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Diskutiere im Thema Ich kann oft nicht tun, wofür ich mich entscheide. Was entscheidet für mich? im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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  1. #1
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 251

    Ich kann oft nicht tun, wofür ich mich entscheide. Was entscheidet für mich?

    Heute ist mal wieder ein Tag gewesen, an dem ich nichts von dem gemacht habe, wozu ich mich entschieden hatte. Ich habe keine Rechungen geschrieben und nicht die Umsatzsteuervoranmeldung gemacht, obwohl ich mich ganz klar dazu entschieden hatte, das zu tun. Ich habe auch keine Mandantenunterlagen eingescannt und ans Gericht geschickt, obwohl ich mich dazu entschieden hatte. Ebenso wenig habe ich Unterlagen sortiert, obwohl ich das tun wollte. Ich war auch nicht spazieren, was ich so gern mache und wozu ich mich entschieden hatte. Ich habe auch nicht Klaviergespielt, was ich liebe und wozu ich mich entschieden hatte.

    Was habe ich statt dessen gemacht?
    - Ich habe - obwohl heute Sonntag ist und obwohl ich dafür kein Geld bekomme - ein langes Schreiben an eine Behörde für einen Mandanten korrigiert und verschickt, obwohl es merkwürdig wirken dürfte, dass ich Derartiges an einem Sonntag mache. So erziehe ich meine Mandanten dazu, mich auszunutzen und von mir kostenlose Sonntagsarbeit als selbstverständliches Extra zu erwarten. Diese Arbeit war durchaus anstrengend und auch eher langweilig und für den Mandanten nützlich. Für mich selbst war das eine kontraproduktive Aktion. Dessen war ich mir von Anfang an bewusst und ich hatte mich daher dagegen entschieden.

    - Ich habe zu einem Arbeitstreffen eingeladen und es geplant, für dessen Durchführung mich niemand bezahlen wird, welches man allenfalls in die Kategorie "Ehrenamt" einordnen kann, wobei man damit auch keine Ehre und keinen Ruhm einheimsen können wird. Dabei hatte ich mich zuvor dagegen entschieden, das zu übernehmen, weil es bei mir recht eng ist und ich dadurch meine wichtige Arbeit nur noch weniger schaffen würde.

    - Ich habe zunächst diverse Texte von Juristen und den Text einer Juristin zur Frage ob die "Ehe für alle " nun ohne Verfassungsänderung eingeführt werden durfte oder nicht (war ja ganz interessant) und dann einen anstrengenden langen und eher langweiligen Text über verschiedene Bibelauslegungen zum Thema Homosexualität gelesen, der schwierig zu lesen war und bei dem es mir schwer fiel, nicht aufzugeben und mich dennoch durchzubeißen. Ich habe ihn bis zum Ende gelesen in all seinen für mich uninteressanten Einzelheiten.
    Dabei hatte ich mich auch hier dagegen entschieden, weil der Text eben langweilig war und weil er mich nicht weiter bringen würde und auch weil ich ja unbedingt arbeiten wollte, z.B. um nicht wegen fehlender Abrechnungen in die Insolvenz zu rutschen und dadurch auch noch meine Anwaltszulassung zu verlieren.
    Aber was mache ich: Ich lese stundenlang diesen blöden Text.

    Mir stellt sich daher einmal mehr die Frage: Wennich offenbar nicht tun kann, wozu ich mich entscheide, was entscheidet dann eigentlich für mich, was ich dann letztlich mache?
    Ist es etwa der Zufall?
    Warum mache ich Sachen, die langweilig und anstrengend sind und mir nichts bringen und lasse sogar sehr angenehme Tätigkeiten wie Spaziergänge und Klavierspielen "dafür" ausfallen? Offenbar ist es nicht wirklich relevant dafür, was ich letztlich mache, wofür oder wogegen ich mich entscheide.
    Aber was übernimmt dann die Entscheidung für mich? Was leitet mich? Wenn ich mich für Dinge aufraffen kann, die ich nicht tun will und umgekehrt nicht aufraffen zu dem, was ich eigentlich tun wollte, was wirkt da?

    ADHS bewirkt (habe ich schon oft gelesen und mein Arzt sagt das auch), dass man zwar "kann wenn man will, aber nicht wollen kann, was man will".
    Das ist offensichtlich mein Problem, aber ich will in dem Satz zur Erhöhung des Verständnisses die Wörter will und wollen durch andere ersetzen, damit deutlich wird, dass da zwei unterschiedliche Arten von "Wollen" gemeint sind.
    Also hier nun der übersetzte Satz:
    Ich kann etws tun, wenn ich den Antrieb dazu habe, es zu tun, aber ich kann nicht selbst entscheiden, wozu ich Antrieb habe.
    Ich nenne also die Zwei Arten von "Wollen" einmal "Antrieb haben" und einmal "mich zu etwas entscheiden".
    Das eine Wollen, also das "Antrieb haben" ist nicht rational, sondern offenbar emotional.
    Das andere Wollen, also das "mich zu etwas entscheiden" ist rational.

    Die Frage aus der Überschrift kann ich also beantworten mit: Meine Gefühle entscheiden, über mein Tun oder Unterlassen, nicht mein Verstand.
    So richtig ist aber damit die Frage noch immer nicht entschieden, denn was - wenn nicht ich - entscheidet darüber, welche Gefühle ich habe?

    Auch hierzu habe ich im Bezug auf ADHS Antworten gehört und gelesen: Es habe etwas mit Stimulation zu tun. Was stimulierend ist fühle sich gut an und was nicht eben nicht.

    Irgendwie verstehe ich das aber nicht so recht. Was genau war jetzt bitte stimulierender an dem langweiligen Biebelauslegungstext als daran, einen schönen Spaziergang zu machen und danach Klavier zu spielen? Und warum genau sollten die Rechnungen oder die Umsatzsteuerjahreserklärung jetzt noch langweiliger sein? Außerdem hätte ich ja auch statt dessen nach Hause gehen können und dort vielleicht wirklich stimulierenden guten Sex haben können. Faulheit kann es eigentlich auch nicht gewesen sein, denn ich hätte ja einfach ins Bett gehen und schön schlafen können, was faule Leute sicher lieber tun, als sich durch so einen Bibelauslegungstext zu kämpfen?!?
    Fand ich vielleicht die Vorstellung irgendwie "geil", eine zu sein, die sich so einen Text reinziehen kann?

    Was genau war außerdem bitte spannend, neu oder interessant daran, diesen Text an die Behörde zu korrigieren? Das war stinklangweilige Rechtschreib- und Grammatikkorrektur, gegen die ich in aller Regel deutlichen inhaltichenn Widerstand verspüre, wenn es Klassenarbeiten sind, die ich korrigieren muss.

    Noch immer ist mir nicht klar was - wenn nicht ich - eigentlich meine Gefühle auslöst, die mir dann die Entscheidung über mein Handeln praktisch abnehmen. Ich lande immer wieder doch beim Zufall.

    Und dann frage ich mich auch immer wieder: Warum hat Medikinet adult als ich es noch nahm dieses Phänomen bei mir nicht wenigstens ein kleines Stückchen verändert? Warum konnte ich auch damit nicht meinen Entscheidungen entsprechend handeln? Die fehlende Stimulation müsste es doch ausgeglichen haben. Meinen Herzschlag hat es ja auch angeregt, also habe ich ja offensichtlich nicht gar nicht auf das Medikament reagiert.

    Das ist zum irre werden. Mein Verstand sagt: "Ich entscheide mich jetzt den Rechner auszuschlalten, heim zu gehen und dann zu schlafen."
    Mein Gefühl sagt: "Naja, dieses Posting kannst Du meinentwegen ja beenden. Aber gleich den Rechner ausschalten? Nene, das erlaube ich nicht. Du musst umbedingt erst Deine Emails checken obwohl da keiner etwas geschrieben haben dürfte seit dem letzten check weil die alle schlafen dürften und dann noch die Tagesschauseite obwohl da nichts Neues stehen dürfte und ein US-Amerikanisches Forum, in dem wegen der Zeitverschiebung vielleicht ja wirklich was Neues stehen könnte. Außerdem musst Du das jetzt auch erst noch hier aufschreiben, vorher darfst Du das Posting nicht beenden!"

    Nun habe ich das Posting nicht beendet. Neue Emails waren wie erwartet nicht im Postfach, auf der Tagesschauseite stand doch neues, aber mein lieber Verstand hat es diesmal geschafft brav zu verhindern, dass ich das lese. (Oder war es in Wirklichkeit doch das Gefühl, die Müdigkeit vielleicht?) Das US-Forum habe ich auch noch angesehen und dieses Posting noch immer nicht beendet.

    Ich habe nämlich den Antrieb, noch etwas zu schreiben bzw. zu fragen:
    Weiß hier jemand zufällig, wie das bei Leuten ohne ADHS ist? Haben die einfach Antrieb für das, wozu sie sich entscheiden oder können die einfach besser ohne Antrieb handeln oder trotz Antrieb nicht handeln? Passen deren Gefühle besser zu dem, was deren Verstand will, oder können sie sich einfach nur besser gegen ihre Gefühle wehren?

    So, das soll es aber jetzt wirklich gewesen sein.

    Gute Nacht an alle, die noch wach sind und viele Grüße!

    Gianna

  2. #2
    Magda1

    Gast

    AW: Ich kann oft nicht tun, wofür ich mich entscheide. Was entscheidet für mich?

    Kenne ich nur zu gut. Wenn ich aufräumen oder putzen muss, mache ich was anderes. Wenn ich was anderes machen muss, putze ich oder räume auf. Es ist zum Mäuse melken.

  3. #3
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht
    Alter: 44
    Forum-Beiträge: 95

    AW: Ich kann oft nicht tun, wofür ich mich entscheide. Was entscheidet für mich?

    Moin
    Impuls ist manchmal echt doof.

    Versuch es mal mit Zeilimmit setzen.Ok du darfst dem quatsch nach gehen aber nur so und so lange dann ist Schluss.

    Ich räume immer am besten auf wenn ich da Bock drauf habe oder wenn ich Besuch erwarte.

    Auch die Hormone spielen da mit rein.

    Vieleicht kannst du dir ja auch alltanativen überlegen auf die du dann gerade Bock hast die nicht unnütz sind.

    Und ich versuche nicht zu oft den Impuls zu unter drücken ,dann kann ich ihn besser in wichtigen lagen kontrolieren.

    LG
    Coco

  4. #4
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Alter: 34
    Forum-Beiträge: 45

    AW: Ich kann oft nicht tun, wofür ich mich entscheide. Was entscheidet für mich?

    Hallo,

    ich kenne das ebenfalls von mir selber. Hier ein paar Stichsätze:



    - - In der Spontanität wird mehr Stimulanz erzeugt, als in einer geplanten Situation.


    - - Man stellt sich schon vorher darauf ein, durchdenkt den Plan und die Möglichkeiten.


    - - Dadurch hat man schon die Stimulanz und bedarf ihr nicht mehr in der Realität.


    - - Wenn man es durchzieht, erfährt man ein Stück Erlösung.


    - - Kann auch mit dem Selbstwert zusammenhängen.


    - - Man bestraft sich selber, für das, was man ist.


    - - Man erfährt dadurch Stimulanz, man hat es verdient.


    - - Die meisten durchgeführten Pläne entsprechen von der Stimulanz eventuell nicht der Erwartung, was den Traum davon sinnvoller und ausreichend macht.




    Ich kann mir vorstellen, dass es so funktioniert.


    Man muss die Dinge nehmen, wie sie kommen.


    Das funktioniert in einer geplanten Welt leider selten, auf Grund von Konstrukt und Abhängigkeiten.



    LG

  5. #5
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 71

    AW: Ich kann oft nicht tun, wofür ich mich entscheide. Was entscheidet für mich?

    Menschen sind süchtig nach dem Neuen.

    Das ist verhaltensbiologisch einfach zu erklären. Wenn ein Mensch oder ein Tier neue Nahrungsquellen finden möchte, nimmt er/sie/es auch große Strapazen auf sich, um am Ende die Nahrung zu finden, die das Überleben der eigenen Spezies sichert.

    Dopamin und die Suche sind eng verwoben. Dopamin ist nicht die Belohnung, sondern es treibt die Suche an.

    Das bereits bekannte ist weniger reizvoll. Das Neue gibt den Kick. Dafür nimmt man auch große Anstrengungen (langweilige Bibelauslegungstexte) in Kauf.

    Also meine Antwort auf die Frage "was entscheidet?" ist demnach: Der Teil deines Gehirns, der zwischen "neu" oder "schon bekannt" unterscheidet, entscheidet das.

    (Warum schaue ich in Arbeitspausen regelmäßig auf Facebook oder in Foren wie diesem hier, ob jemand etwas neues geschrieben hat. )
    Geändert von gonzales ( 3.07.2017 um 21:25 Uhr)

  6. #6
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 509

    AW: Ich kann oft nicht tun, wofür ich mich entscheide. Was entscheidet für mich?

    Hallo Gianna,

    erstmal danke für Deinen ausführlichen und sehr offenen Beitrag, ich finde mich darin total wieder, hätte es aber so genau nicht formulieren können.

    Mir geht es leider sehr oft ähnlich. Einen Tagesplan aufzustellen ist für mich quasi sinnlos, weil ich mich nicht daran halte( bzw. halten kann). Ein paar Tage geht sowas mal gut, aber spätestens nach einer Woche stecke ich wieder im Widerspruch zwischen "Entscheidung treffen" und "Entscheidung nicht ausführen" fest.

    Besonders schwierig ist die Situation bei mir, weil ich selbstständig von zu Hause aus arbeite und somit jede Entscheidung selbst für mich treffen und mir gegenüber durchsetzen muss. Ich kann aber nicht behaupten, dass dieses Phänomen zu festangestellten Zeiten besser gewesen wäre, von daher ...

    Woran es bei Dir liegt kann ich natürlich nicht sagen, aber ich kann zumindest versuchen zu erklären woran ich glaube dass es bei mir liegt:

    In ihrem Buch "Dinge geregelt kriegen ohne einen Funken Selbstdisziplin" schreiben S. Lobo und K. Passig, dass die gefährlichste Form der Prokrastination die Prokrastination durch eine andere Arbeit (meist weniger sinnvolle Arbeit) sei.
    Genau dafür halte ich dieses Verhalten bei mir. Es gibt mir die Möglichkeit etwas vermeintlich Vernüftiges zu tun, ohne das zu tun was ich gerade jetzt nicht tun möchte. Da muss ich mich nicht bewusst für den Müßiggang und das damit verbundene schlechte Gewissen entscheiden, muss mich aber auch nicht den drohenden Aufgaben stellen. Absurderweise wäre der Müßiggang, also spazieren oder schwimmen zu gehen zum Beispiel eigentlich viel gesünder und oft vernüftiger.

    Mangelnde Impulskontrolle ist ja nicht nur sofort unbedingt etwas bestimmtes tun zu müssen, mangelnde Impulskontrolle kann auch sein, etwas gerade jetzt NICHT tun zu können. Das war mir lange nicht klar.

    Bei mir ist z.B. Post, Steuer, Papierkram, Geld alles mit tiefsitzenden Ängsten verbunden. Diese Arbeiten sind für mich eben nicht nur unangenehm, sie sind beängstigend und je länger ich sie vermeide desto schlimmer wird es. Da kann dann eine sinnlose Arbeit, gegen die ich mich eigentlich entschieden habe (wie bei Dir der komplizierte, langweilige Text) tatsächlich plötzlich viel attraktiver erscheinen, als mich diesen Ängsten zu stellen, auch wenn mir natürlich rational klar ist, dass es dadurch immer schlimmer und nicht besser wird.

    Hat für mich also sowohl mit ADS, der dazugehörigen fehlenden Impulskontrolle und Prokrastination zu tun, aber eben auch mit meinen eigenen inneren psychischen Hürden und Stolpersteinen, die durch die ADS noch unüberwindbarer werden.

    Es kann sein, dass ich bei unangenehmen Aufgaben irgendwo im Forum hängenbleibe und dann für einen X-beliebigen User eine aufwändige Internetrechereche starte, obwohl mich das Thema nicht interessiert, ich die Person nicht kenne und die Person sich vermutlich für das vorgekaute Wissen, die Links und die geschenkte Zeit noch nicht mal bedanken wird. In dem Moment habe ich aber das vermeintliche Gefühl etwas "Vernünftiges" zu tun und nicht meine Zeit zu verschwenden.

    Dass das der helle Wahnsinn ist, weiß ich - und es quält mich sehr - ich habe dafür aber noch keine Lösung gefunden.

    Als ich bei Dir Insolvenz las, dachte ich dass könne bei Dir vielleicht auch Teil des Problem seins. Immerhin muss man sich, auch wenn man sie abwenden will doch gedanklich damit beschäftigen und spürt die Bedrohung stärker als wenn man einen langweiligen Text durchackert.


    Ich habe Deinen Beitrag übrigens gestern früh um 3 Uhr 24 schon gelesen mich aber dazu "entschieden" mich dazu zu zwingen nicht gleich zu antworten, weil ich wusste ich muss um 6 Uhr 30 schon wieder raus und klar im Kopf sein, weil ich einen langen Tag vor mir hatte. Mehr geschlafen habe ich deswegen dennoch nicht. *seufz*

  7. #7
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 251

    AW: Ich kann oft nicht tun, wofür ich mich entscheide. Was entscheidet für mich?

    Hallo Pepperpence,
    danke für Deine Antwort!

    Das Lobo/Passig-Buch habe ich auch hier herumstehen und gelesen, als es noch relativ neu war. Kathrin Passig beschreibt, dass ihr Methylphenidat gut gegen das Aufschieben hilft. Ich hatte, damals beim Lesen gehofft, mir könne es auch so gehen, aber mein Medikamentenversuch verbesserte nichts, sondern in dieser Zeit wurde alles noch viel schlimmer.

    Ich arbeite genau wie Du selbständig und oft auch von zu Hause aus. Mit Festanstellungen habe ich keinerlei Erfahrungen und kann daher nicht einschätzen, ob das für mich etwas verbessern würde. Schlechtes Gewissen habe ich auch, wenn ich "vermeindlich Vernünftiges" mache, aber nicht das, was ich eigentlich tun wollte und/oder tun sollte.

    Du schreibst, Ursache sei mangelnde Impulskontrolle. Ich fand einige Hinweise darauf, dass das Problem eine Störung der Emotionsregulation sei. Was ich noch nicht herausgefunden habe ist, was der Unterschied zwischen Impulskontrolle und Emotionsregulation ist.

    Seltsam ist bei mir, dass ich obwohl ich ja sehr impulsiv bin nicht aufbrausend bin, soll heißen, ich ärgere mich nicht so schnell über das Verhalten anderer Leute und werde nicht leicht wütend. Was Ärger und Wut angeht scheine ich über gute Selbstkontrolle zu verfügen, was nicht zu den anderen Bereichen passt. Oft bekomme ich sowas zu hören wie: "Da wäre ich längst wütend geworden." oder "Meinst Du nicht, dass Du etwas ZU geduldig bist?" Ich glaube es scheint tatsächlich nur so, weil die Selbstkontrolle ja sonst auch nicht gut funktioniert. Tatsächlich ist es ja auch so, dass ich in Fällen, wo mich Leute für meine Selbstkontrolle bewundern gar nicht meine Wut oder meinen Ärger kontrolliere, sondern dass ich gar nicht erst wütend oder ärgerlich werde und es deshalb auch dann gar nichts zu kontrollieren gibt...

    Gute Nacht für heute! Ich merke, dass ich nicht mehr so gut denken kann...
    Geändert von Gianna ( 3.07.2017 um 23:29 Uhr)

  8. #8
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 93

    AW: Ich kann oft nicht tun, wofür ich mich entscheide. Was entscheidet für mich?

    Gianna schreibt:
    Mir stellt sich daher einmal mehr die Frage: Wennich offenbar nicht tun kann, wozu ich mich entscheide, was entscheidet dann eigentlich für mich, was ich dann letztlich mache?
    Ist es etwa der Zufall?
    Warum mache ich Sachen, die langweilig und anstrengend sind und mir nichts bringen und lasse sogar sehr angenehme Tätigkeiten wie Spaziergänge und Klavierspielen "dafür" ausfallen? Offenbar ist es nicht wirklich relevant dafür, was ich letztlich mache, wofür oder wogegen ich mich entscheide.
    Aber was übernimmt dann die Entscheidung für mich? Was leitet mich? Wenn ich mich für Dinge aufraffen kann, die ich nicht tun will und umgekehrt nicht aufraffen zu dem, was ich eigentlich tun wollte, was wirkt da?
    Ich stell mir das so vor wie ein Kräftediagramm, wo die resultierende Kraft die Summe aller Kräfte ist. Ich denke jede Handlung ist mit vielen Emotionen verbunden. Und jede dieser Emotionen zeigt in eine Richtung wie "machen" oder "nicht machen" und jede Emotion hat eine bestimmte Stärke, mit der sie in diese Richtung treibt. Ob du die Handlung nun machst, ergibt sich dann aus der Summe aller Emotionen, wobei dir natürlich nicht alle Emotionen bewusst sind. Wenn die Summe der bewussten Emotionen in die gleiche Richtung zeigt, wie die Summe aller Emotionen dann glaubst du sagen zu können, warum du etwas gemacht oder nicht gemacht hast. Zeigt die Summe aller Emotionen in eine andere Richtung als die Summe der bewussten Emotionen, dann ist die Handlungsmotivation unerklärlich, aber deswegen noch kein (objektiver) Zufall. Häufig wird versucht Prokratinatin nur anhand einer einzelnen Emotion wie Angst, Neugier, etc. zu erkllären. Das klappt aber nicht, oder nur in speziellen Fällen.

  9. #9
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 93

    AW: Ich kann oft nicht tun, wofür ich mich entscheide. Was entscheidet für mich?

    Cocosdegus schreibt:
    Versuch es mal mit Zeilimmit setzen.Ok du darfst dem quatsch nach gehen aber nur so und so lange dann ist Schluss.
    Ich setze mir immer Zeitlimits. Zeitlimit setzen klappt gut. Sich an Zeitlimits zu halten klappt nicht.

  10. #10
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADS / ADHS
    Forum-Beiträge: 1.244

    AW: Ich kann oft nicht tun, wofür ich mich entscheide. Was entscheidet für mich?

    blauzahn schreibt:
    Ich setze mir immer Zeitlimits. Zeitlimit setzen klappt gut. Sich an Zeitlimits zu halten klappt nicht.
    Geht mir genauso.

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