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Diskutiere im Thema Was genau ist Adhs? im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #91
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 909

    AW: Was genau ist Adhs?

    Und da ist die Antwort eine Variante der neurotypischen Mehrheit doch eher verwirrend und unbefriedigend.

    Jep. Das ist so.

    Es gibt (noch) keine nicht-verwirrende Antwort darauf, was ADHS eigentlich "ist".

    Außer bei manchen Esoteriker-Seiten. Da sind die Antworten alle verblüffend einfach und nicht-verirrend.

    Und falsch.

  2. #92
    Celestis

    Gast

    AW: Was genau ist Adhs?

    GordnFreeman schreibt:
    Wieso wählst du diese Formulierung?^^
    Fliegerlein schreibt:
    Weil's rein fachlich betrachtet korrekt ist .
    Ein Defekt ist es, weil das, was daraus folgt, zu Beeinträchtigungen führt.
    Danke Fliegerlein Ich denke jetzt mal ganz leise:
    Ich vermute, dass der als Genetische Defekt AD(H)S vielleicht in der nächsten Evolutionsstufe eine andere
    Möglichkeit oder Funktion beinhalten, die unser Gehirn jetzt noch nicht begreifen oder Verarbeiten kann.....
    DAS SOLL JETZT NICHT BEANTWORTET ODER DISKUTIERT WERDEN!!!!
    IST NUR EIN GEDANKE.

  3. #93
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 123

    AW: Was genau ist Adhs?

    OK, erster echter Beitrag nach meiner Vorstellung....

    Ich empfinde ADS nicht als echte Störung, sondern als Variation, die in früheren Jahrtausenden durchaus seine Berechtigung hatte. Heute ist sie in den meisten Fällen hinderlich.

    Von genetisch evolutionärer Sicht her betrachtet kennen die Gene weder Schule noch Lehrplan. Der Junior ist mit dem Vater auf Jagt gegangen und der ADS Junior hat dort ein regelrechtes Talent, sich blitzschnell anzupassen und auf die jeweilige Situation einzustellen. Beim Werkzeukklopfen hingegen langweilt er sich schnell. Macht aber nichts, er hat das ja von seinem Vater geerbt, und der ist halt auch Jäger und ADHSler, und Papi ist eh begeistert, wenn Junior in seine Fußstapfen tritt...

    Sicherlich, ist stark vereinfacht, aber ich denke, dass ich durchaus meine Talente habe, im Alltag jedoch beeinträchtigt bin, da meine Variation hier eher hinderlich ist.

    Gut, ich könnte mir einen anderen Beruf suchen, aber Großwildjägerausbildungsstä tten sind nicht nur rar, sondern die würden jemand mit 52 wohl auch nicht nehmen :-).

    Trotzdem wird sich diese Variation weitervererben und es wird immer Menschen geben, die gerade weil sie ADS haben, in diesen spezifischen Zweig gut sind.

    Ich fände es spannend, wenn Kinder, sobald sie positiv diagnostiziert wurden, entsprechend ihren Talenten gefördert werden und auf Möglichkeiten und Berufsziele hingewiesen werden, die ihrer Varianz entsprechen. So was ähnliches wie bei der Hochbegabtenförderung, nur halt für ADHSler. Dann könnte man sich in diesen Fällen häufig Medikamentationen ersparen.

    Und was viel wichtiger wäre, diese Kinder würden wohl glücklich sein....

  4. #94
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: Was genau ist Adhs?

    Also du kannst dich ja mal mit Jägern aus deinem örtlichen Jagdverein oder dem Revierförster unterhalten. Jagen ist 90% ausharren und warten oder (eher selten) stupide hinterherhetzen, und die restlichen 10% sind auf Schuss und Ausweiden etc verteilt.

    Tiere und Menschen die jagen müssen über viele Stunden sehr konzentriert sein um Beute zu machen und nicht zu verpassen oder zu verjagen.



    Da das Jagdwesen in Deutschland extrem vergreist, wärst du sogar als Einsteiger noch einer der Jüngeren. Es muss ja nicht gleich die Grosswildjagd sein.

  5. #95
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Was genau ist Adhs?

    Davon abgesehen, dass ein Mensch mit den typischen ADHS-Symptomen auch gerne mal abschweift und ich weiß ja nicht, ob es so gut kommt, wenn ich mich gerade an dem Marienkäfer erfreuen, der gerade vorbeifliegt und "oh, ein Vogel, ach nee da, der Igel, wie süüß" und schnapp, ... entweder ist die Beute jetzt weg oder ich bin zur Beute geworden, weil mir irgendwie entgangen ist, dass sich mir von hinten der Löwe genähert hat ... Tja ... Shit happens

    Aber wie auch immer.
    Auch die Theorie, dass die Gene früher weder Schule noch Lehrplan kannten, ... was bleibt ist die Erkenntnis, dass sie es heute kennen und dass es den meisten Menschen erfolgreich möglich war, dieser Entwicklung zu folgen, während es einem weitaus kleineren Teil nicht gelingt.

    Und es ist unerheblich, was früher war.

    Es nützt heute auch keinem mehr was, wenn er mal gelernt hat, Dampfloks zu fahren oder zu reparieren ... so sehr ich diese Menschen auch dafür bewundere, aber dummerweise sind die nicht mehr Teil unseres alltäglichen Lebens, also wäre es müßig darüber nachzudenken, dass es früher mal ein Vorteil war, Dampfloks fahren und reparieren zu können.
    Wenn man es als Lokführer nicht geschafft hat, auf Diesel- oder E-Loks umzusteigen, ist man raus.

    Die herausragende Fähigkeit des Menschen, wie auch der vielen anderen Lebewesen auf dieser Kugel, ist die Flexibilität, sich auf sich verändernde Umweltsituationen einzustellen und sich ihnen anzupassen.

    Und während andere Lebewesen in der letzten Eiszeit ausgestorben sind, konnte der Mensch sich anpassen, weil er soziale Strukturen geschaffen hat und gelernt hat, planvoll und in die Zukunft gerichtet zu denken und zu handeln und das in einer sozialen Struktur, in der Aufgaben auch entsprechend aufgeteilt wurden.

    Für vieles von dem, was wir heute sehen, wurde schon vor Tausenden von Jahren der Grundstein gelegt.

    Die Gehirne der Menschen haben sich entwickelt, zu dem, was sie heute sind, aus gutem Grund, weil es funktioniert und sich bewährt hat.
    Genauso wie sich die ersten Landtiere entwickelt haben, sich Lungen und Extremitäten zur Fortbewegung in der neuen Umgebung entwickelt haben ...
    Klar kann man sagen, dass es ein Vorteil war, ein Fisch mit Flossen und ohne Beine gewesen zu sein ... aber es hat sich nun mal so entwickelt und an Land sieht ein Fisch ziemlich alt aus oder?

    Die Beeinträchtigungen, die eine ADHS mit sich bringt, mögen damals nicht so aufgefallen sein, aber das heißt nicht, dass es sie nicht gab und schon gar nicht, dass sie damals ein evolutionärer Vorteil gewesen wären (was ich nicht grundsätzlich abstreite, aber ich glaube nicht daran, mir erscheint das unlogisch).
    Jemand mit einer ADHS hätte in jeder Zeit seine Beeinträchtigungen gehabt.
    Und ich würde nicht mal unbedingt sagen, dass es heute mehr als damals wären, was man angesichts unserer industriellen Leistungsgesellschaft ja glauben sollte, aber da spielt ja auch die Entwicklung weiter mit eine Rolle.

    Heute sind unsere Gehirne schon deutlich weiter entwickelt, als noch vor 100 oder 150 Jahren, oder vor .

    Wer heute ein Fachbuch über das Ingenieurwesen aus früheren Zeiten liest, kann sich das lächeln nicht verkneifen.
    Ich habe hier ein Buch aus dem Jahre 1912 (Originalausgabe) "Die Praxis des modernen Maschinenbaus".
    Da haben damals die Stundenten mordsmäßig drüber geschwitzt und das war harter Lernstoff und reines Ingenieurswissen.
    Heute kann man damit nicht mal mehr einen Realschüler in den höheren Klassen beeindrucken (naja abgsehen davon, dass die die Altdeutsche Schrift wahrscheinlich nicht lesen können, aber fachlich ist das heute "Spielkram".

    Und natürlich haben sich die Gehirne derer mit ADHS weiterentwickelt, aber dennoch haben sie in gleichem Maße oder vielleicht auch etwas mehr, die gleichen Beeinträchtigungen.
    Und man hatte damals vielleicht andere "Behandlungsmethoden" ... Rohrstock und Co z.B. ....

    Ich halte die Theorie, dass ADHS-Merkmale früher evolutionäre Vorteile hatten, für gewagt ... nicht unmöglich, aber für unlogisch und ich glaube nicht daran, aus u.a. den genannten Gründen.
    Und selbst wenn, ... was nützt es, wenn letzlich die Entwicklung einen anderen Weg eingeschlagen hat und wir nun mal im Hier und Jetzt gelandet sind ... oder einfach auf dem falschen Planeten .

  6. #96
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: Was genau ist Adhs?

    Ich halte sie für unmöglich, die Theorie mit den Jägern und Sammlern. Es gibt so viele Aspekte die da nicht passen. Nicht nur die Konzentration, auch die Impulsivität machen beim jagen allein und vor allem in der Gruppe einen Strich durch die Rechnung. Wer impulsiv handelt gefährdet die ganze Sippe, im Tierreich das Rudel. Guckt man sich Hunde oder Wölfe an, wie die jagen und ihre Jungen erziehen, dann sieht man die Wichtigkeit der Fähigkeit für Besonnenheit und Unterordnung. Da geht es richtig rabiat zu, wenn Junghunde ungeduldig vorpreschen und den Jagderfolg gefährden. Das war und ist überlebenswichtig. Gerade ADHSler wären die besseren Sammler als Jäger gewesen. Nur haben sie da eben auch ihre Probleme.

  7. #97
    Una


    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 49
    Forum-Beiträge: 278

    AW: Was genau ist Adhs?

    creatrice schreibt:
    ... Gerade ADHSler wären die besseren Sammler als Jäger gewesen. Nur haben sie da eben auch ihre Probleme.
    Ich hätte mich beim Beerensammeln garantiert verlaufen, wäre auf ein giftiges Viech getreten oder dem nächstbesten Säbelzahntiger vors Gebiss gelaufen. Oder die Horde hätte mich kurzerhand ausgesetzt.

    Kennst du das Bilderbuch "Frederick" von Leo Lionni? Der Mäuserich könnte schon einer von uns sein. Das weist aber nicht auf ADHS-spezifische Qualitäten und Sonderbegabungen hin, sondern eher auf mögliche Nischen.

  8. #98
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 123

    AW: Was genau ist Adhs?

    Hm, Jäger, zumindest im heutigen Sinn, ist vielleicht nicht der richtige Vergleich. Ich habe es ja auch bewusst vereinfacht.

    Wenn ich mir jedoch eine Jagdgruppe vorstelle, wie sie ja in der Steinzeit den gängigen Theorien nach existiert haben, ist es innerhalb dieser Gruppe doch durchaus sinnvoll, neben den hochkonzentrierten Jägern auch Leute dabei zu haben, denen jede Kleinigkeit auffällt. Der als erster das Raubtier, welches sich hinten rechts gut getarnt auf der Lauer legt, bemerkt, da es seinen mehr fokussierten Mitjägern einfach entgeht.

    Innerhalb dieser Gruppe ist der ADSler die Alarmanlage und hat für den Genpool dieser Gruppe echte Vorteile.

    Darauf wollte ich hinaus.

    Auf eine Jagd würde ich davon abgesehen nicht gehen, habe sogar auf meinem Grundstück ein Jagdverbot erwirkt und es als jagdfreie Zone deklarieren lassen. OK, ich schweife wieder ab.

    Dass sich unser Gehirn in den letzten 150 Jahren deutlich weiterentwickelt hat, halte ich zumindest evolutionärbiologisch aus genetischer Sicht für nicht haltbar.

    IMHO bin ich sogar der Meinung, dass ein Mensch aus dem alten Ägypten von Kindheit an in die Jetztzeit versetzt, sich genauso entwickeln würde wie heute geborene Kinder, und zwar mit der gleichen Wahrscheinlichkeit, ADHS zu haben. Wie gesagt, ist nur meine Meinung und wird sich nur schlecht beweisen lassen.

    Dass man Bücher, die vor 150 Jahren als schwierig galten, heute leichter versteht, liegt sicherlich auch mit daran, dass wir heute eine ganz andere Vorbildung haben und ja schon Kinder mit 14 Ahnung von Sachen haben, die vor 150 Jahren nicht mal ausgesprochen wurden.

    Wir haben heute sehr viel mehr Wissen, aber um den Preis, dass es, abgesehen von einem Teilgebiet, welches wesentlich enger gefasst ist wie damals, insgesamt wesentlich oberflächlicher ist.

    Anders ausgedrückt, auf unserem Spezialgebiet wissen wir mehr,
    Das Spezialgebiet ist jedoch enger gefasst
    Auf allen anderen Gebieten wissen wir nur etwas
    Ein Leonardo da Vinci, der in fast allen Bereichen das bekannte Wissen als Universalgenie besaß, ist heute nicht mehr möglich.

    OK, wieder abgeschweift.

    Tatsächlich haben wir heute eine größere Spezialisierung wie früher und dadurch häufiger immer wiederkehrende Abläufe. Dies läuft aber einem ADSler zuwider, da er da Probleme hat.
    Spannende Probleme, die neue Lösungsstrategien benötigen, sind heute rar geworden. Mag sein, dass dies irgendwann wieder benötigt wird.

    Der These von Fliegerlein möchte ich da auch widersprechen. Strukturen und Anpassungsfähigkeit sind Gegensätze, zumindest sehe ich das so. Strukturen erlauben es, bei gleichbleibenden Voraussetzungen ohne Aufwand gute Ergebnisse zu erzielen. Z.B. für den Winter müssen wir Holz zum Heizen vorbereiten, und im Sommer können wir den Platz für andere Sachen nutzen (Wasserlagerung bei trockenen Sommer) Das ist Struktur.

    Wenn jetzt die Eiszeit kommt, haben wir im Sommer das Problem, dass wir zwar gefrorenes Trinkwasser haben, aber kein Brennholz.

    Bitte jetzt dieses Beispiel nicht wörtlich nehmen, nur kann sich ein ADHSler besser an neue Situationen anpassen, eben weil er chaotischer ist.

    Jetzt fällt mir ein echtes Beispiel ein. Mein Schwiegervater führt seine Firma seit Jahren erfolgreich und steht voll im Leben. Er ist ruhig und konzentriert, vergisst nichts hat sich perfekt organisiert. Also das genaue Gegenteil von mir.

    Es war Herbst 1999 oder 98, als ich, da er kein Englisch spricht, mit ihn nach Hamburg fuhr, um sich mit einen Geschäftspartner zu treffen. Auf dem Hinweg hat sein alter Jaguar die Krätsche gemacht und ist Höhe Kassel liegen geblieben.

    Er wusste nicht, was er machen sollte und war völlig aus dem Wind. Ich hingegen habe mich um einen Abschleppdienst gekümmert, die Zugfahrt nach Hamburg organisiert, Kontakt mit dem Hotel und dem Geschäftspartner aufgenommen und alles problemfrei geklärt. Es war halt Improvisation gefragt, was meine Stärke war. Und zwar hatte ich das Handy schon in der Hand, als der Wagen gerade ausgerollt war.

    @ Creatice....sammeln ist langweilig, ich würde jede 10 Beere übersehen, Jagd ist aufregend, man muss sich ständig anpassen und auf neue Situationen gefasst sein. Ich meine jetzt nicht die heutige Jagd auf Hochsitz mit stundenlangen Ausharren, sondern Pirschen, anschleichen, Obacht geben, das Umfeld ständig im Auge haben und blitzschnell auf neue Situationen reagieren.

  9. #99
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Was genau ist Adhs?

    Pegasus001 schreibt:
    .... ist es innerhalb dieser Gruppe doch durchaus sinnvoll, neben den hochkonzentrierten Jägern auch Leute dabei zu haben, denen jede Kleinigkeit auffällt.
    Und genau da liegt der Denkfehler ....
    Es ist eben nicht gut, wenn einem jede Kleinigkeit auffällt.
    Wäre das gut, hätte es sich so entwickelt.

    Wenn ich jemanden brauche, der das Umfeld beobachtet, stelle ich einen genau dafür ab, der genau diese Aufgabe bekommt, aber die anderen genauso erfüllen kann.

    Der Grund ist einfach und lautet: Selektieren ... Das Wichtige vom Unwichtigen trennen.
    Das Gehirn hat nur eine begrenzte Auffassungsgabe und um dennoch gut über die Runden zu kommen, hat es einige unglaublich faszinierende Strategien entwickelt, über die das Wichtige vom Unwichtigen getrennt wierd und warum?
    Weil wir sonst permanent gnadenlos überlastet wären.
    So wie ein reizüberfluteter ADHS-Betroffener ...

    Die Natur, bzw. die Evolution hat äußerst effektive Filterungsmechanismen entstehen lassen, mithilfe derer wir so vieles trennen und ausblenden können, was für den Moment erstmal vollkommen unwichtig ist.
    Das ist immer ein Balanceakt und niemals perfekt, denn wo gefiltert wird, geht auch mal was verloren, das nicht hätte verloren gehen sollen.
    Aber im Großen und Ganzen funktioniert das unglaublich gut und effektiv und hat uns dorthin gebracht, wo wir heute sind.

    Die Fehlerquote ist vorhanden und wird sozusagen "billigend in Kauf genommen", denn sie auszuschließen würde einen nicht realisierbaren Aufwand bedeuten und zwar derart hoch, dass unser Gehirn damit nicht mal im Ansatz fertig werden würde.

    Nur mal ein kleines Beispiel:
    Das menschliche Auge besitzt insgesamt. ca. 120 Millionen Stäbchen und ca. 6 Millionen Zapfen.
    Unser Sehnerv enthält aber nur ca. 1 Million Nervenfasern....

    Bereits da wird gefiltert und zwar ganz heftig, und warum?
    Weil unser Gehirn mit den Reizen, denen es ausgesetzzt wäre, wenn jeder Rezeptor im Auge direkt mit dem Gehirn verbunden wäre, sofort überlastet wäre.

    Es wird also schon "hardwaremäßig" gefiltert.
    Das bedeutet natürlich Verluste, aber die werden hingenommen, denn was zählt ist das Ergebnis am Ende:
    Es reicht, es funktioniert (und zwar sehr effektiv) und es beduetet einen realisierbaren Aufwand ohne unnötig wertvolle Ressourcen zu verschwenden..

    Und im Gehirn geht die Filterei gleich weiter, in mehreren Bereichen, in denen bestimmte Formen vorerkannt werden usw.
    Das z.B. ist der Grund dafür, dass wir optischen Täuschungen unterliegen können.
    Aber das ist im Regelfall hinnehmbar und keine Beeinträchtigung.

    Würde das Auge alle Reize an's Gehirn weiterleiten, wäre es überlastet, allein schon nur mit dem, was das Auge liefert, ohne auf die anderen Sinnesorgane zu schauen.

    Und so ist es auch generell.
    Diese Filterfunktionen befinden sich in einer sehr feinen Balance, welche sich entwickelt und bewährt hat und wenn diese Balance verloren geht, kommt es zu Beeinträchtigungen.

    Pegasus001 schreibt:
    Der als erster das Raubtier, welches sich hinten rechts gut getarnt auf der Lauer legt, bemerkt, da es seinen mehr fokussierten Mitjägern einfach entgeht.
    Jo ... wenn er es denn bemerkt und besagten Käfer nicht interessanter findet oder einfach gerade überlastet wegen der vielen Eindrücke um ihn herum ist...

    Pegasus001 schreibt:
    Innerhalb dieser Gruppe ist der ADSler die Alarmanlage und hat für den Genpool dieser Gruppe echte Vorteile.
    Oder er ist der Kasper, der nicht still bleiben kann, wenn es die Situation erfordert und damit der Grund dafür, dass die Jäger ohne Beute nach Hause kommen, weil er sie verscheucht hat .

    Pegasus001 schreibt:
    Dass sich unser Gehirn in den letzten 150 Jahren deutlich weiterentwickelt hat, halte ich zumindest evolutionärbiologisch aus genetischer Sicht für nicht haltbar.
    Das lässt sich höchst einfach darlegen, nämlich allein schon durch die Tatsache, dass Intelligenztest immer wieder angepasst werden müssen.
    Allein das zeigt diese Entwicklung.

    Pegasus001 schreibt:
    Dass man Bücher, die vor 150 Jahren als schwierig galten, heute leichter versteht, liegt sicherlich auch mit daran, dass wir heute eine ganz andere Vorbildung haben und ja schon Kinder mit 14 Ahnung von Sachen haben, die vor 150 Jahren nicht mal ausgesprochen wurden.
    Korrekt ... und wo kommt die Kapazität dafür her?
    Das mussten wir, also unsere Gehirne erst lernen und dafür musste es sich weiter entwickeln.



    Der These von Fliegerlein möchte ich da auch widersprechen. Strukturen und Anpassungsfähigkeit sind Gegensätze, zumindest sehe ich das so. Strukturen erlauben es, bei gleichbleibenden Voraussetzungen ohne Aufwand gute Ergebnisse zu erzielen. Z.B. für den Winter müssen wir Holz zum Heizen vorbereiten, und im Sommer können wir den Platz für andere Sachen nutzen (Wasserlagerung bei trockenen Sommer) Das ist Struktur.

    Wenn jetzt die Eiszeit kommt, haben wir im Sommer das Problem, dass wir zwar gefrorenes Trinkwasser haben, aber kein Brennholz.

    Bitte jetzt dieses Beispiel nicht wörtlich nehmen, nur kann sich ein ADHSler besser an neue Situationen anpassen, eben weil er chaotischer ist.
    [/quote]
    Das sind eben keine Widersprüche, sondern im Gegenteil, Ergänzungen.
    Dort, wo es erforderlich ist, die Strukturen zu lösen, ist Flexibilität nötig, um eben auch diese Strukturen anzupassen, ohne die es nicht geht.
    Das hat aber eben nichts damit zu tun, dass jemand chaotischer ist.
    Flexibilität und Anpassung von Strukturen erfordern ebenfalls wieder Planbarkeit und Vorausschau und strukturiertes Handeln.

    Pegasus001 schreibt:
    Er wusste nicht, was er machen sollte und war völlig aus dem Wind. Ich hingegen habe mich um einen Abschleppdienst gekümmert, die Zugfahrt nach Hamburg organisiert, Kontakt mit dem Hotel und dem Geschäftspartner aufgenommen und alles problemfrei geklärt. Es war halt Improvisation gefragt, was meine Stärke war. Und zwar hatte ich das Handy schon in der Hand, als der Wagen gerade ausgerollt war.
    Nur ist das kein Privileg eines Menschen, der von ADHS betroffen ist.
    Da wüsste ich auf Anhieb einen ganzen Haufen Menschen, die das ebenfalls können, aber keine ADHS haben.

    Darüberhinaus ist es bei ADHS ja auch nicht so, dass wir etwas gar nicht können.
    Klar können wir einfache Abläufe planen und strukturieren ... aber wie sagte Barkley mal so treffend: "You want something more complex? Plan a Wedding"
    Und da liegt der Knackpunkt.
    Wenn die Abläufe komplexer werden und weiter in die Zukunft reichen, hat der ADHS-Betroffene mehr und mehr verloren.
    Seine Exekutivfunktionen reichen dafür nicht mehr aus.
    Wir leben eher im Moment, sozusagen "in den Tag hinein", die Zukunft und die Planung in die Zukunft ist einen Menschen, der zeitblind ist, nicht gerade eine Fähigkeit.

    Ich könnte auch ein gegenteiliges Beispiel anbringen, nämlich Situationen, in denen ich vollkommen überfordert, weil reizüberflutet war, obwohl gar nicht viel los war.
    Trotzdem hätte ich in dem Moment nichts oder zumindest nichts vernünftiges machen können, während die Menschen um mich herum damit keine Probleme hatten.
    Die letzte Situation dahingehend hatte ich erst letzten Samstag im Supermarkt an der Fleischtheke ...
    Totale Reizüberflutung, weil ich eben nicht das Wichtige vom Unwichtigen trennen konnte, die Verkäuferin nicht mehr verstand und dann kurz darauf derart im Overload war, dass gar nichts mehr ging.
    Das soll ein evolutionärer Vorteil sein?
    Weiß ja nicht .... ich fand das nicht so prickelnd ... irgendwie ...
    Geändert von Fliegerlein ( 2.05.2016 um 14:08 Uhr) Grund: Fehlerkorrektur

  10. #100
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: Was genau ist Adhs?

    Pegasus001 schreibt:

    @ Creatice....sammeln ist langweilig, ich würde jede 10 Beere übersehen, Jagd ist aufregend, man muss sich ständig anpassen und auf neue Situationen gefasst sein. Ich meine jetzt nicht die heutige Jagd auf Hochsitz mit stundenlangen Ausharren, sondern Pirschen, anschleichen, Obacht geben, das Umfeld ständig im Auge haben und blitzschnell auf neue Situationen reagieren.

    Auch damals haben die Tiere nicht Punkt 18:00 Uhr auf der Lichtung gestanden. Anschleichen ist das Finale. Muss man heute nicht mehr, heute lädt man die Waffe. Das stundenlange Ausharren sind Erfahrungen wie man am besten Beute macht, und das nicht erst seit 100 Jahren. Pirschen ist eine weniger erfolgbringende Art der Dauerjagd, und eher bei günstigen Situationen als eine Dauerlösung. In Sachen Evolution kann es keinen Vorteil für ADHSler in Bezug auf Jagd gegeben haben.

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