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Diskutiere im Thema ADHS Akzeptieren und es nicht als Krankheit sehen im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #41
    Impulsbombe

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 57
    Forum-Beiträge: 2.862

    AW: ADHS Akzeptieren und es nicht als Krankheit sehen

    Mein Jobcoach rät mir bei Schwierigkeiten mit anderen Menschen
    " Such nicht nach dem was dich am Anderen stört.
    Schau was du tun kannst um besser mit ihm auszukommen"
    Ich finde das eine gesündere Sichtweise als "Alle anderen sind bescheuert
    weil sie mich nicht verstehen."

  2. #42
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 26
    Forum-Beiträge: 465

    AW: ADHS Akzeptieren und es nicht als Krankheit sehen

    Sunpirate schreibt:
    Mein Jobcoach rät mir bei Schwierigkeiten mit anderen Menschen
    " Such nicht nach dem was dich am Anderen stört.
    Schau was du tun kannst um besser mit ihm auszukommen"
    Ich finde das eine gesündere Sichtweise als "Alle anderen sind bescheuert
    weil sie mich nicht verstehen."
    In den meisten Fällen liegt die Lösung dazwischen und man sollte sich auch nicht völlig verbiegen. Ich denke, es ist ebenso wichtig, zu erkennen, wann man es mit einem ********* zu tun hat und sich einfach distanzieren sollte. Aber du hast völlig recht, es ist sehr unwahrscheinlich, dass man es schafft andere, seine Umgebung oder gar die ganze Welt zu ändern. Sich selbst zu ändern hingegen schon.

  3. #43
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 50
    Forum-Beiträge: 213

    AW: ADHS Akzeptieren und es nicht als Krankheit sehen

    Mein Kenntnisstand und Entscheidungsgrundlage zu meinem Umgang mit meinem ads:

    Stinos:
    Im Gehirn werden durch die Ausschüttung von bestimmten Stoffen die Eindrücke in einer Situation automatisch gefiltert, diese Eindrücke werden automatisch sortiert und aufgrund dieser Selektion entscheidet sich der Mensch für eine Handlung. Dies führt dazu, dass weitere Stoffe ausgeschüttet werden, die weitere störenden Eindrücke aussperren.

    Gleichzeitig werden Belohnungsstoffe ausgeschüttet, die einen inneren Zustand der Ruhe bewirken. Der Mensch konzentriert sich - ohne übermässige Anstrengung - auf die Aufgabe und führt sie zu Ende. Die Ergebnisse seiner Handlungen werden gespeichert und danach geht er zur nächsten Situation. So baut er nach und nach seine Welt und seinen Charakter auf.

    Adhs-ler:
    Im Gehirn werden die Filterstoffe ausgeschüttet und kurze Zeit später zurückgeführt. Der Filter ist ausser Betrieb, der Fluss der Eindrücke nimmt seinen Betrieb wieder auf. Die Eindrücke können aufgrund der Menge nicht sortiert werden, die Entscheidung verzögert sich und es kommen noch mehr Eindrücke.Entscheidet sich der Mensch für irgendeine Eindruck (Impulsivität) prasseln die Eindrücke weiter.

    Die Belohnungsstoffe werden nicht ausgeschüttet, einen Zustand der inneren Ruhe wird nicht hergestellt (es sei denn er kommt in die Hyperfokussierung). Der Mensch beginnt die Tätigkeit, Eindrücke prasseln weiter, Ruhe und Belohnung bleiben aus, die Konzentration ist ohne grössere Anstrengung nicht möglich ( es wurde sogar beobachtet, dass bei der Anstrengung zur Konzentration, die Blutzufuhr im Gehirn bei adhs-ler abnimmt!?), die Aufgabe wird (meist) unterbrochen, kein Ergebnis gespeichert und das Spiel beginnt wieder von vorne. So baut er nach und nach seine Welt und seinen Charakter auf.

    Dieses Schema wurde durch bildgebende Verfahren der Gehirnaktivitäten festgestellt. Der Grad/ die Schwere der Ausprägung dieses Schemas ist bei adhs unterschiedlich stark. Die tatsächlichen Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen ist jeweils individuell, abhängig von dem Schweregrad, der Persönlichkeit und den Lebensumständen des Einzelnen.

    Die Hunter/farmer-Theorie, die Erkenntnisse der Neuroplastizität mögen angenehme und aufbauende Vorstellungen sein; beschäftigen sich aber im Kern nicht mit dem Ist-Zustand.

    Ich bin offen und dankbar für jede fundierte Meinung und Anregung die meine Sicht auf adhs erweitern und vertiefen. Aber bisher habe ich -ausser dem oben beschrieben - nichts plausibleres gefunden und mit diesem Hintergrund betrachte ich mein ads als Behinderung.
    Geändert von Dropkick ( 3.07.2016 um 22:21 Uhr)

  4. #44
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 51
    Forum-Beiträge: 57

    AW: ADHS Akzeptieren und es nicht als Krankheit sehen

    @dropkick: danke für die sachliche Darstellung, die den Kern von AD(H)S sehr gut auf den Punkt bringt und mir in meinem Prozess der eigenen Auseinandersetzung mit meinem EVD-ADS sehr hilft! Da befinde ich mich noch immer in einem Prozess der Adaptation an diese Erkenntnis, sehe, was ich trotz allem bis heute geschafft habe, natürlich auch was nicht, weil unter meinen Möglichkeiten geblieben oder aufgrund syndromtypischer Verhaltensweisen was vergeigt. Insgesamt komme ich selber aber auch immer wieder an den Punkt, mein ADS als Behinderung wahrzunehmen, was irgendwie immer wieder mal so Trauerschübe in mir auslöst (habe das ein halbes Jahrhundert so nicht gesehen!), sich insgesamt aber sehr stimmig anfühlt.

    Ich glaube der Weg, mit AD(H)S zu leben UND sich liebevoll anzunehmen ist einer, wo es auch dazugehört, sich nicht allzusehr zu pathologisieren oder gar von anderen pathologisieren zu lassen, bzw. wenn so erfolgt, was für eineN selbst Wirksames dagegen zu setzen. Dennoch ist es für mich auch eher hilfreich ist, ADS wegen der spezifischen Vorgänge im Gehirn als eine Behinderung anzusehen und entsprechend nach bewältigbaren Kompensationsstrategien bzw. Strategien für einen so gut wie möglichen Umgang damit zu suchen.

  5. #45
    Lebenskünstler

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 4.181

    AW: ADHS Akzeptieren und es nicht als Krankheit sehen

    Ganz wichtig! "Sich nicht zu sehr zu pathologisieren/zu lassen!!"

    Ein Hinweis dazu aus meiner Perspektive:

    Pathologisieren meint etwas als krankhaft zu erklären,was nicht krankhaft IST. Zumindest im Kontext dieser Diskussion. DAS aber sollte ohnehin NIEMALS geschehen!

    Ich habe keine Essstörung,weil ich sehr gern esse,ich habe keine Depression,wenn und weil ich gerade Liebeskummer habe und keine ADHS,wenn und weil ich seit neuestem mit den Anforderungen des Studiums nicht (mehr) klarkomme.

    Gegen diese Haltung werde ich mich jederzeit abgrenzen,auch,wenn sie von anderen an mich herangetragen wird.

    Auch denke ich nicht den lieben langenTag nur darüber nach,was mir die pöse,pöse ADHS alles versaut hat,sondern versuche,JETZT Wege zu finden,um ein erfülltes Leben leben zu können und wenn ich dazu Unterstützung brauche,hey,dann ist das eben so!

    Vergangenes spielt dabei ausschließlich als Negativbeispiel eine Rolle.

    Das ist mir persönlich ganz wichtig. Ich bin ein Mensch mit ADHS. Mit daraus resultierenden Problemen und noch ein paar ganz anderen. Mit Stärken und Talenten die ich ausdrücken möchte. Ich bin ICH. Nicht meine ADHS!

  6. #46
    bin eine Piratin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 50
    Forum-Beiträge: 1.117

    AW: ADHS Akzeptieren und es nicht als Krankheit sehen

    lieber Luftkopf,

    ich wollte Adhs nicht verharmlosen noch romantisieren.

    es war nach den Meinungen der User hier gefragt und jeder sollte da seine persönliche Stellungnahme dazu abgeben. eine persönliche Stellungnahme beinhaltet, wie ich mein Adhs sehe und ist keine Wertung deines Lebens, deiner Biographie und deines Adhses. Es war ja auch nicht die Fragestellung, wie ich luftkopfs Adhs bewerte.
    es ging allein um Meinungen und was wir denken, darüber zu urteilen oder es gar als Kritik an der eigenen Person zu werten finde ich so nicht in Ordnung. Meinungen sind Meinungen und die darf erstmal jeder äußern und Stellung beziehen, auch wenn sie nicht allen gefallen.

    ich hab dazu mein "Modell" geschildert. Modelle schildern aber nie die Wirklichkeit, sondern stellen ein Bild dar, mit dem man gut arbeiten kann und welches positive, passende Antworten bietet. ich persönlich komme in meinem Leben viel weiter mit dem "ich bin halt anders"-Modell klar. ich romantisiere das nicht und bin auch nicht froh mit meinem Adhs. aber ich habe es akzeptiert insofern, dass ich ein "Handicap" (was mir besser gefällt als Behinderung, Schilderung folgt unten) habe, mit dem mir aber weiter ein relativ normales Leben möglich bleibt, wenn ich nur hart dafür arbeite. ich brauche das für mich. die Bezeichnung Krankheiten erweckt bei mir die falschen Assoziationen. mit manchen Dingen muss ich mich abfinden. So wie ein Nilpferd nie eine Prima Ballerina wird, so bleiben mir einige Lebenswege und Möglichkeiten verschlossen.

    Ich wehre mich gegen den Begriff "Krankheit" und auch Behinerung, weil er für mich und in meinem Leben zu sehr fatalistisch auslegbar ist. Ich kämpfe jeden Tag darum, mit meinem Adhs in der Normalowelt klarzukommen, mich zu bewähren, meine Fehler in den Griff zu bekommen und andere nicht zu enttäuschen. Das kostet mich verdammt viel Kraft und Nerven und oft komme ich an meine Grenzen und bin mit meinem Nerven am Ende, aber es ist mein Willen und meine Kampfkraft, die mich durchhalten lassen. Damit ich bestehen kann, benötige ich ein Bild und ein Modell von mir und meinem Adhs und "ich bin halt anders, ich hab nunmal ein bestimmtes Schwächenmuster" ist das, was mir hilft und was in meinem persönlichen Leben am besten passt. damit ist keinerlei Wertung anderer Leben gemeint. Wenn ich mich als "krank" oder "behindert" bezeichnen will, laufe ich Gefahr, in eine fatalistische Haltung zu geraten oder gar mich hinter meinem Adhs zu verstecken. ich will das für mich nicht ! Nicht, weil ich die Wahrheit nicht sehen kann, sondern weil mich persönlich das andere nicht weiterbringt. Ich wähle das Bild, was mir hilft. Ich lote täglich meine Möglichkeiten aus, was mir trotz Adhs gelingt und ich komme "ich bin anders und habe gegenüber Normalos Defizite, die mich in einer "normalo"welt an meine Grenzen bringt" am besten klar. und ich bekomme damit wieder ein gesundes Selbstbewußtsein, weg von "ich bin ein Vollpfosten, weil ich die einfachsten Dinge nicht gebacken bekomme" zu "ich bin anders, damit sind viele Defizite, aber auch ein paar Stärken verbunden", was mir und meiner Person gut tut. Seitdem ich die Diagnose habe und auch Medikamente nehme, nehme ich vieles anders war und arbeite "mit mir" anders. Seitdem gelingen mir viele Dinge besser, da ich sie anders anpacke. indem ich meine Stärken nutze und an meinen Schwächen arbeite, versuche sie handlebar zu machen.

    ich will dein Adhs nicht abwerten, aber bitte tue das auch nicht mit meinem, indem du es zB aus der Ferne durch Stärkegrade einstufst oder gar (ich überspitze) in "richtiges Adhs" und "nicht so richtig Adhs" differenzierst oder einstufst oder so. Es geht nicht um dich, also vermute hinter Meinungen keine Abwertung deiner Person.

    wie schon von anderen Geschrieben, ist Adhs ein Spektrum und hier sind Meinungen, keine Urteile gefragt und jede Meinung spiegelt die Sichtweise des Verfassers wider. die hat ihre Existenzberechtigung, egal wie weit die eigene Sichtweise von der des anderen entfernt ist.
    Nur weil meine Sichtweise eine andere ist, werte ich also weder andere Menschen ab noch kann man darauf Rückschlüsse ziehen, welchen "Grad" mein Adhs hat.

    Das ist kein Vorwurf oder so, ich schätze dich sehr, es ist nur eine andere Meinung und die Einstellung, dass in einem Thread, bei dem nach der Meinung der Einzelnen gefragt wird, jeder ein Recht hat, die unterschiedlichsten Meinungen kundzutun. Wenn jemand meint, er sei von einem Adhsler bei Vollmond gebissen worden oder dahinter stecken Düsenjetabgase (ich merk mir den Namen dieser Verschwörungstheorie nicht, das ist mir persönlich zu doof) darf er das auch kundtun.



    Das mit dem "romantisieren" beobachte ich auch und gehöre nicht zu den Verfechtern. Ich beobachte das bei stigmatisierten Minderheiten aller Art und verstehe es als eine Art Gegenbwewertung und ein Versuch, Selbstbewußtsein zu entwickeln.Es ist legitim und es hat auch was damit zu tun, dass man eben auch als Ahdsler seine Stärken hat. es hat aber nichts mit Verharmlosen wollen zu tun, kann höchstens so ausgelegt werden. Es ist eher ein "das Glas kann man nicht nur halbleer sehen, lass uns doch mal die Perspektive wechseln und es mal unter dem Aspekt "halbvoll" betrachten.J
    a doch, es sind auch Stärken, man muss sie nur an geeigneter Stelle einsetzen
    im Rahmen meiner "Selbstfindung" a la Ich bin ein Adhsler musste ich feststellen, dass etliche von den positiven Eigenschaften, die Adhser zugeschrieben werden auch meine sind. Das gab mir ehrlich gesagt erstmal einen Dämpfer, weil ich feststellen musste, dass sie nicht etwa einfach Teil der Persönlichkeit von Moselpirat sind, sondern mehr zu meinem Adhs gehören. ich hab daher auch Schwierigkeiten, mir vorzustellen, wie ich ohne adhs wäre, weil damit auch ein paar meiner Eigenschaften genommen werden, auf die ich stolz bin. die Frage, was mir ohne das Adhs bleibt hat mich schon beschäftigt. Auch da lautet die Antwort für mich , mit der ich besser leben konnte :es ist teil von mir, ich bin halt anders. Krankheit oder Störung hat sowas "zugefügtes". wenn man es wieder weg nimmt, findet man die eigentliche Person wider. Das ist ein Bild, mit dem ich schlecht klarkomme, da wird mir zuviel genommen, ich weiß ehrlich gesagt nicht, was dann übrig bleibt, da das Adhs mich mein Leben lang begleitet und mich mitgeprägt hat. Es ist wirklich ein Teil von mir. nicht unbedingt eins, was ich mir ausgesucht habe, aber es ist nunmal da und damit muss ich leben. Ebenso, wie das andere mit zu großen Füßen, Sommersprossen, der Nase ihres Vaters oder einer ewig blassen Hautfarbe tun. Akzeptieren und damit klar kommen. irgendwie. das Beste sehen.

    für mich war das Glas immer halbvoll und ich bin ein Kind der 60er, 70er, 80er. ich hab unlängst die Schutzmechanismen bei Adhs nachgelesen, es passt irgendwie . ich bin aufgewachsen in dem Glauben, dass wenn man sich anstrengt natürlich nicht alles, aber doch vieles drin ist. Grenzen erforschen, lebenslanges Lernen, ein lebenslanger Versuch, sich zu verbessern und ein immer besserer Mensch zu werden. immer neues zu lernen und besser zu werden. nicht im Karrieresinn, sondern im Sinne von "besserer Mensch". Ausloten, was noch geht. noch ein bisschen an der Stellschraube drehen. immer weiterentwickeln und an seinen Fehlern wachsen. Lebenslanges Lernen und Wachsen. Vermittelt in einem Elternhaus, welches sich bei meinem Adhs als einen Segen erwies, für das ich nicht genug dankbar sein kann, wenn ich hier lese, wie es anderen so erging. ich bin da ganz demütig und dankbar. Aber ich muss auch an diesen Bildern festhalten, wenn ich so weiterleben will, wie ich es jetzt schon tue. nur ein bisschen besser.

    Für alles taugt das "ich bin anders"-Modell in meinen Augen viel mehr als das "ich bin krank"-Modell.


    das eine ist nicht "wahrer" oder "falscher" als andere. sie sind einfach nur unterschiedlich

  7. #47
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 277

    AW: ADHS Akzeptieren und es nicht als Krankheit sehen

    luftkopf33 schreibt:

    Was Du über das Selbstbild und das Pathologisieren schreibst,finde ich interessant und will nochmal genauer drüber nachdenken.

    Bei mir ist es eher so,wie bei @Dropkick. Ich fühle mich verunsichert,abgewertet und fast...entwertet in meiner Wahrnehmung und meiner Lebenswelt,wenn gesagt wird,ADHS sei eben nichts pathologisches und mein Selbstbild leidet mehr unter diesem "Zwangspositivismus" und der Verharmlosung,denn an der Feststellung eigener Defizite.

    Allerdings bin ich erstens erwachsen und zweitens denke ich,es besteht ein fundamentaler Unterschied zwischen Pathologisieren und Benennung der Defizite.
    [Jetzt kommt sie, die Überarbeitung für bessere Lesbarkeit]

    Ich habe diesen interessanten thread bis hierhin verfolgt - nicht zu streng bitte, falls ich nicht alle Facetten auf Lager habe, die Diskussion hatte einen hohen Komplexitätsgrad erreicht - und finde, es ist gar nicht leicht, einen für sie selbst, andere Betroffene (Stichwort Spektrumstörung) und Nicht-Betroffene passenden Blick auf das vielfältige Phänomen ADHS und seine möglichen Auswirkungen zu finden.

    Grundsätzlich finde ich genau das auch zentral: Defizite und ihr Auswirkungen zu benennen und darauf aufbauend geeignete Hilfen zu installieren. (Und nicht quasi gratulieren, weil der ADHS-Betroffene ja über so eine ungeheurer diverse Denke verfügt und daher so hochkreativ sein kann, sofern er es dann auch noch schafft, sein Chaos halbwegs im Griff zu haben).

    Individuell geeignete Hilfe bei individuell ausgeprägten Defiziten und Problemlagen. Weil es nicht banal ist, wenn jemand keine Stelle halten kann, oder dies zwar mit Müh und Not schafft, aber immer kurz vorm Zusammenklappen ist, oder eine Familie zu zerbrechen droht, weil die Belastung der Nichtbetroffenen und Betroffenen so groß wird, dass einer geht und/oder Familiendramen sich abspielen.

    (Im Übrigen, VORSICHT langer Einschub, habe ich ja selbst erfahren, wie das laufen auch kann. Dramen haben wir seit vielen Jahren, trotz vom Fach war ich lange reichlich betriebsblind. Aber: Akademikerpaar, Vater Dr. rer. nat., Mutter Psychologin, im Umgang beide eloquent, bei oberflächlicher Bekanntschaft unproblematisch und umgänglich und kompetent (mein Mann) bzw. den Eindruck von kompetenz hinterlassend (ich). Wenn's bei denen regelmäßig laut zugeht, laut ist hier leider beschönigend, eher die Fetzen fliegen, die Kinder zwar etwas "ungewöhnlich" sind, aber nicht gerade die Klasse aufmischen und gute Noten schreiben und eine von beiden "eh" hb (das erklärt ja irgendwie alles)...

    ... (lufthol) ich glaub, da kann man warten bis man schwarz wird respektive sämtliche Beziehungen und jeder Einzelne kaputt und fertig für's Leben ist, bis jemand einem (geeignete) Hilfe anbietet. Und das, obwohl ich seit neun Jahren von Hinz zu Kunz gelaufen bin (Kinderarzt, Familienberatung, Kindertherapeut, etc.), auf die richtige Richtung musste ich viele Jahre später und familiär gerechnet vier Psychotherapien weiter selber kommen, ja weil ich ja so kompetente Psychologin bin, kann man das ja auch von mir erwarten, jawoll! Und wo kam ich drauf? In der Ausbildung zur Psychotherapeutin, als ich ADHS-Patienten sah (und dachte "Mist, die sind wie ich, nur hatten die zusätzlich noch viel üblere Lebensumstände als ich) und einen Kollegen am Therapeuten-burnout, der vom Selbsterfahrungsleiter die Hypothese angeboten bekommen hat.

    Beide Mädchen sind zwischenzeitlich in Therapie gewesen, eine hat dort viel gespielt und dabei, weil der Therpeut so geschickt gespielt hat, tatsächlich mehr Selbstsicherheit gewonnen, ihre Kreativität wurde dort auch gestärkt. Die Therapeutin der anderen Tochter hat uns nicht für sie, sondern die Schwester eine ADHS-Diagnostik empfohlen, das vor einem Jahr schließlich anderswo diagnostizierte Kind saß aber wöchentlich bei ihr und hat eben so viel von ihren Problemen mit ihrer Schwester berichtet.). Nicht zu vergessen medikamentöse und psychotherapeutische Behandlung meines Mannes, Depression, die, mittlerweile glaube ich ihm das, nicht nur mit seiner Arbeit zu tun hatte. Und eine Kurzzeittherapie, in der ich ergründen wollte, was es mit meiner ellenlangen Geduld (die mein Mann schon immer als kurze Zündschnur betrachtet hat), die sich regelhaft urplötzlich in Wut und Zerstörung umschlägt, als wäre ein Schalter umgelegt (einiges Sinnvolles gelernt, aber das Wort ADHS oder Diagnostik fiel dann doch nie.

    Heute ist es in der Familie immer noch nicht substantiell besser, aber wenigstens sind wir auf der richtigen Fährte. Immer wieder wird mehr gezweifelt als geglaubt (wenigstens nicht mehr von den Fachleuten), wie das ist und wie verzweifelt/hilflos wir immer wieder sind).


    Die ganze Konglomerat von Ausprägung der Defizite (oder auch der Andersartigkeit) und ihrer Folgen und Begleiterscheinugnen, das ist bei jedem einzelnen Betroffenen unterschiedlich und nur bedingt vergleichbar, selbst wenn bestimmte Muster sich regelhaft finden lassen gibt's kein 08/15 Schema. Und um das bei Einzelnen rauszufinden, ebenso, was ihm hilft, ist Pathologisierung und Festschreibung ebensowenig geeigent (weil ADHS ja Veränderung / Lernen nicht ausschließt, sondern erschwert) wie Verharmlosung und Romantisierung (weil eine Verkennung und Beschönigung der existierenden Defizite / Schwierigkeiten / Folgen )

    Nun ja, das war jetzt mein Senf dazu, jetzt editiert. (Sorry Luftkopf, die erste Version war inhaltlich wie formal kaum lesbar, mein Handy eignet sich doch nicht so gut).

    Video, das beides aufgreift und m.E. gar nicht so schlecht integriert, folgt (obwohl ich mir wirklich nicht bei jedem Satz den der sagt, überlegt hab, ob ich ihm zustimmen würde.)
    Geändert von alice_s ( 4.07.2016 um 21:38 Uhr) Grund: Korrektur

  8. #48
    Lebenskünstler

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 4.181

    AW: ADHS Akzeptieren und es nicht als Krankheit sehen

    Wärst Du so lieb,bei der Gelegenheit auch gleich den einen oder anderen Absatz einzubauen? Dankeschön!

  9. #49
    Lebenskünstler

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 4.181

    AW: ADHS Akzeptieren und es nicht als Krankheit sehen

    Moselpirat,ich habe MEINE ADHS bewertet in "Grad der Betroffenheit" und habe geschrieben,dass eine unbehandelte Adhs von entsprechender Ausprägung-entgegen Deiner Aussage,dazu seien erst Komorbiditäten nötig, sehr wohl auch "solo" ein Problem darstellt. Das ist ein allgemein anerkanntes Faktum. Nicht meine Meinung zum Schweregrad DEINER ADHS.

    Ich bewerte nicht DEINE ADHS und von richtig oder nicht richtig ADHS schrieb ich schon gar nicht. DASS es unterschiedliche Schweregrade gibt und diese sich auch auf die Biographie auswirken ist allerdings eine einfache Tatsache und ich wüsste nicht,aus welchem Grund es beleidigend sein sollte,auf solche offensichtlichen Unterschiede ganz allgemein hinzuweisen-ohne wie gesagt persönlich zu werden.

    Ich habe lediglich meine Meinung zu Deiner Haltung kundgetan,die Du selbst als "Luxuseinstellung" betitelst.. Das darf ich. Du darfst ja auch Deine Meinung zu meiner ausdrücken. Wenn Du Dich mit dem Begriff "Krankheit" oder "Behinderung" unwohl fühlst,dann ist das so und ich spreche Dir das Recht auf diese Einstellung absolut nicht ab.

    Sachlich widerspreche ich lediglich tatsächlichen Falschaussagen wie zu den mit ADHS assoziierten positiven Eigenschaften.

    Alles andere ist rein persönliches Erleben.

    p.s. Ich gehe mangels Info davon aus,dass Du Dich auf meinen direkt auf Deinen folgenden Beitrag beziehst. Und,dass eine Diskussion die Hinterfragbarkeit aller eingebrachten Texte bedingt. Es tut mir leid,dass Du das persönlich genommen hast. Es war nicht meine Absicht,Dir auf den Schlips zu treten.

    p.p.s. Und wieder eine solche Maulschelle aus emotionalen Gründen. Ich habe es so satt.

    3pps,das vielleicht keiner mehr mitkriegt...
    Ich verstehe gerade nicht,wieso dieselben Leut',die mir zustimmen UND das auch offen per like -nicht nur PN-ausdrücken,sich gleichzeitig bei Moselpirat gar bedanken,nicht nur liken.

    Dass,was sie mir unterstellt,tue ich doch gar nicht und personlich hätt' es hier auch nicht werden müssen. Das verwirrt mich gerade komplett und ich denke,bei solchen Themen halte ich mich -solange ich noch im Forum bin-jetzt lieber komplett raus,bevor ich weiter solche Missverständlichkeiten produziere.
    Geändert von luftkopf33 ( 5.07.2016 um 06:41 Uhr)

  10. #50
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 22
    Forum-Beiträge: 409

    AW: ADHS Akzeptieren und es nicht als Krankheit sehen

    Das wirft für mich folgendes Gleichnis auf: Wenn du es als eine Charaktereigenschaft siehst und es akzeptierst, ist es keine oder wenig Krankheit, wenn du es als Krankheit siehst, dann ist es auch Krankheit. Krankheit ist nämlich dadurch definiert (wie samo schon sagte), dass man sowohl von der Norm abweicht, als sich auch unwohl damit fühlt. Es ist jedoch keins von beidem besser, ich sehe es lieber als Krankheit weil ich weiß, dass ich für manche Dinge nichts kann und dass daran arbeiten nichts bringt. Das heißt die nicht-Akzeptanz von ADHS führt für mich zur Akzeptanz von mir selbst.

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