
    Ich habe oft unpassende Gedanken, z.B. denke ich beim Kuscheln an Dinge, die ich noch erledigen muss. Ich muss mich dann zusammenreißen, damit ich mich mit meinem Mann nicht darüber unterhalte. Ich kann generell kein langes Vorspiel genießen.
    Und auch nach dem Sex bin ich mit meinen Gedanken schnell wieder bei anderen Dingen und bin immer die erste, die aufsteht und sich anzieht.

    Manchmal finde ich etwas enorm wichtig und Sekunden später verwerfe ich es, weil es quasi keine Bedeutung für mich hat.
    Ich kann nicht abwarten – als ich einmal erfuhr, dass ich Jahre später operiert werden müsse, habe ich nächtelang schlecht geschlafen und Angst vor der OP gehabt.
    Ich bin ängstlich und oft schreckhaft. Ich habe viele Ängste – ich denke, es handelt sich um eine generalisierte Angststörung (hat meine Mutter auch) – ich habe Angst, dass meiner Tochter etwas passiert, dass sie entführt wird, dass mein Mann eine Unfall hat etc. ich hasse es, aber ich MUSS immer wieder in solchen Katastrophen denken und mache damit alle verrückt, so wie meine Mutter es tut.
    Ich mache mir viele Gedanken über die Menschheit und das Leben, die Evolution, die Pluralisierung der Lebensstile, die Umweltverschmutzung etc. und bin oft besorgt.
    Ich habe Angst vor hohen Geschwindigkeiten, weil ich mir oft ausmale, was alles passieren kann, fahre aber trotzdem schnell, weil ich ja in der Situation das Gefühl habe, alles im Griff zu haben.

    Ich werde schnell aggressiv, wenn ich etwas nicht finde; etwas vergessen habe, etwas herunterwerfe, Gefahr laufe, zu spät zu kommen oder mir das Chaos über den Kopf wächst und mir bewusst wird, dass ich eine „faule Schlampe“ bin. Ich könnte dann Dinge durch die Gegend werfen und sie anbrüllen, weil ich gegen sie gelaufen bin, sie im Weg stehen o.ä.
    Ebenso geht es mir, wenn ich mir aus Ungeschick wehtue. Ich könnte dann gegen das Regal treten, an dem ich mich gestoßen habe.

    Ich bin sehr ungeduldig – ich lasse mir ungerne etwas erklären, vor allem, wenn es lange dauert. Manchmal renne ich mitten in der Erklärung weg oder sage ganz aggressiv „Das weiß ich doch, Mann, nerv mich nicht“
    Wenn ich jemand anderem etwas erkläre, ist der meist überfordert. Ich bin dann sehr ungeduldig. Ich weiß dann schon immer, welche Fragen kommen und beantworte sie, bevor sie gestellt sind. Damit würge ich jeden Austausch ab. Mich nerven diese dummen Fragen – ich kann mich dann auch nicht in mein gegenüber versetzen, das sicher nicht so schnell denkt wie ich und halt noch nichts über den Sachverhalt weiß. Mir geht es generell auf die Nerven, wenn es langsam geht. Ich erwate von meinen Mitmenschen, dass sie meinem Tempo folgen können. Ich habe keine Geduld und ich habe kein Verständnis für „Lahmarschigkeit“, obwohl ich mir ständig Mühe gebe, empathisch zu sein.

    Ich habe oft sehr spontan Tränen in den Augen und bin kurz vorm Schluchzen, wenn ich an etwas Schönes/ Trauriges/ Bewegendes denke – das verwirrt mich und wenn die Tränen dann ausbrechen, verwirrt das andere völlig.

  2. #2
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 42
    Forum-Beiträge: 98

    AW: Meine Geschichte - nur wer mag (sehr lang)

    Meine Freundschaften/ Beziehungen

    Ich bin manchmal nicht authentisch, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass meine Äußerungen kritisiert werden und der Situation nicht angemessen sind. Deshalb verstelle ich mich und orientiere mich stark an meiner Umwelt. Darüber habe ich verloren, wer ich wirklich bin. Manchmal komme ich mir auf z.B. Partys vor wie eine Marionette.
    Ich bewundere Menschen, die immer ernst genommen werden und die authentisch sein können, ohne abgelehnt zu werden. Ich werde häufig nicht ernst genommen – noch nicht mal beachtet. Ich sage oft etwas Unpassendes, rede oft viel zu viel, drücke mich wahrscheinlich auch nicht immer treffend aus ziehe mich dann in eine ängstlich-passive Rolle zurück.
    Ich bin darauf programmiert, abzuchecken, ob mein Verhalten und meine Äußerungen angemessen sind. Ich rege mich manchmal über Dinge auf, pauschalisiere sie und lästre dann – dabei gucke ich aber auch immer, ob das ankommt. Um ggf. zu beschwichtigen oder etwas zurückzunehmen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich häufig etwas Unpassendes sage und die Leute meine Äußerung komisch finden und dagegen reden. Ich habe manchmal gar keine eigene Meinung mehr, weil ich es gelernt habe, mich anzupassen und an deren zu orientieren. Ich trau mich selten. Dagegen zu sprechen, wenn andere etwas äußern, das ich nicht nachvollziehen kann.
    Ich imitiere oft Personen, reale oder aus Filmen oder Serien, manchmal passt das aber nicht.
    Ich bin immer damit beschäftigt, mich in andere zu versetzen, dass ich mich selbst aus den Augen verloren habe. Mein Ziel ist die völlige Empathie, auch wenn mir das nicht gut tut. Ich muss dafür schuften und denke manchmal, dass der Mensch eine Fehlkonstruktion ist, wenn er sich so anstrengen muss, um miteinander auszukommen. Dabei scheinen viele andere das Problem gar nicht zu haben bzw. sich keine Gedanken darüber zu machen.
    Ich bin es gewohnt, mich zu verstellen, wenn ich von den problematischen Dingen in meinem Leben berichte, z.B. dass ich eine kranke Mutter habe, eine Depression, eine Angststörung und nun ADHS. Ich verstelle mich insofern, als dass ich verharmlose, dass es viel ist. Ich spiele es herunter, genauso wie meine Hobbies und Tätigkeiten. Mir werden schnell Vorwürfe gemacht, dass ich ja viel zu viel mache. Vor allem meine Mutter kann mich richtiggehend herunterputzen, wenn ich mir etwas Schönes, Kreatives vornehme. Meine Mutter tobt sich sowieso in allem, was sie nicht kann an mir aus. Wenn ich es auch nicht kann, macht sie sich darüber lustig und wenn ich es kann, spielt sie es herunter. Meine Mutter hat mich selten so behandelt, wie eine erwachsene Frau mit ihrer Tochter umgeht. Auch hat sie sich immer meinem Vater untergeordnet – brach sie aus dieser Rolle mal aus, dann nur mit Tränen und Trotzigkeit.
    Das hat sich in meiner ersten Beziehung mit einem sehr dominanten Mann wiederholt. Ich war stolz darauf, eine so unkomplizierte Frau zu sein – in der Familie meines Mannes war das auch entsprechend alter Rollenbilder gewünscht.
    Als ich dann solo war und nach und nach mit wachsenden Aggressionen konfrontiert wurde, habe ich mir das so erklärt, dass ich diese Aggressionen von meinem Ex-Freund gelernt hatte. Er war ein sehr dominanter, sehr emotionaler, egoistischer Mensch.

    Ich werde gemocht, weil ich manchmal sehr optimistisch, fast schon enthusiastisch sein kann und stark wirke. Ich kann Leute gut mitziehen und begeistern, meine Begeisterung kann aber auch schnell wieder verschwinden.
    Ich gebe prinzipiell viel zu viel von mir preis. Ich denke nicht nach und rede wie ein Wasserfall. Ich will nicht oberflächlich sein und nichts von mir erzählen, obwohl das häufig sicher besser wäre.
    Ich „entmündige „meinen Mann oft, was Organisation etc. angeht und wenn mir alles über den Kopf wächst, bin ich beleidigt und sage ihm, dass er ja auch mal Organisation in die Hand nehmen kann. Mein Mann ist viel langsamer als ich und nicht multitaskingfähig und vergisst oft Dinge. Ich bin immer ganz erstaunt, wenn er mal etwas auf die Beine gestellt bekommt und gut organisiert.
    Ich fühle mich nach Aussage anderer schnell angegriffen. Mit Kritik umzugehen gelingt mir nicht immer. Wenn ja, ist es das Resultat eines guten Tages und eines Jahre andauernden Lernvorgangs.
    Ich kann den Anschein erwecken, zuzuhören, hänge dabei aber völlig meine Gedanken nach. Ich habe früher im Unterricht oft heimlich unterm Pult gelesen. Das Nachfragen nervt andere dann – wenn ich einen Arbeitsauftrag in einer Konferenz nicht mitbekommen habe oder wenn ich nicht zugehört habe, was mein Mann von seinem Tag erzählt.
    Ebenso spontan und schnell wie meine Gedanken funktioniert auch das verbalisieren. Wenn ich denke, eine schlagfertige, witzige oder passende Äußerung auf Lager zu haben, muss die auch raus und bin noch stolz auf meine Genialität. Dabei trete ich oft in Fettnäpfchen, weil ich beleidigend bin oder meine Äußerung unpassend oder ganz und gar nicht witzig ist oder ich so laut spreche, dass eine Person es mitbekommt, die es nicht mitbekommen soll.
    Ich versetze mich ständig in andere Personen. Ich habe das Helfersyndrom. Ich weiß manchmal selber nicht mehr, was meine eigenen Bedürfnisse sind. Wenn ich in Stress gerate, bekomme ich Wut auf die Person, der ich helfe und ziehe dafür alle möglichen absurden Gründe heran.
    Manchmal denke ich, dass ich einen schlechten Charakter hab. Das liegt daran, dass ich Schwierigkeiten habe, einzuschätzen, was angemessen ist. Ich rede oft zu viel, formuliere umständlich, suche nach Wörtern und komme nicht zum Punkt. Die Blicke wenden sich dann ab und mir hört keiner mehr zu. Manchmal bin ich witzig ohne es zu wollen. Mir fehlt anscheinend das fine-tuning.
    Das hat mir der Zeit dazu geführt, dass ich mich verstelle, wenn ich in Gesellschaft bin. ich bin dann sehr unsicher und „immer auf dem Sprung“ – völlig unentspannt und immer af der Lauer. Manchmal ist es eine Qual für mich, weil ich das Gefühl habe, nicht richtig zu sein – vor allem in Gesellschaft fremder Leute. In Gesellschaft von extrovertierten Menschen verstelle ich mich oft und bin auch extrovertiert, damit es nicht heißt „Was ist los?“ Geht es dir nicht gut?“ oder „Sei doch mal gesellig und nicht so muffelig!“.
    Ich erfinde in solchen Fällen dann die Ausrede „Ich bin müde/ fühle mich krank“ etc.
    Das geht sogar so weit, dass ich in einer lockere Unterhaltung oft mitziehe und über Dinge lache oder auf sie eingehen, auch wenn mir gar nicht danach ist und ich lieber schweige oder vor mich hinsinniere. Ganz oft kommt das beim Autofahren vor.
    Manchmal wenn ich „fit“ genug bin, schauspielere ich die Person, die ich gerne sein möchte, z.B. auf einer Party – selbstbewusst, feste Stimme. Nicht zu leise, offene Körperhaltung, Brust raus, Lächeln, offen, aber nicht aufdringlich, sondern einfach selbstbewusst und es nicht nötig habend, vor anderen zu protzen. Ich hoffe, dass ich durch dieses „Schauspielern“ auch irgendwann so werde. Ich habe eine exorbitant schlechte Menschenkenntnis
    Wenn ich irgendwo etwas rieche (ich bin der totale Geruchsmensch, ich rieche auch oft Dinge früher als andere Menschen) und ich mag das, dann koche ich sie, auch wenn ich etwas anderes bereits zu Mittag im Kühlschrank habe und sich das nicht mehr einen Tag hält.

    Ich habe nun ein aus 2 Terminen und einer Fragebogenflut bestehendes Diagnoseverfahren hinter mir und in 7 Wochen ist DER Termin, der so wichtig ist.
    Dass ich ADHS habe und meine Mutter auch, daran besteht für mich kein Zweifel mehr.

  3. #3
    besenreiterin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 45
    Forum-Beiträge: 2.591

    AW: Meine Geschichte - nur wer mag (sehr lang)

    Hallo toll das du da bist ...
    bitte bitte nicht falsch verstehen aber das war echt cool .....

    ich hatte bis grade eben immer den eindruck ich schreibe hier am längsten...

    DANKE das hat sich grade erledigt hat .... das gefühl

    du wirst sehen hier sind lauter chaoten wie du ich und ...
    das mit der wäsche hihi nun lies hier die themen und ohhh du wirst dich hier finden da bin ich sicher ..

    freu mich das du da bist und bin gespannt auf deine berichte

    liebe grüsse hexe

  4. #4
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 42
    Forum-Beiträge: 98

    AW: Meine Geschichte - nur wer mag (sehr lang)

    @ hexe
    *knuuuuuutsch* !!!

    Ich fühle mich hier auch jetzt schon sehr gut aufgehoben :-)
    Ich habe einen teilweise ganz schön besch ... Weg hinter mir und hoffe, dass es nun besser wird - ich habe im Moment ganz massive Probleme mit meinen Aggressionen und damit, dass ich keinen Mittelpunkt, keinen Orientierungspunkt, keinen Anhaltspunkt mehr habe :-)
    Meine sozialen Beziehungen sowie meine Ehe leiden sehr, genauso wie ich leide. Aber mal gucken, wie die Zukunft aussieht - ich werde ein Medikament zur Stimmungsstabilisierung nehmen und dann wird sich schon einiges entspannen.

    Nimmst du Medikamente?

  5. #5
    besenreiterin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 45
    Forum-Beiträge: 2.591

    AW: Meine Geschichte - nur wer mag (sehr lang)

    ja und nein mph wenn ich welche nehme ...

    ich hab da soo meine probleme mit ... hab ich schon maldrüber geschrieben ..
    nur nicht ungeduldig werden
    jajajja ich weis .... blöder spruch bahh
    aber leider stimmt es .....
    liebe grüsse hexe

  6. #6
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 10

    AW: Meine Geschichte - nur wer mag (sehr lang)

    Wegen der fortgeschrittenen Zeit nur kurz: das ist eine beeindruckend ausführliche Zusammenfassung über Dich, Dein Leben und Deine "Merkwürdigkeiten". Bis auf wenige Punkte habe ich mich darin völlig wiedererkannt! Bei mir steht der Diagnoseweg zwar noch an, aber mittlerweile zweifle ich immer weniger an einem "positiven" Ergebnis.
    Ich glaube, dass das Ergebnis wirklich helfen kann, auch wenn sich an ADS nichts ändert, so hat man doch plötzlich die Möglichkeit sich mit dem neuen Wissen Mechanismen anzueignen, die das Leben erleichtern. Und v.a. kann man seiner Umwelt endlich erklären, warum bei einem vieles anders ist als bei anderen. Also toi toi toi, es kann nur besser werden!!!

  7. #7
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 31
    Forum-Beiträge: 78

    AW: Meine Geschichte - nur wer mag (sehr lang)

    Janie, ich habe fast immer gedacht, das könnte ich selbst geschrieben haben.
    Ich studiere auch auf Lehramt, aber ich vermute fast, das ist die falsche Entscheidung gewesen. Momentan im Praktikum hatte ich auch immer Probleme, die Stunden vorzubereiten. Ich habe mich total in Details verloren und bin am Ende nie fertig geworden. Daraus wurden dann perfekte unvorbereitete Stunden, im Improvisieren war ich schon immer gut Aber so soll es ja nicht sein, ich ärgere mich auch so oft deswegen über mich. Und ich weiß auch nicht, wie das mal mit der Einstellung werden wird. Allein das ist für mich ein Grund, mit einer Diagnose zu warten. Es würde auch keinen Unterschied machen, hätte ich es da jetzt stehen oder nicht Wie hast du das früher immer gelöst? Hast du dich irgendwie selbst therapiert? Das "Alkoholproblem" kenne ich auch. Ich sag dann immer "Morgens Lehrer, abends voller" Am wohlsten fühle ich mich eigentlich auch, wenn sich am Wochenende meine Welt dreht

  8. #8
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 63

    AW: Meine Geschichte - nur wer mag (sehr lang)

    janie, wow deinen text zu lesen war der knüller gradefür mich...

    beruflich haben wir ja weniger gemeinsam, aber was das privatleben,freunde, ehe, kinder, und vor allem das häusliche chaos angeht.... also ich bin aus dem nicken überhaupt nicht mehr herausgekommen...
    der text ist auch toll verständlich geschrieben finde ich und gut strukturiert, da merkt man halt die lehrerin in dir, wenn ich versuchen würde eine solche selbstanalyse zu schreiben wäre es wahrscheinlich selbst nach der 5. überarbeitung noh total chaotisch.

    danke dass du dir die mühe gemacht hast, und uns all das preisgegeben hast!!!
    ich kann deine emotionen bis zur letzten faser nachspüren....

    gruss,
    nati

  9. #9
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 42
    Forum-Beiträge: 98

    AW: Meine Geschichte - nur wer mag (sehr lang)

    Mann, ihr seid ja toll, dass ihr diesen langen Text lest!

    @ KarmaKarisa
    Ich wurde nach meiner Verbeamtung diagnostiziert - daher hatte ich in die Richtung keine Probleme. Wegen einer Depression wollte ich vorher schon mal eine Therapie machen, habe das dann aber wegen der Verbeamtung gelassen.

    Zum Lehrerberuf kann ich dir folgendes sagen:
    Vieles fällt einem ADHSler in diesem Beruf schwerer - Struktur und logischer Aufbau von Stunden und Reihen, dann die ständigen Kommunikationssituationen und der heftige Vormittag, wenn der Unterricht anstrengend ist und die Pause noch anstrengender.
    Unliebsame Unterrichtsstunden (zu unliebsamen Themen) fallen mir nach wie vor schwer.
    Aber ich bin auch deshalb gerne Lehrerin, weil ich meine Kreativität und mein Einfühlungsvermögen sehr gut einbringen kann und das kann ich einfach viel besser als meine Kollegen. Es gibt Sonderaufgaben wie z.B. die des Beratungslehrers und teilweise auch die des Klassenlehrers, die mir leichter fallen als meinen Kollegen. Wenn ich ein nettes Thema durchnehme, bereite ich sehr gerne Unterricht vor - ich schaffe es mittlerweile, mich nicht mehr zu verzetteln. Außerdem kann ich total gut und schnell Klausuren korrigieren - ich bracueh nicht halb so lange wie meine schwerfälligen Kollegen:-)
    Ich denke, dass meine Schüler nicht mitbekommen, wie schwer es mir manchmal fällt, mich zu konzentrieren, dass sie aber sehr wohl mein Einfühlungsvermögen und mein gutes, kreatives Material zu schätzen wissen.
    Deshalb kann ich dir nur raten: Werd Lehrerin - vor allem, wenn du gut improvisieren kannst! Mein Tipp ist, nicht allzuviele "anspruchsvollere Kurse" zu unterrichten - so ein Abiturkurs macht einen als ADHSler schon mal echt fertig. Struktur üben kann man gut bei den Jüngeren - auch wenn man da mehr pädagogische Arbeit leisten muss.
    Du kannst mir gerne mal eine PN schreiben und einen Stundenetwurf schicken - ich kann dir dann sagen, inwiefern du dich verzettelst oder nicht! Ich schick dir natürlich auch gerne was von mir!

    @ chaos-Engel

    Echt? Das ist ja unglaublich! Ich habe hier über das Forum ebenfalls eine ADHSlerin kennengelernt, die Ähnliches von sich sagt - vielleicht sollten wir uns alle mal treffen :-)
    Wieviele Kinder hast du denn? Das ist im Moment mein größtes Problem: Die Ungeduld und Reizbarkeit in Bezug auf meine Tochter:-(

  10. #10
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf AD(H)S
    Alter: 54
    Forum-Beiträge: 84

    AW: Meine Geschichte - nur wer mag (sehr lang)

    Janie ich finde deinen Thread auch ganz toll - ich hab ihn ausgedruckt ,
    weil ich ihn dann besser lesen kann und anschließend abgeheftet -
    weil ich ihn vielleicht später noch einmal lesen will. Vielleicht sollten
    solche Texte mal in einem Buch zusammengefasst werden.
    "Erfahrungsberichte eines ADHS`lers". Betroffene und Angehörige könnten
    davon profitieren.

    lg
    Selma

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