Hallo Goldkäfer,

sorry, dass ich so spät antworte, aber ich war über Weinachten bei meinen Eltenr (ohne PC) und hab den Rest der Woche keine Zeit gefunden, hier im Forum zu schreiben.

Zuallererst, ich finde es gut, wie schnell du reagierst. Die Scham und das Wiederstreben, bei psychischen Problemen kann ich sehr gut nachvollziehen. Das ist zum einen unserer Gesellschaft, andererseits aber auch dem Krankheitsbild geschuldet. Allerdings hast du ja dafür deinen Therapeuten- und ich finde es echt mutig, dass du das Thema gleich angesprochen hast. Meistens sind solche Dinge kein Beinbruch- ich kann heute auch ohne soetwas MPH nehmen. Durch die damit zusammenhängende Reflektion evtl. sogar mit weniger psychischen Nebenwirkungen als andere. So ein Reflektionsprozess ist prinzipiell mehr eine Chance, denn eine Strafe. Trotzdem wünsche ich soetwas niemandem.

Zu meinen eigenen Erfahrungen: Zuersteinmal hoffe ich, dass ich hiermit nicht gegen die Boardregeln verstoße. Zum anderen will ich anmerken, dass das ganze schon fast 10 Jahre her ist- und meine Erinnerung auch verwaschen. Ich versuche dir das ganze aber kurz darzustellen. Ich habe mich im jungen Erwachsenenalter mit illegalem, aber sehr qualitativem, Amphetamin (wie ich heute weiß) selbst medikamentiert. Jedoch sind hier die Grenzen fließend, Verbrauch war enorm und durchaus auch Misbrauch bis Abhängigkeit gegeben. Dazu noch allerlei Sachen, jedoch kann ich es Jahre später ganz klar auf das A. zurückführen, was auch meine Dauersubstanz war. Angefangen hat das ganze wie bei dir, konnte ich aber Anfangs auf den Lebensstil zurückführen und fand das auch eher faszinierend denn wirklich besorgniserregend. Irgendwann hat sich das ganze aber gedreht: irgendwann wurde dieses "wissen was ich denke" zu einem vollkommenen verschauen- verknüpft mit einem negativen Selbstbild, Verurteilungen und Abneigungen gegen mich.
Oft war es so, wie du es auch beschreibst: ich fühlte mich sozial danebenstehend (obwohl das andere nicht so empfinden- das sind teilweise Freunde, die ich heute noch habe und von den damaligen, gemeinsamen Zeiten schwärmen.), und oft viel mir- wie auch dir- danach erst ein, was ich hätte sagen oder tun sollen. Aber damit kam ich klar. Mit was ich nicht klar kam, war die schleichende Angstprägung und die damit verbundene Vermeidung von Situationen und Leuten. Letztlich hat sich das dann auch in ziemlich paranoiden Wahnvorstellungen niedergeschlagen. Rückblickend hatten die soweit einen wahren Kern, da manche von den Leuten mir vieles neideten oder gegen mich intrigierten- das Ausmaß war jedoch vollkommen eingebildet. Alles bewegte sich in einem Bereich, der für unser tägliches zusammenleben typisch ist.
Letztlich hab ich dann einfach alles abgesetzt (jedoch damals aus Angst, nicht weil ich den Zustand noch durchblickt habe oder irgendeine Einsicht hatte), und binnen zwei Wochen war alles wieder weitgehend in Ordnung. Professionelle Hilfe hatte ich keine, jedoch würde ich die heute in Anspruch nehmen. Mich hat die Aufarbeitung dieser Zeit letztlich mehrere Jahre gekostet. Wenn ich beim abklingen des MPHs unter Leuten bin, schleichen sich manchmal ähnliche Gefühle ein- jedoch kann ich diese heute darauf zurückführen und damit umgehen.

Was ich dir damit sagen will: Kopf hoch, Respekt für deine schnelle Reaktion und Reflektionbereitschaft. Noch hat das bei dir keine zu schlimmen Ausmaße. Letztlich ist das auch kein Anzeichen für ein psychisches Problem, sondern eine bekannte Nebenwirkung von Psychostimulantien. Jedoch sollte man natürlich auf die Dosis und genügend Schlaf achten, da diese Faktoren soetwas begünstigen.

Ich würde mich freuen, zu hören wie es dir geht und wünsch dir alles Gute!