Seite 2 von 3 Erste 123 Letzte
Zeige Ergebnis 11 bis 20 von 29

Diskutiere im Thema AD(H)S - Defizite an sich selbst akzeptieren im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #11
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 547

    AW: AD(H)S - Defizite an sich selbst akzeptieren

    Hallo,

    die Phasen dir ihr beschreibt hab ich auch durch.

    Diese unbändigbare Wut kenne ich auch - die hatte ich bereits im Kindergarten. Mit 4-5 Jahren hatte ich schon so einen Hass gegen meine Umwelt, weil mir alles so ungerecht vorkam - ich habe mich damals bereits an meinen Kindergartenkollegen (wie nennt sich das eigentlich richtig? ) heimlich gerächt... nie hat jemand mitbekommen, dass ich es war, aber jedes mal gabs Ärger... das war nicht ok, aber anders konnte ich mich damals nicht ausdrücken.

    Das ging in der Schule weiter - ich hatte einen riesigen Hass auf meine Lehrerin in der 1 und 2. Klasse - genauso auf meine Klassenkameraden und die Schule überhaupt. Auch da habe ich mich heimlich gerächt - wieder wusste keiner dass ich es war.

    Die allgemeine Wut ist inzwischen vergangen, jetzt bin ich nur noch auf bestimmte Personen wütend: die Lehrerin in der 1. und 2. Klasse weil sie die schwächeren Schüler niedergemacht hat, meinen Chef, dass er das Treiben des einen Kollegen jahrelang ungesühnt gelassen hat (obwohl er davon wusste) und damit das ganze Team ins Unglück gestürzt hat und meine Eltern, weil die mich unbehandelt ließen obwohl ich oft sagte ich sei unglücklich (manchmal wollte ich tot sein und sagte das auch) und sogar der Kinderarzt auf meine Entwicklungsstörung hingewiesen hat (aber da hätte man ja zugeben müssen, dass man Fehler gemacht/selbst ein Problem hat).

    Das ging dann irgendwann - vielleicht mit 10 - 11 Jahren in die Phase "Ihr könnt mich alle mal" über.
    Da war mir dann alles egal, ich habe mich nicht mehr wirklich für meine Umwelt interessiert. Ich hatte zwar schon Leute die ich als Freund bezeichnen würde, aber immer nur einzelne auf die ich total fixiert war und ob die andren auch solche starken Gefühle hatten weiß ich nicht - so schnell wie manche "Freundschaft" beendet war, scheinbar nicht. Ging es dann mit einer "Freundschaft" den Bach runter, war ich wie in einem Loch. Während meiner Pubertät habe ich nur eine fest Freundin gehabt - Anschluss an andere zu finden gelang mir nicht wirklich bzw. ich habe es auch gar nicht mehr versucht, weil ich eh mit einem Scheitern und weiteren Schmerzen rechnete.

    Gegen Ende der Pubertät lernte ich meinen Freund kennen. Der war und ist mir eine große Stütze, aber immer noch fühlte ich mich total unverstanden und vor allem ungerecht behandelt.

    Begonnen mit mir Frieden zu schließen habe ich so richtig erst vor gut einem Jahr (das Akzeptieren der Langsamheit vor 12 Jahren war nur ein kleiner Schritt) - vielleicht hat das auch etwas mit dem Beginn der Medikamenteneinnahme zu tun die auch in diesen Zeitraum fällt. Auch die Reha im Frühling hat nochmal was in mir ausgelöst. Da habe ich sowas wie Demut gelernt, außerdem wurde mir da vor Augen geführt gefühlt, dass ich doch eigentlich trotz allem ziemliches Glück hatte. Ich durfte mit beiden Elternteilen aufwachsen (was oft zwar nicht leicht war mit einem impulsiven und aggressiven Vater), musste in der Kindheit keine Schicksalsschläge verkraften, hatte keine schwere Krankheit. Auch konnte ich einen hohen Bildungsstand erreicht - eben weil ich vor 12 Jahren mein eigenes Lerntempo entdeckt habe. Ich habe einen Job der mir ein gutes Auskommen sichert und der mir Spaß macht (von der Überforderungsgschichte letztes Jahr mal abgesehen - aber selbst das hatte seinen Sinn - jetzt im Nachhinein gesehen), habe liebe Kollegen und einen tollen Freund.

    Manchmal habe ich mich in der ADHS-Gruppe dort etwas fremd gefühlt. Ich hatte teilweise ein leicht schlechtes Gewissen, nicht nur in der ADHS-Gruppe, auch sonst als ich gehört habe, was andere schon durchgemacht haben bzw. wie lange die schon damit zu tun haben. Ich war ja eine der jüngsten dort und viele andere kämpfen teilweise schon Jahrzehnte mit Depressionen, Ängsten, Zwängen, Süchten usw. und haben sich immer noch nicht aufgegeben - das hat so einen tiefen Respekt und auch Dankbarkeit in mir ausgelöst - dass ich manchmal nur mit großer Kraft die Tränen zurückhalten konnte. Ich musste mich dann zurückziehen und das alles verarbeiten. Aber auch das habe ich mir zugestanden - dass es mich berühren DARF, dass der Druck auch in Form von Tränen raus DARF. Ich habe mich nicht dafür geschämt, vor anderen wollte ich es zwar nicht zeigen, aber ich habe mich nicht mehr selbst für die Gefühlsregungen verurteilt und fertig gemacht.

    Ich bin in einer eher gefühlsarmen Umgebung aufgewachsen - meine Eltern haben nie über ihre Gefühlte gesprochen und auch Gefühlsäußerungen meinerseits wurden ab einem gewissen Zeitpunkt eher missbilligend zur Kenntnis genommen. Man hat zu funktionieren, seine Arbeit zu machen und ansonsten den Mund zu halten.
    Eigene Bedürfnisse und Ansichten interessieren nicht - man hat sich dem Kollektiv anzupassen, denn das zählt und gibt vor was richtig und was falsch ist. Damit konnte ich noch nie umgehen - daher bin ich früher so oft angeeckt - ich habe meine eigenen Meinungen, Ansichten und Strategien.
    Langsam komme ich wieder an mich heran - stehe mir Gefühle und Empfindungen jeglicher Art, besonders tiefe Gefühle für meine Mitmenschen, ein (auch bei meinem Freund fiel es mir lange schwer tiefe Gefühle und Vertrauen zu empfinden). Ich mache derzeit positive Erfahrungen - besonders mit Mitmenschen - das gibt mir Gewissheit, dass doch irgendwas an mir sein muss was ok ist.

    Es ist ein langer Weg und ich verstehe alle, die dieses Thema eher mit Skepsis betrachten - vor zwei/drei Jahren hätte mir damit auch keiner kommen brauchen - aber die Extremsituation letztes Jahr hat irgendwas in mir ausgelöst oder auch mit meiner Umgebung. Es hat mich irgendwie verletzlich/menschlich gemacht - früher war ich ein kaltes Pokerface, bloß keine Gefühle nach außen tragen.
    Ich gehe mit meinem Zusammenbruch letztes Jahr auch offen um (nicht mit ADS) - ich merke auch schnell wer dafür offen ist und wer nicht - teilweise noch bevor die Sprache darauf kommt.
    Trotzdem ist es noch anstrengend, besonders sich vor anderen zu verteidigen oder wenn wieder Rückschläge kommen ("Warum schon wieder?" "Das kann doch jetzt echt nicht sein!" usw.).

    lg Susilein
    Geändert von Susilein (18.09.2015 um 13:05 Uhr)

  2. #12
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 243

    AW: AD(H)S - Defizite an sich selbst akzeptieren

    Nicht so einfach, die Thread-Frage zu beantworten, es wechselt ständig. Komme grade aus der Reha, die mir nicht gut getan hat, eher ist die Frustration größer geworden. Vor der Reha war ich noch in dem Stadium, relativ neu (2 Jahre) das ganze Spektrum des ADHS für mich zu entdecken und Erleichterung zu spüren. Es ist nun mal erleichternd, endlich zu wissen, dass es einen Grund für die ganzen Probleme gibt, für die ich also nicht alleine verantwortlich bin. In der Reha wurden mir meine Unzulänglichkeiten wieder stärker bewusst, da es ja ein konzentrierteres Leben ist als der übliche Alltag. Ich sah mich wieder stärker in der Außenseiterrolle, u.a. da ich in den falschen Gruppen war. Ich war auch kräftemäßig nicht in der Lage, mich um mich selbst zu kümmern und die Situation für mich zuverbessern. Ansonsten habe ich mich in den letzten Jahren so sehr zurückgezogen, dass ich nicht allzu viele Situationen erlebe, um den Umgang mit den Defiziten auszutesten. Was nützen da meine Grübeleien.

  3. #13
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 5

    AW: AD(H)S - Defizite an sich selbst akzeptieren

    Hey Leute,

    ich danke euch für eure Beiträge, denn es macht mir Hoffnung, dass ich es vll auch irgendwann einmal schaffe, mich, meine ADS, meine Schwächen zu akzeptieren...

    gleichzeitig fühl ich mich dadurch schuldig, denn ich sehe, was manche von euch schon durchmachten, und ich bin mit meinen 22Jahren doch erst am Anfang und mir gehts doch eig gut, und komme trotzdem nicht zurecht....

    ich hasse das Gefühl der "Alienartigkeit", dass ich weder Ordnung in meinem Hirn noch in meiner Wohnung halten kann, dass ich zwar oft motiviert bin Aufgaben zu übernehmen, bei der lägerfristigen Erarbetiung mir aber schon vor der Hälfte die Puste ausgeht, dass ich oft einen Tag durch Träumereien vertrödele, wo ich doch eig. was anderes zu erledgien müsste, dass ich von Gefühlen und Emotionen regelrecht überrollt werde udn ich deswegen ziemlich launisch bin.... dass ich immer Angst habe, etwas falsch zu machen, und mich deswegen auch im sozialen Leben oft zurückziehe.... manchmal verachte ich mich selbst dafür....

  4. #14
    Bin hier neu, seid lieb zu mir

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 28

    AW: AD(H)S - Defizite an sich selbst akzeptieren

    Hey
    Bin 23 und kann sehr gut nachvollziehen was du sagst! Mache im Moment auch so ein Selbstverständniswandel in Bezug auf mich selbst durch und stoße auch genauso wie du immer wieder an meine Grenzen!


    Generell ist akzeptieren beziehungsweise beobachten von Gefühlen und Problemen ja die einzige Möglichkeit damit umzugehen. Und bei einer Situation gilt ja, dass man sie entweder verlassen, akzeptieren oder verändern kann. In Bezug auf ADS ist ja dann nur noch eines möglich, nämlich akzeptieren. Alles andere macht keinen Sinn, sondern verursacht Schmerzen, da man sich, wenn man gegen die Probleme mittels Verstand ankämpft damit identifiziert (Vor allem mit dem was in der Vergangenheit passiert ist). Aber wir sind ja nicht ADS, das macht nicht unsere Persönlichkeit aus. Und ganz oft hilft es sich einfach mal zu fragen: Was habe ich gerade für ein Problem?
    Meistens hat man nämlich gar keins!! sondern ist mal wieder voll und ganz mit dem Verstand identifiziert der einem gerade klarmachen will wie blöd, vergesslich, unfähig und was weiß ich nicht sei, weil man dies und jenes getan hat.

    könnte ein Buch dazu empfehlen.. wenn ich das darf vorrausgesetzt

  5. #15
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 5

    AW: AD(H)S - Defizite an sich selbst akzeptieren

    Danke

    die Buchempfehlung hätt ich gern

  6. #16
    Bin hier neu, seid lieb zu mir

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 28

    AW: AD(H)S - Defizite an sich selbst akzeptieren

    Eckhart Tolle: Jetzt-die Kraft der Gegenwart

  7. #17
    Impulsbombe

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 58
    Forum-Beiträge: 3.126

    AW: AD(H)S - Defizite an sich selbst akzeptieren

    Ob ich mich akzeptieren kann wie ich bin, ist eine Frage des Selbstwertgefühls. Wenn es groß ist kann ich meine Schwächen als Teil von mir annehmen. Wenn mein Selbstvertrauen im Keller sitzt sind Selbstzweifel und Schuldgefuhle an der Tagesordnung

    Gesendet von meinem GT-I9001 mit Tapatalk 2

  8. #18
    Lou


    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 254

    AW: AD(H)S - Defizite an sich selbst akzeptieren

    Defizite akzeptieren....

    puh, ich stand mir da zu Anfang massiv selbst im Weg.

    Für ein erstes Fazit ist es normalerweise noch zu früh, da heute erst die dritte MPH-Woche begonnen hat (insklusive Erhöhung nach einer Woche).
    Aber ich finde, dass es derzeit ganz gut aussieht.

    Schlimmer war, dass ich mir zu viel versprochen habe.
    Alles abgebrochen, ewig krankgeschrieben, das nimmt jedes Selbstvertrauen mit der Zeit.
    Habe das aber dadurch kompensieren können, dass ich meine Ansprüche nach oben korrigiert habe.

    Natürlich ist das irgendwo Selbstbetrug und wer an leichten Aufgaben scheitert....aber das hat mir mein Selbstbewusstsein zurückgegeben.

    Dann wusste ich, dass jetzt endlich wieder etwas geschieht, was mein Leben verbessern kann.

    Und habe mir so verdammt viel vorgenommen, dass es zunächst nur Frust war.

    Nun sage ich mir: Die kleinen Fortschritte sind okay, es wird mit der Zeit noch besser und du bist weiter als vorher.

    Hätte nicht gedacht, dass mich das so runterzieht, trotz der Fortschritte.....aber war mal wieder typisch.

    Jetzt gilt es, die Ernährungsweise zu verbessern, die Einstellungsphase durchzuziehen und das ist etwas, was mich mittlerweile freut.

    Nur zu Anfang.....wenn alles besser werden soll und man dann feststellt, dass es das nicht wurde (was auch logisch ist)....erst einmal Ernüchterung.

    Wir werden sehen.

    Schönen Abend allen

  9. #19
    Neues vorgestelltes Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 274

    AW: AD(H)S - Defizite an sich selbst akzeptieren

    Ich stolpere hier immer wieder über den Threadtitel und sags nun mal. Das klingt alles nach schwerer Arbeit. "Defizite akzeptieren" Das klingt als würde ich im harten Steinboden mit der Schaufel rumkratzen und mich wundern, dass es nicht funktioniert. Wie man da zu Gelassenheit kommen soll, ist mir schleierhaft. Es zieht mich quasi schon beim Lesen runter.
    Ich will gar keine Empfehlungen geben. Aber vielleicht ist ja die Rückmeldung ein Impuls es mal anders zu probieren und nicht jahrelang mit der Schaufel rumzukratzen.
    Musste jetzt eben mal raus.

  10. #20
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: AD(H)S - Defizite an sich selbst akzeptieren

    Wieso kratzt man mit der Schaufel wenn man etwas akzeptiert hat?
    Eher ist es doch umgekehrt, ich kratze und kratze an etwas rum, was ich eh nicht durchbrechen/ändern kann. Das heisst ja nicht, das man alles akzeptiert und sich gar nicht ändert, aber es gibt nun mal Defizite, die wird man immer haben, ob man das nun will oder nicht.
    Ich kann also ewig versuchen aktiv dagegen vorzugehen, wo es nicht geht, oder ich kann mich ewig drüber grämen, oder ich kann es akzeptieren.

    Was für ein Impuls? Und wie anders?

Seite 2 von 3 Erste 123 Letzte

Ähnliche Themen

  1. Sich zu akzeptieren
    Von Felis im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
    Antworten: 70
    Letzter Beitrag: 19.03.2015, 07:56
  2. Sich selbst finden ?!
    Von Amy24 im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
    Antworten: 26
    Letzter Beitrag: 29.12.2013, 02:34
  3. Sich und adhs akzeptieren
    Von 100% VS 0% im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 2.11.2013, 21:21
Thema: AD(H)S - Defizite an sich selbst akzeptieren im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
©2017 ADHS bei Erwachsenen Forum