Seite 1 von 2 12 Letzte
Zeige Ergebnis 1 bis 10 von 18

Diskutiere im Thema Hilfe: Wer bin ich ohne ADHS? im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #1
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 56

    Hilfe: Wer bin ich ohne ADHS?

    Ein liebes Hallo ins Forum,

    mich beschäftigt heute eine Frage, die auch mit etwas Angst verbunden ist.
    Ich habe gefühlt "schon immer" ADHS, auf jeden Fall ADHS-artige Symptome und eine vorläufige Diagnose. Wegen momentan vordergründiger Depressionen kriege ich jetzt versuchsweise Elontril, 150mg. Was ja auch bei ADHS wirken soll.

    Vielleicht ist es auch ein Placebo-Effekt, aber neben ein paar Nebenwirkungen meine ich auch, erste Wirkungen feststellen zu können. Diese verläuft zwar etwas phasenartig über den Tag verteilt, aber stundenweise habe ich mich sehr klar, sehr erwachsen, sehr "still im Kopf" gefühlt. Ein Gespräch mit einer Freundin verlief heute völlig anders als sonst. Ich konnte eine Stunde lang komplett zuhören, durchgängig, ohne assoziierend weg zu flippen. Aber meine Reaktionen fand ich ungewohnt. Ich hatte das Gefühl, dass ich im Gegensatz zu sonst wenig Interessantes spontan beitragen konnte, zu dem Gespräch. Normalerweise bin ich in Gesprächen recht unmittelbar, auch ganz witzig und schlagfertig (hoffe, diese wohlwollenden Feststellungen, die aber der Erklärung dienen, sind ok ;-)

    So.

    Jetzt mal unabhängig von der Frage, inwiefern dieses Erlebnis heute etwas zu bedeuten hatte: Es hat bei mir die Frage ausgelöst, inwiefern einen die vom Prinzip her "erfolgreiche Medikation" auch ein wenig zu einem neuen Menschen macht. Ich meine, ich bin seit 35 Jahren so wie ich bin. Und habe mein ADHS (oder das, was dem so ähnelt) irgendwie auch zu einer Marke gemacht. Ich kokettiere mit meiner Verpeiltheit, ich habe gelernt, "die Chaotin" manchmal auch etwas filmreif auf die Spitze zu treiben, indem ich noch eine kleine, selbstironische Schippe drauf lege. Wenn die extremen Stimmungsschwankungen und die manchmal einfach zu groß gewordenen Probleme mit der Selbstorganisation nicht wären - ich würde das ADHS einfach so nehmen. Mit großen Teilen dieser Sache mag ich mich auch (wenn man das überhaupt differenzieren kann...). Und werde gemocht. Aber bei Medikamenten, ob MPH oder Antidepressiva wie Elontril, kann man ja wahrscheinlich nicht steuern, welche Eigenschaften sie beeinflussen. Nur die Konzentration? Oder doch auch die Schlagfertigkeit und den Humor? Und da geht es ja schon an die Grundfesten der Persönlichkeit...

    Daher die etwas philosophische Frage in die Runde: Wer ist man ohne ADHS? Ist man mit einem gestörten Hirnstoffwechsel mehr "man selbst" oder mit Medikamenten? Mir kommt beides traurig vor. Und habe Angst, dass jetzt Teile meiner Persönlichkeit ohne dass ich es will "mitbehandelt" werden.

    Das einzige, was mich beruhigt, ist natürlich die Option, es jederzeit auch wieder ohne Medis versuchen zu können. Aber damit bin ich dieses Jahr einfach böse gestrandet...so kann es eben auch nicht weitergehen.

    Lasst mich raten: Ich bin wahrscheinlich die allererste, die sich all das fragt.

    Aufgewühlte Grüße und neugierig auf Eure Meinungen und vor allem Erfahrungen:
    Yaila
    Geändert von Yaila (27.12.2015 um 21:43 Uhr) Grund: ...und noch was eingefallen

  2. #2
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 31

    AW: Hilfe: Wer bin ich ohne ADHS?

    Das Thema würde mich auch interessieren. Denn ich habe auch Erfahrungen mit AntiD und kann aus Erfahrung sagen dass ein wenig von dem was mich ausmacht verloren geht.
    Zumidest hatte ich immer ein wenig das Gefühl. Ob das jetzt nur subjektiv ist oder Fakt kann ich nicht hundert Prozent sagen.
    Also schließe mich der Frage an

  3. #3
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: Hilfe: Wer bin ich ohne ADHS?

    Bei manchen reicht ja auch Therapie.
    Medikamente nimmt man ja, weil man ohne die Medis eine schlechtere Lebensqualität hat. Wenn Nebenwirkungen über der Wirkung stehen dann sollte man wohl eher keine Medis nehmen.

    Wenn du mit bestimmten Anteilen kokettierst, es dir keine Probleme bereitet, dann solltest du mit deinem Arzt überlegen, was dann noch an "krankhaftem" übrig bleibt, und ob das Übrigggebliebene wirklich noch ADHS ist, oder vllt eine andere Diagnose. Für mich klingt das irgendwie so. ADHS ist ja keine Charakterausprägung, sondern die Diagnose beinhaltet Probleme in gewisser Stärke in definierten Bereichen.

    Die Frage wer man ohne ADHS ist, stellt sich mir nicht, weil ich auch mit Medis ADHS habe, sie verringern nur einige Symptome, um mehr Lebensqualität zu haben. ADHS ist keine Charaktereigenschaft, und Psychopharmaka wie Antidepressiva oder MPH verändern nicht den Charakter, wenn die Wirkstoffgruppe und Diagnose passt. Und wenn das alles stimmt, dann kann man seine positiven Charaktereigenschaften, auch Spontaneität etc besser ausleben, weil man eben durch die krankhaften Anteile nicht mehr so "gestört" wird.

  4. #4
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 56

    AW: Hilfe: Wer bin ich ohne ADHS?

    creatrice schreibt:
    Wenn du mit bestimmten Anteilen kokettierst, es dir keine Probleme bereitet, dann solltest du mit deinem Arzt überlegen, was dann noch an "krankhaftem" übrig bleibt, und ob das Übrigggebliebene wirklich noch ADHS ist, oder vllt eine andere Diagnose. Für mich klingt das irgendwie so. ADHS ist ja keine Charakterausprägung, sondern die Diagnose beinhaltet Probleme in gewisser Stärke in definierten Bereichen.
    Ich meinte damit, dass ich aus meiner Verpeiltheit mit ein bißchen Selbstironie auch "was gemacht habe" bzw. das zum Positiven nutze. Die andere Seite der Medaille sind massive Probleme bei der Selbstorganisation und im Alltag, und bei der Struktur im Job. Das ist natürlich nicht das, was Freunde dann an "amüsanter Zerstreutheit" abends beim Weggehen mitbekommen. Oder anders gesagt: Ich habe Teile der Störung in meinen "Charakter" integriert und angenommen, so kommt es mir vor. In dem lustigen Thread "Du merkst dass du ADHS hast, wenn..." finden sich ja auch zuhauf solche Beispiele, die ja durchaus - neben dem ganzen Leidensdruck - auch was Liebenswertes haben. "So kennen einen die anderen". Trotzdem gibt es auch die Leidensdruck-Seite, die mir im Moment vor allem das "berufliche Funktionieren" schwer macht und den Umgang mit auftretenden Stress-Ereignissen. Es gibt Phasen, da empfinde ich es tatsächlich nicht als "krankhaft". Aber sobald etwas aus der Reihe gerät, privat oder beruflich, wird es krankheitswertig.

    Vielleicht überschätze ich auch die Wirkung von Medikamenten... und mache mir da jetzt zu viele Gedanken.

    Yaila
    Geändert von Yaila (27.12.2015 um 23:47 Uhr)

  5. #5
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 31

    AW: Hilfe: Wer bin ich ohne ADHS?

    creatrice schreibt:
    ADHS ist keine Charaktereigenschaft, und Psychopharmaka wie Antidepressiva oder MPH verändern nicht den Charakter, wenn die Wirkstoffgruppe und Diagnose passt. Und wenn das alles stimmt, dann kann man seine positiven Charaktereigenschaften, auch Spontaneität etc besser ausleben, weil man eben durch die krankhaften Anteile nicht mehr so "gestört" wird.
    Da liegt doch das Problem.
    Wenn die Medis auch z.b. die nicht krankhafte Spontanität angreifen mit den krankhaften Anteilen mindert oder sogar komplett verschwinden lässt dann ist es das was Yala angesprochen hat und ich wissen wollte.


    Habt ihr die Erfahrung gemacht das die Medis auch euren Positiven Eigenschaften angreifen oder gar ganz verschwinden lassen?

  6. #6
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 55
    Forum-Beiträge: 2.056

    AW: Hilfe: Wer bin ich ohne ADHS?

    Yaila, ich würde es einfach eine Weile ausprobieren. Das Risiko ist relativ gering. Du wirst wahrscheinlich eine Erfahrung machen, die du ohne Medikamente nicht kennen lernst.
    Unter den Medikamenten kannst du ev. auch Dinge lernen, die du später auch ohne Medikation anwenden kannst.

    Ich habe MHH ausprobiert. Es hat eine deutliche Wirkung in Situationen, in denen ich ohne überfordert wäre. Ich habe mich aber gegen eine regelmäßige Einnahme entschieden. Zum Glück kann ich mein Leben so einrichten, daß ich nur noch selten in solche Situationen komme. Für Notfälle (z.B. Steurerklärung) habe ich noch etwas übrig.

    Wenn der ganze BTM- und Arzt-Streß nicht wäre, ich das MPH in einer Vorratspackung in der Drogerie kaufen könnte, würde ich es vielleicht öfter nehmen. Aber es ist gut zu wissen, daß es eine schon getestete Hilfe gibt, wenn sich die Lebensumstände ändern sollten.

  7. #7
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 423

    AW: Hilfe: Wer bin ich ohne ADHS?

    Mal so als allgemeine Frage: verschwindet mit der Einnahme von MPH auch das extreme Gefühl von Langeweile?
    Im Alltag bräuchte ich es sowieso nicht, da komm ich gut zurecht, bei mir ist es eher die sozial Kompetenz die Probleme macht.

    Schule oder Job hab ich zur Zeit ja nicht, da würde ich MPH aber benötigen.

    Bei mir würde MPH aber keinen großen unterschied machen was Emotionen und Kreativität angeht.
    Ich würde auch zu gerne mal die eigenen Leistungsgrenzen abstecken was Bildung und Co. angeht,
    ich glaube da habe ich noch viel nach hol bedarf.


    Edit: Ohne AD(H)S wäre ich wohl ein gescheiterter Architekt mit Alkohol Problemen!

  8. #8
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Alter: 39
    Forum-Beiträge: 142

    AW: Hilfe: Wer bin ich ohne ADHS?

    @mistwalker: und Du hättest ohne ADHS nicht 2-mal gepostet EDIT: und ich wäre nicht so langsam

    Hm, ohne ADHS (oder mit erkannter und behandelter ADHS) wäre sicher meine berufliche Laufbahn anders gewesen.

    Mit MPH bin ich nicht anders, meinem Mann fällt der Unterschied manchmal gar nicht auf...

    Ich profitiere aber auch privat von MPH, ich bin viel geduldiger und weniger impulsiv. Meiner Familie hat das verdient...Von daher bringt es privat sogar mehr als beruflich...

  9. #9
    bin eine Piratin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 51
    Forum-Beiträge: 1.791

    AW: Hilfe: Wer bin ich ohne ADHS?

    ich finde, das Medikament macht keinen komplett anderen Menschen aus einem. Man kann es nur besser steuern. ich kann immer noch spontan und impulsiv sein, aber ich kann mich dafür oder dagegen entscheiden. ich habe immer die Wahl zwischen Vernunft und Unvernunft. Das hatte ich früher nicht.

    da ich ja viel mit adhs-Jugendlichen arbeite, bemerke ich auch, dass sie mit Medikament genausoviel Sch... bauen können wie ohne. Aber vorher hatten sie keine Wahl, die haben sie nun.

    Adhs-Medikamente sind ja keine Ruhigsteller und sie verändern nicht unmittelbar die Persönlichkeit. Sie geben dir nur eine Entscheidungsmöglichkeit. Die Freiheit, zu wählen.

    ich bin auch mit Medis spontan und quasselig, extrovertiert und hab viel Blödsinn im Kopf. Aber ich entscheide nun, wann es passt und wann nicht

  10. #10
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 31

    AW: Hilfe: Wer bin ich ohne ADHS?

    Das mit der Entscheidung nehmen oder nicht nach einem Test des besagten Medikament verstehe ich und werde das auch glaube ich so handhaben, aber könntest du mir Erklären was du damit meinst dass Medis dir Entscheidungmöglichkeit geben.
    Das klingt sehr Interessant aber ich krieg grad mein Kopf um die Aussage, denn es klingt als würde es deine Art verändern Dinge zu sehen
    Was wiederum etwas wäre wovor ich Angst hätte und denke nicht wirklich etwas ist was ich möchte.

    Da ich schon in mehrmals in Kliniken(stationär und ambulant) gewesen bin habe ich gesehen was Medikamente mit einem Menschen machen können und ich erlebte mehr als einmal das sich nach ersten Kontakt oder Umstellung der Medis die Personen sich so geändert haben dass man sie nicht wiedererkannt hat. Waren alles meines Wissens nach keine ADHSler dabei aber wenn ich sowas schon bei anderen Psychophamakern sehe ist es für mich nicht weit hergeholt das dies auch bei ADHS Medis der fall sein könnte.

Seite 1 von 2 12 Letzte

Ähnliche Themen

  1. Was kann ich selbst ohne Hilfe gegen ADS-Symptome machen?
    Von KdKmADS im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
    Antworten: 9
    Letzter Beitrag: 2.08.2015, 15:49
  2. ADHS ohne
    Von Tommytherat im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 10.11.2014, 20:44
  3. ADHS verstehen, ohne ADHS zu haben?
    Von jetztaber im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
    Antworten: 90
    Letzter Beitrag: 27.09.2012, 20:07
Thema: Hilfe: Wer bin ich ohne ADHS? im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
©2017 ADHS bei Erwachsenen Forum