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Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #1
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 547

    Wieviel Schonung ist richtig?


    Hallo,

    diese Frage beschäftig mich schon seit einigerZeit.


    Ich achte inzwischen gut darauf mich nicht zuüberfordern. Wähle Aktivitäten (besonders am Wochenende) bewusst aus, versuchemich in der Arbeit nicht mehr hochpushen zu lassen bzw. mir eine Auszeit aufdem Klo oder bei einem Gang ums Gebäude zu verschaffen wenns mir zu viel wird.
    Auch mache ich wirklich nur noch was mit Leutendie ich wirklich mag. Bis vor einiger Zeit habe ich mich auch mehr zwanghaftmit Leuten getroffen die ich/wir gar nicht so gerne mögen. Zu denen haben wirjetzt den Kontakt abgebrochen und ich habe das Gefühl, dass die nicht wirklichtraurig sind, zumindest hat sich keiner mehr von denen gemeldet.
    Lässt sich ein Zusammentreffen nicht vermeiden,bin ich höflich aber sonst zurückhaltend (gelingt mir auch immer besser –früher dachte ich immer ich muss immer nett sein, jeden mögen).

    Auch schaue ich am Abend kaum mehr fern, wenndann irgendeine Doku oder ein vorher aus der Programmzeitschrift ausgesuchterFilm der mich interessiert. Will meinFreund fernsehen und ich nicht geh ich entweder ins Bett oder ich mach mirOhrstöpsel rein um zu lesen oder was anderes zu machen. Radio höre ich imprivaten auch nicht. Höchstens im Auto mit meinem Freund, wenn ich alleinautofahre dann CD oder Hörbuch. Nachrichten schau ich auch kaum mehr. Ich kanndas ganze Gedöns aus Urkaine, PEGIDA, Terror, Krankenhauskeimen, Wirtschaftskrisen,Krieg und Unfällen einfach nicht mehr hören.
    Im Internet schaue ich eigentlich auch nur nochMails, ein bisschen im Forum.

    Auch geh ich für einen Erwachsenen heutzutageunüblich früh ins Bett. Egal mit wem ich rede, die gehen alle erst ab 11 insBett, auch wenn sie um 6 wieder raus müssen – teilweise sogar nach Mitternacht.Ich muss bei einer Aufstehzeit von 6:30 Uhr allerspätestens um halb 11 schlafensonst bin ich am nächsten Tag Matsch. Auch schlafen mein Freund und ich öftersgetrennt – besonders unter der Woche. Ich schlaf da einfach besser wenn keinerneben mir ist. Ich bin ein Einzelkind und war immer alleine beim Schlafen, ergenauso. Schlafe ich am Wochenende bei ihm tu ich mir immer Ohrstöpsel rein. Erund ich natürlich auch würde das schöner finden wenn ich immer bei ihm schlafenwürde, aber ich schlaf alleine halt besser.

    Ich fühle mich damit besser. Aber das isteigentlich das, was ich bei meinen Schwiegereltern immer belächelt habe. Diebeiden leben in absoluter Stille, schauen nur mal die Nachrichten um halb 7 undab 20:15 Uhr dann wieder irgend nen Film oder ne Musikshow. Und gehen, obwohlsie beide Rentner sind, um 10 (spätestens!) in getrennte Betten.

    Wenn ich anderen davon erzähle äußern die immerBedenken, dass ich nicht verschroben werde, bzw. irgendwann gar nichts mehraushalte, weil ich nicht mal ein bisschen Action gewohnt bin. Auch kommen dannSätze wie „Und du willst mal Kinder haben?! Du weißt schon, dass die Lärmmachen, oder?“ oder „Du weißt schon, dass einem Kind das herzlich egal ist obdu jetzt Ruhe willst?! Du bist zu bequem für Kinder. Lass es lieber!“

    Ich muss halt immer an den Bewegungsapparatdenken. Wenn ich den nicht benutze, dann wird er auch kaputt und ich bekommeSchmerzen. Nicht, dass es mit dem Nervenkostüm auch so ist. Je weniger ich esbeanspruche umso empfindlicher wird es. Ich merke es ja schon selber. Früherhaben mir Volksfeste, Disco usw. nix ausgemacht. Jetzt meide ich das schontotal weil ich mich dort langweile und ich die Hektik und Enge nicht mag. Esist nicht so, dass ich klaustrophobische Panikattacken bekomme, ich überlegemir einfach was es mir bringt mich mit einem Haufen anderen da reinzuquetschen,was zu trinken und mich mit ihnen anzuschreien um ein Gespräch führen zu können.Und komme immer wieder zu dem Schluss, dass es mir nix bringt.

    Lieber bin ich mit netten Leuten im kleinenKreis in einer Privatwohnung wo man dann Spiele spielt, was isst o.ä. AmSamstag haben wir einen Spielenachmittag verabredet, da freu ich mich schon.

    Meine Psychologin meint solange ich mich nichtvon sozialen Kontakten gänzlich zurückziehe (und das tu ich ja nicht) ist dasvollkommen ok. Ich soll das so machen wies für mich am besten ist.

    Wie seht ihr das? Schont ihr euch bewusst? Wiegeht eure Umwelt damit um? Bekommt ihr auch komische Kommentare an den Kopfgeworfen?

    Ich weiß schon, dass ich das so machen muss wieich das möchte/brauche/für mich gut finde. Aber ein bisschen Training wäre dochauch nicht verkehrt, oder?

    Ich bin etwas unschlüssig und würde mich überAntworten freuen
    Lg Susilein

  2. #2
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Forum-Beiträge: 52

    AW: Wieviel Schonung ist richtig?

    Hallo

    Ich finde es durchaus auch wichtig sehr darauf zu achten, was ich mir zumute und was nicht. Das mit den Ohrenstöpsel ist bei mir auch so, liege neben meiner Partnerin fast immer mit Ohrenstöpseln, weil ich bei jeden noch so kleinen Geräusch aufwache. Das Alleineschlafen bevorzuge ich auch gerne, ist aber dann schwierig, da sie dann bemängelt, daß wir zu wenig zusammen sind, ich find das oft ne Gradwanderung.

    Ich glaube nicht, daß eine Art Training möglich ist um sich mehr und mehr, beispielsweise Lärm zu muten zu können, ich denke es sind die ruhigen Momente wichtig um den vielen Input wieder aushalten zu können. Mit der Aussage, daß Kinder laut sind haben deine Freunde durchaus recht, ich habe zwei Jungs und die sind extrem laut, ständiges Kloppen, streiten und schreien, aber wir Menschen sind (auch trotz ADHS) lernfähig und finden dann schon raus wie es (eingigermassen) geht. Weil auch mit Kindern hast du ruhige Momente, auch da kannst du Auszeiten haben und manchmal sind auch Kinder ruhige Wesen.

    Und was soll schon falsch daran sein nicht mehr fernzuschauen, sondern sich gezielt Sachen anschauen oder anhören, ich finde das klingt ganz gut wie du das machst, vielleicht solltest du dir da nicht den Kopf drüber zerbrechen, wichtig ist doch, daß es sich für dich (und nicht für die anderen) gut anfühlt.

    Liebe Grüße

  3. #3
    Chaoprinzessin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 12.445

    AW: Wieviel Schonung ist richtig?

    Ich suche auch Ruhe, immer wieder, weil ich es brauche... Ohrenstäpsel bei schlafen oder wenn ich in der Stadt gehe oder im öV. Kaum Musik, Wenig Fernseh (was sie da zeigen stresst mich immer mehr). Ich gehe meistens vor 11h ins Bett. Zwischen 9h30 und etwa 10h30... Dabei muss ich oft nicht sehr früh aufstehen... Ich mache auch viel Pause, arbeite Teilzeit und bevorzuge ruhigen Job. Wenn Kolleginnen laut quatschen, habe ich echt nach 2 Stunden genug und will ich nur eines: Dass sie ihre Klappe endlich man zuhalten...

    Dabei geht es mich besser und es wird mich bewusst wie ich früher dauernd Reizüberflutet war und deswegen auch sehr reizbar. Jetzt passiert weniger und oft nur kurz.

    Meine Umfeld hat manchmal auch kommisch reagiert, aber ich sage jetzt einfach dass ich es brauche, sonst werde ich schwieriger im Umgang (reizbar, impulsiv, ungeschickt, vergesslich).

    Ich merke so bald es zu viel wird, wenn ich zu wenig Ruhe bekomme: Es herrscht Chaos, ich vergesse sehr vieles... Habe ich genug Ruhe, aber ich mein Alltag im Griff.

  4. #4
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 547

    AW: Wieviel Schonung ist richtig?

    Hallo,

    danke für eure Antworten :-)

    Ich weiß, dass ich es so machen muss wies für mich gut ist.

    Vielleicht erzählen die anderen das auch nur so, dass sie erst um halb 12 oder so ins Bett gehen um cool zu sein und zu zeigen was sie alles aushalten - man weiß ja nicht wie lange sie vorher schon auf dem Sofa geschlafen haben ;-)

    Heutzutage zählt ja nur noch Leistung und wenn man nicht in der Arbeit ist und Erfolg hat dann hat man sich gefälligst auf irgendwelchen Partys oder in Club/Disco zu amüsieren oder man powert sich zu Musik und Fernsehbild auf einem Fitnessgerät im Fitnessstudio aus.

    Von manchen wird man ja schon schief angeschaut wenn man erzählt, dass man Samstag Abend daheim war... "Du bist doch noch so jung! Jetzt igel dich halt nicht immer so ein und geh mal ein bisschen auf die Piste! Du wirst sehen, es wird dir guttun!"

    Dieses besserwisserische Gelaber nervt total. Vielleicht meinen die es aber auch nur gut, weil denen, eben durch ihre Kinder genau das nicht mehr allzu oft möglich ist.

    Auch Leute die nebenbei noch mehreren Vereinen angehören kann ich nicht verstehen. Wie machen die das? Ich schaffe es nicht mal 1xwöchentlich zum Bowling-Clubabend zu gehen und die sind in 2 Blaskapellen, dem Schwimmverein und machen auch so noch viel Sport oder treffen auch unter der Woche ständig Freunde. Auch bei Bewerbungen wird es heutzutage schon erwartet, dass man in mindestens einem Verein ist und sich am besten auch noch ehrenamtlich irgendwo engagiert.

    Ich glaube aber, dass das auch wieder so ein Gesellschaftsphänomen ist. Man muss immer was sinnvolles tun bzw. ETWAS tun. Einfach mal in Muße wo sitzen ist einfach nicht mehr "hipp". Mein Freund hält es nicht mal aus sich 5 Minuten auf eine Parkbank zu setzen und in die Landschaft zu schauen. Meist steht er dann daneben und wartet bis ich fertig gesessen und geschaut habe... oder er zieht dann das Handy raus und checkt Mails. "Warum? Das kann ich doch jetzt schnell machen. Wir machen doch eh grad nix!"
    Auch in der Arbeit ist es so. Man muss immer was sinnvolles tun. Sich mal einfach was aus Interesse anschauen ist unproduktiv und demzufolge zu vermeiden. Auch wenn man sich dadurch weiterbilden würde. "Steck da nicht so viel Zeit rein, das bringt nichts! Tu lieber was sinnvolles!" und schon hat man das nächste Teil auf dem Tisch was man unbedingt schnell! erledigen muss.

    Ich glaube den Umgang damit muss ich noch lernen bzw. auch das "Für mich einstehen". Genauso wie ich die letzten Monate schon viel gelernt habe...

    lg Susilein

  5. #5
    Chaoprinzessin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 12.445

    AW: Wieviel Schonung ist richtig?

    Ich finde diese Gesellschaft wo es nur um machen geht, zu wenig um sein und wahrnehmen einfach krank... Mitmachen muss man auch nicht immer...

  6. #6
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 547

    AW: Wieviel Schonung ist richtig?

    Ja mj, da hast du Recht, aber es ist - finde ich zumindest - sehr schwer sich dem zu entziehen. Man merkt nämlich oft nicht direkt, dass es einen mitreißt - man fühlt sich nur irgendwann latent unzufrieden und unentspannt. Beginnt sich mit anderen zu vergleichen und stellt fest dass man sich von der Masse doch sehr deutlich unterscheidet. Eigentlich sollte mich das nicht mehr überraschen, ich unterscheide mich von der Masse schon mein ganzes Leben lang.

    Ich habe es auch nicht gemerkt, dass es mich letztes Jahr mitgerissen hat. Ok, ich war schon angeschlagen - ich habe ja schon ziemlich lange so gelebt (und habe auch gespürt, dass "irgendwas" nicht passt - wusste aber nie was), aber dass es zu viel ist merkte ich tatsächlich erst als es wirklich zu spät war um gegenzusteuern, es blieb nur noch die totale Notbremse.

    Noch dazu wenn man es auch noch unter die Nase gerieben bekommt. Ich zumindest fange dann immer wieder das Zweifeln an: "Ist es richtig? Igle ich mich nicht doch zu sehr ein?" In meinem Innersten weiß ich, dass ich Recht habe - mein Bauchgefühl ist überraschend gut (erlebe ich auch erst seit einigen Monaten immer wieder bewusst) - aber die Zweifel bleiben.

    Vielleicht muss ich einfach noch ein bisschen abwarten. Meine Psychologin sagt immer ich sei zu ungeduldig. Ich hätte es mir über Jahre hinweg angewöhnt so zu sein und es bräuchte auch seine Zeit das wieder loszuwerden.

  7. #7
    Chaoprinzessin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 12.445

    AW: Wieviel Schonung ist richtig?

    Ja, es stimmt, es ist schwierig und deswegen versuche dich zu zeigen dass manche Werten unsere Gesellschaft krank sind um dich zu bestädigen dass genug Ruhe zu nehmen, eine gute Sache ist.

    Ich hatte auch viel Zeit gebraucht mich davon zu entziehen, ich bin krank geworden. So was ist überzeugend genug und bleibt eine gut Argument, wenn jemand etwas sagt, dann sage ich dass ich es brauche, sonst werde ich krank.

    Was mich auch geholfen hatte und vielleicht ist es etwas auch für dich. Ich habe probiert wirklich auf mich zu hören. Auch wenn ich irgendwie mich ehe angepasst hatte, habe ich beobachtet wie es kommt und es kam ehe nicht so gut... Dann wenn ich wieder irgendwie unten Druck gesetzt werde, höre ich auf mich zu: Wie fühlt es sich an? Was brauche ich? Wie war es letzte Mal? Irgendwann war mich klar genug was stimmt und was nicht... Irgendwann war was anderen sagen nicht mehr wichtig, weil was ich wusste, doch sich als richtig erwiesen.

    Ich hatte auch die andere zu viel gehört... Mich zu wenig. Wenn ich mich höre, merke ich dass anderen nicht wirklich wissen, was für mich gut ist.

    Aber mich auch, packt ab und zu meine schlechte Gewissen... Andere nehme ich meistens rasch der Wind aus der Segel, aber meine blöde innere Stimme ist noch da.

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