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Diskutiere im Thema Ich brauche zu viele Optionen !!! im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #41
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Ich brauche zu viele Optionen !!!

    Um auch noch mal auf das eigentliche Thema zurückzukommen:

    Zunächst mal müssen wir uns darüber klar sein, dass Entscheidungen vielfältig sind.
    Treffe ich eine Auswahl beim Kauf eines Produktes oder was ich anziehen möchte oder muss ich entscheiden, welche zu erledigende Aufgabe diejenige ist, die jetzt als erste dran ist?


    Auch ich sehe hier mehr als nur ein einziges Problem.

    Und dazu gehören sowohl das Problem der Setzung von Prioritäten (was es natürlich sehr wohl gibt), als auch das Abwägen der Optionen im Rahmen der Entscheidungsfindung, als auch das Problem der Disziplin.


    Ersteres macht einem die Entscheidung als solche schwer, denn man kann z.B. nicht erkennen, welche der zu erledigenden Aufgaben nun die wichtigere, also die mit der höheren Priorität ist.

    Und genau da liegt einer der Knackpunkte in der ADHS-Symptomatik:
    Wir können das nicht erkennen.
    Für uns ist im selben Augenblick alles gleich wichtig und gleich richtig, egal wie lange wir darüber nachdenken, wir erkennen nicht, was wichtiger wäre.

    Für mich hilft da nur externe Strukturierung, sprich:
    Man muss es mir klar sagen.
    Klar, ... das bedeutet in gewisser Weise eine Form von Unselbstständigkeit, aber es nützt mir auch nichts, wenn ich da wie der Ochs vorm Berg stehe und nichts zu Wege bringe, bzw. am Ende des Tages viele Aufgaben erledigt sind, aber nicht eine einzige, die wirklich nötig und wichtig gewesen wäre.

    Anstatt meine Film zu schneiden, mache ich Hausarbeit, spüle, sauge, bügel, ich surfe hier im Forum und schreibe Antworten und versuche damit anderen zu helfen, und ach jal die Datensicherungen können auch mal wieder gemacht werden und am Schlepptop hat auch was nicht funktioniert, das muss auch noch gemacht werden.

    Das einzige, was aber wichtig war, ist das Schneiden des Films, denn mit Bügeln verdiene ich kein Geld ... jedenfalls nicht, solange ich das beruflich in einer Wäscherei mache .

    Aber ich seh's einfach nicht.
    Die anderen Sachen sind genauso wichtig und schlimmer noch:
    Wenn ich die erledige, habe ich ein sofortiges Erfolgserlebnis:
    Ich sehe den gebügelten Stapel Wäsche, die saubere Küche usw.
    Wenn ich den Film schneide, sehe ich das Geld erst viel später.
    Und schon sind wir beim Belohnungssystem und Belohnungsaufschub angekommen, wieder eine der Kernproblemzonen einer ADHS.
    Faszinierend oder?


    Genauso ist es beim zweiten Punkt, der Frage nach den Optionen.
    Wir neigen dazu, immer weiter und weiter zu schauen, ob sich nicht irgendwo noch etwas anderes findet, das besser passt.
    Wir könnten bei der Auswahl ja etwas übersehen, denn wir neigen zu Flüchtigkeitsfehlern.
    Also suchen wir weiter und weiter nach anderen Optionen, weil wir einfach unsicher sind, Angst davor haben, die falsche Entscheidung zu treffen.
    Da kommen wieder zwei ADHS Probleme zum Tragen:
    Die Angst, denn unser Angstzenrum ist ein wenig "fehlgeleitet", daher auch das Problem mit dem Belohnungsaufschub, der bei uns Angst und nicht Motivation produziert [Spitzer et al].
    Zweitens die Erfahrung, die uns lehrt, dass wir schon oft in der Vergangenheit die falschen Entscheidungen getroffen haben und dadurch werden wir immer unsicherer.
    Angststörungen sind häufige Komorbiditäten bei ADHS, aber sie sind anders, wenn ihnen eine ADHS zu Grunde liegt.
    Im Grunde dürfte man sie gar nicht diagnostizieren, denn in der Regel basieren Angsstörungen auf irrealen Ängsten, während die bei ADHS-Betroffenen auf sehr realen Erfahrungen basieren.


    Und als drittes kann man durchaus auch die Disziplin mit hineinnehmen, auch wenn die sich mit dem Setzen der Prioriäten überschneidet.
    Wenn denn die Entscheidungen soweit getroffen sind, z.B. welche Tätigkeit als erste zu erledigen ist und welche danach etc. dann muss man das auch umsetzen können, was auch wieder nicht zu unseren Stärken gehört ...
    Wie man hier deutlich sieht, denn ich sitze immer noch hier und schreibe, wohlwissend, dass ich das nicht sollte, sondern ich sollte schon längst vom Schnitt ins Compositing gewechselt haben ...
    Da nützt mir auch mein To-Do-Zettel nichts, den ich auf meinem Tisch liegen habe, ... jedenfalls nicht jetzt gerade in diesem Moment, .... obwohl ich genau weiß, was ich tun sollte ...
    Aber da sind wir wieder bei "keine Störung des Wissens, sondern eine Störung, das Wissen umzusetzen".

    Barkleys Frau hat das mal sehr net als "But first Syndrom" betitelt ...
    Man kommt nach Hause, sieht die Post im Flur, will sie lesen, geht ins Arbeitszimmer damit, sieht, dass die Blume trocken ist, geht mit der Gießkanne in die Küche um Wasser zu holen, kommt an der Treppe nach oben vorbei und da fällt einem ein, dass man noch was vom Dachboden holen wollte, geht auf den Dachboden, öffnet den falschen Karton, findet dort aber was interessantes, das man schon lange gesucht hat .... und so geht es munter weiter.
    Dabei sollte man eigentlich direkt nach dem man nach Hause gekommen ist, eine Rechnung überweisen .... wieder nix draus geworden.

    Die Ursachen dafür sind vielfältiger, als man denkt.
    Eine davon ist das Arbeitsgedächtnis, ebenfalls eine Schwachstelle bei ADS'lern.
    Es ist zu klein und sobald was anderes hineinkommt, fällt woanders etwas raus und ist weg.
    Es ist einfach verschwunden und selbst wenn wir wollten, können wir uns nicht daran erinnern.


    Und ja:
    Ich habe in allen Punkten Probleme.

    Aber das von Watchdog beschriebene ist auch bei mir besonders ausgeprägt.

    Als ich noch selbstständig war, ging es mal darum, neue Kameras anzuschaffen, die HD-Zeit war angebrochen und da war nun mal eine Investition fällig.
    Aber während alle anderen Kollegen schon munter in HD filmten, konnte ich mich nicht entscheiden.
    Ich suchte weiter nach anderen Modellen, verglich sie aufs Haar genau, bis ins Detail und suchte weiter und wartete, ob nicht morgen noch ein anderes Modell heraus kommt, das meinen Ansprüchen und Wünschen ein wenig mehr gerecht wird.
    Ich hab übrigens bis heute keine Kamera gekauft.
    Und das nicht nur, weil ich den Betrieb eingestellt habe, warum kann man sich denken, ... in meinem Fall war das nicht weiter tragbar und endete letztlich in einem Burnout und einer Erwerbsunfähigkeit und das nicht nur im selbstständigen Bereich, sondern auch in der normalen Arbeitswelt.

    Auch da war es so, dass erst am Ende des Arbeitstages der Druck so hoch war, dass ich etwas entscheiden konnte.
    Das bedeutet hohen Druck, Stress, Überstunden und am Ende den Burnout.
    Das soll keine Schwarzmalerei sein, sondern ist nur eni Fallbeispiel, mein eigener Fall halt.

    Als ADHS'ler brauche ich externe Strukturen.
    Damit gebe ich zwar einen Teil Selbstständigkeit ab, aber was nützt es mir, wenn ich mich ansonsten kaputtmache?

    Ich brauche jemanden, der mich in solchen Dingen unterstützt und mir durchaus auch einiges abnimmt.
    Das klappt allerdings nicht immer, ... ich würde mir von keinem beim Kauf einer Kamera reinreden lassen ....

    Aber ein gewisses Maß an Kontrolle muss ich abgeben können, weil es sonst nicht funktioniert und am Ende ist der Schaden dann noch größer.

    Inzwischen kann ich besser damit leben und umgehen und das annehmen.
    Das macht mich nicht dümmer oder unselbstständiger, es kompensiert meine Beeinträchtigungen.
    So wie eine Krücke einem Menschen mit gebrochenen Bein hilft, zu gehen, oder besser vielleicht eine Prothese.

    Das sind alles kleine "Prothesen", die mir dabei helfen, das hinzubekommen, was ich sonst nicht kann.
    Kleine Hilfsmittel und unterstützungen.
    Damit wird mir nicht alles abgenommen, nur in den Punkten extern geholfen, die ich intern nicht in der Lage bin hinzubekommen.

    Das müssen auch nicht immer andere Menschen sein, ich hab auch einen Block und einen Terminplaner, die mir dabei helfen, die Zeitblindheit und das schlechtere Gedächtnis zu kompensieren.

    Aber ja:
    Die Qual der Wahl ist eine übleren in meinen Augen und damit einhergehend auch die Neigung, die Wahl immer weiter zu vergrößern, denn man könne ja was übersehen.
    Meistens hilft mir meine Frau dabei.

  2. #42
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Ich brauche zu viele Optionen !!!

    watchdog schreibt:
    Das kenne ich auch von mir, aber bei der Steuererklärung wird es für mich schwierig. Ich habe Angst dem Sachbearbeiter (oder auch der Steuerbehörde), da ich häufig mit Konsequenzen rechne (z.B. dass ich wegen Steuerhinterziehung in den Knast komme oder eine versehentliche Falscheintragung mir als pure Absicht und Falschaussage ausgelegt wird und ich nichts dagegen tun kann (mir ist schon bewußt, dass es rechtliche Schritte gibt, die ich einleiten könnte, ich habe aber schon im Vorfeld das Gefühl, dass mir keiner glaubt, ich niemals damit durchkommen, ich auch gar nicht dieses
    Recht hätte und muß daher sofort alle Schuld und Verantwortung übernehmen).
    Ich auch,
    Dafür habe ich entweder einen Steuerberater oder bin in einem Lohnsteuerhilfering.
    Die machen das.
    Auch das ist Externalisierung.
    Die Angst wirst Du nicht los, denn Du wirst Dir immer misstrauen, also ist hier der bessere Weg, es anderen zu übertragen.
    Klar, die wollen Geld dafür haben, aber das ist es mir allemal wert.

    watchdog schreibt:
    Habt ihr auch Probleme dass euch eine übermächtige Angst überkommt, wenn ihr einer korrekten Bearbeitung, Beurteilung etc auf euch bezogen mißtraut?.
    Oh ja ... und wie!!

    Und in der Vergangenheit zeigte sich ja auch schon oft genug, dass das nicht ohne Grund so ist.
    Allein die vielen Flüchtigkeitsfehler, die wir immer wieder machen .... und wenn wir auch noch so gründlich schauen.
    Die ewigen Antworten die wir bekommen haben und nie hat uns einer geglaubt, dass das wirklich ein Versehen war oder wir etwas vergessen haben, weil Nichtbetroffene sich das Ausmaß dieser Symptome gar nicht vorstellen können, sondern üblicherweise von sich auf andere schließen oder darauf, was sie sonst so erleben und das wird ja auch gerne als Ausrede verwendet.

    Das ist es ja, das unsere Ängste so real macht, ... sie basieren ja oft genug auf eigenen, schlechten Erfahrungen.


    watchdog schreibt:
    Bei den neuen Smartphones habe ich das Gefühl, die würden mich zu sehr ablenken, wie geht es euch damit?
    Exakt auch so, deshalb habe ich keines.
    Ich habe einen einfachen Buchkalender (Chefkalender), in dem ich meine Termine eintrage und einen A5-Block, den ich ebenfalls immer bei mir habe.
    Wenn ich auch noch ein Smartphone hätte, würde alles außer Kontrolle geraten, unter Garantie.

    Obwohl es auch eine große Hilfe sein könnte und ich deshalb immer wieder darüber nachdenke, ....
    Aber wenn ich schon sehe, wie Nichtbetroffene zu Smartphonezombies werden ... wie soll das dann erst bei mir werden?
    Ich lass die Finger davon, das ist sicherer.
    Abgesehen davon könnte ich eh' nicht entscheiden, welches Gerät ich kaufen würde ... das überlege ich nämlich auch schon seit einigen Jahren und siomit Gerätegenerationen .

    So, bin erstmal wieder raus und stelle mein Abo für diesen Thread ab, geht nicht anders.
    Mal sehen, wie gut ich das hinbekomme ....

  3. #43
    Erklärbärchen

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 4.977

    AW: Ich brauche zu viele Optionen !!!

    watchdog schreibt:
    Ja so ähnlich geht es mir auch, die andere Schwierigkeit ist zumindest bei mir so.
    Es müssen teilweise Vorbedingungen erfüllt sein, bei stark veränderten (Lebens-)situationen brachen dann meine Lösungsmuster zusammen.



    Das kenne ich auch von mir, aber bei der Steuererklärung wird es für mich schwierig. Ich habe Angst dem Sachbearbeiter (oder auch der Steuerbehörde), da ich häufig mit Konsequenzen rechne (z.B. dass ich wegen Steuerhinterziehung in den Knast komme oder eine versehentliche Falscheintragung mir als pure Absicht und Falschaussage ausgelegt wird und ich nichts dagegen tun kann (mir ist schon bewußt, dass es rechtliche Schritte gibt, die ich einleiten könnte, ich habe aber schon im Vorfeld das Gefühl, dass mir keiner glaubt, ich niemals damit durchkommen, ich auch gar nicht dieses Recht hätte und muß daher sofort alle Schuld und Verantwortung übernehmen).

    Habt ihr auch Probleme dass euch eine übermächtige Angst überkommt, wenn ihr einer korrekten Bearbeitung, Beurteilung etc auf euch bezogen mißtraut?.




    Mir hat mein Smartphone bei der Tages- und Terminplanungvor Jahren auch gut geholfen.
    Bei den neuen Smartphones habe ich das Gefühl, die würden mich zu sehr ablenken, wie geht es euch damit?
    Zur Beurteilung durch Andere. Mein OT entsprang eben jener Angst vor falscher Beurteilung...(und hier ging es nicht mal um "Offizielles")

    Mit dem Smartphone habe ich ein generelles Ablenkungsproblem. Beeinträchtigt dieses System jedoch interessanterweise nicht.

    Ich möchte nächstes Jahr aber doch auf Papier ausweichen,da mein Nutzungsverhalten...grenzwerti g ist.

  4. #44
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: Ich brauche zu viele Optionen !!!

    In Sachen Smartphone habe ich das unverschämte Glück null Ahnung von Technik zu haben, daher wird es mir nicht passieren das ich zu einem Spielezombi werde. Mir hat mein Freund den Kalender im Smartphone beigebracht, auch wie ich die Verbindungen der Verkehrsmittel und die Zeiten dahin exportieren kann, eine unglaubliche Hilfe für mich, weil ich nicht mehr in Zettelwirtschaft, Terminkalendern die ich eh vergesse oder liegen lasse etc versinke. Es ist alles an einer Stelle und das auch noch selbstständig zeitlich sortiert.

    Die Ängste bei Dingen die extrem wichtig für die Zukunft sind habe ich relativ gut in den Griff bekommen, weil ich jahrelang eine Einzelfallhilfe hatte (auch externalisiert), die das immer mit mir zusammen gemacht hat und mir gebetsmühlenartig gesagt hat, das Fehler bei Behördendingen kein Staatsversbrechen sind. Das ist keine Ausrede, aber irgendwie ist es für mich auch eine Erleichterung zu wissen, das ich beim Sozialmedizinisches Dienst eine Akte habe, denn die haben mir schon bei einigen Dingen aus der Patsche geholfen wenn ich mal doch Mist gebaut habe (z.B. aus Krankenkasse geflogen weil ich Briefe nicht beantwortet habe). Es nimmt mir den Druck und somit bin ich dann doch wieder selbstständiger und traue mir mehr.

    Ich habe auch gelernt, und bin immer noch dabei, das Fehler machen gar nicht so schlimm ist, wenn man sie eingesteht und dann evt. Auch mit Hilfe korrigiert, es ist viel schlimmer zu versuchen die Fehler und/oder Unzulänglichkeiten zu versuchen zu verstecken und mit irgend welchen Aktionen zu versuchen Sie rückgängig zu machen ohne den Fehler einzugestehen, denn dann reitet man sich nur immer mehr rein und macht alles viel unverständlicher und frustrierender und unglaubwürdiger für andere.

  5. #45
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 56

    AW: Ich brauche zu viele Optionen !!!

    Es freut mich, dass hier wieder mehr konstruktive Beiträge gepostet werden.

    Wofür steht eigentlich OT?


    @Creatice: Bei mir gehen Zukunftsängste, die Zukunft betreffende Entscheidungen und Vertrauen Hand in Hand.
    Der Vorschlag von Fliegerlein vieles zu Externalisieren finde ich gut. Ich scheiter an der Auswahl der ext. Unterstützer aufgrund fehlendem Vertrauens in die Person und die Fähigkeiten ebenso an der eigenen Scham das nicht hinbekommen zu haben und sich offenlegen zu müssen. Das fehlende Vertrauen ist aber mein größtes Problem. Wie war denn das bei dir, bzw. wie konntest du jmd. vertrauen?

  6. #46
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Ich brauche zu viele Optionen !!!

    watchdog schreibt:
    Es freut mich, dass hier wieder mehr konstruktive Beiträge gepostet werden.

    Wofür steht eigentlich OT?
    Für Off Topic, also vom eigentlichen Thema abgekommen sein.

    watchdog schreibt:
    @Creatice: Bei mir gehen Zukunftsängste, die Zukunft betreffende Entscheidungen und Vertrauen Hand in Hand.
    Der Vorschlag von Fliegerlein vieles zu Externalisieren finde ich gut. Ich scheiter an der Auswahl der ext. Unterstützer aufgrund fehlendem Vertrauens in die Person und die Fähigkeiten ebenso an der eigenen Scham das nicht hinbekommen zu haben und sich offenlegen zu müssen. Das fehlende Vertrauen ist aber mein größtes Problem.
    Ich kenne das, und das leider nur allzu gut.

    Und ich kann sagen, dass mir dabei wirklich die Therapie geholfen hat.
    Dadurch wurde es mir überhaupt erst möglich, das zum Einen zu verstehen, wie auch zum Anderen für mich selbst zu akzeptieren und dieses Stück Kontrollverlust, und als nichts anderes empfinde ich das, annehmen zu können.

    Da sieht man sehr schön, wie so etwas zu einem Teufelskreislauf werden kann ... die Angsot davor Entscheidungen zu treffen geht bis hin zu der Entscheidung, welche Person man auswählen kann und würde, die einem genau dabei hilft ...

    Ich weiß nicht, ob Du einen Coach oder einen Therapeuten hast.
    Wäre das ggf. für Dich ein Ansatz?

    Auch kann es helfen, weiterhin einen Thera zu haben, für sog. Stabilisierungsgespräche.
    Die sind kürzer als sonst die Therapiesitzungen und haben auch längere Intervalle, also Abstände zwischen den Terminen, aber sie können für so etwas gut genutzt werden.

    Meinem Thera gegenüber habe ich das nötige Vertrauen und als in meinem Lebensumfeld eher fremden Menschen, besteht da auch ein gewisser Abstand.

    Was ich übrigens an creatice's Posting sehr schön fand und finde, ist, dass sie beschrieben hat, wie einiges eben auch doch in den Griff zu bekommen ist.
    Das ist eines dieser Postings, denen ich am liebsten noch zwei weitere Lkes und weitere Danke vergeben würde .

    Wichtig ist zu verstehen, dass nicht alles nicht erlernbar ist.
    Manches ist das schon, nur muss man davon ausgehen und damit rechnen, dass es für uns ungleich schwerer und der Lernprozess auch langwieriger ist.

    Einiges bekommen wir eben nicht hin, da müssen wir halt externe Lösungen und Wege finden, anderes bekommen wir hin, müssen uns dann aber auch zugestehen, dass es anstrengender ist, ebenfalls externe Hilfe bedarf und etwas länger dauert, bis der Erfolg sich einstellt.

    Wir übersehen so etwas oft, eben wegen der Schwarz-Weiß-Wahrnehmung, daher ist es gut, durch solche Postings daran erinnert zu werden .


    (Warum ich jetzt doch wieder schreibe? Bin nach dem Posting gleich aufgestanden, war kurz im Bad, dabei hab ich bemerkt, dass die Waschmaschine noch gar nicht lief. Also ab Ins Schlafzimmer, Wäsche holen, dort sah ich, dass ich die Betten noch nicht gemacht hatte, schnell gemacht und dabei fiel mir dann doch wieder die bereits erneut vergessene Waschmaschine ein, dann bin ich am Wohnzimmer vorbeigekommen und hab gesehen, dass ich dort noch aufräumen musste und als ich die Tassen in die Küche gebracht habe, musste ich mir erstmal Frühstück und Kaffee machen, das hatte ich total vergessen, weil ich ja hier hängengeblieben bin ... zum Frühstücken habe ich mich an den Rechner gesetzt, wie immer und dabei in die Mails geschauft, und na klar die Benachrichtigung für den Thread gesehen und schon sitze ich hier und schreibe .... noch Fragen? ADHS/ But first Syndrom
    Immerhin kann ich inzwischen darüber lachen und es ist ok für mich
    )
    Geändert von Fliegerlein (12.08.2015 um 13:02 Uhr) Grund: Fehlerkorrektur

  7. #47
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: Ich brauche zu viele Optionen !!!

    watchdog schreibt:
    Wie war denn das bei dir, bzw. wie konntest du jmd. vertrauen?
    DieÄngste die du beschreibst kenne ich alle zur Genüge. Ich bin da mal ganz ehrlich, auch wenn es vllt etwas frustriert, das war ein jahrelanger Weg.

    Ich habe mich trotz Angeboten über ca 3-4 Jahre geweigert eine Einzelfallhilfe in Anspruch zu nehmen, ich habe mich mit meinen Eltern verkracht weil ich sie übergriffig fand ( wenn Sie mir geholfen haben oder es versucht haben), und ich habe mich trotzdem permanent geschämt für meine Unzulänglichkeiten. Irgendwann hat man mir die Einzelfallhilfe mehr oder weniger mit einem Trick "übergeholfen", man sagte mir es sei doch ganz gut als Ersatz bis die Therapie wieder anfängt. Mit der ersten hatte ich nicht so Glück, die hat Stunden abgerechnet aber war nicht da, das fiel dann aber auf, weil ich innerhalb von 4-5 Monaten auf Geld vom Sozamt "verzichtet" habe. Natürlich war da auch das Vertrauen futsch, aber man hat mir gut zugeredet und ich habe noch einen Versuch gewagt.

    Und das hat so ziemlich alles verändert. Meine ganze Sicht auf die Dinge. Ich habe gemerkt was es für eine Entlastung sein kann, wo ich die Energie dann in andere Dinge stecken kann, die mir im Endeffekt wieder weiterhelfen, ich habe auch endlich verstanden das ich mit dem Verheimlichen der Misserfolge meinen Eltern, ja dem ganzen Umfeld im Endeffekt mehr Arbeit mache, als wenn ich es gleich sage das ich etwas nicht hinbekomme und so den Scheiterhaufen klein halte.

    Ich habe durch die Hilfe Zeit gehabt Dinge zu erlernen, die ich jetzt mit Skills allein ohne Riesen Anstrengungen hinbekomme, wodurch ich ja wieder mehr Energie für weitere Sachen spare.
    Das fing beim Überblick über Papierkram an und hört beim regelmäßigen Tablettennehmen auf.
    Mal als Beispiel, ich vergesse ständig die Tabletten zu nehmen, was bei MPH kein Beinbruch ist, aber bei mehreren Antidepressiva die nötig sind und Medis für körperlich. Sachen schon. Wir haben ausprobiert einen Wecker zu stellen, habe ich ausgemacht und vergessen, 2 Wecker, in den Kalender eintragen, eine Tablettenbox anschaffen, die Tablettenbox in die Küche stellen, neben den Kaffe, ins Bad stellen, auf den Nachttisch, Zettel an den Spiegel..... Nichts hat geholfen, ich glaube das ganze Ausprobieren hat schon so ca 6 Monate gedauert.
    Dann habe ich sie auf den Spülkasten gestellt, denn wenn ich alles vergesse, Kaffee, Zähne putzen etc..... auf Klo muss ich immer. Und siehe da..... Seit dem klappt es zu Hause sehr gut. Nur bei meinem Freund ist das noch ein Problem, da muss ich noch suchen und üben.

    Ja, es ist sauschwer zuzugeben das man vergisst sich die Zähne zu putzen, das man manchmal nicht zu einem Termin kann, weil keine saubere Unterwäsche mehr da ist...... Aber ohne diese Sprünge über meine Scham wäre ich eben noch genau da. Das Vertrauen kommt nicht vorher, es kommt dabei, und es bleibt wenn man Rück- und Fehlschläge nicht verallgemeinert. Hört sich unmöglich an, ist aber wirklich machbar.

    Fliegerlein in von dir will ich in den nächsten 2h nichts mehr lesen

  8. #48
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: Ich brauche zu viele Optionen !!!

    Ach ja, ich verteile auch meine Hilfen, um nicht eine Person zu überlasten. Meine Eltern helfen mir hauptsächlich in Phasen wo gar nichts mehr geht ( durch die Depressionen), mein Partner achtet mit auf die Tabletteneinnahme und Arztbesuche, mein Psych und mein Hausarzt koordinieren die ganzen Medis und Ärzte etc und für behördliche Dinge, die ich jetzt meist wirklich allein hinbekomme, kann ich zur Not zum Sozialmedizinischen Dienst, wenn ich irgendwo nicht weiter komme, manchmal spricht auch meine Mutter mit einem Amt oder so ein Machtwort.

    Ersatzschlüssel habe ich an 5 verschiedene Personen gegeben, es gibt 2 Supermärkte die sich darauf verlassen das ich wiederkomme und die Sachen zurücklegen, wenn ich mal wieder mein Portemonaie vergessen habe, meine Stammapotheke kennt auch all meine Macken und Zustände und hilft mir....... Das ist alles auf ganz niedrigem Niveau, und es war ein riesen Schritt all das zuzulassen, gerade weil ich ja weiss das ich nicht doof bin, aber es war (für mich) ein richtiger Schritt um vorwärts zu kommen. Und so langsam verschwindet auch immer mehr das Gefühl und die Angst das diese Leute denken ich habe den IQ eines Meerschweinchen.

    Du du kannst mit einem Steuerberater Pech haben, vllt auch mit 2, aber es gibt 1000e die gut sind und was von ihrem Job verstehen.

  9. #49
    Erklärbärchen

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 4.977

    AW: Ich brauche zu viele Optionen !!!

    Was für einen Unterschied doch ein so unterstützendes Umfeld macht.

    Mir steht das leider nicht zur Verfügung(bis auf den sozialmedizinischen Dienst natürlich),also bin ich (mal wieder )am Improvisieren.

    Jetzt habe ich vergessen,was ich eigentlich schreiben wollte...(wie war das noch gleich mit den Meerschweinchen)

  10. #50
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 241

    AW: Ich brauche zu viele Optionen !!!

    es gibt eine schöne variante, mit der man dem anderen beim entscheidungen treffen helfen kann.. das funktioniert allerdings nicht allzu häufig und bedarf auch der bereitschaft des anderen, das mitzumachen..

    der erste schritt ist dem anderen zu sagen, dass er die fragen, die kommen, so schnell wie möglich beantworten soll.. nicht nachdenken, einfach nur sagen.. der nächste ist, ihm fragen zu stellen, die mit dem, was er entscheiden will, nichts zu tun haben dürfen.. nehmen wir mal an, er hat die wahl zwischen zwei arbeitsstellen.. da könnte man fragen, was er zum frühstück gegessen hat, welche farbe er am meisten mag, ob er gern karten spielt usw.. das ganze muss sehr schnell passieren, damit er nicht die zeit zum überlegen hat.. wenn er mehrere fragen beantwortet hat, dann fragt man, welche arbeitsstelle er haben möchte.. wenn er sofort antwortet, ist die antwort normalerweise richtig.. der verstand hat nicht die zeit, zu überlegen, was die beste antwort wäre, sondern schiesst sofort die heraus, die das beste für denjenigen sind.. ich hab das schon öfter ausprobiert.. es ist erstaunlich, wie gut das funktioniert..

    eine fällt mir noch ein, wenn ihr viele produkte habt und euch für eins entscheiden müsst (kann auch essen sein).. probiert es nicht mit allen gleichzeitig.. macht es wie bei der fussball wm.. lasst immer zwei gegeneinander antreten.. sucht euch eins der beiden raus, das dann in die nächste runde kommt.. zwischen zweien lässt es sich leichter entscheiden.. irgendwann seid ihr beim sieger angelangt..

    gott, bin ich gut heute..

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