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Diskutiere im Thema Unbändige Wut im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #41
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.822

    AW: Unbändige Wut

    Natürlich ist es immer besser, wenn beide Seiten dran arbeiten. Für mich hast du es Gianna aber so ausgedrückt, als sei es eine Pflicht sich auf diese Arbeit einzustellen. Eine Pflicht des Außenstehenden und keine Pflicht des ADHSlers. Der ADHSler ist krank, und hat deswegen das Recht auf Inklusion in Form von Akzeptanz der Wut und ihrer Auslöser und damit verbundenen Einschränkungen der Anderen. Wut müsse inkludiert werden.

    Das ist der Punkt, den ich gänzlich anders sehe. Es ist schön, wenn jemand auf Bedürfnisse eingeht, es ist aber keine Schande, wenn er es nicht tut, zumal dem ADHSler eben andere Möglichkeiten dieses Thema zu behandeln zur Verfügung stehen, was bei Veränderungen durch Hirntumore oder Unfälle, Rollstuhlfahrern, geistig Behinderten, Sehbehinderten etc nicht der Fall ist.

    Und selbst der krebskranke Patient muss zum Schutz von anderen und Sachgegenständen zuhause bleiben oder gehen, wenn er zu solchen Entscheidungen fähig ist, und kann nicht einfach auf gut Glück in Kauf nehmen, das er irgendetwas/jemanden schädigt. Um es mal völlig überspitzt zu vergleichen, von Pyromanen, Pädophilen, Kleptomanen etc erwarten wir das auch. Bei Schädigung anderer, egal ob physisch oder psychisch, und egal ob durch physische oder psychische Erkrankungen ist eine "Inklusion" in Form von Entgegenkommen nicht möglich, ohne andere zu gefährden. Die Verantwortung liegt beim Kranken selbst, nicht bei der Gesellschaft. Die übernimmt erst Verantwortung, wenn der Kranke diese nicht übernimmt und Schaden droht.

    Die Entscheidung ob jemand an sich arbeitet ist trotzdem freiwillig, die Konsequenzen sind nur meist sehr konträr.

    Es ist übrigens etwas anderes, ob ich jemand aggressiven bei mir wohnen habe, oder nicht. Ob es ein Bekannter/Freund ist, oder ein Elternteil, Kind, Partner. Rücksicht geht eben nur bis zu einem gewissen Grad, wie du ja selbst sagst. Inklusion von Wutproblemen in Familien und Haushalten ist nicht möglich, ohne die anderen enorm zu schädigen.
    Geändert von creatrice (13.03.2017 um 13:08 Uhr)

  2. #42
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 211

    AW: Unbändige Wut

    @creatrice:
    Ich weiß nicht, ob wir wirklich etwas Unterschiedliches meinen und bin mir nicht so sicher, ob Du mich wirklich so verstanden hast, wie ich es meine.

    Ich versuche es noch mal mit dem Beispiel des krebskranken Mannes mit den Tumoren im Kopf, weil es hieran so gut erklärt werden kann:
    Er hat nie einfach auf gut Glück in Kauf genommen, dass er irgendetwas/jemanden schädigt und ja, er ist meistens zu Hause geblieben. Trotzdem war es aber möglich, ihm "entgegenzukommen" wie Du es nennst. Ich konnte die Barriere "geschlossener Raum" abbauen, wenn er hier war und habe das gemacht. Sein Arzt hat in seinem Fall Hausbesuche gemacht und wenn das nicht möglich war auch Fenster und Türen geöffnet gehalten. Das war auch nötig, denn sonst hätte dieser Mann keine ärztliche Hilfe mehr bekommen. Die braucht man aber auch bei Krebs im Endstadium. Die Alternative wäre gewesen, ihn elendig verrecken zu lassen.
    Er hatte auch trotz seiner Tumoren noch das Recht auf Nahrung, musste also die Möglichkeit bekommen, trotz der Barriere, die geschlossene Räume für ihn bedeuteten Essen einkaufen zu können. Hier halfen Lieferservice und Online-Bestellung und Nachbarschaftshilfe. Er konnte auch noch auf dem Markt einkaufen, weil das ja draußen ist.

    Schwierig ist der Bereich mit den Sozialkontakten. Ein Recht auf Nahrung, ärztliche Hilfe usw. kann man durchsetzen. Aber man kann die Leute nicht zwingen, sich mit einem noch abzugeben, wenn man so krank ist. Es ist sehr bitter, weil so ein gesellschaftlicher Ausschluss die Dinge schlimmer macht als sie sind und eben nicht in allen Fällen unbedingt notwendig ist.
    Ich persönlich sehe mich schon moralisch dazu verpflichtet, einen Menschen nicht aufzugeben, nur, weil ich es im Umgang mit der Person nicht ganz so leicht habe, wie normal und z.B. selber hinfahren muss, statt besucht zu werden oder halt Fenster und Türen offenhalten muss, wenn ich mich besuchen lasse.

    Mit keinem Wort habe ich gesagt, dass man sich dafür gnadenlos überfordern soll oder dass alles möglich sei, wenn man nur genügend Rücksicht nimmt. Ich stehe aber dazu, dass oft weit mehr möglich ist, als man im ersten Moment vermuten wurde und dass es sich oft lohnt, eine Person nicht einfach so auszuschließen.

    Man kann übrigens mit einer Person mit Wutproblemen eine Partnerschaft nötigenfalls auch ohne gemeinsame Wohnung und Haushalt noch führen und es muss nicht unbedingt so sein, dass es nur genau zwei Alternativen gibt, die da heißen: Trennung oder die Person mit dem Wutproblem schädigt die Partnerin/den Partner. Und ein Wutproblem heißt ja auch nich in jedem Fall, dass man sich 0 im Griff hat und im Zweifel anderer Leute Dinge zerstört oder Menchen schlägt oder so.
    Es kann auch einfach sein, dass einem immer wieder unfreundliche Worte in unfreundlichem Ton herausrutschen und man bekommt es nicht in den Griff.

    Ich kenne z.B. einen Autisten, der oft etwas sagt, was mich verletzen würde, wenn ich mich davon verletzt fühlen würde und seine Problematik nicht kennen würde. Jetzt weiß ich, dass er es nicht verletzend meint, auch wenn es aus Wut heraus kommt. Er weiß, dass die Wut nichts mit mir zu tun hat, auch wenn sie durch mein Verhalten ausgelöst werden kann, sondern sie kommt, wenn er überfordert ist. Er spürt sie trotzdem und sagt trotzdem noch Sachen, von denen ich mich verletzt fühlen könnte, aber ich fühle das nicht mehr, seit ich das alles weiß. Ich weiß dann nur: Oh, jetzt ist er grad überfordert. Ich kann ihm dann helfen, die Überforderung abzubauen oder auch weggehen und er weiß dann, warum ich weggehe und dass es nicht gegen ihn ist.
    Außenstehende halten mich für bescheuert und denken sich dann: Was lässt die sich von dem so anreden/beschimpfen/anschreien. Mir ist es aber inzwischen egal, was andere dazu denken und ob sie meinen, ich würde mir damit schaden. Das ist nur deren Unwissenheit dazu und woher sollten sie es auch wissen...

    Viele sagen, ich sei übermäßig geduldig und sie könnten das nicht. Ich fühle mich seltenst angegriffen, wenn mich jemand beschimpft, weil es soo oft ein Problem dieser Person ist und nichts mit mir zu tun hat. Dann fühle ich mich einfach nicht verletzt, sondern ich fühle Mitleid. Weil ich das hinbekomme kann ich mit manchen Menschen arbeiten, mit denen andere einfach nicht klar kommen.
    Geändert von Gianna (13.03.2017 um 14:06 Uhr)

  3. #43
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 211

    AW: Unbändige Wut

    creatrice schreibt:
    Bei Schädigung anderer, egal ob physisch oder psychisch, und egal ob durch physische oder psychische Erkrankungen ist eine "Inklusion" in Form von Entgegenkommen nicht möglich, ohne andere zu gefährden. Die Verantwortung liegt beim Kranken selbst, nicht bei der Gesellschaft. Die übernimmt erst Verantwortung, wenn der Kranke diese nicht übernimmt und Schaden droht.
    So pauschal stimmt das auf alle Fälle NICHT. "Die Gesellschaft" ist zum Glück kein einheitliches Ding. Viele Leute übernehmen Verantwortung schon bevor es richtig schlimm ist ("wenn der Kranke diese nicht übernimmt und Schaden droht").
    Mann sperrt Leute erst dann per Zwangseinweisung in die Psychiatrie, aber einen Teil der Verantwortung dafür, dass Leute nicht wegen einer Erkrankung anderen schaden/gefährlich werden übernehmen auch andere Leute als nur die Person selbst recht oft schon weit vorher. Das jedenfalls sind meine Erfahrungen.

  4. #44
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.822

    AW: Unbändige Wut

    Ich sprach von der Pflicht , nicht von dem, was man aus eigenem Willen machen möchte. In deinen ersten Beiträgen hast du aber von einer gewissen Pflicht gesprochen, indem du auf Inklusion eingegangen bist.

    Es ist schön, wie empathisch du bist, wie du auf andere eingehst.
    Du kannst aber bei all deinen Beispielen die Häufigkeit selbst wählen, und du lebst nicht mit den Personen zusammen.
    Mit Moral oder Aufgabe hat es nichts zu tun, wenn man sich distanziert oder die Verantwortung an den Verursaxher abgibt. Du sprichst ausschliesslich von moderaten Fällen und Fällchen, die kein permanentes "Ertragen" beinhalten. Mir geht es um die, die eben nicht flüchten können, die täglich damit zu tun haben. Kinder z. B., die lernen von klein auf verbale und/oder körperliche Übergriffe bei krankhaften Wutausbrüchen der Eltern oder eines Elternteils. Ehepartner die jahrzehntelang ertragen.
    Diese Personen leisten ihr Leben lang tagtäglich im privaten Umfeld Schwerstarbeit für den Aggressor und sich selbst. Sie müssen selbst leben und ständig auf der Hut sein, sie müssen diplomatisch sein, das eigene Ego irgendwie selbst oben halten, sie versuchen Dinge zu managen, die keine Logik oder Bestand haben. Mit ein bisschen Wissen was reizen könnte ist es eben nicht getan. Das kann bei Arbeitsstress die Sauce sein, die vom Löffel auf den Holztisch tropft, oder bei aufregender Nachrichtenlage die Frage ob er/sie auch einen Tee will, während was im Fernsehen läuft oder eine Rose geschnitten wird. Manche werden dafür "nur" angebrüllt, anderen wird gedroht, sie werden beschimpft, oder sogar physisch angegangen.

    Wie genau willst du da entgegenkommen? Was hat das mit Moral zu tun? Wieso soll da jemand ausser der Person mit dem Wutproblem an etwas arbeiten? Auch wenn eine erfolgreiche Therapie stattgefunden hat, gibt es weiterhin Probleme, es reicht doch diese zu händeln, das ist doch genug Hilfe, das ist dann das Niveau, was du beschreibst z. B. Beim Autisten, aber dann auch tagtäglich.

  5. #45
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 211

    AW: Unbändige Wut

    creatrice schreibt:
    Wie genau willst du da entgegenkommen? Was hat das mit Moral zu tun? Wieso soll da jemand ausser der Person mit dem Wutproblem an etwas arbeiten?
    Nun ich habe z.B. Leute begleitet zu Behördenterminen und behaupte in manchen Fällen verhindert zu haben, dass da jemand völlig überfordert auf die Leute losgeht, die hier arbeiten. Ich streite dafür, dass sich etwas verändert an der Situation, dass in Behörden Leute arbeiten müssen, die als lebende Blitzableiter für Wutausbrüche völlig überforderter und oft psychisch schwer belasteter Menschen herhalten sollen. Ich streite für die Gleichheit vor dem Gesetz, dafür, dass Gleiches gleich und Ungleiches ungleich behandelt wird, dass also z.B. eine Person, die einfach nicht in der Lage ist, ein Formular auszufüllen nicht deshalb den nötigen Lebensunterhalt nicht bekommt, weil sie das nicht kann. Solche Sachen.
    Ich streite dafür, dass Leute in Behörden als Menschen mit unantastbarer Würde behandelt werden, auch und gerade, wenn sie sich nicht mehr allein helfen können, weil es ihnen so schlecht geht. Das wirkt enorm deeskalierend und schützt auch die Leute, die in Behörden arbeiten.
    Ich streite auch für Menschen, die Straftaten begangen haben. Oft führt etwas gaaanz anderes als eine Freiheitsstrafe oder Geldstrafe dazu, dass die Leute künftig keine Straftaten mehr begehen werden. Oft ist es der Abbau von Barrieren, die diese Menschen von Teilhabe abgehalten und in die Kriminalität abgedrängt haben.

    Ich streite für Kinder, die unter für sie unerträglichen Bedingungen lernen sollten und dann mit schulischen Ordnungsmaßnahmen in Kontakt kamen, als sie in der Schule austickten. Ich kümmere mich für diese Kinder und Jugendlichen wieder Chancen zu schaffen, z.B. auf einen Schulabschluss.

    Ich streite dafür, dass die Jugendämter überforderten Eltern tatsächlich helfen, was ja manchmal auch echt gut gelingt. Ich streite dafür, dass es doch noch etwas wird damit, wenn es nicht gelingt und die Kinder die Leidtragenden sind.

    Mir fällt da jede Menge ein.

    Creatrice, ich meine natürlich nicht, dass zum Beispiel das Kind, das unter der Wut der Eltern leidet aus Inklusionsgründen "die Wut includieren" soll und den Eltern eine Situation schaffen soll, in der die nicht mehr ausrasten müssen. Ich meine auch nicht, dass die Ehefrau dem gewalttätigen Ehemann mit Alkoholproblem alles Recht zu machen versuchen sollte, wenn ich von Barrierenabbau spreche. Wie könnte ich das meinen?
    Ich rede von Dingen, die wirklich weiter helfen, z.B. diesen Ehemann zu unterstützen, sich wieder als Person erleben zu können, die ein Leben in Würde führen kann und deren Würde von anderen respektiert und anerkannt wird. Solche Sachen.
    Geändert von Sunshine (28.03.2017 um 08:19 Uhr) Grund: Zitatcode richtig gestellt

  6. #46
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.822

    AW: Unbändige Wut

    Das ist ja alles schön und gut, hat aber nicht viel mit krankhafter Wut zu tun.

    Soziale Ungerechtigkeiten können auch Auslöser sein, ja. Die abzuschaffen löst aber nicht die Wut, die ich meine.


    Ich steig jetzt hier aus, mich frustriert das irgendwie das Thema

  7. #47
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 115

    AW: Unbändige Wut

    Zum einen sind die Gründe für "Wut" unterschiedlich.

    Auch der Umgang damit.

    Ich denke, es gibt sicherlich gute Möglichkeiten, in einer Verhaltenstherapie, solche extrem "Wutmenschen" zu behandeln, SOFERN sie das wollen.

    Aber da liegt ja schon der "Hund begraben": Sie weisen ja die Schuld von sich- da sie ja oftmals laut eigener Aussage von den anderen so provoziert werden, dass sie gar nicht anderst können, als komplett auszurasten. Die Schuld liegt daher eher an dem sogenannten "anderen"-auch wenn der sehr stark darunter leidet. Nach deren Ansicht haben oftmals ja NICHT sie ein Problem, sondern die "anderen". Und vor diesem Hintergrund gibts kaum Möglichkeiten, im Umgang mit solchen "Extremfällen". Sie sind definitiv NICHT therapierbar, weil da ja die Einsicht fehlt, dass mit ihnen was nicht stimmt. Ganz im Gegenteil. Geht es einem Angehörigen schlecht dabei-nimmt er mitunter psychischen Schaden, dann ist das nur Beleg dafür, dass tatsächlich alles mit ihnen in Ordnung ist und der andere therapiert werden müsste. So verzerrt ist deren Wahrnehmung.

    Ich kenne keine Lösung, Zumindest keine, die an den Wurzeln anpackbar wäre, wenn man mit einem solchen Menschen, der wohl unter einer verzerrten Wahrnehmung leidet, zusammenleben muss. Man hört oft sowas wie "Trennung"-ok, das wäre noch eine Möglichkeit. Aber auch das mag sich schwieriger gestalten, als so mancher vielleicht vermuten lässt. Denn Menschen mit Wutausbrüchen neigen extrem auch dazu, ihre Mitmenschen emotional zu erpressen-sag ich mal so. Und wenn da jemand nicht stark genug ist, hat er sprichwörtlich die "A,-Karte"-ist so.

  8. #48
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 352

    AW: Unbändige Wut

    Hallo zusammen

    Ich bin jemand wo immer mal wieder in der Beziehung mit Wut zu kämpfen hatte.

    In der Zwischenzeit weiss ich warum mein Partner mich immer wieder zu Wutausbrüchen gebracht hat.

    Mein Partner ist passiv-aggressiv, d.h. er hat mich durch Gesprächsverweigerung, ignorieren und Gefühlskälte bestraft.

    Er hat mir ständig Schuldgefühle gemacht, da ich von klein auf immer die Schuld bei mir suche, hat seine perfide Strategie bei mir sehr lange und effektiv funktioniert.

    Seine Methode , mich ständig auflaufen zu lassen, hat dann bei mir einen Wutausbruch bewirkt.

    Man fühlt sich solch einem Menschen gegenüber total hilflos und allein, versucht dann mit allen Mitteln eine Reaktion von einem solchen Menschen raus zu kitzeln.

    Leider vergeblich, und so setzt sich eine Spirale in Gang, entwickelt sich ein Muster.

    In den letzten 2 Jahren habe ich erkannt, dass ich mich vor dieser passiv-aggressiven Gewalt nur schützen kann, indem ich meine Wut unterdrücke, mich zurück ziehe und warte bis mein Partner auf mich zukommt.

    Ich bin nicht stolz darauf, dass ich dann wütend wurde, aber ganz ehrlich, diese passiv-agressive Art ist viel schlimmer, sie ist feige, heimtückisch und erfreut sich am Leid anderer.

    Es gibt viele Formen von Gewalt, und ich lehne jegliche Form von Gewalt ab.

    Trotzdem gibt es leider Situationen und Menschen die diese Gefühle von Wut in jeden Menschen wecken können, wer behauptet noch nie wütend gewesen zu sein lügt.

    Besonders für Menschen mit ADHS/ADS ist es wichtig zu lernen mit der eigenen Wut und der Wut anderer umgehen zu lernen, denn gut fühlt sich ja keine Partei dabei, weder der/die wütend ist , noch der/die die Wut zu spüren bekommt.

    Wut ist letztendlich immer ein Gefühl von Überforderung und Hilflosigkeit. Deshalb versuche ich mir anzutrainieren mich in dem Moment, wo ich spüre das Wut in mir aufkommt, bewusst darauf aufmerksam zu machen, dass mir jetzt gleich der Kragen platzt und bitte darum die Diskussion erst fortzusetzen wenn sich die Gemüter wieder beruhigt haben. Denn wenn man nur noch rot sieht kann man nicht mehr klar denken, reagiert nur noch.

    Jedenfalls habe ich jetzt in meiner Therapie gelernt, dass ich nicht einfach "allein" an Streit und Wut in der Beziehung schuld bin, sondern das in Wahrheit mein passiv-aggressiver Partner massgeblich daran schuld ist, denn er selbst gesteht sich Gefühle wie Wut nicht zu, er lebt dann Quasi davon bei mir starke Emotionen zu provozieren und saugt mir meine Energie ab.

    Lieber Gruss
    yuna

  9. #49
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 115

    AW: Unbändige Wut

    Hallo zusammen, nochmal-

    Hallo Yuna,


    danke für die Ehrlichkeit.

    Dein Beitrag ist natürlich ein Beispiel dafür, dass selbstverständlich alles 2 Seiten hat.

    Jemand, der ignorant ist und einem mit Gefühlskälte begegnet, obwohl man diesen Menschen von ganzem Herzen liebt, kann einem schon in eine Situation bringen, in der man einfach mit Wut reagiert, obwohl man einfach eigentlich sich hilflos einer Situation ausgeliefert fühlt. Ich hab das auch schon selber erlebt-in einer meiner früheren Beziehungen.

    Da wars oft so, dass ich das Gefühl hatte, dass man mir nicht zuhört und hab ich dann was gefragt, kam sowas wie: "ja ich bin ganz Deiner Meinung!" und wenn ich dann nachgefragt habe, ob er wisse, was ich denn grad gesagt hätte, hat er dann oftmals verlegen gegrinst! Ich bin mir da regelmässig "veräppelt" vorgekommen und hab in solchen Situationen auch wütend reagiert-aber eher so, dass ich laut wurde- ...er ist dann meist beleidigt aus dem Zimmer -hat aber auch hinterher nie das wirklich klärende Gespräch gesucht, sondern kam dann nach ner Stunde oder so an und hat gemeint: "...und hast Dich wieder beruhigt!"...das hat mich zusätzlch noch auf die Palme gebracht. So als ob ich bescheuert wär-kam ich mir vor...

    ...für mich ist es wichtig, dass ein Gespräch stattfindet. Dass nach einem Streit oder bevor es soweit kommt, jeder seinen Standpunkt klarmacht und man versucht, gemeinsam nach Lösungen oder Ursachen zu suchen-egal, um was es geht.

    Aber einfach nur dasitzen und nichts sagen-bzw. "bin ganz Deiner Meinung"-nur um seine Ruhe zu haben, das ist heute noch ein "No Go" für mich. Wobei ich für mich die Lösung gefunden habe, mich mit solchen Menschen auch nicht mehr abzugeben, die einfach keine Meinung haben -anderen nach dem Mund reden oder alles tun, um anderen Recht zu geben-nur um ihre Ruhe zu haben. Das geht gar nicht.

    Nun nochmal zum Ursprungsthema:

    Ja-Yuna, da kann ich Dich verstehen, dass da auch oft die Emotionen in der hoch"gekocht" sind. Dennoch hast Du ja erkannt, dass es beiden Seiten nicht gut tut, diese "Wut" nicht unter Kontrolle halten zu können-zunächst. Daher hast Du nach Möglichkeiten für Dich selber gesucht, damit besser umgehen zu können.

    Genau das meinen ich.

    Ich würde mich nie hinstellen und sagen: "ich bin nie wütend"-...ist nicht so und kommt oft genug vor. Aber wenn man spürt, dass da was hoch"brodelt"...kann man für sich "Strategien" entwickeln und an sich arbeiten. Das hast Du für Dich erkannt und setzt dies auch so um. Im Idealfall wäre natürlich auch ein konstruktives Zweiergespräch sinnvoll, in dem "Ursache" und "Wirkung" von beiden Seiten näher durchleuchtet würden und entsprechend versucht würde, auf die Bedürfnisse des jeweils anderen in solchen Situationen einzugehen. Du hast auf jeden Fall -so wie Du hier schreibst, "Deine Hausaufgaben" gemacht und bist in Dich gegangen. Das finde ich klasse. Aber das "Insichgehen" funktioniert nur, wenn der Gegenpart- egal ob Freund, Partner etc. ebenfalls sein eigenes Verhalten reflektiert und gewisse Dinge aufgrunddessen dann ändert. Auch bei diesem "Thema" ist "Einseitigkeit" bestenfalls ein Lösungsansatz.-zumindest im Umgang mit den Mitmenschen. Denn es bedarf auch deren "Mitwirken". Auch da sehe ich oft das Problem.

    Viele sehen die Auswirkungen und kennen allerdings die "Vorgeschichte" nicht.

    Klar, diese sogenannte "Vorgeschichte " ist sicherlich kein Rechtfertigungsgrund, immer wieder die selben Fehler zu begehen...-aber ein Lösungsansatz, sofern das so gesehen werden kann.
    Aber auch das bedarf der gründlichen "Erforschung"-und auch das nötige Interesse- von allen Parteien, sag ich jetzt mal so.

    Dennoch, unterm Strich möchte ich trotzdem sagen, dass vieles zwar verständlich und gut nachvollziehbar ist - aber es wichtig ist, zu erkennen, dass man weder mit körperlicher noch mit psychischwer Gewalt langfristig was ausrichten kann.

    Die ideale Lösung wär schon ein Gespräch-das ehrlich sein kann- ohne erneute Wutausbrüche. Dass man dem anderen auch gestattet, zu erzählen, wie er sich fühlt, in einer solchen Situation. Und umgekehrt wäre aber auch für einen Angehörigen wichtig zu wissen, wie es sich für einen Menschen anfühlt, der einfach ab und an sich von seiner Wut-steuern lässt. Denn vor dem Ausbruch kommt oft eine Art "Gefühlskälte", mit der sicher auch nicht jeder umgehen kann.

    Wie auch immer-
    unterm Strich bleibt zu sagen, dass eine Therapie sicherlich immer sinnvoll ist. Aber ohne die Erkenntnis, dass etwas "gewaltig" schief läuft, verbaut sich so mancher sein Leben als auch das seiner Mitmenschen.

    Bei mir ist es oft so, dass ich manchmal schlagartig wütend werden kann. Ich bin dann verbal gesehen, schwer zu bremsen-aber immerhin, ich bin zu bremsen. Denn sobald ich eine emotionale Reaktion wahrnehme-entweder in der Form, dass ich Tränen bei dem anderen in den Augen sehe-oder womöglich noch "Angst" ...da kann es mir ganz schnell innerhalb der Situation auch wieder leid tun und es tut mir dann genauso weh, wie dem Menschen, den ich vielleicht grade angegangen bin. Dann bin ich mir aber auch nicht zu schade, mich sofort an Ort und Stelle zu entschuldigen.

    Ich kann mich noch an eine Situation erinnern, da war ich mal zu einer Freundin richtig "wirsch"...und dann hab ich die Traurigkeit in ihren Augen wahrgenommen und dann kamen mir auch halber die Tränen-weil ich gar nicht so weit gehen wollte...-das ist für mich dann auch die absolute Grenze-wenn ich merke, dass ich einen andern verletzte. Dann hör ich sofort damit auf und gehe in mich.

    Aber bei anderen ist mir aufgefallen-
    kommt es oft so rüber, als ob sie bewusst ihre Grenzen überschreiten...-es dann auch förmlich, wie machtbesessen genießen, wenn es dann dem anderen schlecht geht. Diese Eiseskälte zu spüren, wünscht man niemandem. Noch nicht mal die Grenze dort zu ziehen, wo man wirklich verletzt...sondern dann erst Recht weitermachen-...dafür hab ich kein Verständnis, ganz allgemein betrachtet...

    Lieber Gruß

    Swatchy

  10. #50
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Forum-Beiträge: 8

    AW: Unbändige Wut

    Ailed schreibt:
    Hallo zusammen
    Ich wollte diese Frage schon oft stellen, aber irgendwie..ich schäme mich etwas..

    Ehm, fühlt ich manchmal auch eine unbändige Wut? So dass ihr alles zusammenschlagen möchtet? ..und dies immer durch die Selbe Person ausgelöst?

    Und ist das normal, dass ich nie weinen muss? In einer solchen Situation weint Frau doch?!?!
    Hi
    kenne ich auch 1:1. Alles was mich zurück hält diesen Arbeitskollegen am leben zu lassen ist Ritalin.

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