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Diskutiere im Thema Peinliche Situationen im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #1
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 79

    Peinliche Situationen

    Liebe Leute, habe da mal eine Frage. Erzähle Euch mal beispielhaft eine kleine Geschichte, da war ich so ca. 10/11 Jahre, denke ich. Da mir solche Dinge schon des öfteren passiert sind und meist dann, wenn ich fröhlich und ausgelassen war, haben diese in der Summe nicht unbedingt mein Selbstwertgefühl aufgewertet:

    Wir waren im Urlaub (damals wusste ich noch nicht, dass ich ADHS habe). Ich war mit meinen Cousinen am toben und spielen. Das war mal wieder sehr schön, war man doch zu Hause meist nur mit Schule und Lernen beschäftigt, konnte man sich im Urlaub mal wieder richtig fallen lassen und die Zeit genießen - dachte ich

    Irgendwann hieß es, wir gehen essen. Das war damals in Ungarn, so eine ausgeräumte Garage, in der die Wirtin mit ihren zwei Kindern halt so eine Art "Kneipe" betrieben hat, also nix edles.

    Total aufgedreht wie ich war natürlich bis zur letzen Minute Blödsinn gemacht, dann gings los. Auf dem Weg sagt meine Vater plötzlich zu mir: "Was hastn Du für Schuhe an. Ich gucke nach unten, der Schreck fährt mir in die Knochen, weil ich weiß, was gleich kommt, da brüllt er auch schon los. Wie kann man nur so blöd sein, guckt mich angewidert an und schüttelt den Kopf.

    Habe noch die Hausschuhe an und sage wie aus der Pistole geschossen: "Oh, gib mir mal eben den Hausschlüssel, ich renn zurück und ziehe mir andere Schuhe an." Er darauf: "Die lässt Du jetzt an, damit mal alle sehen, wie blöd Du bist." Tante, Onkel, Cousinen - alle mit dabei.

    Tja, dieser Abend war für mich gelaufen, zumal mein Vater nicht mehr mit mir reden wollte.

    Kennt das einer? Wie habt ihr Euch bei sowas gefühlt. Habt Ihr sowas eher locker weggesteckt oder hat Euch das in der Summer eher fertig gemacht?

    Also bei mir hat das sicherlich maßgeblich zu meiner Sozialphobie beigetragen und auf lange Sicht auch mein Aggressionsproblem befeuert.

    Würde mich über Rückmeldungen freuen.

    Gruß

  2. #2
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Alter: 47
    Forum-Beiträge: 103

    AW: Peinliche Situationen

    Hallo KingofSorrow

    was Du da beschreibst, umfasst meine gesamte Kindheit und Jugend. Meine Eltern haben sich extrem mit meinen Misserfolgen, Vergesslichkeiten und peinlichen Patzern identifiziert, und daher gab es mindestens einen dummen Spruch, von meiner Mutter dann auch Haue, selbst bevor mir ein Fehler passieren konnte: einfach, weil sie die Spannung nicht aushielt, mich bei irgendwas zu beobachten, was schiefgehen könnte. Völlig gaga.
    Vom Vater eher komplettes Ignorieren oder stundenlange Vorträge ohne jeden Sachverstand, da weiß man als Kind auch nicht so recht, was einem lieber ist.
    Zynisch, ironisch und allgemein abwertend waren Beide.

    Ungerecht in den Augen eines Kindes war, dass meine Eltern selber völlig verpeilt waren und dauernd Sachen vergaßen und beruflich, familiär oder sozial gescheitert sind. Beide haben einen unsteten Lebenslauf, wären ohne ihre Partner in 2./3. Ehe kaum überlebensfähig, haben keinen nennenswerten Freundeskreis und sich mit der Familie verkracht.

    Was blieb? Verachtung. Ich habe meine Eltern jahrelang verachtet. Ich wusste, dass es unfair zuging, ich wusste, dass sie sich auf dem Eltern-wichtig-Bonus ausruhten, und ich wusste, dass sie deswegen vor anderen Leuten logen und mich absichtlich schlecht machten.

    Mittlerweile sage ich: meine Eltern waren arme Schweine. Aber außerdem dermaßen bescheuert, dass ich noch heute mit ihnen nichts zu tun haben wollte - ob mein Vater noch lebte oder meine Mutter den Kontakt zu mir wieder haben wollen würde, das wäre mir völlig latte.
    Dass sie wahrscheinlich selbst ADHSler sind/waren, bügelt dabei auch nichts mehr aus.

    Soziophobie... nicht pathologisch, nicht mit heftigem Leidensdruck. Meine Großeltern waren immer für mich da, und auch Leute, die mir nicht familiär verbunden waren, haben mich aufgebaut, haben mich bestärkt und gefördert. Also habe ich mir meine eigene Ersatz-Familie gebastelt.
    Vorsichtig, ja, einfach, weil ich weiß, zu welchen Gemeinheiten Menschen in meiner nächsten Umgebung fähig sein können - aber das ist nicht spezifisch für diesen (ADHS-)Hintergrund, denke ich.

    Lieben Gruß
    Honu

  3. #3
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Forum-Beiträge: 397

    AW: Peinliche Situationen

    Habe noch die Hausschuhe an und sage wie aus der Pistole geschossen: "Oh, gib mir mal eben den Hausschlüssel, ich renn zurück und ziehe mir andere Schuhe an." Er darauf: "Die lässt Du jetzt an, damit mal alle sehen, wie blöd Du bist." Tante, Onkel, Cousinen - alle mit dabei.

    Könnte aus dem Lehrbuch: "Wie zerstöre ich die Selbstsicherheit meines Kindes" stammen.
    Ich denke das solche Erfahrungen dazu führen das so viele ältere ADHSler ausgeprägte Selbstwertprobleme haben.

    Es ist ja nicht nur so das "uns" sowas öfter passiert, nein, wie haben dafür auch ein Elefantengedächnis

  4. #4
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 79

    AW: Peinliche Situationen

    Das mit der Ersatzfamilie hätte ich auch mal machen sollen. Stattdessen habe ich meine Eltern noch bis ich selbst Erwachsen war vor anderen verteidigt. Meine Mutter war/ist auch so eine wie Deine. Mischt sich überall ein, weiß alles besser, rastet wegen jeder Kleinigkeit aus. Geschlagen und beleidigt hat sie auch gerne. Ich habe das alles mit mir machen lassen und mich selber mit meinen Schuld- und Schamgefühlen kaputtgemacht. Ich könnte mir so in den Arsch beißen

  5. #5
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 238

    AW: Peinliche Situationen

    Ihr Lieben,

    herzlose und respektlose Bemerkungen kommen nicht von liebevollen Menschen,
    und wir dürfen uns auch dann von Ihnen lösen, wenn es unsere Eltern sind.

    Gerade Eltern sind dafür verantwortlich ihre Kinder so zu fördern,
    dass sie, trotz vorhandener "Besonderheiten", ihren souveränen Umgang damit
    und ihren Platz im Leben finden.

    Leider ist es noch sehr oft so,
    dass sich Eltern dafür verantwortlich fühlen,
    wenn ihre Kinder "nicht normal" geraten sind,
    und dann diese "Schuld" durch Ignoranz loswerden wollen...

    Was auch bei körperlich eingeschränkten Kindern leider oft geschieht:
    ihre Eltern ignorieren sie und ihre Bedürfnisse komplett,
    machen sich und anderen vor, ihre Kinder "hätten das gar nicht"...
    Entsprechende Förderungen werden dann nicht umgesetzt...

    Und es gibt auch die Eltern, die diese Lebensumstände annehmen,
    sich gegenseitig bestärken und bei der Kinderbetreuung
    und -förderung einander unterstützen und abwechseln...

    So etwas ist in jedem integrativen Umfeld (Kindergärten & Schulen)
    immer wieder zu beobachten.

    Und ich habe sehr viele Leute getroffen,
    die das selbst Erlebte mit ihren Eltern
    nicht an ihre eigenen Kinder weiter gegeben haben.
    Was nicht leicht ist.
    Wer so eine Herabsetzung vor anderen erlebt hat,
    wird sich viel Mühe geben, das niemandem anzutun,
    weil sie wissen, wie sich sowas anfühlt.

    Hut ab vor euch Mutigen

    Darum:
    seid nett zu euch selbst
    Liebe Grüße
    finckla

  6. #6
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 79

    AW: Peinliche Situationen

    Sehr schön geschrieben

  7. #7
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Forum-Beiträge: 146

    AW: Peinliche Situationen

    @finckla

    Dem kann ich mich nur anschliessen.

    Es ist für Eltern schwer zu akzeptieren, wenn ein Kind verhaltensauffällig ist und man das nicht mit Erziehung in den Griff bekommen kann.

    Besonders für Eltern die selber betroffen sind und sich dessen nicht bewusst sind. Dann erinnert einem das Kind an die eigenen Unfähigkeiten und Verhaltensauffälligkeiten.
    Die möchte man ja nicht wahrhaben, kann sie gar nicht erkennen. Folglich bekämpft man dann die Anteile die man an sich selber nicht akzeptieren kann beim eigenen Kind.
    Das Kind kriegt dann die ganze Pallette an Wut, Ohnmacht, Depression, Gewalt... ab und erleidet dabei seelischen Kollateralschaden.

    Das ist der ADHS-Teufelskreislauf - den zu durchbrechen kann äusserst schwierig sein und gelingt manchmal nur über Generationen.

    Ein Geschenk Gottes ist es für alle die sich dessen bewusst werden. Das eröffnet die Chance sich mit den Ursachen des eigenen Scheiterns auseinander zu setzten. Dann können wir mit unseren Kindern auch auf einer neuen Ebene eine Beziehung aufbauen die dank Verständnis für das Kind neu Vertrauen schafft. Das kann nicht Vergangenes ungeschehen machen aber es kann doch vieles Lindern und auch manches wieder heilen.

  8. #8
    Bin hier neu, seid lieb zu mir

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht
    Forum-Beiträge: 14

    AW: Peinliche Situationen

    Hallo,

    ich habe gerade ein echt Emotionales High !

    Dazu sollte ich sagen, dass ich seit gestern Neu dazu gestoßen bin, und es tut gut sich ähnliche Geschichten durch zu lesen, da ich mich in eure Lage
    versetzten kann.

    Genau wie Honu habe ich mir eine eigene Ersatzfamilie zusammen gestellt und das schon als Kind,ich bin jetzt 34 Jahre alt und hatte viele Ersatzfamilien,
    man wird älter lernt immer wieder neue Menschen kennen, ich habe mich unter vertrauten Bekannten und Freunden einfach wohler gefühlt.

    Meine Eltern haben sich getrennt als ich 2 Jahre alt war, ich bin bei meiner Mutter und meinem Stiefvater aufgewachsen, mit meinem Stiefvater verstehe ich
    mich bis heute nicht, mein Stiefvater war maßgeblich an meiner Emotionalen Instabilität beteiligt. Er war der Klassische Mann im Haus, nach dem Motto: So lange deine
    Füße unter meinem Tisch stehen wird das gemacht was ich sage ! Ich hasse diesen Spruch heute noch wie die Pest. Es war ein regelrechtes psychisches Massaker was er mit mir angestellt hat, er war sogar Eifersüchtig auf mich wenn meine Mutter mir was gutes getan hat. Und wenn meine Mutter arbeiten war, fingen seine Psycho Spielchen an, das ich ein Taugenichts bin, dies hat er immer immer wieder endlos Vorgehalten. Natürlich hatte er auch meine Mutter unter seiner Kontrolle, und meine Mutter hat einfach zu gesehen, weil sie Angst vor ihm hatte. Körperliche Gewalt war zum Glück kein Thema.

    Jedes 2 Wochenende hat mein leiblicher Vater mich abgeholt, dort war ich zwar vor meinem Stiefvater sicher, aber wirklich schön war es bei ihm auch nicht,
    mein leiblicher Vater ist Alkoholiker und hat sich auch nicht zusammen gerissen wenn ich ihn besucht habe, mein Samstag verbrachte ich zum Großteil mit ihm
    in seiner Stammkneipe, oder wir liehen uns Videos aus wo ich dann den ganzen Tag vor sitzen konnte, und er sich mit seinen Kumpels betrank. Naja, wenn er
    dann betrunken war fingen die Vorwürfe an, meine Mutter sei an allem Schuld, er hat sie in meiner Gegenwart böse und herablassend beschimpft.
    Verdammt, ich war noch ein Kind !

    Mittlerweile weiß ich das es meinen Eltern auch nicht anders ergangen ist, aber das ist kein Grund die selben Fehler zu machen, das höchste Gut ist es doch den Kindern
    Mitgefühl und Empathie und die daraus resultierende gegenseitige Liebe zu vermitteln, ein solides fruchtbares Fundament zu erschaffen damit man eigenständig Wachsen kann.


    Liebe Grüße

    NoRest
    Geändert von NoRest (26.09.2017 um 12:37 Uhr)

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