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Diskutiere im Thema Ist ADHS "Angeborener schlechter Charakter"? im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #81
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 37
    Forum-Beiträge: 74

    AW: Ist ADHS "Angeborener schlechter Charakter"?

    Das sind ja wirklich zwei super tolle Beiträge.

    @ DaveR: Du hast mich durchschaut! Und das durch den Laptop! Ich bin grad in einer seeeeehr schwierigen Phase (Wer hätte das gedacht? ) und noch ziemlich neu in dem Thema. Eigentlich total neu, denn ich bin dem Psychokram immer lieber aus dem Weg gegangen, was ich mir jetzt wahrscheinlich ein für allemal abschminken kann.

    Wie ich mich selber sehe? Also das mit den Kompressions - und Dekompressionsphasen, dass ich schon an mehreren Stellen gelesen habe trifft schon mal auf mich zu.

    Ich glaube ich sehe das alles im Moment ein bisschen zu dramatisch und muss es erst mal ins rechte Licht rücken.
    (Ohne Medikamente und Diagnose, kann es jedenfalls meiner Erfahrung nach schon mal holprig werden.)

    Das man sich zusammenreißen kann, hab ich ja auch nicht in Abrede stellen wollen. Es heißt nur überall, dass es ADHSler üblicher Weise schwerer fällt.

    Dann ist es eben keine Charakterschwäche, sondern eine Tendenz dazu.

    @ Bummel77 Ja, ein wenig mit Humor muss man es doch nehmen. Flohzirkus - Psychologie. Das muss ich mir merken. Das ist gut. xD Ich schätze man kann das "Es" auch weglassen. Vielleicht hätte ich lieber "Innerer Schweinehund" schreiben sollen, aber ich bemühe mich um eine gewaltfreie Sprache. Außerdem denke ich, dass der Begriff weder Schweinen noch Hunden gerecht wird. Aber egal. Ich hab von Psychologie keine Ahnung, das stimmt, aber ich denke gern drüber nach.

    Ich würde Charakterschwäche mal so definieren und schätzen, dass ich da nicht sehr davon abweiche, wie andere es definieren (eigentlich gehts ja in dem Fred fast hauptsächlich darum):

    Charakterschwach finde ich es von mir, wenn ich Dinge tue die zu einem Lotterleben gehören könnten und die ich eigentlich gar nicht will/die mir hinterher Leid tun.
    Ich möchte auch gar nicht, behaupten dass man da in der Masse besonders auffällt und dass das nicht jeder kennt. Das ist auch gar nicht die Charakterschwäche, die uns wirklich zu schaffen macht, glaube ich.

    Denn es birgt doch auch gerade die sozialen Probleme, die einige wohl haben, andere anscheinend eher nicht, in sich, das es heißt: Man würde sich nicht bemühen. z.B. Ordnung zu halten, nicht aus dem Fenster zu sehen, bei der Sache zu bleiben.. etc. und dann entsprechend der Mühe, die man sich gibt darauf reagiert... immer und immer wieder.

    Einen guten Charakter macht meiner Meinung nach dagegen aus, dass jemand besonnen ist und wenig reizbar. Der nicht sehr egoistisch ist und immer zuerst das für sich und andere wichtigste macht. Jemand der seine guten und schlechten Energien kennt und sie zu Kanalisieren weiß. (Ein Fabelwesen. Ich weiß.. Und ja, ich habe den Wikipediaeintrag "Charakter" gelesen, aber wer sieht die Welt schon so wie Wikipedia sie sieht?)

    Jemand der es schafft, sich und seinen Prinzipien treu zu bleiben und bemüht ist, immer auch das zu tun was er sagt, der ist Charakterstark.
    Also ich finde das Ganze sehr konsistent. Vielleicht kann ich es nicht so ganz rüberbringen, wie ich es möchte? Ich persönlich fühle mich davon nicht angegriffen.

    Die gestörte Affektkontrolle ist ja auch nicht nur schlecht, sondern bringt auch die Kreativität mit sich, nicht?

    Ich finde es auch ganz toll, dass ADHSler empathisch un prosozial eingestellt sind (hab ich jedenfalls gelesen und es wurde mir auch schon unterstellt) und meist einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn haben und eben, quasi im Affekt, für Gerechtigkeit sorgen, wo andere erst lange blöd dreinschauen würden. Aber es zeugt trotzdem nicht von einem starken Charakter, weil es eben unüberlegtes und manchmal auch für die persönliche Bilanz schädliches Handeln ist. Also zu selbstlos.. So sollen ADHSler ja z.B. prima Notärzte abgeben. Wer auch immer schütze sie!

    Ich hoffe ich darf das: https://www.youtube.com/watch?v=rJ43R08SK6s
    Geändert von Polarfuchs ( 7.02.2016 um 07:57 Uhr)

  2. #82
    Impulsbombe

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 58
    Forum-Beiträge: 3.124

    AW: Ist ADHS "Angeborener schlechter Charakter"?

    Ich finde schon irgendwie witzig dass die meisten hier Schreibenden mit Charakter die Abgrenzung zur ("Normalo")Gesellschaft meinen.
    Ist es denn wirklich eine Charakterschwäche oder sogar die Absenz von diesem, wenn ich mich an die Regeln eines einigermaßen harmonischen Zusammenlebens halte? Charakter ist doch nicht nur der Versuch auszubrechen aus einer angeblich starren Ordnung.
    Er ist die Persönlichkeit eines Menschen. Jeder Mensch hat gute und schlechte Eigenschaften, welche gut sind oder nicht bestimmt zum einen
    die Gesellschaft zum Anderen jedes Individuum selbst. Genau wie jeder wählt welche seiner Charaktereigenschaften er kultiviert.

  3. #83
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 40
    Forum-Beiträge: 1.008

    AW: Ist ADHS "Angeborener schlechter Charakter"?

    Sunpirate schreibt:
    Ich finde schon irgendwie witzig dass die meisten hier Schreibenden mit Charakter die Abgrenzung zur ("Normalo")Gesellschaft meinen.
    Ähm... HÄÄÄÄÄÄÄÄH???
    Also ich habe ja tatsächlich einen Augenblick gedacht, Du könntest sogar mich damit meinen...
    Dann habe ich ein paar Sekunden lang nachgedacht, und mich dann gefragt: "Ja wen meint er denn bloß damit? Hab ich hier irgendwas verpaßt oder nicht gelesen?"
    Ich habe, ehrlich gesagt, nicht den Eindruck, daß der Grundtenor dieses Threads auf so einer Aussage aufbaut.
    Nicht einmal, daß so etwas als Basiserkenntnis hier gedient hätte.
    Aber ich bin mir da jetzt auch nicht sicher, wer hier was genau mißverstanden hat...

    Natürlich hast Du damit Recht, daß Charakter nicht der Antagonismus der Gesellschaft ist.
    Ich finde aber auf Anhieb nichts, was dem widersprechen könnte... (pin ich plint?)

    Polarfuchs schreibt:
    Ich schätze man kann das "Es" auch weglassen. Vielleicht hätte ich lieber "Innerer Schweinehund" schreiben sollen, aber ich bemühe mich um eine gewaltfreie Sprache. Außerdem denke ich, dass der Begriff weder Schweinen noch Hunden gerecht wird.
    Die Umbenennung ändert nichts daran, daß Du immernoch darauf setzt, daß wir AD(H)Sler allesamt vollkommen instinktgesteuert seien, was wir so nicht sind!
    Genauso wie andere Menschen orientieren wir uns auch an selbstreflektierten Werten und Konventionen.
    Wir sind genauso wie Nicht-AD(H)Sler vom Fauna-Standardprogramm "Stoffwechsel-Regeneration-Reproduktion" abgehoben.
    Ansonsten wären wir ja unter Schweinen und Hunden in angemessener Gesellschaft - worin ich unter anderen Gesichtspunkten übrigens kein Problem sehen würde, aber das wäre jetzt arg off-topic.
    Polarfuchs schreibt:
    Ich würde Charakterschwäche mal so definieren und schätzen, dass ich da nicht sehr davon abweiche, wie andere es definieren (eigentlich gehts ja in dem Fred fast hauptsächlich darum):

    Charakterschwach finde ich es von mir, wenn ich Dinge tue die zu einem Lotterleben gehören könnten und die ich eigentlich gar nicht will/die mir hinterher Leid tun.
    Ich möchte auch gar nicht, behaupten dass man da in der Masse besonders auffällt und dass das nicht jeder kennt. Das ist auch gar nicht die Charakterschwäche, die uns wirklich zu schaffen macht, glaube ich.

    Denn es birgt doch auch gerade die sozialen Probleme, die einige wohl haben, andere anscheinend eher nicht, in sich, das es heißt: Man würde sich nicht bemühen. z.B. Ordnung zu halten, nicht aus dem Fenster zu sehen, bei der Sache zu bleiben.. etc. und dann entsprechend der Mühe, die man sich gibt darauf reagiert... immer und immer wieder.

    Ein Lotterleben produziert man nicht mit Absicht, oder aus kognitiver Gleichgültigkeit bzw. Abneigung gegenüber akurater Ordnung.
    Das produziert sich von selbst, wie in der Physik.
    Auch dort benötigt man immer einen Aufwand um Ordnung herzustellen.
    Man benötigt keinen Aufwand, damit die Unordnung wieder entsteht.
    So ist das auch bei uns Menschen.
    Wir AD(H)Sler brauchen erheblich viel mehr Aufwand als Nicht-Ad(H)Sler, um ebendiese Ordnung herzustellen und zu halten.
    Das mag eine Schwäche sein, aber DEFINITIV KEINE CHARAKTERSCHWÄCHE!!!
    Und natürlich tun uns manche Dinge Leid, die aus diesem Defizit entstehen.
    Das beweist an dieser Stelle sogar eine besondere Charakterstärke!

    Ich erläutere ja so gerne Sachverhalte anhand von Beispielen.
    Wollen wir mal gucken, ob es mir auch hier gelingt:

    A und B sind Freunde. Bislang zumindest.
    Denn oft hängt es davon ab, wieviel Geduld B noch weiter mit A hat.
    Warum das?

    A ist ein Schluri sondergleichen.
    Kommt immer zu spät, vergißt dauernd was, vermasselt alles mögliche, kommt nicht von selbst darauf, daß B mal ein Pups quer sitzt und Kommunikationsbedarf hat, und so weiter und so fort.

    B ist Workaholic wie Napoleon.
    Meistert stets mindestens 7 Dinge auf einmal, und zwar alle erfolgreich.
    "Man muß sich eben nur Mühe geben! Dann klappt es auch!", ist sein Lieblingsmotto und -spruch.

    Wenn B bei A zu besuch ist, kommt immer irgendein genervter Kommentar, wie: "Na, ... hättest Du ja auch mal aufräumen/putzen/reparieren können!"
    A verkneift sich längst die Antworten der Sorte "Ich hab's ja versucht...", spätestens seit B einmal antwortete: "Steh mal auf! Und jetzt setzt Dich wieder hin! Ging einfach, oder? Jetzt steh nochmal auf! Und jetzt v e r s u c h , Dich hinzusetzen! Ist klar... nicht versuchen, sondern MACHEN, A, MACHEN!"

    Als A eines Tages mal wieder Hilfe beim Ausfüllen eines Formulars braucht, und B vorbeikommt, um ihm zu helfen, platzt die Bombe:
    A hat das Formular irgendwo verlegt und findet es nicht wieder.
    B wirft ihm vor, das aus Gleichgültigkeit zu machen, und daß es für ihn verschwendete Lebenskraft sei, sich um so einen Freund zu kümmern, wie um einen schwer dementen Pflegefall.
    Beide kündigen sich gekränkt und beleidigt gegenseitig die Freundschaft.

    Was für eine Rolle hat A?
    Die eines Bösewichts, der alles vorsätzlich kaputtmacht?
    In meinen Augen hat A ausschließlich die Rolle eines Opfers.
    Er hat nichts Böses getan.
    Aber er wird - trotz seiner misslichen Situation, unter der er selbst am meisten leidet - unfairerweise zum Schuldigen erklärt.

    Wie sieht es mit B aus?
    B hat ein reines Gewissen, denn er hat sich ja immer um alles gekümmert.
    B hat seinem Freund hinterhertelefoniert, ihm bei seinen Papieren, seinem Umzug, seinem Garten, seinem PC usw. geholfen.
    Er ist immer wieder zu A gegangen, und hat ihm doch immer wieder ins Gewissen geredet, doch endlich mal aus dem Ar*** zu kommen.
    Das hat er wohl, aber er hat keine Rücksicht auf A genommen.
    Er hat ihn regelrecht kommandiert und drangsaliert.
    Er hat nach As Dankbarkeit verlangt, wie nach einer Bezahlung.
    Und vor allem hat er A Dinge zum Vorwurf gemacht, für die A einfach nichts konnte.
    Wäre neben den beiden ein Meteorit aufgeschlagen, hätte B genauso A anschnauzen können, was er denn jetzt schon wieder angerichtet habe.

    A hat sich keine Mühe gegeben, den Konflikt auf die Spitze zu treiben, B dagegen schon.
    Für mich hat A AD(H)S und B eine gehörige Charakterschwäche.
    Wie sieht es für Dich aus?

    Polarfuchs schreibt:
    Ich finde es auch ganz toll, dass ADHSler empathisch un prosozial eingestellt sind (hab ich jedenfalls gelesen und es wurde mir auch schon unterstellt) und meist einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn haben und eben, quasi im Affekt, für Gerechtigkeit sorgen, wo andere erst lange blöd dreinschauen würden. Aber es zeugt trotzdem nicht von einem starken Charakter, weil es eben unüberlegtes und manchmal auch für die persönliche Bilanz schädliches Handeln ist.
    Charakter ist weitestgehend von anderen Dingen abhängig, als von der persönlichen Bilanz.
    Und eine unüberlegte selbstlose Handlung kann durchaus ein Zeichen für einen besonders starken Charakter sein.
    Letztendlich werden es Andere sein, die Dich an Deinem Charakter erkennen, ebenso wie Du sie an ihren Charakteren erkennst.
    Natürlich nicht nur am Charakter!
    Aussehen, Stimme, Geruch, andere Erkennungsmerkmale tun ihr übriges.
    Aber der Charakter ist ebenso ein Merkmal.
    Und es existiert nicht ausschließlich dazu, sich selbst in seinem eigenen Spiegelbild wiederzuerkennen oder zu reflektieren...

  4. #84
    Impulsbombe

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 58
    Forum-Beiträge: 3.124

    AW: Ist ADHS "Angeborener schlechter Charakter"?

    Bummel77 schreibt:
    Ähm... HÄÄÄÄÄÄÄÄH???
    Also ich habe ja tatsächlich einen Augenblick gedacht, Du könntest sogar mich damit meinen...
    Dann habe ich ein paar Sekunden lang nachgedacht, und mich dann gefragt: "Ja wen meint er denn bloß damit? Hab ich hier irgendwas verpaßt oder nicht gelesen?"
    Ich habe, ehrlich gesagt, nicht den Eindruck, daß der Grundtenor dieses Threads auf so einer Aussage aufbaut.
    Nicht einmal, daß so etwas als Basiserkenntnis hier gedient hätte.
    Aber ich bin mir da jetzt auch nicht sicher, wer hier was genau mißverstanden hat...

    Natürlich hast Du damit Recht, daß Charakter nicht der Antagonismus der Gesellschaft ist.
    Ich finde aber auf Anhieb nichts, was dem widersprechen könnte... (pin ich plint?)


    Die Umbenennung ändert nichts daran, daß Du immernoch darauf setzt, daß wir AD(H)Sler allesamt vollkommen instinktgesteuert seien, was wir so nicht sind!
    Genauso wie andere Menschen orientieren wir uns auch an selbstreflektierten Werten und Konventionen.
    Wir sind genauso wie Nicht-AD(H)Sler vom Fauna-Standardprogramm "Stoffwechsel-Regeneration-Reproduktion" abgehoben.
    Ansonsten wären wir ja unter Schweinen und Hunden in angemessener Gesellschaft - worin ich unter anderen Gesichtspunkten übrigens kein Problem sehen würde, aber das wäre jetzt arg off-topic.


    Ein Lotterleben produziert man nicht mit Absicht, oder aus kognitiver Gleichgültigkeit bzw. Abneigung gegenüber akurater Ordnung.
    Das produziert sich von selbst, wie in der Physik.
    Auch dort benötigt man immer einen Aufwand um Ordnung herzustellen.
    Man benötigt keinen Aufwand, damit die Unordnung wieder entsteht.
    So ist das auch bei uns Menschen.
    Wir AD(H)Sler brauchen erheblich viel mehr Aufwand als Nicht-Ad(H)Sler, um ebendiese Ordnung herzustellen und zu halten.
    Das mag eine Schwäche sein, aber DEFINITIV KEINE CHARAKTERSCHWÄCHE!!!
    Und natürlich tun uns manche Dinge Leid, die aus diesem Defizit entstehen.
    Das beweist an dieser Stelle sogar eine besondere Charakterstärke!

    Ich erläutere ja so gerne Sachverhalte anhand von Beispielen.
    Wollen wir mal gucken, ob es mir auch hier gelingt:

    A und B sind Freunde. Bislang zumindest.
    Denn oft hängt es davon ab, wieviel Geduld B noch weiter mit A hat.
    Warum das?

    A ist ein Schluri sondergleichen.
    Kommt immer zu spät, vergißt dauernd was, vermasselt alles mögliche, kommt nicht von selbst darauf, daß B mal ein Pups quer sitzt und Kommunikationsbedarf hat, und so weiter und so fort.

    B ist Workaholic wie Napoleon.
    Meistert stets mindestens 7 Dinge auf einmal, und zwar alle erfolgreich.
    "Man muß sich eben nur Mühe geben! Dann klappt es auch!", ist sein Lieblingsmotto und -spruch.

    Wenn B bei A zu besuch ist, kommt immer irgendein genervter Kommentar, wie: "Na, ... hättest Du ja auch mal aufräumen/putzen/reparieren können!"
    A verkneift sich längst die Antworten der Sorte "Ich hab's ja versucht...", spätestens seit B einmal antwortete: "Steh mal auf! Und jetzt setzt Dich wieder hin! Ging einfach, oder? Jetzt steh nochmal auf! Und jetzt v e r s u c h , Dich hinzusetzen! Ist klar... nicht versuchen, sondern MACHEN, A, MACHEN!"

    Als A eines Tages mal wieder Hilfe beim Ausfüllen eines Formulars braucht, und B vorbeikommt, um ihm zu helfen, platzt die Bombe:
    A hat das Formular irgendwo verlegt und findet es nicht wieder.
    B wirft ihm vor, das aus Gleichgültigkeit zu machen, und daß es für ihn verschwendete Lebenskraft sei, sich um so einen Freund zu kümmern, wie um einen schwer dementen Pflegefall.
    Beide kündigen sich gekränkt und beleidigt gegenseitig die Freundschaft.

    Was für eine Rolle hat A?
    Die eines Bösewichts, der alles vorsätzlich kaputtmacht?
    In meinen Augen hat A ausschließlich die Rolle eines Opfers.
    Er hat nichts Böses getan.
    Aber er wird - trotz seiner misslichen Situation, unter der er selbst am meisten leidet - unfairerweise zum Schuldigen erklärt.

    Wie sieht es mit B aus?
    B hat ein reines Gewissen, denn er hat sich ja immer um alles gekümmert.
    B hat seinem Freund hinterhertelefoniert, ihm bei seinen Papieren, seinem Umzug, seinem Garten, seinem PC usw. geholfen.
    Er ist immer wieder zu A gegangen, und hat ihm doch immer wieder ins Gewissen geredet, doch endlich mal aus dem Ar*** zu kommen.
    Das hat er wohl, aber er hat keine Rücksicht auf A genommen.
    Er hat ihn regelrecht kommandiert und drangsaliert.
    Er hat nach As Dankbarkeit verlangt, wie nach einer Bezahlung.
    Und vor allem hat er A Dinge zum Vorwurf gemacht, für die A einfach nichts konnte.
    Wäre neben den beiden ein Meteorit aufgeschlagen, hätte B genauso A anschnauzen können, was er denn jetzt schon wieder angerichtet habe.

    A hat sich keine Mühe gegeben, den Konflikt auf die Spitze zu treiben, B dagegen schon.
    Für mich hat A AD(H)S und B eine gehörige Charakterschwäche.
    Wie sieht es für Dich aus?


    Charakter ist weitestgehend von anderen Dingen abhängig, als von der persönlichen Bilanz.
    Und eine unüberlegte selbstlose Handlung kann durchaus ein Zeichen für einen besonders starken Charakter sein.
    Letztendlich werden es Andere sein, die Dich an Deinem Charakter erkennen, ebenso wie Du sie an ihren Charakteren erkennst.
    Natürlich nicht nur am Charakter!
    Aussehen, Stimme, Geruch, andere Erkennungsmerkmale tun ihr übriges.
    Aber der Charakter ist ebenso ein Merkmal.
    Und es existiert nicht ausschließlich dazu, sich selbst in seinem eigenen Spiegelbild wiederzuerkennen oder zu reflektieren...
    Ich habe absichtlich keinen Namen genannt

    A hat möglicherweise ADS.
    B will helfen, aber sieht die wirklichen Probleme von A nicht.
    Deshalb verhält er sich falsch. Gut gemeint ist der kleine Bruder von Sch****
    aber eine Charakterschwäche?

  5. #85
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 37
    Forum-Beiträge: 74

    AW: Ist ADHS "Angeborener schlechter Charakter"?

    So wie ich das sehe gibt es einfach einen Unterschied, was wir denken, wo Charakter herkommt. Für Dich ist Charakter etwas das man aktiv gestalten kann. Eine Entscheidung, die man trifft, so, oder so zu sein. Ich gebe zu, dass A aus Deinem Beispiel wirklich eine Engelsgeduld mit B hat, während B auch ein Problem mit seiner Affektkontrolle zu haben scheint.

    Ich habe Charakter eher als etwas gesehen, das von Natur aus da ist, oder durch Erzieheung, Sozialisation und psychische Dispositionen heraus entsteht. Ich würde niemals behaupten, dass A absichtlich so ist und natürlich tut es ihm Leid und er wird nicht darum herum kommen, lernen zu müssen sich und anderen zu verzeihen. Das ist auf jeden Fall auch eine Charakterstärke, denn hier hat er wahrscheinlich vielen vielen anderen etwas voraus.. Aber ist das nicht vor allem auch deshalb so, weil er selbst auf Verständnis angewiesen ist? (bzw. wääääääre)

    Jedenfalls denke ich er verlegt sein Formular, weil es ihm im Grunde sonstwo vorbei geht er bekommt es jedenfalls nicht von allein in den Fokus, weil er die Dinge nicht nach ihrer Wichtigkeit bewertet, sondern von Natur aus nach eigenen Kriterien und er sich über diese Emotionen nur hinwegsetzen könnte, wenn ihm das bewusst wäre und er das Ziel trotzdem absichtlich verfolgt, was ihm eben häufig nicht gelingt, oder nicht bewusst ist, weil das Leben in unserer Gesellschaft voll von Aufgaben ist, zu denen sich nur schwer eine emotionale Verbindung aufbauen lässt. Interesse. Ja, das wiederum wird von der Allgemeinheit als Schwäche betrachtet, weil bei uns eine Grundvorraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben ist, mit Monotonie und Bürokratie umgehen zu können und A leidet darunter, vor allem, weil B das Problem nicht richtig versteht und das Gefühl hat A ruht sich auf seiner Hilfe aus und er soll sich für ihn stark machen, obwohl ihm, (B) das Formular wahrscheinlich noch mehr vorbei geht als A und er meint A müsse das doch irgendwie durch Mühe honorieren, dass B sich ihm zuliebe damit befasst.

    Ich weiß nicht ob B einen schlechteren Charakter hat, weil er das Problem nicht verstehen kann. Schließlich wollte er A helfen, solange er davon ausgegangen ist, dass dadurch eine Besserung eintritt, wie es üblicherweise der Fall ist, wenn Leute einfach nur keinen Bock haben und dann durch Hilfe lernen, dass es besser ist sich um seine Dinge zu kümmern. Allein schon für Frieden und Harmonie. B fühlt sich wohl, wenn er seine Dinge erledigt hat und möchte A auch zu dieser Erkenntnis verhelfen. Ich schätze B ist auch gekränkt, weil er eventuell das Gefühl hat er sei es A nicht wert, dass dieser sich "mehr anstrengt," was für A wiederum ein Grund ist an B´s Menschlichkeit zu zweifeln und so weiter und so fort..

    Schlimm.. Und ich denke genau so entstehen dann Komorbiditäten.. Ein schönes Beispiel..

    Vielleicht hätte ich nicht versuchen sollen Charakter zu definieren. Ich schätze über den Begriff Seele lässt sich genau so streiten. Jedenfalls wenn es sich nicht um zwei Theologen der selben Schule handelt und es nur noch um kleine Details geht.
    Geändert von Polarfuchs ( 7.02.2016 um 19:15 Uhr)

  6. #86
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: Ist ADHS "Angeborener schlechter Charakter"?

    Vielleicht hat A aber auch die kleine Schwäche zwar Defizite zu haben, diese aber auch zu pflegen. Wenn ich weiss, das etwas wichtig ist, und ich oft verschludere, dann suche ich halt rechtzeitig alles zusammen, und zwar so rechtzeitig, das ich genug Zeit zum Finden habe. ADHSler sind ja nun nicht 100% ihren Schwächen ausgeliefert. Genauso könnte es ja auch mit den anderen Dingen sein, die B so ärgern.

    Ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, das es weniger eskalierend und frustrierend ist, wenn der andere auch sieht, das man zumindest alles versucht. Klar, andere können nicht alles sehen, aber sie sehen meist schon mehr als man denkt.

    Der ADHSler ist nicht immer nur das charakterstarke Opfer, was keiner versteht.

    Dies als Schutzschild vor sich her zu tragen finde ich nun wieder schwach.


    Fast immer kommt es eben auf beide Seiten an. Das eine begünstigt das andere, und wer in der Rolle verharrt, der sollte dann aber auch nicht von anderen erwarten, das sie nun etwas anderes in einem sehen.

  7. #87
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 37
    Forum-Beiträge: 74

    AW: Ist ADHS "Angeborener schlechter Charakter"?

    Da kommt C und geigt beiden die Meinung.. Sorry, das musste sein.

  8. #88
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 40
    Forum-Beiträge: 1.008

    AW: Ist ADHS "Angeborener schlechter Charakter"?

    Ich merke schon: das Beispiel ist mir ein wenig mißglückt.
    Z.T. hatte ich mehrere konkrete Aspekte aus der eigenen Vita vor Augen, die ich natürlich hübsch miteinander vermengt habe.
    Ich werde darauf verzichten, die wiedererkennbaren Verhältnisse öffentlich zu posten...
    Natürlich sollte Person A aus meinem Beispiel sich nicht auf AD(H)S ausruhen und das ganze ausnutzen.
    Sonst wäre das in meinen Augen gemäß Mengenlehre eine sogenannte "Schnittmenge" aus AD(H)S und Charakterschwäche.
    Auf diese durchaus existierenden Fälle wollte ich aber nicht hinaus...

    Danke übrigens an Sunpirate für den Hinweis "möglicherweise"!

    Ich sehe die Charakterschwäche von B aus meinem Beispiel wohl mehr darin, dem (dummerweise von mir nicht bzw. nicht ausreichend erwähnten) guten Willen von A keinen Wert beizumessen.
    Noch etwas weiter ausgeführt: B's böser Wille sollte darin bestehen, A jedwede Kooperationsbereitschaft kategorisch abzusprechen, und für diesen Standpunkt mit viel Ehrgeiz zu streiten.
    Blöd, wenn man sich den springenden Punkt nur denkt, oder ihn überspringt. Sorry!

    Auf keinen Fall gemeint sein sollte, daß A sich inne Seile hängt und sich bedienen läßt, und B sich eigentlich nur ausnutzen läßt.
    Solche Beispiele mag es durchaus oft geben.
    Aber das hier sollte keines dieser Art sein.

    Was sollte dann mein Beispiel?
    Eigentlich wollte ich damit eine Formel finden, und zwar eine möglichst einfache.
    Die wäre dann natürlich nur sehr eingeschränkt anwendbar.
    Aber beim Umgang von Menschen miteinander ist, glaube ich, so gut wie gar nichts zu 100% allgemeingültig.
    Sonst hätten sämtliche Ideologiestifter aller Couleurs doch längst dafür den Jackpot abgeräumt, oder?

    Vielleicht kann man zumindest teilweise die Behauptung aufstellen, daß es unfair ist, Schusseligkeit und böswillige Absicht gleichzusetzen.
    Und ich meine wirklich Schusseligkeit und NICHT Gleichgültigkeit.
    Oder habe ich auch da wieder einen Bock geschossen?

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