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Diskutiere im Thema Lebensentscheidungen treffen und einhalten- Überforderung! im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #1
    Bin hier neu, seid lieb zu mir

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 27

    Lebensentscheidungen treffen und einhalten- Überforderung!

    Liebe Leute,

    ich suche dringend Erfahrungen, wie ihr einmal getroffene große, wichtige Entscheidungen irgendwie beibehaltet und nicht wieder verwerft.
    Ich habe mir iwie beibringen können, bei kleinen Dingen im Alltag schnell und iwie zu entscheiden, weil sie mir auch nicht so wichtig sind, allerdings kann ich das bei grossen Dingen überhaupt nicht.

    Ich bin 28, habe bald das Studium fertig und mache bisher tausend Dinge nebeneinander her, Studium,Nebenjob, tausend Hobbys etc.

    In letzter Zeit bin ich so müde davon,dass ich mich nicht festlegen kann, dass ich echt deprimiert bin. Ich muss mich für einen Beruf entscheiden, will aber am liebsten in tausend Feldern arbeiten.Ist ja nicht so, dass ich nicht rational weiss, dass das nicht geht, aber manchmal blende ich das aus und rede mir ein, dass ALLES geht, ich Superwoman bin und die Naturgesetze aushebeln kann😂.
    Dann geht es mir kurz gut und ich fühle mich stark.

    Wenn ich dann aber in den Situationen drin bin, merke ich wie anstrengend alles ist und will nur noch nach Hause mich ausruhen, fühle mich klein und nehme mir danach vor, mein LEBEN zu vereinfachen, was sich wieder für ein paar Stunden gut anfühlt. Es ist alles ein Riesen- Placebo.

    Am nächsten Tag nehme ich nämlich klammheimlich wieder etwas Neues auf, bewerbe mich irgendwohin, wo ich gar nicht hin will etc.

    Es ist zum Verrücktwerden, ich quäle mich und mein Umfeld so derart damit...😨 Nächstes Jahr soll ein Umzug anstehen und in meinem Kopf plane ich gleichzeitig für den neuen Wohnort und den alten Wohnort weiter, so als langweile es mich zu Tode nur eine Sache zu spüren.
    Es ist so irrational, aber in dem Moment habe ich das Gefühl ich bin am Leben.
    Doch der Downfall nach dem Realitätscheck wird immer schlimmer, je länger ich das weiter praktiziere.
    Besonders jetzt, nachdem ich weiss dass ich Adhs habe, sehe ich Bedarf da was zu ändern.

    Ich bin so müde davon. Denn andererseits wünsche ich mir nichts sehnlicher als Ruhe und Eindeutigkeit, andererseits ist sie mir unerträglich.

    Mein Freund kann mit mir nicht planen, will aber auch langsam mehr Klarheit, was ich total verstehe.

    Meine Therapeutin hilft mir bei vielen Dingen, aber ich hab die Diagnose noch nicht so lange ( 4 Monate) und ich kriege dieses Muster, das ich seit bestimmt 8 Jahren fahre, bisher nicht gebrochen, außer dass ich jetzt weiss woran es liegt. Aber jetzt ist es halt dringender als mit Anfang 20 mit den Entscheidungen.

    Und ich fühle mich genauso hilflos bei höherem Leidensdruck gleichzeitig!

    Vielleicht hat jemand Erfahrungen damit!?
    Ich wäre überaus dankbar.


    LG, Chaosprofi
    Geändert von Chaosprofi (23.05.2016 um 15:04 Uhr)

  2. #2
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 168

    AW: Lebensentscheidungen treffen und einhalten- Überforderung!

    Also Grundsätzlich helfen mir, auch bei großen Entscheidungen Zufallsentscheidungen. Ich werfe eine Münze. Mach's mit einem Zahlengenerator wenn es mehr als zwei Möglichkeiten gibt. Dann steht da eine für mich getroffene Entscheidung und ich gucke wie sich die anfühlt. Fühlt sie sich schlecht an, muss ich die ja nicht übernehmen. Hab ich ja nicht getroffen, aber ich weiß jetzt, dass die Option einfach in Wirklichkeit ausm Rennen ist. Wenn es viele Optionen gibt, versuche so ein paar auszusortieren und guck was übrig bleibt. Villeicht ist es dann gar nicht mehr so viel.

    Ich denke uns lenken zu viele Optionen einfach ab, zwei Optionen gleichzeitig sehen immernoch gut aus, weil die Gute ja immernoch dabei ist. Wenn eine aber durch so ein Spiel erstmal ausgeschlossen ist, sieht man klarer und bleibt Handlungsfähig.

    Und keine Angst vor der Entscheidung: Es gibt wenige Entscheidungen im Leben, die nicht reversibel, veränderbar oder anpassbar sind mit etwas Aufwand.

  3. #3
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 51
    Forum-Beiträge: 246

    AW: Lebensentscheidungen treffen und einhalten- Überforderung!

    Hallo Chaosprofi,

    hat sich vor 8 Jahren etwas grundlegendes bei dir geändert? War es davor für dich anders?

  4. #4
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 43
    Forum-Beiträge: 10.928

    AW: Lebensentscheidungen treffen und einhalten- Überforderung!

    irgendwie kommt mir das total bekannt vor entscheidungen treffen die das leben so sehr beeinflussen,
    die zweifel ob die entscheidung richtig ist..... erst fühlt sich die entscheidung richtig an,danach kommen die zweifel
    dann eine impulshandlung


    manchmal dinge unterbewusst kaputt machen, obwohl man die doch will.....

  5. #5
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Alter: 44
    Forum-Beiträge: 476

    AW: Lebensentscheidungen treffen und einhalten- Überforderung!

    Hallo Chaosprofi!

    Du beschreibst sehr genau mein Auf und Ab im Leben. Dieses Gefühl von himmelhoch jauchzend und dann wieder zu Tode betrübt, dass sich wieder und wieder abwechselt.

    Und das ist wahrlich anstrengend.

    Ich bin jetzt 42 und habe die Diagnose seit letztem Jahr und suche seit einiger Zeit auch nach Lösungen für mich, um dieses ständige Auf und Ab in den Griff zu kriegen. Seit dem ich Medikinet nehme scheint es ein wenig "flacher" zu sein, aber es ist immer noch anstrengend.

    So anstrengend, dass ich mittlerweile ein Burn-Out, eine Depression und eine Angststörung entwickelt habe.

    Ich mache zZt. eine Therapie, habe aber leider so langsam das Gefühl, dass das nicht reicht.

    Daher spiele ich im Moment mit dem Gedanken, in eine auf ADHS und ihre Begleiterkrankungen spezialisierte Klinik zu gehen.

    Denn so kann es auch bei mir nicht weiter gehen.

    Ich war früher auch Entscheidungsfreudiger, habe sogar einigermaßen Karriere gemacht und es gehörte bei mir zum Alltag, schnelle und wichtige und vor allem richtige Entscheidungen zu treffen, weil es sonst richtig teuer werden konnte.

    Mittlerweile kann ich so gut wie gar nix mehr alleine entscheiden, ohne mir Unterstützung bei meiner Familie zu holen. Alles überfordert mich und ich bin total verunsichert, habe das Gefühl mein "Urvertrauen" verloren zu haben.

    Ich glaube, bei mir liegt es daran, dass ich sehr lange vieles unbewusst kompensiert habe und auch dachte ich bin "normal", also dass jeder so ist. Auf Dauer geht das aber anscheinend nicht gut. Es heißt ja auch, dass viele ADHSler um die 40 damit anfangen extrem abzubauen. Bei mir war es jedenfalls so.

    Nimmst Du denn Medikamente?

    LG

    Lady

  6. #6
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 71

    AW: Lebensentscheidungen treffen und einhalten- Überforderung!

    Oh hier klinke ich mich mal mit ein

    Mir geht es ziemlich ähnlich. Entscheidungen fallen mir im allgemeinen sehr schwer und hinterher habe ich eigentlich immer das Gefühl, die falsche getroffen zu haben.
    Wie hast du es geschafft, die "kleinen Enscheidungen" zu meistern? Pizza bestellen dauert bei mir ne Stunde weil ich mich nicht enscheiden kann und dann am Ende doch immer das gleiche nehme wie immer....

    Beruflich habe ich nach ein paar Jahren gemerkt, dass mir die sogenannte Karriere überhaupt nicht wichtig ist und mich nicht glücklich macht und hab hingeschmissen. Eigentlich weiß ich sehr genau, was ich machen möchte - aber dazu kommt ja irgendwie noch die Erwartungshaltung von außen, die ich versucht bin, zu erfüllen, außerdem hab ich Angst, dass wirklich durchzuziehen und dann hinterher wieder festzustellen, dass es nicht das richtige ist. Wenn ich an all die Ideen denke, die ich schon hatte...

    Jetzt aktuell bin ich in der Situation, dass es nach der Elternzeit wieder soweit wäre, in meinen Job zurück zu kehren, aber eigentlich will ich das gar nicht. Habe denen deutlich meine Bedingungen genannt (das hat Überwindung gekostet!) und warte jetzt auf Rückmeldung, mal schauen.

    Das Hochgefühl kenne ich auch zu gut. Irgendwann hat man einen Plan im Kopf für sich formuliert und ist optimistisch. Und dann auf einmal zweifelt man wieder alles an. Schwierig, damit komme ich auch nicht klar....

  7. #7
    bin eine Piratin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 51
    Forum-Beiträge: 1.779

    AW: Lebensentscheidungen treffen und einhalten- Überforderung!

    ich finde mich in vielem hier wieder.

    Aber Prunus hat recht: du musst nicht jetzt deine Entscheidung für dein ganzes Leben treffen. du kannst dich auch rantasten. Als Teenager ging es mir auch so, dass, je älter ich wurde desto unsicherer wurde ich auch, was ich mit meinem Leben machen möchte. Als dann der Schulabschluss näher rückte, absolute Ratlosigkeit, Aufschieberitis etc. ich bin dann irgendwann 2gleisig gefahren, hab mich sicherheitshalber bei Plan B angemeldet, Plan A nicht auf die Reihe gekommen und bin nun im Beruf B sehr zufrieden und froh. vielleicht, aber auch wirklich vielleicht wäre ich in den anderen oder einen dritten Beruf auch froh geworden . vermutlich wäre keiner der 3 Berufe wirklich falsch gewesen, vielleicht sogar in einem anderen Beruf noch besser. Aber was solls ? ich bin zufrieden. Wir müssen nicht immer die eierlegende Wollmilchsau anstreben. und Karriere ist sowieso überbewertet. Letzten Endes haben wir ja auch nur wenige wirkliche Lebensziele : Zufriedenheit/Lebensglück. Vielleicht noch, etwas in der Welt zu bewirken. Alles andere ist nur Mittel zum Zweck.

    ich glaube auch, dass ich in verschiedenen Berufen glücklich geworden wäre, letzten Endes habe ich es dem Zufall überlassen, welchen ich erwählte.

    aber vielleicht ist es der Stempel "große Lebensentscheidungen", der dich so irritiert? ich bin der Meinung, dass es oft gar nicht diese großen Entscheidungen sind, die unser Leben so nachhaltig beeinflussen, sondern die kleinen. Wenn ich so mein Leben incl meines Berufes zurückschaue, kann ich ihn an einen Abend zurückverfolgen. Damals wurde ich von einer Freundin überredet, mit ihr zu einem bestimmten Sache zu gehen. ich hatte keine Lust, aber ich hatte auch keine rechten Gegengründe. Dort gefiel es mir, ich lernte neue Menschen, Freunde kennen und diese wiederum beeinflussten mein Leben maßgeblich. das war damals nicht abzusehen.

    Wer weiss, vielleicht wäre ein anderer Beruf für mich noch einen Tick passender gewesen. Aber ich wäre dann eines Tages in ein Auto gestiegen, um zu einem Seminar zu fahren, der Typ im Auto vor mir wäre einen Augenblick von einer Wespe abgelenkt gewesen....und ich wäre nun tot oder säße im Rollstuhl. oder hätte durch eine Kollegin dort die Liebe meines Lebens kennengelernt und mit ihm nach Asien ausgewandert, weil ich an einem Abend mit der Kollegin aus Labor B essen ging. oder Kollege im Büro gegenüber hätte mich zu einem Kochkurs überredet und ich wäre nun Hobbyköchin. oder so

    ich glaube vor allem, dass es die Persönlichkeit ist, die über vieles bestimmt, nicht die Äußerlichkeiten. der eine kann in fast jedem Beruf glücklich werden, der andere nörgelt noch bei der Wollmilchsau, dass sie keine Eier legt.
    Der Beruf ist in unserer Gesellschaft so überfrachtet mit Erwartungshaltungen, dass einem Angst und Bange werden kann. Er soll Geld, Ansehen, Wohlstand bringen, Sicherheit, , angenehme Arbeitszeiten, Keine Gesundheitsbeeinträchtigung bedeuten, nicht ortsgebunden sein, flexibel und vor allem sollst du dich dadurch selbst verwirklichen. Es gibt irgendwie dieses Bild von dem einen wahren einzig richtigen Job, der Traumberuf, die Berufung, die nichts als immerswährendes Glück verheisst. Komisch, früher hatten die Menschen weniger Auswahl und wurden das, was ihnen ihre Eltern sagten bzw übernahmen den ihres Vaters. Ging das nicht, gab es 3,4 Meister im Dorf, die ausbildeten und wenn man viel Glück hatte, konnte man bei einem in die Lehre gehen. nicht immer war das der Traumberuf. Aber dennoch wurden die meisten froh.

    ich schreibe das alles, um die Angst vor der einzig richtigen Entscheidung bei den großen Lebensfragen ein bisschen zu nehmen. du hast ja eine Ausbildung/Studienabschluss. Du musst nun nicht gleich den Arbeitgeber finden, bei dem du in Rente gehen möchtest. Probiere doch ein bisschen aus. Ich hab schon im Studium geschnuppert, damit ich in viele Bereiche Einblick nehmen konnte. Dann machte ich ein Anerkennungsjahr, übernahm danach eine Schwangerschaftsvertretung und hatte so als Ziel erstmal verschiedene Berufszweige durchzuprobieren. es dauerte noch einige Zeit, bis ich dann in der nun richtigen Branche auch den passenden Arbeitgeber fand und auch dort wechselte ich noch mehrfach die Abteilungen. Keiner dieser Jahre war doch Verschwendet, ich wäre nicht die, die ich heute bin, wenn ich direkt dort angefangen hätte. ich sammelte zum einen Erfahrungen, zum anderen wurde mir immer klarer, was ich will und was nicht.

    Also relativiere dieses Denken in den Mustern "große Lebensentscheidungen". Die entscheiden dein Leben weniger als du denkst, es sind eher die kleinen Zufälle und letzten Endes deine eigene Persönlichkeit. Entscheide einfach für das nächste Jahr und lasse dir gerade zu Beginn deines Berufslebens doch die Entscheidung offen, es ist jetzt die beste Gelegenheit, verschiedene Berufe auszuprobieren und häufiger zu wechseln. Der eine Beruf, die eine Arbeitsstelle, die du für den Rest deines Lebens belegst wartet irgendwann auf dich, aber jetzt ist Zeit, herauszubekommen, wo es überhaupt hingehen soll und wohin nicht. Wähle erst einmal, was du ein Jahr lang machen möchtest. Wenn dir ein Jahresvertrag oder eine zeitlich befristete Stelle angeboten wird, sag freudig zu. Es macht dann auf dem Lebenslauf nichts, wenn du ständig wechselst, es war ja jobbedingt, dass du wechseln musstest. und gönn dir doch den Spaß, verschiedenes auszuprobieren.

    wie du dich dann konkret entscheiden sollst ? ich empfehle die gute alte Pro-Kontra-Liste. Plus mehrgleisig fahren. warum nicht in mehreren Bereichen bewerben ? mal abwarten, wer dich dann nimmt. Dich wollen gleich 2,3 nehmen ? dann entscheide, welche dir am spannensten vorkommt und wenn du dich da nicht entscheiden kannst, dann (aber erst dann) entscheide nach Gehalt oder Arbeitszeiten oder Arbeitsort etc.

  8. #8
    cocolores

    Gast

    AW: Lebensentscheidungen treffen und einhalten- Überforderung!

    Pro- und Contra .. Ich bin auch verkopft genug für so etwas: die einzelnen Punkte zu listen und dann auch noch zu gewichten ...
    Und was ich kenne - und weswegen ich mich hier eher auf die Zuschauerbank setzen und zuschauen werde - ich kenne zu wichtigen Lebenssituationen, die mich belasten, die für mich richtige Lösung im Sinne dieser Entscheidungsgrundlage. Aber spielen Kopf und Herz nicht zusammen und zwar so, dass mein Herz wie eine Zwölfjährige aufstampft und sagt " is mir sch***egal, wie richtig das ist, wenn ich es einfach nicht KANN ..." ... tja.
    Wenn ich so etwas erzähle, muss ich meistens weinen. Ich halte das Festhalten an vernünftigen gesunden getroffenen Überzeugungen nicht bis hin zu einer Entscheidung durch. Das Respektieren einer inneren Grenze, die einem eine rational richtige Entscheidung aller Negativkonsequenzen zum Trotz verwehrt, ist eine der wichtigsten Lehren in meinem Leben. Und das heißt nicht, dass mir das gefällt.

    Aber was ich auch gelernt habe, bei Dingen, deren Umsetzung mir vielleicht eher gelingt: ich bin auch eindeutig aus dem Alter raus, in dem ich solche Sachen mit mir allein auszumachen versuche. Ein guter Bekannter, eine ehemalige ältere Kollegin, der Onkel meines Ex-Mannes - es müssen nicht immer die engsten Vertrauten sein, die man mal mit einer Entscheidungsfindung aufsucht. Aber wie gesagt, die zeigen nur auf die Tür, durch die man gehen muss. Sich dahinter aufhalten und es durchziehen muss man selber und da hapert es bei mir ab und zu ganz, ganz gewaltig.

  9. #9
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 69

    AW: Lebensentscheidungen treffen und einhalten- Überforderung!

    Ich glaube ich kenne das Problem.
    Das Ergebnis ist - zumindest bei mir - das ich einiges "so ein bisschen" kann, aber nichts wirklich gut (genug).

    Allerdings habe ich das Gefühl das die Erfahrungen die bisher hier geäußert wurden bei mir noch nicht stattfanden.
    Empfinde mein Leben gar nicht als eine Reihe von Entscheidungen die mir schwer fallen... würde mein Verhalten eher als das eines Hundes beschreiben der auf einer Autobahn immer freudig einem anderen Auto hinterherrennt und dabei nie wirklich vorwärts kommt.

    Es ist also eher nicht so das ich nicht mit meinen Entscheidungen leben kann sondern eher das ich einfach alles gleichzeitig machen möchte.
    Weil irgendwie alles toll erscheint und es gibt wenig was ich tatsächlich unspannend finde.

    Konfrontiert mit einer Entscheidungs-Situation brauche ich dementsprechend nicht lange.
    Bei dem Pizza-Beispiel würde ich zum Beispiel direkt die erste bestellen deren Beschreibung mir gefällt und dann schon den Tisch für den nächsten Abend reservieren, denn ich werde natürlich alle Pizza ausprobieren die der Laden zu bieten hat.
    (Zumindest ist das mein Plan in dem Moment, der langfristig an der Realität und/oder gutem Menschenverstand scheitert.)

    Was bisher nocht nicht erwähnt wurde aber zumindest bei mir das Problem ausufern lässt ist:

    1. Perfektionismus
    Wenn ich etwas anfange dann "richtig".
    Selbst bei total banalen Sachen wird es in meinem Kopf (und oft auch tatsächlich) ein (weiteres) riesiges Projekt. Oft bin ich auch kurzfristig davon überzeugt das es sich hierbei um etwas handelt in das ich gerne meine Energie stecken werde und lege zum Beispiel Kalendereinträge für die nächsten 37 Monate an, besorge mir professionelles Equipment und leihe mir direkt das Buch für Anfänger und das für Fortgeschrittene aus.

    (Allerdings nicht weil ich überzeugt bin ich hätte Talent, sondern einfach weil ich mir jedesmal sicher bin das mich das Thema langfristig interessieren wird.)

    2. Perseveration
    Es fällt mir unglaublich schwer einen "Beschäftigungs-Vorgang" abzubrechen.
    Die meisten Tage schaffe ich überhaupt nichts produktives. Aber manchmal komme ich doch ins Rollen und bin dann übertrieben bei der Sache. Dann kann es schonmal vorkommen das ich 6 Stunden am Stück in demselben Buch lese oder mich gedanklich tagelang mit demselben Problem beschäftige.

    Obwohl dieser "Hyperfokus" sicher auch seine guten Seiten hat schaffe ich es dadurch nicht z.B. jeden Tag 30 Minuten Japanisch zu üben, einmal die Woche Pizza essen zu gehen usw.. Nein, mein Gehirn kann nur stundenlang Japanisch lernen und dann 2 Monate gar nicht (zum Beispiel).

    3. Probleme mit Organisation
    Das resultiert ein wenig aus Punkt 2. Theoretisch könnte man ja mehreren Hobbys nachgehen, vielleicht auch neben Job, Familie, Studium...
    aber dafür müsste man in der Lage sein einen strukturierten Tagesablauf aufzubauen und beizubehalten und das funktioniert bei mir zum Beispiel überhaupt nicht.

    Hast du das an dir auch beobachten können oder funktioniert es bei dir ganz anders?

  10. #10
    bin eine Piratin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 51
    Forum-Beiträge: 1.779

    AW: Lebensentscheidungen treffen und einhalten- Überforderung!

    Pro-Contra-Liste bedeutet bei mir nicht unbedingt, dass ich auch das nehme, was am Ende die meisten Punkte hat, selbst wenn diese gewichtet sind. ich merke oft schon beim Erstellen, dass ich parteiisch bin und mehr zu einer Seite tendiere. dann ist alles klar.....

    zum Pizzabeispiel: ich hab ein paar Prinzipen in Speiserestaurants und ich denke auch im Leben. Wenn mich etwas von der Tageskarte anspricht, nehme ich das, weil man das nicht immer haben kann im Gegensatz zu der normalen Karte. oder dieses Gericht gibts nur in diesem Restaurant, nirgends anders.
    kann man aufs Leben übertragen. Manches Mal ergibt sich nur einmal im Leben eine Chance.
    Kann ich mich auf der normalen Karte nicht entscheiden, dann entscheide ich mich gerne für das fleischarmere, möglichst vegetarische und da natürlich auch fürs gesündere, kalorienärmere. Fisch schlägt Fleisch, Salat schlägt Pasta, Gemüsesauce schlägt Sahnesauce.Viel Hinger contra wenig Hunger, bei kleinem Hunger kleine Portionen, bei großem hunger etwas, was schnell zubereitet wird und nicht glühend heiss-brodelnd aus dem Backofen kommt. am Ende bleibt dann auch noch der Preis übrig.

    ich denke, dass das in vielen Entscheidungen eine Rolle spielt. Der Entscheidungsprozess wird oft schwierig, weil man nicht immer eine Prioritätenliste hat und eine Menge pro und Contra gegeneinander abwiegt. ist jetzt fleischarm wichtiger als kalorienarm ? am wichtigsten ist aber: worauf habe ich gerade Lust, ist die Antwort eindeutig, schlägt sie eigentlich alle anderen. ich denke mir, da sind viele Parallelen. incl übrigens der, dass ich, bis der Kellner kommt meist 2,3 Gerichte im Kopf habe und mich dann, typisch für mich, auf den allerletzen Drücker entscheide. Spontan, ist aber auch wurscht, schließlich waren alle 3 ziemlich gut gewesen.

    manchmal ist es einfach wichtiger, überhaupt eine Entscheidung zu treffen ohne lange zu hadern. Prefektionisten stehen oft ohne Antwort da und dann schlägt die Prokrastination zu,
    Geändert von Moselpirat (24.05.2016 um 16:10 Uhr)

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