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Diskutiere im Thema ADHS oder respektlos? im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht
    Forum-Beiträge: 35

    ADHS oder respektlos?

    Guten Abend, liebe Community,
    ich würde gerne eure Meinung zu einer bestimmten Thematik hören. Ich habe gerade angefangen, Pädagogik zu studieren und arbeite neben dem Studium in einem Jugendzentrum und vertretungsweise an einer Schule.

    Dort habe ich seit Längerem mit Jugendlichen/Erwachsenen zw. 17-23 Jahren zu tun, wovon die Hälfte die Diagnose ADHS haben. Natürlich weiß ich längst, dass man hier nichts verallgemeinern kann und dass ADHS bei Jedem anders verläuft und sich anders äußert.

    Mich würde aber mal interessieren, woran man erkennen kann, ob sich jemand -nur wegen ADHS aufmümpfig, frech und uneinsichtig verhält- oder ob es sich bereits um Respektlosigkeit, bzw. respektloses Verhalten handelt?

    Ich bin gespannt auf eure Antworten

  2. #2
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 371

    AW: ADHS oder respektlos?

    Was ist der Unterschied für dich in deiner geschilderten Position?

    Nur weil jemand AD(H)S hat, hat man nicht das Recht Respektlos zu sein. Sicherlich kann man darüber Streiten, wie mein hier Grenzen setzt, Wichtig ist aber eine direkte Erwiderung zum Betreffenden (ggf, Begründen).

    Anders verhält es sich bei Arbeit, ..., .... . Hier sind wir zwischen Hyperfokus und tollpatschig alles möglich. . Deine Tätigkeit bedeutet, die betroffenen Stark machen. Dies ist schwer.

    Bei mir ist es so, dass ich Lob auf der Arbeit bekommen, während zuhause nur die "Nachteile" der neurobiologische bedingte Persönlichkeitsvariante herausgestellt wird. Auch wenn mir die Arbeit zeitweilig schwer, fällt bedeutet mir die Wertschätzung viel (auf die ich lange verzichten mußte). Diese Wertschätzung macht deine Klienten stark. Falsche Rücksicht bei schlechtem benehmen nicht..

    Hilfestellung kann dir vielleicht Literatur von Cornelia Neuhaus geben. Man muss nicht alles lesen (sie hat eine gute Gliederung), eine verständlich und ungeschminkte Art die Neurobiologische bedingte Persönlichskeitvariante zu beschreiben. Betroffene sollten das Buch nur in einer psychisch stabilen Phase lesen.

  3. #3
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Forum-Beiträge: 556

    AW: ADHS oder respektlos?

    Beides kann gleichzeitig der Fall sein: "Respektlosigkeit" durch ADHS oder sozialisationsbedingtes "Assitum"...auch ich empfehle dazu die Literatur von Cordula Neuhaus.

  4. #4
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.715

    AW: ADHS oder respektlos?

    Respektlosigkeit bleibt Respektlosigkeit, auch wenn man ADHS hat. Eine Erklärung kann es sein, eine Entschuldigung nicht. Man kann auch bei ADHS gutes Benehmen einfordern. Dass der oder die Betroffene ADHS hat, kann zu Tollpatschigkeit oder auch Impulsivität führen. Die Fremd- und Selbstwahrnehmung ist gestört, und die Betroffenen können nicht filtern. Es ist klug, darauf Rücksicht zu nehmen.

    Dennoch sind viele (aber nicht alle) ADHS-ler höfliche Menschen.

    Die Hälfte an der Schule und dem Jugendzentrum hat die Diagnose ADHS? Liest sich etwas hoch an. Und erfährst du von jedem/r die Diagnose, und wenn ja wird die Störung behandelt? Viele junge Menschen kriegen ihr Medikament leider nur "für die Schule", weil die Ärzte und auch viele Eltern nicht daran denken, dass die Symptomatik auch in der Freizeit sehr beeinträchtigend sein kann.

  5. #5
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht
    Forum-Beiträge: 35

    AW: ADHS oder respektlos?

    Ich habe tatsächlich schon danit angefangen, mich in die Literatur von Cordula Neuhaus einzulesen. Danke, für die Literaturempfehlung.

    Um die Sache nochmal etwas zu erläutern: Wenn junge Erwachsene mit ADHS mal von einer Sekunde auf die andere ausrasten, sich daneben benehmen und ich darauf hinweiße, dass das Verhalten eben nicht ok/angemessen war und die Botschaft beim Gegenüber ankommt und diese-/r beim nächsten Mal versucht, sich zu beherrschen- dann finde ich, ist dies ein "typisches" Vorkommnis bei ADHSlern, was mal passieren kann und auch föllig ok ist, meiner Meinung nach. Die Botschaft ist angekommen und der Wille zur Besserung ist da.

    Wenn aber junge Erwachsene mit der Diagnose ADHS sich daneben benehmen und ich auf das Fehlverhalten hinweiße, mit der Bitte, es zu unterlassen und bekomme als Antwort "ich habe mich nicht daneben benommen" und diese ADHSler im gleichen Tonfall mit Familienmitgliedern oder den eigenen Eltern reden (hierbei noch verbunden mit Sätzen, wie "Papa, ich habe dich nicht gebeten mich herzuschicken/Papa, ich habe dich nie darum gebeten mir zu helfen"), dann empfinde ich persönlich das als respektlos.

    Ihr habt natürlich viel mehr Erfahrung im Umgang mit ADHSlern und seid vllt. auch selbst davon betroffen, deswegen freue ich mich auf eure Antworten und Anregungen.

    Was denkt ihr?

  6. #6
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.715

    AW: ADHS oder respektlos?

    Cheeki schreibt:
    Um die Sache nochmal etwas zu erläutern: Wenn junge Erwachsene mit ADHS mal von einer Sekunde auf die andere ausrasten, sich daneben benehmen und ich darauf hinweiße, dass das Verhalten eben nicht ok/angemessen war und die Botschaft beim Gegenüber ankommt und diese-/r beim nächsten Mal versucht, sich zu beherrschen- dann finde ich, ist dies ein "typisches" Vorkommnis bei ADHSlern, was mal passieren kann und auch föllig ok ist, meiner Meinung nach. Die Botschaft ist angekommen und der Wille zur Besserung ist da.

    Wenn aber junge Erwachsene mit der Diagnose ADHS sich daneben benehmen und ich auf das Fehlverhalten hinweiße, mit der Bitte, es zu unterlassen und bekomme als Antwort "ich habe mich nicht daneben benommen" und diese ADHSler im gleichen Tonfall mit Familienmitgliedern oder den eigenen Eltern reden (hierbei noch verbunden mit Sätzen, wie "Papa, ich habe dich nicht gebeten mich herzuschicken/Papa, ich habe dich nie darum gebeten mir zu helfen"), dann empfinde ich persönlich das als respektlos.
    Auch wenn der Wille zur Besserung da ist, ADHS-ler brauchen länger zum Lernen, wie Cordula Neuhaus ja auch betont.

    Die Antwort Ich habe mich nicht daneben benommen ist typisch ADHS. Die Leute kriegen das wirklich nicht mit, ihnen fehlt die Wahrnehmung dafür. Dazu kommt noch die reflexhafte Verteidigungshaltung, man muss ja sein (verzerrtes) Selbstbild wahren.

    Daher noch mal die Frage, findet eine Behandlung statt? Ich war erschrocken darüber, wie ich früher häufig mit meiner Frau gestritten habe. Das konnte ich aber erst so feststellen, als ich den Unterschied (also mit Medikament) sah. Ich hielt mich für ruhig und geduldig, war aber tatsächlich häufig ungerecht und ruppig.

  7. #7
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht
    Forum-Beiträge: 35

    AW: ADHS oder respektlos?

    Ja, ich weiß es bei Allen, die es betrifft. Es finden immer vorab Gespräche statt und da erfährt man dann auch, wer ADS/ADHS hat und ob es behandelt wird.

    Im Moment werden Alle, die ich im Jugendzentrum und als Vertretung in der Schule betreue, behandelt. Die meisten haben die Diagnose seit sie klein sind und haben dementsprechend schon Erfahrung mit Therapie etc. Alle nehmen zur Zeit Medikamente

    - - - - - - - - - - Beiträge zusammengeführt (< 3 Minuten Zeitunterschied) - - - - - - - - - -

    Dazu kommt noch die reflexhafte Verteidigungshaltung, man muss ja sein (verzerrtes) Selbstbild wahren.

    Kann das mit der "reflexhafte Verteidigungshaltung" bitte näher erläutert werden? Habe darüber bisher noch nichts gelesen...

  8. #8
    N o r d f r a u

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 62
    Forum-Beiträge: 8.178

    AW: ADHS oder respektlos?

    Cheeki schreibt:
    Guten Abend, liebe Community,
    ich würde gerne eure Meinung zu einer bestimmten Thematik hören. Ich habe gerade angefangen, Pädagogik zu studieren und arbeite neben dem Studium in einem Jugendzentrum und vertretungsweise an einer Schule.

    Dort habe ich seit Längerem mit Jugendlichen/Erwachsenen zw. 17-23 Jahren zu tun, wovon die Hälfte die Diagnose ADHS haben. Natürlich weiß ich längst, dass man hier nichts verallgemeinern kann und dass ADHS bei Jedem anders verläuft und sich anders äußert.

    Mich würde aber mal interessieren, woran man erkennen kann, ob sich jemand -nur wegen ADHS aufmümpfig, frech und uneinsichtig verhält- oder ob es sich bereits um Respektlosigkeit, bzw. respektloses Verhalten handelt?

    Ich bin gespannt auf eure Antworten
    Hallo cheeki,

    Schön, dass du ins Forum gekommen bist.
    Darf ich mal die Gretchen-Frage stellen?
    Wie viel weißt du denn schon über ADHS?

    Ich habe mit meinem Mann zwei ADHS-betroffene Kinder groß gezogen.
    wir hatten bereits früh Hilfe erlangt, u. a. durch Cordula Neuhaus (Elterntraining und ihre Bücher im allgemeinen).

    Sie haben beide einmal einen Verweis während der Realschulzeit bekommen.
    Durch respektloses Verhalten dritten gegenüber sind sie nicht aufgefallen, schon durch Gerechtigkeitsliebe und Diskutierfreude. Und die typische Reifeverzögerung.

    Die meisten jungen Menschen, die in Kindheit und Jugend mit Stimulanzien behandelt wurden, weigern sich spätestens mit 18, ADHS-Medikamente zu nehmen.

    Wenn du Zeit hast, lies mal bei adhsspektrum, dem blog von Dr. Martin Winkler.
    u. a. Einen Beitrag vom 26.08.2016 finde ich als Erklärung interessant.

    Dieses Büchlein empfehle ich jungen Menschen gerne:

    myadhs.com - Infos f&uuml;r Jugendliche mit ADHS oder ADS

    Alles Gute
    Gretchen

  9. #9
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Forum-Beiträge: 556

    AW: ADHS oder respektlos?

    ADHS wird immer wieder mit Psychopathie verwechselt. Bei ADHS besteht jedoch ein sogar überdurchschnittlich vorhandener Sinn für Gerechtigkeit, während das bei Antisozialer Persönlichkeitsstörung gerade nicht der Fall ist. Allerdings können unter bestimmten Konstellationen auch Personen mit ADHS jegliche Empathie-Fähigkeit verlieren (während sie bei dissozialer PS schon von vornherein nie da war)...ich empfehle in dem Kontext mal bei Google.de Marcel Heße ADHS , oder ADHS Gewaltbereitschaft ...nicht umsonst sollen ca.1/3 der JVA-Insassen in Deutschland ADHS haben vs. in USA sogar ca. 50%...

  10. #10
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht
    Forum-Beiträge: 35

    AW: ADHS oder respektlos?

    Ich denke auch, dass viele ADHSler einen sehr großen Gerechtigkeitssinn haben. Ich persönlich finde, dass sehr viele Menschen mit der Diagnose ADHS sehr interessante Persönlichkeiten haben und man sie (die meißten zumindest) einfach gern haben muss -einfach, weil sie so sind, wie sie sind.

    Dennoch stelle ich mir die Frage, ob das 2.Beispiel, was ich genannt habe- noch etwas mit ADHS zutun hat oder ob man das schon als respektloses Verhalten ansehen muss?

    Wie seht ihr das? Kennt ihr respektloses Verhalten von Euch selbst oder Angehörigen/Freunden? Wie reagiert ihr wenn euch jmd. sagt, dass das, was ihr gerade getan oder gesagt habt, nicht ok war?

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