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bei ADHS bei Erwachsenen Forum
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  1. #61
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 40

    AW: was habt ihr trotz ADHS erreicht.

    Schule mit ach und Krach,ab dann ging es Ausbildung im Handwerk gemacht ohne große Probleme, danach öfter die Firma gewechselt aber mir Absicht um verschiedenste Bereiche zu lernen, .

    dann längerfristig in Betrieb gearbeitet, meist zum Vorarbeiter geschafft, Projektleiter usw.

    Kaum Stress im Berufsleben gehabt.

    Heute selbständig,leider kann ich mich in vielen Bereichen nicht selbst verwirklichen sonst währe ich wohl schon woanders.

    wahr schon immer Kreativ, und wurde immer geholt wo es Probleme gab

    Brauche aber auch immer andere die mit mir was umsetzen und an eine Sache glauben.

  2. #62
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 49

    AW: was habt ihr trotz ADHS erreicht.

    Hi,

    Ich hab Abi, Diplom Abschluss, Frau mit zwei Kindern und einen Job.

    Naja was Schule und Uni anging muss ich sagen, war es sehr schwer und mit viel Kraftaufwand verbunden:/ habe mich oftmals auch durchgeschlängelt.

    Aber habe es trotzdem immer irgendwie geschafft, Beruf ist oftmals zwar auch schwierig, aber komme trotzdem immer wieder klar.

    Muss dazu sagen, dass ich mir ein schauspielerisches Können angeeignet habe und in bestimmten Situationen daraufhin umschalte und Verhaltensweisen kopiere, womit sich einiges umgehen lässt.

    Zudem nutze ich die Impulsivität um hervorzustechen, wenn die anderen noch nachdenken ich aber schon 5 Schritte weiter bin, naja damit kann man zwar auch auf die Nase fallen aber was Solls

  3. #63
    Bin hier neu, seid lieb zu mir

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 5

    AW: was habt ihr trotz ADHS erreicht.

    Also, ich habe ein Studium abgeschlossen - war mühsam (12 Semester statt 9), aber dann doch geklappt. Anwaltspatent auch geschafft und vor einigen Jahren mit 45 noch ein Master-Nachdiplom, so zum Testen, ob ich das noch kann. Es geht, aber ich hatte und habe immer Schwierigkeiten, mich zu motivieren und genüge vor allem meinen eigenen hohen Ansprüchen nie.

    Trotzdem habe ich heute einen interessanten, abwechslungsreichen Job, der mich ausreichend fordert. In letzter Zeit allerdings Überarbeitung und Frust, dass ich täglich bloss "heisse Luft" und Papier oder elektronische Daten produziere, Bewegungsarmut macht mich depressiv - aber das Alter fordert auch seinen Tribut. Obwohl an sich hyperaktiv, bewege ich mich heute zu wenig, was Frust hervorruft. Bin im Krisenstab meiner Firma, weil ich schnell kreative Lösungen entwickeln kann, habe dort aber Menschen um mich, die meine Gedankenflut strukturieren und kanalisieren und verhindern, dass ich mich verzettle. Habe die Erfahrung gemacht, dass ich weiter komme, wenn ich transparent meine Schwächen kommuniziere - kann man je nachdem aber nicht empfehlen. Meine eigene Karriere neigt sich eh langsam der Zielgeraden entgegen ...

    Mein ADHS konnte mich nicht derart behindern in der Ausbildung, dass ich "versagt" hätte, letztlich habe ich vieles erreicht - aber im täglichen Leben verfolgt es mich auf Schritt und Tritt: ich musste mich aktiv konditionieren, um die Angst zu mindern, vor Menschen ein Thema präsentieren zu müssen. Ich hasse Small-Talk und Steh-Aperos im Büro und Termine um 08:00 Uhr, pünktlich!. Ich bin auch im Büro ein Rebell und Querdenker und "Zuspät-Kommer", der ab und an seine "knappen 5 Minuten" hat. Im privaten Umfeld behindert mich ADHS einiges mehr ...

    Kopf hoch, ADHS'ler sind dafür meist stressgewohnter. So - schon wieder ablenken lassen. Back to work!

  4. #64
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 31

    AW: was habt ihr trotz ADHS erreicht.

    Nach schwerer Grundschulzeit habe ich die Hauptschule besucht und anschließend eine Ausbildung als Elektroniker abgeschlossen. Einige Jahre später holte ich dann die Fachhochschulreife nach und absolvierte danach ein Studium im IT-Bereich. Seit 15 Jahren bin ich nun als Entwickler tätig.
    Während des zweiten Bildungsweges hat mir meine liebe Frau sehr geholfen. Sie konnte mir in Englisch Nachhilfe geben und half mir beim Strukturieren des Lernens und motivierte mich und gab mir nicht selten den nötigen 'Kick', wenn ich mal wieder das Lernen vor mir her schob.
    Geändert von TrailofGrief ( 7.06.2016 um 08:45 Uhr) Grund: typo

  5. #65
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 43
    Forum-Beiträge: 478

    AW: was habt ihr trotz ADHS erreicht.

    Toller Thread! Ich finde es total spannend Eure Beiträge zu lesen und habe nebenbei im Kopf schon an meinem eigenen gefeilt .

    Ich habe meine ADHS Diagnose erst im letzten Jahr erhalten. Davor war ich halt immer die Chaotin, sprunghaft, impulsiv, temporär begeisterungsfähig usw.

    Grundschule war so lala, die Lehrerin hat mich gehasst. Dann Wechsel aufs Gymnasium, damals noch reine katholische Mädchenschule mit Nonnen als Lehrer. Ging natürlich total in die Hose und dank meiner guten Intuition nach 2 Jahren freiwillig auf die Realschule abgegangen, bevor sie mich endgültig rausgeschmissen hätten.

    Realschule mit erweitertem Realschulabschluss abgeschlossen, trotz 5 in Mathe. Da hat mein Kopf ab der 9. Klasse abgeschaltet. In Englisch und Deutsch war ich aber sehr gut. Gelernt habe ich aber nicht wirklich. Ich habe damals nicht eine Vokabel im herkömmlichen Sinne "gepaukt". Dafür habe ich etliche Samstagabende am Radio verbracht, die Top 100 auf Kassette aufgenommen und dann stundenlang mit Pause und Play die Liedertexte aufgeschrieben und dann ins Deutsche übersetzt. Heute ist mir klar, dass das auch Lernen war, nur eben auf andere und für mich bessere Weise. Mittlerweile spreche ich nahezu perfekt Englisch und darauf bin ich sehr stolz.

    Nach der Schule auf Drängen meiner Mutter (Du musst doch was Lernen!!) eine Ausbildung zur Hotelfachfrau gemacht. Ich habe damals ganze 2 Bewerbungen geschrieben und hätte bei de Stellen haben können...mann waren das noch Zeiten!

    Habe in der Ausbildung ziemlich schnell gemerkt, dass die üblichen Aufgaben einer Hotelfachfrau, nämlich Service und Housekeeping usw., so gar nicht mein Ding waren. Laaaaangweilig! An der Rezeption hätte ich erst beinah auch verkackt, aber ich hatte damals eine ganz tolle Empfangschefin, die mir ordentlich in den Hintern getreten hat. Die Frau hat mich bis heute geprägt und ich habe immer noch einige ihrer Redewendungen in meinem Repertoire. Die Ausbildung habe ich im praktischen Teil mit 1,6 und im theoretischen Teil mit 4,3 bestanden. Ich wurde auch übernommen, aber als Bedingung musste ich mich erst bei meiner Berufsschullehrerin schriftlich entschuldigen, weil ich mich mit der mal wieder in der Wolle hatte.

    Ich habe dann einige Jahre in mehreren Hotels an der Rezeption gearbeitet.

    Ich habe aber immer wieder Phasen gehabt, in denen ich mein Leben nur unter extremen Anstrengungen bewältigen konnte.

    Ich habe in viele verschieden Branchen geschnuppert und konnte mich immer sehr schnell einarbeiten. Sobald die Routine einsetzte, kam ich aber irgendwann gar nicht mehr klar und habe mir einen neuen Job gesucht. Mein Lebenslauf ist daher mittlerweile 3 Seiten lang.

    Ich habe "nebenbei" noch einen Sohn (mit ADHS Diagnose seit dem 5. Lebensjahr) großgezogen und es war kein Zuckerschlecken. Der Vater war in der Vergangenheit eher ein Problem als eine Unterstützung, mittlerweile gibt es gar keinen Kontakt mehr.

    In meinem letzten Unternehmen habe ich mich ursprünglich als Kundenbetreuerin beworben, fand aber die Tätigkeiten (hauptsächlich Rechnungen ins System tippen) schon am Probearbeitstag sooo langweilig, dass ich das im Gespräch dann auch gesagt habe. Fand der Chef wohl irgendwie gut, denn er bot mir die Stelle der Abteilungsleiterin, welche ich nach etlichen schlaflosen Nächten und gutem Zureden meiner Mutter auch angenommen habe. Es folgte eine aufregende Zeit. Die Abteilung war total desolat und ich musste erstmal "aufräumen". Das habe ich anscheinend gut gemacht, denn nach einem Jahr kündigte meine Vorgesetzte und man bot mir den Job der Bereichsleitung an. Den habe ich dann ca. 3 Jahre relativ erfolgreich, aber mit extremen Aufwand, gemeistert.

    Letztes Jahr im Mai dann der totale Zusammenbruch, Die Vorzeichen, welche es schon seit langem gab, ewig ignoriert. Habe zum Schluss nur noch "funktioniert". Hatte sämtliche sozialen Kontakte außerhalb der Familie "einschlafen" lassen. Die meisten davon konnte ich nicht mehr wecken.

    Momentan geht es mir immer noch nicht besser. Bin seit über einem Jahr AU und bin mir mittlerweile sicher, dass ich den Job nicht mehr machen kann und will.
    Habe das Gefühl, dass ich nie wieder richtig auf die Beine komme. Der jahrelange "Raubbau" an mir selbst hat mich anscheinend vorzeitig altern lassen.

    Trotzdem bin ich stolz, auf das was ich alles geschafft habe.

    Ich frage mich manchmal aber auch, was ich alles hätte schaffen können, hätte ich kein ADHS oder wenigstens früher gewusst, dass ich es auch habe.

    Tja...hätte hätte Fahrradkette.

    Und schon wieder länger geworden, als geplant. Hat aber gut getan, dass alles mal runter zu schreiben.
    Geändert von LadyCuckooo ( 7.06.2016 um 08:44 Uhr)

  6. #66
    Gesperrt (Mehrfachaccount)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 62

    AW: was habt ihr trotz ADHS erreicht.

    Anfangs hab ichs total verbockt, Diagnose im Grundschulalter dann gings Bergauf, In der Pupertät steil Bergab.. Tabletten nicht genommen rebelliert und so weiter

    Hauptschulabschluss gerade so geschafft, Ausbildungsplatz mit ach und krach gefunden aus lauter Dummheit abgebrochen dann war ich kurzzeitig Arbeitslos und dann kam meine persönliche Wende!

    Ich hab per Fernschule meinen Realschulabschluss und danach mein Abitur nachgeholt und jetzt Studiere ich Ökotrophologie und gehe nebenbei in 2 jobs Arbeiten,

    verdiene mein eigenes Geld, bin unabhängig und bekomme soweit eigentlich alles relativ gut auf die reihe...

    Natürlich hab ich auch in vielen dingen meine Probleme wo ich zb hilfe von anderen bekomme (Formulare ausfüllen, Haushaltsbuch führung und so zeug)

    In naher Zukunft werd ich mir hilfe in Form einer richtigen ADS Therapie holen damit ich lerne so richtig damit um zu gehen da ich echt persönliche Probleme mit dem Defizit und mir selbst habe..

    aber ich finde ich habe schonmal einen recht guten Anfang hingelegt für meine Therapie und so.. Also ich bin recht stolz darauf das ich es begriffen habe und das ich in so kurzer zeit so viel geschafft habe obwohl oder gerade weil es erst so Bergab ging und jeder meinte ich wäre so ein typischer Harz - assi...

  7. #67
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 908

    AW: was habt ihr trotz ADHS erreicht.

    @LadyCuckooo :

    Du bzw. ihr habt es wenigsten geschafft, dass ihr bestimmte Dinge "durchgezogen" habt (wenn ich mir den Thread anschaue) und einige sind ja relativ weit gekommen.

    Ich selbst habe im Leben immer relativ schnell aufgegeben und es nicht wirklich zu einen "ordenlichen" Arbeitsleben geschafft oder ähnliches. Das mag vielleicht auch an meine Begleiderkrankungen liegen (extreme Vermeidungshaltung und Probleme mit Vorgesetzten usw, usw ((obwohl ich ein relativ vernünftiger Mensch bin und mich viele auch dafür halten)).

    Es ist nicht einfach zu erklären, da ich es oft selbst nicht verstehe (na ja, wie soll man es auch). Auch wenn ich mich selbst nicht dafür halte, so bin ich wohl gesellschaftlich gesehen eine "Null".

    Dennoch hatte ich immer den Willen etwas zu ändern, aber wohl weniger die Kraft und die Ausdauer dazu.

    Ich weiß nicht ob ich einen IQ von 0 habe oder von 150, da ich mir gegenüber selbst sehr verschlossen bin und schnell "abschalte". Ich weiß aber, dass ich gegenüber anderen wohl einen relativ intelligenten Eindruck mache und als sehr vernünftig gehalten werde. Ich selbst kann diese Aussagen ehrlich gesagt nicht einmal genießen.

    Obwohl ich relativ zufrieden bin und mit meinen Leben relativ gut zurecht komme, ist es dennoch nicht zu leugnen, dass es keineswegs das Leben eines Menschen ist wie man es erwartet.

    Manchmal frage ich mich ob ich froh bin diese "Krankheiten" zu haben oder sie lieber nie gehabt zu haben. Ehrlich gesagt ist es eine sehr schwierige "Frage", da ich die "normale" Welt nicht wirklich "toll" finde.

    Ich denke, dass mein größtes Problem eigentlich "nur" der Scham ist, dass man nicht das erreicht hat was die Gesellschaft von einen erwartet.
    Meiner Meinung nach komme ich besser zu recht als viele andere in meiner Umgebung.

  8. #68
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 910

    AW: was habt ihr trotz ADHS erreicht.

    Obwohl ich relativ zufrieden bin und mit meinen Leben relativ gut zurecht komme, ist es dennoch nicht zu leugnen, dass es keineswegs das Leben eines Menschen ist wie man es erwartet.
    Immer weniger Menschen haben den Mut, ihr Leben so zu leben, wie sie es gerne möchten.

    Immer weniger Menschen haben den Mut zu einem "quiet life".

    Dabei kann so ein selbst-genügsames Leben das schönste Leben überhaupt sein.

    Und in gewisser Weise ist das dann auch wieder ziemlich revolutionär Aber das ist unwichtig.

    Wichtig ist, dass man nur dieses eine Leben hat. Und kein zweites auf der Bank oder in der Sockenschublade.

    Ein einziges Leben - und wenn man es so verbringt wie man möchte, dann sollte man es in vollen Zügen genießen!

    Am Ende steht nämlich nicht auf deinem Grabstein : "Er hat
    nicht das erreicht hat was die Gesellschaft von einen erwartet
    "


    Und das klingt nach Lebens-Könnerschaft mit Zufriedenheits-Potenzial:

    Meiner Meinung nach komme ich besser zu recht als viele andere in meiner Umgebung

  9. #69
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 96

    AW: was habt ihr trotz ADHS erreicht.

    Ich habe teils alles verbockt, teils einiges geschafft.

    Meine Diagnose erhielt ich erst letztes Jahr. In der Schulzeit hatte ich vor allem Probleme mit meiner Schrift und Mathe, begeistert und unschlagbar war ich in Astronomie, Wirtschaft und Informatik. Ich habe nen entsprechend durchwachsenen Realschulabschluss gemacht. Dann war ich in einer kaufmännischen Ausbildung, die ich abgebrochen habe, u.a. weil wir als Schwangerschaftsvertretung in Maschinenschreiben dann plötzlich Stenographie reingedrückt bekamen. Dort stand ich auf ner glatten 6 - ich konnte das zwar lesen und verstehen, aber mit meiner Schrift nicht schreiben. Außerdem hatte ich mich, wie zig Leute vor mir, an der Berufsschule in ne fremde Klasse bei Freunden dazugesetzt und ausgerechnet bei mir, der ich sonst nie irgendwie auffällig war, wollten wie Lehrer dann ein Exempel statuieren in Form des Rauswurfs.

    Dann jobbte ich im Callcenter, lernte dort ein paar nette Griechen kennen mit einer Geschäftsidee, die nur nen Informatiker brauchten. Wir erstellten nen Businessplan, gingen zu nem BWL-Prof, ließen uns von dem zerreißen, überarbeiteten das Dokument und er empfahl uns dem Gründer eines Nemax-notierten Unternehmens. Der nahm unseren Businessplan wieder auseinander, stellte uns aber nen Unternehmensberater zur Seite. Nach monatelangen Korrekturschleifen sagte er ne Investition von 500.000 € zu. Höchste Glücksgefühle! Zwei Monate später bekam ich morgens den Anruf, dass er zusammen mit seinem Mitgründer in U-Haft sei wegen Bilanzbetrugs, wie's damals am Neuen Markt Gang und Gäbe war. Traum geplatzt. Ich schrieb noch ein-zwei Artikel im Netz über mobile Technologien und was ich gelernt hatte, dann war's das.

    Dann zog ich durch weiblichen Liebreiz gelockt woanders hin, begann an nem Wirtschaftsgymnasium das Abi nachzuholen. Es machte mir Spaß, aber das entsprechende BaföG wurde nach sechs Monaten nicht zugesagt und mir ging die Knete aus. Ich musste das Gymnasium verlassen, mir etwas anderes einfallen lassen. Zufällig wurde da die "Ich-AG"-Förderung eingeführt und ich war einer der ersten in der Stadt, die das wahrnahmen. Ich arbeitete auf Sozialhilfeniveau als Entwickler, gerade, da es noch ein paar andere in der Region gab und kaum Aufträge. Ich hatte keine Knete, nicht oft war mein täglich 'Brot' ne Tüte Chips von Aldi aus irgendwo noch gefundenen 45 Cent in Kleinstmünzen. Es war trotzdem meine glücklichste Zeit, ich war frei von jedem Zwang, lebte irgendwie und konnte Tag und Nacht stundenlang draußen rumspazieren, trainieren und meine Musik hören.

    Dann dachte ich mir, ich sollte nun mit 25 vielleicht endlich mal ne Ausbildung auf die Reihe kriegen. Ich fand eine Umschulungsmaßnahme zum Fachinformatiker, die man auch als Mensch ohne Ausbildung besuchen konnte. Ich meldete mich arbeitslos und beantragte die Förderung durch das Arbeitsamt. Damals gab es noch einen Rechtsanspruch für Leute bis einschl. 25 ohne Ausbildung für sowas - ich glaube, dass der Anspruch dann irgendwann gestrichen wurde. Ich nahm die Ausbildung auf, höchst motiviert und begeistert und glaubte, was lernen zu können. Wie sich schnell herausstellte, zockte der Träger nur das Amt ab, indem er die Umschulungswilligen ihrer letzten Chance beraubte. Die Dozenten waren billigst bezahlte, gescheiterte Existenzen mit ganz ganz schlechtem Fachwissen. Ich habe dann jede Menge kostenlose Nachhilfe angeboten und viele nahmen das dankend an. Die meisten von Ihnen kamen dann durch die Prüfung. Ich nicht. Ich hatte das tollste Projekt, das beste Fachwissen, aber meine Projektarbeit entsprach nicht ganz den Anforderungen an Formatierung, etc. Ich verlängerte um sechs Monate und schrieb die Abschlussarbeit diesmal nicht nur in den letzten 48 Stunden, sondern vielleicht 96. Ich bestand, noch immer mit fettem Punktabzug im Formbereich und tollen Fachnoten, gerade so.

    Fast zeitgleich mit meinem Abschluss las jemand aus einer ortsansässigen, winzigen IT-Firma meine Uralt-Artikel von früher und schrieb mir überall, wo ich mich mal angemeldet hatte. Nachdem man jahrelang Webauftritte abgehalfterter Stars gepflegt hatte, kam man über das aufgebaute Vitamin B an einen grandiosen Auftrag von einem Industriekonsortium, hatte aber keinen Fachmann, der sich mit der speziellen Technik auskannte. Da kam ich ins Spiel. Ich entwickelte mit einem kleinen Team eine Plattform, die heute noch jeder indirekt benutzt, wenn er sich ein bestimmtes Produkt an Warenautomaten irgendwo in Mitteleuropa zieht. Wurde ich reich und schön? Nein, denn der beklopppte Boss der kleinen IT-Firma war der Meinung, dass man im "Big Business" keine Verträge macht, sondern echte Geschäftsmänner etwas per Handschlag beim teuersten Whisky der Stadt besiegeln. Das Industriekonsortium lachte und machte sich samt Produkt aus dem Staub.

    Währenddessen hatte mich ein Freund darauf angesprochen, dass in der Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung in der Nähe, in der er arbeitete, eine Menge schief lief. Ich war sofort Feuer und Flamme und zog mit ihm nebenher eine Bürgerinitiative auf, um den Betreuten zu Helfen. Wir hatten eine recht Erfolgreiche Pressekampagne und es wurde ein Notvorstand eingesetzt, dem ich wiederum bei der Beweissicherung half. In der Einrichtung waren einige wenige gute Erzieher beschäftigt. Als die Beweise der Aufsichtsbehörde vorgelegt wurden, wurde der Träger der Einrichtung ersetzt. Wir hatten aber schon den Plan gestrickt, dass eben diese guten, engagierten Leute fortan ihre berufliche Zukunft selbst gestalten können sollten. Wir gründeten eine eigene Einrichtung, wo ich einige Jahre als Vorstandsvorsitzender erst ehrenamtlich, dann hauptberuflich für die Finanzen zuständig war.

    Meine ADHS-typischen Angelegenheiten wie z.B. Ordnung am Schreibtisch waren den anderen aber ein Dorn im Auge, was ich merkte und mich bedrückte. Ich beschloss also, den Job aufzugeben und weiter in der Informatik zu machen. Die Einrichtung bleibt, arbeitet toll, wächst und gedeiht.

    Ich zog um, heiratete und begann die Arbeit in ner kleinen IT-Firma. Der Chef nervte mich zusehends, ich habe offenbar ein Problem, mich unterzuordnen. Ich verließ die Firma und machte mich wieder selbständig. Einen guten Namen machte ich mir im E-Commerce Bereich. Endlich lief mal was. Ich wurde immer wieder weiterempfohlen, bis ich im letzten Frühjahr begann, für zwei Wertpapierhandelsbanken ein automatisches Handelssystem zu bauen. Das hat mich erfüllt, ich fühlte auch, dass mich die Jobs vorher schlicht überforderten. Aber wie sich inzwischen herausstellte, wird das Projekt wohl nicht profitabel laufen, obwohl alles super funktioniert. Die Marktumstände haben sich einfach verändert.

    Nun habe ich eine UG mit einem Freund gegründet, da wir aus unserer Erfahrung ein paar Dienstleistungen und Produkte gestrickt haben - für Unternehmen und gemeinnützige Einrichtungen. So sehe ich jetzt dem Scheitern des aktuellen Projekts entgegen und freue mich schon fast darauf zu sehen, was die nächste Herausforderung wohl sein wird. Die Quintessenz aus meinem Leben bis hier ist für mich, dass der Fall keine Niederlage ist, wenn man sich wieder aufrappelt. Ich habe kein schlechtes Leben bis hierher gehabt, es war immer verdammt spannend und gerade dann, wenn ich nicht über meinen Schatten springen konnte, hat es mir in irgendeiner Weise etwas gebracht. Das werde ich auch irgendwie an meine Kinder weitergeben, denke ich. Und wenn aus ihnen bis 30 niemand geworden ist, der nen geradlinigen Lebenslauf auf die Reihe bekommen hat - egal! Es ist nie zu spät, das Leben ist voller neuer Anfänge. Ich sehe das ganz positiv

  10. #70
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 55

    AW: was habt ihr trotz ADHS erreicht.

    Die Bilanz ist durchwachsen. Ich habe, obwohl ich mich selbst auch gern mal als träge, bzw. in gewissen Strukturen verhaftet, empfinde, doch relativ viel gemacht. Den spannenden Lebenslauf, der sehr früh hier im Thread mal genannt wurde, habe ich auch. Gutes Abi, drei nicht abgeschlossene Studien, aber immerhin hab ich angefangen, obwohl zumindest eines recht hohe Anforderungen im Vorhinein brauchte (Medizin). Aber meine Eltern waren auch recht streng und fordernd.

    Mittlerweile mach ich einen Job, den es zu meiner Abizeit noch nicht gab und der von schneller Reaktion und Auffassungsgabe lebt. Ich mache quasi beruflich fast das, was ich sonst auch privat machen würde. Ich habe irgendwann erkannt, dass mich sonst nix wirklich zufrieden genug macht und unzufrieden vermag ich nur wenig zu leisten. Diese Erkenntnis und daraufhin auch das Erreichen dieses Ziels ist sicher etwas, das ich erreicht habe. Allerdings hab ich es nie so gut wie andere geschafft, aus dieser Begabung auch monetäre Vorteile zu generieren. Ich habe eine langjährige glückliche Beziehung geführt. Ich weiß, ich habe tolle Freunde, aber ich lasse sie zu selten an mich ran, halte Kontakt zu schlecht. Insgesamt habe ich ziemlich viele Tage ziemlich zufrieden verbracht. Das ist vielleicht die wertvollste Erkenntnis. Meine Selbstwahrnehmung ist nicht die beste, aber wenn ich mir Freunde wähle, hab ich ein ganz gutes Händchen, scheint es. Viele Dinge hab ich nicht erreicht. Oder noch nicht, positiver betrachtet. Aber es war zumindest die meiste Zeit spannend.

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