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Diskutiere im Thema AD(H)S und Kriminalität im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #11
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: AD(H)S und Kriminalität

    Ich kann aus Vorträgen von Fachleuten aus dem amerikanischen Raum berichten, dass ADHS-Betroffene aufgrund ihrer Störung keine Milde vor Gericht zu erwarten haben.

    Barkley z.B. berichtete von einem 17-jährigen Mädchen, welches im Straßenverkehr einen tödlichen Unfall verursacht hat und trotz der ADHS die volle Strafe absitzt.
    Eine ADHS entlässt einen nicht aus der Verantwortung.

    Auch denn das paradox erscheint...

  2. #12
    pau


    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 56

    AW: AD(H)S und Kriminalität

    Fliegerlein schreibt:
    Barkley z.B. berichtete von einem 17-jährigen Mädchen, welches im Straßenverkehr einen tödlichen Unfall verursacht hat und trotz der ADHS die volle Strafe absitzt.
    Eine ADHS entlässt einen nicht aus der Verantwortung.
    Bitte vorsicht! Das kann man so nicht vergleichen. Das Deutsche hat mit dem US-amerikanischen Strafjustizsystem so rein gar nichts gemein. In Deutschland sieht das in der Tat anders aus als in den USA. Aber deine Aussage gilt natürlich dennoch für kriminelle Akte beim USA-Aufenthalt ;-)

  3. #13
    Muh!

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 54
    Forum-Beiträge: 6.856

    AW: AD(H)S und Kriminalität

    Sollten Straftäter mit ADHS in Deutschland mildere Strafen bekommen? Das sieht nach Freifahrtschein aus: ich habe ADHS, ich darf alles.

  4. #14
    pau


    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 56

    AW: AD(H)S und Kriminalität

    Das hat ja niemand gesagt. Siehe oben. Dein ADHS bewusst ausnutzen und Straftaten begehen ist das gleiche wie sich bewusst zu berauschen. Das geht natürlich nicht. Nur per se ist eine mildere Bestrafung eben nicht ausgeschlossen. Aber das ist wie gesagt eine Frage des Einzelfalls.

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  5. #15
    Muh!

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 54
    Forum-Beiträge: 6.856

    AW: AD(H)S und Kriminalität

    Nicht bewusst. Dennoch, dass Wissen um mildere Strafen würde zu vermehrten Straftaten führen, m. E. Ich fände es schlimm, wenn allein die Angst vor Strafe ein Verbrechen verhindert. Aber ich mutmaße, dass Viele so denken.

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  6. #16
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 58

    AW: AD(H)S und Kriminalität

    Hallo,

    ich sehe auch keinerlei Anhaltspunkte für eine Strafminderung allein aufgrund einer ADHS, die ja nach den §§ 21, 22 StGB der Grund dafür sein müsste, dass Täter bei der Tatbegehung entweder kein Unrechtsbewusstsein hatte, oder sich über den Umfang seines schuldhaften Handelns zumindest nicht vollends im Klaren war. (Deshalb passt mir die a.l.i.c., die Pau angesprochen hat, nicht so ganz! ADHS führt sicherlich nicht zu solchen Vorsatz-Fahrlässigkeits-Kombinationen)

    Strafmindernd können sich da eher, die oftmals neben der ADHS vorliegenden psychischen Probleme auswirken. Deren Ausgestaltungen sehe ich als Möglichkeit für ein vermindertes Unrechtsbewusstsein an.

    Ich würde eine ADHS erst im Rahmen der Strafbemessung, also bei den Rechtsfolgen der Tat in die Abwägungen mit einbeziehen. Aber das hat dann nicht' s mehr mit einer Strafminderung im eigentlichen Sinne zu tun.

    Just a thought .....


  7. #17
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: AD(H)S und Kriminalität

    pau schreibt:
    Bitte vorsicht! Das kann man so nicht vergleichen. Das Deutsche hat mit dem US-amerikanischen Strafjustizsystem so rein gar nichts gemein.
    Ich habe auch nichts miteinander verglichen, sondern ausschließlich den Zustand im amerikanischen Raum beschrieben und nichts davon in den europäischen oder deutschen Raum übertragen.
    Also eher umgekehrt: Bitte vorsicht bei der Interpretation meiner Postings , bei denen es üblicherweise nichts zu interpretieren gibt, auch nicht und besonders nicht "zwischen den Zeilen".

    pau schreibt:
    In Deutschland sieht das in der Tat anders aus als in den USA.
    Ja, wenn auch nur sehr bedingt und seit sehr kurzer Zeit, denn grundsäzlich gilt das Gleiche durchaus auch hier.

    Wenn auch erst 2007, aber immerhin, gab es von Seiten des Oberlandesgerichtes Hamm im Rahmen einer Revisionsverhandlung eine Aufhebung eines Urteils des Landgerichtes Bielefeld, welches aufgehoben und zur erneuten Verhandlung an ein Landgericht verwiesen. [05.11.2007 (Az. 3 Ss 461/07)]

    Allerdings beachte man dabei auch die Begründung des OLG.
    Zunächst einmal wurde das Urteil nicht einfach aufgehoben, sondern der Fall zu einer erneuten Verhandlung gebracht (was btw. auch üblich ist)
    In seiner Begründung beschrieb das OLG ausdrücklich, dass es sich um eine unbehandelte ADHS handeln müsse (und man bedenke, dass z.B. ein eigenmächtiges Absetzen der Medikation nicht mehr darunter fällt (das war der Fall mit dem genannten tödlichen Autounfall)).

    Das OLG hat entschieden, dass sich "in der Gesamtschau die Möglichkeit einer verminderten Schuldfähigkeit ergeben könne."

    Man beachte den Konjunktiv und die Anforderung, dass das Gesamtbild des Beroffenen herangezogen werden muss, welches einen Grund für eine Urteilsmilderung bilden kann.
    Das OLG stellt allerdings genauso auch in Aussicht, dass der Betroffene zum Tatzeitpunkt tatsächlich schuldunfähig gewesen sein könne.

    Das war aber, wie gesagt, erst 2007 und mir persönlich ist bislang noch kein weiterer Fall bekannt, nach dem eine ADHS zu einer verminderten Schuldfähigkeit oder gar einer Schuldunfähigkeit geführt hat.

    Also hast Du vollkommen recht mit Deiner Aussage
    pau schreibt:
    Nur per se ist eine mildere Bestrafung eben nicht ausgeschlossen. Aber das ist wie gesagt eine Frage des Einzelfalls.
    So ist es .


    Ich muss meinerseits zugeben, dass ich in diesem Punkt sehr hin- und hergerissen bin.

    Einerseits muss man sich die Frage stellen, ob man von einem entsprechend schwer von ADHS betroffenem Menschen erwarten kann und darf, dass er für sein Handeln die volle Verantwortung übernehmen kann und muss, während man auf der anderen Seite über eben diese Diagnose doch feststellt, dass er u.a. genau das nicht oder nicht ausreichend kann ...

    Für mich ist das paradox:
    "Du hast diese Störung, die dazu führt, dass Du Dinge tust, die man nicht zu tun hat und wir verstehen das, aber wenn Du es dann tust und es kommt Jemand zu Schaden, dann hast Du aber die volle Verantwortung dafür zu tragen".

    Andererseits ist eine ADHS aber auch kein Freifahrtschein dafür, tun und lassen zu können, was man will, auch wenn man es eigentlich gar nicht will, weil man einer geschädligten Impulskontrolle folgt.


    Selbst hier im Forum haben wir Regeln und wir sanktionieren deren Verstöße, obwohl wir alle hier Betroffene sind und nur zu gut wissen, wie leicht die Dinge aus dem Ruder geraten.
    Aber ohne gehts nun mal auch nicht.
    Das ist natürlich kein Vergleich, aber immerhin eine Analogie und ich muss zugeben, das ist ein Punkt, der mich durchaus sehr beschäftigt.

    Im Strafvollzug sitzen statistisch ca. 25% ADHS-Betroffene.
    Die Erfahrungen zeigen, dass besonders bei dieser Klientel ein Strafvollzug weniger erfolgreich ist, als bei Straftätern ohne ADHS und sie häufiger wieder rückfällig werden, was einem schon zu denken geben sollte, ob das so der richtige Weg ist.

    Ein Freifahrtschein darf eine ADHS aber niemals sein, so oder so.

  8. #18
    pau


    Ist interessiert

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    Forum-Beiträge: 56

    AW: AD(H)S und Kriminalität

    Ein Freifahrtschein darf eine ADHS aber niemals sein, so oder so.
    Ne, da sind wir uns einig :-)
    Letztlich kommt es immer auf den Einzelfall an. Worüber man sich untehalten kann, ist die rechtspolitischer Wertung, die man anstellen will. Legt man §§ 20, 21 StGB restriktiv oder weit aus, oder übersetzt: lässt man leicht Milde walten oder ist man "hart"? Ich bin kein hardliner, plädiere da aus vielen verschiedenen Gründen aber eher für letzteres.

  9. #19
    Celestis

    Gast

    AW: AD(H)S und Kriminalität

    Steintor schreibt:
    Sollten Straftäter mit ADHS in Deutschland mildere Strafen bekommen?
    Das sieht nach Freifahrtschein aus: ich habe ADHS, ich darf alles.
    Du darfst alles.....nur nicht bei erwischen lassen

    Ich bin der Meinung, ob man AD(H)S hat oder nicht,
    Vor dem Gesetzt sind alle Menschen gleich.

  10. #20
    Muh!

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    Alter: 54
    Forum-Beiträge: 6.856

    AW: AD(H)S und Kriminalität

    Celestis schreibt:
    Du darfst alles.....nur nicht bei erwischen lassen
    Ich bin der Meinung, ob man AD(H)S hat oder nicht,
    Vor dem Gesetzt sind alle Menschen gleich.
    Sicherlich hast du das im Spaß geschrieben. Leider denken Viele so: nur weil es verboten ist, mache ich das nicht. Und gerade diese Denkweise kann ich nicht akzeptieren. ich setze eine Grundethik voraus, nach der wir handeln (sollten).

    Beispiel. Gebot, mit 50 km/h innerhalb der Ortschaft zu fahren.

    fahre ich nur deswegen 50 km/h in der Ortschaft, weil es verboten ist, schneller zu fahren? Ich könnte doch genau so gut sagen, ich fahre 100 km/h in der Ortschaft und wenn ich erwischt werde, habe ich eben Pech gehabt. Dafür kann ich sicherlich 1 Jahr, wenn nicht länger, schnell fahren und bin an keine Mindestgeschwindigkeiten gebunden, die meine Freiheit beschränken. Ich halte mich aus moralischen Gründen an die 50 km/h, weil ich keine Kinder gefährden möchte.
    Geändert von Steintor ( 8.07.2015 um 14:33 Uhr)

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