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Diskutiere im Thema Das Gefühl, als Person verboten zu sein im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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  1. #31
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 827

    AW: Das Gefühl, als Person verboten zu sein

    Hab jetzt nicht alle Beiträge durchgelesen, aber das, was mir als erstes in den Kopf kam: Ich fand das auch schon immer seltsam widersprüchlich, verantwortlich dafür zu sein, genau in dem Bereich was gebacken zu kriegen, in dem man Defizite hat. Empfand/empfinde das auch als abwertend und erniedrigend. So als würde man einem Einbeinigen sagen: Hey, du läufst nicht gut genug, ändere das mal, lass dir mal ein Bein wachsen. Irgendwie diskriminierend und...unfair.

    ABER: Vielleicht ist diese Aufforderung dazu, die Verantwortung zu übernehmen gar nicht so gemeint...vielleicht ist nur gemeint, dass man verantwortlich ist, selbst so gut mit seinem Defizit zurechtzukommen, wie es geht und sich nicht darauf auszuruhen, dass man eben so ist, wie man ist. Dass man sich bemüht, eine Krücke zu finden, mit der man eben einigermaßen vorwärts kommt und sich nicht immer von jmd. anderem aufm Rollstuhl durch die Gegend fahren lässt. Und wenn man keine Krücke findet, hat man es zumindest versucht und damit die Verantwortung übernommen, man ist selbst aktiv geworden.

    Allerdings kann ich diesen Frust und das Gefühl, nie gut genug zu sein trotz Anstrengung auch nachvollziehen...und die Vorwürfe (und seien sie nur im eigenen Kopf), man hätte keine Verantwortung übernommen und nicht genug versucht. Manchmal versucht man es eben und scheitert, dann muss man das eben annehmen und es vlt. wann anders nochmal versuchen...wir leben halt mit einer "Gib nicht auf"-Mentalität und jeder, der bestimmte Dinge aufgibt, wird als Versager abgestempelt, dabei ist "Aufgeben" an sich ja gar nicht immer schlecht! Manchmal ist es sogar notwendig, um nicht total zu verkrampfen, zu blockieren und gar nicht mehr weiterzukommen, es eröffnet nämlich neue Wege, wenn man eine Sache loslässt - dann kann man vlt. an einer anderen Baustelle weiterarbeiten.

  2. #32
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 238

    AW: Das Gefühl, als Person verboten zu sein

    Chamaeleon schreibt:
    vielleicht ist nur gemeint, dass man verantwortlich ist, selbst so gut mit seinem Defizit zurechtzukommen, wie es geht und sich nicht darauf auszuruhen, dass man eben so ist, wie man ist. Dass man sich bemüht, eine Krücke zu finden, mit der man eben einigermaßen vorwärts kommt und sich nicht immer von jmd. anderem aufm Rollstuhl durch die Gegend fahren lässt. Und wenn man keine Krücke findet, hat man es zumindest versucht und damit die Verantwortung übernommen, man ist selbst aktiv geworden.
    Chamaeleon schreibt:
    So als würde man einem Einbeinigen sagen: Hey, du läufst nicht gut genug, ändere das mal, lass dir mal ein Bein wachsen..
    Bei meiner Arbeit habe ich mitbekommen, wie von gehörlosen Kindern verlangt wird, doch endlich zu hören, und das obwohl das trotz ausgeschöpfter Mittel (Cochlea-Implantat half nicht) einfach nicht möglich war. Ich habe mitbekommen, wie epileptische Anfälle, die medikamentös und chirurgisch nicht unter Kontrolle zu bringen waren als "Verhaltensstörung" beschrieben wurden und der betreffenden Person mit moralischer Bewertung des Verhaltens die mangelnde Aufmerksamkeit während fokaler Anfälle mit Bewusstseinsausfall vorgeworfen wurde.
    Inzwischen glaube ich nicht mehr daran, dass nicht auch von Einbeinigen verlangt wird, sich ein zweites Bein wachsen zu lassen. Hier bin ich inzwischen desillusioniert.

  3. #33
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 827

    AW: Das Gefühl, als Person verboten zu sein

    Gianna schreibt:
    Hallo Lillith,

    nein, so einfach ist nicht. Was mir Spass macht ist oft einfach nicht gut und schadet anderen natürlich. Wenn ich z.B. lieber ein neues Urteil des Bundesverfassungsgerichts lese als eine Rechnung zu schreiben und deshalb meiner Familie Geld fehlt, das dringend gebraucht wird, dann habe ich zwar Spass beim Lesen des Urteils, aber es schadet meiner Familie.
    Ich habe keinen Spass mehr am Lesen des Urteils, wenn ich das nicht dann mache, wenn mir gerade daran ist, sondern dann, wenn ich gerade Freizeit habe oder gar dann, wenn ich das Urteil lesen muss, weil ich es für eine Fallbearbeitung brauche.
    Spass habe ich, wenn ich mache, wonach mir gerade ist und sein lasse, was getan werden muss. Wie soll das gehen, ohne dass ich anderen schade?

    Viele Grüße

    Gianna
    Diesen Zwiespalt kenne ich. Mein Lösungsansatz (für mich) ist, dass ich mir 1 Tag in der Woche Zeit nehme (meist das Wochenende), um wirklich GAR nichts von dem zu erledigen, was andere von mir verlangen und nur mache, wozu ich gerade Lust habe. Das ist total schwer! Andauernd kommen mir Dinge in den Kopf, die ich noch erledigen könnte und ich muss es noch trainieren, mir diese Zeit zuzugestehen. Auch muss ich mir zuzugestehen, dass ich diese Zeit nicht unbedingt sinnvoll nutzen werde, indem ich total coole und kreative Sachen mache wie ein Bild zu malen oder Rad zu fahren...manchmal sitze ich auch nur den ganzen Tag vorm PC. Auch das muss man sich zugestehen. Wie gesagt, ich übe noch und oft schaffe ich es gar nicht, diesen einen Tag einzuhalten, sondern werde von meinem schlechten Gewissen doch noch dazu getrieben, was zu arbeiten. Aber ich glaube, so etwas ist essentiell.

    Hast du denn keine Zeit, um ein Urteil zu lesen UND eine Rechnung zu schreiben? Manchmal hab ich sowas von keine Lust, etwas zu erledigen, dass ich zuerst das Schöne mache (in deinem Fall, das Urteil lese) und dann doch die Pflicht erfülle - so nach dem Motto: Jetzt hab ich mir was gegönnt, also muss ich das auch "bezahlen". Ich esse also erst das Eis und bezahle dann...oder so ähnlich.

  4. #34
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 827

    AW: Das Gefühl, als Person verboten zu sein

    Oh Mann, das, was du geschrieben hast, berührt mich gerade echt...du bist so streng zu dir, aber eigentlich bist du gar nicht so, sondern die internalisierten Ansprüche anderer haben dich so streng gemacht...und du scheinst mir zu viel Verantwortung zu haben. Klar, dass man so streng zu sich ist, wenn ein kleiner Fehler gleich dazu führt, dass anderen Menschen Schaden entsteht.

    Irgendwie kann ich in manchen deiner Beiträge das "ADS-Dilemma" so stark herauslesen, diesen Zwiespalt zwischen Können und Müssen, zwischen dem, was man eigentlich wäre und dem Verstellen zu dem, was man sein muss, um zu überleben. Dass man den Alltag nur so gerade eben bewältigt, aber keine Kraft mehr für etwas darüber hinaus hat, keine Zeit mehr für sich und dem, was man eigentlich könnte und will....Mann, echt traurig.

    Ich glaube, dass "normale Menschen" auch oft keinen Bock auf Pflichten haben, aber dass deren innerer Schweinehund viel kleiner und zahmer ist als der von ADSlern. Sie müssen auch kämpfen, aber sie verlieren dabei nicht so viel Energie. Irgendwer hat hier im Forum mal in etwa geschrieben: Ich habe kein Konzentrationsdefizit, sondern ein Energiedefizit. Ich würde dem noch hinzufügen: Ein Zeitdefizit. Na klar erwächst das daraus, dass man sich nicht auf der Bahn halten kann, weil man abgelenkt wird (d.h. eine Konzentrationsschwäche hat) und antriebsschwach ist, aber ich finde, das setzt nochmal einen anderen Schwerpunkt, der einen neuen Blickwinkel erlaubt, der Neues erkennen lässt (über sich und ADS).

    Sorry, wenn ich hier alles zuspamme, ich bin heute sehr impulsiv.

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