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Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #1
    IchBins

    Gast

    Mein Chaotisches Leben

    Ich habe mir mal gedacht das ich euch ein Teil meines Lebens erzählen möchte. Vor allem wie sich alles im allem im Nachhinein zusammenfügt und wie ich bisher damit umgegangen bin.

    Mama ich habe meinen Fahradschlüssel verloren. Nicht nur einmal musste ich mich meiner Mutter mit genau diesem Satz stellen. Er war schließlich nicht das erste mal das ich was verloren habe und somit immer unangenhem es auch zuzugeben. Ich war ein sehr "aufgewecktes" Kerlchen und in der Grundschule aufm Spielplatz konnte ich mich immer schön austoben. Die Klettergerätschaften auf dem Spielplatz, jaaa das war mein Reich. Ich erinnere mich daran wie ich immer ganz nach oben geklettert bin um dann im Freifall abzuspringen... das hat mir immer den Kick gegeben den ich brauchte. Nicht selten kam es vor das ich mich verletzt habe. Ständig und überall hatte ich blaue Flecken und Schürfwunden.

    Allgemein kann man sagen das ich sehr Unfallträchtig war. Ich hatte 4 mal ein "Loch" im Kopf, was genäht oder geklammert werden musste. An ADS hat natürlich niemand gedacht. Auch habe ich immer meine Spielsachen im Eifer des Gefechts kaputt gemacht und war danach tieftraurig.

    Ich muss auch zugeben das es mit dem Alter nicht besser wurde. In der Grundschule war ich schon sehr impulsiv, ja sogar agressiv. Das ging dann schon soweit das ich immer der Schuldige war, obwohl ich vielleicht sogar an diesem Tag gar nicht in der Schule war. Später ging mein Leben mit kleinen Diebstählen weiter, es war so das mir das auch voll den Kick verschafft hatte. Ich bin nicht stolz drauf, doch damals hatte ich das Gefühl klauen zu müssen, als ob ich gar nicht anders kann. Ausserdem wollte ich immer alles haben, nicht irgendwann, sondern wenn dann sofort und Jetzt.

    Mit meinem Taschengeld konnte ich auch nicht umgehen, das war meist schon verplant bevor ich das Geld überhaupt in die Hand bekommen habe. Auch heute ist es noch so das ich nicht wirklich mit Geld umgehen kann und ich oft bis zur ersten Mahnung warte bis sich endlich mal was tut und ich mich darum kümmere.

    Meine Ausbildung später im Leben war für mich der reinste Horror. Ich hatte einfach kein Bock mehr. Mich haben eh immer nur Sachen interessiert die nichts mit Pflichten zu tun hatten und wenn mir jemand gesagt hat ich solle dies und jenes tun, habe ich es aus Prinzip schon nicht gewollt. Ja, der innere Schweinehund war schon immer mein Gegener gewesen den ich nie geschafft habe zu überlisten. Ich habe nie meine Hausaufgaben gemacht, nie gelernt oder sonst etwas getan was einfach kein Spaß machte. Dabei wusste ich auch immer, dass ich nicht dumm bin, sondern einfach nur faul. Ich habe meine Zwischenprüfung im theoretischen wie auch dem praktischen Teil mit zwei fünfen total verhaun.. ich hatte echt keiiiine Lust mehr. Naja irgendwie habe ich es dann geschafft meine Gesellenprüfung zu machen.. ein Tag vor der Prüfung habe ich mich für 3 Stunden hingesetzt und gelernt. Habe mit 3,0 bestanden... Hey das war mein erstes Erfolgserlebnis. Ich wusste also....blöd bin ich nicht und wenn ich will dann kann ich.

    Danach ging es stetig bergab. Ich wurde für ein Jahr vom Betrieb übernommen und danach war ich bei verschiedenen Firmen tätig. Letztlich habe ich das Fach gewechselt und meine Stärke im Vertrieb wiedergefunden. Denn Kommunikativ war ich schon immer... und ein Meister der Manipulation.

    Jedenfalls hatte ich dann irgendwann so ein Beklemmungsgefühl, ich konnte nicht atmen und meinte mein Herz schlage nicht regelmässig... es wurde immer schneller und ich hatte Todesangst...Herzinfakt oder sonst was, ich wusste das wars mit mir. Das war meine erste Begegnung mit einer Panikattacke. Ein sch.... Gefühl kann ich sagen. Ich konnte plötzlich auf kein Fahrgeschäft mehr, in keinen Aufzug steigen und auch Bus und Bahn war die Hölle. Ich dachte ich bin nicht normal und werde verrückt.

    ....später im Leben sind meine Beziehungen alle gescheitert. Ich war sehr Risikofreudig und bin immer direkt zu meiner Freundin gezogen. Ich bin und bleibe wohl einfach die Unvernunft in Person. Leider haben die Beziehungen nie lange gehalten, es gab immer etwas was mich gestört hat, ausserdem war da ja auch noch meine Angsterkrankung mit der ich im Laufe der Zeit aber mehr oder weniger zurecht gekommen bin. Im Sommer war es immer am schlimmsten.
    Ich musste feststellen das es mit der Zeit alles schlimmer wurde. Diese ständige Eifersucht und diese unerträgliche Verlustangst.. dieses Klammern an den Partner. Man könnte sagen: Ich habe nicht die Partnerschaft gelebt, sondern ich habe die Trennung gelebt, so fühlte es sich jedenfalls an.

    Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich es alleine wohl nicht mehr schaffen werde und habe mich an einem therapeuten gewandt. Dieser stellte dann fest das ich wohl an AD(H)S leide und dass alles wohl damit einhergeht. Von Medikamenten hat er mir allerdings immer abgeraten. Leider stelle sich im Laufe meiner Therapie noch etwas sehr schlimmes heraus. Ich wurde als ich 6 oder 7 Jahre alt war sexuell missbraucht. Das war ein Schock..ich konnte mich daran gar nicht mehr erinnern. Das erklärte allerdings vieles in meinem Leben. Die Abneigung anderen Männern gegenüber, die Eifersucht und meine damit verbundene Verlustangst.. Und dann war da ja noch dieses AD(H)S.

    Ich wusste das ich sowieso ein sehr Hypersensibler Typus bin und dann das noch... Diese Gefühle und Emotionen die durch das ADS verstärkt werden. EInen rationalen Verstand suche ich schon lange bei mir werde aber nicht fündig. Ich rauche sehr viel und trinke gerne Kaffee...allgemein bin ich ein Suchtmensch.... und jemand der schnell in Abhängigkeit gerät.. nicht nur was Nikotin angeht...sondern auch in die Abhängikeit anderer Menschen. Drogen haben allerdings in meinem Leben nie eine Rolle gespielt. Klar ich trinke ab und zu Alkohol und rauche meine Zigaretten, aber ansonsten habe ich nie in meinem Leben etwas anderes zu mir genommen. Ich finde es ja schon schlmm wenn ich eine Kopfschmerztablette nehmen muss.

    Doch nun bin ich wohl an einem Punkt angelangt der mich zum Nachdenken angeregt hat. Mit dem klaren Ziel etwas in meinem Leben zu ändern und mich auch auf etwas neues einzulassen. Ich habe mir ein Termin beim Neurologen geholt und habe glücklicherweise dieses wunderbare Forum entdeckt wo ich mich soooo oft wiederfinde und alles total nachvollziehen kann. Das gibt mir Kraft und Hoffnung.

    Meine momentane Stimmung ist gut. Zum einen weil ich mal hier alles niederschreiben konnte und zum anderen weil ich die Hoffnung wiedergefunden habe, dass mir DOCH noch geholfen werden kann und ich kein Hoffnungsloser Fall bin. Ich bin bereit mich zu ändern um meine Lebensumstände angenehmer zu machen.

    Ich bedanke mich bei euch das ihr euch die Zeit genommen habt alles durchzulesen und beantworte gerne eure Fragen wenn ihr denn welche habt. Ich werde es mir fest zum Ziel setzten dieses Forum nicht aus den Augen zulassen und auch versuche Konstruktiv mitzuwirken.

    Also nochmal vielen Dank =)

    IchBins....

  2. #2
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf AD(H)S
    Forum-Beiträge: 661

    AW: Mein Chaotisches Leben

    Hallo IchBins!

    Willkommen hier im Forum!

    Du hast ja einiges negatives erlebt. Das, was Du über Deine Grundschulzeit beschreibst, sieht sehr nach ADHS aus. Auch diese Sache mit dem Fahrradschlüssel und mit Deinen Verletzungen beim Klettern.

    IchBins schreibt:
    Jedenfalls hatte ich dann irgendwann so ein Beklemmungsgefühl, ich konnte nicht atmen und meinte mein Herz schlage nicht regelmässig... es wurde immer schneller und ich hatte Todesangst...Herzinfakt oder sonst was, ich wusste das wars mit mir. Das war meine erste Begegnung mit einer Panikattacke. Ein sch.... Gefühl kann ich sagen. Ich konnte plötzlich auf kein Fahrgeschäft mehr, in keinen Aufzug steigen und auch Bus und Bahn war die Hölle. Ich dachte ich bin nicht normal und werde verrückt.
    Mich würde mal interessieren, was der Auslöser dieser Panikatacke war. Hattest Du Dich beruflich vielleicht übernommen / warst Du beruflich überbeansprucht?

    IchBins schreibt:
    Ich wusste das ich sowieso ein sehr Hypersensibler Typus bin und dann das noch... Diese Gefühle und Emotionen die durch das ADS verstärkt werden. EInen rationalen Verstand suche ich schon lange bei mir werde aber nicht fündig.
    Ich bin sicher, dass Du einen rationalen Verstand besitzt, auch, wenn Du ein hypersensibler Typus bist.
    IchBins schreibt:
    Ich rauche sehr viel und trinke gerne Kaffee...allgemein bin ich ein Suchtmensch.... und jemand der schnell in Abhängigkeit gerät.. nicht nur was Nikotin angeht...sondern auch in die Abhängikeit anderer Menschen. Drogen haben allerdings in meinem Leben nie eine Rolle gespielt. Klar ich trinke ab und zu Alkohol und rauche meine Zigaretten, aber ansonsten habe ich nie in meinem Leben etwas anderes zu mir genommen. Ich finde es ja schon schlmm wenn ich eine Kopfschmerztablette nehmen muss.
    Und da ist schon ein rationaler, und vor Allem sehr lobenswerter Gedanke: Du hälst Dich, nicht ohne Grund, für einen Suchtmenschen. Und Du weißt, dass Du nikotinsüchtig bist. Du tust aber, und das ist das lobenswerte; alles, um nicht auch noch alkohol- oder gar drogenabhängig zu werden.

    Aber ich habe noch eine Frage. Beantworte mir diese aber bitte nur, wenn es Dir wirklich nichts ausmacht:
    IchBins schreibt:
    Leider stelle sich im Laufe meiner Therapie noch etwas sehr schlimmes heraus. Ich wurde als ich 6 oder 7 Jahre alt war sexuell missbraucht. Das war ein Schock..ich konnte mich daran gar nicht mehr erinnern. Das erklärte allerdings vieles in meinem Leben. Die Abneigung anderen Männern gegenüber, die Eifersucht und meine damit verbundene Verlustangst..
    Wie hat die/der Therapeut(in) dieses festgestellt, wenn Du doch selbst keine Erinnerung daran hast?

    Gruß
    icke!

  3. #3
    IchBins

    Gast

    AW: Mein Chaotisches Leben

    Hallo icke WES,

    vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Gerne beantworte ich dir deine Fragen:

    Mich würde mal interessieren, was der Auslöser dieser Panikatacke war. Hattest Du Dich beruflich vielleicht übernommen / warst Du beruflich überbeansprucht?
    Nichts war zu dem Zeitpunkt. Ich war auf einer Geburtstagsfeier. War eigentlich total entspannt. Bin dann ins KH gekommen. EKG alles in Ordnung, bis auf die Tatsache das es eben zu schnell schlug. Habe dann im Laufe der Zeit auch noch eine Herzkatheter-Untersuchung bekommen, auch ohne Befund....

    Wie hat die/der Therapeut(in) dieses festgestellt, wenn Du doch selbst keine Erinnerung daran hast?
    Es gab ein Ereigniss in meinem Leben wo ich ein älteren Bekannten im Kopf hatte und das wir in den Wald unmittelbar in der Nähe meines Hauses gegangen sind... dieser Bekannte war damals bestimmt schon 16 oder gar 18 Jahre alt.... das komisch war.... mir fehlte was in meiner Erinnerung.. ich habe mich daran erinnert wie ich in den Wald gegangen bin und als ich wieder raus kam.... Mein Vater hatte mich zum essen gerufen und diese Bekannte hat sich schnell verabschiedet ( auch bei meinem Vater ) und sich aus dem Staub gemacht.. ( wie mein Vater mir im Nachhinein erzählt hat. )

    Mein Therapeut ist mit mir immer wieder in den Wald gegangen.. sollte die Strecke Quasi ablaufen... und dann kam immer mehr in mein Kopf.... plötzlich habe ich in der Sitzung am ganzen Körper gezittert und angefangen zu heulen wie ein kleiner Junge. Mein Therapeut meinte im Nachhinein.... das es sehr heftig war und er aufpassen musste das ich ihn nicht energetisch leer sauge, Nach dieser Sitzung fiel mehr immer mehr ein.....

    Ja so kam es raus....

    Lg, IchBins

  4. #4
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf AD(H)S
    Forum-Beiträge: 661

    AW: Mein Chaotisches Leben

    IchBins schreibt:
    Mein Therapeut ist mit mir immer wieder in den Wald gegangen.. sollte die Strecke Quasi ablaufen... und dann kam immer mehr in mein Kopf.... plötzlich habe ich in der Sitzung am ganzen Körper gezittert und angefangen zu heulen wie ein kleiner Junge. Mein Therapeut meinte im Nachhinein.... das es sehr heftig war und er aufpassen musste das ich ihn nicht energetisch leer sauge, Nach dieser Sitzung fiel mehr immer mehr ein.....
    Das muss ja wirklich heftig gewesen sein. Sowohl die damaligen Erlebnisse als Kind als auch die Situation gemeinsam mit Deinem Therapeuten in diesem Wald.

    Ich wünsche Dir nichts sehnlicher, als dass Du diese Erlebnisse bald verarbeiten kannst.

    Dazu noch eine Frage (Musst Du nicht beantworten): Weißt Du oder Dein Vater zufällig noch den Namen dieses älteren Jungen? Und: Solltest Du noch unter 28 Jahre alt sein, ist diese Tat noch nicht verjährt (die Verjährungsfrist von 10 Jahren beginnt, wenn das Opfer das 18. Lebensjahr vollendet hat). Du hast also die Möglichkeit, diesen Mann anzuzeigen und vor Gericht zu bringen. Ich muss Dir aber leider auch sagen, dass eine solche Anzeige und dann auch die darauf folgende Vernehmung und Gerichtsverhandlung mit wahnsinnigen seelischen Schmerzen verbunden ist. Für den Fall, dass es aber zu einer Verurteilung kommt, aber auch zu großen Glücksgefühlen und mächtigem Stolz, vor Allem dann, wenn Du dadurch vielleicht noch andere mögliche Opfer vor ihm schützen kannst.

    Gruß
    icke!

  5. #5
    IchBins

    Gast

    AW: Mein Chaotisches Leben

    Guten Morgen icke WES,

    nochmal vielen Dank für deine Antwort Ich denke ich habe die Erlebnisse schon ganz gut verarbeitet, die Spätfolgen spüre ich natürlich heute noch, also die Verhaltensweisen. Aber das ist hoffe ich alles eine Frage der Zeit

    Nein mein Vater kennt den auch nicht. Ich bin gerade dabei den Namen von dem Kerl rauszufinden. Das kann alles noch etwas dauern... Klar und dann gibts ne Anzeige!!

    Lg,

    IchBins

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