Naja, du bist in einem AD(H)S-Forum und meinst du, hier wären so viele Leute, wenn es das nicht gäbe? Bedenke dabei, dass hier eher die Menschen aufschlagen, die Probleme haben und die, die ein Umfeld gefunden haben, wo sie zurecht kommen, gar nicht so gross in Erscheinung treten.

Ich würde mal behaupten, deine kontroversen Gedanken kommen daher, dass du es für dich noch nicht akzeptieren kannst, dass du da ggf. ein Defizit hast. Bisher warst du der, der es "geschafft" hat, der Macher, der eigentlich - trotz einiger Patzer - alles mehr oder weniger "im Griff" hatte. Mit dieser Diagnose müsstest du aber vielleicht zugeben, dass es nicht ganz so ist und du Defizite haben könntest, auf die du erst einmal keinen direkten Einfluss hast. Das es da vielleicht Sachen gibt, die du einfach nicht kannst oder zumindest nicht so gut kannst, wie Normalos. - Aber wie gesagt: Erst die Diagnose, dann die Akzeptanz.

Aber sei bitte so gut und schlag damit nicht so sehr um dich. Bei vielen Menschen hier ist der Leidensdruck enorm und genau diese sogenannten Experten und das, was die Medien daraus machen, machen diesen Menschen immer wieder das Leben schwer. Viele hören nämlich genau das immer wieder: "Das gibt es nicht, also stell dich nicht so an!" und genau das hat auch viele hier in den Zusammenbruch getrieben, weil sie eben das versucht haben.

Bezüglich du als Geldquelle kann ich nur sagen, red mit deiner Frau und berufe anschliessend notfalls eine Familienkonferenz ins Leben. Wenn du für dich erkannt hast, dass "schneller, höher, weiter ...." für dich kein Weg mehr ist, dann solltest du das auch konsequent verfolgen. Ich kann dir aus Erfahrung sagen, dass die Gesundheit unbezahlbar ist und ohne Gesundheit ist Geld - sofern man welches überhaupt (noch) hat - nicht mehr viel Wert. Ich denke jeder Mensch hat seinen speziellen Wert und der liegt eindeutig nicht im Haus, Wagen oder Urlaub. Sicherlich bist du aber noch anders erzogen worden, da wir ungefähr gleich alt sind, wage ich das mal zu behaupten, das die Erziehung noch recht geschlechtsspezifisch war.

Die Sache mit der Therapie und / oder Coaching stell mal vielleicht hinter die Diagnose und der Akzeptanz. Zwar könntest du jetzt vielleicht schon Nutzen daraus ziehen, aber wenn du wirklich die Diagnose bekommst und Probleme mit der Akzeptanz hast, dann wird das jetzt vielleicht in die Hose gehen. Du müsstest vorher für dich verbuchen können, dass du vielleich andere Wege beschreiten müsstest als ein Mensch ohne AD(H)S, weil diese für dich einfach nicht gangbar sind. Daher sollten diese Stellen dann - bei bestehender Diagnose - sich besser mit AD(H)S wirklich auskennen und das entsprechend berücksichtigen können.

Was die Arbeit betrifft: Nein, auf Arbeit plaudert man keine Schwächen aus, wenn sie nicht Stärken sind. Auf so hoher Ebene wird es immer jemanden geben, der genau mit diesen Gründen am Stuhl sägt. - Traurig aber wahr. - Besser man kennt seine Schwächen und auch die der Mitarbeiter und verteilt dann das Personal so, dass die Schwächen jeweils durch die Stärken eines anderen abgedeckt sind, der eigentliche Zweck der Teamarbeit. Ja, wahrlich schwierig.

Danke dir. Ich wünsche dir trotz allem auch einen schönen Sonntag.