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Diskutiere im Thema Experimente und unwissendliche Selbstbehandlung im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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  1. #1
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Forum-Beiträge: 107

    Unglücklich Experimente und unwissendliche Selbstbehandlung



    Sorry, langer, deswegen eigentlich nicht ADHS-konformer Text.

    Ja, der Titel sagt alles.
    Im Lauf der Zeit hab ich als Versuch der Selbstbehandlung so ziemlich alles mal versucht, was auf dem Markt so zu bekommen ist. Immer auf der Suche nach irgend etwas, das den rasenden Motor im Inneren mal abstellt und ich für eine Zeit mal meine Ruhe hab.

    Angefangen hat das sehr früh (o.k. 12 ist heutztage nicht mehr früh) mit Rauchen, danach mit 16 immer wieder Alkohol und mit 18 dann gekifft. Als so mit 18 dann die ersten Depris kamen und allen anderen Party gemacht haben und ich konnte das plötzlich nicht mehr, dann hab ich ein paar Mal mit Extasy nachgeholfen. Die nachwirkungen waren aber sehr gravierend und deshalb hab ich das ganz schnell wieder bleiben lassen. Mein kopf ist ja eh die ganze Zeit auf Hochtouren gelaufen und das hat es noch gewaltig angekurbelt. Während der Wirkung hat sich das schon sehr geil angefühlt aber die Tage danach waren dafür Hölle pur. In dieser Frühzeit meiner Drogenerfahrungen hab ich auch alles andere mal versucht, was es so gibt. Geht auf Drogen-Wiki und streicht da drei oder vier Sachen weg, alles andere war dabei. Ohne den gewünschten Effekt oder mit einer zu heftigen und ungewollt verplanenden Wirkung, deshalb alles eine einmalige oder wenigmalige Sache.

    Das Kiffen hat gegen den Motor gut geholfen und deswegen hab ich dann über 10 Jahre lang gekifft, täglich und auch sehr viel. Heute weiß man ja, wie gut Kiffen gegen ADHS hilft, auch mal rein medizinisch gesehen, aber damals wußte ich ja noch nocht mal, dass es ADHS gibt und hab mich nur immer gewundert, wieso ich "Entzugserscheinungen" bekommen hab, wenn mal nichts da war, aber volle Kanone. Inzwischen weiß ich, dass das ein ADHS-Rebound war und das ADHS dann eben für paar Tage 5 mal so stark wieder da war, wenn das Kiffen weg war. Aber echte Entzugserscheinungen waren das nicht. Kiffen raubt leider die letzte Motivation, auch wenn man ADHS hat, also bin ich nicht mehr aus dem Haus gegangen und hab statt dessen mit meinen "Freunden" gechillt und abgehangen. Auf die Reihe bekommen hab ich in der Zeit nicht mehr besonders viel, aber es war eben ein gutes und innerlich ruhiges Gefühl, da war mir dann das andere egal.

    Mit der zeit hat das Kiffen nicht mehr gereicht, weil der Mensch halt die Eigenschaft hat, gegen solche Mittelchen eine Toleranz zu entwickeln und immer mehr davon zu brauchen. Als ab zum Doktor psych und da ein paar Neuroleptika verschreiben lassen. Die bekommt man ja bereitwillig, weil die meisten Dr. Psychs froh sind, wenn man so etwas will und zufrieden ist und nicht solche teuren Dinge wie Psychotherapie oder anderes. Abhängig wird man von dem zeug nicht, das ist sicher, aber wenn man das jeden tag in einer hohen Dosierung nimmt, dann ist einem nach kurzer Zeit alles scheissegal, sogar dass man das Zeug nimmt. Wenn mal das Atosil oder das Seroquel alle war, dann hab ich wieder hammermäßige Erscheinungen gehabt, geschwitzt und gebibbert und wusste fast nicht mehr, wie ich heiss. Wieso das bei mir so war hat kein Dr. Psych damals verstanden weil das ja die anderen auch nicht hatten. eben auch wieder ein ADHS-Rebound, aber noch einer von der viel schlimmeren Sorte wie beim Kiffen. ADHS mal 10.

    Was ich auch immer wieder bekommen hab waren Benzos. Die hätten mich eigentlich beruhigen und schlafen legen sollen. Innerlich beruhigt haben die schon, aber Leandro war dann überhautp nicht müde, sondern ist um die Häuser gezogen und hat die Nacht durchgemacht. Und hat allen möglichen Mist angestellt und das am nächsten Tag gar nicht mehr gewusst. Ist manchmal irgendwo aufgewacht und hat nicht mehr gewusst, wie er da hin gekommen ist und wieso der Zustand seines Körpers und seiner Kleidung so verheerend war. Und hat dann immer versucht, aus den Spuren an sich und der Kleidung zu rekonstruieren, was da passiert war aber wenn ihm das niemand anderes erzählt hat, dann hat er das nicht heraus gefunden. Paradoxe Reaktion auf ein Medi hab ich bei einigen gehabt, aber bei den Benzos war das wirklich ganz extrem. Also hab ich keine mehr genommen nach einem Weilchen weil ich schon bald Paranoia bekommen hab und immer das Gefühl gehbat hab, dass ich mich irgendwo unmöglich benommen hab und das alle wissen. Ich selber wusste es ja nicht und weiß es ja bis heute nicht.
    So mit 20 hab ich auch mal Speed probiert, also Amphetamin, wie es auch zur ADHS-Behandlung verwendet wird. Eigentlich sollte das ja dazu da sein, dass man Party machen kann, aber das hat bei mir nicht geholfen. Bin dann da gesessen und war innerlich relaxed und hab alles sehr klar gesehen. Aber Party war eben nicht damit und deswegen hab ich das gelassen.
    Im Nach hinein betrachtet war das damals der erste und für sehr lange Zeit letzte Abend ohne ADHS.

    Irgendwann hab ich mit allem illegalen aufgehört und mich ein paar Jahre auf den Alkohol verlagert, weil man den überall bekommt und man deswegen keinen Ärger mit dem Gesetz bekommt. Am Anfang waren das ein paar Bier am Tag und mit der Zeit waren es dann ein paar mehr. Alkohol hilft blöderweise auch gegen ADHS-Symptome und wenn man nicht sehr aufpasst wird man davon dann abhängig, obwohl man keinen Rausch haben will, sondern nur innerlich seine Ruhe. In dieser Zeit hatte ich ein Verhalten eines "Spiegeltrinkers", also den ganzen Tag von vormittags ab immer wieder nur kleine Mengen um immer einen leichten Alkohol-Spiegel im Blut zu halten, der gerade so den rasenden Motor im Inneren abstellt. Und auch die Angstgefühle, die ich inzwischen ständig und überall gehabt hab und die zu der Zeit mein treuer Begleiter waren. Spiegel-Trinker sind laut den Spezi-Doks dafür die süchtigsten Trinker von allen und kommen davon am schwersten wieder weg, wenn sie das längere Zeit machen. Das gilt auch bei unbehandeltem ADHS. Die Alkoholentwöhnungskliniken sind voll mit undiagnostizierten ADHSlern, die da ohne von ADHS zu wissen einen Kampf gegen den Alk ohne jede Aussicht auf Erfolg führen. Die Drogenkliniken auch.

    Seit ich meine Diagnose habe, hat sich alles in meinem Leben geändert und dazu gehört auch das Thema Alkohol, unnötige Medikamente und Drogen. Ich nehme nur noch MPH und trinke spät abends ein oder zwei Bier und nehme sonst nichts mehr. Damit kann ich leben und ich habe ein normales Leben mit allem drum und dran, mit Gefühlen und Erinnerungen und realen Sorgen und Problemen um die ich mich jetzt auch kümmern kann.


    Was habt ihr so im Lauf der Zeit für Experimente gestartet und was habt ihr alles genommen, um euch irgendwie selbst zu behandeln?

    Hat jemand Erfahrung mit Entzug und Entwöhnungsbehandlungen?


    Geändert von Leandro (11.04.2009 um 16:22 Uhr) Grund: Vor lauter fast die Fragen vergessen die ich stellen wollt ^^

  2. #2
    Sunshine

    Gast

    AW: Experimente und unwissendliche Selbstbehandlung

    WOW, bei dir scheint der Hyperfocus ausgelöst zu sein, wenn du hier im Forum bist. Du schreibst immer viel und tolle Sachen

    Dein Posting finde ich gut, wobei ich ehrlich sagen muß, wenn ich nicht wüßte was ADHS ist, dann würde ich denken, dass Du eine Bilderbuch Drogenkarriere hinter dir hast Das ist echt schlimm, wenn ein Mensch aufgrund von Fehl-oder gar keiner Diagnose zu solchen Mitteln greifen muß, "nur" damit es ihm wenigestens zeitweise besser geht. Und gefährlich ist es außerdem. Kam dir das damals nicht komisch vor, dass die Sachen bei dir anders gewirkt haben, als bei anderen?

  3. #3
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Forum-Beiträge: 3.146

    AW: Experimente und unwissendliche Selbstbehandlung

    also ich war ja bisher immer sehr "brav", habe nie geraucht, Alkohol bis auf einige harmlose Versuche, auch kaum angefasst, Drogen wären für mich nie in Frage gekommen, (bis auf Kaffee und Süßigkeiten) aber ich bin in letzter Zeit echt am überlegen, ob ich nicht doch mal teste, wie ich auf die Equasym meines Sohnes reagiere, weil es mich extrem nervt, dass ich in letzter Zeit so vergesslich bin und nicht weiß, wie ich da gegen steuern kann.

  4. #4
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 169

    AW: Experimente und unwissendliche Selbstbehandlung

    Ich habs garnicht gezählt, aber man liest es überall!! Wenn Du nicht auf ADHS getestet wurdest und nur im Moment diesem Problem leidest, lass die Finger davon!! Es gibt genug Eltern die das Zeug erstmal selbst ausprobiert haben bevor es der Sohn quasie überhaupt bekommen hat. So begriffstutzig kann man doch nicht sein!!, oder doch?
    Ausserdem diese gewisse Selbstmedikation, in Form von Marhiuana oder XTC kommt aus dem Elend heraus, mir half Gras um quasie endlich mal komplett ab zu schalten, da ich meine Gedanken in manchen Situationen einfach nichtmehr kontrolieren konnte. Als Hypoaktiver biste dann halt sowas wie Scheintod, die Wirkung bei meinen normalen Freunden war entsprechend anders. Diskusionen waren bei mir Sachlich und über Stunden das gleiche Thema, eben anders als bei meinen Freunden die von einem Thema ins andere schweiften. Zu guter Letzt hatte ich shit (Gepresster Blütenstaub) in heiser Milch mit Honig in meiner Thermoskanne mit auf Arbeit, der Tag wollte zwar kein Ende nehmen, aber die arbeit war konzentrierter. Bei dieser damaligen Tätigkeit war ich mit einem Handwagen im Lager unterwegs um Bestellungen zusammen zu stellen. Auf über 10000qm fiel es auch nicht auf wie lange der einzelen für seine Tätigkeit gebraucht hat. Mir gngs aber damals entsprehend beschissen. Das war dann das Startzeichen das Hobby zum Beruf zu machen. Da gings endlich ohne Selbstmedikation, da ich ja mein Hobby 16Stunden am Tag ausüben konnte. Das Dumme war das ich in einer DTM Bude arbeitete und nicht der schnellste war. (Deutsche Touren Meisterschaft, Audi) Die Geschwindigkeit kostete mir schlieslich auch wieder den Job. Holland war dann Endstation oder besser das Eltorato! Auf Arbeit hab ich zwar nix geraucht, aber davor und danach, es war herrlich!! Auch is die Auffassung der Holländer gegenüber der Arbeit eine andere als in Deutschland, "Lieber langsam und richtig, als schnell und nochmal!!" Europaweit geht im Moment garnix!!

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