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Diskutiere im Thema Wieviel Kontakt habt ihr zu euren Eltern? im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #41
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 41
    Forum-Beiträge: 106

    AW: Wieviel Kontakt habt ihr zu euren Eltern?

    ellipirelli schreibt:
    ohne einen Beitrag gelesen zu haben:
    Kontakt so wenig wie möglich... So wenig wie irgend möglich!

    Reiner Selbstschutz!!
    Wenn Kontakt: immer, jedesmal mit Wut, Ohnmacht,Verachtung, sonstwas besetzt
    Oh ja. Geht mir genauso.

    Ich habe viel Jahre lang versucht, es ihnen recht zu machen. Gerade wegen dieser beknackten moralischen Verpflichtungen ("Man darf nicht schlecht über seien Eltern reden, schließlich haben sie einem Essen gegeben, ein Dach über dem Kopf und einen zur Schule geschickt" Die Moralapostel vergessen dabei nur, dass man das auch in einem Kinderheim bekommen hätte und dass hierzulande Schulpflicht besteht. Das, was man von Eltern bekommen sollte, fehlt trotzdem: Liebe, Werte, Fürsorge, etc.). Alles was ich getan habe, um es ihnen recht zu machen (und dabei auf meine Bedürfnisse verzichtet zu haben), habe ich aus ihrer Sicht falsch gemacht. Ich wollte studieren, sie haben es mir verboten. Ich wollte heiraten, sie waren dagegen. Ich habe mich selbständig gemacht, sie waren dagegen. Ich bekam Kinder, sie waren dagegen. Ich habe mich scheiden lassen, sie waren dagegen. Ich habe meine Selbständigkeit aufgegeben, sie waren dagegen. Reden konnte man nicht mit ihnen, denn spätestens am Folgetag ging der Terror wieder von vorn los.

    Ich war wegen meiner Auffälligkeiten schon immer DER Außenseiter innerhalb der ganzen Verwandtschaft, wurde seit meiner Kindheit für alle Übel der Familie verantwortlich gemacht. So viele Schuldgefühle wie mir eingetrichtert worden sind hat die ganze Welt nicht zu tragen gehabt. Mit knapp über 30 habe ich dann die Reißleine gezogen: Völliger Kontaktabbruch. Ich habe mich nach einem Umzug nicht umgemeldet, damit sie meine Adresse nicht nachforschen können, denn davor haben sie sogar noch per Fax/Post versucht, mir mein Leben vorzuschreiben, weil ich nicht mehr ans Telefon gegangen bin.

    Zum Glück habe ich in den letzten Jahren eine neue Familie gefunden, in der ich wie ein eigenes Kind behandelt werde. Da habe ich mit über 35 erst einmal gelernt, was familiärer Zusammenhalt und füreinander da sein ist. In meinem Alter sollte ich das eigentlich längst an meine Kinder weitergegeben haben, aber ich glaube meine Kinder haben da längst einen Schaden davongetragen. Deshalb fehlen mir meine alten Eltern überhaupt nicht und ich habe heute keinerlei Schuldgefühle mehr wegen ihnen. Ich bin froh, dass sie nicht mehr Teil meines Lebens sind und ärgere mich höchstens noch, dass ich die Trennung nicht schon 15 Jahre früher vollzogen habe.

    Meine neuen Eltern sehe ich etwa alle 14 Tage. Die reden nicht in mein Leben, sondern unterstützen mich, wenn ich Probleme habe.

  2. #42
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 998

    AW: Wieviel Kontakt habt ihr zu euren Eltern?

    Der Kontakt zu meinen Vater war immer sehr "merkwürdig", so dass ich es gar nicht erst versuche zu erzählen.

    Meine Mutter war mir extrem wichtig (ich denke, dass ich ein totales "Muttersöhnchen" war). Ich bin mit 30 Jahren ausgezogen (heute 52j) und habe sie weiterhin fast täglich gesehen. Sie hat meine Wäsche weiterhin gemacht und auch fast täglich für uns beide gekocht. Als sie 2013 "unerwartet" gestorben ist, da brach eine Welt für mich zusammen. Ich bin nach einiger Zeit zu einer Ärztin gegangen, da ich selbst nicht mehr wusste was mit mir los war (nur geheult und total fertig). Sie war eine tolle Ärztin und sie hat wirklich mit mir gelitten.

    Von meinen "angeblich" besten Freund war ich total enttäuscht, da er gar nicht für mich da war. Bin seit dem Menschen gegenüber noch "kritischer" geworden. Wobei ich sagen muss, dass es nicht darum ging, dass er mit dieser Situation überfordert gewesen wäre.

  3. #43
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 41
    Forum-Beiträge: 106

    AW: Wieviel Kontakt habt ihr zu euren Eltern?

    spacetime schreibt:
    Sie hat meine Wäsche weiterhin gemacht und auch fast täglich für uns beide gekocht. Als sie 2013 "unerwartet" gestorben ist, da brach eine Welt für mich zusammen.
    Jetzt würde mich mal interessieren, wie du mit dem Alltag zurechtgekommen bist. Also wie hast du ab da die Sachen erledigt, die bis dahin deine Mutter gemacht hat (Wäsche machen, Essen)?

  4. #44
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 85

    AW: Wieviel Kontakt habt ihr zu euren Eltern?

    Hirnverleih schreibt:
    Ich habe viel Jahre lang versucht, es ihnen recht zu machen. Gerade wegen dieser beknackten moralischen Verpflichtungen ("Man darf nicht schlecht über seien Eltern reden, schließlich haben sie einem Essen gegeben, ein Dach über dem Kopf und einen zur Schule geschickt". Das, was man von Eltern bekommen sollte, fehlt trotzdem: Liebe, Werte, Fürsorge, etc.). Alles was ich getan habe, um es ihnen recht zu machen (und dabei auf meine Bedürfnisse verzichtet zu haben), habe ich aus ihrer Sicht falsch gemacht.
    Mit knapp über 30 habe ich dann die Reißleine gezogen: Völliger Kontaktabbruch.
    Dein Schreiben berührt mich irgendwo, weil es mir ähnlich ergangen ist. Schau, ich war ebenso das schwarze Schaf der Familie, und bei 4 Geschwistern (alles Jungs) geht es manchmal ruppig zu...
    Ich habe später bei einer Familienaufstellung gelernt, dass wir einen Teil unserer Lebenskraft von den Eltern, speziell dem Vater, bekommen. Und dass wir ihnen trotz allem Übel - aller Beschimpfung, Gewalt, Misstrauen, Ärger ... zu Dank verpflichtet sind. Denn ohne sie wären wir nicht da, wo wir gerade sind. Wir hätten diese so wertvolle Erfahrung nicht machen können, wie du beschrieben hast - auch und gerade weil sie unangenehm, mit seelischem oder körperlichem Schmerz verbunden sind.

    Du wirst vielleicht sagen: auf eine solche Erfahrung hätte ich gerne verzichtet. Glaube mir, in 20 Jahren wirst du vielleicht anders denken können, wenn du dich etwas distanziert hast. Ich würde meine Scheidung nicht rückgängig machen wollen, auch wenn sie sehr und sehr lange schmerzhaft gewesen ist. Die Erfahrung ist goldwert. Ist vielleicht wie eine Geburt: nachher wird alles vergessen...

    Es ist auch wichtig, dich mit deinen Eltern auszusöhnen - muss nicht öffentlich sein, vor oder bei ihnen, sondern in deinem Herzen. Wenn nicht, wirst du diese negativen Energien an deine Kinder weiter geben - und du hast es auch schon bemerkt, nicht wahr? Schau, es nützt ja niemand, wenn du mit einem Groll im Herzen an sie denkst - das schadet dir am meisten, oder? Es ist eine ständig bewusst oder unbewusst nagende Energie, die nicht gut tut. Sie ist in deinem Körper, in deiner Seele, in deiner Ausstrahlung (Aura)...
    Tue dir das nicht an, es lohnt nicht.

  5. #45
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 41
    Forum-Beiträge: 106

    AW: Wieviel Kontakt habt ihr zu euren Eltern?

    Thorwald schreibt:
    Es ist auch wichtig, dich mit deinen Eltern auszusöhnen - muss nicht öffentlich sein, vor oder bei ihnen, sondern in deinem Herzen.
    Das habe ich schon öfter gehört, überzeugt hat mich davon noch nichts. Das tangiert mich auch irgendwie nicht mehr, denn seit ich diese Eltern nicht mehr habe bin ich aufgeblüht. Da gibt es auch die Psychologin und Autorin Susan Forward von "Wenn Mütter nicht lieben: Töchter erkennen und überwinden die lebenslangen Folgen" (das kann man auch auf Söhne beziehen). Im Sonderheft Compact 41 der der PSYCHOLOGIE HEUTE gibt es ein Interview mit ihr. Da geht es um das das Vergeben gegenüber der Mutter. Ich zitiere das mal:

    PS Heute: Es heißt oft, dass Vergebung der Weg ist, die Schmerzen aus der Kindheit zu verarbeiten. Sie sind nicht damit einverstanden.

    Susan Forward: Ich kenne so viele Horrorgeschichten von Therapeuten, die den Patienten sagen: Verzeih deiner Mutter, sie hat ihr Bestes getan. Sie raten dazu, nicht auf der Vergangenheit herumzureiten und nach vorn zu schauen. Aber so bleiben die Gefühle des Patienten unbestätigt, die Verwirrung, der Frust und di eSelbstverachtung halten an. Ich vertrete die Auffassung, dass man nich tverzeihen musws, und ich weiß, auf welch unpouläres Terrain ich mich damit begebe.

    PS Heute: Aber halten wir die Vergangenheit nicht in der Gegenwart, wenn wir uns nicht von unseren negativen Gefühlen befreien?

    Susan Forward: Ich denke, dass Vergebung den Schmerz in uns verwahrt. Verzeihen macht nur dann Sinn, wenn die Person, die einen verletzt hat, volle Verantwortung für ihr Verhalten übernimmt und aktiv nach Möglichkeiten für eine gesündere Beziehung sucht. Sie muss zeigen, dass sie ihr Verhalten ändern will und kann. Erst dann kann man die Wahl treffen zu verzeihen. Obwohl ich das Wort "freilassen" vorziehe: Man befreit sich von der Macht, die Mutter oder Vater über einen hatten.
    Ich stimme ihr voll und ganz zu. Meine alten Eltern hatten NULL Einsicht, ihr Terror hat nie aufgehört, bis ich gegangen bin. Wofür sollte ich denen verzeihen? Im o.g. Buch zeigt sie Wege mit den Eltern abzuschließen ohne diesen (kirchlichen) Versöhnungs- und Vergebungsquark.

    Thorwald schreibt:
    Wenn nicht, wirst du diese negativen Energien an deine Kinder weiter geben - und du hast es auch schon bemerkt, nicht wahr?
    Suggestives Gequatsche! Seit ich mich dem Einfluss meiner Eltern entzogen habe, die natürlich auch in die Erziehung meiner Kinder reingeredet haben, ist das Verhältnis zu meinen Kindern viel entspannter. Ich mache es jetzt so, wie ich es von meinen neuen Eltern gelernt habe. Das ist vielleicht nicht perfekt, aber vielfach besser, als es meine Eltern gelebt haben.

    Thorwald schreibt:
    Schau, es nützt ja niemand, wenn du mit einem Groll im Herzen an sie denkst - das schadet dir am meisten, oder?
    Schon wieder suggestives Gequatsche. Ich habe neue Eltern, die mich nicht nur akzeptieren, sondern respektieren. Bei denen bin ich gern, an die denke ich gern und ich habe ihre Werte angenommen.

  6. #46
    ellipirelli

    Gast

    AW: Wieviel Kontakt habt ihr zu euren Eltern?

    Danke, Hirnverleih---
    das Forward Buch habe ich an anderer Stelle auch schon mal empfohlen ("vergiftete Kindheit" von ihr geht in eine ähnliche Richtung) , ebenfalls mit dem Hinweis, das sich durchaus auch Söhne angesprochen fühlen dürfen.
    Und das Zitat zu "vergeben" ist genau das, nur griffiger und klarer, als das, was ich auf Thorwalds "Vorschlag" hätte formulieren wollen.
    Ich kann mit diesem (zT auch durch Therapeuten an mich herangetragenem) "Verzeihens-Quatsch" auch nichts anfangen.
    Weil es damit eben NICHT getan ist (solange die andere Seite "bleiben darf, wie sie nunmal ist") und (wie Forward in dem Buch schreibt) einen unangemessen hohen emotionalen Preis kostet --- indem man nämlich dadurch sein eigenes Empfinden zu den Verletzungen und Auswirkungen letztlich "abzutut"/negiert...

  7. #47
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 85

    AW: Wieviel Kontakt habt ihr zu euren Eltern?

    Hirnverleih schreibt:
    Da gibt es auch die Psychologin und Autorin Susan Forward...Ich stimme ihr voll und ganz zu. Meine alten Eltern hatten NULL Einsicht, ihr Terror hat nie aufgehört, bis ich gegangen bin. Wofür sollte ich denen verzeihen?
    Verzeih, ich finde das, was diese S.F. sagt, ziemlich abgehoben. Denn ich muss da fragen: Wem nützt es, wenn du nicht vergibst und den Groll ständig mit dir ein Leben lang herumschleppst?? DU vergiftest dein Leben, frisst deinen Groll in dich hinein – deinen Eltern ist er schnurz, sie bleiben auf ihrer Position, vielleicht können sie nicht anders, früher hatten die Kinder nichts zu sagen, und man hat mit Prügel reagiert, weil man es anders nicht besser wusste und auch keine Geduld/Zeit hatte…

    Mit den Eltern „abschliessen“ heißt für mich in erster Linie, mit DIR ins Reine zu kommen. Den Abschluss beschließt DU – egal, was SIE tun. Es geht um dich, nicht um sie. Zu warten, dass sie bereuen mögen, sich entschuldigen, niederknien blabla – ist ein Wunschdenken, das vielleicht deinem inneren Kind gut tun mag, oder deinem kleinen Ego. Sie können das meist nicht – ihr eigener Stolz verbietet das.
    Ich nehme an, es gab da schon viele Vorwürfe, richtig? Nun, was sagt ein Vor-Wurf? Nimm das Wort bildlich: stell dir vor, du „wirfst“ ihnen etwas „vor“ die Füße mit der Aufforderung, es aufzuheben, also anzunehmen. Was müsste nun passieren? Sie müssten sich niederbücken, um es aufzuheben, richtig?
    Aber das ist Demütigung für jeden Menschen! So werden sie dies nie tun – geht auch nicht, sich vor dem eigenen Kind zu demütigen. Versuch bitte, dich in ihre Situation zu denken.
    Insofern geht es wirklich nur um deine eigene Versöhnung – mit dir, mit ihnen… Egal, was SIE tun mögen.
    Und glaub mir, sie haben auch zu tragen an ihren eigenen Fehlern. Denn mit den eigenen Kinder in Unfrieden zu leben ist nichts Schönes für Eltern…

    Ich habe neue Eltern, die mich nicht nur akzeptieren, sondern respektieren. Bei denen bin ich gern, an die denke ich gern und ich habe ihre Werte angenommen.
    Das ist ja wunderbar, dass du ein "Nest" hast, wo du dich wohlfühlen kannst, die dir das geben, was dir gefehlt hat.
    Es geht aber nicht um die neue "Heimat". Es geht um die Aussöhnung mit der "alten"... Vielleicht kannst du das aus der Stärke des Mitgefühls und der Liebe, die du mit den Neuen erfährst, tun.
    Geändert von Thorwald (14.01.2016 um 18:32 Uhr)

  8. #48
    ellipirelli

    Gast

    AW: Wieviel Kontakt habt ihr zu euren Eltern?

    und wer sagt, das der "Groll" (edit: Groll ist als Wort völlig unzulänglich und kann nur von jemandem benutzt werden, der NICHT erlebt hat/weiß, was in solchen Strukturen abläuft... es geht um wesentlich mehr) durch "Verzeihen" weg geht??
    Geändert von ellipirelli (14.01.2016 um 21:12 Uhr)

  9. #49
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: Wieviel Kontakt habt ihr zu euren Eltern?

    Also ich bin ja absoluter Fan davon, sich mit seinen Eltern so weit es geht auszusöhnen, aber ich finde auch, man muss nicht alles verzeihen. Man sollte abschliessen und sich distanzieren können, auch das lässt den Groll schwinden, aber das muss nicht ausschliesslich über Verzeihen gehen.

  10. #50
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 85

    AW: Wieviel Kontakt habt ihr zu euren Eltern?

    ellipirelli schreibt:
    und wer sagt, das der "Groll" durch "Verzeihen" weg geht??
    Schau, ich war das schwarze Schaf und hab viel Schläge bekommen, wir waren 4 Jungs, da geht es manchmal ruppiger zu. Aber die Schläge kam vom Vater - der kam müde von der Arbeit, und dann nahm er halt den Stock, hatte keinen Bock mehr, sich um Kindergerechtigkeit zu kümmern...
    Und das war nicht alles, ich wurde zweimal weggegeben, und andere Geschichten... ADHS warn Fremdwort...

    Ich bin trotzdem meinen Weg gegangen, und als er alt wurde hätte ich mich rächen können - aber wem hätte das was gebracht? Das "Mütchen kühlen" ist eine lausige Art, sich zu revanchieren. Und für mich gibt es keinen Zufall, es hat alles einen Sinn, auch wenn wir ihn erst viel später entdecken.

    So habe ich für mich beschlossen, einen Strich zu ziehen. Es gab ja auch schöne Momente, nun alles schwarz zu sehen wäre nicht fair. Er hat sich viel um unser Überleben gekümmert, es war die Zeit nach dem Weltkrieg... Und die Strenge hat er wohl selbst von seinem Vater "übernommen"... Wir sind ja das Produkt von vielen Faktoren:
    die Wirkung der Erziehung der Eltern durch die Großeltern, die "Zeit", in der man lebt, die Spielkameraden auf der Straße, Lehrer in der Schule usw... Ich glaube auch an Reinkarnation, also dass wir noch in früheren Leben da waren, und manche Sachen (auch vielleicht Schulden) in dieses Leben gezogen haben, um wieder gut zu machen...

    Wie gesagt: ich hatte für mich beschlossen, Frieden zu machen zwischen uns - auch mit meiner Mutter, denn sie hatte ja auch einen Anteil daran, oder? Hab ihm nie was davon gesagt, es war nur für mich, für meinen Seelenfrieden, ok...
    Und ich habe ihm in Gedanken gedankt, für alles, was gewesen ist, denn alles hat einen Anteil an Erfahrung - und JEDE Erfahrung ist für mich wertvoll! (Das habe ich übrigens auch mit meiner Ex getan - auch das war sehr schmerzvoll gewesen). Aber wenn er nicht gewesen wäre, dann wäre ich auch nicht gewesen, oder? Und auf mein Leben will ich ja nicht verzichten!
    Und ich könnte auch nicht davon hier berichten
    Den Groll habe ich ablegen können, indem ich mir klar gemacht hab, dass er sich auf seiner Art auch um mein Überleben gekümmert hat: auch für mich gearbeitet, vielleicht auch mal Windeln gewechselt, ich hab von ihm Violine spielen lernen müssen u.a.m....

    Ich bin der Meinung, es kommt im Leben darauf an, was wir an Erfahrung sammeln und was wir an UNS verändern. Die anderen Menschen sind dabei wie Figuren in einem Spiel. Wärst du "unversöhnlich", wenn du in einem Spiel spielen würdest und ein elektronischer "Gegner" dich verletzen würde? Vielleicht für einen Augenblick, aber doch nicht ein ganzes Leben lang, oder?
    Ich weiss, so zu denken ist vielleicht nicht ganz leicht. Aber mir hat es geholfen. Und jetzt bin ich im Frieden mit meinem Vater, Mutter, Brüder, Tante...

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