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Diskutiere im Thema Toleranz und Intoleranz im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #21
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 99

    AW: Toleranz und Intoleranz

    Snagila schreibt:
    Hi,

    ich stell hier mal ne Frage, die eigentlich in fast jedem Thread vorkommt. Wie tolerant geht unser Umfeld mit uns bzw. AD(H)S um?

    Habt ihr auch ständig das Gefühl, andere meinen, AD(H)S sei nur eine Ausrede für unser Benehmen? Andere haben eigentlich null Verständnis für unsere Probleme, weil wir erwachsen sind und uns eigentlich unter Kontrolle haben sollten? Wenn wir versuchen, unser Verhalten, unsere Gedanken, unser innerliches Chaos mit ADHS bzw. ADHS überhaupt zu erklären, zu hören bekommen: Du kannst aber nicht alles auf ADHS schieben!?

    Diese Intoleranz unserer Probleme, diese Abwertung, als faul und unsozial zu gelten macht mich fertig! Ich stecke vor allem noch in der Phase, die Diagnose akzeptiert zu haben, aber noch nicht damit umgehen zu können. Das war vor der Diagnose leichter: Da war ich einfach nicht normal!

    Wie kommt ihr damit zurecht, wie geht ihr damit um?

    LG

    Snagila

    Hallo Snagila habe Dein Schreiben gerad gelesen.Wie erlebe ich es:
    Also in meinem Umkreis wissen es maximal nur 4 Menschen ,dass ich

    (zu einer 100% Wahrscheinlichkeit ADHS) hab und darum kann es mir auch Keiner als Ausrede für irgendetwas vorwerfen.

    dann muss ich sagen,dass ich in den Jahren sehr an mir und meinen Schwächen gearbeitet hab,Strategien entwickelt und durch meine Ausbildung auch eine Menge an Informationen erhalten hatte.

    Nach aussen merkt es wohl kaum Jemand.Ich finde das gerade die Gegenseite,wie Du schon sagtest intolerant ,ungebildet und inkompetent damit
    umgeht,wenn sie unsere Schwächen und Probleme spitzfindig genau auf den Punkt nageln,um uns damit zu treffen.

    Das scheint ihnen so eine gewisse Genugtung und Befriedigung zu bereiten,sich nicht mit eigenen Schwächen und Fehlern auseinander setzen zu müssen oder sie zu kompensieren.

    Klar und wenn dann noch ADHS als Diagnose herhält,dann kann ich doch gut
    als Aussenstehender Dinge festmachen,mit denen ich mich nicht identifizieren will oder kann.

    Es laufen einfach zuviele ignorante,ungehobelte,intolera nte Menschen da draussen rum.

    Betrachte die Diagnose als Möglichkeit Dich genau von diesen intoleranten Menschen abzuheben,abzugrenzen und anders,individuell mit Deinen Stärken und Schwächen zu sein.(und Stärken gibt es genug,glaub mir mal,entdecke sie,dann wächst

    Dein Selbstwertgefühl und entschädigt Dich für das dumme Gerede der Anderen. Dafür hast du Wiederentdeckungswert.

    Ich für meinen Teil bin inzwischen sehr tolerant und gelassener geworden ,denn
    wo wären wir heute ,ohne ADHs-ler (vielleicht noch in der Steinzeit)
    LG Lillifee

  2. #22
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 45
    Forum-Beiträge: 728

    AW: Toleranz und Intoleranz

    Hallo Lillifee,

    ich glaube gerade mal, dass es Telepathie ist, warum du meinen Thread wieder ausgegraben hast!

    Denn gerade im Moment stehe ich wieder vor dem Problem entweder ich selbst zu sein und damit ehrlich und geradeheraus oder mein Maul zu halten und den anderen ihre Meinung zu lassen. Kurze Erklärung dazu: Ich bin in unserem Kaff in einer Turngruppe (10 Frauen, davon 6 - 8 ständig anwesend). Und wir haben immer wieder das Problem, das über andere getratscht wird. Aber die meisten wollen nur (in Abwesenheit der entsprechenden Person) ihre Meinung äußern und haben nicht den Arsch in der Hose, ihre Meinung dieser Person auch zu sagen. Lediglich ich und noch eine Freundin verbrennen uns ständig das Maul, weil wir es nicht gut finden. Und vor allem: woher soll die jenige denn wissen, das ihr Verhalten oder ihre Äußerungen andere kränken?

    Also Toleranz und Intoleranz sind überall vertreten. Toleranz auch zu leben tun die wenigsten. Wobei Toleranz auch immer eine ganz eigene Einstellung ist. An den Äußerungen des Herrn Sarazin bzw. der Frau Stein? wird das in der Öffentlichkeit gerade besonders deutlich. Leben und leben lassen und dabei trotzdem seine eigene Meinung vertreten und auch mit Argumenten belegen können, das ist für mich Tolerenz. Toleranz ist aber auch, eine gefasste Meinung revidieren zu können! Toleranz bedeutet doch vor allem auch, sich mit allen Seiten einer fremden Meinung, Lebensweise, Einstellung zu befassen und sich dann eine Meinung zu bilden, ohne die eigene Einstellung zu verraten!

    Leider habe ich, auch im Blick auf das politische Geschehen, gerade das Gefühl, dass Toleranz nicht mehr gefragt ist. Die politische Elite ist in keinster Weise tolerant gegenüber den oben genannten. Die Symphatisanten der oben genannten (zu denen von Herrn Sarazin gehöre ich auch) sind nicht tolerant gegenüber den Individuen.

    Ich könnte grad mal ein Buch darüber schreiben: Die Toleranz schafft sich ab! Und die Intelligenz sirbt mit ihr!

    Danke für deinen Beitrag!

    LG

    Snagila

  3. #23
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 31
    Forum-Beiträge: 58

    AW: Toleranz und Intoleranz

    Ich finde das teilweise auch sehr heftig. Da ich viel mit Kindern zu tun habe (Lehramtsstudentin) und eben auch mit Grundschullehrern, bekomme ich viele Meinungen sozusagen "undercover" mit. Manchmal schwirrt einem da echt der Kopf und ich frage mich: Was würden die wohl sagen, wenn ich denen erzähle, dass ich vielleicht auch ADHS hab?? Also offen sein schön und gut, wenn aber so eine Ablehnung herrscht... vielleicht doch mal gegen die eigenen Impulse ankämpfen () und Klappe halten?? Oder gerade dann nicht? Keine Ahnung, ich finde es auf jeden Fall sehr sehr traurig, dass viele so ein schlechtes Bild haben. Ist natürlich auch nicht grad hilfreich, dass Ritalin so eine Modedroge geworden ist, die zahlreiche Nicht-ADHSler nehmen mittlerweile...

  4. #24
    Arnika

    Gast

    AW: Toleranz und Intoleranz

    In dem Moment, wo du es erklären kannst, bist du einfach nur noch eine IRRE!

    Weil die meisten in dein "Anderssein" schon Störungen reininterpretiert haben, mit denen sie klar kommen konnten!

    Plötzlich wirft man ihre selbst gestellte Diagnose über den Haufen und sie fangen an, eine mit neuen Augen zu betrachten!

    Schlimm daran ist, dass man schon immer so war, plötzlich aber nicht mehr ins Bild passt, das sich andere gemacht haben!

    Es geht also gar nicht so sehr darum, anders zu sein. Es geht vielmehr darum, das andere in ihrer Meinung über uns erschüttert werden!
    das ist eine äußerst intelligente beobachtung von snagila, die mich gerade eine ganze ecke weitergebracht hat in dem versuch mein manchmal etwas merkwürdiges umfeld zu verstehen. einmal habe ich einen bekannten (der ein komisches gesicht machte als ich von meinen problemen sprach die mit adhs zu tun haben) gefragt, was er denn denkt was ich habe, weil er immer so auffällig still ist wenn es um das thema geht. er hat erst etwas rumgedruckst und dann gesagt, dass er mich für eine borderlinerin hält. das hat mich schon ziemlich schockiert, denn borderline ist wirklich eine böse diagnose. das muss man einfach mal so sagen: wer das hat ist nicht zu beneiden, und das umfeld dieser menschen ebenso wenig. dementsprechend hat mich diese einschätzung verletzt, und ich fühlte mich mal wieder ziemlich missverstanden. als ich daheim war habe ich, obwohl ich mich mit dem thema bereits ganz gut auskannte, gerade in bezug auf adhs, trotzdem nochmal intensiv recherchiert, einfach weil mich diese einschätzung so schockiert hat. was ich gelesen habe hat mich nochmal darin bestärkt kein borderline, sondern "nur" adhs zu haben.

    tscha, und dann habe ich überlegt ob ich mir die mühe machen soll diesen menschen auf die unterschiede aufmerksam zu machen. doch die innere stimme in meinem kopf wusste irgendwie, dass dies wenig erfolg haben würde. da war einfach keine offenheit da, und wenn man mich ohnehin für mehr oder weniger "verrückt" hält, warum sollte man dann ausgerechnet den von mir kommenden ausführungen glauben?

    ahja, interessant war übrigens auch seine aussage, dass alle meine probleme mit ein bißchen verhaltenstherapie zu lösen seien. wirklich genial, diese einschätzungen von kompletten laien auf diesem gebiet. *seufz*

  5. #25
    Arnika

    Gast

    AW: Toleranz und Intoleranz

    wenn wir hier schon am herz ausschütten sind, kann ich eigentlich auch endlich mal was loswerden, dass mich schon lange belastet.

    und zwar die tatsache, dass ich den eindruck habe von manchen menschen einfach nicht für voll genommen zu werden, insbesondere im hinblick auf meine berufliche zukunft. ich mache nun seit drei jahren eine ausbildung zur heilpraktikerin für psychotherapie. meine eigene einschätzung aufgrund meiner bisherigen übungserfahrungen ist die, dass ich meinen job mal ziemlich gut machen werde.
    ich merke nämlich z.b., dass ich im vergleich zu den meisten meiner "normalen" mitschülern eine sehr viel bessere intuition zu haben scheine und ich kann auch verborgene gefühle meines gegenübers erfassen. das hat sich schon oft als hilfreich erwiesen und manch einem wichtige aha-effekte beschert. so weit so schön, ich freue mich sehr darüber endlich etwas gefunden zu haben, das meinen stärken voll und ganz entspricht und bin sehr hoffnungsvoll was meine zukünftige karriere angeht.

    was mich dagegen sehr traurig macht ist die art und weise, in der manche menschen aus meinem freundeskreis auf meine pläne reagieren. das sind insbesondere solche menschen, die das absolute gegenteil von adhs sind. ich habe das sichere gefühl die halten mich für nicht ganz normal, und denken sich, dass jemand der selber "nicht richtig tickt" wohl kaum geeignet ist um anderen beim richtig ticken zu helfen. klar, die bekommen das natürlich mit, wenn ich in einer gruppe voll aufdrehe weil ich dummerweise grad im rebound bin. oder wenn ich einfach mal wieder nervlich ziemlich angeschlagen bin, weil das leben einem manchmal einfach leider zuviel auf einmal zu bewältigen aufgibt.

    ich kämpfe zur zeit mit diesem gedanken sehr viel besser aufpassen zu müssen, wem ich mich mit meinen schwächen und verletzlichkeiten zeige, weil eben diese schwächen und verletzlichkeiten in meinem privatleben so etwas wie ein beweis für meine inkompetenz im berufsleben zu sein scheinen. das nagt sehr an mir, denn ich habe einige zeit und auch ein bißchen therapie dafür gebraucht meine maske abzulegen und mich zu trauen der welt mein wahres ich zu zeigen: mit vielen stärken, aber eben auch mit schwächen. mit dingen die ich gut kann, und anderen dingen bei denen ich hilfe brauche.

    es ist ein unterschied, ob man für sich selber stark ist oder für andere. hat man keinen anspruch mehr auf hilfe, bloß weil man selber helfen will? wer anderen hilft muss erstmal sich selbst helfen können? als angehender profi weiß ich natürlich, dass diese sichtweise quatsch ist. nicht umsonst ist supervision für psychotherapeuten (und auch alle anderen berufe die mit der menschlichen psyche zu tun haben) so wichtig. und wer könnte sich besser in seine klienten hinein fühlen, als jemand der ganz genau weiß wie es ist panikattacken zu haben, depressiv zu sein, manchmal einfach nicht so funktionieren zu können wie es die welt erwartet?

    das ist irgendwie die krux an diesem beruf. von einem automechaniker erwartet man wohl auch, dass seine karre läuft wie geschmiert. und von einem bankkaufmann, dass er sein eigenes vermögen optimal angelegt hat. aber auf psychotherapie lässt sich das so nicht übertragen. erklär das mal einer den menschen!

  6. #26
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 99

    AW: Toleranz und Intoleranz

    Arnika schreibt:
    wenn wir hier schon am herz ausschütten sind, kann ich eigentlich auch endlich mal was loswerden, dass mich schon lange belastet.

    und zwar die tatsache, dass ich den eindruck habe von manchen menschen einfach nicht für voll genommen zu werden, insbesondere im hinblick auf meine berufliche zukunft. ich mache nun seit drei jahren eine ausbildung zur heilpraktikerin für psychotherapie. meine eigene einschätzung aufgrund meiner bisherigen übungserfahrungen ist die, dass ich meinen job mal ziemlich gut machen werde.
    ich merke nämlich z.b., dass ich im vergleich zu den meisten meiner "normalen" mitschülern eine sehr viel bessere intuition zu haben scheine und ich kann auch verborgene gefühle meines gegenübers erfassen. das hat sich schon oft als hilfreich erwiesen und manch einem wichtige aha-effekte beschert. so weit so schön, ich freue mich sehr darüber endlich etwas gefunden zu haben, das meinen stärken voll und ganz entspricht und bin sehr hoffnungsvoll was meine zukünftige karriere angeht.

    was mich dagegen sehr traurig macht ist die art und weise, in der manche menschen aus meinem freundeskreis auf meine pläne reagieren. das sind insbesondere solche menschen, die das absolute gegenteil von adhs sind. ich habe das sichere gefühl die halten mich für nicht ganz normal, und denken sich, dass jemand der selber "nicht richtig tickt" wohl kaum geeignet ist um anderen beim richtig ticken zu helfen. klar, die bekommen das natürlich mit, wenn ich in einer gruppe voll aufdrehe weil ich dummerweise grad im rebound bin. oder wenn ich einfach mal wieder nervlich ziemlich angeschlagen bin, weil das leben einem manchmal einfach leider zuviel auf einmal zu bewältigen aufgibt.

    ich kämpfe zur zeit mit diesem gedanken sehr viel besser aufpassen zu müssen, wem ich mich mit meinen schwächen und verletzlichkeiten zeige, weil eben diese schwächen und verletzlichkeiten in meinem privatleben so etwas wie ein beweis für meine inkompetenz im berufsleben zu sein scheinen. das nagt sehr an mir, denn ich habe einige zeit und auch ein bißchen therapie dafür gebraucht meine maske abzulegen und mich zu trauen der welt mein wahres ich zu zeigen: mit vielen stärken, aber eben auch mit schwächen. mit dingen die ich gut kann, und anderen dingen bei denen ich hilfe brauche.

    es ist ein unterschied, ob man für sich selber stark ist oder für andere. hat man keinen anspruch mehr auf hilfe, bloß weil man selber helfen will? wer anderen hilft muss erstmal sich selbst helfen können? als angehender profi weiß ich natürlich, dass diese sichtweise quatsch ist. nicht umsonst ist supervision für psychotherapeuten (und auch alle anderen berufe die mit der menschlichen psyche zu tun haben) so wichtig. und wer könnte sich besser in seine klienten hinein fühlen, als jemand der ganz genau weiß wie es ist panikattacken zu haben, depressiv zu sein, manchmal einfach nicht so funktionieren zu können wie es die welt erwartet?

    das ist irgendwie die krux an diesem beruf. von einem automechaniker erwartet man wohl auch, dass seine karre läuft wie geschmiert. und von einem bankkaufmann, dass er sein eigenes vermögen optimal angelegt hat. aber auf psychotherapie lässt sich das so nicht übertragen. erklär das mal einer den menschen!

    Herzlich willkommen
    Liebe Arnika,habe gerade meine mails gecheckt und Deinen Beitrag gelesen.
    Ich kann Dich und Deine Beweggründe gut verstehen.
    Ich bin auch ein ehrlicher Mensch,wenn auch sensibler Mensch,so wie ich Dich nach diesem Schreiben einschätzen würde.

    Wenn ich eine Meinung in Bezug auf mein eigenes Verhalten brauche,gehe ich zu einer ehemaligen Lehrerin von mir,die mir dann ganz objektiv aber auch empathisch ihre Meinung verrät.(Ich bin Heilpädagoge)

    Das Aufpassen,wenn man seine eigenen Schwächen ucd Fehler zeigt,habe ich aufgrund meiner eigenen Ehrlichkeit auch erst lernen müssen und vorallem,wem ich was erzähle.
    Ansonsten kenne ich das Gefühl,sich in andere intuitiv sehr viel besser reinversetzen zu können,als Andere.
    Mein Steckenpferd ist die Arbeit mit KIndern, mit ADHS-Kindern ,mit
    verhaltensauffälligen Kindern ,Kindern mit Sprach -und motorischen "Störg."
    mit sogenannten schüchternen oder autistischen Kindern.

    Du sprichst mir in vielen Dingen aus der Seele,wenn ich auch an einigen Punkten vielleicht schon ein kleines Stückchen weiter bin auf dem Weg unserer
    eigenen Besonderheit ,durch Supervision oder einem guten Freund,weil
    all diese Dinge mich auch schon beschäftigt haben oder beschäftigen.

    Und ja ,es ist ein Unterschied, ob man für sich selber stark ist oder für Andere
    und ja man hat durchaus auch selber ein Anspruch auf Hilfe,wenn man sie benötigt.Ein Scheidungsanwalt ist doch auch nicht davor gefeit,dass er selbst
    von einer Scheidung bedroht ist und ein Arzt kann auch Krebs bekommen
    oder ein Psychater durch den Tod eines Verwandten in eine Trauerkrise stürzen oder da hilft bzw. greift die eigene Professionalität im Job dann nicht mehr,weil das sind die Dinge,die uns das Leben gibt,die wir ganz nah und körperlich selbst spüren,mit denen wir uns selbst gefühlsmässig auseinandersetzen.

    Wer da auf Professionalität zurückgreifen kann ,reagiert nicht wie ein Mensch,sondern wie eine Maschine und sollte erst recht nicht in diesem Job arbeiten.
    Gerade das, was wir durchmachen verhilft uns doch zur inneren Reife und zur
    "Qualität" mit anderen empathisch und professionell umgehen zu können.
    setzen müssen und nicht auf Gelerntes zurückgreifen können.

    Ich habe einen guten Freund,der trockener Alkoholiker ist,der redet ganz offen zu anderen darüber.Dieser gute Freund hat schon soviel in seinem Leben durchgemacht(Lebenserfahrung), er stand schon auf der Leiter ganz unten -wirklich ganz unten.
    Dieser Mann arbeitet heute im Vorstand der Synanon -Gruppe und hilft anderen Alkoholikern vom Trinken weg zu kommen.Verstehst Du, was ich Dir damit sagen will?

    Es tut weh,natürlich wenn der Freunsdeskreis so reagiert ,da musst Du(wie ich vor einigen Jahren) lernen,auch Freunde müssen nicht alles von einem wissen,nur soviel wie man sich öffnen möchte,die Dosierung der Offenheit ist auch manchmal heute noch mein Problem- sei kein offenes Buch für Andere (in dieser Gesellsschaft)
    ich habe es oft bitter bereut.

    Und dann konzentriere Dich nur auf Deinen Job,den Du gut machst,denn Jeder der sich schon an selbst durchgemachte Situationen erinnern kann ist wertvoller für den Pat. als Jemand,dem das alles fremd ist. Nur aufpassen ist,dabei objektiv zu bleiben und nicht die Situation des Patienten mit seiner eigenen zu vergleichen und das wird Deine Hauptaufgabe
    werden ,Dich selbst dabei zu überprüfen,fachlich und professionell zu arbeiten
    und Abstand zu Deinen eigenen Erlebnissen zu halten.

    Das ist schwierig,wie ich
    es oft erfahren musste in letzter Zeit bei meiner Arbeit,weil die Reflektion in dem
    Moment auch immer da ist und,wie Du schon sagtest,es auch Tage gibt,wo es uns nicht gut geht und es sich dann auch äussern könnte,wo uns andere dann
    nicht verstehen und uns auf dem falschen Fuss erwischen. Es ist also auch ein schwieriger Grad und verlangt
    viel Selbstbeobachtung und Selbstdisziplin und Reflektion ab,um jederzeit objektiv und gleichzeitig intuitiv-einfühlsam für die Patienten zu bleiben.

    Wenn Du das schaffst ,wirst Du ein guter Psychotherapeut werden.
    Gib nichts auf die Meinung anderer,konzentriere Dich nur auf Dein Ziel und verfeinere Deine Gespür oder besser gesagt, Deine Fähigkeiten ,Dein Wissen.
    Vertraue Dir und Traue Dir und lass Dir nichts mies machen oder anzweifeln.

    In meiner Arbeit habe ich den Mittelweg gefunden,ich gehe sehr konzentriert,aber speziell mit den Kindern um ,(ein Bsp.: Höhe des Augenkontaktes),was Keiner meiner Kollegen macht,das und andere "Verhaltensweisen" in denen ich zeige,dass ich bewusst "anders" und konzentriert arbeite,hat Viele um mich herum "beeindruckt",ob es die Eltern waren oder Kollegen,das Feedback ist das ,was für mich zählt und die Ergebnisse.

    Du musst an Dich selbst glauben und wissen,was Du kannst,nur das zählt.
    Wie gesagt, ich kenne all diese Dinge nur zu gut,die Du erlebt hast,es ist für mich grad sehr erstaunlich,dass noch einmal aus einem anderen Mund zu hören.
    LG Lillifee

  7. #27
    Arnika

    Gast

    AW: Toleranz und Intoleranz

    hallo liebe lilifee

    vielen vielen vielen lieben dank für deine ausführliche und mitfühlende antwort!

    es tut sehr gut zu hören, dass andere mit sehr ähnlichen problemen zu kämpfen haben.

    witzig ist: ich hätte jemand anderem mit demselben problem im prinzip genauso antworten können, wie du nun mir geantwortet hast. irgendwie weiß man das ja alles, aber manchmal braucht man einfach einen anderen menschen, der da gerade nicht so drin steckt und aus der entfernung etwas mehr übersicht hat, um einem zu helfen die ganzen gegensätzlichen gefühle und gedanken und antworten richtig auseinander zu dröseln. frei nach dem motto: hier sind so viele bäume, aber wo verflucht ist der wald geblieben?!

    dein vergleich mit dem arzt gefällt mir sehr gut! und ich habe mir dazu überlegt, wie ich das eigentlich bei einem kfz-mechaniker sehen würde: einer der sich einfach ein neues auto gekauft hat wäre für mich sicherlich nicht so authentisch, wie einer der eine uralte, auseinander fallende, rostige karre so richtig von grund auf restauriert und aufgemotzt hat. denn das ist eine viel beeindruckendere leistung, als sich einfach in einem neuen auto zu präsentieren, dass noch nie groß probleme gemacht hat.

    ja... und mit einem alten hakligen auto ein rennen zu bewältigen ist eine bewundernswertere leistung, als mit einem voll durchgestylten high-tech-fahrzeug unterwegs zu sein (stichwort "einparkhilfe" ).

    die metapher mit dem auto gefällt mir irgendwie. jemand ohne adhs ist wie so ein modernes auto, was alles automatisch macht. interessant... ich mochte alte autos immer schon irgendwie lieber. man hat mir auch öfters schon vorgeworfen ich würde mir mein leben selbst absichtlich schwer machen... wär ja aber auch viel zu anspruchslos, wenn alles so einfach ginge. oder? ist halt nicht leicht die balance zu halten, und wenn es dann mal zu schwer wird und mans nicht packt, dann heißt es wieder "siehste! was machstes auch so schwer". äh ja. ich glaub ich verzettel mich grad wieder mal ein meinen assoziationen und komm vom hölzchen ins stöckchen. was war nochmal die ursprüngliche frage?

    ich finds auf jeden fall toll, dass man hier einfach mal so reden kann wie einem der schnabel gewachsen ist bzw. wie das gehirn einen leitet, und man trotzdem verstanden und nicht für verrückt erklärt wird.

  8. #28
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 45
    Forum-Beiträge: 728

    AW: Toleranz und Intoleranz

    Hi,

    die Postings von Lillifee und Arnika habe ich (aufgrund der Länge) grad mal einfach überflogen. Zu Toleranz und Intoleranz habe ich aber in der letzten Zeit erstaunliche Erfahrungen gemacht. Da das Thema AD(H)S immer häufiger fällt, ob nun positiv oder negativ, habe ich das Gefühl, dass sich durchaus auch eine gewisse Toleranz entwickelt. Vor allem, weil Betroffene, ob nun selbstbetroffen oder Angehörige, mit dem Thema immer offener umgehen.

    Ein Beispiel: Gestern Abend beim Heart-Girls (Turnfrauen, auch Hüppfis oder Tanzdolen genannt) Treffen sagte eine Turnschwester (und Nachbarin), dass sie bei Konzentrationsstörungen und wenn sie eben den Kopf nicht abschalten kann (wie geht das? kann das gar nicht) ein homöophatisches Mittel namens Neuraxin nimmt. Und dass sei prima. Es helfe auch bei Prüfungsstress bei ihren Töchtern. Da wird eine ADHSlerin mit ADHS Tochter natürchlich hellhörig. Vor allem, wenn Strattera und Ritalin (bei der Tochter) und Mph (bei der Betroffenen) noch keine Wirkung gezeigt haben. Da ich mir den Namen des Mittels aber trotz mehrmaligem Nachfragen und vor mich hin sagen nicht merken konnte: heute morgen ab ins Internet und neufroxan? eingegeben. Da war aber nirgendswo bei Neurexan was von ADHS angegeben. . Egal, ist homöophatisch und kann nicht schaden.

    In der Apotheke also nachgefragt, ob es da in bezug auf ADHS Erfahrungen gibt. Antwort der Apothekerin (oderPTA oder wie die da heißen): Ja, das würden gerade ADHS-Patienten sehr oft verlangen und es gäbe bisher gute Erfahrungen. Auf mein Nachfragen bzw. auch meine Erklärung das die oben genannten bekannten Medis nicht geholfen haben, sagte die junge Dame: Mph mache ja auch süchtig! Das musste ich dann sofort und nachdrücklich verneinen und erklärte, dass meine Tochter sowohl Strattera als auch Ritalin nicht nehmen wolle, obwohl wir es über einen längeren Zeitraum probiert und auch genommen hätten und bei mir mit Mph es das gleiche sei. Und wir beide keine Wirkung spürten und es eben jetzt einfach nicht mehr nehmen würden. Und das spricht ja wohl ganz eindeutig dagegen, dass es süchtig mache. Allerdings habe ich auch auf die eindeutigen Diagnosen hingewiesen! Die Dame hat sich bei mir bedankt und gemeint, es wäre sehr schön, auch mal eine Meinung von Betroffenen zu hören und dass das eben bisher noch nicht vorgekommen sei. Und ich möchte doch gerne mal vorbeikommen und sagen, ob das Neuraxin nun Wirkung gezeigt habe. Und dieses ganze Gespräch hat ungefähr max. 15 Minuten gedauert.

    Also ist meine momentane Meinung, dass die Toleranz gegenüber ADHS steigt. Was gut für uns ist.

    Leider ist Toleranz ansonsten fast zum Schimpfwort verkommen. Tolerant ist nur, wer die allgemeine, oder von oben diktierte, oder vorherrschende Meinung teilt. Toleranz im eigentlichen Sinn, nämlich aufgeschlossen sein, interessiert sein, sich erst informieren und dann urteilen ist nicht wirklich erwünscht. .

    Und da kann ich nur noch sagen: Gute Nacht Marie!!!!!!!!!!!!!

    LG

    Snagila

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