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Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #1
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Forum-Beiträge: 176

    Starke emotionale Wahrnehmung zwischenmenschlicher Interaktionen und Beziehungen

    Hi,

    ich beobachte immer wieder bei Menschen, die ich als im ADHS-Spektrum befindlich erlebe (teilweise auch offiziell diagnostiziert sind), dass sie sehr starke und dauerhafte Emotionen zeigen, wenn es um die Beziehungen zwischen Menschen geht, nicht nur bei der eigenen Beziehung, sondern auch bei miterlebten Interaktionen zwischen Dritten. Diese Emotionen dauern mehrere Stunden an und können offenbar permanent wieder abgerufen und erinnert werden. Darunter scheinen sie auch zu leiden und haben Probleme, den betreffenden Sachverhalt objektiv zu betrachten, obwohl sie kognitiv eigentlich locker dazu in der Lage sind.

    Ich hingegen erlebe Emotionen auch sehr stark, aber als kurzfristig und sehr situationsgebunden und kann die Emotionen nicht dauerhaft "halten" und auch nicht abrufen, erst durch kognitive Prozesse, indem ich mir die sozialen Aktionen immer wieder kognitiv unter Aufwendung großer Konzentration vor Augen führe - gelingt mir dies, werde ich auch sehr emotional, aber dazu muß ich in diesem Moment über genügend Ressourcen verfügen, um mir die Situation vor Augen zu führen UND gleichzeitig die Emotionen auslösen zu können. Oftmals empfinde ich es als hilfreich, nicht dauerhaft dieser Emotionsflut ausgesetzt zu sein, da ich die Emotionen, wenn sie mal da sind, nicht kontrollieren kann. Andererseits behindert mich dieser Zustand aber auch in meiner Handlungsfähigkeit, da ich dadurch Probleme bei der Meinungsfindung und beim spontanen Handeln habe, es muß bei mir oftmals alles über die kognitive Ebene laufen, und da verliere ich gerne den Überblick, weil zu viele Infos.

    Bei mir ist es oftmals das Lust- und das Unlusterleben, das Wut oder Freude hervorruft, oder das Gefühl des Verletztseins, wenn ich mitkriege, dass mir kein oder nur wenig Respekt entgegengebracht wird. Eines meiner Lebensthemen ist, dass man mich respektiert wie ich bin und dass ich nicht mehr ausgelacht oder verlacht werde; ob ich dabei gemocht werde, ist mir bis auf wenige Ausnahmen nicht so bedeutend. Und hierauf richtet sich dann meine Wut, wenn ich den Eindruck bekomme, ich sei nicht ok.

    Aber bei meinem Bruder dreht es sich z.B. vielmehr um die Aufrechterhaltung einer Gemeinschaft oder einer Familie, mit vielen Liebesbeweisen (die in meiner Wahrnehmung nur leere Floskeln sind) oder Lob für seine Arbeit/seine Kinder, etc., wo ich der Meinung bin, dass einige Verbindungen ihm nicht guttun und er sich nur ausnutzen läßt, nur damit er möglichst "sozial" ist. Er gibt und gibt, ohne Rücksicht darauf, dass andere das nur ausnutzen und sich hinter seinem Rücken über ihn lustig machen. Es geht einerseits um Minderwertigkeitskomplexe, auch um seinen Stolz, dass er sein Leben alleine bewerkstelligen kann, auch dass er akzeptiert wird, aber von allen Seiten (auch von den wenigen verbliebenen Freunden) wird gesehen, dass er sich selber nur schadet damit, und ich sehe, dass er auch einfach nicht allein sein kann und sich viel über die Verbindung zu anderen Menschen definiert. Er hat auch ein extremes Mitempfinden gegenüber den Menschen, die er als gut und richtig erachtet; nur diejenigen, die ihm wirklich Gutes wollen und ihn warnen vor schädlichen Beziehungen, für die hat er nichts übrig.
    Wenn man ihm aber die - unangenehme - Wahrheit sagt, ist man gleich der Böse/die Böse, er wird extrem wütend. Dabei ist er aber eigentlich in der Lage, die Zusammenhänge zu erkennen, aber er tut es nicht, verleugnet sie stattdessen und verbaut sich die Möglichkeit, sein Leben zu verbessern. Zudem hat er ein hohes Missionierungsbedürfnis und möchte alle Welt davon überzeugen, dass seine Herangehensweise die einzig richtige sei.

    Wie erlebt Ihr das mit den Emotionen? Ist es Euch auch viel wichtiger, anderen zu helfen oder Beziehungen aufrecht zu erhalten, um andere nicht zu kränken, oder um nicht alleine sein zu müssen? Sind Euch andere wichtiger als Ihr Euch selbst?

  2. #2
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 206

    AW: Starke emotionale Wahrnehmung zwischenmenschlicher Interaktionen und Beziehu

    Hallo Hermine1977,

    ich persönlich leide stark unter emotionaler Einsamkeit und solange ich selbst keine Partnerin habe, fühle ich mich verletzt, wenn ich Paare sehe. Der Grund dafür ist, dass mir in diesem Augenblick fehlt, wonach ich mich sehne. Für mich steht eine Partnerin auch für Geborgenheit und Zuhause, was ich ohne nicht empfinde. Daher bin ich da emotional sehr anfällig. Solange ich selbst Single bin, verabrede ich mich als Selbstschutz bis auf Ausnahmen auch nur mit anderen Singles.

    Emotionale Einsamkeit geht bei mir soweit, dass ich arbeitsunfähig werde und keinen Lebenssinn mehr sehe. Morgens habe ich meist noch etwas Energie, besonders dann, wenn das Wetter super ist. Doch Abends verfalle ich oft in eine sehr traurige, depressive Stimmung. Mit dem Alleinsein habe ich nicht so sehr das Problem, manchmal brauche ich auch mal Ruhe und Zeit für mich. Auch unter Freunden fühle ich mich manchmal einsam, aber bin nicht allein.

    Emotionale Einsamkeit lähmt mich: Wenn ich diese verspüre, bin ich meistens nicht dazu in der Lage, anderen zu helfen. Alles kreist bei mir im Kopf nur noch um diese tiefsitzende Traurigkeit. Diese emotionale Einsamkeit loszuwerden ist das oberste Ziel, alles kreist in meinem Kopf darum, alles andere folgt erst danach wieder. Aber es ist schwer für mich, die passende Partnerin zu finden, es muss passen und ich bin auch nicht anspruchslos, was dazu führt, dass meine emotionale Einsamkeit eher ein Dauerzustand ist.

    Wenn eine Beziehung grundlegend nicht passt, würde ich sie nicht deshalb aufrecht erhalten, um nicht allein sein zu müssen. Ich würde sie dann auflösen und dann weiter emotional leiden.

    Ich helfe gerne anderen, besonders, wenn es um psychische Probleme geht, denn da habe ich ein starkes Einfühlungsvermögen. Doch wenn es mir selbst psychisch schlecht geht, ist mir manchmal fast alles egal.

    Ich kann sehr heftig in zwischenmenschlichen Konflikten reagieren. Es kann dann schon mal vorkommen, dass ich in Wut einen Kontakt sofort beende. Konflikte mit mir sehr wichtigen Personen können mich emotional auch soweit belasten, dass ich auf der Arbeit an nichts anderes mehr als an den Konflikt denken kann. Zum Arbeiten komme ich dann nicht. Ich denke, dass meine Emotionen schon sehr stark sein können und ich da nicht ganz stabil bin.

    Ich hoffe, Dir weitergeholfen zu haben

  3. #3
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Forum-Beiträge: 176

    AW: Starke emotionale Wahrnehmung zwischenmenschlicher Interaktionen und Beziehu

    Hallo Maulbeere,

    vielen Dank für Deine Antwort. Was Du schreibst, kann ich auch sehr gut nachvollziehen, auch wenn ich glücklicherweise momentan schon lange nicht mehr in dieser Situation bin. Als ich Jura studiert hatte, war ich auch sehr einsam, denn mein Mann war in der Heimat (damals waren wir noch Freunde) und meine Eltern waren auch daheim. Mit meinem Studienort konnte ich mich nicht identifizieren, weil mir das Studium nicht lag und auch weil ich meine üblichen Probleme hatte, neue Kontakte zu knüpfen. Da saß ich oft abends an meinem Schreibtisch und hatte das Gefühl, mir würde die Decke auf den Kopf fallen und verzehrte mich nach der Heimat. Wurde ich jedoch abgelenkt, z.B. durch Studienveranstaltungen oder durch Aktivitäten, die ich selber durchführte oder durch universitäre Angebote, hatte ich das alles für den Zeitraum der Ablenkung vergessen und fiel abends müde und zufrieden ins Bett (dachte dann aber daran, wie sehr ich mich freue, wenn ich meinen Mann oder meine Eltern wieder sehe).

    Mein Antrieb wurde besser, sobald das WE in greifbare Nähe rückte oder wenn ich Erfolg im Studium hatte, am Montag fiel ich erstmal in ein Loch, das bis Mittwochs anhielt. Emotionale Einsamkeit unter selbstgewählten Treffen habe ich zum Glück selten, da ich dann nicht hingehe (wenn zu erwarten ist, dass wenige Gemeinsamkeiten bestehen) oder frühzeitig entschwinde, sobald ich das merke. Das Gefühl von Einsamkeit während Treffen tritt bei mir auf, wenn ich keinen Gesprächsanschluß finden kann. Unter Studenten zu sein, hat für mich primär nichts mit sozialen Kontakten zu tun, sondern ist eher so, als ob ich auch allein im Wald wäre, in diesem Fall erfolgt die Begegnung mit anderen im beruflichen Kontext. Es können sich theoretisch jedoch Kontaktmöglichkeiten bieten, die ich gerne aufnahm (sobald genug Gemeinsamkeiten oder Themen bestanden).

    Ich helfe anderen gern, wenn es um Problemlösung und Vermittlung von Informationen geht, insbesondere im psychischen Bereich, aber Trösterin bin ich eher weniger.

    Das Gefühl der Einsamkeit ist schon eine sehr starke Emotion - wie ist es bei Euch im Alltag bei kleineren Themen, wie z.B. Streß mit Arbeitskollegen?

  4. #4
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 23
    Forum-Beiträge: 617

    AW: Starke emotionale Wahrnehmung zwischenmenschlicher Interaktionen und Beziehu

    Hallo,

    bei Konflikten zwischen dritten fällt es mir auf, wenn jemand sich nicht ausdrücken kann wie er möchte, leite ich nur gern weiter, was der eine eigentlich sagen wollte. Wenn es nicht gut ankommt, na dann gehe ich auch wieder. Den Überblick über eine emotionale Situation habe ich am besten, wenn ich nicht betroffen bin. Das würde ich als objektives Einfühlungsvermögen bezeichnen, irgendwie. Bisher hat es sich selten als Fehlinterpretation erwiesen ob es ankommt, wenn ich mich einmische.
    Emotionen sind so abgestuft wie Farben und wir haben die Scharfsicht gegenüber anderen .
    In anderen Fällen erlebe ich sie zwar auch so stark, wenn es mich betrifft werde ich bald frustriert, wenn ich nicht weiss wohin damit.
    Kränken mag ich nicht, tut es jemand absichtlich oder taktlos, wird er weniger wichtig und ich taktloser. Ich bin da auch nicht stabil, objektiv/angemessen wenn es mich betrifft kann ich nicht immer. (Inwiefern angemessen objektiv ist, wäre auch ein Thema^^)
    Mit Einsamkeit empfinde ich eh so, deswegen zählt es nicht als variabler Faktor.

    Meinst du mit nicht abrufen, Emotionen nicht beschreiben zu können, wenn du sie nicht gerade hast? Sowas stellt mir manchmal Barrieren, trotzdem bin ich sehr glücklich damit, nichts "aufeinanderstapeln" zu können.

  5. #5
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Forum-Beiträge: 176

    AW: Starke emotionale Wahrnehmung zwischenmenschlicher Interaktionen und Beziehu

    Hi Coccinelle,

    bei Emotionen habe ich leider nur ein sehr eingeschränktes Farbspektrum, ich erlebe sie nur wirklich, wenn sie stark sind, dann kann ich sie auch benennen. Ansonsten ist es so, dass Vieles eher im Unbewußten stattfindet und ich keine Zuordnung treffen kann. Wird etwas überschwellig, kann es mich völlig unvorbereitet treffen, und ich kann es dann häufig auch nicht steuern, es kommt zu einem Ausbruch. Es gibt einige Situationen, ich nenne sie mal Trigger, da kann ich von jetzt auf gleich von neutraler, ausgeglichener Stimmung oder gar guter Laune heraus, sehr böse werden - dass ich da niemandem etwas tue liegt daran, dass ich das zum einen auch nicht wirklich will und zum anderen, dass ich mir schon ein paar Strategien zurechtgelegt habe wie z.B. aus der Situation herausgehen und das Ganze von der Distanz aus betrachten und mir in dieser Zeit überlege, was ich dem anderen dann wirklich vermitteln will oder dass ich mir schnell vor Augen führe, wie lächerlich es wirken würde, wenn ich vor allen Leuten einen Wutausbruch hinlege und ich mich dadurch in noch schlechteres Licht rücke,...

    Mein Mann verfügt über diese wunderbare Gabe, die Du beschreibst; er versteht sofort intuitiv, was in anderen vor sich geht, und wenn Kommunikationsschwierigkeiten aufgrund Mißverständnissen auftreten, kann er vermitteln und die Beteiligten über die jeweils andere Sichtweise des Gegenübers aufklären, auch wenn alle emotional erhitzt sind. Ist er aber selber emotional in einer Sache verwickelt, dann klappt es bei ihm garnicht mehr, da ist es so, dass er in seinem "eigenen Film drin ist" und da nicht mehr herauskommt, seine eigenen schlechten Erfahrungen und Minderwertigkeitskomplexe gewinnen die Oberhand, und er kann dabei sehr cholerisch werden (hier bin ich wiederum gut in der Lage, ihn wieder auf den Boden zu holen durch sachliche Argumente und Erklärungen). Er übernimmt für mich die Funktion eines Übersetzers, wenn ich merke, dass der andere mich nicht versteht, oder wenn ich den anderen nicht verstehe und berate mich dann immer mit ihm, wenn ich selber nicht weiterweiß. Früher hat er mir bei der Wahrnehmung und Beschreibung von Gefühlen geholfen, das ist jetzt nicht mehr so häufig erforderlich.

    Mit nicht Abrufen der Emotionen meine ich, dass ich in einer komplexen Situation mit vielen Eindrücken nicht sagen kann, was ich empfinde; ich brauche dazu Ruhe und Rückzug, um das sagen zu können, auch wenn es nur ein paar Minuten sind. Bin ich z.B. im Unterricht und erkläre was, jemand würde mich da fragen, was ich gerade empfinde, würde ich sagen, dass ich es nicht wüßte oder würde irgendwas sagen, von dem ich annehme, dass das Gegenüber es so hören möchte. Ist mir eine Sache unbekannt, da ich sie zuvor nicht erlebt habe, kann ich auch nur raten, was ich empfinden würde, und das auch nur auf Basis von zuvor Gehörtem, Gelesenem, Gesehenem, etc..

    Ich habe für mich festgestellt, dass ich dadurch, dass Empfindungen bei mir wohl zwar jederzeit da sind, ich sie aber nicht richtig wahrnehme und daher auch nicht richtig mit ihnen umgehen kann, massive Probleme mit den Extremas habe, die ich erst dann schon richtig benennen und zuordnen kann: Vorher hat niemand, auch ich selber nicht bemerkt und nach außen getragen, dass da z.B. irgendwas nicht stimmt, da es unterschwellig war. Kommt dann das letzte Tröpfchen, das zu einer überschwelligen und dann auch gleich sehr starken Wahrnehmung der Emotion führt inklusive mangelnder Kontrollierbarkeit, dann wirkt das vor anderen und vor mir selbst so, als sei ich extrem stimmungsschwankend (für mich selbst sehr beängstigend), und jeder ist dann überfordert. Meine Eltern meinen dann, ich würde einfach übertreiben, nur Theater machen (mein Mann hat in den letzten Jahren zunehmend erkannt, dass dem nicht so ist) und tun so, als sei nichts oder wiegeln mich ab. Würde ich früher wahrnehmen, was mich bewegt und was es mit mir macht, könnte ich rechtzeitig gegensteuern, aber das klappt eben leider nicht. Meine Eltern konnten es mir auch nicht beibringen, sie haben selber Probleme im emotionalen Bereich, wenn auch nicht so heftige. Stattdessen habe ich abgespeichert, welche Dinge mich aufbringen könnten, welche ich dann auch meide, soweit möglich, aber es gibt eben auch immer wieder neue Themen, die man vorher nicht so weiß, oder man kann bestimmte Situationen nicht immer meiden.

    Erschwerend kommt hinzu, dass wenn ich mich mal schon früh äußere, dass irgendwas nicht stimmt, diese Äußerung nicht richtig verstanden wird, jedenfalls nicht in voller Tragweite.

    Bin ich von jetzt auf gleich sehr lustig und fröhlich, ernte ich auch Verwunderung, aber durchweg nur positive, und ich bin dadurch schon manchmal der "Liebling der Runde" für ein paar Stunden. Meine Fröhlichkeit wird als sehr authentisch und lebhaft wahrgenommen. Auch hier kann ich garnicht sagen, wie es zu meiner guten Stimmung kommt.

  6. #6
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 206

    AW: Starke emotionale Wahrnehmung zwischenmenschlicher Interaktionen und Beziehu

    Hermine1977 schreibt:
    Mein Antrieb wurde besser, sobald das WE in greifbare Nähe rückte oder wenn ich Erfolg im Studium hatte, am Montag fiel ich erstmal in ein Loch, das bis Mittwochs anhielt. Emotionale Einsamkeit unter selbstgewählten Treffen habe ich zum Glück selten, da ich dann nicht hingehe (wenn zu erwarten ist, dass wenige Gemeinsamkeiten bestehen) oder frühzeitig entschwinde, sobald ich das merke. Das Gefühl von Einsamkeit während Treffen tritt bei mir auf, wenn ich keinen Gesprächsanschluß finden kann. Unter Studenten zu sein, hat für mich primär nichts mit sozialen Kontakten zu tun, sondern ist eher so, als ob ich auch allein im Wald wäre, in diesem Fall erfolgt die Begegnung mit anderen im beruflichen Kontext. Es können sich theoretisch jedoch Kontaktmöglichkeiten bieten, die ich gerne aufnahm (sobald genug Gemeinsamkeiten oder Themen bestanden).
    Unter den bisher wenigen erfolgreichen Tagen mit Medikamenteneinnahme habe ich festgestellt, dass ich die emotionale Einsamkeit nicht mehr so stark bzw. gar nicht mehr empfinde. Wobei ich sie nach einer Zeit bestimmt wieder stärker wahrnehmen würde, vermute ich (nach dem die anfängliche Begeisterung vielleicht wieder etwas abfällt bzw. zur Gewohnheit wird). In diesen Tagen wollte nur noch Wissen aufnehmen, war nur noch in Uni-Bibliotheken. Den Erfolg, den ich wahrnahm - das Gedächtnis also funktionierte -, führte dazu, dass ich motiviert war weiterzumachen. Ich denke ich war abgelenkt von meinen Einsamkeitsgefühlen.

    Wenn ich vermute, dass ich keine Gemeinsamkeiten mit Menschen habe, vermeide ich deren Begegnung auch. Unter Freunden habe ich keine soziale Einsamkeit mehr und kann in diesem Moment meine emotionale Einsamkeit verdrängen. Meine emotionale Einsamkeit kann mir nur eine einzige Person nehmen, nämlich die richtige, zu mir passende, Partnerin.

    Auf der Arbeit habe ich meist keine Menschen, mit denen ich Gemeinsmakeiten empfinde. Ich gehe hin, mache meinen Job und bin wieder weg. Ich investiere auch nur die absolut notwendige zeit in die Arbeit und in die damit verbundenen Kontakte. Ich mache es nur, weil ich das geld brauche.

    Hermine1977 schreibt:
    wie ist es bei Euch im Alltag bei kleineren Themen, wie z.B. Streß mit Arbeitskollegen?
    Konflikte mit Kollegen können mich von 0 auf 100n wütend und aggressiv machen, besonders wenn ich schon gestresst auf die Arbeit komme. Das komme ich meistens, weil mich schon die ganzen Leute in der U-Bahn auf dem Hinweg nerven und stressen. Konflikte mit Kollegen belasten mich emotional sehr, kann meine Arbeit dann nicht mehr richtig durchführen. In meinem Kopf laufen dann Kampfszenen ab.

  7. #7
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 42
    Forum-Beiträge: 32

    AW: Starke emotionale Wahrnehmung zwischenmenschlicher Interaktionen und Beziehu

    Ich "fühle" fast jedes Gefühl bis hin zu ungesprochenen Gedanken oder komplexen Vorgängen. Das geht sogar soweit, dass ich anhand von Fotos einfach "Wissen" über eine Person erhalte. Allerdings ist dies wohl eine Begabung von uns weiblichen Aspies. Vermutlich liegt es an der fehlenden visuellen Wahrnehmung, so dass mein Gehirn hier auf andere Sinne zurückgreifen muss.

    Langezeit dachte ich immer, dass ich fantasiere und mir bunte Bilder ausmale. Also schön schweigen und ja nichts dazu sagen. Bin ja auch so schon deppert genug. Doch die Erfahrung hat mich gelernt, dass ich nun offen meine Wahrnehmung ausspreche. Auch wenn es mein Gegenüber erschreckt, wenn er die unverblümte Wahrheit von mir hört. Aber nur so, kann ich mich selber bleiben und grösseren Schaden meiner Gefühlswelt vermeiden.

    Es hat sich dabei gezeigt, dass viele zuerst leer schlucken, mit irgendwelchen Floskeln (die ich sowieso nicht verstehe) sich heraus reden, allenfalls sogar zeitweilig den Kontakt abbrechen - irgendwann aber zu mir kommen und sagen "Danke, dass du es gesagt hast. Du hattest mit allem recht!".

    Die Wahrheit auszusprechen ist für mich leichter. Ich schaffe damit für meine Gefühle und mein Selbstvertrauen Klarheit.

  8. #8
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 23
    Forum-Beiträge: 617

    AW: Starke emotionale Wahrnehmung zwischenmenschlicher Interaktionen und Beziehu

    Hi,
    es tut mir Leid dass ich nicht schon letzte Woche geantwortet habe, ich konnte mich die ganze Zeit nicht einloggen... Da sollt mein toller Takt gar nicht mehr mitreden. Ich meine auch nicht, dass ich für mich selber da irgendwas kann, das unnötige letzte Tropfen das den Fass voll macht kenne ich auch.
    Wenn ich etwas einstufen will und es beim Namen nennen, sei es Wut oder was Anderes und eine Möglichkeit dazu da ist, frage ich nur gerne was für eine Emotion das ist und weiss beim nächsten mal nur mehr, was hierzu etikettiert und gespeichert ist. Distanz macht als Puffer viel aus glaube ich, aber Gleichgewicht trägt etwas Abschreckendes mit sich.
    Gute Laune-Ursachen ("Gegentrigger") sind auch nicht so wichtig wie negative Trigger, da braucht man nicht vor weglaufen müssen. Wenn es nur die gäbe..^^
    Sorry nochmals, war keine Absicht eher ein Fall für "verpeilt wenn.."Threads
    lg coccinelle
    Geändert von coccinelle ( 5.10.2014 um 11:00 Uhr)

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