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Diskutiere im Thema Extremer Idealismus = ADHS-typisch? im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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  1. #1
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 197

    Extremer Idealismus = ADHS-typisch?

    Mir ist bewusst, dass viele ADHS-Betroffene einen schwierigen Umgang mit Dingen haben, die sie langweilig finden.

    Aber wie ist es bei euch, wenn ihr Dinge tun sollt, die von eurer inneren Haltung abweichen? Seid ihr dann im Hinblick auf das größere Ganze kompromissfähig, oder macht ihr komplett zu und beharrt auf eure Ideale?

  2. #2
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 160

    AW: Extremer Idealismus = ADHS-typisch?

    Gute Frage.

    Zwar bin ich im Ganzen moralisch ziemlich liberal eingestellt, mir fällt es aber extrem schwer, von diesen liberalen moralischen Grundätzen abzuweichen.

    Früher war ich sehr links und ziemlich "gerechtigkeitsvernarrt" und habe auch dann mit meiner Meinung nicht hinter dem Berg halten können, wenn es im Sinne der gerechten Sache eigentlich besser gewesen wäre zu schweigen.

    Was micht betrifft: Ja, AD(H)S scheint etwas mit großem Idealismus zu tun zu haben.

  3. #3
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 69

    AW: Extremer Idealismus = ADHS-typisch?

    Hmm... habe das Gefühl eher im Bezug auf das größere Ganze manchmal nicht kompromissbereit zu sein.
    Paradoxerweise bin ich extrem kurzsichtig wenn es um den Umgang mit (meinem) Geld und meiner Gesundheit etc. geht, war aber schon als kleines Kind absolut kompromisslos wenn es um Umweltverschmutzung etc. geht.

    Ich habe und hatte nie Verständnis dafür wenn jemand sich so gar nicht darum kümmert wie es zukünftigen Generationen oder generell anderen Lebewesen geht.
    Und ich würde definitiv nicht gegen meine Einstellung handeln (solange es nicht um Leben und Tod geht ... wahrscheinlich). Aus Erfahrung weiß ich zumindest das Gruppenzwang, Lästereien etc. (Schulzeit) nicht ausreichen damit ich etwas tue das ich dumm und/oder falsch finde.

    Allerdings glaube ich nicht dass das direkt mit ADHS zu tun hat.
    Denkbar wäre auch das Menschen die bereits früh erfahren haben wie es ist ausgegrenzt zu werden (und es nicht wollen oder nicht schaffen sich anzupassen) sich irgendwann daran gewöhnen.
    Wenn man eh schon hoffnungsloser Außenseiter ist, macht es keinen Unterschied mehr worüber sich andere diesmal lustig machen.

  4. #4
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Forum-Beiträge: 445

    AW: Extremer Idealismus = ADHS-typisch?

    Ich finde es schwer zu sagen, ob das auf den eignene Idealen und Moralvorstellungen beharren wirklich was mit ADHS zu tun hat.

    Jeder Mensch hat so seine Ideale und Wertvorstellungen und jedem Menschen (unabhängig von einer ADHS-Diagnose) fällt es schwer etwas zu tun, das eben nicht mit den eigenen Werten vereinbar ist.

    Jemand dessen Einstellung es ist, dass fremd gehen schlecht ist, wird sich mit einem riesengroßen schlechten Gewissen rumschlagen, sollte diese Person doch "ausversehen" fremd gehen.
    Genau so mit so ziemlich allem...

    Was Menschen mit ADHS "unterstellt" wird, ist dass sie einen sehr hohen Sinn an Gerechtigkeit haben.

    Im Gegenzug gibts aber auch genug Leute ohne ADHS, die ebenfalls einen hohen Gerechtigkeitssinn haben.

    Ich habe meine Werte und Moralvorstellungen und würde auch nur ungern davon abweichen. Selbst, wenn man mir vorführt, dass meine Moralvorstellungen in der heutigen Zeit "unrealistisch" sind, sind es dennoch meine Werte. Ich respektiere es, wenn jemand das anders sieht, aber kann mir selber nur schwer vorstellen, die Werte anderer (die von meinen abweichen) tatsächlich irgendwann verstehen zu können oder sie mir selbst anzueignen...

    Aber darum sinds ja auch meine Vorstellungen und nicht die, meines Nachbarn (z.B.).

  5. #5
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 197

    AW: Extremer Idealismus = ADHS-typisch?

    Interessante Antworten bislang.

    Ich fragte, weil das "sich verweigern" und "nicht wollen" immer eine große Komponente meines persönlichen Scheiterns darstellte.

    Beispiele:

    -----

    - ich soll als Redakteur Inhalte verfassen, die gegen meine Überzeugungen sind? - Ich sitze es aus und tue nichts, bis ich meinen Job verliere

    - ein Projekt ist ganz offensichtlich nicht rentabel, aber "eine gute Sache" - ich ziehe es durch und bleibe auf den Schulden sitzen

    - ich bekomme Rechnungen, die rechtlich "safe" sind, aber moralisch nicht vertretbar (Abofallen, Gebührenabzocke usw.) - ich lasse sie liegen oder kämpfe dagegen an, bis ich gerichtlich gezwungen werde zu zahlen

    - Regeln, die ich nicht vertreten kann, werden gebrochen

    - Konventionen und Traditionen meines Umfelds werden nicht angenommen, sondern erst nach Vertretbarkeit überprüft

    -----

    Ich bin quasi in permanenter Kampfbereitschaft oder in Zeiten von Kraftlosigkeit passiv-verweigernd.

    Anpassung ist mir absolut nicht möglich. Ich zwinge mich immer wieder für meine Freundin keinen Blödsinn zu machen und halte heutzutage mal zähneknirschend ein paar Sachen aus, aber nur so lange ich passiv beide Augen zudrücken kann. Werde ich gezwungen aktiv gegen meine Vorstellungen zu handeln, drehe ich am Rad.

    Mir ist vollkommen klar, dass das irgendwo mein Problem ist. Ich sehe ja auch, dass sonst keiner so ist. Aber ich werde tagtäglich in meiner Haltung bestätigt und denke mir dann, dass andere einfach opportunistischer und unmoralischer als ich sind.

    Ich war 5 Jahre in Therapie und habe u.a. viel über die Problematik des rebellischen Verhaltens gesprochen, was aber immer wieder dazu führte, dass ich auch die Therapeutin als System-Marionette empfunden habe und das Gefühl hatte dort nur abgeschliffen zu werden.

    Ich bin mir bis heute nicht sicher, ob mein Sturschädel meine größte Stärke oder meine größte Schwäche ist. Eines kann ich aber zu 100% sagen - ich passe nicht in diese Zeit und werde noch viele Niederlagen erleben. In der Protestkultur der späten 60er wäre ich besser aufgehoben gewesen.

    Ich nehme an in dieser extremen Form kennen das wenige hier, oder?

  6. #6
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 69

    AW: Extremer Idealismus = ADHS-typisch?

    Doch, ich kenne das Problem. Und ja es führt auch dazu das man benachteiligt ist.
    Beispiele die ich von mir kenne sind:

    Keine propietäre Software für Arbeiten in der Uni benutzen.

    Unterschrift verweigern; das hatten wir ein paar Mal in der Schule, wir sollten alle unterschreiben das wir den Lehrerparkplatz und Innenhof der Schule von Unkraut befreien nach dem Unterricht (ja sicher!).

    Bei der Arbeit Werte nicht falsch runden, auch nicht wenn "das alle machen".

    Damit stößt man an und macht sich mitunter extrem unbeliebt. Aber ich finde es ist richtig wenn man verweigert was man als falsch empfindet.
    Wo es von einer Stärke zu einer Schwäche wird, ist bei Angelegenheiten wie "Regeln brechen" und "Gebühren nicht bezahlen"... Im Grunde ja zwei sehr ähnliche Sachen.
    Wenn man sich auf ein Spiel bereits eingelassen hat muss man sich auch an die Regeln halten... Man kann gegen Betrug nur sinnvoll vorgehen solange man selbst nicht reingefallen ist...

    Hier muss man versuchen zu unterscheiden wann etwas wirklich falsch war und wann man sich bloß rein subjektiv ungerecht behandelt fühlt.

  7. #7
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 197

    AW: Extremer Idealismus = ADHS-typisch?

    Schöner Beitrag. Zeigt gut den schmalen Grat zwischen gerechtem und selbstgerechtem Handeln auf. Mir gelingt es leider nicht immer dies zu trennen, zumal ich über die Jahre immer mehr zum Aktionisten in eigener Sache wurde. Manchmal wünschte ich mir einen Reboot meines Gehirns, aber die Herausforderung ist es wohl aus den gesammelten Erfahrungen etwas konstruktives zu schaffen, statt innerlich zu verhärten.

  8. #8
    Comicus Divinius

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    Forum-Beiträge: 1.200

    AW: Extremer Idealismus = ADHS-typisch?

    Ich war als Kind und Jugendlicher Links eingestellt. Scheiß Bonzen, Scheiß Firmen, ich kannte nur diese Schwarz Weiß Zeichnung, Zerrbilder. Ich habe nachgeplappert, was ich gehört habe und habe nicht selbst hinterfragt im Wirtschaftlichen Sinne. Im krassen Gegensatz dazu, hatte ich andere Meinungen. Ich hatte etwas bsp gegen Homosexuelle(was ich nicht benennen konnte, es war ein dummes irrationales gefühl) und ich hielt mich für sehr gerechtigkeitliebend, die Welt solte so sein, wie ich es mir vorstelle, im Rückblick schäme ich mich schon für manche Meinung oder Haltung. Ich habe immer mit dem Finger auf andere gezeigt ohne dabei zu sehen, das ich selbst, auch genug" dreck am stecken hatte. Ich war ziemlich" moralisch" bzw hielt mich dafür. Ich habe so schnell andere verurteilt, eben ob meiner typischen Adhs Schwarz Weiß Sicht.
    Das war dieses Grenze zwischen Selbstgerechtigkeit und Gerechtigkeit.

    Jetzt wo ich älter bin, ist mein extremer Idealimus zurück gegangen, er ist sogar in zynismus manchmal umgeschlagen, aber nicht immer. Lieber lache ich öfters und sehe mich als liberaler an. Homosexuelle können wegen mir, tun was sie wollen, die " Wirtschaft" ist nicht per se böse, ja allgemein, gibt es mehr als nur gut und böse auf der Welt. Aber das habe ich auch erst erkannt, als ich älter wurde.

  9. #9
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.731

    AW: Extremer Idealismus = ADHS-typisch?

    Ja, ein starkes Gerechtigkeitsempfinden (teils natürlich arg ichzentriert) ist typisch für ADHS. Natürlich hat dann nicht jede/r ADHS, aber umgekehrt haben sehr viele ADHS-ler dieses starke Gerechtigkeitsempfinden.

    Das kann man sehr gut bei vielen ADHS-Kindern beobachten. Bevor sie eine Regel beachten, wollen sie sie verstehen (und subjektiv bejahen), und ADHS-Kinder sind Meister im Diskutieren.

    HumanStapler schreibt:
    Doch, ich kenne das Problem. Und ja es führt auch dazu das man benachteiligt ist.
    Ich bin überzeugt, dass sich Ehrlichkeit auf lange Sicht immer auszahlt. Auch wenn die Leute zunächst über dich lachen, aber dann wenn sie mal selbst von deiner Ehrlichkeit abhängig sind werden sie dir vertrauen.

  10. #10
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 197

    AW: Extremer Idealismus = ADHS-typisch?

    Ich weiß es nicht. Manchmal habe ich das Gefühl man macht sich mit klassischen Tugenden wie Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, Idealismus, Gerechtigkeit etc. lächerlich, weil sie von dem Großteil der Mitmenschen als lebensfern eingestuft werden.

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