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Diskutiere im Thema Zweifel an Selbsteinschätzung: Wie verpeilt ist denn verpeilt? im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #1
    Bin hier neu, seid lieb zu mir

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 29

    Zweifel an Selbsteinschätzung: Wie verpeilt ist denn verpeilt?

    Hallo Leute,

    ich habe mich jetzt schon ziemlich gut hier eingelesen und auch von euch ganz viel spannende und hilfreiche Rückmeldung bekommen. Obwohl ich mich auf eigenen Verdacht hin in der Vergangenheit schon einmal kurz mit ADHS befasst hatte (die Idee dann aber wieder verwarf), kam mein Therapeut erst letzte Woche von sich aus das erste Mal mit dem Begriff auf mich zu.

    Im "Das bin ich - Das ultimative Gefühlschaos"-Thread habe ich schon einiges von mir erzählt. Manche Beschreibungen über ADHS bzw von ADHSlern passen so genau zu mir, dass ich das Gefühl habe, jemand habe einen Tag mit mir verbracht und danach den Artikel verfasst. Das bezieht sich vor allem auf die Impulsivität und den Kontakt zu anderen (ein Thema, das sich wie ein roter Faden durch mein Leben zieht und an das ich sogar ganz klare Erinnerungen habe, die bis ins Kindergartenalter zurückreichen). Aber auch diese nervenzerfetzende Hochsensiblität gegenüber (Außen-) Geräuschen (wenn ich aber feiern gehe und Alkohol trinke, machen mir laute Musik und gröhlende Menschen nichts aus!) und die innere Anspannung. Das Niemals-zur-Ruhe-kommen.

    Dann gibt es Aspekte, die suche ich bei mir vergebens. Etwa die ständige Suche nach dem Kick, risikoreich Autofahren oder so. Süchte. Zum Sport muss ich mich auch meistens überwinden (bzw nicht zur Bewegung selbst, aber den Aufwand, der damit verbunden ist, ins Fitnessstudio zu gehen und auch das Danach (Ausbruch meiner Urtikaria, duschen, usw) und habe ganz und gar nicht das Gefühl, dass ich ohne nicht leben kann.

    Und dann gibt es da diese riesige Grauzone. Die vielen Fragen bei sogenannten ADHS-Selbsttests, auf die ich keine genaue Antwort weiß. Ganz subjektiv gesehen, ja, da finde ich, dass ich mich nicht konzentrieren kann. Dass ich verpeilt bin und viel herumzapple. ABER: Wie verpeilt ist denn bitte verpeilt? Woher weiß ich das? Ich lebe mein Leben so halt schon seit 28 Jahren und kenne es nicht anders als so.
    Ich kenne sehr viele verpeilte Menschen und die haben ganz sicher nicht alle ADHS. Das Zimmer meiner Mitbewohnerin sieht oft schlimmer aus als meins. Da ich seit fünf Jahren mehr oder weniger dauerhaft Single bin, hatte ich ewig niemanden mehr, der mich über längere Zeit erlebt/beobachtet hat. Wichtige Termine schreibe ich mir zB in meinen Kalender, den ich ständig checke und oder mache mir Erinnerungen ins Handy (Tabletten usw), sodass ich ganz selten mal was versäume und ich komme eigentlich auch NIE zu spät. (Gut, also den Termin muss ich dann schon auch abgemacht haben. Müsste zB seit Wochen nen Zahnarzttermin machen und hab auch echt Schmerzen. Aber: Auch etwa meine Mitbewohnerin drückt sich gerne vor sowas und tausende andere Leute ganz sicherlich auch).

    Monotone Arbeiten empfinde ich als so belastend, dass ich sie meistens einfach liegen lasse (Abwasch, Wäsche aufhängen) - aber ernsthaft: WER macht sowas denn gerne?? Ich hab in meinem Leben soooo viel ausprobiert, von zig verschiedenen Sportarten über Gitarre spielen, singen, zeichnen, schreiben; ich mache ganz viel, aber nichts richtig und dachte mein Leben lang, dass ich meine persönliche Nische einfach noch nicht gefunden habe. Aber nicht jeder Mensch hat eine bestimmte Leidenschaft in seinem Leben.

    Und die Angaben zum Thema Selbstwert finde ich oft so allgemein gestellt, dass ICH finde, diese stimmen auf ALLE Leute zu, deren Selbstwert angeknackst ist.

    All das lässt mich doch sehr daran zweifeln, dass ADHS als Diagnose für mich in Frage kommt. Wobei das auch total tageformabhängig ist. Wenn es mir gut geht, denke ich: "Du übertreibst doch total! Leute mit ADHS bekommen überhaupt nichts auf die Reihe. DIR geht's doch gut." und wenn es mir schlecht geht, droht der Weltuntergang. Denke ich, dass ich niemals werde arbeiten können mit meiner Art, dass das alles doch für die Katz' ist. Dass ich nie wieder Liebe erfahren werde (mein wunder Punkt. ).

    Also: Was ist denn bitte normal und was nicht? Wer kann einem das denn sagen? Und woher wusstet IHR das?

  2. #2
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 39

    AW: Zweifel an Selbsteinschätzung: Wie verpeilt ist denn verpeilt?

    StoneRose schreibt:
    Hallo Leute,


    Also: Was ist denn bitte normal und was nicht? Wer kann einem das denn sagen? Und woher wusstet IHR das?
    Ich ( ADS ohne H)vbhabe das immer daran festgemacht und habe darunter gelitten, was meine Familie mütterlicherseits auf die Reihe bekommen hat. Da war ich die Einzige, die so verträumt, schusselig, aufschieberisch, unkonzentriert, ideenreich aber nichts zu Ende machen, überempfindlich usw. war.

    Ich habe erst in den letzten Jahren erfahren, dass mein leiblicher Vater Asperger hat, hatte zu ihm aber kaum Kontakt, seine Mutter, also meine Oma hat mir erzählt, dass er diese Sachen auf die Reihe bekommen hat, aber im zwischenmenschlichen Bereich gar nicht gut zurecht kam und kommt.

    Früher habe ich eben geglaubt, dass ich nicht "normal" bin, jetzt denke ich schon, dass das an ADS liegt und ich versuche auch, mein Leben besser in den Griff zu bekommen, fühle mich aber nicht mehr als die vollkommene Niete.

    Hilfe, mir geht eigentlich viel mehr durch den Kopf, ich kann es bloß nicht gut in Worte fassen; ich hoffe, das war etwas hilfreich!

  3. #3
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: Zweifel an Selbsteinschätzung: Wie verpeilt ist denn verpeilt?

    Also ich wurde und werde schon oft von aussen damit konfrontiert, das ich sehr vergesslich bin, manche sind erstaunt das ich Dinge wirklich gar nicht sehe die zu tun sind, ich und meine Eltern haben durch meine Vergesslichkeit nicht nur Nerven, sondern auch Geld verloren, in Form von Verlorenen Dingen, vergessenen Dingen, zerstörten Dingen durch vergessen, etc. Ich merkte schon immer selbst, das ich irgendwie Lücken habe, die andere nicht haben.
    Also die Verpeiltheit habe ich bei mir am deutlichsten gemerkt, weil auffällig viele negative Konsequenzen hatte.

  4. #4
    Bin hier neu, seid lieb zu mir

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 29

    AW: Zweifel an Selbsteinschätzung: Wie verpeilt ist denn verpeilt?

    Ich hab gerade mal zwei Freunde von mir, die ich schon Jahre kenne, gefragt, ob sie mich für verpeilt halten. Ohne den Kontext zu nennen. Beide meinten nein. Meine Freundin meint, ich wäre sogar sehr organisiert. Wenn ich was nicht machen würde, dann nur, weil ich "keinen Bock" drauf hätte.

  5. #5
    Pepperpence

    Gast

    AW: Zweifel an Selbsteinschätzung: Wie verpeilt ist denn verpeilt?

    Den Zweifel finde ich nicht so ungewöhnlich StoneRose. Die Diagnose ist bis heute noch nicht ganz zu mir durchdrungen. Obwohl ich Verhaltenstherapie & Ergotherapie + medikamentös behandelt werde, schiesst mir in manchen, besonders verplanten Momenten der verzweifelte Gedanke durch den Kopf: "Ich hab ja wohl doch ADS"

    Das ist vielleicht auch das schwierige an der Diagnose, dass die Ausprägungen eben so unterschiedlich und auch so unterschiedlich stark sind und dass viele der Symptome in milder Ausprägung eben ganz normales Verhalten sind. Während Normalos z.B. nicht ein bisschen Tourette Syndrom haben und deshalb ab und zu zwanghaft "Scheisse" rufen müssen, nur eben seltener als wirklich Betroffene, sind viele Normalos ein bisschen vertrödelt, ein bisschen verplant, ein bisschen unordentlich und das Verhalten ist (in dieser geringen Ausprägung) vollkommen normal und durchschnittlich.

    Ich fahre auch nicht risikoreich Auto (also jedenfalls nicht mit Absicht ), würde mein Verhalten auf anderen Gebieten aber durchaus als höchst riskant bezeichnen. So bin ich z.B. schon mit einem nicht-versicherten Auto durch halb Dänemark und zurück gefahren, ohne von der Nicht-Versicherung zu ahnen. Prokrastination und Verdrängung sei dank. Und ich habe 10 Jahre meine Steuererklärung nicht abgegeben und damit riskiert mit einer Vorstrafe leben zu müssen.


    Impulsives Verhalten muss nicht immer heißen, jetzt unbedingt etwas tun zu müssen. Es kann auch heissen, gerade jetzt etwas ums verrecken NICHT tun zu wollen/ können. Ebenso habe ich keinen großen Bewegungsdrang, die Unruhe die mich untreibt ist innerlich ... an Deiner Stelle würde ich auf die Diagnose warten und mich nicht verrückt machen.


    Zu Deiner Freundin: ist es denn wirklich so, dass Du nur dann nichts machst, wenn Du keinen Bock drauf hast? Ich kann das für mich verneinen, meine Mutter würde aber jederzeit sagen: Es geht doch wenn sie will. (Ist aber nicht so, es sieht nur nach aussen hin so aus, weil ich auf letzte Sekunde und im absoluten Hyperfocus oft gerade noch alles so hinbekomme - das ist aber mitnichten einem "Man muss nur wollen, dann geht es auch" gleichzusetzen)

    Ach so - den ultimativen Kick suche ich übrigens auch nicht. Ich glaube das hängt nicht nur damit zusammen dass ich ADS und eben kein ADHS habe, sondern auch damit, dass ich vom Leben schon den einen oder anderen richtig fetten Tritt in den Arsch bekommen habe und einfach froh bin wenn ich halbwegs heil auf den Beinen lande. Kicks brauche ich nicht suchen, die bekomme ich spätestens alle paar Jahre frei Haus geliefert.
    Geändert von Pepperpence (20.04.2016 um 18:12 Uhr)

  6. #6
    Bin hier neu, seid lieb zu mir

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 29

    AW: Zweifel an Selbsteinschätzung: Wie verpeilt ist denn verpeilt?

    Ich weiß halt nicht, ob ich mich überhaupt testen lassen soll. Ich habe Angst, mich komplett lächerlich zu machen. Dass mir Leute sagen, dass ich ihre Zeit verschwende. Und Leuten, denen es WIRKLICH schlecht geht, einen Platz wegnehme oder so... :/

    Unüberlegtes Handeln...naja. Ich hab meine Beziehung zerstört und Menschen ziemlich verletzt, sodass sie sich von mir abgewandt haben. Ich habe mir von meinem Kumpel verdammt viel Geld geliehen, weil ich mir wegen ein paar Kilo Übergewicht UNBEDINGT einen Magenballon einsetzen lassen MÜSSTE (das Meiste ist eh wieder drauf und eigentlich wusste ich das auch. Denn ich habe es nicht geschafft, mein Essverhalten zu ändern). Das Geld habe ich die letzten drei Jahre abgestottert. Gleichzeitig habe ich einen Studienkredit, der eigentlich viel zu hoch ist (bin trotzdem jeden Monat 200 Euro im Minus). Ich könnte mich auch wieder jeder normale Student einschränken, aber ich kaufe jeden Monat für 50-100 Euro Klamotten und noch so allerlei anderen Kram. Das war/ist mir aber egal, solange ich nicht dran denke, wie viele Schulden ich eigentlich habe. Ich denke dann "ich bin eh bis ans Ende meiner Tage verschuldet, ist jetzt auch egal, ob das 10.000 Euro mehr oder weniger sind... Ich habe mir mein Saldo einfach jahrelang nicht angeschaut, bis mir mein jetziger Therapeut gesagt hat, dass ich mich dem ganz dringend stellen muss. Wenn ich den Gedanken an mich heranlasse, geht es mir unfassbar schlecht, deshalb schiebe ich das meistens weg. Ich werde trotz Master niemals viel Geld verdienen und weiß überhaupt nicht, wie das alles werden soll...
    Vor allem zu Bachelorzeiten habe ich regelmäßig Seminare geschmissen, auch noch kurz vor Semesterende, weil ich keinen Bock mehr hatte. Z.B. weil ich morgens zu müde war oder wegen sonstiger dämlicher Gründe. Dementsprechend bin ich nun Dauerstudentin. Momenten ist der Druck enorm hoch, da mein Studienkredit ausläuft. Ich MUSS fertig werden und das belastet mich sehr. In die Richtung geht das eher bei mir.

    Ich weiß auch nicht. Ich hab tatsächlich auf extrem viel einfach keinen Bock bzw langweilt es mich unfassbar. Ich fresse total viel Müll, weil ich Kochen hasse bzw sehe ich es nicht ein, so einen Aufwand für mich alleine zu betreiben. Oder halt für MICH mein Zimmer aufzuräumen. Wenn ich Besuch bekomme, schaffe ich es in kürzester Zeit, Ordnung zu schaffen. Als ich noch bei meinen Eltern gewohnt habe, hatte ich ein extrem schwieriges Verhältnis zu meiner Mutter - das ging sogar so weit, dass einmal das Jugendamt da war, weil meine Eltern nicht mehr weiter wussten. (Mein Vater hat sich aus Konflikten aber meistens fein rausgehalten. Er hat so ne Art Hobbyraum, in dem er bis heute mehr oder weniger lebt und halt raucht und säuft, während meine Mutter im Haus dahinvegetiert). Ein riesiger Streitpunkt war IMMER die Mitarbeit im Haushalt. Meine Schwester und ich mussten immer sehr viel mithelfen, da meine Eltern beide berufstätig waren und zudem seit fast 30 Jahren Hunde züchten. Von meiner Mutter kam ungelogen TÄGLICH der Vorwurf: "Warum hast du denn nicht dies und jenes gemacht? Das MUSST du doch sehen!!! Da MUSST du doch mal von alleine drauf kommen!" und ich weiß auch ganz genau, dass ich ihr ständig gesagt habe, sie solle mir doch bitte bitte eine Liste machen, die könne ich dann abarbeiten. Darauf kam dann immer, das sei ihr zu blöd, denn ich müsste sowas alleine sehen. Das fand ich immer unglaublich unfair, weil sie mir Willkür und Faulheit vorgeworfen hat und das stimmte einfach nicht! Aber das Schlimmste war das schlechte Gewissen, dass mir/uns besonders meine Mutter eingeredet hat. Denn es wurde immer aufgezählt, was wir alles bekämen - im Gegenzug könne man doch wohl erwarten, dass wir dafür unsere Aufgaben erledigen.

    Wenn ich will, finde ich für vieles eine Ausrede. Heute wollte ich eigentlich zum Sport. Ich bin dann aber Blutspenden gegangen und zack - konnte ich dann natürlich nicht trainieren. Ich halte mich seit ich denken kann für wahnsinnig faul, weil es mich unglaubliche Überwindung kostet, aus Eigenantrieb Dinge zu tun (wenn ich MUSS, dann KANN ich auch! Besonders, wenn andere Leute mit im Spiel sind, weil ich sonst ein schlechtes Gewissen bekomme). Wobei ich aber regelmäßig riesige Motivationsschübe bekomme. Z.B. wenn ich dann plötzlich wieder abnehmen will. Ich weiß ganz genau, wie es geht. Was ich essen muss, wie ich trainieren muss. Ich bin dann total aufgeregt, weil ich denke: "Diesmal packst du das!". Ich will dann aber immer alles auf einmal und am liebsten sofort. Erlaube mir nichts mehr, streiche alle Ungesunde von meinem Speiseplan, obwohl ich GENAU weiß, dass das so nicht funktioniert. Und dann bekomme ich halt Heißhunger und fange wieder an zu fressen und dann ist eh wieder alles egal...Das ist eigentlich schon Selbstsabotage. Oder ich hefte einen Tag lang alle wichtigen Unterlagen ab und fühle mich saugut und innerlich aufgeräumt. Bis zum nächsten Jahr dann so in etwa.

  7. #7
    N o r d f r a u

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 62
    Forum-Beiträge: 8.212

    AW: Zweifel an Selbsteinschätzung: Wie verpeilt ist denn verpeilt?

    Also ehrlich gesagt, liebe StoneRose, ich habe das jetzt schnell durchgelesen.

    Ich lebe ja selbst mit einer etwas älteren Masterstudentin zusammen (die allerdings gewissermaßen auf dem 2. Bildungsweg zum
    Uni-Studium gekommen ist).

    bis mir mein jetziger Therapeut gesagt hat, dass ich mich dem ganz dringend stellen muss
    Ich meine, damit hat er nicht unrecht.
    Für den Fall, dass dir ADHS attestiert wird, was ich für durchaus möglich halte,
    werden sich durch die Einnahme eines Medikamentes nicht deine Probleme alle lösen, aber möglicherweise
    bist du dann in der Lage, dich ihnen zu stellen und Schritt für Schritt Änderungen in deinem Leben vorzunehmen,
    mit Hilfe deines Therapeuten.

    Alles Gute
    Gretchen

  8. #8
    bin eine Piratin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 51
    Forum-Beiträge: 1.790

    AW: Zweifel an Selbsteinschätzung: Wie verpeilt ist denn verpeilt?

    liebe Stonerose

    ich bin eigentlich beruflich darauf gekommen, dass ich Adhs habe. ich arbeitete eine Zeitlang nur mit Adhs-Kindern. Meine Kollegen, alle adhserfahren, sahen in mir sowas von Adhs, aber ich sah überhaupt kein Parallelen. Diese hibbeligen, rappeldürren Sprtfreaks und ich, das hatte nichts miteinander zu tun. ich wußte zwar, dass irgendwas an mir anders ist, aber das muss was anderes sein. ich sah mich auch nicht als impulsiv, sondern als temparamentvoll an usw. Ansonsten war auch meine Kindheit anders gewesen, ich hatte eine brauchbare Schulkarriere hingelegt, studiert etc.
    ich war also s´keptisch. Klick machte es erst, als ich dann aus dem Kindern Jugendliche wurden und ich meine ganze Pubertät plötzlich in einem völlig neuen Licht sehen konnte. Ein Fachbuch öffnete mir die Augen: ich war als Teenagerin nicht unglücklich und durchgeknallt etc gewesen, ich hatte einfach die ganz typische Superpubertät eines Adhslers erlebt.

    ich sehe meinen Typ auch hier im Forum eher unterrepräsentiert. ich bin irgendeine Mischform, habe hyperaktive Anteile, ohne zB Sport zu lieben, dafür kann ich aber den ganzen Tag auf dem Sofa gammeln und 500 Seiten in einem tollen Buch schmökern. Kochen ist mir auch verhasst, ich hab keine Geduld, 2 std am Herd und eine Stunde am Abwasch zu stehen für 15 Minuten zu essen. ich könnte mir kochen a la Fernsehkoch aber gut vorstellen. Jemand macht die doofe Vorarbeit wie Gemüse putzen und abwiegen, ich hab das alles in netten kleinen Glasschalen vorsortiert um mich herumstehen und muss es nur noch zusammenschütten ! und abschmecken natürlich. das langweilige der Arbeit macht also jemand anderes, ich suche mir den "kick"teil aus.
    während sich Hyperaktivität einerseits und die Verträumtheit von Ads bei mir finden lassen, ist aber mein Schwerpunkt eindeutig Chaot. ich bin eigentlich prädestiniert für den typischen zerstreuten Professor. ich war 48 Jahre meines Lebens unordentlich, auch deswegen, weil man mir nicht Ordnung beibrachte, sondern erwartete, dass ich es von Natur aus kann. Konnte ich aber nie, mir war es unbegreiflich und selbst wenn ich aus anlass die Bude in Ordnung brachte, kamen über NAcht die Heinzelmännchen und es sah über Nacht aus, als sei eine Bombe explodiert.
    Aber ich lernte es auf mühsamen Weg und eigentlich aufgrund einer Notlage heraus, Ordnung zu halten. auch ein bisschen, indem ich zuerst lernte, Adhskindern Ordnung beizubringen. Irgendwann setzte ich einfache Prinzipien auch bei mir um. Es dauerte aber lange und benötigte diverse Bücher und "Internetselbsthilfegruppe n" bis ich es hinbekam. ich hab mich seit meiner Adhsdiagnose in vielerlei Hinsicht gewandelt und weiss nun, dass auch hoffnungslose Chaoten eine Liebe zur Ordnung entwickeln können. Oder diszipliniert sind. Ich hatte sicherlich auch Glück, noch traditionell únd selbstverantwortlich erzogen worden zu sein. und eine gute Schuleinstellung zu haben. und ich hab viele Techniken, die Adhslern helfen wohl im Leben einfach erlernen können, ganz ohne Therapie etc. Wer Mathe liebt und ne Leseratte ist und einfach gerne Wissen aufsaugt wie ein Schwamm, kommt auch mit Adhs gut durch die Schule. ich lernte schnell, das der meiste "kick" vom Unterrichtsstoff kommt.
    Ich bin wohl auch deswegen Sportmuffel, weil mir beim Sport der geistige Kick einfach fehlte.

    Adhs kann man nicht von außen erkennen. deswegen gibt es ja Tests. Es gibt äußerliche Hinweise und es gibt sogar Therapeuten, die meinen , ohne hinweise wie Schulversager etc könne man kein Adhs haben. Aber das ist Blödsinn. ja, es gibt Hinweise, aber es gibt auch unentdecktes Adhs, auf das man erst mühsam kommen muss und die meisten Adhsler haben es nicht auf die Stirn geschrieben, dass sie Adhsler sind, sondern mussten es erst mühsam herausfinden, viele Irrrungen und Wirrungen

    Es gibt sehr viele unterschiedliche Adhsler und wie unten bei mir steht "jeder Jeck ist anders" und jeder Adhsler auch. ich sehe in deiner Beschreibung sehr viele Parallelen zu mir und meinem Adhs, also wäre ein Test keine dumme Idee. Du nimmst auch nicht allzuviele Plätze weg, der eigentliche Test wurde zB nicht vim meinem doc, sondern von einer Praxismitarbeiterin (MTa oder so) durchgeführt. und meine Behandlung mit Adhs sieht zZ so aus, dass ich mich alle 4 Monate 2-5 Minuten mit meinem Doc unterhalte. Es ginge auch in 10 Sekunden , aber wir beide fühlen uns für ein "und, wie isses? " Alles gut" "schönen Tag noch" dann doch zu blöde. also wechseln wir 2,3 Sätze mehr. Scheue dich also nicht, mal zum Arzt zu gehen, teile ihm mit, dass du dir sehr unsicher bist, einiges spricht dafür, einiges nicht, daher hälst du einen Test für sinnvoll.

    bei mir war übrigens der 2. Arzt ein Glücksgriff, der erste konnte, weil ich eher "untypisch" bin und mein Leben scheinbar im Griff hatte nichts mit mir anfangen. er war wohl mehr Therapeut, Psychologe. Der 2. Ist Neurologe , eher klassicher Mediziner, denke ich und ich bin bei ihm gut aufgehoben, was ich mit seiner medizinischen Richtung verbinde. Hüte dich vielleicht vor den Fachleuten, die eher Richtung "komorbide Störungen des Adhs" wie Depressionen etc arbeiten und weniger am Adhs selbst (ist nur meine eigene Erfahrung, ich kann damit auch gnadenlos daneben liegen).

    Wieso ich rein "äußerlich" (Lebensweg etc) eher nicht zum klassichen Adhs-Lebensweg tendiere, weiss ich nicht. ich denke, ich hab unter all meinem Temperament auch eine mathematisch-analytische Ader und daher ein recht guter Stratege. Strategieplanung Pläne machen. Zwischenziele etc sind aber typische Trainingsstufen mit Adhs-Kindern. ich denke, das Leben und mein Elternhaus etc haben mir unbewußt einfach viel Adhs-Training auf den Weg gegeben und den Rest habe ich selbst im Eigenstudium rausbekommen.
    Aber seit der Diagnose und der Therapie habe ich nochmal gewaltige Fortschritte gemacht, die zT zwar auch meinen Lebensumständen zukommen, aber sicherlich auch der Medikamentation. ich bin wirklich viel glücklicher mit der Diagnose, auch wenn es sicherlich "dringendere" Fälle als mich gibt. Aber mir geht's besser und da ich in meinem Job ein Multiplikator bin, kann ich damit auch anderen Menschen (insbesondere den Adhslern, mit denen ich nach wie vor viel arbeite) helfen und jeder Mensch hat ein Recht auf die bestmögliche oder wenigstens angemessene medizinische Versorgung. Wenn du chronische Bauchschmerzen hast, musst du uU auch vom Hausarzt Gynäkologen/Urologen zu Gastrologen , Zum Röntgen, Ultraschall usw, bis man endlich die Diagnose hat, dass Ursache ein Abzess im Kiefer ist und du musst dir dann auch keine Vorwürfe machen, beim /Gynäkologen/Urlogen umsonst gewesen zu sein. ebenso darfst du das auch.

    aber frag dich mal, ob du vielleicht auch einfach nicht auf Adhs diagnostiziert werden willst. da waren sich sicherlich die meisten von uns erst uneins und neigten dazu, den Kopf erstmal in den Sand zu stecken. Wäre zumindest auch "typisch Adhs". nicht für alle, aber sicher für alle.

    Kurz: ein Test schadet niemanden ernsthaft. Lass dich testen. wenn du soweit bist

    Ps : Kick kommt aus meiner Sicht eigentlich mehr aus dem Thema "suchtverhalten" heraus. die Suche nach dem Kick treibt manchen in die sucht. ich aber bin weder suchtgefährdet noch auf der Suche nach anderen Kicks. Eher schon aus Angst vor Langeweile und geistige Unterforderung. die Kicksuche betrifft sicherlich nur einen Teil der Adhsler
    Geändert von Moselpirat (21.04.2016 um 11:26 Uhr)

  9. #9
    Bin hier neu, seid lieb zu mir

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 29

    AW: Zweifel an Selbsteinschätzung: Wie verpeilt ist denn verpeilt?

    Liebe Moselpirat,

    ich würde dich grad gerne umarmen für deinen tollen und super einfühlsamen Beitrag. Der hat mir jetzt schon wiede Tränen in die Augen getrieben. (Das ist so ne Macke von mir. Wenn man mir mit Verständnis begegnet, kann ich das immer kaum ertragen und muss heulen. Ich hab mal den Therapeuten gewechselt, weil mir der alte ZU verständlichvoll war. Er fand immer alles in Ordnung. Ich ich dachte mir: "Ernsthaft??? Sag mir doch jetzt bitte mal, dass XY nicht in Ordnung ist und ich meinen Arsch hochkriegen soll!")

    Darf ich fragen, welches Fachbuch das war?

    Ich kann auch den ganzen Tag auf dem Sofa gammeln - allerdings fühle ich mich dabei ganz ganz schrecklich. Eben als hätte ich den Tag verschwendet. Deshalb stehe ich dann halt zwischendurch immer auf und mache irgendwelchen Haushaltskram und sei es noch so wenig (weil ich Hausarbeit hasse).

    Hahaha, ja das Zusammenschütten und Abschmecken könnte ich auch! Gestern habe ich mit zwei Freunden Muffins gebacken ("einfach so" hätte ich das bestimmt nicht gemacht, aber meine Freundin zieht am Samstag weg und die Muffins waren für ihren Abschied auf der Arbeit. Wir haben dann insgesamt um die 70 Muffins gebacken, sodass ich heute welche mit zur Uni zur Vorbesprechung für meine Brighton-Exkursion nehmen kann). Ich hab dann zwischendurch kleine Aufgaben gemacht, das hat Spaß gemacht. Und zusammen dann sowieso. Meine Stadt ist leider nicht groß genug, als dass es sowas gäbe, aber ich glaube, an so Kochgruppen könnte ich Spaß haben. Da MUSS man halt seinen Teil zu beisteuern, sonst läuft es nicht und man kriegt Stress mit den anderen.

    Ich versuche mal zu beschreiben, was für mich ein Kick ist. Das ist es zB, in einem Uni-Seminar mitzuarbeiten. Ich war schon in der Schule mündlich IMMER dabei (zumindest in meinen guten Fächern). Und ich weíß auch, dass es viele Mitschüler genervt hat, wie oft ich mich gemeldet habe. Das ist ja an sich nichts Besonderes, aber: Es kostet mich eigentlich ne unglaubliche Überwindung, weil ich immer Angst habe, es könnte falsch sein oder ich mich blamieren. Schon wenn ich mir nur vornehme, mich gleich zu melden, schießt mir das Blut in den Kopf und mein Herz fängt an zu rasen. Leider verhasple ich mich vor Aufregung auch sehr häufig (vor allem, wenn ich Englisch spreche, dabei ist mein Englisch verdammt gut). Ich weiß oft mehr als die anderen, weil ich schon so lange dabei bin und weil die meisten meiner Kommilitonen Lehrämtler sind, die nur einen Bruchteil an Literaturkursen belegen müssen (ich studiere ja Literaturwissenschaften). Ich habe auch permanent Angst, meine Kommilitonen zu nerven und halte mich manchmal bewusst zurück (was super hart ist, vor allem, wenn sich dann niemand meldet, dann habe ich ein total schlechtes Gewissen dem Dozenten gegenüber). Wenn eine Antwort nicht so gut ankommt, ist die Scham beinahme überwäligend für mich und ich neige dazu, mich für meine Aussage zu entschuldigen. Am meisten stört mich daran persönlich, dass ich mein Potential so selten ausschöpfen kann. Meistens lege ich mir ne tolle Antwort zurecht und dann verliere ich vor lauter Angst und Anspannung den Faden und bin raus. Oder vergesse die Hälfte von dem, was ich eigentlich sagen wollte.
    Aber es ist für mich schlechtweg ein Kick, Lob und Anerkennung von meinen Dozenten zu erhalten. Dass ich ihnen im Gedächtnis bleibe. Dass ich merke, die freuen sich, dass ich wieder in ihrem Seminar sitze, weil ich eine Leistungsträgerin bin. Die Crux an der Sache ist, dass diese Dozenten dann auch sehr viel von mir erwarten, zB in Hausarbeiten. Und dann habe ich oft so eine Panik, deren und meinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht zu werden, dass ich die Hausarbeit schmeiße. Ich habe dann so eine riesige Blockade, dass ich nicht anfangen kann, weil ich den Dozenten nicht enttäuschen will. Und jedes Mal, wenn ich mich Dozenten anvertraue und vorsichtig andeute, dass ich mich da ein wenig schwer tue, kommen Antworten wie "also da mache ich mir überhaupt keine Sorgen!", "Sie sind doch pfiffig, das ist doch für Sie bestimmt keine Arbeit!" oder "ich WEISS, dass Sie das gut machen!" (Boah, sorry, wenn ich abschweife, aber das ist der Major-Trigger überhaupt, ne! Wenn ich zu früher zu meinen Eltern gesagt habe, dass ich was-auch-immer nicht kann oder Angst habe oder mich überfordert fühle, dann kam als Antwort grundsätzlich: "Ach Quatsch, das machst du BESTIMMT super!", "ich WEISS, dass du das kannst", "entspann dich mal", usw. Meine Ängste wurde NIE ernst genommen. Und auch nicht meine Probleme mit meinen Mitschülern. "Ach, scheiß doch drauf, was die sagen", usw.)

    Jedenfalls hat mich mein Therapeut schon oft gefragt, wie das denn zusammenpasse. Dass ich diese Ängste hätte, mich aber trotzdem immer und immer wieder melde. Wir haben das so eingeordnet, dass ich mich aufgrund meines niedrigen Selbstbewusstseins ständig profilieren will. Es wird mir in der Tat sehr seeeehr (SEHR!!!) häufig vorgeworfen, ich sei rechthaberisch, besserwisserisch und altklug. Es ist für kaum auszuhalten, wenn jemand etwas sagt, von dem ich GENAU weiß, dass es nicht stimmt und ich verspüre den kaum zu unterdrückenden Drang, die Person korrigieren zu wollen (ich bin bei Rechtschreibung auch super pingelig - wenn ich was falsch schreibe, dann war das selbstverständlich nur ein Flüchtigkeitsfehler. ). Also auch, wenn ich Gespräche von Fremden mitbekomme! Das ist sooo schwer auszuhalten für mich. Wenn Leute im Gespräch nach ner Antwort suchen und keiner kommt drauf, kann ich mich meistens nicht zusammenreißen und schmettere die Antwort einfach rein. Ich finde diese Eigenschaft selbst ehrlich gesagt ganz furchtbar und Freunde macht man sich damit auch keine. Ich versuche mich jetzt immer bewusst zurückzuhalten (du kannst dir nicht vorstellen, wie schwierig das ist).

    Ich hab auch vier Jahre lang in einem Club aufgelegt, obwohl mir der Großteil des Klientels da zuwider war und ich mich oft von Besoffenen habe beleidigen lassen müssen. Auch diebezüglich fragte mein Dozent, wie ich das denn geschafft hätte. Keine Ahnung. Es war aber ein unglaublicher Stressfaktor und ich habe nach jedem Auflegen geträumt, dass ich nen Fehler mache, die Musik ausgeht und mich alle ausbuhen - was schon in Echt vorgekommen ist, wie bei jedem DJ. Teilweise saß ich aufrecht im Bett und hab aufgelegt, das hat mein Ex häufig mitbekommen.
    Ich würde so oft so gerne mehr im Mittelpunkt stehen. Theater spielen, singen (ich hab mal bei zwei Songs bei nem Gig einer befreundeten Band mitgesungen, das war sooo krass). Aber meistens bremsen mich meine Angst vor eine Blamage und der Gedanke, nicht gut genug zu sein (oder nichtmal das, sondern der Gedanke. "Andere sind eh besser."). Und die Tatsache, dass ich in Gruppen (wie in so einer Theatergruppe) nicht zurecht komme.

    Naja, wer WILL schon gerne auf ADHS diagnostiziert werden. Schlimmer war allerdings damals der Boderline-Verdacht. Das war kaum auszuhalten für mich. Obwohl die Therapeutin in der Klinik nicht darüber sprechen wollte, habe ich sie so lange gedrängt, bis sie mir sagte, ob das die Diagnose sei. Sie meinte, dass das schon ein Thema sei, sie das aber nicht glauben würde. Was ICH denn davon halten würde? Ich habe ihr gesagt, dass ich mich da nicht sehe. Dass es eine Tatsache sei, dass ich einige typische Borderline-Züge aufweise, es aber so viele Aspekte gibt, mit denen ich mich absolut nicht identifizieren kann und will. Und sie meinte nur: "Dann ist doch gut."
    Meine weitaus größere Angst ist es aber ehrlich gesagt, dass es das NICHT ist. Bzw, dass ich mich wieder in was reinsteigere und Hoffnung schöpfe und dann nur wieder enttäuscht werde. Dass ich doch so bin, weil ich so bin und das hinnehmen muss. (Was ich nur leider nicht kann und deshalb weiterhin erfolglos versuchen werde, mich zu ändern). Ich habe und hatte schon immer einen großen Drang nach Selbst-Identifikation. Irgendwo dazugehören zu wollen. Als Jugendliche war ich mal Gothik, mal Emo und dann wurden nur noch Bandshirts/Buttons und Chucks getragen ("Normalos" fand ich langweilig). "Schaut alle her, das bin ich!". Heute betreibe ich das nicht mehr so stark über mein Aussehen (hab maximal meine Band-Jutebeutel. ), aber der Wunsch ist immer noch sehr sehr stark und die Frustration darüber sehr hoch, dass ich mit Ende 20 immer noch nicht angekommen bin und immer noch nicht weiß, wer ich bin und wer ich sein möchte. Und ich wunsche mir nicht sehnlicher, als eine Erklärung für all das Chaos zu haben. Ja, ehrlich gesagt auch eine Art Rechtfertigung. Aber ich fürchte, das wird es niemals geben.

  10. #10
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
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    AW: Zweifel an Selbsteinschätzung: Wie verpeilt ist denn verpeilt?

    StoneRose schreibt:
    Ich hab gerade mal zwei Freunde von mir, die ich schon Jahre kenne, gefragt, ob sie mich für verpeilt halten. Ohne den Kontext zu nennen. Beide meinten nein. Meine Freundin meint, ich wäre sogar sehr organisiert. Wenn ich was nicht machen würde, dann nur, weil ich "keinen Bock" drauf hätte.

    Liebe StoneRose!

    Erst mal danke für die Absätze

    Zur Sache mit den Terminen und der Organisation kann ich dir folgendes sagen:

    Ich selbst halte mich für einen außerordentlich zuverlässigen Menschen. Ich war zu noch keinem Termin zu spät, ich hab noch nie einen verpasst. Ich bin höchst organisiert- wenn ich es sein will.
    Mein Mann (der König der Verpeiltheit und heut nachmittag bei der ADHS-Abklärung) meinte vor Jahren mal zu mir:
    "Ich wünschte ich könnte so zuverlässig und organisiert sein wie du! Du machst alles perfekt, und das noch mit links!"

    Das stimmt auch soweit- und ich dachte das lange Jahre. Ich hab auch eigentlich nie an ADHS geglaubt bei mir, obwohl einiges zutrifft.

    Erst bei meinem Diagnostiktermin und den gezielten Rückfragen meines Arztes ist mir aufgefallen, wie zwanghaft ich vorgehe, um so organisiert zu sein.
    Vor einem Termin ich meist nicht fähig, etwas anderes zu tun, das geistige Konzentration fordert.
    Ich verplempere dann irgendwie die Zeit (sehr dumm, wenn man fürs Examen lernen *sollte*)

    Bei wichtigeren Terminen hatte ich wohl auch eine extrem gesteigerte Unruhe (das hab ich erst im Nachhinein bemerken bzw als solche ausmachen können).
    Ich gehe dann in der Wohnung umher, mache alle verrückt und steigere mich in eigentlich ausgedachte Horrorszenarien.

    Es ist nun kein Scherz, aber anhand meiner Aufzeichnungen von emails an meine beste Freundin kann ich rückwirkend erkennen, dass bei wichtigeren Terminen bei mir immer ein
    Angstthema dabei war- ganz gehäuft kommt von mir die Schilderung: Nachher muss ich zum Termin xy, aber das ist meine kleinste Sorge, denn heute morgen, als mein Mann wegfuhr hatte ich den dummen Gedanken "Was, wenn ihm heute was passiert und er einen Autounfall hat?" und bekomme seitdem aufsteigene Panik.

    Ganz oft war dies der Fall!!!

    Jetzt les ich mal den Rest

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