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Diskutiere im Thema "Notabschaltung" des Gehirns im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #1
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 827

    "Notabschaltung" des Gehirns

    Hallo,

    ich habe das schon, so lange ich denken kann: Ich komme in eine bestimmte Situation und mein Gehirn schaltet einfach ab. Ich komme zB ins Behandlungszimmer des Tierarztes und schaffe es noch so gerade eben, ein Gespräch über meine Tiere zu führen, aber nur das Allernotwendigste - kein Smalltalk ist möglich und wenn mir der Arzt was erklärt, höre ich nicht zu, obwohl es doch wichtig wäre, zuzuhören. Ich bin dann einfach "weg", nennt es meinetwegen "dissoziiert". Ich merke dann auch, dass ich weg bin und versuche, dagegen zu lenken, aber es ist wie in einem Moor, aus dem ich nicht herauskomme, das ganze Denken ist ganz klebrig und zäh.
    Man könnte ja meinen, es sei das Thema "Arzt", was angstbesetzt ist, aber ein Tierarzt ist ja nun nicht sooo schlimm, dass man dissoziieren müsste, es geht weder um mich noch um schlimme Krankheiten, sondern nur um Milbenbefall.

    Ich habe noch kein Muster ausmachen können, wann es auftritt. Zuerst dachte ich, es liegt an Autoritätspersonen, aber ich bin mir nicht mehr so sicher. Auf jeden Fall kann ich sagen, dass es ausschließlich in Interaktion mit Menschen auftritt und nie, wenn ich alleine bin. Bei der Interaktion mit vertrauten Personen tritt es weniger stark auf, denke ich, aber auch da passiert es.

    Es belastet mich sehr, weil mein Gehirn immer dann abschaltet, wenn ich es gut gebrauchen könnte. Ich denke, es passiert häufiger in neuen, unbekannten Situationen...mein Gehirn läuft besser, wenn ich in gewohnten Situationen bin und auf eingeübte Handlungsmuster zurückgreifen kann.

    Ich denke nicht, dass diese Notabschaltung einfach mit ADS zu erklären ist, oder was meint ihr? Ich meine, es ist keine einfache Unkonzentriertheit, es ist ein völliges Wegtreten (antworten kann ich noch, aber nur das Notwendigste.) Gibt es da vlt. ein Trauma, das sich auf den allgemeinen Umgang mit Menschen bezieht und im speziellen auf den Umgang mit Autoritätspersonen (ich denke schon, dass es da stärker ist)? Und nun die altbekannte Frage: Kennt ihr das?

    LG Chamaeleon

  2. #2
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 29
    Forum-Beiträge: 1.548

    AW: "Notabschaltung" des Gehirns

    Hallo Chamaeleon,

    nimmst du denn Medikamente/Stimulanzien? Wenn ja, tretet dieses "Wegdriften" dann seltener auf?

    Ich gehe bei deiner Beschreibung jetzt mal eher davon aus, dass du zum hypoaktiven Teil der Betroffenen zählst...

    Könnte in dem folgenden Text eventuell etwas auf dich zutreffen?

    Sluggish cognitive tempo


    SCT-Betroffene verhalten sich von Kindheit an meist gegenteilig zu typischen ADHSlern:
    Statt als hyperaktiv, extrovertiert, störend und risikofreudig aufzufallen, sind sie eher hypoaktiv, träge und zurückhaltend, in Gedanken versunken und mehr in sich gekehrt.
    Kinder und Erwachsene mit SCT fühlen sich oft geistig „nicht ganz da“ und permanent „wie hinter einer Nebelwand“.
    In angeregtem Zustand können sie aber durchaus aufgedreht sein:
    Trotz introvertierten Temperaments suchen sie manchmal stark stimulierende Situationen auf, um sich selbst zu aktivieren und so ihr Wachheitsniveau aufrecht zu erhalten

    Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Sluggish_cognitive_tempo

    Meines Erachtens nach, scheint dieses "abschalten" eine Art "Schutzmechanismus" darzustellen...
    Eventuell vor auftretender Reizüberflutung...

    Könntest du dieses "Wegdriften" vielleicht näher beschreiben?
    Es klingt schon nach einer Art "Dissoziation"



    Grüße

    Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Sluggish_cognitive_tempo
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    Geändert von Brainman (28.04.2017 um 13:49 Uhr)

  3. #3
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 827

    AW: "Notabschaltung" des Gehirns

    Hallo Brainman,

    ja, ich nehme Medikamente, aber nur eine geringe Dosis, 5mg Methylphenidat am Tag. Habe aber das Gefühl, dass an der passenden Medikation noch gearbeitet werden muss. Ich glaube, das Wegdriften tritt unter Medikation weniger oft auf, aber ist nicht ganz weg.

    Habe auch schon gedacht, dass SCT bei mir passen könnte, weil mir mein Gehirn manchmal so laaaaaahm vorkommt, aber irgendetwas hatte ich darüber gelesen, was so gar nicht auf mich zutraf. Habe gerade mal einen Test gemacht und der besagt, dass leichtes SCT bei mir vorliegen könnte, naja, keine Ahnung, ob das stimmt. Gibt ja auch noch keine richtige Diagnose dafür.

    Geistig benebelt bin ich zu Hause und alleine ja auch (meistens) nicht, nur im Zusammenhang mit anderen Menschen. Ich starre auch nicht geistesabwesend ins Leere. Naja, der Rest trifft schon auf mich zu.

    Also, so ganz abwegig ist der Gedanke nicht, aber es ist auch relativ egal, ob ich es habe oder nicht, weil die auf SCT zutreffenden Symptome ohnehin behandelt werden müssen, egal, wie man es nennt. Ich denke, ich werde meinen Neurologen mal darauf ansprechen, ob er mir etwas anderes verschreiben kann, was eher den Noradrenalinhaushalt anspricht (wegen der fehlenden Wachheit/geistigen Klarheit). Habe das Gefühl, MPH sei nur ne Notlösung, die vlt. 20 % hilft.

  4. #4
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 29
    Forum-Beiträge: 1.548

    AW: "Notabschaltung" des Gehirns

    Ich habe auch einen Freund der z.B. ADS´ler + Narkoleptiker ist...

    Er zeigt auch ähnliche Symptome... wie das von dir beschriebene "wegdriften"
    Er nimmt z.B. "Modafinil" was ja auch ein Stimulanz ist, ihn jedoch gleichzeitig auch "anwesend" sein lässt

    Grüße

  5. #5
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 137

    AW: "Notabschaltung" des Gehirns

    Naja 5 mg Methylphenidat sind ja nicht gerade viel
    Klingt für mich eher danach, dass es zu Informationsverlusten im Gehirn kommt. Das heißt das gesprochene Wort des Arztes kommt bei dir im Hirn nicht an und kann nicht verarbeitet werden. Ob das jetzt SCT ist oder ADHS, dadrüber lässt sich streiten. Jedenfalls führt dein oberflächlicher Wahrnehmungsstil dazu, dass du halt schneller K.O. gehst als ein "Normalo".
    Aber meiner Meinung nach lässt sich dieses Problem mit Steigerung der Dosis beheben, da 5mg eine Minidosis ist. Hast du mal deinen Psychiater drauf angesprochen?
    Normalerweise ist es so, dass die Reizfilterung proportional zur Dosis ist. Das heißt je höher die Dosis desto besser die Reizfilterung. Es kommen weniger Reize an, die sind dafür aber stärker und können besser verarbeitet werden.

  6. #6
    Fühlt sich hier wohl

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    Forum-Beiträge: 395

    AW: "Notabschaltung" des Gehirns

    Huhuu ich misch mich mal ein

    Also ich kenne dass von mir auch sehr gut dass ich manchmal einfach irgendwie "abschalte", versuche zuzuhören aber es ergibt alles keinen wirklichen Sinn, ich verstehe keine Zusammenhänge mehr...

    Ich nenns mal "zoned out" ^^

    In meinem Kopf macht es dann quasi "bssssssss", nichts kommt wirklich an...

    Ich erkläre dass für mich durch Reizüberflutung...

    Manchmal ist der Input einfach zu groß, nicht mal direkt auf die Situation bezogen, es ist an dem Tag vielleicht einfach viel passiert, nicht mal unbedingt negativ, man hat viel im Kopf (gerne auch ohne es wirklich zu merken ^^) und der sagt dann "hallo was geht hier ab ich brauch mal ne Pause"

    Ich stell mir das so vor wenn auf ner Autobahn grad auf allen Spuren was los ist und dann ein fetter LKW versucht sich irgendwo zwischen zu drängen, kann es auch schon mal sein dass der ganze Verkehr zum erliegen kommt, dann muss man auch stehen bleiben, egal wie sehr man weiterfahren will (ich hoffe man versteht was ich damit sagen will^^)

    LG Cat

  7. #7
    Ist öfter hier

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    Forum-Beiträge: 137

    AW: "Notabschaltung" des Gehirns

    Ich erkläre dass für mich durch Reizüberflutung...
    Ja man lernt durch den kaputten Reizfilter zu viele Dimensionen mit und nimmt dafür nichts so richtig wahr bzw. man nimmt alles wahr und damit nichts.
    Es kommt kein Reiz so richtig ins Gehirn, weil alles gleich stark drückt.
    Typisch ADHS und durch Medikamente sehr gut zu behandeln

  8. #8
    Fühlt sich hier wohl

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    Forum-Beiträge: 494

    AW: "Notabschaltung" des Gehirns

    Hallo Chamaeleon,

    ich kenne das Phänomen sehr gut, ich nenne den Zustand "da werde ich zur Pflanze" . Es kann in Situationen wie von Dir beschrieben auftreten, besonders oft tritt es aber in Situationen auf in denen ich reizüberflutet bin. Große Runden, Parties, viele Leute, durcheinander reden laute Musik, Strassenfest, voller Bus. Mein Kopf ist dann vollkommen leer, bin nicht in der Lage ein halbwegs interessantes oder auch nur sinnvolles Gespräch zu führen, wenn die Überlastung zu groß wird kann dann dann auch in emotionalen Ausbrüchen (weinen) enden, weil es für mich scheinbar einfach so anstrengend ist so viele Reize zu verarbeiten. Leider mache ich dann sicher auch nicht gerade den intelligentesten Eindruck. Ich selbst glaube schon, dass es mit der ADS zusammenhängt, denn mit Ritalin ist es (meist, aber nicht immer) besser.
    Wenn ich aber mit anderen AD(H)Slern vergleiche, dann scheint es für die meisten nicht diese Probleme zu geben. Ich erinnere mich noch an ein großes Fest mit ausschliesslich ADHSlern, brüllend laute Musik, überall redende Leute, etc. da habe ich im Unterschied zu allen anderen einfach abgeschaltet. Da sitze ich dann wie eine Salzsäule und es geht gar nichts mehr und nach spätestens 1,5 Stunden muss ich fluchtartig gehen, weil ich es nicht mehr ertrage. Keinem anderen der vielen, vielen ADHSlern schien es so zu gehen ... von daher ich weiß es nicht, kann ADS sein, kann auch etwas anderes sein. Du beschreibst aber genau wie es mir in den Situationen geht und es ist wie bei Dir immer nur in Interaktion mit anderen Menschen.

    Bevor ich meine Diagnose hatte hielt ich es für starke soziale Phobie, was sicher auch mit reinspielt. Aber auch den Sozial Phobikern scheinen diese speziellen Situationen weniger auszumachen.

  9. #9
    Fühlt sich hier wohl

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    Forum-Beiträge: 395

    AW: "Notabschaltung" des Gehirns

    @Pepperpence deine Geschichte mit dem Fest erinnert mich sowas von an mich

    @HansTheMance leider helfen Medikamente (und grade eine Erhöhung) nicht immer und die Reizüberflutung kann auch ganz andere Gründe haben z.B. Asperger, Sozialphobie etc, bei mir spielt ADHS und Asperger zusammen, von daher sind Gespräche so oder so oftmals überfordernd...

  10. #10
    Ist öfter hier

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    Forum-Beiträge: 137

    AW: "Notabschaltung" des Gehirns

    @Catlikesrain in diesem Falle aber schon, weil 5mg nicht viel ist. Je höher die Dosis,desto geringer sind die Informationsverluste. Zumindest ist das bei mir so.
    Soziale Phobie stimmt auch, das kann man dann über entsprechendes Coaching regeln.
    Geändert von HansTheMance (28.04.2017 um 21:02 Uhr)

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