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Diskutiere im Thema Beratungsresistenz / "Ratschläge-Aversion" im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #1
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 229

    Beratungsresistenz / "Ratschläge-Aversion"

    Hallo zusammen,

    aus gegebenem Anlass beschäftige ich mich aktuell mit der Frage, warum Menschen mit ADHS oft kaum in der Lage sind, einen wohl gemeinten Ratschlag anzunehmen, ja regelrecht beratungsresistent sind.

    Ich frage mich, was dahinter stecken könnte. Mal ein paar Hypothesen:

    1. Die Ratschläge dringen erst gar nicht durch, weil der Gesprächspartner gerade in Gedanken woanders ist.
    2. Die Ratschläge werden einfach vergessen.
    3. Die Ratschläge werden bewusst ignoriert (Eigensinnigkeit, Bedürfnis nach Autonomie)

    Wie seht ihr das, welche Erfahrungen habt ihr gemacht und kennt ihr einen Link, in dem das Thema genauer beleuchtet wird?

    Es geht wohlgemerkt nicht um Tipps wie "Streng dich doch einfach mal an…", sondern wirklich um praktikable Ratschläge, die sich häufig im Nachhinein als bessere Alternative erweisen und man sich schwarz ärgert, weil man es ja wusste.

    Beste Grüße

    Addy

  2. #2
    Chef - Knuddler

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 4.335

    AW: Beratungsresistenz / "Ratschläge-Aversion"

    Hmm.

    Ich persönlich komme mir oft irgendwie...degradiert vor. Meist weiß ich ja selbst,was zu zun wäre,um eine positive Veränderung herbeizuführen,kann es aber nicht umsetzen. Eben wegen meiner plöden Vergesslichkeit,der Probleme beim Priorisieren der Optionen/Reihenfolge der Schritte,Ablenkbarkeit und Impulsivität etcppchen...

    Was mir in solchen Momenten tendenziell ohnehin sehr schmerzlich bewusst ist. Und in einer solchen,schon gereizten, Grundstimmung nehme ich Ratschläge nicht besonders gut auf.

    Ganz unangenehm ist sowas,wenn gerade etwas simples schiefgelaufen ist und man mir nun allen Ernstes erklären will,was da wohl nicht geklappt hat,was "man" machen müsste/hätte machen müssen,um es zu ändern...
    Geändert von luftkopf33 ( 7.12.2016 um 09:31 Uhr)

  3. #3
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 694

    AW: Beratungsresistenz / "Ratschläge-Aversion"

    Hallo Addy,
    das Thema ist wirklich interessant. Erfahrungen habe ich mit all deinen drei genannten Punkten gesammelt, aber eine Möglichkeit wie ich es wirklich abstellen kann habe
    ich bis jetzt noch nicht gefunden. Ich weiß, dass ich wirklich gut gemeinte Ratschläge annehmen und auch so wie es mir empfohlen wird auszuführen für mich sehr
    schwierig ist und im Nachhinein ärgere ich mich, wie du schon geschrieben hast, schwarz darüber.
    Bin gespannt, was andere dazu noch schreiben werden.
    LG Murmel

  4. #4
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 61
    Forum-Beiträge: 2.005

    AW: Beratungsresistenz / "Ratschläge-Aversion"

    Addy Haller schreibt:
    Hallo zusammen,

    1. Die Ratschläge dringen erst gar nicht durch, weil der Gesprächspartner gerade in Gedanken woanders ist.
    2. Die Ratschläge werden einfach vergessen.
    3. Die Ratschläge werden bewusst ignoriert (Eigensinnigkeit, Bedürfnis nach Autonomie)

    esisteineMischungausallemundno chvielmehr

    und mein Laptop hat mal wieder seine Pimpernellen - egal

    Also:

    Es ist eine Mischung aus allem und noch viel mehr

    viele Ratschläge passen auch nicht - Ich kann mich zum Beispiel daran erinnern, dass ich regelmäßig dem Rat gefolgt bin, meinen Schreibtisch zu strukturiere. Hab ich gemacht und es sah auch schön aus - Das war es dann aber auch.

    Oder mein Notizbuch - war auch so ein Rat - und meine Kollegen kamen auch alle damit klar (außer einer, ist aber auch eine ADHSlerin)
    Ich habe alles schön da reingeschrieben - Ich habe aber nie wieder darein geguckt und wenn doch, dann konnte ich meine Notizen nicht mehr lesen oder verstehen.

  5. #5
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 229

    AW: Beratungsresistenz / "Ratschläge-Aversion"

    Hallo Elwirrwarr,

    klar, vieles passt nicht oder lässt sich nicht umsetzen, weil man anders tickt.

    Aber genau darum soll es hier nicht gehen, sondern um die grundsätzliche Fähigkeit/Bereitschaft, Ideen von anderen zu übernehmen, sich damit zu befassen und umzusetzen.

    Lasst uns ruhig mal davon ausgehen, dass man im Nachhinein feststellt, dass das Befolgen eines Rats möglicherweise sinnvoll gewesen wäre, und man sich fragt, aus welchem Grund man sich damit gar nicht erst befasst hat.

    Beispiel:
    Angehender Student, der von zu Hause ausziehen will, wird von seinen Eltern auf die Vorzüge des Wohnens in einer WG hingewiesen. Student lehnt dies kategorisch ab und besteht auf einer eigenen Wohnung, ohne sich mit den Vor- und Nachteilen beider Varianten überhaupt zu beschäftigen. Einige Jahre später, Student hat inzwischen das WG-Leben anhand seiner Mitstudenten studieren können und Gefallen daran gefunden, lässt er sich doch darauf ein und fragt sich, warum er den Rat seiner Eltern damals so vehement angelehnt und sich gar nicht erst damit auseinandergesetzt hatte.

    Beste Grüße

    Addy

  6. #6
    Chef - Knuddler

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 4.335

    AW: Beratungsresistenz / "Ratschläge-Aversion"

    Dieses Verhalten ist meiner Meinung nach-absolut unabhängig von ADHS- durchgängig in unserer Gesellschaft und in bestimmten Altersgruppen nochmal gehäuft,anzutreffen.

    Ich denke,es geht hier darum,dass man sich weigert,Rat anzunehmen,weil man meint,so die eigene Individualität zu leben. "Ich weiß am Besten,was gut für mich ist!","Mein Körper,meine Entscheidung!",etc...

    Heute werden immer weniger Vorbilder vorgestellt,anhand derer man lernen könnte,an denen man sich reiben und wachsen könnte. Zumindest keine funktionalen,selbst auch psychisch und geistig gesunden! solchen.

    Es herrscht die jeder Vernunft unbeirrbar trotzende Theorie vor,es sei sinnvoll,gut und allem anderen vorzuziehen,den Menschen in der Persönlichkeitsentwicklung auf sich selbst zurückzuwerfen,da das Ausrichten des eigenen Lebens an Vorbildern-ausgehend von der Tatsache,dass das ein gewisses Maß an Verbindlichkeit und Einschränkungen bedingt-als ungebührliche Begrenzung "persönlicher Freiheit" betrachtet wird.

    Wie unsinnig das ist,ließe sich-so man denn einmal ruhig,besonnen und rational denkend hinschauen wollte-schon am rasanten Anstieg aller möglichen Verhaltens-und Persönlichkeitsstörungen,als auch der ausufernden Erschöpfung und Depression so vieler Menschen derart deutlich erkennen,das es einen fast schon "anspringt"!

    (Jaa,natürlich ist das nicht die einzige Ursache,gaanz pöse vereinfacht...ich nix populistisch!)

    Das ist schlicht eine völlige Überforderung des Menschen in seiner psychischen Beschaffenheit! Mensch braucht Vorbilder. Orientierung. Grenzen! Regeln. Er ist nicht fähig,auf lange Sicht den Nabel des Universums zu spielen ohne dabei ernsten Schaden zu nehmen!

    Hinzu kommt noch etwas normales. Völlig harmloses. Frag mal Deine Eltern,ob sie die Ratschläge ihrer Eltern immer gern angenommen haben-auch im Jugendalter. Oder als junge Erwachsene.

  7. #7
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 99

    AW: Beratungsresistenz / "Ratschläge-Aversion"

    Hallo Addy, für mich ist es immer wichtig, von wem der Rat kommt und auf welche Art und Weise.

    Da kenne ich z.B. jemanden, der stets gute Ideen hat, die er aber so von oben herab mitteilt, dass ich nicht anders kann, als diese Tipps nicht zu beherzigen.

    Bei Eltern ist dass ja auch manchmal so eine Sache! Das ein junger Mensch, seine eigenen Erfahrungen machen will und muss und Ratschläge deshalb ignoriert, gehört zum Erwachsenwerden irgendwie dazu.
    Und dass muss ja auch nicht verkehrt sein.

    Also wenn ich persönlich merke, der Rat oder Hinweis ist gut und wird auch wohlwollend herangetragen, dann habe ich auch kein Problem es anzunehmen.
    Aber das entscheide ich immer noch als einzige und muss damit dann auch leben!

    LG lillith

  8. #8
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 229

    AW: Beratungsresistenz / "Ratschläge-Aversion"

    Hm.. ich glaube, das Beispiel war jetzt nicht so glücklich gewählt, weil es natürlich die normale Rebellion von Jugendlichen/jungen Erwachsenen gegenüber den Eltern beinhaltet.

    Ihr beiden Vorredner setzt aber trotzdem voraus, dass sich BEWUSST gegen etwas entschieden wird. Mir geht es aber eher um ein unbewusstes Ablehnen aus einem Impuls heraus, ein Nicht-Wahrnehmen oder Vergessen von Vorschlägen. So, dass man sich später nicht recht erklären kann, warum der Vorschlag einfach nicht bei einem "angekommen" ist.

    Habe den Eindruck, ich kann mich nicht so richtig verständlich machen...

    Vielleicht so:

    Liegt de Beratungsresistenz vielleicht daran, dass sich ein Autopilot nicht beraten lassen kann?

    Gibt es so etwas wie einen "Nein-Sagen-Impuls", ohne sich überhaupt die Alternativen bewusst zu machen?

  9. #9
    Chef - Knuddler

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 4.335

    AW: Beratungsresistenz / "Ratschläge-Aversion"

    Ach sooo. Das klingt jetzt wirklich ganz anders. Danke für's "Auseinanderklabüstern"!

    Den Autopiloten kenne ich tatsächlich auch! Und er treibt mich gelegentlich in den Wahnsinn...

    Ich habe oft gedacht,es könnte mit mangelnder innerer Flexibilität zutun haben. Mit der Unfähigkeit,sofort umzuschalten.

    So,als bliebe man irgendwie bei seinem eigenen Gedankengang oder seiner Methode hängen und bräuchte ziemlich lange,um da rauszukommen. Vielleicht ist das auch eine Art Perseveration?

    Ich meine,Russel Barkley schreibt im Handbuch für Erwachsene mit ADHS etwas von ähnlichen Situationen,wo beispielsweise klar ist,dass die vorhandenen Materialien nicht ausreichen werden,um ein Projekt zuende zu bringen,der ADHS'ler sich aber schlicht nicht stoppen kann! Und damit dummerweise seinen Partner in den Wahnsinn treibt...
    Geändert von luftkopf33 ( 7.12.2016 um 13:48 Uhr) Grund: fehlender Nachname...:oops:

  10. #10
    Bin hier neu, seid lieb zu mir

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 15

    AW: Beratungsresistenz / "Ratschläge-Aversion"

    Ich denke, es hat in gewisser Hinsicht auch etwas mit Selbstbestimmung zu tun.

    Mein bester Freund z.B. ist ein sehr wachsamer und aufmerksamer Mensch, der jeden Schritt sorgfältig geplant tätigt. Seine Methode, gewisse Dinge anzugehen, ist meist effizienter und sinnvoller.

    Dennoch merke ich, dass ich mich schlechter auf seine Lösungswege einlassen kann, als auf meine eigenen, da sie nicht von mir erarbeitet und somit auch nicht verinnerlicht/fokussiert sind.

    Auch, wenn mein Chef mir erzählt, wie irgendetwas am besten zu machen ist, schalte ich relativ schnell ab und suche mir selber einen Lösungsweg.

    Vielleicht ist es eine Entscheidung im Unbewussten, welche auf Erfahrungen beruht. Oder es ist einfach zu aufwendig, sich auch noch mit Alternativen zu beschäftigen, da der eigene Plan ja schon fertig ist.
    Die Vergesslichkeit und Unaufmerksamkeit spielen sicherlich auch eine Rolle.
    Geändert von Lohengrin ( 7.12.2016 um 13:39 Uhr)

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