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Diskutiere im Thema Die 30%-Regel im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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  1. #1
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 24
    Forum-Beiträge: 217

    Die 30%-Regel

    Hallo meine Chaos-Möhren.

    Ich habe mir gestern einen längeren (150 Minuten, Leute! Zwar in mehreren Einheiten, aber ich verdiene eine Fanfare dafür. ^^) Vortrag von Dr. Barkley auf YouTube gesehen.
    (Bei Motivationslage schaue ich mal nach, ob der schonmal hier gepostet wurde, wenn nicht, poste ich ihn ins Medien-Forum.)

    Und neben vielen anderen ziemlich praktischen Sachen, redet er da auch von der "30%-Regel", an der, wenn man sich so umschaut, guckt, was andere von der Regel halten, und mal sein eigenes Verhalten betrachtet, ziemlich zutrifft:
    Also, betrachten wir exekutive Funktionen.
    Exekutive Funktionen sind so was wie: Konzentration, Aufmerksmakeit, Motivation, Selbstregulation im Allgemeinen, damit auch emotionale Selbstregulation.

    Und ja, exekutive Funktionen entwickeln sich mit dem Alter, das heißt, wir können jetzt so was wie ein "exekutives Alter" ausdenken, also das Alter, in dem man über bestimme exekutive Fähigkeiten verfügt.
    So, und jetzt könnt ihr euch denken, was hinter dieser 30%-Regel steckt: Zieht 30% von eurem tatsächlichen Alter ab, uuuuund: Ihr habt euer exekutives Alter.

    Wobei aber auch gilt: Die für die exekutiven Fähigkeiten im Gehirn zuständigen Areale entwickeln sich, bis man etwa 30 Jahre alt ist.
    Das heißt, für alle ADHSler*innen die 30 Jahre alt sind oder älter, wäre das exekutive Alter dann 20.
    Hey, damit kann man es zumindest schon manchmal mit einem Uni-Studium versuchen! (Vorausgesetzt, man hat keine Komorbiditäten. Also nie.)
    Bei mir (21) käme dann ein exekutives Alter von 14 raus.

    Und wenn man sich mal so meine Herausforderungen im Alltag anschaut (alleine Wohnen, Finanzen alleine regeln, Studium alleine organisieren und Motivation aufbauen, jeden Tag was zu tun), und sich dann überlegt, wie die durchschnittliche 14-jährige (wenn man mal von Intellekt von Lebenserfahrung absieht) sich in so einer Situation geben würde (sprich: beschissen), dann trifft es das wohl besser, als mir lieb ist.

    Oh, wichtiger Hinweis: Das ganze betrifft wirklich nur die exekutiven Funktionen.
    Und das ist nur eine von vielen Eigenschaften des Menschen und seiner Fähigkeiten.
    Der Rest ist normal entwickelt.
    Also fangt jetzt hier bloß nicht an, eure 16-jährigen ADHS-Teenies (Exekutives Alter: 11,2) um 20 Uhr von seinen/ihren Freunden abzuholen.
    Sonst bekommt ihr nämlich einen Anschiss (und zwar mit der emotionalen Regulation einer 11-jährigen Person!), von dem ihr jedes einzelne Dezibel verdient habt.

    Nun gilt Barkley ja als extrem vertrauenswürdiger und vernetzter Wissenschaftler (wenn man davon absieht, dass quasi alle Pharma-Firmen dieser Welt ihm seine Zuneigung und viel Geld schenken), insofern zieht der sich das wohl nicht einfach so aus der Nase.
    Er bezieht sich bei dieser 30%-Regel auch auf Hirnscan-Längsschnittstudien.
    Heißt, man hat über 10 Jahre die Gehirne von ADHS-Kindern und -Jugendlichen gescannt (mit welchem Verfahren genau, weiß ich nicht), und ist dann halt auf diese 30%-Verzögerung gekommen.

    Nun denn, was haltet ihr von der Sache?
    Ich habe heute ein Gespräch mit der Behindertenstelle unserer Uni und es kann gut sein, dass ich sie auf diese 30%-Regel hinweise, damit sie versteht, wie schwierig manches für mich ist.


    Liebe Grüße,

    Schneekind.
    Geändert von Schneekind (21.10.2014 um 05:54 Uhr)

  2. #2
    Impulsbombe

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 58
    Forum-Beiträge: 3.123

    AW: Die 30%-Regel

    Dass das Gehirn bei ADHS anders funktioniert als das von Nicht ADHSlern ist mittlerweile ein offenes Geheimnis. Wenn Dr. Barklay recht hat dann ist die Beeinträchtigung des Gehirns aber noch viel gravierender als man annimmt. Denn der Entwicklungsrückstand in dem Bereich ist nicht wieder gut zu machen. Ein Grund mehr dass ADHS endlich anerkannt wird

  3. #3
    wali_karimya

    Gast

    AW: Die 30%-Regel

    hab ich noch nie was davon gehört. klingt interessant. also darf ich ohne schlechtem Gewissen ein paar Jahre hinterherhinken

  4. #4
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 11

    AW: Die 30%-Regel

    Denn der Entwicklungsrückstand in dem Bereich ist nicht wieder gut zu machen
    Woher weißt du denn das? Ich( 28 )habe schon das Gefühl das da von Jahr zu Jahr mehr geht.

    Achso mein Status ist jetzt seit 10 Monaten Diagnose, also nicht mehr Eigenverdacht.

  5. #5
    Impulsbombe

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 58
    Forum-Beiträge: 3.123

    AW: Die 30%-Regel

    Ich glaube schon dass die Medis auch bei der Entwicklung der emotionalen Reife helfen können. Aber 30% aufholen? Doch ob ich mit meiner Vermutung richtig liege oer nicht ist zweitrangig. Viel wichtiger ist die aus Dr.Barklays Vortrag zu ziehende Erkenntnis dass das ADHS noch komplexer ist als man angenommen hat

  6. #6
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 27

    AW: Die 30%-Regel

    Interessantes Thema!

    Also, wenn sich die exekutiven Funktionen bis zur Vollendung des 30. Lebensjahres voll entwickeln, entwickeln sie sich doch dann theoretisch ab einem Alter von 31 Jahren wieder langsam zurück???! Zum Beispiel sollten doch die Exekutivfunktionen eines 80 Jährigen im Allgemeinen schlechter ausgeprägt sein als die eines 50 Jährigen.
    Fazit (falls ich die 30% Regel korrekt interpretiert haben sollte ): ADHS'ler haben nur ein sehr kurzes Zeitfenster um zu Studieren?? Ob da wohl zum Bachelor noch ein Master ins Zeitfensterchen passt???

    Mal Spaß bei Seite : Ich finde es generell schwierig zu erfassen, ob die 30% Regel auf mich zutrifft. Ich habe so viele Jahre lang aktiv meine Selbstregulation trainiert - was ja bestenfalls alle machen, die sich in Verhaltenstherapie oder ähnliches begeben - so dass ich nicht einschätzen kann, ob die Selbstregulation sich von selbst oder durch mein Training verbessert hat. Meine Konzentration konnte ich ohne Medikation innerhalb von ca. 2 Jahren Oberstufe von max 25 min auf max 45 min hochtrainieren...das bilde ich mir zumindest ein...möglicherweise war ich auch einfach nur etwas motivierter mit zunehmendem Alter???

    Wirklich interessantes Thema!

  7. #7
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Die 30%-Regel

    Ich für meinen Teil kann das auch ganz klar nachvollziehen und bestätigen.
    Das passt wie die Faust aufs Auge ...


    Pfandpirat schreibt:
    Also, wenn sich die exekutiven Funktionen bis zur Vollendung des 30. Lebensjahres voll entwickeln, entwickeln sie sich doch dann theoretisch ab einem Alter von 31 Jahren wieder langsam zurück???! Zum Beispiel sollten doch die Exekutivfunktionen eines 80 Jährigen im Allgemeinen schlechter ausgeprägt sein als die eines 50 Jährigen.
    Nein, ganz so ist es natürlich nicht .


    Es trifft zu, dass sie mit dem Alter abnehmen.
    Im gleichen Vortrag spricht Barkley das auch an (wenn ich mich recht erinnere, der Mehrteiler dürfte aus seinen Vorträgen am Caddac stammen).
    Sie bleiben dann schon auf einem Endstand, der aber dennoch unter dem der Kontrollgruppen ("Normalos) liegt.

    Was aber tatsächlich passiert, ist der natürliche Abbau dieser Funktionen.
    Mit zunehmendem Alter werden Menschen weniger stressresistent und auch andere Funktionen verändern sich ... man wird "tüddelich".

    Bei (Normalo-) Männern findet das so im Bereich der 50iger/ 60iger statt, bei Frauen im Rahmen der Menopause und es trifft sie zudem härter ...
    Und ja, für ADS'ler bedeutet das eine doppelte Arschkarte ...
    Was man z.B. im Alter verliert, wenn die Menschen "tüddelich" werden, ist das Arbeitsgedächtnis .. genau der Teil, der bei uns sowieso schon im Argen liegt.
    Man könnte also sagen, dass neurotypische Menschen mit dem Alter ein keines Bisschen zu ADS'lern werden.

    Es ist aber, soweit ich das verstehe, nicht ganz so, wie z.B. bei der Seh- oder Hörkraft, bei welchen direkt nach dem Höhepunkt gleich der Abbau beginnt.

    Liebe Grüße
    Fliegerlein

  8. #8
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 24
    Forum-Beiträge: 217

    AW: Die 30%-Regel

    Also bevor ich es vergesse, hier einmal ganz schnell das besagte Video:
    Essential Ideas for Parents - YouTube

    Wer's schafft, das ganze Video durchzuschauen, bekommt einen virtuellen Keks.

  9. #9
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 40
    Forum-Beiträge: 159

    AW: Die 30%-Regel

    Ich habe den Film ganz (aber nicht am Stück) gesehen, wie vermutlich alles was von Barkley so im Internet kursiert.

    Dass davon nur die Exekutivfunktionen betroffen sind habe ich wohl überhört.


    Seltsamerweise hat eine Ex immer gesagt ich seie nur xyz Jahre alt für sie. Ich glaube das sollte sowas wie ein Kompliment sein, habe es auch versucht so anzunehmen.

    Irgendwie ist da was dran. Alle Menschen wollen ab einem bestimmten Alter jünger sein, ich bin da zwiegespalten. Ist zwar ganz nett wenn man immer für jünger gehalten wird, aber ich bekomme dann immer das Gefühl ich bin nicht "erwachsen". Da stört mich eben die schlechte Exekutive.
    Aber 30%? Wie ich meinen Papierkram bewältige erinnert dann vlt doch mehr an die von dir genannte 14jährige ...

  10. #10
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Die 30%-Regel

    Schneekind schreibt:
    Also bevor ich es vergesse, hier einmal ganz schnell das besagte Video:
    Essential Ideas for Parents - YouTube

    Wer's schafft, das ganze Video durchzuschauen, bekommt einen virtuellen Keks.
    Ja, das ist einer der Vorträge, die er am Caddac gehalten hat.
    Da sind noch mehr, wer sich das anschauen mag, hier die Adresse zum Caddac selbst.
    Dort sind seine Vorträge einmalim Ordner "Executive Functioning" und dann nochmal bei "Impairments and Treamtents"
    Und natürlich findet man dort auch den von Schneekind genannten Vortrag.
    Dafür klickt man an der Unterseite des Players (in der unteren grünen Zeile) auf "Parents" (oder einfach den Link anklicken, der bringt Dich direkt dahin ) und hat dann wieder im linken Auswahlfenster verschiedene Ordner, darunter auch der "Parents with ADHD".
    Auch wenn wir in erster Linie selbst betroffen und Erwachsene sind, so kriegt man auch in diesem Vortrag etliche AHA-Erlebnisse und interessante Informationen .

    Und dann könnte ich noch die beiden Vorträge, die er am UC-Davis Institute gehalten hat empfehlen.
    Einfach auf den Link klicken und etwas runterscrollen, es müsste der 10. von oben sein und Achtung! dort sind 2! Vorträge verfügbar, einmal der um 4PM und der um 6PM.
    Sind beide lohnenswert.

    --------------



    Parabel schreibt:
    Dass davon nur die Exekutivfunktionen betroffen sind habe ich wohl überhört.
    Ich denke nicht, denn das wurde nicht gesagt und hier auch nicht geschrieben ... oder hab ich das hier überlesen?

    Parabel schreibt:
    Seltsamerweise hat eine Ex immer gesagt ich seie nur xyz Jahre alt für sie. Ich glaube das sollte sowas wie ein Kompliment sein, habe es auch versucht so anzunehmen.
    Wenn das im Sinne von "Kindskopf" gemeint ist, was ja vielen ADS'lern zu eigen ist, würde ich das wohl eher nicht als Kompliment ansehen
    Wenn damit gemeint ist, dass man noch erfrischend jung für sein Alter ist ... dann schon .

    Parabel schreibt:
    Irgendwie ist da was dran. Alle Menschen wollen ab einem bestimmten Alter jünger sein, ich bin da zwiegespalten. Ist zwar ganz nett wenn man immer für jünger gehalten wird, aber ich bekomme dann immer das Gefühl ich bin nicht "erwachsen". Da stört mich eben die schlechte Exekutive.
    Aber 30%? Wie ich meinen Papierkram bewältige erinnert dann vlt doch mehr an die von dir genannte 14jährige ...
    Kommt mir bekannt vor

    Liebe Grüße
    Fliegerlein

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