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Diskutiere im Thema Viel vor ... nichts dahinter! --> Fehlender Antrieb. Wen geht es ähnlich ???? im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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  1. #31
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 909

    AW: Viel vor ... nichts dahinter! --> Fehlender Antrieb. Wen geht es ähnlich ??

    nando schreibt:
    Aber seit meiner frühen Jugend so ca. ab 15 J. zunehmend bis heute ins Erwachsenenalter nehme ich mir immer so viel vor zu verändern und zu erledigen.[



    Ich bin fast 41 J, und mir rennt die Zeit davon.

    Geht es Euch auch so? Und wie habt Ihr gelernt damit umzugehen?

    Nando

    Hallo nando,

    das könnte ich sein

    Außer, dass ich inzwischen über 50 bin. Manchmal bin ich erschrocken, weil das Leben "nach hinten raus" nun nicht mehr so endlos scheint, wie früher, als ich noch jung war. Jetzt erscheint mir die noch bleibende Zeit oft viel, viel, viel zu kurz....

    Das mit der "wegrennenden Zeit" kann mich total schachmatt setzen. Dann denke ich, dass sich doch alles nicht mehr lohnt ... also ganz ähnlich wie du es beschrieben hast.

    Ein wenig distanzieren kann ich mich von diesem atemlosen ängstlichen Gefühl, wenn ich mir das Zitat von ... äh... Dingsbums vergegenwärtige:


    „Zeit ist das Ding, das alles davon abhält, zugleich zu passieren. Zeit stückelt Momente in kleine Teilchen, so dass wir eine Sache nur zu einem bestimmten Zeitpunkt tun können. Bei ADHS kollabiert die Zeit. Zeit wird ein schwarzes Loch. Für eine ADHS-Person ist es, als ob alles zugleich geschieht. Das schafft ein Gefühl des inneren Tumults oder sogar der Panik. Das Individuum verliert die Perspektive und die Fähigkeit, Prioritäten zu setzen. Vielfach sind diese Leute hoch intuitiv und vorstellungsbegabt. Sie haben ein ‚Gefühl‘ für Dinge, eine Art, die Ursache von Dingen sofort verstehen zu können, während andere ihren Weg auf methodische Art durchdenken müssen.ADHS ist mehr als eine Sammlung von Symptomen, es ist eine Art der Lebensgestaltung, und bis vor kurzem war sie versteckt, auch vor denen, die davon betroffen sind..“ (US-amerikanischer Mediziner Edward M. Hallowell)
    Also das finde ich sehr einleuchtend und hilfreich, mich daran zu erinnern. Und unter dem Wissen dieses "verschobenen/schrägen Zeitgefühls" bei ADHS meine Gefühle ein wenig runterzukochen oder zu relativieren.

    Ich hab wie du auch ganz viel angefangen, wenig zu Ende gebracht. Vieles auch nicht in der "richtigen Reihenfolge" gemacht, so dass ich immer gegenläufig gelebt und gearbeitet habe und dadurch ist mir viel an Unterstützung und Gemeinschaft entgangen, weil ich den Weg aufgrund meiner *spezifischen* Planung eben meist alleine gehen musste.

    Beispiel: Ich hab ERST Kinder bekommen (viele Kinder... ) und dann mit Mitte 40 auf der Abendschule die Hochschulreife nachgemacht.

    Zum Thema Abendschule fällt mir gerade noch ein, wie gut ich das verstehen kann, dass du die Abendschule nicht gepackt hast... Das tut mir echt leid, wie es dir da ergangen ist.

    Ich hätte die Abendschule auf gar keinen Fall gepackt, wenn die von mir regelmäßiges Erscheinen erwartet hätten ...... Tatsache ist, dass ich eher abwesend als anwesend war.... Aber gelernt habe ich - für mich alleine zuhause - und so konnte ich die Prüfungen bestehen. Ich muss (und hier "durfte" ich es) nämlich nach meinen eigenen Regeln, Vorgaben und Energiehaushalt lernen dürfen. Dafür erntet man ja im Berufskontext eher selten Verständnis.

    Naja, danach ging es dann eben an die Uni und zunächst war ich selig!

    Dann setzte aber natürlich meine inhärente ADHS-Natur ein: Ich hab mich an der Uni noch für tausend andere Sachen interessiert, bin auch eher selten in die Veranstaltungen gegangen, usw... Habe therapeutische Ausbildungen absolviert, die meine Psycho-Kollegen NACH dem Studium machen; oder bin zu Fortbildungen gegangen, die ebenfalls erst NACH den Studium von den Psychos gemacht werden; habe die Heilpraktikerprüfung gemacht, undundund... "Luzie, du zäumst das Pferd von hinten auf", haben meine Kommillitonen zu mir gesagt und den Kopf geschüttelt. Stimmt, ja, ich mach es immer falsch rum, ja.

    So habe ich dann insgesamt 15 Semester gebraucht. Bin jetzt in der Diplomphase und zuversichtlich, dass ich bis Mai alles an Prüfungen gepackt habe und dann endlich Dipl-Psych. bin. Nach 16 Semestern und viel Schweiß und Tränen.

    Jedenfalls hab ich während des Studiums viel alleine machen müssen, weil meine KommillitonInnen eben eine andere Art zu arbeiten hatten/haben als ich. Die waren schneller und effektiver als ich.

    Meine Rettung war, dass ich während des Studiums eben die ADHS-Diagnose bekommen habe - wenn nicht, hätte ich das Studium geschmissen und für den Rest meines Lebens daran gelitten, dass ichs wieder mal vergeigt habe. Aus Verzweiflung, Selbsthass, VersagensANGST (die Angst vorm Versagen ist ja das Problem - weniger das "Versagen" selbst, odr wie siehst du das?)


    Ich hab auch schon jede Menge Hobbies gehabt, die ich enthusiastisch und mit hohem Materialaufwand *nicht* durchgehalten habe....

    Durch die Diagnose (und die "Tür", die sich dadurch in mir zu mehr Selbst-Verständnis öffnete!) und die Medikation ist manches besser geworden - vieles nicht. Man wird kein anderer Mensch. Dennoch sehe ich mich in guten Tagen als "Mensch im Werden" und habe Hoffnung und Zuversicht für mich.

    Vieles gelingt, von dem ich niemals gedacht hätte, dass ich das schaffen könnte - z. B. nach 2 Mal durchfallen in der Statistikprüfung beim 3. (und letztmöglichen!) Versuch mit ner 1 abzuschneiden, was mich glücklich gemacht hat. Aber vor allem hat es meine Selbstwirksamkeitserwartung ungemein gestärkt, denn die 1 gabs nicht aus Freundlichkeit, die habe ich mir in durchgeackerten Nächten und Tagen und mit Todesangst auf dem Weg zur Prüfung selber erarbeitet.

    Bei diesem schlimmen STatistikerlebnis hatte ich daher im Nachhinein das erste Mal wirklich das Gefühl, dass ich etwas schaffen kann, wenn ich mich dafür anstrenge.

    Dennoch bleibt, dass ich mir selber gegenüber immer wieder unzuverlässig handele. Manchmal kommt es mir so vor, als sei ich eine von zwei Zwillingen; und ich weiß nicht oft genug, welcher "Zwilling" an welchem Tag das Regiment führt.

    Ich halte auch manchmal Verabredungen nicht ein oder "verschwinde" aus dem Kontakt mit anderen Menschen - manchmal wochenlang. Das war früher für mich äußerst schambesetzt, mich dann bei den Leuten wieder zu melden, denn die Leute fühlten sich im sTich gelassen und konnten ja auch gar nicht nachvollziehen, was los war und ich konnte meine diffusen und chaotischen Gefühle, gedanken und Empfindungen auch nicht kommunizieren.

    Lernte also fast lebenslang, dass ich eine Belastung, Zumutung, Enttäuschung für andere (und für mich selbst) bin.

    Wenn man das so introjiziert hat, ist der Rückweg zu einer liebevolleren Selbstwahrnehmung nicht einfach. Es dauert. (Und mit der ZEIT haben wir es ja nicht so, nicht? )

    Aber es geht. Mir geht es besser als noch vor einem Jahr. sehr, sehr viel besser. Gar nicht so sehr von den Symptomen her wie ja schon beschrieben. Aber von der Selbstachtung her und vom Selbst-Vertrauen und der Selbstwirksamkeits-Erwartung.

    Ich denke immer öfter auch, dass ich mit Rückschlägen, Niederlagen, gescheiterten Projekten und "Misserfolg" rechnen muss nicht weil ich so ein unfähiger Mensch bin, sondern weil ich ADHS habe.

    Und manchmal gibt es Momente, da bin ich stolz auf mich, dass ich mit der lebenslangen unerkannten ADHS soooooo weit gekommen bin. Bis hierher. Und es war an manchen Stellen soooo schwer. Und dennoch habe ich mich niemals ganz aufgegeben, sondern immer weiter gemacht. Mit einem *neuen* Hobby, mit einem *neuen* Projekt, mit einem *neuen* Ziel.

    So ähnlich wie du eben.

    Ja.... das wollte ich dir halt auf deine Frage gerne von mir erzählen - weil du auch so viel von dir mitgeteilt hast. Das finde ich schön und berührend.

    Liebe Grüße,

    Luzie

  2. #32
    seit 01.12.2012

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 43
    Forum-Beiträge: 113

    AW: Viel vor ... nichts dahinter! --> Fehlender Antrieb. Wen geht es ähnlich ??

    Hallo Luzie und alle, die bis jetzt geschrieben haben,

    vielen Dank Euch allen für die vielen Antworten und Euren Sichtweisen. Auch Dir Luzi für den Letzten Beitag ....

    Luzie schreibt:
    Ich halte auch manchmal Verabredungen nicht ein oder "verschwinde" aus dem Kontakt mit anderen Menschen - manchmal wochenlang. Das war früher für mich äußerst schambesetzt, mich dann bei den Leuten wieder zu melden, denn die Leute fühlten sich im sTich gelassen und konnten ja auch gar nicht nachvollziehen, was los war und ich konnte meine diffusen und chaotischen Gefühle, gedanken und Empfindungen auch nicht kommunizieren
    ..... und genau so geht es mir gerade.

    Es haben sich mehr Leute auf meinem thread in vor allem so kurzer Zeit gemeldet, das ich zwar sehr dankbar darüber bin, mich zur Zeit aber auch etwas überfordert fühle, darauf zu antworten.
    Ich habe mir Anfangs fest vor genommen, allen Beiträgen zu antworten, was mir zuerst auch noch einigermaßen gelang.

    Es wurden zu meiner Überraschung so viele Meinungen geschrieben und so viel persönliches von Euch mitgeteilt, das ich etwas Zeit brauche, alles so für mich zu bewerten und auf mich wirken zu lassen. Bis dahin werde mir alles noch mehrere male durchlesen, mir mehrere male meine Gedanken dazu machen und mehrere male wieder weglegen.
    Ich will aber unbedingt noch einiges dazu schreiben.

    Ich hoffe, Ihr nehmt es mir nicht krumm.
    Vielen Dank auch für das Verständnis für einige meiner 'Unzulänglichkeiten', über die einige erzählt haben, wie sie diese auch an sich beobachten konnten.



    Bis bald ...
    Nando

  3. #33
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 3.120

    AW: Viel vor ... nichts dahinter! --> Fehlender Antrieb. Wen geht es ähnlich ??

    Hej nando,

    das ist leider eine Unzulänglichkeit von vielen AD(H)Slern...viele Ideen "im" Kopf, die Umsetzung jedoch , na ja , meist von der nächsten Idee dann in den Hintergrund gedrängt wird ...und schwupps gehen Jahre ins Land ...

    ...was da auch sehr hilfreich sein kann, möglichst Kleingruppe( bei größerer Gruppe ist die Gefahr zu groß unterzugehen oder bei unangenehmen Themen zu kneifen ) ADHS Gruppentherapie ( bei entsprechender Diagnose, wird dies von den Kassen übernommen ), wobei da die Erfahrungen sehr unterschiedlich sind, kommt auch darauf an wie es auch in jede/r normalen Therapie oder Coauching wichtig ist, das die Chemie stimmt...

    habe selbst eine ADHS Gruppentherapie mitgemacht , dort habe ich vieles gelernt, unter anderem auch an was dran bleiben, oder wie es sinnvoll ist dann in kleinere Arbeitsschritte zu unterteilen, vor allem zu sehen, erleben, anderen geht es auch so, war schon erleichternd ...auch andere Themen waren da dran wie Umgang mit Impulsivität ...

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