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Diskutiere im Thema Zu viel Reden im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Alter: 27
    Forum-Beiträge: 463

    Zu viel Reden

    Der Thread hat zwei Ziele:

    1. Teilt eure Erfahrungen mit zu viel reden und wie ihr das in den Griff bekommen habt. Was glaubt ihr ist der Grund dafür, dass ihr zu viel redet? Es ist ein Indikator für so vieles... Extrovertiertheit, ADHS, Asperger... aber auch soziale Angst oder unterschiedliche kulturelle Erziehung (in manchen Kulturen gilt es als unhöflich, in einem Gespräch Stille zuzulassen, in anderen ist es ein Affront, keine Pausen zu lassen und zu unterbrechen)
    2. Mein persönliches Problem mit zu viel reden (vielleicht kann mit da wer helfen)



    -----------------------------------

    Mein Problem:

    Ich weiß nicht, ob ich zu viel rede.

    Ich hab Freunde befragt, ob sich finden, dass ich zu viel rede und alle haben mit nein geantwortet. Ich sei sehr umgänglich. Ok, wird auch einen Grund haben, warum sie meine Freunde sind. Ich glaube, das stimmt aber nicht IMMER.

    In Gruppensituationen mit Menschen, die ich nicht gut kenne ist es sehr schlimm. Ich kann Stille nicht aushalten und dann sag ich einfach irgendwas, entschuldige mich im nächsten Moment dafür, dass das, was ich gesagt habe total banal ist und wahrscheinlich niemanden interessiert, pausiere kurz, es sagt niemand was, also rede ich weiter nonsens.

    Das Ding ist, dass ich eigentlich eher introvertiert bin und gar nicht gerne rede aber aus Angst einen Zwang zum reden verspüre und mich dann doppelt unwohl fühle, das wiederum ausstrahle – Ergebnis: Alle fühlen sich unwohl.

    Manchen Menschen traue ich irgendwie nicht zu, dass sie von alleine was sagen. Dabei würde ich sie gerne besser kennen lernen. Dann frage ich mich, wie diese Menschen sich unterhalten, wenn ich nicht da bin. Irgendwie muss das ja funktionieren. Machen sie ganz lange Pausen? Finden sie das nicht unangenehm?

    Heute morgen habe ich erfahren, dass zwei Bekannte von mir, die ich immer zutexte weil ich das Gefühl habe, dass sie nicht von sich aus reden, sich auf einer Party länger unterhalten haben. WIE?! Ich würde da so gern Mäuschen spielen...

  2. #2
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsener
    Forum-Beiträge: 1.649

    AW: Zu viel Reden

    DaS Problem habe ich leider auch.Und merke meist erst hinterher dass ich mal wieder den höchsten Redeanteil hatte.Zutexten und immer auf Sendung-seufz.Ich würde mir das gerne von den stillen aneignen,einfach nur beobachten,dasein,nicht reden.Wäre auch froh über Tipps.

  3. #3
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Angehörige(r)
    Forum-Beiträge: 2

    AW: Zu viel Reden

    ja, darauf solltest du schon achten. sonst machste dich schnell unbeliebt. Aber es ist ein gutes Zeichen, dass du nachfragst

  4. #4
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 547

    AW: Zu viel Reden

    Ja, super, wenn das so leicht wäre, darauf zu achten... Ich kenne das eben auch, dass es mir erst hinterher auffällt.

    Kollegen oder Vorgesetze, die mich mögen oder auch etwas ähnlich funktionieren, nennen das dann "gründlich", "offen", "beharrlich" (was ja nicht nur eine Beschönigung ist, aber so agnz sicher bin ich mir da auch nie).

    Andere habe ich auch schon die Augen rollen sehen, z.B. bei Seminaren, wenn die eigentlich nach Hause wollen (und die ganzen 16 Stunden da saßen ohne auch nur einmal was zu sagen, das verstehe ich allerdings nicht, da wär's mir auch totlangweilig) und ich dagegen finde (mal wieder), eine wichtige Frage ist eigentlich noch nicht wirklich geklärt. Und: Kann doch irgendwie nicht sein, dass das (fast) nur ich für wichtig halte...
    Manche sind dann wenigstens so freundlich und geben mir unter vier Augen mal ein klares, aber wertschätzdendes Feedback, mit Pro und Contra.

    Gerade in diesem Bereich ist mir übrigens eine Veränderung seit Medikation mit MPH aufgefallen: Ich stelle mich lange nicht mehr so viel und automatisiert in Frage wie früher, Selbstunsicherheit ist weniger geworden, aber ich glaube, ich kann es auch etwas besser: Auf mich selbst und meine Dosierung beim Reden achten und auch vorher mal kurz abwägen: Was ist wichtig zu sagen, was nicht so.

    Am besten kann ich es - glücklicherweise, sonst wäre es wohl ein Berufshindernis - mit den Patienten, da switche ich irgendwie um (da geht's per deifinitionem ja auch nicht um mich).

    Im Privaten ist es am schwierigsten. Dort sind meine wichtigen Leute eben auch nicht Patienten, sondern mein Mann, Kinder, Eltern, meine Freunde, da will ich gerne auch "dran" kommen mit meinen Anliegen... und schon wird es schwieirg mit der Dosierung.
    Auch hier geht's oft am besten mit denen, die ähnlich ticken. Aber immer wieder kriege ich halt eines auf den Deckel, ich sei ausufernd, redundant, missionarisch.

    Froh bin ich ganz allgmein, wenn ich wie schon gesagt offenes und wertschätzendes Feedback kriege. Und das ist schon öfter dabei, gerade im Ausbildungskontext, wo es ja auch viel um Selbsterfahrung geht. Höre regelmäßig Dinge wie "offen/mutig", "neugierig/interessiert", "freundlich/präsent", "beobachtet genau". Das ist ja schon mal was, denke ich (und vermutlich auch mit ADHS assoziierte Qualitäten)

    Vielleicht hilft euch das ja auch? Vielleicht könnt ihr manche Leute darum bitten, euch ab und an mal ganz differenziertes Feedback zu geben? (Muss ja nicht nur einseitg sein, könnt euch ja revanchieren).

    Ach ja, und bei den "Schweigern" mal länger warten als sonst, ob nicht vielleicht doch was kommt (viellicht haben die sich nur schon damit eingerichtet, dass sie sich's bei dir ja bequem machen können). So als kleines Experiment. Kannst dir ja nebenbei im Kopf was erzählen bzw. das kommentieren, was du beobachtest, falls du in Gefahr bis, doch zu schnell in die Bresche zu springen.
    Geändert von alice_s (20.06.2016 um 00:21 Uhr)

  5. #5
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Alter: 27
    Forum-Beiträge: 463

    AW: Zu viel Reden

    @Alice

    Jup, mir gehts auch am meisten um den Bereich des Privaten.

    Ergänzend zu deine Begründung, warum Reflexion allein nicht hilft. Mir fällt es manchmal nicht erst danach sondern sogar währenddessen auf und ich kann trotzdem nicht aufhören, weil da die Angst vor der Stille ist. Ich rede, denke, „meine Fresse laberst du grad viel“, lass ne kurze Pause und hoffe, dass jemand anders was sagt aber wenn nicht innerhalb von 10 Sekunden wer einspringt, halte ich es einfach nicht aus. Das ist besonders mit introvertierten Menschen ein Problem, die gerne überlegen, bevor sie etwas sagen und deswegen vielleicht auch 20-60 Sekunden Stille brauchen.

    Ich hab allerdings noch nie in meinem Leben negatives Feedback bekommen. Dachte immer, die Leute seien zu höflich sind um einem zu sagen, man rede zu viel. Aber wenn dir das schon mal gesagt worden ist, vielleicht spielt sich das dann eher in meinem Kopf ab? Ich hab ja Freunde um Feedback gebeten und alle meinten nö, ich rede nicht zu viel. Hmpf.

    Ich denke, du solltest das positive Feedback, das du bekommst definitiv nicht als Beschönigung runterspielen. Ich z.B. freu mich immer total, wenn ich Personen begegne, die von selbst reden und bei denen ich mich mal zurücklehnen kann.

  6. #6
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Forum-Beiträge: 238

    AW: Zu viel Reden

    Ich kann wärmstens das Buch "Ich bleib so Scheiße, wie ich bin" von Rebecca Niazi-Shahabi empfehlen.
    Das ist kein hochgradig psychologisches Buch, aber eines, das mich gestärkt hat.

    In dem Buch geht es im großen und ganzen darum, dass man sich akzeptiert, mit vielen anschauligen und teilweise lustig zu lesenden Beispielen. Es ist schon ein paar Jahre her, dass ich das Buch las, deshalb kann ich nicht ins Detail gehen, aber es wurden viele Beispiele angeschnitten, unter anderem eben auch, wenn man "zu viel redet" oder "zu wenig".
    Jeder der den Titel las, hat mit den Augen gerollt und gedacht, es handelt sich bei dem Buch darum, dass man seine wiederwärtigsten, assozialsten Charakterzüge beibehalten solle, aber darum geht es eben nicht. Ich fand das Buch einfach nur toll und aufbauend.

    Da ich den Inhalt so genau, wie es jetzt hier nötig wäre, einfach nicht mehr zusammen bekomme, schreibe ich jetzt meine Worte, Gedanken und Erfahrungen zu dem Thema.

    Ich bin nur ein Plappermaul, wenn ich fröhlich bin oder wenn ich etwas wichtiges mitzuteilen habe. Dann bekomme ich die nötigen Worte nicht zusammen, rede aber viel - im Endeffekt nur Unsinn, den ich im Nachhinein teilweise bereue.
    Wenn ich fröhlich bin ist das Plappern kein Problem für mich, da ich ja gut gelaunt bin. Wie kann ich etwas scheiße finden, was ich in guter Laune tue? Es hat sich auch noch niemand darüber beschwert, die Leute fanden es dann höchstens amüsant oder haben sich gefreut, weil sie wissen, dass ich so nur bin, wenn ich gut drauf bin. Also kein Problem.
    Ein Problem ist es, wenn ich etwas wichtiges zu sagen habe. In dem Moment ist es aber kein drauflosplappern, ich suche einfach mein unnützes Gedächtnis wie eine Wahnsinnige nach den wichtigen Worten ab, die ich gerade brauche und haue dabei möglichst alles raus, was ich finde. Hinterher ärgere ich mich grundsätzlich, weil das, was ich gerne gesagt hätte, nicht dabei war.
    Wie ich damit umgehen soll, ist mir noch nicht bekannt. Ich habe noch niemanden gefunden, der mir erklären kann, wie ich die Ruhe bewahren kann, wenn ich unter Stress stehe.

    Wenn du, Persephone, aber vor allem redest, weil du dich unwohl fühlst, dann halte ich es für wichtig, dir außerhalb dieser Situationen Gedanken dazu zu machen, warum du dich unwohl fühlst. Wo kommt das her? Welche Erfahrungen haben dich dahin gebracht? Diese zu ergründen kann schon helfen, in der nächsten Situation entspannter zu bleiben, weil du vielleicht erkennst, dass diese Situationen, die du als Kind oder wann auch immer erlebt hast, etwas anders waren, als die, in denen du nun bist.
    Frage dich, warum du Stille in Gruppen nicht aushältst, obwohl du Stille in anderen Situationen bevorzugst. Was bewegt dich in den Momenten? Hast du die Befürchtung, dass die Leute schlecht über dich denken, weil du still bist? Dann bedenke, dass sie selbst gerade still sind. Hast du Angst, dass die Leute dich nicht leiden können? Dann frage dich, wie wichtig es dir ist, dass die Anwesenden dich leiden können. Wovor könntest du sonst Angst haben? Mir fallen momentan keine weiteren Möglichkeiten ein, aber es gibt sicher noch viele.
    Frage dich, was du schlimm daran findest, Unsinn zu reden. Mit Unsinn kann man oft angespannte Situationen auflockern. Möglicherweise klappt das bei dir nur deshalb nicht, weil du dich hinterher für den "Unsinn" entschuldigst und einen beschämten Eindruck machst. Jeder macht Fehler, das ist die Natur der Natur, also nicht nur des Menschen sondern von allem was uns umgibt. Fehler gehören zum Fortschritt und im Laufe der menschlichen Geschichte haben die meisten Fehler zu einer unerhofften Entdeckung/Erfindung geführt. Fast alles was es gibt, wurde versehentlich erfunden und nicht gezielt. Fazit: Fehler sind wichtig. Also erlaube dir, Fehler zu machen, gerade vor anderen Menschen. Menschen sind nicht gern mit anderen Menschen zusammen, die scheinbar perfekt sind. Dadurch fühlen sich die Menschen schlecht, weil jeder weiß, dass er selbst nicht perfekt ist - beim anderen das aber nicht unbedingt ungesehen akzeptieren kann. Wenn du Fehler vor anderen Menschen machst, wirkst du menschlicher auf sie, als wenn du versuchst, perfekt zu sein. Das ist für mich das beste Argument, warum man so sein sollte, wie man ist, selbst wenn man nicht rundum zufrieden mit sich ist (was niemand ist).
    Sei dir aber auch im klaren darüber, dass man niemals mit JEDEM Menschen auf der Welt klar kommen kann. Umso mehr man sich bemüht, umso weniger klappt es. Wirklich gut kommt man nur mit Menschen klar, mit denen es einfach passt und das ist sehr von unserem eigenen Charakter und unseren Erfahrungen, die ja unseren Charakter prägen, abhängig. Wenn nun doch jemand blöd reagiert, weil du Nonsens erzählst, dann ist das vollkommen normal. Jeder hat andere Vorlieben, einen anderen Sinn für Humor oder auch gar keinen. Wir müssen nicht mit jedem gut klar kommen. Diese Menschen meiden wir halt in Zukunft. Sich für diese Menschen zu verbiegen, bringt nichts. Wir erreichen damit nichts - esseidenn, wir wollen etwas von ihnen. Wenn man einen bestimmten Job unbedingt will, dann wird man sich sicher auch besonders darum bemühen, mit dem Chef gut auszukommen.
    Ich finde allerdings, das ist einer der Gründe, warum wir Menschen immer mehr unter psychischen Krankheiten leiden. Wir müssen uns einen viel zu großen Teil des Tages verbiegen. Mache das nicht auch noch in der Freizeit.

    Ich persönlich meide Gruppen. Ich bin einfach absolut kein Gruppenmensch und ich fühle mich tatsächlich wohl, wenn ich allein bin. Das tun nicht viele und diese müssen wohl oder übel lernen, wie man sich in Gruppen wohl fühlt, ich persönlich muss das nicht. Mir reicht eine Freundin. Momentan habe ich nicht mal die. Ich habe nur meinen Freund. Ich habe eine zeitlang neben ihm versucht, andere Freundschaften aufzubauen, es ist mir nicht möglich. Mehr als eine Bekanntschaft gleichzeitig überfordert mich. Rückblickend hatte ich tatsächlich schon immer nur eine Freundschaft. Hatte ich doch mal mehrere, hat mich diese Situation schon immer so überfordert, dass ich mich auf eine fokusiert und die andere vernachlässigt habe.
    Aber selbst als tatsächlich glücklicher Einzelgänger ist es nicht möglich, Gruppensituationen komplett zu vermeiden. Ich halte mich in solch aufgezwungenen Situationen in den Pausen immer am Rand der Gruppen auf. In den Zeiten, wo ich mich integrieren muss, kann ich durchaus auch reden (solange mir das Thema nicht am Herzen liegt). Damit komme ich klar, weil es mir egal ist, ob ich von den anderen ernst genommen werde oder nicht oder was sie allgemein davon halten. Das ist möglich, wenn es einem nicht wichtig ist.
    Deshalb noch einmal wichtige Fragen, die du dir selbst stellen und erörtern solltest: Warum ist es dir wichtig, dass keine Stille herrscht? Warum ist es dir wichtig, dass du ernst genommen wirst?

    Du musste kein der von mir gestellten Fragen hier im Thread beantworten, da diese nur für dich selbst wichtig sind und nur du selbst sie beantworten kannst. Aber natürlich kannst du die Antworten gerne hinschreiben. Insbesondere, wenn die Fragen dich selbst verwirren. Vielleicht kann dir dann jemand weiter helfen

  7. #7
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Alter: 27
    Forum-Beiträge: 463

    AW: Zu viel Reden

    @Blaustern

    Vielen Dank für die ausführliche Antwort und die Buchempfehlung.

    Besonders hilfreich fand ich den Unterschied zwischen dir und mir, auf den du hingewiesen hast. Du redest viel wenn du dich gut fühlst, deswegen ist es kein Problem. Ich rede viel, wenn ich mich unwohl fühle und fühle mich dadurch noch schlechter.

    Warum mach ich das?
    Ich glaube viele von den möglichen Gründen, die du angeführt hast, kommen da zusammen. Ich war in meiner Schulzeit immer die „Seltsame“, die, die man nicht auf Parties eingeladen hat und nicht dabei haben wollte. Warum, konnte mir keiner erklären, ich war halt komisch.

    Obwohl das jetzt 10 Jahre her ist und ich ein ganz anderes soziales Umfeld habe, belastet mich das immer noch.
    Wenn ich in einer Gruppe bin und die Konversation läuft nicht, denke ich sofort, dass das daran liegt, dass ich komisch, langweilig, seltsam bin. Dass die anderen nur ihre Zeit absitzen um nicht unhöflich zu sein aber eigentlich am liebsten weg wollen. Dass sie denken „Man, bevor Persephone gekommen ist wars richtig nett, hoffentlich verschwindet sie gleich wieder“. Dass ich mit meiner bloßen Anwesenheit Gruppen kaputt mache, die sonst gut funktionieren.

    Dann will ich beweisen, dass ich "normal" bin, andere unterhalten, eine Konversation führen kann. Ich rede zu viel. Und fühle mich noch schlechter.

    Das ist natürlich eine völlig absurde Selbstfixierung, als wär ich der Mittelpunkt der Welt.

    Aber auch, wenn ich das durchschaue, kann ich gegen das Gefühl nichts machen…. ?

    Warum ich Stille an sich so schwer aushalte, kann ich allerdings überhaupt nicht erklären. Da fällt mit auch kein traumatisches Ereignis oder so ein. Das ist fast wie eine Phobie. Selbst in Zweiergesprächen mit Personen, die ich gut kenne und mag. Nur mit meinem Freund kann ich schweigen.

    Hast du keine Angst, von diesem einen Freund extrem abhängig zu werden wenn du sonst niemanden hast?

  8. #8
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Forum-Beiträge: 238

    AW: Zu viel Reden

    Ich glaube dieses "Mittelpunkt der Welt"-Problem haben viele ADHSler. Das kenne ich gut. Leider kann ich hierbei keine Anregungen geben, da es mir ja hilft, mich zurückzuziehen, was für dich eine blöde Lösung wäre.


    Nein, die Angst, dass ich abhängig von meinem Freund werde, habe ich nicht und ehrlich gesagt, finde ich den Gedankengang sehr unlogisch (was keine Kritik an dich ist ..). Es gibt viele Menschen, die abhängig von ihren Partnern sind, obwohl sie auch andere Freunde haben.
    Was genau könnte mich abhängig machen?

  9. #9
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Alter: 27
    Forum-Beiträge: 463

    AW: Zu viel Reden

    Blaustern schreibt:
    Ich glaube dieses "Mittelpunkt der Welt"-Problem haben viele ADHSler. Das kenne ich gut. Leider kann ich hierbei keine Anregungen geben, da es mir ja hilft, mich zurückzuziehen, was für dich eine blöde Lösung wäre.


    Nein, die Angst, dass ich abhängig von meinem Freund werde, habe ich nicht und ehrlich gesagt, finde ich den Gedankengang sehr unlogisch (was keine Kritik an dich ist ..). Es gibt viele Menschen, die abhängig von ihren Partnern sind, obwohl sie auch andere Freunde haben.
    Was genau könnte mich abhängig machen?
    Hm, wenn man auch ganz alleine klar kommt, ist man wohl nicht abhängig. Ich hab da wohl von mir auf dich geschlossen. Ich hätte Angst davor, komplett alleine zu sein, wenn diese eine Person sich von mir abwendet, ich mich von ihr oder wenn ihr etwas passiert. Deswegen würde ich dann Sachen hinnehmen, die ich sonst nicht hinnehmen würde, wenn ich wüsste, es gäbe noch andere Menschen in meinem Leben. Schön, dass du so unabhängig bist.

    Und klar kann man auch mit Freunden total von einer Person abhängig werden. Musste ich grad bei einer Freundin mitansehen.

  10. #10
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 547

    AW: Zu viel Reden

    Persephone schreibt:
    @Alice

    Jup, mir gehts auch am meisten um den Bereich des Privaten.

    Ergänzend zu deine Begründung, warum Reflexion allein nicht hilft. Mir fällt es manchmal nicht erst danach sondern sogar währenddessen auf und ich kann trotzdem nicht aufhören, weil da die Angst vor der Stille ist. Ich rede, denke, „meine Fresse laberst du grad viel“, lass ne kurze Pause und hoffe, dass jemand anders was sagt aber wenn nicht innerhalb von 10 Sekunden wer einspringt, halte ich es einfach nicht aus. Das ist besonders mit introvertierten Menschen ein Problem, die gerne überlegen, bevor sie etwas sagen und deswegen vielleicht auch 20-60 Sekunden Stille brauchen.
    Das mit der Angst kann ich nachvollziehen. Bei mir es es so ähnlich, dazu kommt noch eine gewisse Aversion (Reizjunkie), hängt etwas von der Person/Vertrautheit ab, was überwiegt. Hab jedenfalls länger gebraucht, um mich auch mit Stille auseinanderzusetzen und finde es heute noch schwierig. Versuche, mir ein verhaltenstherapeutisches Prinzip zu Herzen zu nehmen: Dorthin gehen, wo die Angst ist, sich ihr aussetzen und erfahren, dass sie einen nicht umbringt (meistens ). Hört sich klug an, ich schaff's halt manchmal ansatzweise.

    Persephone schreibt:
    Ich hab allerdings noch nie in meinem Leben negatives Feedback bekommen. Dachte immer, die Leute seien zu höflich sind um einem zu sagen, man rede zu viel. Aber wenn dir das schon mal gesagt worden ist, vielleicht spielt sich das dann eher in meinem Kopf ab? Ich hab ja Freunde um Feedback gebeten und alle meinten nö, ich rede nicht zu viel. Hmpf.
    Naja, das könnte daran liegen, dass ich schon ein paar Jährchen mehr auf dem Buckel habe, sobald man dann Mann und Kind hat ist es mit der Schonung vorbei
    Spaß beiseite, vielleicht ist es auch mehr in deinem Kopf (nicht negativ gemeint) und du bist bei allem schnellen in die Bresche springen noch ein sehr einfühlsamer Mensch und von außen betrachtet passt es doch ganz gut!

    Ich glaube, das hängt schon auch davon ab, mit wem man zu tun hat. Für manche ist es ja wirklich ganz bequem so, die haben sich vielleicht mir der Rolle des Zuhörers eingerichtet.

    Als mir dann mal zwei etwas introvertierte, aber nicht damit eingerichtete Freundinnen die Rückmeldung gegeben habe, bei mir sei es schwierig, mal zum Zug zu kommen, wenn mal auch mal ein Anliegen habe, dachte ich holla, jetzt wird's Zeit was zu ändern. Fortan war es immer recht schwierig, entweder hab ich mich extrem kontrolliert --> dann ist jedes Gespäch Anstrengung und ich hatte immer wieder Sorge, ich krieg's nicht hin, irgendwann wollen die nichts mehr mit mir zu tun haben oder ich lasse es lockerer laufen, prompt bin ich ins übliche Muster verfallen mich.

    Persephone schreibt:
    Ich denke, du solltest das positive Feedback, das du bekommst definitiv nicht als Beschönigung runterspielen. Ich z.B. freu mich immer total, wenn ich Personen begegne, die von selbst reden und bei denen ich mich mal zurücklehnen kann.
    Da hast du recht. Danke einerseits und das mit dem Zurücklehnen erlebe ich auch so. Gut finde ich auch, wenn ich auf einen der eher seltenen Leute treffe, mit denen so ein Hin und Her von selbst funktioniert. Das finde ich, ist ein Glücksfall.

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