Seite 3 von 4 Erste 1234 Letzte
Zeige Ergebnis 21 bis 30 von 34

Diskutiere im Thema Das Gefühl, als Person verboten zu sein im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #21
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 112

    AW: Das Gefühl, als Person verboten zu sein

    Hallo Gianna!

    Ich habe jetzt nicht mehr alles nachgelesen, weil inzwischen so viel dazu gekommen ist, aber mir fiel dieser Abschnitt von dir besonders auf:

    Das Wort überleben trifft es ganz gut. Ja, fürs Überleben ist ganz gut gesorgt. Es wäre halt schon ganz schön, nicht nur zu überleben sondern auch zumindest halbwegs ein guter Mensch zu sein. Aber ich selbst bin mir nicht so wichtig, das stimmt schon. Es geht mir nicht darum, dass es mir gut gehen muss. Es ist schon ok, wenn es mir nicht gut geht. Es ist nicht Ziel meines Lebens, dass es mir gut gehen soll. Ich habe zwei wichtige Ziele, auf die es mir im Leben ankommt:
    1. Anderen nicht schaden. 2. Etwas schaffen, was die Welt besser macht.
    Auf mein Befinden kommt es wirklich nicht an, wenn es darum geht, was ich will.
    Wie willst du gut für andere sorgen, wenn es dir nicht gut geht, du für dich selbst nicht gut sorgst? Natürlich musst du dir wichtig sein, natürlich sollst du auch Spass haben, dass ist doch die Kraft, die dich auch für andere stark sein läßt. Was anderes könnte ich mir gar nicht vorstellen.
    Wie willst du etwas verändern, wenn du dir selber so egal bist?
    Du hast doch nur ein Leben und willst du am Ende deines Lebens wissen, ich habe mich um andere gesorgt, habe versucht alles gut für andere zu machen und habe selber gelitten?
    Wenn es dir gut geht, muss das ja nicht bedeuten, dass andere dadurch Schaden nehmen müssen. Es ist doch beides möglich!

    Eine Diagnose, ein Medikament ist eine Hilfe, damit du an dir leichter arbeiten kannst oder überhaupt erst mal weißt, wo die Schwachstellen liegen. Aber es nimmt dir leider nicht die Arbeit dich zu verändern ab.
    Auch ein Therapeut kann dich begleiten, dich unterstützen.
    Aber wenn mir einer sagen würde, sie müssen dass oder das machen, damit es ihnen gut geht, wäre dass nicht der Richtige für mich. Er kann mir Wege zeigen, aber gehen muss ich alleine und manche Wege muss ich auch alleine finden, weil sie kein anderer kennt. abe rich kann dann diese Wege mit dem Therapeuten absprechen, mir von ihm zeigen lassen, wie es sich leichter auf diesen Wegen läuft. Und wenn ich mal stolpere, mich auch auffangen lassen.

    Wenn ich deine Texte so lese, liebe Gianna, denke ich, es wäre evtl. wichtger an deinem Selbstwert zu arbeiten, als an Plänen für die Struktur (natürlich geht auch beides zur gleichen Zeit).
    Denn was nützt es dir, wenn du die Aufschieberitis überwindest, dich selbst aber so abwertest, dass du aus dem Jammertal nicht herauskommst?
    Wichtig wäre da evtl. doch selbstbewusst zu sagen, ich kann das heute nicht, aber ich arbeite weiter daran, es zu lernen und ich bin trotzdem ein wertvoller Mensch, der sich auch Gutes tun darf, wie jeder andere Mensch auch.

    Alles Liebe!
    lillith

  2. #22
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 238

    AW: Das Gefühl, als Person verboten zu sein

    lillith schreibt:
    Wenn es dir gut geht, muss das ja nicht bedeuten, dass andere dadurch Schaden nehmen müssen. Es ist doch beides möglich!
    Hallo Lillith,

    nein, so einfach ist nicht. Was mir Spass macht ist oft einfach nicht gut und schadet anderen natürlich. Wenn ich z.B. lieber ein neues Urteil des Bundesverfassungsgerichts lese als eine Rechnung zu schreiben und deshalb meiner Familie Geld fehlt, das dringend gebraucht wird, dann habe ich zwar Spass beim Lesen des Urteils, aber es schadet meiner Familie.
    Ich habe keinen Spass mehr am Lesen des Urteils, wenn ich das nicht dann mache, wenn mir gerade daran ist, sondern dann, wenn ich gerade Freizeit habe oder gar dann, wenn ich das Urteil lesen muss, weil ich es für eine Fallbearbeitung brauche.
    Spass habe ich, wenn ich mache, wonach mir gerade ist und sein lasse, was getan werden muss. Wie soll das gehen, ohne dass ich anderen schade?

    Viele Grüße

    Gianna

  3. #23
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 339

    AW: Das Gefühl, als Person verboten zu sein

    Spass habe ich, wenn ich mache, wonach mir gerade ist und sein lasse, was getan werden muss. Wie soll das gehen, ohne dass ich anderen schade?
    Es kommt drauf an, WAS das ist, finde ich. Klar, Rechnungen müssen geschrieben werden.
    Aber nicht alles, was du gerne tust, schadet anderen. Auch nicht unbedingt dann, wenn sie sich bechweren.

    Ich weiß jetzt nicht, wie deine Familie denkt und handelt und will euch auch nichts unterstellen.

    Aber manche Menschen erzeugen - zumindest in mir - das Gefühl, ich würde ihnen schaden. Was aber objektiv gar nicht der Fall sein muss. Meistens wenn ich es ablehne, ihnen gewisse Dinge abzunehnen und sie auffordere, es erstmal selbst zu versuchen.
    Der "Schaden" besteht in diesem Fall darin, dass man es ihnen einfach nicht mehr so bequem macht.

    Dazwischen und zwischen den "Notwendigkeiten" zu unterscheiden, finde ich sehr schwer, aber ich denke, dass man das rausfinden muss. Bin selber noch dabei.

    Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass ALLES, was dir Spaß macht, wirklich anderen schadet, auch wenn es vielleicht einige gerne so darstellen...

    Wenn ich deine Texte so lese, liebe Gianna, denke ich, es wäre evtl. wichtger an deinem Selbstwert zu arbeiten, als an Plänen für die Struktur (natürlich geht auch beides zur gleichen Zeit).
    Diesen Eindruck hatte ich beim Lesen deines Fadens auch. Wenn ich alleine schon lese, dass du es dir nicht wert bist, dass es dir gut geht! Doch, ich finde, das solltest du dir wert sein. Und nicht primär, damit du anderen helfen kannst - sondern schlicht und einfach um deiner selbst willen.

    Ach so: Was tut deine Familie für DICH?

  4. #24
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 238

    AW: Das Gefühl, als Person verboten zu sein

    Ich bekomme viel Unterstützung von meiner Familie, auch finanziell in erheblichem Umfang. Es trifft nicht zu, in meinem Fall, dass manche Menschen in mir das Gefühl erzeugen, ich würde ihnen schaden, obwohl das objektiv nicht der Fall ist. Ich habe ganz reale Schäden verursacht.

    Aber stell Dir mal einfach vor, ich wäre eine Person, durch deren Prokrastination 50 Leute ihre Arbeit verloren hätten weil eine wichtige unternehmerische Entscheidung aufgeschoben wurde und die deswegen jetzt ins Hartz IV rutschen. Das ist eine Sache, die leider in der realen Arbeitswelt wirklich passieren kann. Man kann mit Prokrastination wirklich viele schlimme Dinge anrichten, wenn man nur zu viel Verantwortung übernommen hat um das zu verhindern. In bestimmten Berufen kann man so bestimmt auch Leute töten, z.B. wenn man bestimmte wichtige Sicherheitsmaßnahmen wegen Prokrastination nicht durchführt und hofft, es werde schon gut gehen.

    Ich muss es entweder schaffen, dass es nicht mehr dazu kommt, dass andere Leute davon abhängig sind, dass ich meine Aufgaben rechtzeitig erledige, oder solche Aufgaben eben rechtzeitig erledigen.
    Anderenfalls verhalte ich mich ganz klar falsch und schade anderen. Ich habe nicht das Recht dazu, auch wenn es mir noch so gut tun mag, wenn ich einfach lese, was mich gerade interessiert, wann immer mir danach ist oder so. Das geht einfach nicht und ist zu Recht nicht erlaubt.

    Ich denke gerade an den Schlecker-Prozess. Man kann leicht anderen schaden, wenn man Verantwortung übernommen hat.
    Geändert von Gianna ( 8.03.2017 um 22:09 Uhr)

  5. #25
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.864

    AW: Das Gefühl, als Person verboten zu sein

    Gianna schreibt:
    nein, so einfach ist nicht. Was mir Spass macht ist oft einfach nicht gut und schadet anderen natürlich. Wenn ich z.B. lieber ein neues Urteil des Bundesverfassungsgerichts lese als eine Rechnung zu schreiben und deshalb meiner Familie Geld fehlt, das dringend gebraucht wird, dann habe ich zwar Spass beim Lesen des Urteils, aber es schadet meiner Familie.
    Ich habe keinen Spass mehr am Lesen des Urteils, wenn ich das nicht dann mache, wenn mir gerade daran ist, sondern dann, wenn ich gerade Freizeit habe oder gar dann, wenn ich das Urteil lesen muss, weil ich es für eine Fallbearbeitung brauche.
    Spass habe ich, wenn ich mache, wonach mir gerade ist und sein lasse, was getan werden muss. Wie soll das gehen, ohne dass ich anderen schade?
    Wenn ich das richtig verstanden habe, dann hängt es von den äußeren Bedingungen ab, ob dir das Lesen des Urteils Spaß macht oder nicht. Nur wenn du mit dem Lesen des Urteils gleichzeitig unangenehme Aufgaben prokrastinierst, macht es dir Spaß. Weil du den unangenehmen Aufgaben aus dem Weg gegangen bist, entsteht bei dir kurzfristig ein positives Gefühl. Kurzfristig schadet dir diese Handlung also nicht, im Gegenteil. Sie hilft dir. Und für dich ist sie eine Schutzfunktion. Und das hat erstmal recht wenig mit ADHS zu tun, sondern allenfalls mit den Folgen von ADHS.

    Ich zitiere mal aus deinem anderen Thread:
    Es ist der Beweis dafür, dass das, wie ich eigentlich bin wirklich schädlich für andere Leute ist
    Bist du schädlich als Mensch schädlich für Andere Menschen oder ist es dein Verhalten? Denkst du, dass du dein Verhalten ändern kannst?

    und dass ich tatsächlich ein schlechter Mensch bin.
    Bist du schlecht oder ist dein Verhalten schlecht? Was ist für dich der Unterschied zwischen deinem Verhalten und dem, was dich als Mensch ausmacht?

    Ich habe jetzt den Beweis, dass ich einen Haushalt in Grundordnung halten kann, trotz ADHS und dass es jetzt für die anderen viel besser ist als vorher.
    Was hast du verändert, um eine Grundordnung in deinen Haushalt zu bekommen? Hast du dein Verhalten geändert oder hast du dich als Menschen verändert?

    Das ist der Beweis, dass es falsch war, dass ich es vorher nicht gemacht habe und immer noch am liebsten nicht machen würde.
    War es dir vorher schon klar, dass es falsch ist, dass du es nicht gemacht hast oder ist dir das erst im Nachhinein klar geworden? Was würdest du am liebsten nicht machen? Den Haushalt nicht machen? Dein Verhalten ändern? Dich als Menschen ändern?

    Das wiederum ist der Beweis, dass die anderen im Recht waren, als sie mich schlecht behandelten, weil ich so war.
    Wer hat das Recht dich schlecht zu behandeln? Woher kommt dieses Recht. Und was war so, dass sie dich schlecht behandelt haben? War dein Verhalten "schlecht"? Oder warst du ein "schlechter" Mensch?

    Das beweist, dass man mich schlecht behandeln darf, wenn ich bin wie ich bin. Ich habe nur das Recht, gut behandelt zu werden, wenn ich mich selbst wie ich eigentlich bin aufgebe."
    Was hast du aufgegeben? Hast du eine Verhaltensweise aufgegeben? Hast du dich als Menschen aufgegeben? Wer bist du, was macht dich als Menschen aus? Was ist dein Verhalten? Was kannst du änden? Was passiert, wenn du dein Verhalten änderst? Wie wirkt sich eine Verhaltensänderung bei dir auf dich als Menschen aus?

    Du musst das hier nicht ausformulieren, das sind nur kleine Denkanstöße.
    In deinem anderen Thread hast du ja schon beschrieben, wie es bei dir zum Aufschieben kommt und welche Gedanken sich da bei dir abspielen und wie es dir geht, wenn du nicht aufschiebst. Dein Selbstwertgefühl ist aus deiner Sicht besser, wenn du aufschiebst. Aus deiner Sicht spricht recht wenig für das Beenden des Aufschiebens. Das Aufschieben hat für dich schon eine so wichtige Funktion, dass dich ganze sehr beherrscht. Und auch das hat mit ADHS direkt sehr wenig zu tun. Deine Problematik ist anders gelagert und daher muss das meiner Meinung nach auch anders angegangen werden und gehört in die Hände eines kompetenten Therapeuten. Den hast du ja schon gefunden.

  6. #26
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 238

    AW: Das Gefühl, als Person verboten zu sein

    Danke für Deine Antwort!
    Fliegenpilz schreibt:
    Wenn ich das richtig verstanden habe, dann hängt es von den äußeren Bedingungen ab, ob dir das Lesen des Urteils Spaß macht oder nicht. Nur wenn du mit dem Lesen des Urteils gleichzeitig unangenehme Aufgaben prokrastinierst, macht es dir Spaß.
    Nein, so ist es nicht. Es macht mir einfach Spass, wenn es mir eben gerade Spass macht und wenn nicht eben nicht. Manchmal ist das zufällig dann, wenn ich es auch gerade machen sollte oder sogar ganz dringend muss. Das passiert schon auch, aber wenn dann eben nur zufällig.
    Es macht mir nicht Spass, weil ich damit unangenehme Aufgaben vermeiden kann, sondern es macht mir Spass, weil ich wissen will, was da drin steht und es mich echt sehr interessiert und weiterbringt in meiner Entwicklung und meinen Gedanken. Dann ist es intrinsische Motivation und es geht leicht.
    Es verdirbt mir nicht den Spass, wenn es gleichzeitig auch noch notwendig und sinnvoll für andere ist. Es ist nur davon völlig unabhängig.
    Glück haben ich und die anderen Menschen, wenn ich zufällig gerade mal denken will, was ich denken soll... Dann erledige ich meine Pflichtaufgaben.

    Auf die folgenden Fragen möche ich Antworten:
    Fliegenpilz schreibt:
    Was ist für dich der Unterschied zwischen deinem Verhalten und dem, was dich als Mensch ausmacht?
    Was hast du verändert, um eine Grundordnung in deinen Haushalt zu bekommen? Hast du dein Verhalten geändert oder hast du dich als Menschen verändert?
    Mein Verhalten ist ein wichtiger Teil dessen, was mich als Mensch ausmacht. Um eine Grundordnung im Haushalt zu bekommen habe ich natürlich mein Verhalten geändert. Anfangs gelangen viele Versuche, das hinzubekommen nicht. Eines Tages hat es plötzlich geklappt. Also es ist nicht so, dass es jetzt leicht wäre oder ein echt ordentlicher Haushalt wäre, aber es ist so, dass es ausreichend funktioniert und nicht mehr problematisch ist. Was ich an diesem Tag geändert habe war etwas ganz Zentrales, nicht einfach nur mein Verhalten.
    Geändert habe ich da vor allen Dingen meine Einstellung insbesondere zu mir selbst und mein Weltbild. Erst dadurch konnte ich die Ordnung im Haushalt einführen. Das klappt jetzt auch nicht soo doll gut, aber eben einiger Maßen.

  7. #27
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 61
    Forum-Beiträge: 2.080

    AW: Das Gefühl, als Person verboten zu sein

    Kokret heißt das: Ich darf nicht aufhören zu Arbeiten, weil das viel kaputt machte. Ich darf auch nicht weiter Arbeiten, weil das viel kaputt macht, solange ich die Prokrastination nicht in den Griff bekomme.
    Ich darf also nicht leben. Sterben darf ich auch nicht, das wäre moralisch betrachtet auch sehr schlimm und überhaupt sähe ich das auch kein Stück ein. Hier gibts kein sozialverträgliches Frühableben und außerdem wäre das nicht sozialverträglich sondern sozialschädlich. Da gibt es einige Leute, denen sehr viel daran liegt, dass ich noch lange weiter lebe. Ich selbst gehöre ganz entschieden dazu aber es sind eben noch viel mehr Leute, denen das schadete, wenn ich nicht mehr da wäre.

    Hallo du Liebe


    das ließt sich echt Kacke und ich merke auch, dass es dir wirklich Kacke geht (entschuldige den Begriff, ich finde gerade, dass er passt).

    Ich selber hatte vor nicht allzulanger Zeit ganz ähnliche Gedanken und kam aus diesem dämlichen Gedankenkreis nicht raus. Wie auch, das sind Depressionen, sogar ziemlich heftige. Die Krux bei Depressionen ist aber, dass man da nicht so einfach den Ausgang aus dem Hamsterrad findet. Mann rennt und rennt und rennt und dann geht die Kraft zum Rennen aus und dann bleibt man auf dem unteren Punkt der Rades liegen und kann einfach nicht mehr aussteigen.

    So jedenfalls war das bei mir.

    Das zog sich über Jahre, mal mehr, mal weniger aber mit einer stetigen Abwärtsbewegung.


    Die Tür zum Ausstieg war für mich ein 8 wöchiger Aufenthalt in einer sehr guten Fachklinik für ADHS und Depressionen. Dort konnte ich den Ausgang aus dem Hamsterrad erkennen und bin jetzt dabei die Tür weit aufzumachen und bald werde ich auch bestimmt aussteigen können.


    alles Liebe Elwirrwarr

  8. #28
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 238

    AW: Das Gefühl, als Person verboten zu sein

    Fliegenpilz schreibt:
    Was hast du verändert, um eine Grundordnung in deinen Haushalt zu bekommen? Hast du dein Verhalten geändert oder hast du dich als Menschen verändert?
    Fliegenpilz schreibt:
    Hast du dich als Menschen aufgegeben?
    Hierzu möchte ich noch etwas ergänzen:
    Ja, ich glaube ich habe mich dadurch als Mensch ein beträchtliches Stück weit aufgegeben. Damals habe ich mir gesagt: OK, ich mach das jetzt mit der Ordnung. Mein Mann wird schon merken, was das (Negatives) bedeutet. Er hat es nicht gemerkt, sondern schimpft seither nicht mehr über die Unordnung im Haushalt. Es stabilisiert ihn. Dass ich mich dadurch jetzt jeden Tag immer wieder zu diesen Aufgaben zwinge und dass es mir schlecht damit geht und dass ich ständig aus einem solchen Leben flüchten möchte ist ihm vermutlich nicht aufgefallen. Ich glaube er merkt nicht, dass das so viel Energie raubt, dass ich dadurch manches anderes eben nicht mehr hinbekomme.

    Ich kann mir durchaus vorstellen, dass ich es irgendwie auf die Reihe bekommen kann, so halbwegs zu funktionieren, sprich die nötigsten Aufgaben gerade so ausreichend auf die Reihe zu bekommen, auch über den Haushalt hinaus. Allerdings glaube ich auch, dass das bedeutete, dass daneben gar nichts mehr ginge.
    Ich stelle mir so ein Leben als ein Leben als Dauerkampf vor, an dessen Ende ich mir denke: "Ach schade drum, ich hab mein Leben verschwendet und jetzt ist es schon vorbei."
    Ein Leben, indem ich den Anforderungen gerade noch genüge bedeutet für mich gleichzeitig ein Leben in ständiger Über- und Unterforderung zugleich. Es ist ein Leben, indem ich die ganze Zeit mache, was ich kaum kann und nicht dazu komme zu tun, was ich gut kann.
    Und dagegen sträubt sich viel in mir.
    Es klappt für mich nicht, die alltäglichen Anforderungen zu bewältigen und trotzdem auch noch etwas darüber hinaus hinzubekommen, bei dem ich meine Stärken, die ich, wie alle Menschen nämlich auch habe, einzusetzen. Viele Leute können das offenbar weil sie das ja auch machen.
    Bei mir ist da irgendwie ein entweder-oder.
    Entweder ich bekomme das Nötigste hin, um den Preis, sonst nichts mehr schaffen zu können, oder ich schaffe sonst etwas, also etwas, bei dem ich meine Stärken nutzen kann, aber um den Preis, nötige Dinge liegen zu lassen/sein zu lassen.
    Es gab schon Zeiten, in denen ich etwas hinbekommen habe, z.B. eine kleine Zeitschrift mit herausgeben und dafür Artikel schreiben. Aber das waren Zeiten, in denen ich keinen Haushalt hatte, sondern gar keinen Wohnsitz sondern nur einen Unterstellplatz für meine Sachen, eine Reisetasche mit Kleidung und Waschzeug und täglich im Büro geschlafen habe und mich in den Duschen der Sporträume gewaschen habe. Ums Geld musste ich mich in der Zeit auch gar nicht kümmern, weil ich angestellt war und es ohne irgendwelche Bemühungen meinerseits einfach so auf mein Konto floss. Essen war nur Kantinenessen, also für mich keine Mühe und ich musste kaum je einkaufen gehen. In dieser Zeit fühlte ich mich nicht ausgebremst.

    Mit Haushalt und sonstigen Aufgaben, die für mich nur sehr schwer und nur notdürftig bewältigbar sind und von denen ich mich dauerübrerfordert fühle, fühlte ich mich dann jahrelang stark ausgebremst. Irgendwann habe ich dann angefangen, mir auch das, was ich eigentlich kann nicht mehr richtig zuzutrauen.

    Ich habe unpraktische Stärken. Im Wesentlichen kann ich gut Lesen und mir dadurch viel und komplexes Wissen ansammeln, Recherchieren, anderen etwas erklären, etwas analysieren, mit Sprache umgehen, schriftlich wie mündlich und mein logisches Denken funktioniert auch ganz gut. Darum kam auch im Intelligenztest (ich hatte mehrere in meinem Leben) immer ein recht hoher Verbal-IQ heraus.
    Aber mein Handlungs-IQ ist sehr viel niedriger als der Verbal-IQ. In der Praxis heißt das, dass mir so eigentlich einfache Dinge wie der Haushalt, mich zu waschen, eine Rechnung schreiben aber auch der ganze Bereich der Selbstorganisation so schwer fallen, dass ich mich davon dauerüberfordert fühle.

    Es gibt sogar eine Diagnose dafür: Dissoziierte Intelligenz.
    Ich sage machmal: "Ich kann gut labern, nur ist nix dahinter." wenn ich es negativ ausdrücken möchte. Positiv ausgedrückt könnte man sagen: "Ich bin halt so eine Intellektuelle, deren Stärken nicht im praktischen Bereich liegen." Als ich noch Kind war nannten Sie mich "zerstreuter Professor".
    Oft denke ich mir, dass mir eine Arbeit an der Universität gut täte. Wenn ich etwa vor einer meiner Klassen in der Berufsschule stehe denke ich mir oft, dass ich wahrscheinlich auch gut in der Lehre an einer Universität mit Studierenden zurecht käme. Das wäre vielleicht sogar deutlich einfacher, weil ich das Niveau nicht immer so stark senken müsste. Es macht immer Spass, während ich unterrichte. Warum nicht auch an einer Universität. Lesen, Recherchen, Analysieren, Schreiben, und Vorträge halten sind nicht unwichtige Bereiche der Arbeit an einer Universität.
    Nur werde ich da nie landen, weil ich nur gerade so ausreichende Examina gemacht habe. Und ich werde vielleicht nie erfahren, ob die Examina so schlecht sind, weil es mit meinen Stärken eben doch nicht soo weit her ist, oder weil meine Schwächen bessere Noten verhindert haben. Insgeheim glaube ich noch immer fest an Letzteres. Vielleicht ist das aber auch pure Einbildung zum Selbstwertschutz.
    Manchmal denke ich mir: Ich muss noch einmal studieren und dann einen hervorragenden Abschluss hinlegen und hinterher promovieren. Oder ich dennke, ich sollte einfach versuchen, jemanden davon zu überzeugen, dass ich trotz meiner schlechten Noten promovieren darf. Grundsätzlich geht das nämlich. Es gibt Leute, die das tun.
    Das kann ich aber zum einen nicht finanzieren und zum anderen erfordern eben auch ein Studium und eine Promotion mehr als die Fähigkeiten, die ich tatsächlich habe. Es reicht nicht, dass ich die dafür nötigen Kerntätigkeiten echt gut kann, wenn ich dafür auch nötige, wenn auch weniger wichtige Fähigkeiten nur schwach ausgeprägt habe.
    Was zum Beispiel nützen am Ende umfangreiche Recherchen, eine tolle Auswertung und interessante wissenschaftliche Erkenntnisse, wenn ich es nicht auf die Reihe bekomme, die Quellennachweise sauber, richtig, vollständig und ordentlich in die Arbeit hineinzubringen? Und noch schlimmer, was bringt das alles, wenn meine Arbeit unstrukturiert bleibt, weil hier wieder meine Mängel durchschlagen.

    Es ist auch nicht mangelndes Selbstvertrauen, wenn ich sage, dass ich diese Mängel habe, genauso wenig wie ich glaube, dass es Arroganz und Selbstüberschätzung ist, wenn ich von meinen Stärken spreche. Das glauben nur nicht so viele Leute und außerdem kommt zwar im IQ-Test ein normaler Gesamt-IQ raus, wenn man meine Stärken und Schwächen verrechnet.
    In der Realität lassen sich diese aber nicht einfach so verrechnen. Da ist das viel komplizierter. Da kann eine unkompensierte Schwäche eine Stärke schon bisweilen komplett wertlos machen.
    Geändert von Gianna (10.03.2017 um 17:06 Uhr)

  9. #29
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Forum-Beiträge: 82

    AW: Das Gefühl, als Person verboten zu sein

    Mädels!!!
    Lest das ganze doch mal 1 Tag später,was ihr da so von Euch gebt.
    Verbaldespotin.
    Alles klein zerreden hat noch nie was gebracht.
    Und ja: wenn es Dinge gibt,die man nicht(mehr)beeinflussen kann,muss man nur die persönliche Einstellung dazu ändern.
    So wie Euer Dobrint die Abgasnormwerte einfach erhöht und fluggs ...alles wieder gut.
    Glg eines Kämpfers ...mischi

  10. #30
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 238

    AW: Das Gefühl, als Person verboten zu sein

    @mischi
    Ich habe nicht verstanden, was Dein Beitrag sagen soll.
    Was is eine Verbaldespotin? Wer zerredet was klein?
    Wer ist mit "Mädels" gemeint? Was hat das mit Dobrint zu tun und wieso "Euer Dobrint"? Wessen Dobrint?
    Worauf beziehst Du Dich bei "Dinge, die man nicht (mehr) beeinflussen kann"?
    Das mit dem "nur die persönliche Einsellung dazu ändern" ist offenbar ironisch gemeint. Sonst verstehe ich aber nicht, was Du damit wohl sagen willst.
    Wer sagt, man solle nur die persönliche Einstellung ändern und dann sei alles wieder gut?
    Ehrlich, ich habe keine Ahnung, was Du mitteilen wolltest und mich verwirrt Dein Beitrag lediglich.

Seite 3 von 4 Erste 1234 Letzte

Ähnliche Themen

  1. Gefühl ausgeschlossen zu sein
    Von nadyle im Forum Angehörige von Erwachsenen mit ADS/ADHS
    Antworten: 31
    Letzter Beitrag: 24.01.2016, 12:22
  2. Das Gefühl als unterprivilegiert abgestempelt zu sein!
    Von Mistwalker im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
    Antworten: 69
    Letzter Beitrag: 10.12.2015, 21:45
  3. Ständig frustriert bzw. das Gefühl ein Versager zu sein
    Von Brillo29 im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
    Antworten: 8
    Letzter Beitrag: 7.05.2015, 22:02
  4. ...das Gefühl immer gescheitert zu sein..
    Von kaori32 im Forum ADS ADHS Studium Beruf und Ausbildung
    Antworten: 7
    Letzter Beitrag: 31.08.2013, 10:06
Thema: Das Gefühl, als Person verboten zu sein im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
©2017 ADHS bei Erwachsenen Forum