Also mit dem Bild vom Schwarz-Weiss Fotographen als Analogie muss ich mir mein Hirn schon sehr stark verbiegen um es im größeren Rahmen passend zu empfinden.
Einfach weil der Farbenblinde ja eh weniger Signale kriegt. Das wäre dann das konträre Problem.

Es wäre eher das Problem dass man Schwarzweiss Fotograf werden müsste in einer Welt von Farbenblinden, man selbst sieht aber Farben und die eigenen Fotos, unabhängig vom wirklichen Talent, werden von den Farbenblinden komplett "falsch" wahrgenommen. Und dann hat man selbst dann eine Wahrnehmungsstörung...^^ weil natürlich nur darum geht Schwarzweisbilder zu machen und ich genau das in diesem begrenzten Rahmen halt wirklich schlechter kann...

Immer wieder fällt mir auf, dass wir uns ganz selbstverständlich mit einer negativen, auf Defizite und Schwächen konzentrierten Sprache umgeben.
Das ist einer meiner Hauptanliegen :-D
Also unabhängig davon wie das jetzt wirklich mit AD(H)S ausschaut, ich halte es für extremst schädigend für die Betroffenen, wie das ganze Drumherum an Formulierungen und Definitionen ausschaut.

Bezüglich AD(H)S habe ich mal das Bild, dass es einfach ein Spektrum gibt, wie die impulsweiterleitung über das Dopaminerge System funktioniert.
Jetzt mal eingeschränkt auf das Verhältnis der eingehenden Impulse (NE) und der rauskommenden(NR).
Die rauskommenden Impulse gehen sowohl in motorische Tätigkeiten über als in Hinterkopf (Gedanken).
Wenn NE > NR - verfeinern begrenzt sich ohne neuem Input bei jedem Zyklus die Gedankensuppe zu einer Essenz, die sehr leicht zu eindeutigen Lösungen bzw. Handlungen führt. Bzw. länger stabil im Kopf behalten werden kann.(Ich komm aber nicht drum herum zu dazuzusagen, dass eventuell wichtige Parameter ignoriert werden.)

Wenn NE < NR - vermehren sich die möglichen Handlungen und weiteren Gedanken, auch ohne zusätzlichen Input bei jedem Zyklus immer weiter.
(Hier kann es zu widersprüchlichen Resultaten kommen, was Handlungen und Denken, behindern kann, was auch tendenziell zu mehr instabilität führt speziell wenn neue NEs daherkommen.)

Wenn NEs daherkommen wie z.B. dass alle Menschen perfekt sind, nur ich defekt bin, kommen halt aufgrund der realen Signifikanz dieser Information für mich und mein Weiterleben eine riesige Menge an extremst unvorteilhaften NRs dabei raus.

Der Punkt ist aber, dass das Verhältnis NE:NR nicht konstant ist. Und dass der signifikanteste Unterschied, ob was sinnvolles dabei rauskommt, dieser ist, wie ich mir meine Haltungsweisen und Weltbilder so antrainiert hab.
Deswegen ist die Haltung für einen Menschen mit NE << NR, dass er zu viel Falsch macht, Dinge nicht kann, Defezite gegenüber anderen hat, die klassifiziert werden und ihn von den anderen abgrenzen, unendlich tödliches Gift.

Es passiert eine Mitkopplung aus der nicht geflohen werden kann. Das einzige, wirklich einzige, was hilft ist ein Umfeld welches ehrlich weiss und kommunizieren kann, dass es egal ist. Dass er schon bedinungslos richtig ist. Nur in diesem Zustand, kann der Mensch seine Haltung so ändern, dass er wieder in natürlichem Lernprozess, gleichsam die Qualität der NRs und Gedanken steigert, sodass wieder öfters der Zustand auftritt dass eindeutige als richtig empfundene Handlungen dabei rauskommen.

Ein Problem ist bei NE<<NR, dass trotz höchster Qualität der NR, wenn teile davon gerade grad konträr sind "Blödsinn" rauskommt.
Dazu braucht es Menschen die das verstehen. Und dem jeweiligen das Feedback geben, das auch wirklich passt. Und das eben nicht nur einmal sondern ein Leben lang^^.
Weil meistens sind dann ja eben wirklich beide konträre Gedanke richtig, aber man kann sie halt nicht gleichzeitig im Kopf halten und erwarten, dass was sinnvolles dabei rauskommt.

Wegen genetischem "Vorteil" - "Nachteil" ich glaube im moment, dass die Variationen in diesem Bereich, sehr leicht und schnell passieren, und dass das "antrainieren" einen signifikanteren Unterschied macht.
Wenn ich in einer Welt aufwachse, in der ich beobachte, dass alle Menschen den "Fehler" machen, dass sie NR < NE halten, dann werd ich mir antrainieren dass ich NR > NE mach und werde Menschen mehr mögen, die auch NR > NE machen.

Also eine komplette Elterngeneration von "reinem" Genotypus und Phenotypus, der den NR < NE Modus fährt.
Ich wäre mir sicher, dass in der nächsten Generation auf jedenfall einige Menschen mit Modus NR > NE vertreten sind.


Wurscht ich erhoffe mir eigentlich dass als Menschheit endlich dazulernt und endlich weniger auf stupide Selektion konzentriert, als darauf, dass wir die Welt zu einem Ort machen wo alle einen Platz finden und wir zusätzlich noch extrem viel Platz für Entwicklung haben. Und mit wir mein ich nicht nur die Menschen...
Wollen wir andere Tiere aussterben lassen, nur weil sie uns gegenüber "Defizite" oder "Gendefekte" haben? Oder ist das was anderes weil sie irgendwo als "Gattung" definiert wurden? Wurscht...

Wir brauchen die Verschiedenheit um es zu schaffen uns besser weiterzuentwickeln. Nicht um uns "schneller" weiterzuentwickeln... besser :-) genau deswegen weil "gut" so subjektiv ist.
Das objektivste "gut" kriegen wir durch die Synchronisation der unterschiedlichsten subjektiven Ansichten.
Und das objektive gut ist für jeden auch subjektiv besser wenn er es warhnimmt, weil sein subjektives gut eben immer nur eine falsche temporäre Vorstellung ist, ausser es wäre 1:1 das Gleiche. Aber so weit sind wir noch lange nicht.


Ich respektiere jeden NR < NE trotz dessen, dass er oft dumm und ignorant wirkt, solange er mich trotz dessen respektiert, dass ich halt oft unfähig wirke.



Irgendwie will ich jetzt ein Bild malen, wie ich mich als NR > NE sehe.

(Steinzeit Kontext)
Auf der Jagt werde ich sicher nicht von einem Marienkäfer abgelenkt. Von einem Vogel, welcher geräusche macht auf jedenfall. Aber das ist auch gut so. Auf der Jagt falle ich leicht in den "Hyperfokus". Ich sehe das Ziel, meine Aufgabe, und alle Sinne führen zum selben vollständigen Bild egal wieviel NRs. Jede Irritation muss berücksichtigt werden, weil sie direkt in der Realität vorkommt. Ein Marienkäfer ist keine solche Irritation, ausser wenn ich darauf ausrutsche, also können seine NRs in der SItuation gar nicht viele sein.
Also das Volle spektrum an NR ist ausgefüllt mit Dingen, die nur direkt mit meiner Situation meiner Aufgabe im Moment zu tun haben, ohne Anstrenungn, einfach nur weils Real ist, weils im hier und jetzt um etwas geht.

(Moderner Kontext)
Diese Gefühl hab ich weder in der Schule noch auf der Uni noch bei der Arbeit. Es ist alles so virtuell. Soziale Stellungen Hierarchien usw. alles virtuell und allzu oft auch irrational und stupide.
Ich kann mich nicht in das Setting begeben, wo ich mit allen NR voll dabei bin eine mir aufgetragene Arbeit genau jetzt zu verrichten, nur weil einen Job angenommen habe, den ich brauche um Geld zu verdienen, welches ich vielleicht brauche um zu überleben. Das ist alles so unecht virtuell. Es könnte ganz anders auch ausschaun. Ausserdem hab ich überhaupt kein Bezug zu diesen Personen, mit denen ich nur deswegen zu tun hab, weil sie dort auch Arbeiten. Mit denen ich garnicht tiefer in Kontakt treten kann, weils in erster Linie nur um diese virtuelle Arbeit geht, die meistens eher unnötig ist.
Ich könnte es auch einfach nicht machen. Ich kann einfach aufstehn und gehn. Es werden sich zwar alle aufregen, mich verklagen und verurteilen, aber in der Realität haben sie keinen wirklichen Schaden dadurch, ausser vielleicht der virtuelle Geldverlust, der so gering ist dass es niemandes Überleben bedeutet. Ich kann mich nicht virtuell wichtig und verbunden mit der Welt fühlen, wenn ich es nicht bin. Nur der kleinste NE, der darauf hindeutet, dass die Realität woanders ist, hat eine enorme Masse an NRs zufolge, die sich eher mit dieser Realität beschäftigen.
Wie z.B. eine Frau mit der ich gern zusammen wäre, oder wie Arbeits und Lernprozesse aussehen könnten, in denen diese Entkopplung von den Mitmenschen und der Realität weniger stark spührbar ist.

(Steinzeit Kontext)
In einem Rudel Menschen auf Wanderschaft, bin ich der, welcher an letzer Stelle geht. Bin ich der, welcher alle anderen Menschen wahrnimmt, nur wenn ich eine möglichst Vollständige Sicht auf die Dinge hab, die Real sind, sind alle NRs passend und führen zu eindeutigen Handlungen. Diese Handlungen sind in diesem Beispiel, dass ich auf alle warte, die etwas langsamer sind. Im schlechtesten Fall werde ich "Führer" der langsameren, der dafür sorgt, dass niemand verloren geht. Wenn jemand Probleme hat, spriessen unzählige NRs daraus, denn es ist in großem Rahmen für das ganze Rudel von Vorteil wenn diese Probleme gelöst werden. Intuitiv rede ich mit dem Menschen und will herausfinden was das wirkliche Problem ist. Intuitiv beschäftige ich mich damit was passieren müsste, intuitiv sind viele NRs andere Menschen, und Umstände, z.B. Hochrechnungen wie diese Handeln, fühlen Denken usw. die mir genau dabei helfen das rauszufinden.

Wenn ich als irritierend wahrgenommen werde und meine Position vom eigentlichen Gruppenführer nicht akzeptiert wird, weil er eine Polarisation wahrnimmt und ich oft seine Entscheidungen aufgrund potentieller Auswirkungen auf den Zusammenhalt der Gruppe in Frage stelle. Kann es durchaus vorkommen, dass sich dadurch das Rudel spaltet und ich mit einer Gruppe das Rudel verlasse.

Ich kann die Führerrolle für eine Zeit übernehmen, aber ich komme oft nicht auf eindeutige Entscheidungen, wenn ich mir nicht der vollen Sachlage selbst bewusst bin, was in vielen Entscheidungen, aufgrund unvollständiger NEs zu widersprüchlichen NRs führen. Viele dieser NRs repräsentieren andere Menschen, die mit ihren Sichten Argumenten und Einstellungen sehr nachvollziebar und verständlich sind, aber sich eben gegenseitig widersprechen. Als "Führer" kann man es nicht jedem Recht machen, und in dieser Position braucht man NR < NE. Genau deswegen werde ich meine Führerrolle in diesem neuen Rudel nur vorübergehend wahrnehmen und sie dann an den nächsten Menschen, der wahrscheinlich den Modus NR < NE fährt, dem ich am meisten vertraue und der mich und andere versteht und respektiert dafür was sie sind, weitergeben. Ich sehe keine Wertigkeitsunterschiede in der Position der Menschen im Rudel.


(Allgemeiner Kontext)
Ich optimalfall sehe ich die Menschen als die welche sie wirklich sind und brauche dazu auch eine viel längere(praktisch unendlich) Zeit sie kennenzulernen. Wenn ich Menschen nicht tiefer kenne, kann ich mit ihnen nicht umgehen zuviele mögliche passende NRs die auf sie zutreffen. Deswegen bin ich sofort in einer "blöden" Situation wenn ich für eine Arbeit mit Menschen zu tun hab, die ich eigentlich nicht kenne. Und die aufgrund potentieller Konflikte, garnicht erst bereit sind sich auf ein tieferes Kennenlernen einzulassen.


Huihuihui... Und da waren in der Steinzeit zu starke Egos und Ängste wohl auch im Spiel... es wundert mich nun wirklich garnicht mehr wieso sich die Menschheit so entwickelt hat^^... Und ich hab geglaubt, dass diese Entwicklung erste mit dem Sesshaftwerden begonnen hat, wo es den Menschen, aufgrund der Größe der Dörfer nicht mehr möglich war sich gegenseitig wirklich zu kennen. Und die "Führerrolle" plötzlich unverhältinsmässig mächtig war - und dann gefrinkel a la Game of Thrones eingesetzt hat^^