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Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #1
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Forum-Beiträge: 238

    Fast schon Identitätskrise

    Ich habe schon seit langem die Theorie, dass das Verhalten von Menschen, wie auch bei Tieren, stark durch die Hormone beeinflusst wird. Lange bevor ich mich mit ADHS beschäftigte, stand meine Meinung dazu fast niegelnagelfest!

    Alle Gefühle entstehen durch Hormone und mit ihnen unsere Reaktionen.

    Verliebt sein = intensive Gefühle, starke Anziehungskraft zu dem Geliebten, blind für dessen Macken und sogar erhöhte Bereitschaft für Dummheiten.

    Verliebtsein ist eine chemische Reaktion des Körpers. Hormone nehmen Ausmaße einer Drogensucht an. Man sehnt sich deshalb genau nach diesem einen Menschen, wenn man nicht bei ihm ist, weil der Körper sich nach dem Hochgefühl sehnt, was man durch ihn empfindet.

    Wut = hoher Puls, Anspannung vieler Muskeln, das Denken setzt aus, die Wahrnehmung schrumpft auf das Gegenüber.

    Wut ist eine Schutzreaktion des Körpers in unausweichlichen Situationen; eigentlich dazu da, uns mit dem Mut und der Kraft eines in die Enge gedrängten Tieres zu wehren, um unser Leben zu Kämpfen. Der Antrieb zur Wut sind Hormone.

    Angst = erhöhter Puls, Anspannung aller Muskeln, erhöhte Wahrnehmung seines Umfeldes

    Angst ist ebenfalls eine Schutzreaktion, um mit aller Kraft einer Gefahr davon laufen zu können.

    Freude = Belohnungsempfinden für gelungenes/erreichtes, soziale Bindungen entstehen

    Freude ist ein angenehmes Hochgefühl. Mit ihr lösen sich Anspannungen. Freude empfindet man als Belohnung für etwas erreichtes. Auch wenn man sich nach etwas oder jemanden gesehnt hat, vertreibt Freude die Anspannung, die man durch die Sehnsucht aufbaute. Freude verbindet Menschen. Wer sich zusammen freut oder sich über etwas freut, was ein anderer tat, fühlt sich demjenigen näher.


    Zufriedenheit = Entspannung, Ausgeglichenheit

    Zur Zufriedenheit fallen mir kaum Merkmale ein. Vielleicht gibt es ja nur die beiden. Sind wir zufrieden ist alles in Ordnung. Keine Gefahr droht, niemand und nichts fehlt so sehr, dass man es sich herbeisehnt. Die Hormone wirbeln nicht herum, sondern gehen ihrer Wege.
    Ich persönlich empfinde Zufriedenheit angenehmer als verliebtsein, was mich ziemlich anstrengt und kaputt machen kann.

    Als ich den Verdacht des ADHS bekam und intensiv recherchierte, bemerkte ich, dass fast alles mehr oder weniger stark ausgeprägt auf mich zutrifft und ich fühle mich bestärkt in meiner Beobachtung.
    Egal, welchen positiven (also nicht abwertenden) Artikel ich zu ADHS las, es ist wie bei der Unendlichen Geschichte, bei der Bastian seine Handlungen im Buch wiederfand!

    ADHS bin ich. Und was bin ich noch? Was prägt meinen Charakter neben den querlaufenden Hormonen?

    All meine Lebenserfahrungen sind gesammeltes Wissen, welches Einfluss auf die Wege hat, die ich im Leben nehme, aber meine Lebenserfahrung beeinflussen kaum meine Gefühle. Meine Wutausbrüche, weil ich das Salz nicht finde, während das Ei schon in der Pfanne ist oder wenn ich meinen vollen Teller fallen ließ oder über irgendwas herumliegendes stolperte kommen nicht, durch längst erlebtes, sondern weil die Hormone mit mir durchgehen. Wenn hier Lebenserfahrungen hinein spielen würden, würde ich längst nicht mehr ausrasten, weil die Erfahrung zeigt, das Wut nur alles schlimmer macht. Es gibt hier ja keine Bären, gegen die ich mein Leben verteidigen müsste.

    Ich habe derzeit regelrecht Angst vor Kommunikation. Meine Lebenserfahrung sagt mir, dass ich mich dieser Angst stellen muss und alles wieder gut wird. Ich hatte in meiner Vergangenheit viele gute Unterhaltungen und wenn mich doofe Leute aufregten, verging die Wut darüber auch immer. Doch meine Hormone sagen, dass ich jetzt aufgeregt zu sein habe, wenn ich unter Leute komme und möglichst kraftlos meine Anliegen vortragen müsse. Vollkommen Wurscht, welches Thema.

    Auch wollte ich mich schon sooo oft nicht mehr verlieben. Verliebtsein ist schrecklich! Erst tut die Sehnsucht weh, später die Trennung. Trotzdem verliebe ich mich schneller als die meisten :/ Es ist ein Fluch.

    Zwischen Fröhlichkeit, Übermut und Melancholie schwanke ich, wie ein Tanz - Rockn Roll. Hoch, runter, hoch, runter.

    Ja selbst die Einfühlsamkeit und der Sinn für Gerechtigkeit sind typisch für ADHSler. Meine grenzenlose Fantasie ebenso.

    Was macht mich individuell.

    Der Charakter ist doch so wichtig. Mir scheint, er ist ein Glücksspiel.

    Ein wenig Einfluss hat sicher auch die Erziehung, aber eigentlich ist Erziehung auch nur ein Teil der Lebenserfahrung. Die Hormone und somit den eigentlichen Charakter beeinflusst Erziehung nicht. Man wird höchstens krank, wenn jemand erzieherisch gegen den Charakter (die Hormone) vorgeht.


    Der komplette Artikel wurde nicht zu diesem Zweck zusammenrecherchiert, sondern beinhaltet meine Meinungen, die auf meinen Erfahrungen und längst gelesenem beruhen.
    Komplett abweichende Meinungen zu dem Geschriebenen bitte ich niederzuschreiben. Ich lerne immer gern die Erfahrungen anderer kennen

  2. #2
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 212

    AW: Fast schon Identitätskrise

    Was dich individuell macht? natürlich du! xD

    Was hälst du vom "freien Willen"? ^^

    Nun es kommt wahrscheinlich auch darauf an, was man unter "Charakter" versteht.
    Aber was ich unter Charakter verstehe, spielen da sowohl die Hormone, als auch die Erziehung mit. Eben auch die Erziehung der man sich selbst durch Reflektion unterwirft.

    Ich denke schon, dass die Erfahrungen Einfluss haben darauf, wie wir uns in den Situationen verhalten, aber Einfluss heisst nicht totale Kontrolle^^...
    Also wenn wir uns nur bewusst geworden sind, dass tätigkeit X in einem Blödsinn geendet hat und logischerweise immer wieder tun wird, heisst das noch lange nicht, dass wir gelernt haben, X nicht mehr zu machen, das sind 2 unterschiedliche Bereiche.

    Bestimmte Schlüsselreize, die direkt eine hormonell gesteuerte Reaktion triggern, sind wie reflexe fast nicht Kontrollierbar.

    Dennoch denk ich sind diese Sachen genauso Teil des Charakters, den man, jenachdem wie es einem gefällt, umtrainiert oder eben nicht. Oder vielleicht gar nicht kann weil mans "falsch" versucht, also auf eine Art und Weise wie man es nicht schaffen kann, obwohl man es theoretisch könnte.

    Ich denk man kann aus dem Verstand schon auf fast alles Einfluss nehmen... es kostet nur verdammt viel Zeit und Energie, bzw. braucht man die Idee wie's auch wirklich geht und dies auch eher in dem Moment in dem es relevant ist.^^

    Also wenn ich mal alles ignorier, was man als Seele bezeichnen könnte. Dann wären wir ja einfach nur genau unser Körper, also auch alles wie die Hormone ihn funktionieren lassen.
    Die Ideen die man dazu im Gehirn hat sind, rein von den Biochemischen Mechanismen, nur indirekt darin eingekoppelt.
    Je nachdem wie stark angetrunken man ist, kann man sich "nüchtern" verhalten oder auch überhaupt nicht xD

    Es kommt denk ich ziemlich stark darauf an, was für substanzen gerade dafür verantwortlich sind, wie es einem geht, ob man es ändern kann oder nicht. Bzw. wie gut und mit welchen Mechanismen man darauf Einfluss nehmen kann.

    Weil wir können selbst mit unserer aktivität im Gehirn die einen oder anderen Schlüsselreize setzen, welche bestimmte Hormone triggern.
    Oder einfach Wege finden, wie wir uns diesen erwünschten Schlüsselreizen aussetzen, oder einfach versuchen auszuweichen.

    Auf dieselben ursprünglichen Schlüsselreize eine andere Reaktion zu bekommen ist wohl das schwierigste^^.
    Leichter ist die eigene Wahrnehumung so zu verschieben, dass sie nicht als diese interpretiert werden.

    Halt der Punkt ist, dass unser Denken viel mehr von unserem Biochemischen Zustand "gemacht" wird als umgekehrt.
    Und wir lernen mit Erfahrung auch "negativ" also wenn wir immer wieder was versuchen und es nicht schaffen, dann sagt uns die Erfahrung mit der Zeit, dass es nicht geht.
    Darauf versuchen wir es dann gar nicht mehr oder geben noch schneller auf.

    Alles ist im Prinzip eine Rückkopplungsschleife im Gehirn, die meistens alle Stationen der Verarbeitung durchmacht. Weil sie schon miteinander verbunden sind, aber wer zu welchem Zeitpunkt einflussnehmen kann und wer nur "registriert" was die anderen gemacht haben, kommt eben ganz darauf an "was" effektiv gemacht wird, und "wie" sie verbunden sind.

    Dazu kommt, dass es nicht bei allem Menschen exakt gleich ist. z.B. ADHS ist ja genau das der Fall dass die Dopaminverteilung bzw die Regelung eben ein bisschen anderes funktioniert.
    Aber es gibt noch kleinere Unterschiede, auch speziell die, wie man sich sein Gehirn im Endeffekt antrainiert hat.
    Also die Menschen sind meiner Meinung nach vieel verschiedener als sie glauben^^.

    Dass sie alle ca dasselbe machen müssen, oder glauben machen zu müssen, ist halt ein komischer Umstand...

    Phu jetzt hab ich den Faden verloren worauf ich eigentlich hinauswollte XD...
    Aber generell wohl, dass du schon mehr Kontrolle über deine Hormone hast als, was ich von dem Geschriebenen jetzt rausinterpretiert habe.
    Dass es meiner Meinung ein cooler bzw. DER einzig vernünftige Schritt, den nicht viele Menschen machen, ist, wirklich rauszufinden wie man funktioniert.
    Und damit eher zu seinem "freien Willen" zu kommen. ;-)

    Was halt nicht heisst, dass man es garantiert schafft nicht mehr wütend, verliebt oder sonst was zu sein darum kommt man wahrscheinlich nie.
    Aber man kann schon auch darauf Einfluss nehmen.

    Ich z.B. habe früher auch die Tendenz gehabt, wenn ich was mache was nicht funktioniert, einfach wütend zu werden^^.
    Aber es funktioniert einfach schlecht weil, wie du schon geschrieben hast - Fokus auf den Feind, denken setzt aus xD wie soll man da ein Problem lösen?
    Also positive Rückkopplung in einer unvorteilhaften Richtung - Weg damit!
    Genau aus diesem Problem kann es halt vorkommen, dass sich die Wut ins unendliche steigert, bis man nur noch auszuckt^^...
    Aber bei der Wut geht es bei mir recht gut darauf Einfluss zu nehmen. Oft muss ich nur das Umfeld anders Wahrnehmen, mich nicht wie in eine Ecke gedrängt fühlen :-).

    Das mit dem Verlieben... hmmm ich weiss halt auch nicht genau, ob und wie sehr da wirklich geschlechtsspezifische Unterschiede eine Rolle spielen.
    Wenn eine Frau einen zu irren positiven "Einfluss" auf mich nimmt, dann belaste ich oft aktiv das Bild was ich von ihr habe mit allen möglichen negativen Eigenschaften.(eben "möglich" nicht frei erfunden, nur als Hilfe zur Ernüchterung, statt diversen unlogischen idealisierungen freien Lauf zu lassen)

    Daraus resultiert auf jedenfall, dass ich nicht ein unvertretbares übermässiges Interesse zeige, und dann die Frau garnicht erst wirklich kennen lerne...
    Zudem hab ich auch das "Glück"/Pech in meinem Umfeld nicht wirklich Frauen zu haben, sodass sich zu verlieben jetzt nicht mein "Problem" wäre.
    (Also kann man das nicht so nehmen als obs funktionieren würde xD)

  3. #3
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: Fast schon Identitätskrise

    Individuell an dir ist, in wen DU dich verliebst, wovor DU Angst hast, über was DU dich ärgerst, sprich was DU überhaupt für Vorlieben, Abneigungen etc. hast. Individuell ist, was DU gerecht findest, wie stark DEINE Empathie ist, was DEINE Phantasie kreiert. All das ist mit Sicherheit bei dir anders als bei mir oder den nächsten 3 post-Erstellern.

    Erst durch diese individuellen Reize kommen deine Hormon- und Neurotransmitterkaskaden in Gang. Und ob etwas für dich ein Reiz ist, bestimmen deine Erfahrungen, dein Wissen, deine Mentalität und auch dein Willen.

    Du wirst ungehalten wenn du stolperst? Ich nicht. Ich schäme mich kurz (wenn es jmd gesehen hat) und lache dann. Du ärgerst dich wenn du nicht schnell genug das Salz findest? Ich nicht, mich tangiert sowas überhaupt nicht. Nur weil ADHS bestimmte Eigenschaften nachgesagt werden, heisst das nicht, das wir alle gleich sind.

  4. #4
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Forum-Beiträge: 238

    AW: Fast schon Identitätskrise

    @ ALF

    Deinen Text zu lesen ist irgendwie lustig Ich konnte beim lesen förmlich spüren, wie du real zu mir reden würdest und ich immer: "STOPP!" sage, um mir das gerade erzählte, noch mal langsam erzählen zu lassen
    (das ist keineswegs als Kritik zu verstehen)

    Leicht fiel es mir jetzt nicht dir zu folgen. Einerseits schreibst du: " Es kommt denk ich ziemlich stark darauf an, was für substanzen gerade dafür verantwortlich sind , wie es einem geht, ob man es ändern kann oder nicht . Bzw. wie gut und mit welchen Mechanismen man darauf Einfluss nehmen kann ."

    Dann wieder hast du geschrieben, dass wir nicht Sklaven unserer Hormone sind und anders handeln können, als es unser Körper grad will.

    Also... eigentlich spielen Hormone die Hauptrolle in unserem Leben, aber eigentlich dann doch nicht? ^^ Ich glaub, hier füge ich jetzt mein "STOPP! Bitte noch mal gaaanz langsam" ein

    Cratice:
    "Nur weil ADHS bestimmte Eigenschaften nachgesagt werden, heisst das nicht , das wir alle gleich sind."

    Das stimmt. Gleich sind wir keinesfalls. Der eine hat die Probleme mehr, der andere weniger. Nicht einmal ich bin immer gleich.
    Neulich hat mich die Suche nach dem Salz richtig fertig gemacht. Ich war am Ende meiner Nerven.
    An anderen Tagen geschehen mir Missgeschicke, die mich an dem Salztag fertig gemacht hätten und ich lache tatsächlich nur darüber!

    Aber ob ich mich unnötig ärgere oder lache, hängt doch davon ab, wie meine Hormone gerade Lust haben zu toben. Darauf, wie es mir geht, habe ich absolut keinen Einfluss. Den habe ich zumindest so oft versucht zu nehmen, dass ich nicht glaube, dass ich Einfluss habe ^^

    Ich wollte gar nicht behaupten, dass wir alle gleich sind, ich behaupte, dass meinen Charakter einzig meine Hormone ausmachen und niemand etwas für seinen Charakter kann.

    Ich fange sogar an, Mitgefühl mit Schwerverbrechern zu haben :/ Klar habe ich die Wahl, ob ich in meiner Wut über jemanden, denjenigen verletze oder mich umdrehe und gehe.

    Aber wie groß ist diese Wahl wirklich? Kann das wirklich jeder?
    Mein Psychiater ist so ein extrem entspannter Mensch, dem traue ich zu, dass ihn Worte anderer Leute, die mich rot anlaufen ließen vor Wut, vielleicht gerade noch traurig machen, aber sonst kaum tangieren.

    Mein Uropa hingegen wurde im Krieg am Stirnlappen verletzt, worauf man meiner Uroma empfahl und auch problemlos zugestand, die Ehe zu anulieren.

    Welche Frau würde soetwas tun, wenn sie ihren liebevollen Mann in tiefster Liebe in den Krieg ziehen lassen musste? Meine Uroma jedenfalls nicht.
    Sie bekam einen "Fremden" zurück, der kalt und brutal war

    Mein Uropa hatte die Wahl der Beherrschung nicht mehr. Die hatte er zuvor noch, als sein Körper unversehrt war.
    Ich frage mich, wie sehr er unter sich selber litt.

    Ich leide unter meinen Wutausbrüchen, obwohl ich sie durchaus soweit im Griff habe, dass ich mich zusammenreißen muss, wenn ein Wutanfall unpassend ist (immer wenn ich nicht allein bin). Es brodelt dann aber so stark in mir, dass ich manches mal zu heulen anfange, weil der Druck irgendwie raus muss.
    Geändert von Blaustern (24.11.2014 um 11:17 Uhr)

  5. #5
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 212

    AW: Fast schon Identitätskrise

    Blaustern schreibt:
    @ ALF
    ^^
    Blaustern schreibt:
    Also... eigentlich spielen Hormone die Hauptrolle in unserem Leben, aber eigentlich dann dich nicht?
    Genau also wenn ich eben noch Neurotransmitter und andere Substanzen dazunehme, dann sind sie schon Hauptverantwortlich dafür, was wir machen.
    Es geht eben um die Substanz selbst bzw. um den Mechanismus in dem sie mitspielt, wie wir es beeinflussen können - also vom "Verstand" aus.

    Sagen wir es würde ein Wuthormon geben^^ - kenn ich mich nicht aus obs das wirklich gibt - wahrscheinlich nicht, aber einfach ein abstraktes Beispiel.
    Ich tu mir weh - Wurhormone werden ausgeschüttet - das Wuthormon wäre jetzt direkt dafür verantwortlich dass ich "Rot" sehe und um mich schlage.
    Ich schlage um mich, tu mir wieder weh und es werden weitere Wuthormone direkt ausgeschüttet... -> der Fall bei dem sich ein Mechanismus, ins unkontrollierbare aussteuert.
    Zu beginn, wenn noch eher wenige Wuthormone vorhanden sind, hätte ich vielleicht noch mehr Kontrolle und könnte eventuell mit schreien, statt um mich schlagen "abwarten" bis sie wieder abgebaut sind.
    Oder ich hab mich masochistisch antrainiert^^ und schütte neben den Wuthormonen auch Glückshormone aus. Wenn diese die Wuthormone übertrumpfen, hab ich es noch besser unter Kontrolle

    Ich denk mir solange kein Mechanismus überaktiv ist, hat der nüchterne Verstand schon einiges unter Kontrolle. Aber es ist halt nicht zu vernachlässigen dass auch der Verstand wahrscheinlich aus solchen Mechanismen besteht. Also woher könnte der freie Wille überhaupt kommen?^^

    Blaustern schreibt:
    Aber ob ich mich unnötig ärgere oder lache hängt roch davon ab, wie meine Hormone gerade Lust haben zu toben. Darauf, wie es mir geht, habe ich absolut keinen Einfluss. Den habe ich zumondest so oft versucht zu nehmen, dass ich nicht glaube, dass ich Einfluss habe ^^

    Ich wollte gar nicht behaupten, dass wir alle gleich sind, ich behaupte, dass meinen Charakter einzig meine Hormone ausmachen und niemand etwas für seinen Charakter kann.
    Das wäre der Fall von keinem freien Willen?^^ Würd ich dann zustimmen dass niemand was für seinen Charakter kann - aber haben wir den wirklich nicht?
    Und auch wenn nicht, würde es das nicht noch schlimmer machen, wenn der Mensch keine Verantwortung über seinen Charakter übernehmen müsste.

    Aber "einzig" die Hormone würd ich schon nicht sagen :-). Ich stell mir die Aktivität im Gehirn in solchen Schleifen vor: Substanzen - Neuronenaktivität - Substanzen - Neuronenaktivität - ...
    Wie die Neuronenaktivität ausschaut ändert welche Substanzen wir am nächsten Punkt haben. Auch wenn die Neuronenaktivität durch die Substanzen entstanden ist^^... was wir uns "angelernt" haben - wie die Struktur der Neuronen genau ausschaut - ist immer dabei.

    Aber eben das heisst nicht, dass wenn dir eine Kenntnis gekommen ist "es macht keine Sinn Wütend zu sein", die jetzt irgendwo in der Großhirnrinde gespeichert ist, dass das dann einen Einfluss hat.
    Wenn im Wutfall die Gehirnregion, mit genau dieser Information, nicht angesprochen wird, handelt der Wutmechanismus weiter wie eh und je.

    Blaustern schreibt:
    Ich fange sogar an, Mitgefühl mit Schwerverbrechern zu haben :/ Klar habe ich die Wahl, ob ich in meiner Wut über jemanden denjenigen verletze oder mich umdrehe und gehe.
    !! kenn ich ***
    Aber irgendwie ist es schon fair, dass wenn jemand aufgrund seines Charakters einem anderen Menschen aufs Maul haut, dass ihm auch aufs Maul gehauen wird.
    Der generelle Mangel an "Verständnis" in öffentlichen Angelegenheiten ergeben aber oft sehr unfaire Behandlungen von Menschen.(Also von vor dem Verbrechen, sodass es überhaupt zustande kommt, sowie die Bestrafung danach.)

    Blaustern schreibt:
    Aber wie groß ist diese Wahl wirklich? Kann das wirklich jeder?
    Ich denk die Wahl ist "vorhanden".
    Und wie groß sie wirklich ist hängt, vom Menschen, wie er sich antrainiert hat, was er für einen Tag er hat und der genauen Situation ab.

    Blaustern schreibt:
    Mein Uropa hatte die Wahl der Beherrschung nicht mehr. Die hatte er zuvor noch, als sein Körper unversehrt war.
    Ich frage mich, wie sehr er unter sich selber litt.
    Das ist eine sehr schwere Frage. Intuitiv würd ich sagen, dass er wahrscheinlich schon stark darunter gelitten hat. Rein deswegen, weil die Beobachtung der eigenen Taten ja immer noch in Takt wäre.

    Aber es könnte eben auch sein, dass man nicht weiss dass man die Kontrolle nicht hat, und glaubt dass, was man tut, eh nach bestem Wissen und Gewissen passiert.
    Das ist auch ein Punkt - in Bezug auf die Schwerverbrecher - wenn sie eher ihren Verstand auf ihr Verhalten antrainiert haben, dann gibt es keine Kontrolle mehr für sie und sie haben auch kein schlechtes Gewissen.


    *** Es erinnert mich an ein cooles Bild:
    Also jenachdem wie man die Ursache sieht, wie es überhaupt möglich ist, dass irgendwas überhaupt wahrgenommen werden kann...
    Wenn man eher diese Wahrnehmung als "Ich" definiert und den Körper und die Welt nur als sehr eigenwilliges "Werkzeug" die dem zur Verfügung stehen, und einem sowas wie strukturiertere Wahrnehmung und Gedächtnis geben - vielleicht sind wir ja wirklich nur ein und derselbe Beobachter.
    Dann wäre ich du genauso wie die Fliege dort drüben, Sowie alle Bakterien oder Elektronen usw... und eben auch die ganzen Schwerverbrecher.
    Nur zu einer anderen Zeit an einem anderen Ort.

    Ein sehr wages komisches Bild^^ aber es gefällt mir :-)

  6. #6
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 212

    AW: Fast schon Identitätskrise

    Bin aufgrund des wiedererweckten Interesses in genau dem Gebiet über eine Vorlesung von Robert Sapolsky gestossen... die Gesamte Vorlesung ist ziemlich interessant. Aber es ist auch keine Punkt-exakte Antwort, sondern gibt ein Bild von allem was reinspielt. Dabei geht er wahrscheinlich von 0 freiem Willen aus^^...

    Wovon ich nicht ausgehe. Und mehr darauf fokussieren würd, wie man den auch ausleben könnte, nachdem man mehr weiss wie man fuktioniert. :-)

    https://www.youtube.com/watch?v=NNnI...8F2368C90DDC3D

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