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Diskutiere im Thema Wenn das Gedankenkarussell zum Irrenhaus wird im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #1
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADS / ADHS
    Forum-Beiträge: 11

    Wenn das Gedankenkarussell zum Irrenhaus wird

    Ich komme mir so komisch vor.

    Ich bin bei der Arbeit aber es fällt mir extrem schwer, mich auf die Aufgaben zu konzentrieren.
    Es fühlt sich so an, als ob ich ständig äusserst starken Tagträumen ausgesetzt wäre. Ich denke über meine (düstere) Zukunft aber auch über ziemlich ernste (und für Aussenstehende vermutlich langweilige) Themen wie zum Beispiel die Natur der Ethik, die Unabhängigkeitsbestrebungen in Katalonien, das wahre Gesicht der AFD, die Möglichkeit, dass es irgendwo Ausserirdische ohne jegliche Ethik gibt, die uns versklaven könnten, die Privilegien, die man als Mann oder als Frau hat und über Probleme und Herausforderungen, die mit der Flüchtlingskrise verbunden sind.

    Es fällt mir sehr schwer, mich meiner Arbeit zu widmen und ich bin SEHR langsam.


    Mein Gedankenkarussell sieht wirklich wie ein Irrenhaus aus.

    Aber das schlimmste daran ist, dass ich gar nicht mehr als 10 Minuten arbeiten kann, ohne versucht zu werden, auf Facebook zu gucken oder Recherchen über ein bestimmtes Thema zu starten.
    Wenn meine Arbeit mich wirklich begeistert (was eher selten vorkommt), dann kann ich mich ihr viel besser zuwenden. Aber ich bin extrem FAUL bezüglich Sachen, die mich nicht genug anregen oder langweilen.


    Als Konsequenz sieht meine Karriere gar nicht gut aus.

    Ich habe im Jahr 2011 promoviert aber ich habe immer noch eine befristete Stelle als Forscher und nur 11 Artikeln publiziert.
    Wenn ich immer gut motiviert gewesen wäre hätte ich vielleicht doppelt so viele Papiere Veröffentlichen können.

    Jetzt weiss ich nicht, ob man mein Fehlverhalten durch ADHS erklären könnte oder ob diese INNERE Ablenkungen eher auf eine autistische Störung hinweisen, was meine Psychologin und Psychiaterin bezweifeln.

    Meine Psychiaterin ist völlig dagegen, mir Ritalin zu verschreiben, weil sie keinerlei Erfahrungen damit hat.
    Würde es mir helfen oder dient es nur dazu, die Wirkung von ÄUSSEREN Reize zu reduzieren?

    Wie ich es früher gepostet habe, liegt die Ursache meines Chaos in meinem Kopf und nicht so sehr in meiner Umwelt.

    Schöne Grüsse aus Frankreich.

  2. #2
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht
    Forum-Beiträge: 96

    AW: Wenn das Gedankenkarussell zum Irrenhaus wird

    Du sprichst mir aus dem Herzen.

    Meine Themen sind andere, zum Glück meist weniger düster als deine, aber sie sind mir eigentlich immer wichtiger als meine Arbeitsaufgaben, und das lenkt sehr ab.

    Selbst nehme ich kein Ritalin, mein Leidensdruck ist nicht groß genug, aber ich habe mich schon darüber informiert.
    Soweit ich weiß, können sogar kerngesunde Menschen ihre Leistungen damit steigern. Studenten werfen das z.B. vor Prüfungen ein. Ritalin wirkt allerdings bei jedem ein wenig anders, und es verändert, solange es wirkt, wohl auch deine Persönlichkeit.

    Auch ich frage mich manchmal, ab wann mir das Gedankenkarussell zuviel wird und ich mich als verrückt empfinde.
    An manchen Tagen habe ich ein ständiges Schnattern im Kopf. Ich unterhalte mich sehr angeregt mit mir selber, stelle mir immer wieder neue Fragen, bis ich davon Kopfschmerzen bekomme und mir leicht übel wird, weil ich mir selbst auf den Keks gehe. Da komme ich manchmal ganz schlecht raus und hätte gern einen Knopf zum Ausschalten.

    Du schreibst, dass du das Gefühl hast, dass deine Anregungen von innen kommen und du deswegen eine autistische Störung vermutest.
    Ich bin mir nicht sicher, dass Autisten Hilfe über ein Internetforum suchen würden. Ein Problem von Autisten ist, glaube ich, dass sie selbst nicht unbedingt merken, dass sie eine autistische Störung haben. Das sind eher ihre Mitmenschen ;-).
    Die Themen, die dich beschäftigen, kommen eindeutig von außen (siehe unten). Mir fällt auf, dass es wirklich anstrengende, eher belastende Themen sind. Das spiegelt nun wieder eher dein Inneres.

    So wie ich dich hier lese, sehe ich dich als sensiblen, nachdenklichen Menschen, der einfach sehr vielen Dingen eine Bedeutung beimisst, die anderen Leuten völlig gleichgültig sind.
    Es gibt Leute, die nehmen eine Zeitung zur Hand, lesen den Sportteil und werfen den Rest in den Müll.
    Und dann gibt es Leute wie dich, die lesen die Zeitung und machen bei jedem zweiten Artikel gedanklich Halt, notieren mental, dass sie das Thema unbedingt noch vertiefen müssen oder dazu noch mehr Hintergrundinformationen benötigen, und haben am Ende der Lektüre einen Kopf dick wie ein Kürbis und endlos viele Fragen, denen sie nun eigentlich noch nachgehen müssten.

    Mir ist auch das Wort "Fehlverhalten" aufgefallen, das du für dich benutzt.
    Dein Verhalten passt nicht ins Raster, kommt mir aber ziemlich normal vor. Im Grunde weißt du ganz genau, was du willst. Das deckt sich nur nicht mit den Vorstellungen deiner Arbeitgeber, und dafür musst du eine Lösung finden.

    Veröffentlichungen produzieren zu müssen zum Zweck der Veröffentlichung und nicht etwa, weil du selbst von dem Thema ergriffen bist, stelle ich mir auch extrem mühsam vor. Ich kann nur gut schreiben, wenn mich ein Thema packt.

    Was ich mir selbst immer wieder sage, aber leider nicht immer einhalte:
    Menschen wie wir müssen bei der heutigen Informationsflut mehr Psychohygiene betreiben, d.h. eben nicht so oft Nachrichten schauen, ins Internet gehen oder was auch immer. Vor allem nicht vor oder während der regulären Arbeitszeit, dann wird nichts mehr.

    Alles Gute für dich!

  3. #3
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADS / ADHS
    Forum-Beiträge: 11

    AW: Wenn das Gedankenkarussell zum Irrenhaus wird

    Hallo, vielen Dank für deine Antwort!

    Was du über Autisten schreibst ist nicht ganz richtig. Asperger-Autisten sind durchaus in der Lage, festzustellen, dass sie "anders" sind und dass ihnen viele Dinge fehlen.


    Aber nachdem ich so viele Antworten auf meine Beiträge gelesen habe habe ich den Eindruck, dass ADHS-ler durchaus auch von ihrem Inneren abgelenkt werden können, ohne dass eine autistische Störung zwangsläufig vorliegen muss.

    Auf jeden Fall stehen bei mir Probleme mit zwischenmenschlichen Beziehungen gar nicht im Vordergrund. Was mich innerlich zerfrisst sind meine Ängste, mein Selbsthass und meine starke Neigung zum Faulenzen, die natürlich zu mehr Selbsthass führt.

    Ich habe meine Willenskraft längst verloren und das Internet wird immer mehr zu einer tödlichen Falle für mich.

    Ich brauche irgendjemanden oder irgendetwas, das mich daraus herausholt...egal ob es sich dabei um einen Engel oder eine tolle Pille handelt...

  4. #4
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht
    Forum-Beiträge: 96

    AW: Wenn das Gedankenkarussell zum Irrenhaus wird

    Einen schönen guten Morgen,

    ja, die Asperger-Leute sind oft schlau genug zu merken, dass sie anders sind und z.B. auch nicht fähig zu Empathie - leider sehr unangenehm für die Mitmenschen. Ich habe so eine Kollegin.

    Bei mir war es übrigens so, dass mein Arbeitgeber von einem Tag zum anderen den privaten Gebrauch des Internets extrem eingeschränkt/ untersagt hat. Da war es plötzlich vorbei mit meinen anregenden Mini-Pausen.
    In meiner Not habe ich dann das betriebliche INTRANET von vorn nach hinten und auch diagonal gelesen. Das war wesentlich weniger interessant, brachte aber arbeitstechnisch die eine oder andere Anregung ;-). Insgesamt gesehen war das der Tritt in den Allerwertesten, den ich gebraucht hatte.

    Dass du dich selbst hasst, finde ich beunruhigend. Das hält man ja nicht aus und ist auf keinen Fall gesund.

    Wissen die Psychiater/Psychologen davon, bei denen du dich hast testen lassen? Kann man das nicht therapeutisch irgendwie behandeln?

    Pass gut auf dich auf!

  5. #5
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 965

    AW: Wenn das Gedankenkarussell zum Irrenhaus wird

    Hallo Lothringer,

    das Gedankenkarussell kenne ich nur zu gut.. vor allem das Schwingen in negativen Bereichen ist für mich nach wie vor noch ein großes Problem. Und das ist auf jeden Fall ein Kernproblem von ADS..

    Medikamente- ich nehme Attentin und Amfetaminsaft - helfen mir aber auf jeden Fall dagegen. Zwar habe ich nicht so große Wirkung wie andere berichten oder dass es komplett weg ist, aber auf jeden Fall eine Verbesserung.

    D.h. die Ablenker sind nach wie vor verführerisch, aber ich kann ihnen besser wieder stehen.. ablenkende Gedanken besser ignorieren und dann an Aufgaben besser dran bleiben.

    Wenn Deine Psychiaterin sie Dir nicht verschreiben möchte, dann würde ich einfach mal nach einen anderen Arzt suchen.


    Eine Therapie machst Du gerade, oder? Wenn Deine Gedanken besonders stark im negativen Schwingen, dann ist es vielleicht auch etwas, was Du unabhängig von ADS behandeln mußt.


    Ansonsten mußt Du Dir Gegenstrategien überlegen, wie Du mit der Ablenkung umgehen kannst. Z.B. könntest Du Facebook nicht einfach blockieren z.B. eine Kindersicherung auf dem Rechner installieren und alle großen Ablenker, die Du nicht für Deine Arbeit brauchst, sperren... wenn Du sie für Deine Arbeit brauchst, ist natürlich doof... aber vielleicht könntest Du trotzdem die Benutzung auf bestimmte Tageszeiten beschränknen..

    Falls Smartphone noch ein großerer Ablenker sein sollte - das komplett ausgeschaltet lassen oder falls Du es beruflich brauchst vielleicht eines holen, was nur telefonieren kann oder was nur so ein kleines Display hat, dass WA, Spiele etc. darüber wirklich keinen Spaß machen..

    Weiterhin - könntest Du eventuell Kollegen miteinbinden? Also dass Du Aufgaben mit Kollegen zusammen machen machst? Oder einfach Mentor für ein Student sein und ihn 'aktiv' betreuen... sprich, dass ihr dann zusammen in einem Raum an einem Projekt arbeitet? Mir hilft sowas immer ungemein, Ablenkungen zu widerstehen. Und vor allem bringt es mir sehr viel für die Motivation, wenn ich dann mit anderen über meine ToDos sprechen kann.

    Ansonsten fallen mir noch Fidget Toys ein... (Buchempfehlung: Fidget to focus) also ich kann z.B. viel besser denken, wenn meine Hände beschäftig sind.. am besten finde ich da zur Zeit intelligente Knete. Ansonsten hilft es mir auch einfach, meine Gedanken auf Papier zu formulieren.. ich sage da immer, ich denke beim Schreiben.

    Weiterhin fallen mir noch Achtsamkeitsübungen ein, dass Du versuchst, Dich auf das Jetzt zu konzentrieren.


    War etwas für Dich dabei? Was ich aufgezählt habe, sind jetzt Sachen, die mir geholfen haben. Gut möglich, dass Du komplett andere Strategie brauchst. Überlege Dir einfach mal, was Dir schon mal geholfen hat, bei Deiner Arbeit zu bleiben und versuche dass zu nutzen.

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