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Diskutiere im Thema Das bin ich - das ultimative Gefühlschaos im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #1
    Bin hier neu, seid lieb zu mir

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 29

    Das bin ich - das ultimative Gefühlschaos

    Hallo, alle zusammen,

    puuh, wenn hier alle so ungeduldig sind wie ich, dann wird diesen Text wohl niemand komplett lesen. Ich fange trotzdem einfach mal an und versuche, mein Geschriebenes so sinnhaft wie möglich zu gliedern.

    Zunächst mal weiß ich natürlich, dass ihr keine Ärzte seid und ich erwarte auch um Gottes Willen keine Ferndiagnose. Aber vielleicht sowas wie Verständnis oder sogar Mitgefühl? Meine Gefühle nachvollziehen kann nämlich leider so gut wie niemand.

    Ich bin 28 Jahre alt und seit gut 10 Jahren (mit Unterbrechungen) in (psycho-)therapeutischer Behandlung. Tja und da nie eine eindeutige Diagnose gestellt wurde, kann ich euch auch nicht sowas sagen wie „wegen Borderline“ oder „wegen der bipolaren Störung“. Ich bekam immer nur irgendwelche komischen Verlegenheits- oder Verdachtsdiagnosen. Bei ersten Mal stationär hieß es „Anpassungsstörung und mittelgradige Depression“, beim zweiten Mal „Verdacht auf emotional instabile Persönlichkeit“ und ich weiß gar nicht, was sonst noch alles. Ich kann immer nur sagen, aufgrund welcher Symptome ich behandelt werde und da wird’s schon konfus.(Bevor ich es nachher vergesse: Ich hab mal ne Weile Citalopram genommen, hat aber nicht wirklich geholfen). Seit ich denken kann, habe ich kaum Selbstbewusstsein – was man mir aber auf den ersten Blick nicht anmerkt. Im Gegenteil. Leute, die mich nicht kennen, halten mich wohl für arrogant und zickig (das stimmt wahrscheinlich auch so, dennoch ist das nur vordergründig) mit nem eher GESTEIGERTEN Selbstbewusstsein. Egal wo ich neu hinkomme: Zu irgendeinem Zeitpunkt ecke ich mit meinem Mitmenschen an. Sogar im Grundschulzeugnis steht schon „muss sich dafür hüten, durch ihre impulsive Art den Kontakt zu ihren Mitschülern nicht zu gefährden“, „muss sich davor hüten, in Gruppen nicht zu bestimmend aufzutreten“, „sie muss allerdings noch lernen, etwas weniger heftig zu reagieren, wenn es in der Zusammenarbeit mit Mitschülern nicht ganz so läuft, wie sie es sich vorstellt“. Ich hab mich schon immer von allen bedroht und angegriffen gefühlt und ich hatte immer das Gefühl, anders zu sein. Nicht dazuzugehören. Ich hab das unstillbare Bedürfnis, jeden Scheiß kommentieren zu müssen und einfach STÄNDIG meine blöde Fresse aufreißen zu müssen. Das ist so ne ätzende Angewohnheit, für die ich mir selbst dermaßen auf den Senkel gehe. Und nach jedem mal „Wortkotze“ schäme ich mich zutiefst dafür, dass ich es schon wieder nicht geschafft habe, die Klappe zu halten. In der Uni klappt das besser, aber in der Schule musste ich echt zu allem meinen Senf abgeben und zwar meistens auf eher sarkastische Art und Weise. Ich habe mich auch ständig für meine Mitschüler eingesetzt (zB wenn ich eine Benotung unangemessen fand) – ob die das nun wollten oder nicht und war anschließend gekränkt, wenn sie es mir nicht gedankt haben.
    Bei jeden Schulwechsel dachte ich: „Jetzt wird alles anders, jetzt hast du die Chance, nochmal ganz von vorne anzufangen und Freunde zu finden.“ Aber jedes Mal war es das Gleiche. Von der Grundschule auf die Orientierungsstufe, von der Orientierungsstufe auf die Realschule, von der Realschule aufs Gymnasium. Immer das gleiche Muster. Überall hatte ich eine handvoll Freunde, sodass ich mich nie wie eine komplette Außenseiterin gefühlt habe. Paradoxerweise fand (bzw finde, das ist immer noch so) ich die meisten Leute auch immer blöd – wollte aber trotzdem, dass mich jeder mag. Oh und auch mit meinen Lehrern hatte ich ständig Probleme und komme auch heute so gar nicht mit Autoritätspersonen klar. Oder anders ausgedrückt: Wenn ich das Gefühl habe, dass jemand mit seiner Machtposition spielt oder gar kokettiert, dann sträubt sich bei mir alles! So hat mir beispielsweise schon ein Schaffner mit einer Anzeige wegen Beleidigung gedroht oder es gab in der Schule nen Klassenbucheintrag („Ich trag dich gleich ins Klassenbuch ein!“ – „Pff, dann machen Sie doch!“ – Eintrag im Klassenbuch: „Auf Wunsch der Schülerin XY ins Klassenbuch eingetragen“. )

    Ich habe einen recht großen Freundes- und Bekanntenkreis aber niemanden, der mir wirklich, wirklich nahe steht und bei dem ich nicht das Gefühl habe, ich müsste mich zusammenreißen. Ich bin seit fünf Jahren mehr oder weniger Single und hatte auch nur eine ernstzunehmende Beziehung, die drei Jahre gehalten habe. Ich bin manchmal so einsam, dass ich kaum atmen kann. Diese Beziehung – da war ich Anfang 20 – hat dann auch wirklich meine schlimmsten Eigenschaften zum Vorschein gebracht. Zunächst mal habe ich gemerkt, dass ich es nur ganz schlecht ertragen kann, wenn jemand bei mir im Bett schläft. Decke teilen oder angekuschelt einschlafen ist ein totales No Go, auch, wenn ich mir das wünschen würde. Wir sind nach einem Jahr zusammengezogen und dann habe ich auch angefangen, Ohrstöpsel zu benutzen. Mittlerweile seit 7 Jahren und ohne geht gar nichts mehr. Ich konnte sein lautes Atmen nicht ertragen, wurde wütend und aggressiv. Wir haben dann oft gar nicht im selben Bett geschlafen, wenn ich früh raus musste. Es ist noch heute so, dass mich jedes noch so kleine Geräusch aufweckt, ich mit Herzrasen im Bett liege und nicht wieder einschlafen kann – wenn ich denn überhaupt einschlafe, denn meistens komme ich gar nicht erst zur Ruhe. Aber dazu später mehr. Mein Exfreund war acht Jahre älter als ich, stand mit beiden Beinen im Leben und war als Sozialarbeiter sehr selbstreflektiert und ich glaube, nur deshalb hat das überhaupt so lange gehalten. Zu dieser Zeit dachte ich das erste Mal, dass ich vielleicht Borderline haben könnte, weil ich ihn so oft weggestoßen habe. Außerdem war ich teilweise richtig manipulativ. Wir haben in der Zeit die Wohnung komplett renoviert, uns Ratten angeschafft (weil ich die haben wollte) und ich habe seinen Kleidungsstil komplett verändert. Ich bin so dermaßen dickköpfig und hartnäckig, dass ich fast alles bekomme, was ich will. Meistens, in dem ich Leuten ein schlechtes Gewissen mache – das kann ich sehr gut. Während dieser Zeit ist halt auch einiges passiert, was nicht förderlich war (einer meiner Kumpels, meine beiden Omas und mein Opa sind gestorben und ich war das erste Mal sieben Wochen lang stationär). Wirklich zerbrochen ist es, weil ich mich gelangweilt habe. Weil ich mich von anderen Männern nicht mehr wahrgenommen gefühlt habe. Hab fremdgeknutscht und es ihm gesagt und dann haben wir das beendet. Seit dem ist es immer das gleiche Muster: Wenn ich ÜBERHAUPT mal einen Mann kennenlerne (der mich auch noch interessiert), dann ist der immer erst total hin und weg von meiner Art, findet mich spannend und ja „so anders“, blabla, bis er nach ner Weile feststellt, dass das nicht spannend, sondern einfach nur anstrengend ist.

    Ok, wo mache ich denn mal weiter. Uni war und ist eine echte Herausforderung für mich. Mit Unterbrechungen studiere ich nun seit geschlagenen 8 Jahren. Habe es erst mit Lehramt versucht, bis ich mir eingestand, dass ich niemals Lehrerin sein kann mit meiner Art. Jetzt mache ich (allgemeint gesagt) Literaturwissenschaften. Hab null Plan, was ich damit machen kann oder will und habe auch absolut keine Energie, mir darum Gedanken zu machen. Denn jetzt kommt die andere Baustelle: Ich bin und war, mein ganzes Leben lang, mit ALLEM maßlos überfordert. Mir ist STÄNDIG ALLES zu viel. Aber total unverhältnismäßig. Da kann zB der Gedanke an einen Hausputz genauso schlimm sein wie eine Hausarbeit für die Uni. Ich hab mich auch als Kind von meinen Eltern immer mit allem alleingelassen gefühlt. Meine Schwester und ich waren sehr früh sehr selbstständig. Vielleicht zu selbstständig. Mit meiner Mutter gab es immer Stress, weil ich mich zu viel beschwert habe, wenn ich im Haushalt helfen sollte. Ich hab immer alles gemacht, was man von mir verlangt hat, aber nie ohne herumzumotzen. Ich hab ständig wegen allem gejammert. Dass ich xy nicht schaffe, usw. Ich weiß, dass mein Vater das nie verstehen konnte und mich deshalb auch immer angemacht und nie ernst genommen hat. Ich kann mir zB überhaupt keine Wege merken, verfahre oder verlaufe mich ständig! Ich weiß noch, als ich den Führerschein hatte und dann nicht wusste, wie man wo hinkommt – da hat mein Vater mich regelmäßig für vollkommen dämlich erklärt. Wir wären den Weg doch schon 1000 Mal gefahren, es könne einfach nicht sein, dass ich nicht wisse, wie ich dahin komme. Wegbeschreibungen kann ich auch nur ganz schlecht folgen. Naja und noch heute ist immer ständig einfach alles zu viel, aber ich habe gleichzeitig das Gefühl, alles schaffen zu MÜSSEN. Ich hab nen Studienkredit und gehe nebenher arbeiten. Der Kredit läuft in drei Semestern aus, daher muss ich meinen Master in Regelstudienzeit schaffen. Seit letztem Sommer mache ich nun also Vollzeit Uni und Nachtschichten in einem Schlaflabor und seit dem geht es mir auch wieder viel schlechter. (Nach dem Bachelor wollte ich eigentlich aufhören, hab ein Jahr lang nur Teilzeit gearbeitet und den Rest der Zeit rumgehangen. Wollte dann nach Australien und hab mich letztendlich doch für den Master entschieden). Ich habe unglaublich hohe Ansprüche an mich selbst was meine universitären Leistungen betrifft, weil das so der einzige Bereich in meinem Leben ist, in dem ich ein bisschen glänzen kann. Ich kann aber nur ganz schlecht entscheiden, WAS jetzt wirklich wichtig ist. Werde unfassbar nervös, wenn ich den einen Text jetzt nicht geschafft habe. Eine Vorlesung wird sogar unbenotet sein, aber ich kann es mir selbst einfach nicht erlauben, da nicht auch 100 % zu geben. Schon allein, weil es mir so wichtig ist, was mein Dozent von mir denkt (habe die letzte Klausur mit 1,0 bestanden. Wie ich das geschafft habe, weiß ich bis heute nicht, aber natürlich will ich jetzt die gleiche Leistung wieder erbringen). Ich bin ständig angespannt und hypernervös, weil ich ja ach so viel zu tun habe – kann aber dann auch schon mal ne Stunde im Bett liegen und meinen Bauernhof auf meinem Handy bewirtschaften!!! Da ich nun mal Literatur studiere, muss ich unglaublich viel lesen und das ist wirklich das Schlimmste. Ich LIEBE das, mach ich mache. Vor allem nordamerikanische Literatur. Ich habe wirklich Ahnung. Ich kann in den Vorlesungen oder Seminaren auch aufmerksam zuhören und mich beteiligen. Und deshalb verstehe ich nicht, warum ich es einfach nicht schaffe, konzentriert mehr als zwei dämliche Seiten zu lesen. Lesen strengt mich soooo an. Etwas besser geht es, wenn ich laut vorlese. Ansonsten mache ich mir oft White Noise Geräusche aufs Ohr. Lege mein Handy weit weg. Ich glaube, dass viele Leute Probleme damit haben, konzentriert zu lesen. Mich belastet es aber insofern, als dass ich halt mit dem Stoff nicht hinterherkomme. Ich besitze sooooo viele Bücher und habe nen Bruchteil davon wirklich gelesen (die Harry Potter Reihe habe ich mehrmals ohne Probleme durchgelesen – es geht also!). Es interessiert mich ja auch WIRKLICH! Aber sobald mal zwei Seiten lang nicht wirklich was passiert, bin ich unendlich gelangweilt. Ich kann nicht mal ganze Artikel in einer Zeitschrift lesen (geschweige denn so lange Foreneinträge wie meinen hier). Ich hab immer das Gefühl, ich muss noch was machen, hab noch was zu tun. Kann mich nicht konzentrieren, nicht entspannen, nicht abschalten. Oder darf nicht. Wenn ich heim komme, „darf“ ich erst essen, wenn ich bestimmte unangenehme Dinge erledigt habe (abspülen – das Schlimmste auf der Welt) oder Wäsche machen. Ich lasse auch oft mein Essen stehen, weil mir noch was einfällt, das ich unbedingt erledigen muss. Ich versuche mir oft To Do Listen zu machen. Aber bevor ich alles abhaken kann, stehen da schon wieder zehn neue Punkte. Ich denk mir dann „wenn du das alles doch jetzt schon geschafft hast, dann kannst du ja auch noch dies und jenes machen“. Ich kann auch keinen Film in Ruhe schauen. Ich muss dann auf Pause machen und noch was erledigen. Oder ich muss dann unbedingt was googeln, zB wie der Synchronsprecher heißt oder was weiß ich was. Ich kann es nicht ertragen, mich nur auf den Film zu konzentrieren. Bei Serien geht es etwas besser, aber auch da muss ich ständig was mit dem Handy machen, sonst langweile ich mich. Oft verpasse ich dann die Hälfte, weshalb ich keine komplexen Serien schauen kann, weil mich das dann total frustriert und ich denke, ich sei zu dämlich, die Handlung zu verstehen! L Ich wollte mal House of Cards schauen, aber das ging überhaupt nicht! Was gut geht, sind Serien, die mich auf emotionaler Ebene ansprechen. Da fühle ich mich irgendwie, als würde ich teilnehmen, anstatt nur zuzuschauen (zB sowas wie „Girls“ oder „My Mad Fat Diary“). Mein Zimmer ist nicht ordentlich, aber doch auch nicht super chaotisch. Da war ich als Kind schlimmer (aber das sind ja eigentlich alle). Ich verlege sehr oft Dinge und bin schusselig, aber auch da glaube ich, dass das noch im Rahmen ist.

    Achja, Thema Dinge nicht zuende bringen: Das war auch als Kind schon so. Ich hab bestimmt 15 verschiedene Sportarten ausprobiert, die ich dann aber ganz schnell wieder doof fand oder die Leute im Verein. Als ich mit 15 Gitarrenunterricht nehmen wollte, haben es meine Eltern nicht erlaubt mit der Begründung, würde sowieso wieder abbrechen. Ich habe es selbst versucht, aber ohne wirklichen Erfolg. Letztes Jahr habe ich mir nochmal eine Akustikgitarre zugelegt. Ich habe dann oft so Phasen von ein bis mehreren Tagen, in denen ich wie besessen übe und total schnell Fortschritte mache und dann mache ich wieder monatelang nix. Als Kind wollte ich immer Schriftstellerin werden. Ich hab mir aus Kartons Hardcover gebastelt und dann Seiten reingeklebt – aber immer nur ein paar, bis ich keine Lust mehr hatte. Auch als Jugendliche habe ich geschrieben. Fanfictions oder Kurzgeschichten. Ein paar Seiten und dann fand ich alles blöd oder langweilig und habs aufgegeben. Bin dann irgendwann zu dem Entschluss gekommen, dass mir wohl das Talent fehlt, denn anderenfalls müsste es mir ja wohl möglich sein, etwas zuende zu schreiben. Achja, nichtmal regelmäßig Tagebuch schreiben kriege ich hin. Ich kann mich aber gleichzeitig ganz schnell für ganz viele Dinge begeistern. Ich habe ein sehr fundiertes Musik- und Filmwissen. Habe vier Jahre lang in einem Club aufgelegt. Ich kann mich auch sehr über Dinge freuen und bin nicht nur negativ. Ob das jetzt ein leckeres Essen ist oder ein niedliches Tier oder die Tatsache, dass meine Haare gut sitzen.

    Oh man, ich könnte wirklich stundenlang weiter schreiben, weil mir immer und immer mehr einfällt. Ein großes Thema ist noch meine Emotionalität. Ich bin super impulsiv und gleichzeitig total sensibel. Ich hab regelmäßig schlimme Wutanfälle, in denen ich dem Telekom-Menschen am Telefon schon mal vorschlage, sich ins Knie zu ****en oder mit den Worten „danke für gar nichts, das ist ja der letzte Drecksladen hier“ eine Arztpraxis verlasse. L Ich merke auch ganz schnell, dass ich überreagiert habe. Bei Freunden entschuldige ich mich auch immer, aber manchmal ist es halt auch einfach zu spät…viele meiner Freunde haben Angst mir zu sagen, wenn sie etwas stört, weil sie meine Reaktion fürchten. Ich kann mit Kritik nicht sonderlich gut umgehen, aber es ist schon viel viel besser geworden! Ich bin halt auch super super schnell gekränkt und fühle mich als Mensch in meiner Gänze abgelehnt. Ich bin ganz oft neidisch oder eifersüchtig und kann dann richtig gemein werden (und damit Freundschaften zerstören).

    Es gibt noch so viel, was ich gerne schreiben würde und was mich belastet, aber ich glaube, ich belasse es mal hierbei und gehe lieber auf einzelne Fragen ein, falls denn welche kommen. Alles in allem habe ich einfach das Gefühl, dass ich nicht mehr kann. Wirklich, ich kann nicht mehr. Ich hatte immer die Hoffnung, dass alles besser wird, wenn ich älter werde. Dass ich dann selbstbewusster werde und weiß, wer ich bin und wo ich hin möchte. Aber es hat sich überhaupt NICHTS geändert. Ja, ich kann rational denken und bin vielleicht recht selbstreflektiert – und trotzdem habe ich oft die emotionale Reife einer Vierzehnjährigen! Oder raste aus wie eine Vierjährige, wenn Dinge nicht so laufen, wie ich sie mir vorgestellt habe. Und das kann einfach nicht sein. Ich habe unfassbare Zukunftsängste, weil ich beim besten Willen nicht weiß, wie es nach dem Studium weitergehen soll. Wie ich so arbeiten soll. Ich wünsche mir so oft einen Filter. So ne Glasglocke, die ich mir überstülpen kann, damit nicht alles so ungebremst auf mich niederprasselt: Geräusche, Gerüche, schlechte Gefühle, maßlose Begeisterung, Angst, Nervosität, Eifersucht, Neid, Wut, lachende Kinder, langsam gehende Menschen, verliebte Pärchen, kläffende Hunde, die Nachrichten, Sexismus, Rassismus, Leute, die dumme Fragen stellen, Leute, die sich im Bus neben mich setzen…… Ich mag so nicht mehr.

    Tja, das bin ich. Und eigentlich fehlt da noch jede Menge. Ständig muss ich mir von Therapeuten anhören, ich sollte mich so akzeptieren, ich sei was Besonderes, usw. Aber es geht einfach nicht! Ich kann und will nicht akzeptieren, dass ich dieser Mensch sein soll. Denn der bin ich nicht.

  2. #2
    Bin hier neu, seid lieb zu mir

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 29

    AW: Das bin ich - das ultimative Gefühlschaos

    Achso, was ich jetzt ganz vergessen habe: Mein Therapeut hat letzte Woche zum ersten mal den Begriff ADHS in den Raum geworfen. Ich hab das aber recht schnell wieder abgetan, weil ich dachte, dass ich als Kind eigentlich nicht sonderlich auffällig gewesen wäre und weil manche Aspekte auch gar nicht bei mir zutreffen. Und außerdem habe ich schon so oft gedacht "das isses jetzt aber!" und im Endeffekt wars Schwachsinn (von Boderline bis Schilddrüsenunterfunktion). Da er mir aber mittlerweile schon empfiehlt, Neuroleptika auszuprobieren, dachte ich, dass ich da vielleicht doch lieber mal nachhake.

  3. #3
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 42
    Forum-Beiträge: 467

    AW: Das bin ich - das ultimative Gefühlschaos

    Hi StoneRose, herzlich willkommen hier!

    Von dem, was Du schreibst, kommt mir soo viel bekannt vor, fuer mich als Laie klingt da sehr viel nach ADHS.
    Hast du dich schon informiert, wo du in deiner Gegend eine gute Diagnostik bekommst?

  4. #4
    Bin hier neu, seid lieb zu mir

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 29

    AW: Das bin ich - das ultimative Gefühlschaos

    Ich hab mal bei diesen ADHS Netzwerk nachgehaut, da hab ich zB in gesehen, dass es in Köln was gibt (in unmittelbarer Nähe leider nicht), bin mir aber nicht sicher, ob das jetzt die erste Anlaufstelle ist. Ob da da einfach anrufen kann. Hab versucht, meinen Therapeuten zu erreichen. Hab ne SMS geschrieben und gefragt, ob er Kontakte hat. Den nächsten Termin bei ihm habe ich leider erst wieder am 28.

    Ich habe Angst, dass ich mich da wieder in was verrenne. Und mir da vielleicht am Ende wieder nur was einrede. Und die Energie, die ich eigentlich für die Uni brauche, jetzt hierfür verschwende. Weil ich natürlich jetzt mega aufgeregt bin und am liebsten sofort irgendwo nen Termin hätte und mir kreuz und quer alles zu dem Thema durchlese, anstatt meinen Kram für die Uni.

    Wenn ich hier teilweise lese, dass Leute sich nichtmal Namen merken können oder arbeitsunfähig sind, dann komme ich mir wieder total bescheuert vor, weil ich doch irgendwie immer alles geschafft habe. Zwar langsam, mit vielen Tränen und über viele Umwege, aber ich hab's geschafft.
    Ich hab auch kein Problem mit Süchten, obwohl mein Vater Alkoholiker und Kettenraucher ist, ich rauche seit zehn Jahren nur gelegentlich auf Partys. Ich hab verschiedene Drogen ausprobiert und fand das nie so toll, dass ich das ständig würde konsumieren wollen. Ich bin auch nicht sonderlich risikofreudig (wenn man jetzt impulsives Handeln wie sinnlos Geldausgeben oder Fressen nicht dazu zählt) - ich fahre nicht zu schnell Auto oder mache irgendwelche Extremsportarten. Ich bin sprachlich talentiert und abgesehen von Mathe (wo ich zugegebenermaßen gar nix verstanden habe - aber das geht ja sehr vielen Leuten so!) waren meine Leistungen nie besorgniserregend. Ich war auch nicht der Klassenclown oder Zappelphillipp (lustigerweise war aber genau DER mein bester Kumpel in der Mittelstufe. Das typische ADHS-Kind, das Ritalin bekam), sondern halt die nervige, anstrengende Zicke. Ich bin vielleicht unruhiger als andere, aber nicht so, dass Leuten das ständig auffallen und sie mir das sagen würden. Zugegeben, so viel bin ich nicht mit anderen zusammen, dass man das beobachten könnte, aber ich zapple nicht ständig mit den Füßen oder klicke auf mit dem Kugelschreiber rum. Meine Mitbewohnerin ist mindestens genauso unordentlich wie ich, eher noch schlimmer. Und ja, verpeilt bin ich, aber auch das sind viele Leute, die ich kenne. Ich vergesse zB sehr oft genau das, was ich UNBEDINGT mitnehmen muss und an das ich permanent denke. ZB den Laptop mit auf die Arbeit (ich arbeite ja nachts und sitze da stundenlang rum und das ist eine einzige Beschäftigungsmöglichkeit). Oder ich stelle mir die Tüte mit Büchern aus der Bib direkt vor die Tür, weil ich die UNBEDINGT zurückbringen muss und lass die dann doch da stehen. Aber es ist mir noch nie in dem Maße aufgefallen, dass es mich belasten würde. Ich bin mal so nen ADHS-Fragenkatalog durchgegangen und hatte das Gefühl, dass die Fragen sehr sehr allgemein gehalten sind und doch wirklich auf viele Leute zutreffen - zumindest auf solche mit Selbstwertproblemen. Man sagt ja sogar ganz pauschal, Studenten seien unorganisiert, faul und chaotisch. Oder wer macht gern Hausarbeiten? Gut, ich weiß nicht, ob jeder wie ich beim Wäsche aufhängen aggressiv wird und Herzrasen bekommt, aber GERNE macht das doch niemand!

  5. #5
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 144

    AW: Das bin ich - das ultimative Gefühlschaos

    Hallo StoneRose,

    ich bin auch erst seit letzer Woche hier....und hab auch (noch)keine Diag.

    Ich wollte Dir schreiben, dass Du wirklich sehr spannend geschrieben hast, ich habe alles gelesen.
    Ich habe mich sehr viel selbst entdeckt...
    und wenn Du Literaturwissenschaften studierst, was liegt da näher...selbst zu schreiben, dass was Du
    schon als Kind wolltest.

    Das ist gerade so mein Thema...dass ich meinen Weg beruflich neu finde. Bei ist immer alles so passiert
    und ich hatte auch Erfolg, aber es war nie das, was ich mir ausgesucht habe. Nun möchte ich bald was machen, was
    und wofür ich bestimmt bin.
    In meinem Kalender steht für diese Woche : Jedem Menschen ist ein Werk vorbehalten, das nur er kann. Susan Blow 1843-1916, US
    amer.Pädagogin.

    Ich finde es toll, dass du sowas tolles studierst, mach was draus. Wir sollen uns nicht immer mit den Dingen beschäftigen, die wir
    nicht können oder nicht so gut, sondern mit den Dingen, die wir besser können als Andere...
    und glaube mir, rosarot ist bei mir auch nicht.

    LG Landleben

  6. #6
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 55
    Forum-Beiträge: 2.054

    AW: Das bin ich - das ultimative Gefühlschaos

    Hallo StoneRose,

    ich habe tatsächlich alles durchgelesen, auch wenn ich mir mal einen zusätzlichen Absatz gewünscht hätte.
    Mir wurde fast schwindlig von deinem Karussell. Das hört sich für mich schon ziemlich nach ADHS an.
    Bezeichnend fand ich, daß der Klassenclown dein bester Kumpel war. ADSler verstehen sich ja untereinander oft besser als mit dem Rest der Welt.

    Da du ja einiges an Drogen probiert hast, wie waren aufputschend Mittel für dich? Haben die dich eher ruhig und klarer gemacht. Das wäre ein Hinweis auf mögliche ADHS.
    Bei uns wirken anregende Mittel wie auch Kaffee eher paradox.

    Zum Stichwort Berufsunfähig: das kann ganz schnell in 10 Jahren kommen, wenn du weiterhin solch ein Tempo und hohe Ansprüche vorlegst. Daher ist es gut, daß du dich mit dem eventuellen ADHS beschäftigst.

    PS: Wenn du für einen Forenbeitrag schon solche Romane schreibst wäre Autorin vielleicht gar nicht so verkehrt für dich.

  7. #7
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Alter: 29
    Forum-Beiträge: 109

    AW: Das bin ich - das ultimative Gefühlschaos

    Schade, mein Post kam hier wohl nicht an. Deswegen schreibe ich nochmal ;-)

    Ich kann mich in vielem und auch in vielem nicht wiedererkennen. Mit Impulsivität habe ich weniger das Problem, zumindest die Impulsivität die wir mit Aggression etc. verbinden. Auch ich hatte(habe den Wunsch Schriftsteller zu werden und kriege, wenn ich mal einen kurzen unfertigen Text schreibe, regelmäßig positive Rückmeldung dafür. Genau diese brauche ich auch um weiterzuschreiben. Ich vermeide es mich selber zu bewerten und warte auf Signale von außen, die ich wiederum kritisiere, weil ich ja mein eigener Meister mit eigenem Kopf bin. <-- Baustelle.

    Ich verewige auch immer mein Weltbild in meinen Texten und konnte dadurch in klaren Phasen ein paar meiner kognitiven Verzerrungen aufdecken. Dabei blieb es erstmal, aber aus diesen Erkenntnissen soll sich schon bald etwas entwickeln.

    Wir haben hier auch Gruppen, in denen wir uns über unsere Texte austauschen bzw. sie einfach nur präsentieren. Ich habe vor mich in einer solchen anzumelden, sobald ich freigeschaltet bin. Ich glaube sogar Tiefseele ist Moderator einer Gruppe, aber die scheint etwas inaktiv zu sein.

    Wie dem auch sei, herzlich willkommen :-)

  8. #8
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 51
    Forum-Beiträge: 246

    AW: Das bin ich - das ultimative Gefühlschaos

    Mir schwirrt der Kopf; bin noch ganz benommen von deinem Beitrag. Ich glaube, es ist nahezu unmöglich, jemand in diesem Forum zu finden der auf alle Einzelpunkten deiner Beiträge eingeht. Das versuche ich erst gar nicht. Deswegen kann ich nur auf den Gesamteindruck eingehen.

    Dies ist keine Diagnose, aber wenn ich auf die verrückte Idee käme, die Leute hier zu veräppeln und denen einen perfekten adhs-fakebeitrag unterzujubeln, dann würde ich es nicht schaffen, es so perfekt zu schreiben wie du es gerade geschrieben hast. Es sind so viele Symptome zu erkennen, dass es fast wie einem aus dem Lehrbuch abgeschriebenen Punktekatalog der adhs-symptomatik klingt.

    Hervorheben möchte ich in deinem Fall, die Angst, dass du dich bezüglich der Diagnostik verrennen könnte. Die Symptome die du hast sind wichtig und um sie solltest du dich kümmern. Eine Diagnose ist wichtig, aber in ersten Linie ist es wichtig sich zu informieren; Stichwort: Psychoedukation.

    http://www.adhs.lu/documents/ADHS_Er...Erwachsene.pdf

    Wenn du schon Citalopram genommen hast, dann ist die Frage, ob du dich gerade in einer depressiven Phase befindest. Wenn ja, dann solltest du das zuallererst angehen. In diesem Fall könnte es auch helfen wenn du dich draussen bewegen würdest. Also gehen, laufen, Radfahren... Es hilft ungemein.

    Egal ob adhs oder nicht. Aus meiner Sicht ist es wichtig, über sich zu lernen und zu lernen zu steuern.

    Gruss

  9. #9
    ellipirelli

    Gast

    AW: Das bin ich - das ultimative Gefühlschaos

    Hallo--
    zuerst mal: ADHSler mögen, nein: brauchen! Textgliederungen. Absätze
    Mir ist es auch schwer gefallen, deine Wand zu lesen und ich hab darum einiges nur überflogen.

    Aber:
    ADHSler sind -oft- auch Meister im querlesen, und das, was ich gelesen habe, scheint ziemlich gut zu passen und ich erkenne mich in vieeeelen Sachen (Rächer der Enterbten, immer die Klappe aufmachen, "verbales um sich schlagen" mit tiefer Scham danach, mich bedroht/angegriffen/ abgelehnt fühlen, mir immer wieder soziale Kontakte "versauen" uswusf) sehr gut wieder.

    Weil mich die Unmenge der Infos erschlägt, möchte nur näher auf den Teil mit "ich schaff doch alles, wenn auch mit Tränen und Umwegen (odersoähnlich)........" eingehen.
    Ich hab auch immer alles geschafft und war dafür berühmt/berüchtigt, alles zu schaffen, alles hinzukriegen, nie aufzugeben...

    Hab 3 Ausbildungen, mind. 25 Umzüge kreuz und quer durch Europa, eeetliche Jobwechsel und Neustarts, Kind allein großgezogen uswusf...
    Mit Tränen und Umwegen.
    Das Gefühl, das andere es leichter haben, ich irgendwie anders "kämpfen" musste, war schon da- aber nunja...

    Meine ADHS Diagnose habe ich(auf eigenes Betreiben, es war NIX vorgefallen- im Gegenteil, ich war beruflich im Höhenflug und auch privat liefs so gut wie selten...)erst mit fast 50 gekriegt, wollte auch keine Medikamente (mir gings ja Gold) und habe noch mal 4 Jahre gebraucht, um einen Sturzflug hinzulegen und zu merken das mich meine Tränen, meine Umwege und- wahrscheinlich- mein ständiges Gegensteuern und kämpfen, mich doppelt so doll bemühen, am Riemen reissen uswusf UN-endlich viel Kraft gekostet haben.
    Batterie tiefenentleert- nicht mehr aufladbar. Kaputt.
    In dem Punkt "ich schaff doch alles" gilt leider (allzuhäufig für Spätdiagnostizierte): Der Krug geht so lange zum Brunnen--- bis er bricht..

  10. #10
    Bin hier neu, seid lieb zu mir

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 29

    AW: Das bin ich - das ultimative Gefühlschaos

    @Landleben, vielen Dank für deine Antwort. Willst du dich denn bald testen lassen bzw hast du schon einen Termin? Ich drücke dir alle Daumen, dass du deine Ziele erreichst!

    @Tiefseele, danke, dass du dir diese Mühe gemacht hast und entschuldige bitte nochmal das ganze Wirrwarr. Dennoch habe ich das Gefühl, nur einen kleinen Bruchteil geschildert zu haben.
    Hehe, der "Klassenclown" hat mich aber hin und wieder auch ganz schön genervt, so ist das nicht. Das hab ich ihm dann gesagt und dann war auch gut. Wir haben aber auch außerhalb der Schule ständig aufeinandergehangen.Bei ihm müsste ich mich nie verstellen. Er hat meinen Humor verstanden und ich seinen. Das hatte ich in dieser Form später nie wieder. Er hatte auch außer mir keine so engen weiblichen Freunde.

    Zum Thema Drogen: Klarer ja, ruhiger nicht wirklich. Aber auch nicht extrem zappelig. Nur wach (Amphetamine). Aber ob Kaffee, Cannabis (was ich gar nicht mag!) oder Speed (aber da isses ja auch logisch) - ich bekomme von allem Herzrasen. Ne Weile lang dachte ich, dass ich vielleicht keinen Koffein vertrage und deshalb ständig so angespannt und nervös bin, aber ohne war es auch nicht besser und ohne Kaffe komme ich morgens nicht in die Gänge. Ich darf halt nicht zu viel trinken und nicht zu spät am Tag.

    Und Berufswunsch: Ich halte mich leider nicht für talentiert genug. Zwischenzeitlich habe ich überlegt, Richtung Journalismus zu gehen, aber ich musste mir eingestehen, dass ich diesen Weg einfach nicht schaffe. Jeder Depp will Journalist werden - die, die den langen Atem haben und die Ellenbogen ausfahren, sind letztendlich erfolgreich. Dafür bin ich einfach nicht gemacht.

    @Hodor: "Ich vermeide es mich selber zu bewerten und warte auf Signale von außen, die ich wiederum kritisiere, weil ich ja mein eigener Meister mit eigenem Kopf bin. <-- Baustelle." - hehe, ja, das kenne ich nur zu gut. Ich glaube aber, dass das ne Angewohnheit ist, die jeder hat, der nicht mit dem dollsten Selbstbewusstsein ausgestattet ist. Aber warum bewertest du dich nicht selbst? Denkst du nie: "Wow, das hab ich jetzt aber verdammt gut gemacht!"?
    Ich mache mich besonders gerne erstmal selbst schlecht, weil sich das "Quatsch, du spinnst doch, das ist doch total gut!" von außern dann umso besser anhört. Hagelt es dann aber tatsächlich negative Kritik, bin ich zutiefst verletzt. Ich hatte mal ein Seminar, das sich "kreatives Schreiben" nannte. Das wurde von einem "echten" Autoren geleitet und der war richtig kritisch. Ich fand meine Kurzgeschichten mit Abstand am kreativesten und besten (das hätte ich aber niemals offen zugegeben) und dennoch bekam ich nur eine 1,7 und ordentlich (gerechtfertigte!) Kritik. Das war ganz schwierig für mich zu akzeptieren. Es nervt mich, dass ich nichts einfach nur für mich machen kann. Dann habe ich keine Motivation mehr. Als ich letztes Jahr wieder mit dem Gitarrespielen angefangen habe, dachte ich: "So, das mach ich jetzt nur für mich allein!" und zack, war ich beim Spielen total ruhig - es hatte schon was Meditatives und ich habe super Fortschritte gemacht. Joar, aber irgendwann kam der Punkt, an dem das nicht mehr gereicht hat. Ich hab dann angefangen, mich aufzunehmen (ich singe auch dazu) und das Leuten zu schicken, um positive Rückmeldung zu erhalten. Neulich hab ich sogar ein Video gemacht. Das Ende vom Lied: Ich hab das sicher zwanzigmal neu aufgenommen, hab mich total fertig gemacht, weil es nie perfekt war und letztendlich überhaupt keinen Spaß mehr daran gehabt. Ein kleines Erfolgserlebnis hatte ich aber: Ich habe das Video trotz mehrerer Fehler hochgeladen. (Mich aber für diese trotzdem wieder gerechtfertigt).

    @Dropkick, vielen Dank für deine Anteilnahme und auch an dich ein großes Sorry dafür!
    Was du schreibst treibt mir jetzt gerade schon wieder die Tränen in die Augen. Wenn das so ist, warum ist (außer meinem Therapeuten letzte Woche) noch niemand auf die Idee gekommen? Ich bin völlig hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, endlich wissen zu wollen, was mit mir denn nicht stimmt und dem Stigma, welches so eine Diagnose so mit sich bringt. Wie gesagt, viele meiner Symptome passen auch bei diversen Persönlichkeitsstörungen! Meine Güte, wie oft hab ich schon zu meiner Schwester gesagt: "Schau mal hier, die Symptome, das passt so hunderpro zu mir!". Als ich stationär war, meinte meine Therapeutin, sie würde von Diagnosen nicht allzu viel halten. Sie meinte, ich sei wie ein Strauß Blumen, der halt ein bisschen größer und bunter als andere sei. Und sie könne sich nicht vorstellen, dass ich ein Mauerblümchen sein wolle. Womit sie nicht unrecht hat - aber ich möchte auch nicht jeden Tag kämpfen müssen. Mir nicht in jeder Lebenslage sagen müssen "reiß dich zusammen, bleib ruhig, alles wird gut", nur um dann doch wieder die Kontrolle zu verlieren und mich dann wie der letzte Mensch zu fühlen. Egal was ich mache oder wo ich bin - mein ganzes Leben ist mit Schamgefühlen behaftet und das halte ich einfach nicht mehr aus!

    Bezüglich Depressionen: Ich halte mich selbst nicht für depressiv. Ich bin auch im Nachhinein nicht sicher, ob ich das jemals war. Ich hatte aber defintiv Phasen, in denen auch mein Antrieb gestört war. DAs habe ich heute nicht. Ich mache ja alles und ich bekomme alles hin. Mit wahnsinniger Anstrengung zwar, aber ich gehe eigentlich immer zur Uni und ich habe auch noch nie einen Termin bei meinem Therapeuten versäumt (ich halte generell auch alle Termine ein und komme eigentlich NIE zu spät! Ich habe zwar, egal, wann ich morgens aufstehe, immer Stress, aber ich komme nicht zu spät!) Das Citalopram nehme ich seit Jahren nicht mehr. Ich hab auch an ganz vielen Dingen Interesse und Freude. Ich bin auch nie über mehrere Tage schlecht drauf - eher für mehrere Stunden und dann teilweise auch richtig weltuntergangsmäßig heftig. Wie zB letzten Freitag. Da habe ich bei einem Umzug geholfen. Ich war total müde,w eil ich wieder nicht hatte schlafen können. Der ganze Umzug war super unorganisiert und schlecht vorbereitet, sodass es sich über Stunden hingezogen hat und das hat mich wieder sooo genervt. Die anderen waren alle super gut drauf und sogar noch am Pfeifen, als sie nach ner halben Stunde immer noch die Schrauben von so nem Regalbrett aus der Wand gedreht haben, weil die einfach nicht raus wollten. Ich hab die ganze Zeit tief ein und ausgeatmet und mir gesagt, dass ich ruhig bleiben soll. Ich wollte nicht, dass man mir anmerkt, dass ich genervt bin. Zwischendurch gabs mal nix zu tun, da hab ich mich hingesetzt und wurde unglaublich müde und dann meinte meine Freundin (deren Umzug wir gemacht haben): "Du kannst auch nach Hause gehen, du siehst so gestresst aus." Das hat mir dann schon wieder so weh getan. Ich hab ihr gesagt, ich sei nur müde und sie solle das nicht persönlich nehmen und dass ich nur wieder was in die Hände bräuchte. Zu nem späteren Zeitpunkt ist mir dann aber DOCH ein "das haste aber nicht so besonders gut vorbereitet, ne" rausgerutscht - wofür ich mich wieder hätte schlagen können. Ich KANN es einfach nicht lassen. KEIN Mensch hat sich beschwert und da waren welche dabei, die noch ne Stunde länger dabei waren als ich. Nachher kamen noch andere dazu und da hat mir dann wieder nicht gepasst, wie die die Sachen hochtragen wollten. "Lass uns ne Kette machen!", das hat mich dann auch wieder total geärgert. Ich hab bis zum Schluss durchgehalten und wollte dann nur noch heim, weil ich mich so unfassbar geschämt habe und dachte, die halten mich alle für unfassbar scheiße und zickig. Abends war als Dank Pizzaessen angesagt und meine Freundin fragte dann noch, ob ich kommen würde. Ich hab dann im Affekt "nein" gesagt, weil ich Angst hatte, die Leute wiederzusehen. Außerdem hatte aus irgendeinem Grund die Frage selbst gestört. Also dass sie nicht "dann bis später zum Pizzaessen" oder so gesagt hatte, sondern mich gefragt hatte, ob ich komme. In meinem Kopf klang das dann wieder nach "vielleicht besteht ja die Möglichkeit, dass die Alte nicht kommt - das wär toll." Sowas geht in meinem Kopf ab. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass ich die Pizza für meine Motzigkeit nicht verdient hätte.

    Oh du meine Güte, jetzt ist das hier schon wieder total eskaliert...Aber mal im Ernst - sowas kann man doch keinem Menschen erzählen, ohne für völlig geistesgestört gehalten zu werden.

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