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Diskutiere im Thema Was wäre, wenn ich "ich" wäre im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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  1. #31
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 828

    AW: Was wäre, wenn ich "ich" wäre

    Ich kann mich auch oft genug nicht zurückhalten, je länger ich es tue, desto weniger gut kann ich mich kontrollieren. Weil Kompensation eben so viel Kraft kostet.

    Ich kenne das Problem mit dem Freund, nur legt meiner Gott sei Dank keinen Wert auf sich bedanken oder auf aufräumen und kann sich selbst oft genug nicht aufraffen. Dafür nimmt er mir meine Verpeiltheit, Impulsivität, Unkoordiniertheit und Zerstreutheit/Unkonzentriertheit manchmal übel und mag es nicht, wenn ich ihm nicht gut zuhöre, er kann nicht verstehen, dass ich in diesen Bereichen einfach Defizite habe und verlangt immer wieder von mir, ich solle die Dinge aufmerksamer machen. Ja, würd ich ja, wenn ich könnte.

    Man kann aber schon auch dran arbeiten, mein Freund hat mich da in einigen Sachen ganz gut "erzogen", z.B. guck ich vorm ins Bett gehen, ob auch keine Krümel an meinen Füßen sind, er hasst Krümel im Bett. Das hat aber ne Weile gedauert, bis ich das gelernt habe, weil ich´s natürlich immer wieder vergessen hab zu machen. Bis es irgendwann antrainiert war, weil er jedes Mal wieder geschimpft hat. Es ist zwar unangenehm, wenn er mit mir schimpft, aber es ist wohl der einzige Weg, wie ich konditioniert werden kann. Wenn ich keinen Ärger kriegen würde, wär es mir zu unwichtig, um dran zu denken.

    Also, wenn du lernen willst, besser auf deine Mitmenschen Rücksicht zu nehmen, dann stell dich drauf ein, dass es ne Weile dauert, bis du es gelernt hast, das muss echt trainiert werden, bis es sitzt. Andererseits muss dein Freund auch lernen, dich mit deiner Verpeiltheit anzunehmen und sich drauf einstellen, dass du halt auch mal nicht so funktionierst, wie er es sich wünscht. Wenn du vergessen hast, dich zu bedanken, dann ist das kein Grund, um beleidigt zu sein, weil du es ja nicht absichtlich vergessen hast. Aber hey, das jemandem verständlich zu machen, ist ein fast aussichtsloses Unterfangen. Mein Freund kapiert auch nicht, dass ich nicht absichtlich unaufmerksam werde und vlt. mal einen Satz nicht mitkriege, sondern dass das Folge meines gestörten Neurotransmitterhaushaltes ist. Es ist nicht so, dass es mich nicht interessiert, was er sagt, sondern ich kann irgendwann einfach nicht mehr zuhören.

    Na zumindest müssen beide daran arbeiten, mit ADS zurechtzukommen, ist ja die Schuld von niemandem, schon gar nicht vom ADSler selbst. Deshalb müssen beide dran arbeiten, wenn sie zusammen auskommen wollen. Du kannst dir bestimmte Dinge antrainieren (andere wiederum nicht, zB durchgängig stabile Aufmerksamkeit), dein Freund muss sich in Toleranz üben. Ich finde gut, dass er sich über ADS informiert, aber es dauert sicher Monate bis Jahre, bis man - gerade als Nicht-Betroffener - ADS kapiert hat und checkt, dass es keine böse Absicht ist, sondern eine Unfähigkeit.

    Am besten würde dir dein Freund helfen, indem er ausspricht, was ihn stört - und zwar in dem Moment, in dem es passiert und nicht runterschlucken und dann 4 Monate später vor den Latz knallen. Wie Russel Barkley, ein ADS-Experte, schon betont, brauchen ADSler direkte Konsequenzen, um lernen zu können. Deswegen hat es auch geklappt, mich zu "erziehen", weil mein Freund da überhaupt keine Hemmungen hat und direkt rummault.

    Zitat ist repariert.

  2. #32
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 5.925

    AW: Was wäre, wenn ich "ich" wäre

    Waldsteinie schreibt:
    Na ja, ich hab schon das Bedürfnis, verstanden zu werden. Leider geht meine Erfahrung auch dahin, dass meine klaren Ansagen durchaus verstanden werden. Nur manchmal tendieren wir dazu, endlos unsere Gedankengänge darzulegen - was übrigens für das Gegenüber auch ziemlich nervig sein kann. Mich jedenfalls nerven solche Menschen, die sich endlos über ihre Gedankengänge auslassen müssen - oft hab ich schon nach zwei Sätzen kapiert, worum es geht und frage mich dann, weshalb mein Gegenüber so endlos schwurbeln muss. Ich denke, es handelt sich oft um die berühmte Schwäche in den Exekutivfunktionen, wenn wir meinen, jeden Gedankengang darlegen zu müssen. Ich kann auch das Ergebnis meiner Gedanken aussprechen und mal abwarten, ob es mein Gegenüber verstanden hat oder nachfragt!
    Weil schwurbeln manchmal auch einfach Spass macht ...

  3. #33
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.149

    AW: Was wäre, wenn ich "ich" wäre

    ChaosQueeny schreibt:
    Weil schwurbeln manchmal auch einfach Spass macht ...

    Du nun wieder

  4. #34
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 5.925

    AW: Was wäre, wenn ich "ich" wäre

    Also wenn ich, wirklich ich wäre, dann würde ich mit dir viel öfter schwurbeln - einfach so aus Spass an Worten und Wortklaubereien ...

  5. #35
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: Was wäre, wenn ich "ich" wäre

    Ich glaube ich weiss jetzt wo mein Unverständnis ist. Ich habe nicht wie du das Gefühl mit der Zurückhaltung verstellt zu sein, sondern das mich die Emotionen, Impulsivität eher im Griff hat und ich nicht ich bin. Von daher wäre ich ich wenn ich genau ohne das von dir aufgezählte wäre, denn das ist das was ich will und nicht später bereue.

  6. #36
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 34
    Forum-Beiträge: 37

    AW: Was wäre, wenn ich "ich" wäre

    @Chamaeleon: Danke! Jetzt muss ich aber doch noch selber ein bisschen anfangen zu schwurbeln Zur Erläuterung.

    Sich bedanken, das bezieht sich nicht auf "kannst du mir einen Joghurt aus der Küche mitbringen?", sondern darauf, dass ich eine ganze Weile finanziell relativ schlecht dran war, arbeitslos und so, und er die ganze Miete und noch einiges anderes übernehmen musste. Ich war ihm natürlich total dankbar, aber die Situation hat mich so fertig gemacht, dass ich das Thema Finanzen komplett beiseite schieben musste, damit ich "funktioniere" und arbeiten kann. Ich neige auch zu Depressionen, dadurch kam es überhaupt erst zur ADHS-Diagnose. Wenn ich ein richtig großes Problem habe, wie Geld oder halt das mit meinem Freund, passt kein anderer Gedanke in meinen Kopf und ich grüble mich zu Tode. Daher habe ich das Thema immer abgeblockt, damit es mit mir weiter geht und ich nicht wieder in einem schwarzen Loch versumpfe. Das hat er aber nicht verstanden und vor sich hin gebrütet. Ich habe es ihm dann glaube ich vorletzte Woche erklärt...

    Das mit dem Aufräumen... es geht nicht nur darum, auch um Sauberkeit und so. Das Problem ist, ich habe eine grauenhafte Hausstauballergie und drei Katzen, die auch mal Streu durch die Wohnung tragen. D. h. eigentlich hätte mein Freund staubsaugen müssen, da das Gerät doch einiges hinten rausbläst. Der hatte aber keinen Bock, alles was hier so rumsteht (und das war viel) vorher wegzuräumen. Also hat er es gar nicht gemacht, aber nicht gesagt warum. Ich war daraufhin genervt, weil er es nicht gemacht hat, und ihn hat das Chaos und alles tierisch genervt, er hat aber alles in sich reingeschwiegen, weil es ja "keinen Sinn gemacht hätte" mir das zu sagen. Weil er es halt früher schon öfter gesagt hatte und es aber trotzdem irgendwann immer im Chaos endete. Dass ich einfach nicht gut Ordnung halten KANN, wegen des ADHS... als ich die Diagnose bekommen habe, waren wir 4 1/2 Jahre zusammen. Da war er mit dem Reden aber schon fertig und bereits beim in sich Hineinschweigen. Dumm gelaufen.

    Aber was glaubst du, wie die Wohnung aussieht, seit er nicht mehr hier ist... ich habe ungefähr in dem Moment, als er zur Tür raus ist, angefangen zu putzen und aufzuräumen. Komplett planlos, Hauptsache, alles ist irgendwo verstaut, na ja, besser als nichts... Seitdem sieht es hier aus wie geleckt. Ok ab und zu ein bisschen Katzenstreu, ein paar Krümel Trockenfutter auf dem Teppich, aber ich hole jetzt jeden Tag nach der Arbeit als erstes den Staubsauger raus, weil ich genau weiß, dass ich mich nicht mehr aufraffe, wenn ich erst mal auf dem Sofa liege. Genauso wird die Küche immer sofort aufgeräumt. Und er ist ja 2-3x die Woche hier und sieht das. Ich hoffe, ich trainiere mir keine Zwangsneurose an...

    Das Aufraffen hat was damit zu tun, dass ich, seit ich Vollzeit arbeite, abends immer komplett müde und fertig bin. Mich den ganzen Tag darauf zu konzentrieren, mich zu konzentrieren, und so. Da ich unter der Woche so wenig schlafe, weil ich abends meine Zeit brauche, um wieder runter zu kommen, habe ich dann das halbe Wochenende verpennt. Er hätte gerne was unternommen, hat aber nichts gesagt, sondern hat immer gewartet, ob was von mir kommt, und sich insgeheim total darüber aufgeregt. Wie gesagt, ohne was zu sagen. Genauso bei irgendwelchen Feiern von seiner Familie oder Freunden von ihm, mit denen ich nicht wirklich viel gemeinsam habe. Ich habe öfters abgesagt, weil ich so fertig war, er hat auf Nachfrage jedes Mal MEHRFACH gesagt, dass er kein Problem damit hat, was gelogen war. Und er hat - ihr werdet nicht drauf kommen- alles in sich rein gefressen und nichts gesagt.

    Zuhören kann er selbst genauso schlecht wie ich. Ich habe ihm aber ziemlich deutlich gesagt, dass er von jetzt an gefälligst den Mund aufmachen soll, wenn er ein Problem hat, und sich nicht irgendwelche fiktiven Reaktionen meinerseits zusammenspinnen soll. Das hat er nämlich getan: Er dachte, ich würde das und das denken und so und so reagieren, wenn er was sagt... Was im Ergebnis überhaupt nicht der Realität entsprochen hätte, darüber haben wir letzte Woche gesprochen. Er soll halt fragen. Außerdem soll er nicht dauernd darauf warten, ob ich zufällig das mache, was er gerne hätte. Ich kann nicht hellsehen.

    Was am Meisten weh getan hat, war seine Aussage: "Ich glaube dir schon, dass du das jetzt mit der Ordnung machst. Aber ich glaube nicht, dass du das auf Dauer durchhältst!" Das hat er mehrfach wiederholt und schon 4 Tage, nachdem er seine Sachen gepackt hat, davon gesprochen, sich eine eigene Wohnung zu nehmen!!! (Aktuell wohnt er bei seiner Mutter.) Das ist wie ein Schlag ins Gesicht. Damit reibt er mir so richtig schön unter die Nase, dass er nicht an mich glaubt und mich schon abgeschrieben hat. Und das nach 7 Jahren. Ich habe ihn wiederholt gebeten, das mit der Wohnung nicht zu tun und mir ein bisschen Zeit zu geben, damit er sieht, dass ich es kann, weil er mir so wichtig ist. Und nicht mehr mit mir über seine Wohnungssuche zu sprechen, weil mich das total aus der Bahn wirft. Und dass ich brauche, dass er mich unterstützt, nicht dass er mir sagt, dass er nicht an mich glaubt. Er hat gesagt, er "wird es versuchen", ich weiß aber nicht, ob er damit das Zeit geben (und keine Wohnung suchen) oder die Unterstützung meinte.

    Verpeiltheit, jaaa... Das war wieder der Brüller heute Abend. Mein Freund war hier, ich wollte Lasagne machen, habe den Ofen vorgeheizt, 2x geschaut, ob das Lämpchen aus und er heiß ist. Ging nicht aus, ich dachte, der heizt nach... mache den Ofen auf und stelle fest, dass ich nur das Licht angemacht hatte, statt auf Heizen zu stellen...


    Das mit dem Informieren ist eine Sache, die ich bei meinem Freund gerade wirklich zu schätzen weiß: Trotz der Aussage, dass er nicht an mich glaubt, hat er sich bereit erklärt, die Bücher zu lesen, die ich ihm besorgt habe (Chaosqueen und Traumtänzer, Wir fühlen uns anders, Lass mich, doch verlass mich nicht). Und er HASST lesen. In den 7 Jahren habe ich ihn Bedienungsanleitungen, Zeitschriften, Kataloge und Briefe lesen sehen, aber kein einziges Buch. Er ist sehr langsam damit, aber er tut es. Und das ist für mich schon so viel wert. Ich glaube nicht, dass er Monate oder Jahre braucht, weil ich ihm auch viel erkläre, wenn ich meine "Aussetzer" habe. Ihn interessiert das auch, und er versteht es auch irgendwie. Ein paar ADHS-Züge hat er auch, ich habe gestern mit ihm einen Fragebogen gemacht, bei dem zwar von ihm aus rauskommt, dass er "normal" ist - ich hätte ihn aber bei den meisten Sachen anders bewertet, als er sich selbst... vielleicht mache ich den Test nochmal mit meiner Einschätzung von ihm.

    Ich selbst habe die Auswirkungen von ADHS auf unsere Beziehung nach der Diagnose total unterschätzt. Wie gesagt, wir waren da schon 4 1/2 Jahre zusammen, und ich dachte, mit ihm habe ich ja kein Problem, er kennt mich ja mit meinen Eigenheiten und ist schon so lange mit mir zusammen... Und dann bekommt man am 7. Jahrestag mitgeteilt, dass er seit ungefähr 2 Jahren genau von den Dingen genervt ist und zwar noch Gefühle für mich hat, aber "momentan ist da keine Liebe!" Das passiert, wenn man jahrelang nicht sagt, was einen stört, aber trotzdem von der Person enttäuscht ist, weil sie nicht macht, was man von ihr erwartet - obwohl man es ihr nie gesagt hat.

    Die Frage, wer an was Schuld ist oder auch nicht, bringt aber leider sehr wenig, wenn es darum geht, ob noch Gefühle da sind. Nur weil er weiß, dass ich das nicht mit Absicht mache, liebt er mich nicht automatisch wieder. Aber ich denke, wir sind auf einem guten Weg. Wir reden. Wir haben uns damals sofort intuitiv gegenseitig verstanden. Es war von Anfang an so, dass wir gleichzeitig dieselben Gedanken hatten und dieselben Sachen gesagt haben. Ist es immer noch. Mein Fehler war, dass ich irgendwann nicht mehr auf mein Bauchgefühl ("er findet es scheiße, wenn ich heute nicht mitkomme") gehört habe, sondern auf ihn ("Ja es ist in Ordnung!" - "Sicher? Du wirkst nicht so..." - Ich habe doch gesagt, es ist in Ordnung!" - "Ok..."). Darauf werde ich jetzt wieder mehr achten. Damals, als wir zusammen gekommen sind, habe ich genau das gemacht. Wenn er sich damals in mich verliebt hat, kann er es wieder...

    Um mal wieder ansatzweise einen Bezug zum Thema herzustellen: Ich bin überzeugt, dass es gerade meine ADHS-Eigenheiten sind, wegen der er sich in mich verliebt hat. Und genau diese Eigenheiten sind offenbar beim Zusammenleben auf Dauer nicht mehr so charmant. Ich muss mich jetzt also einerseits daran erinnern, was ich damals anders gemacht habe als jetzt - gleichzeitig aber einen Weg finden, das mit einem angenehmen Zusammenleben zu vereinbaren. Dazu muss ich mir Sachen antrainieren, wie die Ordnung, aber ohne dabei wieder meine guten Eigenschaften zu verlieren. Argh, wieso muss alles immer so schwer sein?




  7. #37
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: Was wäre, wenn ich "ich" wäre

    Wieso sollte man denn gute Eigenschaften verlieren, wenn man in bestimmten Dingen an sich arbeitet? Kannst du da mal ein Beispiel nennen?

    Ich würde mich auch nicht für eine Person oder "die Gesellschaft" ändern wollen, ich glaube bei mir wäre das dann auch zum Scheitern verurteilt, ich möchte mich ändern weil ich selbst unter meinen Defiziten leide, nicht andere.

  8. #38
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 34
    Forum-Beiträge: 37

    AW: Was wäre, wenn ich "ich" wäre

    Gute Eigenschaften sind zum Beispiel das Spontane, das Hören auf das Bauchgefühl, ohne viel darüber nachzudenken. Natürlich jetzt nicht im negativen Sinne, wie das hier schon erwähnt wurde, also jemanden zu beschimpfen oder sowas. Ich meine Dinge, die die "Normalen" überraschen, faszinieren und mitreißen könne, weil sie selbst nie auf so etwas gekommen wären oder falls doch, es niemals in die Tat umgesetzt hätten.

    Verlieren kann man das, wenn man dann einfach zu viel nachdenkt, ob und wie das ein "Normaler" tun würde, weil man selbst gerne "normal" wäre. Wenn man sein Bauchgefühl ignoriert. Dann macht man es entweder halbherzig oder gar nicht. Wenn das aber genau das ist, was ein anderer an dir mag, und du trainierst es dir selbst ab... nicht so gut. Ich habe in letzter Zeit in meiner Beziehung mein Bauchgefühl ständig ignoriert bzw. dachte, ich irre mich, weil mein Freund oft mit Worten etwas anderes gesagt hat als ich nonverbal von ihm wahrgenommen habe. Ich habe ihm geglaubt, und jetzt stellt sich heraus, dass mein Bauchgefühl immer richtig lag und mein Kopf falsch. Die besten Entscheidungen meines Lebens habe ich getroffen, weil ich dabei das Gefühl hatte, dass es gut oder vielleicht nicht unbedingt angenehm, aber richtig ist. Zum Bespiel meiner Chefin vom ADHS zu erzählen, als meine Festanstellung auf der Kippe stand, weil ich das ADHS nicht ganz verbergen konnte und deshalb teilweise unangenehm aufgefallen bin. Jetzt habe ich die Festanstellung. Oder auch vor 7 Jahren, als ich nach einem halben Jahr für meinen Freund durch halb Deutschland gezogen bin, weil ich wusste, dass er der Richtige ist.

    Ob man sich für sich selbst ändert oder für wen anderen, hängt doch irgendwie immer zusammen. Wenn es keine anderen gäbe, die mein Verhalten stört, warum sollte ich es dann ändern? Ob ich jetzt staubsauge oder morgen - wenn keiner hier ist und ich halt heute keine Lust habe... Wenn allerdings Besuch kommt, ist das wieder was anderes. Ob ich meine Arbeiten schön hintereinander erledige und mir alles aufschreibe, oder ob ich wild von einer Aufgabe zur nächsten springe und mir ein paar Dinge erst zwei Tage später zufällig wieder einfallen - wenn das nicht andere Leute, insbesondere der Chef, bemerken, interessiert es doch keinen, wie ich chaotisch meine Arbeit mache. Im Endeffekt ändert man sich immer zumindest zum Teil für andere.

    Ja, ich ändere mich für meinen Freund, weil er die Probleme mit meinem Verhalten hat, und zwar so sehr, dass er es hier in der Wohnung nicht mehr ausgehalten hat. Ich finde mein Chaos selbst auch nicht toll, aber ich könnte damit leben. Er aber nicht. Und ich liebe ihn und möchte, dass er mit mir zusammen bleibt und hier wohnt. Wenn er das nicht tut, geht es mir schlecht. Am Ende ändere ich mich also doch für uns beide - für ihn, damit er sich zu Hause wohl fühlt. Für mich, weil es mir schlecht geht, wenn er nicht da ist. Und ja, ich finde es auch durchaus besser, wenn es aufgeräumt ist, nur der Weg dahin war vielleicht etwas hart... aber vielleicht auch nicht, und ich habe diesen Ar***tritt gebraucht, um selbst zu merken, dass ich es besser kann.

  9. #39
    Impulsbombe

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 58
    Forum-Beiträge: 3.121

    AW: Was wäre, wenn ich "ich" wäre

    Ich denke dass hier mehr oder weniger gewollt 2 verschiedene Themen zusammengeworfen werden. Zum Einen "Das bin ich(nicht) und ich lasse mich nicht verbiegen" und 2."Das kann ich (nicht) und /aber ich kann mich (nicht) ändern"
    Beide sind zwar eng miteinander verbunden, aber ganz unterschiedliche Probleme. Sein Verhalten verändern ist sehr schwer,aber immer noch leichter als die Persönlichkeit.

  10. #40
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: Was wäre, wenn ich "ich" wäre

    Das man nicht mehr auf sein gesamtes Bauchgefühl hört oder generell eine Eigenschaft komplett abschaltet kann ich nich bestätigen, mit Therapie lerne ich nach und nach nur in ganz bestimmten Situationen z.B. meine Impulsivität zu steuern. Es gibt nicht ja oder nein, sondern dosiert und an den richtigen Stellen.

    Ich fühle mich selbst nicht wohl, wenn es dreckig um mich herum ist, wenn ich ständig einen Schlüsseldienst bezahlen muss, wenn ich Mahnungen zahlen muss weil ich die Post nicht geöffnet habe etc.....

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