Zeige Ergebnis 1 bis 4 von 4

Diskutiere im Thema Assoziative Ablenkung, zwanghaftes Wiederholen von Texten, Erfolgszwang u.a. Pr. im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #1
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 139

    Beitrag Assoziative Ablenkung, zwanghaftes Wiederholen von Texten, Erfolgszwang u.a. Pr.

    Morgen liebe Chaoten,

    Ich hatte dieses Thema bereits Mitte dieses Jahres eröffnet, aber durch den großen Serverausfall ist es verlorengegangen. Glücklicherweise hatte ich noch eine Kopie des Inhalts auf dem Rechner und habe mich jetzt entschlossen das Thema erneut zu eröffnen.

    Aktuell macht mir meine Angst- und Zwangsstörung schwer zu schaffen, aber neben der Angstproblematik ist natürlich die ADHS-Problematik von Bedeutung: die Unfähigkeit sich zu bestimmten Dingen zu motivieren, schwankende Motivation/Stressbereitschaft bzw. Stimmungsschwankungen (depressive Verstimmungen, die Stunden oder Tage anhalten können) und daraus folgend ein chaotischer Arbeitsstil: nicht arbeiten wenn man "keinen Bock darauf" hat, dann aber wieder hochmotiviert arbeiten um "die Gelegenheit auszunutzen" (mit Gelegenheit meine ich, eine plötzlich auftretende Arbeitsmotivation oder einen "guten Arbeitsmodus" auszunutzen) - auch wenn der Zeitpunkt völlig Fehl am Platz ist, z.B. Mitternachts plötzlich mit dem Arbeiten beginnen und den Schlaf "wegrationalisieren" usw.

    Aber neben Angst und Motivationsproblemen hindern mich auch andere Probleme am effektiven Arbeiten -und das sind Probleme, die ich noch bis vor Kurzem so nicht wahrgenommen hatte.Ich hatte bis dahin gedacht, dass es ADHS-Probleme sind aber in den letzten Jahren ist mir klar geworden, dass der überwiegende Teil mit Zwanghaftigkeit und höchstwahrscheinlich mit meiner Zwangsstörung zu tun hat. Erstmal eine Aufzählung der Probleme, die mir während des Lernens häufig begegnen:

    - assoziatives Abschweifen vom eigentlichen Thema (Abschweifen in völlig andere Themen, die aber assoziativ mit dem eigentlichen Thema verbunden sind)

    - zwanghaftes Wiederholen von Texten (den selben Satz oder Text erneut lesen, weil ich "den Satz/Text nicht aufmerksam genug gelesen habe" oder "den Satz/Text nicht wirklich verstanden habe, da ich ja vielleicht nicht aufmerksam genug war")

    - Erfolgszwang (ich "muss" den Text / den Lernstoff "verstehen" - dadurch Verkrampftheit als Folge bzw. Arbeiten unter psychischem Druck)

    - Frustrationsintoleranz (begeistertes Arbeiten solange ich den Lernstoff verstehe sowie gut und zügig vorankomme, tiefer Motivationseinbruch (und wenig später dann auch Verschwinden von Konzentration und Aufmerksamkeit)wenn ich irgendwo steckenbleibe oder nur langsam vorankomme("Lernstau") bzw. wiederholte aufeinanderfolgende Misserfolge (wiederholtes Scheitern wieder zügig voranzukommen) - also das Gefühl von geringer Lerneffizienz und das Gefühl sich umsonst/sinnlos anzustrengen)


    Die Punkte 1, 2 und 4 könnte man ja auf den ersten Blick als ADHS-Probleme bezeichnen - auf Punkt 1 und 4 trifft das auf jeden Fall zu. Aber zumindest Punkt 2 ist mit Sicherheit auch Ausdruck meiner Zwangsstörung. Ebenso Punkt 3. Aber mehr dazu gleich. Erstmal eine detaillierte Beschreibung der oben genannten Punkte:


    Assoziatives Abschweifen:

    Dieses Problem fiel mir zum ersten Mal 2003 auf, kurz nach dem Beginn des 11. Schuljahrs. Ich bekam Vieles von dem, was der Lehrer im Unterricht sagte, nicht mit - denn sobald der Lehrer etwas sagte, dachte ich über das gerade Gesprochene weiter nach; mir fielen unwillkürlich neue Gedanken über das gerade Gesprochene ein (also Gedanken, die mit dem Gesprochenem thematisch assoziiert/verwandt sind) und während ich diese Gedanken dachte (welche ihrerseits wiederum zu neuen assoziierten Gedanken führten -> Verzweigung von Gedanken) hörte ich die Lehrerstimme nicht mehr (ich hörte sie schon, aber ich nahm sie nur noch als Lärm wahr) ! Ich merkte gar nicht, dass ich vom Thema abschweifte und erst nach ein paar Minuten vernahm ich wieder die Lehrerstimme und musste frustriert feststellen, dass ich den restlichen Schulstoff nicht mitbekommen habe.

    Gegen dieses "Abdriften" in andere Gedanken war ich vollkommen machtlos.Ich versuchte es zu unterdrücken und meine innere Stimme sagte mir, dass ich nicht an was Anderes denken soll - und da passierte es wieder! Während ich meiner inneren Stimme zuhörte, waren wieder ein paar Minuten vergangen und der Lehrer war schon wieder woanders. Das Ganze wird als "assoziative Denkweise" bezeichnet und erst letztes Jahr (2013) habe ich herausgefunden, dass meine Denkweise mit der assoziativen Denkweise übereinstimmt, nämlich hier:


    http://emoflex.com/?p=907

    Dasselbe Problem fiel mir 2011 erneut auf: ich hatte im Frühjahr 2011 versucht mein Abitur nachzuholen, dabei fiel mir auf, dass ich beim Lesen von Texten öfters abschweifte - auf die selbe Art und Weise wie oben beschrieben (automatisch neue Gedanken, die mit dem gelesenen Text thematisch assoziiert/verwandt sind).Und wie 2003 merkte ich erst nach ein paar Minuten (manchmal sogar noch länger), dass ich wieder ganz woanders war als beim eigentlichem Thema.

    Das assoziative Abschweifen ist viel geringer, wenn ich hochmotiviert oder hyperfokussiert bin - bei Letzterem ist es oftmals sogar gar nicht vorhanden. Interessant ist auch,dass das assoziative Abschweifen auch bei angenehmen Aktivitäten auftritt - z.B. beim Computerspielen, wenn meine Motivation abfällt (z.B. weil meine Trefferquote in Ego-Shootern sinkt/wiederholte Misserfolge oder der"Kick" nachlässt) schweife ich geistig/kognitiv und auch gedanklich von der eigentlichen Tätigkeit ab.


    Zwanghaftes Wiederholen von Texten:

    Da ich durch mein ADHS sehr häufig unaufmerksam und vergesslich bin, habe ich als Folge dessen häufig Kontrollzwänge - denn die schmerzlichen Erfahrungen der Vergangenheit(z.B. zahlreiche Wertsachen verloren als Folge von Unaufmerksamkeit und Vergesslichkeit) lehrten mich, Dinge und Situationen öfter zu überprüfen als normale Menschen. Dieser Umstand beeinflusst sogar mein Lernverhalten: Da ich beim Lesen von Lernstoff häufig vom Thema abkomme (durch assoziative Abschweifung oder auch durch nicht "genug" Aufmerksamkeit) frage ich mich ständig, ob ich eine bestimmte Stelle im Text bereits durchgelesen habe -und sogar dann, wenn ich mir ziemlich sicher bin, dass ich die Stelle bereits durchgelesen habe, lese ich sie mir trotzdem nochmal durch um "auf Nummer sicher zu gehen". Und sogar das ist noch nicht genug: es reicht ja nicht,eine bestimmte Stelle nur zu lesen - ich muss sie ja auch verstehen! Und vor allem wenn ich unmotiviert bin (oder einfach den Text nicht verstehe, weil ich nicht auf Anhieb begreife, was der Text mir sagen will) "versteh" ich den Text nicht wirklich (möglicherweise schon, aber ich glaube mir selber nicht- vielleicht hab ich es verstanden, vielleicht auch nicht) oder ich habe den Text nicht "gut genug" verstanden. Das führt ebenfalls dazu, dass ich mir eine bestimmte Stelle im Text (und öfters auch den ganzen Text!) erneut durchlese, um ihn "wirklich zu verstehen"!

    Das kostet mich viel Zeit und Nerven und trägt zur Frustration bei. Dieses Problem ist mit Sicherheit auch Ausdruck meiner Zwangsstörung, denn dieses Problem hatte ich vor dem Ausbruch meiner Zwangsstörung nicht - dieses Verhalten ist mit Sicherheit auch eine Art Kontrollzwang. Fest steht aber auch, dass mein ADHS für meine Kontrollzwänge entscheidend mitverantwortlich ist (ebenso für andere Anteile meiner Zwangsstörung) da ja Vergesslichkeit und Unaufmerksamkeit tatsächlich vorhanden waren.


    Erfolgszwang / "verkrampftes" Angehen der Arbeit:

    Was mir ebenfalls auffällt, ist, dass ich bestimmte Arbeiten wegen Ambitioniertheit/Erfolgszwang völlig verkrampft angehe - was dann zur Folge hat, dass sich mein Leistungspotential und meine Arbeitseffizienz deutlich (oder sogar stark)verringert. Es gibt ja Tätigkeiten und Aufgaben, die macht man freiwillig oder einfach nur als Hobby/Zeitvertreib und da besteht dann auch kein Erfolgsdruck(sprich: man legt keinen Wert darauf, ob das gesetzte Ziel erreicht wird oder nicht - es ist einem "egal" und oftmals ist gar kein bestimmtes Ziel gesetzt).

    Aber es gibt auch Tätigkeiten und Aufgaben, die "müssen" klappen - zumindest wird gefordert (meistens von anderen Personen) dass sie erfolgreich ausgeführt werden oder der Erfolg bzw. das Erreichen eines gegebenen Ziels ist auf jeden Fall erforderlich. Die besten Beispiele hierfür sind natürlich Aufgaben, die man im Beruf oder in der Schule erteilt bekommt - es wird von einem erwartet, dass man die Aufgabe korrekt ausführt bzw. in der Schule wird von einem erwartet, dass man den Lernstoff versteht und Aufgaben korrekt beantwortet. Hier herrscht also auf jeden Fall Erfolgsdruck.


    Ich weiß jetzt nicht wie die Stinos mit Erfolgsdruck umgehen, aber bei mir hat das fast immer zur Folge, dass ich die Arbeit dann völlig verkrampft angehe - ich glaube nicht,dass ich dieses Problem vor dem Ausbruch meiner Zwangsstörung (Ende des 16. Lebensjahrs)hatte und ich weiß auch nicht, ob es unmittelbar nach dem Beginn meiner Zwangsstörung schon vorhanden war, aber ich habe dieses Problem definitiv schon seit mehreren Jahren; also schon seit Längerem.

    Wenn ich eine Tätigkeit aus Eigenmotivation und ohne Erfolgszwang (also kein Erfolgsdruck,keine Erwartungen und keine Gebundenheit an irgendwas vorhanden - weder von anderen anderen Personen noch von eigener Ambition aus) mache und auch keine sonstigen Einflüsse (etwa Zeitlimit oder andere Beschränkungen) vorhanden sind, dann bin ich "frei" und ich kann mein gesamtes Potential ausnutzen (ich kann mich "öffnen" und das Thema völlig "natürlich"angehen). Das ist bei spontanen Aktivitäten bis jetzt immer der Fall gewesen.

    Seit 2008 sind Drogen bzw. Neuropsychopharmakologie eines meiner Interessensgebiete (und damit meine ich nicht nur illegale Drogen sondern auch legale Psychopharmaka) - und das fast nur auf theoretisch-wissenschaftlicher Ebene (für die"Praxis" bin ich noch nicht soweit^^). Nicht selten verbringe ich Stunden damit (meist durch einen spontanen Impuls heraus), irgendwelche pharmakologischen Zusammenhänge im Internet zu recherchieren oder Wikipedia-Artikel zu verschiedenen Drogen/Psychopharmaka zu studieren, in Drogen-Foren zu stöbern, usw. - und ich kann dieser Sache über mehrere Stunden hochmotiviert, hochkonzentriert und mit voller Effizienz nachgehen obwohl viele Inhalte auf komplexem wissenschaftlichen und sachlichem Niveau sind - da kein Erfolgszwang und auch kein sonstiger Druck vorhanden ist, gibt es auch Nichts welches wirksames/effizientes "Arbeiten" (es ist ja keine klassische Arbeit) meinerseits zunichte machen könnte.

    Und jetzt wage ich mal folgende Behauptung aufzustellen: ich bin mir sehr sicher, dass ich auch dieses Thema (Drogen) erfolgreich vermasseln würde, wenn hier ein Erfolgszwang (z.B. fremdbestimmte Aufgabe zu diesem Thema) vorläge - der Erfolgsdruck würde dazu führen, dass ich dasselbe Thema völlig verkrampft angehe (wo ich sie doch ansonsten völlig locker, spontan und hochmotiviert angehe) was dann vermutlich zur Folge hätte, dass ich dasselbe Thema nicht mehr wirksam/effizient angehen kann und deutlich unterhalb meines geistigen Leistungspotentials liegen würde. Ich habe das Gefühl, dass ich nur dann effizient Arbeiten kann wenn: 1.) Eigeninitiative vorhanden ist (ich irgendeine Aufgabe aus eigener Motivation aus angehe) und 2.) nicht durch irgendwelche negativen Einflüsse (etwa Erfolgszwang, Vorgaben und Regeln von Außen) eingeengt werde.

    Das Beispiel mit den Drogen ist natürlich stark übertrieben - möglicherweise wäre ich bei diesem Thema nicht verkrampft, auch wenn sie von Außen verbindlich wäre. Ich habe gerade nur deswegen dieses Thema als Beispiel gewählt, um klarzumachen dass nicht die Tätigkeit selbst, sondern mein Umgang damit das Problem ist…

    Jedenfalls führt der Erfolgszwang bei mir auch zu Fehlerintoleranz: ich werde die Befürchtung nicht los, den Lernstoff "nicht verstanden" oder "nicht gut genug verstanden" zu haben und werde dementsprechend empfindlicher für etwaiges Auftreten von Fehlern (Verhindern von Fehlern bekommt für mich einen erhöhten Stellenwert) - denn man erwartet von mir ja, dass ich den Lernstoff verstehe und ich "muss" (?) den Lernstoff in einem befristeten zeitlichen Rahmen verstehen...


    Frustrationsintoleranz:

    Ich denke hierzu brauche ich nicht viel zu schreiben - und ich schätze mal, viele von uns haben ebenfalls mit diesem Problem zu kämpfen. Ich bin hochmotiviert wenn ich eine Arbeit anfange und meine Motivation kann ich aufrechterhalten, solange ich stetig Fortschritte mache und nicht irgendwo steckenbleibe. Im Frühjahr 2011 hatte ich, wie bereits gesagt, versucht mein Abitur nachzuholen. Mein Chemieheft konnte ich motiviert und (relativ gut) konzentriert durcharbeiten ohne großartig irgendwo steckenzubleiben.

    Dasselbe bei meinem Politikheft - zumindest am Anfang. Da Politik mich durchaus interessiert, war ich auch hier anfangs motiviert und (relativ) effizient. Doch gegen Mitte des Heftes wurden die Texte immer länger und die Zusammenhänge immer komplexer. Ich bekam zunehmend Schwierigkeiten den wesentlichen Sachverhalt zu verstehen und vor allem dabei, Textabschnitte auf das Wesentliche zusammenzufassen. Ich glaube nicht, dass Intelligenzmangel der Grund dafür ist, sondern vielmehr meine Unfähigkeit zwischen Wichtigem und Unwichtigem zu unterscheiden - kaum eine Information in den Texten kam mir unwichtig vor bzw. ich empfand fast jede Information als durchaus wichtig. Da ich aber den Text zusammenfassen wollte,musste ich mich bei der Wahl von Informationen beschränken - was dann massiv zu Problem Nr.2 (zwanghaftes Wiederholen von Texten) führte: ich begann den selben Textabschnitt immer wieder zu lesen, um besser erkennen zu können welche Informationen wichtig und welche unwichtig sind.

    Am Ende habe ich es zwar geschafft den Text zusammenzufassen, aber das kostete mich enorm viel Zeit - was dann im Ergebnis dazu führte, dass ich nur sehr langsam vorankam.Und das war der eigentliche Motivationskiller: es war für mich inakzeptabel, dass ich für 1-2 Seiten Text eine knappe Stunde brauchte, wo ein Stino wohl nur 20 Minuten brauchen würde. Es war also das Gefühl von Ineffizienz, nämlich großer Aufwand mit geringen Ergebnissen - also sich unnötig mehr anstrengen zu müssen als es gerechtfertigt ist (ich jedenfalls halte es definitiv NICHT für normal, für das Zusammenfassen von 1-2 Seiten Text fast eine Stunde Zeit zu brauchen…). Zu langsames Vorwärtskommen ist für mich genauso demoralisierend wie das Steckenbleiben: im Fall des Politikhefts bekam ich zunehmend die Angst,dass auch der Rest des Heftes so zäh und schwerfällig sein wird - obwohl diese Angst möglicherweise unbegründet ist. Es wäre vielleicht durchaus so gewesen, dass die "schwierigen Stellen" nur einen Teil des Politikheftes ausmachten und es dann wieder "flüssig und zügig weiterging" - ich habe das nicht erfahren können, weil ich schon nach wenigen Tagen die Arbeit abgebrochen habe…

    Beim Steckenbleiben ist es noch offensichtlicher: Wenn ich irgendwo steckenbleibe, dann ist es nicht so, dass ich sofort kapituliere - oftmals ist es sogar so, dass ich mich noch engagierter und noch besessener in die Sackgasse hineinstürze um es rasch zu beseitigen und wieder vorwärtszukommen. Doch wenn ich auch danach - also nach wiederholten Anstrengungen - weiter steckenbleibe, dann kommt der große Crash: massive Frustration und massiver Motivationseinbruch. Es muss dann eine sehr lange Zeit vergehen, bis ich irgendwann mal wieder Bock darauf bekomme,das Problem erneut anzugehen...

    Ich wüsste gerne ob manche von euch auch diese Probleme beim Arbeiten haben und vor allem ob ihr bereits Lösungen dagegen gefunden habt?

    Thx,

    Oxygen
    Geändert von Oxygen (15.12.2014 um 05:53 Uhr)

  2. #2
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.149

    AW: Assoziative Ablenkung, zwanghaftes Wiederholen von Texten, Erfolgszwang u.a.

    Hallo Oxygen,

    bist Du mein kleiner Bruder oder gar ein unbekannter Zwillingsbruder?

    Deine Probleme sind mir insgesamt alle gut bekannt - irgendwie hat es bei mir meistens geklappt, die Probleme in den Griff zu kriegen.

    Manchmal hab ich es einfach auch damit hingekriegt, dass ich die eine oder andere Schwierigkeit auch mal loslassen konnte!

    Abschweifen mit den Gedanken: Führte bei mir dazu, dass ich immer wieder Kleinigkeiten nicht mitgekriegt habe und dann bei bestimmten Themen einfach nicht voran gekommen bin! Es war ekelhaft!

    Kontrollzwang ist so ne Sache, er entwickelt sich ja gerade deshalb, weil wir uns der Vergesslichkeit bewusst sind usw.

    Mir passiert das auch, dass ich im Koppe ganze Sätze wiederhole und aus der Schleife nicht mehr rauskomme - geholfen hat mir dabei, dass ich mich heute regelrecht am eigenen Schopf packe und mich zur Ruhe zwinge bzw. die Gedanken dann ablenke. Setzt natürlich voraus, dass wir uns dessen bewusst sind!

    In langweiligen Vorträgen bzw. Vorlesungen hab ich mir einen Handschmeichler angewöhnt - ist ne feine Sache. Mensch spürt sich selbst und kann damit auch die Konzentration besser lenken! Vorausgesetzt, Du denkst nicht ständig dran, sondern das Teil wird ne Selbstverständlichkeit!

    Ich hab dieses Denken aber auch schon für mich positiv genutzt, da ist mir z.B. mal ein Grundprinzip aufgegangen, ich konnte es dann in meinem Alltag ganz gut einsetzen und hab damit so manche Frage für mich lösen können - Problem dabei war allerdings, dass es nicht immer verstanden wurde bzw. andere Dinge gerade notwendig bzw. gefragt waren!

    Da konnte ich schon mal kräftig anecken bzw. mein Gegenüber ein wenig verwirren - besonders die Konkretisten flippen aus, wenn ich meinen Denkapparat in Bewegung setze! Gerade im Studium ist das nicht immer einfach, schließlich kommt es darauf an, auch mal was einfach ausk....... zu können!

    Im stillen Oberstübchen kann es durchaus in Seminaren und Vorlesungen helfen, sozusagen als Vorbereitung für anstehende Themen!

    Klingt jetzt fast lächerlich, aber im Studium hab ich mir oft damit geholfen, dass ich mich fragend einem Thema näherte. Mein Kopf stellt ja ohnehin immer irgendwelche Fragen, oft hab ich mir die aufgeschrieben und als roten Faden in mein Lernen integriert - ich wäre verrückt geworden an den endlosen Texten usw.

    Meine Hauptdiplomprüfungen habe ich alle auf diese Art und Weise hingekriegt. Ich hatte riesige Fragenkataloge, die ich durchgearbeitet habe. Damit hatte ich ein Ziel für die ganze Lernerei und konnte mich von dem elenden Zwang zum Auswendiglernen befreien. Meine Kommilitonen haben mich für verrückt erklärt - bei mir hat es super geklappt! Ich kann einfach nicht ziellos nen Text bearbeiten! Mir war dabei durchaus klar, dass ich Lücken haben werde. Die haben aber alle!

    Das zwanghafte Grübeln, ob ich dies oder jenes richtig verstanden oder getan habe, hat sich bei unter Sertralin gelegt. Habe die Frage lange mit dem Shrink besprochen und er hat daraufhin vorgeschlagen, die Tagesdosis zu erhöhen! Danach war ich recht beeindruckt, wie ruhig ich mir selbst gegenüber geworden bin. Vergesse trotzdem noch das eine oder andere - bin heute aber überzeugt, dass es immer noch im normalen Rahmen ist und nur unwesentlich von der Vergesslichkeit anderer Leute abweicht! Zumindest sind jetzt Angst und Panik, die mich ohnehin am ruhigen Nachdenken hinderten.

    Lange Texte in Fachbüchern machen mich total irre - frage mich dann immer, ob die Darstellung nicht ein wenig übersichtlicher und einfach hinzukriegen ist. Um mit diesen Problemen fertig zu werden, musste ich viel Kraft aufwenden. Ich zeichne mir mittlerweile Grafiken auf oder fasse die Fakten selbst in Tabellen zusammen - es ist zwar oft ein wenig aufwändig, aber ich komme so erheblich besser klar.

    Letztendlich ist es die Geschichte mit den Grundprinzipien, die Suche nach Kraft und Gegenkraft usw. Wenn alles gut läuft, dann klappt das auch. Wehe ich bin aber total unruhig und hektisch, weil schon wieder im Zeitdruck, dann funktioniert es nicht. Dann lese ich die Texte immer und immer wieder und schnalle einfach nichts, meist fehlt mir dann auch die Ruhe, um das ganze Zeugs im Kopf zu strukturieren!

    Womit wir wahrscheinlich beim Kernproblem angekommen sind: Der Unruhe und der Unfähigkeit, mit Zeit umzugehen! Irgendwie schaffen wir es immer wieder in Situationen zu kommen, in denen es nur noch darum geht, die Kuh vom Eis zu kriegen - Dauerkrise eben. Dabei könnte es sehr gut helfen, alles mal nen Moment beiseite zu legen, ein bisschen Ablenkung zu üben und das Gelernte einfach mal sacken zu lassen!

    Denk jetzt bitte nicht, dass ich es geschafft habe! Es ist jeden Tag eine neue Anstrengung und ich hab auch nicht mehr den Druck, den Du z.B. im Studium hast. Von mir kann ich sagen, dass mir die Medikamente geholfen haben, damit besser umzugehen bzw. die vielen kleinen Übungsmöglichkeiten in den Alltag zu integrieren! Der Weg war lang und schwierig. Zufrieden werde ich nie sein, allerdings reicht mein Selbstbewusstsein mittlerweile aus, um mich gegen die Normierungen der Gesellschaft ein wenig wehren zu können!

  3. #3
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 281

    AW: Assoziative Ablenkung, zwanghaftes Wiederholen von Texten, Erfolgszwang u.a.

    Kann ich 1:1 unterschreiben und bin gespannt, was für Lösungen hier auftauchen. Vielleicht antworte ich nachher noch mal ausführlicher

  4. #4
    termi

    Gast

    AW: Assoziative Ablenkung, zwanghaftes Wiederholen von Texten, Erfolgszwang u.a.

    Hallo Oxygen,

    ich kann deine Probleme bestens nachvollziehen und finde mich in der Beschreibung ziemlich gut wieder.

    Dieses Querdenken bzw. assosiatives Abschweifen, dafür haben mich schon viele Leute bewundert(im Studium), da ich auf richtig gute Ideen und Lösungsansetzte komme, wo sich der Normalo denkt: Genial so können wa das auch machen ist ja viel besser, da wären wa ja nie drauf gekommen....... Das Problem an der Sache ist nur, wenn es überhand nimmt und man zum eigentlich Thema nicht mehr zurückfindet, dann sagen mir meine Freunde z.B. bleib mal beim Thema, was kümmert es dich warum das so und so ist, geh nicht zu viel ins Detail das bringt nix. Wenn man dann aber diese Wissbegierde mit den abschweifenden Gedanken hat, kann es einen ganz schön fertig machen, weil man nicht zügig vorran kommt und viel länger als die anderen beim Lernen brauch> das mündet dann bei mir desöfteren in großen Selbstzweifeln und auch Ängstlichkeit die Prüfungen und so nicht zu schaffen, weil die anderen schon viel mehr drauf haben mit wesentlich weniger Arbeitsaufwand. Ich führ meinen Teil habe herrausgefunden das man das tranieren kann, so wie man auch das Querdenken zu einem gewissen Maße tranieren kann, so kann man auch das bei der Sache bleiben tranieren, das Hirn ist halt ein Muskel der traniert werden muss, mache Menschen sind gut im Ausdauersport andere sind besser bei Muskelaufbau, alles eine Frage des Tranings. Mir hilft diesbezüglich SCHACH gegen den Computer, damit kann ich tranieren konzentriert bei der Sache zubleiben ohne das ich abschweifen kann. Worüber sollte ich auch andersweitig nachdenken, es gibt die Figuren, das Spielfeld und die Regeln. Ich kann dabei in das Spielfeld die Regeln und die Figuren ja nix rein interpretieren, sondern nur konzentriert nachdenken wie ich zum Ziel, sprich Sieg gelange.

    Zwanghaftes Wiederholen: Davon könnte ich echt ein Lied singen, das macht mir am meistens zu schaffen in ziemlich vielen Lebensbereichen. Dieses zwanghafte Wiederholen resultiert eigentlich aus nix anderem als ein großer Mangel an Arbeitsspeicher in meinen/unseren Grauen Zellen. Ich vergleiche das immer ganz gerne mit dem Computer, der Normala hat einen Arbeitspeicher von sagen wir mal 8GB, der ADHSler nur von 100 MB. Dadurch kann ich mir beim besten Willen ganz schlecht Sachen merken, geschweige denn etwas auswenig lernen. Beispiel: Ich gehe einkaufen ohne Einkaufszettel, brauche nur 4-5 Sachen die sich nen Normal leicht merken kann, ich fahre also los gehe in den Laden usw. meine ganzen Gedanken kreisen dann andauert um diese 4-5 Sachen ich wiederhole sie andauert in meinen Hirn um bloß nix zu vergessen. Prüfungen: Ich kann die kompliziertesten mathematischen Beweise, Herleitung, Umstellung und so weiter ganz easy aus dem Ärmel schütteln> also die Anwedung. Wenn ich mir jetzt aber ne simple Formal mit vielleicht 3,4 Variabeln und 2-3 Konstanten merken muss weil keine Formalsammlung erlaubt ist, dann fängt das Kopfkino so richtig an, das foltert mein Hirn so richtig, ich stehe morgens schon mit Angst auf und gehe diese Simplen auswenig-lern Sachen zwanhaft immer und immer wieder durch, auf den Weg zur Uni vor der Uni im Prüfungsraum usw. Dies habe ich auch bei Vorgesetzen wenn ich meine Arbeiten präsentieren muss, wenn ich wichtige Gespräche führen muss, wenn ich etwas erklären muss ja in so vielen Lebensbereichen habe ich dann dieses zwanghafte Wiederholen. Psychologisch gesehen resultiert dies einfach alles aus dem nicht ausreichenden Arbeitspeicher, dann folgt die Angst sein Wissen, das man ja drauf hat nicht abrufen zu können und aus dieser Angst folgt dann das städige wiederholen bzw. der Zwang und das verursacht halt das starke Kopfkino. Anderes Beispiel: hatte ein 5 monatiges Praktikum bei VW gemacht gut bezahlt, schwer dranzukommen. Aufgabe war es eine komplexe produktionsgesteuerte Prozessoptimierung durchzuführen. Hatte sehr gute Arbeit abgeliefert und alles. Nun kam der Tag als ich meine Ergebnisse den Chefingenieuren in einer Gruppenruden vorstellen sollte. Komplettes Versagen meinerseits, ich konnte mein Wissen nicht abrufen. Hatte tagelang wieder dieses Kopfkino mit dem Zwang mein Gespräch 1000 mal im Hirn durchgehen zu müssen. Ich legte meine Arbeitsergebnisse in 3 facher Ausfertigung auf den Tisch und konnte nichts selbst erzählen, alle Fragen aber ohne Probleme beantworten....... Ende vom Lied war, ich habe eine super Arbeitszeugis bekommen bis aud den Punkt Kommunikationsfähigkeit, da gab es eine 5. Deswegen konnte ich nicht bleiben: wir brauchen Leute die im Team aufgeschlossen und kommunikativ sind usw. Alles Probleme weil mein Arbeitsspeicher scheiße ist, dadurch die Angst nicht die richtigen Wörter zu finden und Sachen zu vergessen und dadurch die Zwangsstörung wichtige Sachen im Hirn 1000 mal zu wiederholen.
    Ich habe für mich jetzt herrausgefunden das ich diese zwanghaften Wiederholung(die mich ganz schön fertig machen) ziemlich gut ausstellen kann, nämlich in dem Ich meinen Arbeitspeicher entlaste, mit Hilfe einer Festplatte> sprich alles aufschreiben. Einkaufszettel auf wenn man nur 3 Sachen einkaufen will> resultat kein Kopfkino. Bei Vorstellungsgesprächen/ etc. sich alle möglichen Fragen die es geben kann notieren und auf einen Fragenkatalog visuell beantworten mit Farben am bestens. Bei Prüfungen Spicker mit dem PC Schreiben in Schriftgröße 8 oder 6 und in der Tasche haben. Dies nimmt einen einfach die Angst zu vergessen/ nicht die richtigen Worte zu finden> durch die Angstreduktion verschwindet dann mehr oder weniger das zwanghafte Wiederholen. Denn der Auslöser einer jeden Zwangsstörung ist die ANGST> die bei ADHSlern durch den 100 MB Arbeitsspeicher ausgelöst wird. Man muss einfach herrausfinden wie man den Arbeitspeicher entlasten kann, dann verschwindet auch die Angst und mit der Angst verschwindet auch die Zwangsstörung und das schlimme Kopfkino.

    Dazu möchte ich noch mal ein persönliches Beispiel geben: Ich war/bin leidenschtlicher Sportler, vor 3-4 Jahren hatte ich mir dann vorgenommen einen Körper aus Stahl an zutranieren. Dazu muss natürlich die Ernährung passen mit der richtigen Verteilung von Fetten, Kohlenhydraten und Eiweisen...... sonst bringt das beste und härteste Traning nicht viel. Daraus entwickelte ich eine Zwangsstörung, das ich den ganzenTag innerlich durchgehen musste, ob ich genügent von dem und dem gegessen habe und das bestimmt 100 mal wiederholen musste, weil ich es mir einfach nicht merken konnte> also Angst durch mangelden Arbeitspeicher, daraufhin habe ich mir einen Ernährungsplan gemacht deren Ausfüllen vielleicht 5 Minuten am Tag dauerte> Arbeitsspeicher entlastet auf Festplatte, dann habe ich diesen vielleicht 2 Monate geführt und ich hatte meine genauen Essritualien. Anschließend den Plan nicht mehr geführt, da ich ja meine gewohnheitsmäßigen Ritualien hatte> Ende vom Lied: nie wieder nur irgend nen scheiß Zwangsgedanken an Essen oder die genauen Inhaltsstoffe und so verschwendet> das hat also alles mit dem Arbeitspeicher zu, daraus resultierende Angst und die wiederrum führt zur Zwangsstörung/Zwangsgedanken. Jeder muss also irgendwie für sich rausfinden wie der Speicher entlastet werden kann, dann ergibt sich der Rest von selbst.

    Erfolgszwang / "verkrampftes" Angehen der Arbeit: So wie du dies beschrieben hast, kenne ich es nur zu gut, das hat meiner Meinung nach mit dem assosiatives Abschweifen/Querdenken zu tun. Psychlogisch gesehen ist das halt eine Art lernen des Gehirns. Deine Gedanken springen hin und her bei einer Arbeit die du nicht gerne machts, dass merkt sich dein Unterbewusstsein. Folge davon ist bei mir z.B> wenn ich Papierkram oder aufräumen soll oder irgendwas lernen wozu ich überhaupt keine Lust habe, dann weis ich vorher schon wenn ich das jetzt angehe, schweifen meine Gedanken woanders hin ab und das macht nervös verkrampft etc. Mein Unterbewusstsein weis vorher also schon das wenn ich Aufgaben machen soll die für Stinos nicht anstregend sind ich mit den Gedanken abschweife> dadurch entsteht wieder eine Art Angst und Ich vermeide es bzw. gehe es erst gar nicht an, dies hat dann zur Folge das man machne arbeiten total verkrampft angeht> hat also meiner Meinung nach mit dem Querdenken und der Unfähigkeit Aufgaben so wie Stinos zu erledigen und der daraus resultierenden Agnst zu tun. Mann muss einfach das Abscheifen der Gedanken kontrollieren/üben in meinen Falle mit Schach und sich bewusst sein das alles andere nur antranierte ANGST ist.

    So das ist jetzt doch alles nicht bisschen länger beworden als ich dachte hoffe mal das nicht zu viele Fehler drin sind weil ich echt schnell geschrieben haben, aber das könnt ihr mir sicher verzeihen

    Gruß
    Termi

Stichworte

Thema: Assoziative Ablenkung, zwanghaftes Wiederholen von Texten, Erfolgszwang u.a. Pr. im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
©2017 ADHS bei Erwachsenen Forum