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Diskutiere im Thema Emotional isoliert im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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  1. #1
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 113

    Emotional isoliert

    Hallo,
    ich fühle mich oft emotional isoliert. Wenn man meine Situation von außen betrachtet würde man das wahrscheinlich nicht vermuten. Also, ich bin die meiste Zeit unter Menschen, also Arbeitskollegen, Familie. Fühle mich aber trotzdem isoliert und zwar weil ich niemanden habe mit dem ich meine vielen Leidenschaften teilen kann. Diese sind zB Kino gehen, Gitarre spielen, Meditieren, philosophieren, Bücher lesen, Reisen, Joggen, Paragliding, zusammen Essen kochen usw. Ich habe ja schon viele Bekannte und die kommen auch wenn ich mal Geburtstag feier oder so, oder die gehen auch mal mit aus auf ein Bier. Aber, Da ist wirklich niemand der sich mal von sich aus meldet und fragt ob wir mal zusammen ins Kino gehen wollen oder so was. Oder sich auch einfach nur so meldet man bisschen zu reden, zu philosophieren. Oder mal auf ein gutes Konzert gehen. Jüngstes Beispiel im November kommt "Linkin Park" .... niemand in meinem gesamten Bekanntenkreis hat Lust auf das Konzert zu gehen. OK ich bin 49 Jahre ... aber bedeutet das dass ich zu alt bin um auf das linkin Park Konzert zu gehen? Oder liegt es wirklich einfach nur an mir, dass ich unfähig bin soziale Kontakte zu knüpfen oder dieser aufrechtzuerhalten? Andererseits habe ich ja auch schon einen Artikel gelesen, dass viele Männer mit Ende 40 eben gerade sozial beziehungsweise emotional vereinsamen. Also meine Situation eventuell der Normalfall für einen Mann Ende 40? Ich unternehme sehr oft etwas alleine. Zum Beispiel habe ich jetzt mit dem Paragliding begonnen, habe einen Kurs Über eine Woche mitgemacht. da waren wir 20 Leute, ich bin ja wirklich sehr offen, rede mit jedem fühle mich aber trotzdem immer wieder isoliert, als wenn die anderen nicht als sonderbar erleben, also Gespräche gehen dann immer von mir aus fast nie von den anderen. Oder, ein anderes Mal war ich auf einem Meditations Seminar, das ging auch über mehrere Tage. Und dort war es das gleiche. Niemand ganz besonders Frauen nicht kommen mal auf mich zu und suchen das Gespräch mit mir. Ich denke dann immer nicht den wirklich so total attraktiv? Auf diversen Partys wenn ich mal irgendwo eingeladen ist es das gleiche, entweder ich finde dann eine Person mit der ich mich dann sehr lange und intensiv unterhalte. Oder aber es läuft gar nichts kein Interesse von irgendeinem oder eine Frau die mal auf mich zukommen würde. Und am Ende fühle ich mich dann noch mehr isoliert als wenn ich gleich zu Hause geblieben wäre. Hätte jemand vielleicht eine Idee woran das liegen könnte? Ansonsten meine ganzen alten Freunde, Die sind so in ihrem Alltagstrott, dass es mich einfach nur langweilt. Mit denen jetzt großartig Zeit zu verbringen das halt ich einfach nicht aus.
    Gruß, Hakuin



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  2. #2
    Impulsbombe

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 58
    Forum-Beiträge: 3.124

    AW: Emotional isoliert

    Ich habe ganz ähnliche Probleme. Denke aber nicht dass es zwangsläufig mit dem Alter zusammenhängt. Wobei ein Linkin Park Konzert wahrscheinlich schon abschreckend auf die Mehrzahl deiner Kollegen wirken könnteZumindest auf dien etwa Gleichaltrigen.Trotzdem meine ich das Hauptproblem ist die abwartende Haltung.Ich habe festgestellt dass immer wenn ich mich überwinden kann und selber die Initiative ergreife bin ich nicht allein bei dem was ich unternehme.Dagegen wenn ich warte bis mich jemand auffordert schon, obwohl das mittlerweile im Begriff ist sich zu ändern, weil ich durch meine Eigeninitiative Interesse an meinem Umfeld signalisiere.
    Geändert von Sunpirate (12.09.2014 um 07:11 Uhr) Grund: i

  3. #3
    Chaoprinzessin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 12.437

    AW: Emotional isoliert

    Ich war früher auch isoliert, heute fühle ich es irgendwie weniger, obwohl es ab und zu mich packt...

    Wichtig ist für mich Menschen zu haben mit denen ich aus der Seele reden kann. Gemeinsame Unternehmung sind auch nett, aber nicht so wichtig. Ich bin sogar sehr Mitteilungsbedürftig, aber es reicht auch nicht...

    Mich hat geholfen zuerst mit mich gut umzugehen, zu mich zu schauen und auf mich zu hören... Dann irgendwann tauchen Menschen auf, oder es geht mit die Menschen die ich schon um mich habe, besser...

    Es ist auch so, wenn ich zu bedürftig bin, spüren es die anderen, und es schreckt ab... Daher ist wichtig zu sich zu schauen und vielleicht auch was man von aussen braucht, an mehrere Ort zu suchen... Aber zuerst bei sich... Manchmal tut man selber ein Teil von sich zu wenig beachten, oder irgendwie ausblenden, wenn du verstehst was ich damit meine... Was man von sich versteckt, wird es auch niemand sehen... Oder nur sehr wenigen

    Gespräch suchen mit anderen ist auch so ein Kunst... Spüren wo der andere seine Grenzen hat, nicht zu aufdriglich sein, sich auch an der andere anpassen... Lassen, wenn es scheint dass jemand irgendwie nicht will, anderswo probieren.

  4. #4
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Forum-Beiträge: 176

    AW: Emotional isoliert

    Ich habe dieses Problem schon so lange, wie ich denken kann.

    Auch ich renne den Leuten immerzu hinterher, weil ich Probleme habe, Freundschaften aufrecht zu erhalten, eben weil ich anders bin und dazu sehr wählerisch, mit wem ich zusammen bin. Auch kann ich bei den üblichen Themen überhaupt nicht mitreden, und die Themen, die ich habe, sind mit den Lebenswelten der anderen nicht vereinbar. Somit kann ich mit anderen auch nichts gemeinsam "aufbauen", kann mich in sie überhaupt nicht einfühlen (ich brauche von Natur aus länger, um zu erfassen, was in anderen vor sich geht, aber mit der Zeit geht es eigentlich, aber nur, wenn ich mit ihnen genügend Schnittmengen habe). Mein Leben fühlt sich unausgefüllt an, und das betrifft alle Lebensbereiche, den Beruf, die Freizeit und Familie.

    Beruf: Ich habe zwar eine herausfordernde und spannende Tätigkeit als Dozentin, aber diese bringt mich immer wieder an meine Grenzen, weil die Schüler in der Gruppenfindungsphase immer wieder über mich lachen und dumme Sprüche über mich machen, sie äffen meine auffällige Sprache nach oder meine Gesten. Dazu habe ich erfahren, dass ich wohl einfach zuviel rede und zuviel Infos auf die Schüler abbombardiere und sie damit einfach überfordert sind, es könnte wohl reichen, wenn ich mehr Pausen mache. Ich kann nicht erkennen, wann so eine Pause angebracht ist, so dass ich mich an starre Zeitschematas halten muß. Das Problem ließe sich wohl lösen, aber im Grunde genommen nagt es sehr an mir, dass ich immer wieder auffalle und zwar ungewollt negativ im Sinne von "Witzfigur". Nach einiger Zeit finden mich die Schüler aber trotzdem toll und sagen mir, dass sie noch nie in ihrem Leben soviel gelernt haben wie bei mir und dass es sehr interessant sei. Es ist für mich aber irgendwie auch paradox, da ich häufig am Anfang als "Schlaftablette" bezeichnet werde. Komme ich aber mal in den "Flow", kann ich tolle Gespräche im Unterricht führen und mich hervorragend präsentieren, das ist mir durch andere Fachkräfte, die auf meinen Wunsch meinen Unterricht beobachteten, wiedergespiegelt worden. Jedoch ist es immer Glückssache, wann und ob ich in den Flow komme, weil ich dazu fit sein muß (oft bin ich aber einfach nur müde und extremst verpeilt), mich das jeweilige Thema stark interessieren muß und dazu die Chemie zwischen mir und den Schülern stimmen muß, was auch vom Stadium ihrer Ausbildung abhängt (also erst wenn sie schon länger dabei sind). Jedes neue Schuljahr wird für mich immer wieder zum Spießrutenlauf, weil ich niemals den intuitiven Zugang zu den Schülern aufbauen kann, sondern erst später nach und nach herausfinde, wie ich mich bei diesem oder jenen Kurs verhalten muß. Egal ob der Unterricht gut lief oder nicht, nach 3 Zeitstunden am Tag bin ich so alle, dass ich selbst die einfachsten Tätigkeiten nicht mehr störungsfrei ausführen kann. Da kriege ich Angst und merke immer wieder, dass ich niemals so sein kann wie die anderen und ich dadurch deutlich weniger vom Leben habe - ich fühle mich wie jemand mit Demenz im fortgestrittenem Stadium. Als ich mich mit Demenz auseinandersetzte, merke ich, dass sie in vielen Punkten die gleichen Probleme haben wie ich: Orientierungsstörungen, Prosopagnosie, Wortfindungsstörungen (habe ich oft nach dem Unterricht), Zuordnen von Ereignissen im Zeitstrahl (Abrufen von Gedächtnisinhalten ist sehr schwierig, wenn ich im Overload nach dem Unterricht bin), Störungen der executiven Funktionen, die ich aber hinkriege, wenn ich mich doll konzentriere und mich an Altbewährtem orientieren kann. Einzig und allein meine gute Konzentrationsfähigkeit, wenn ich an etwas Spaß habe und im Flow bin, hat ein Demenzkranker nicht... Es ist einfach scheiße, wenn ich den Raum nicht weiß, wo der Unterricht stattfindet, ich aber kurz zuvor den Stundenplan angeguckt habe oder dieser ein Tag zuvor geändert wurde und diese Info wieder mal selbstverschuldet an mir vorbeigegangen ist!! Dann weiß ich oft noch nichtmal, dass ich vor dem falschen Kurs stehe und lege dann los...
    Ich habe schon meine Fühler nach anderen Tätigkeitsbereichen ausgestreckt, aber auf dem freien Arbeitsmarkt bin ich auf Dauer nicht haltbar, werde entweder gekündigt oder breche nach wenigen Monaten psychisch total zusammen durch den ganzen Druck, der sich infolge meiner Verpeiltheiten und der daraus ergebenden Fehler aufbaut. Dann kommt eine ganz böser Stimmungsumschwung, wo ich den Trieb habe, alles um mich herum nur zu zerstören, damit ich da nicht mehr hinmuß.

    Das Arbeitsamt konnte mir bislang nicht weiterhelfen, und ich bin meinen Eltern dankbar, dass sie mich in ihrem Betrieb noch mittragen.

    Freizeit: Ich habe leider nur wenige Dinge, die mir Freude machen, weiters kann ich nicht spontan sein, die Dinge, die ich tue, folgen strengen Zeitplänen, und ich muß abends immer zuhause sein, sonst kommt die Panik, und ich bin extrem durcheinander. Da habe ich gemerkt, dass viele Menschen, die ich auf Eigeninitiative heraus kennengelernt haben, zunächst mitmachen, weil ich in meiner Obsession (Tauchen) extrem viel mitbringe und sie davon profitieren können und es toll finden, zudem finden sie meine Gespräche und Inhalte sehr interessant, weil es so anders ist als ihr übliches Leben, aber nach einer gewissen Zeit wenden sie sich von mir ab, bzw. lassen den Kontakt ausplätschern, einige halten den Kontakt nur auf sehr niedrigem Niveau mit 2-3 Treffen im Jahr, wohl eher nur aus Mitleid... Ich bin oft gerne alleine unterwegs, das ist nicht die Frage, aber ich bekomme dadurch auch keinen neuen Input, keine Anregungen, und wenn ich nicht tauchen kann, falle ich in ein tiefes schwarzes Loch. Im Winter gibt es regelmäßig fiese Attacken durch mich auf meine Umwelt, ich weiß nicht wohin mit meiner Wut und Unzufriedenheit, mein Leben fühlt sich inhaltsleer an, und ich muß zwanghaft immer etwas Neues suchen, um Inhalt zu geben. Dabei gibt es nur wenig Auswahl, an Aktivitäten, die ich kann oder/und die mir Spaß machen; das wären: Tauchen, Wandern in der Natur, Kajakfahren (das kann ich noch nichtmal alleine machen), Besuchen von Technikmuseen, Modellbau, Philosophieren und andere an meinem Wissen teilhaben lassen, Aufsuchen von verlassenen Städten oder Gebäuden. Ich würde sehr gerne reisen, aber das kann ich nicht allein und mit anderen geht es nicht, da ich eine Angststörung habe und mich davor fürchte, während der Reise eine böse Stimmung zu bekommen und dass die anderen damit überfordert sind, und dass mir dadurch am Ende etwas Schlimmes passiert. Skifahren mußte ich wegen meiner Angststörungen aufgeben (Höhenangst, Angst zu weit vom Ausgangspunkt weg zu sein und nicht mehr zurückkommen zu können).

    Familie: Ich weiß, dass ich niemals die Mutter sein werde, wie man sie sich vorstellt. Aber ich werde auch keine schlechte Mutter sein, sondern nur anders. Gewisse emotionale Bedürfnisse des Kindes würden durch meinen Mann und meine Eltern aufgefangen werden, so dass ich keine Sorgen mehr habe bezüglich des Kindeswohls (war 20 Jahre meine größte Sorge). Nur ist es jetzt so, dass es einfach nicht klappen möchte, und ich habe die Hoffnung so ziemlich aufgegeben. Die Kinderwunschbehandlungen zerren extremst an meinen Nerven, und ich bin dadurch nur noch wutgeladen: Andere Menschen kriegen so einfach ein Kind und ich trotz großer Bemühungen, Hormonattacken und OP´s keines, und das obwohl sich meine Eltern, mein Mann und ich uns darüber sehr freuen würden. Meine beiden Brüder haben alle eine Familie, sie sitzen oft mit ihren Kindern bei meinen Eltern, und ich mittendrin. Anstatt dass ich mich mit ihnen beschäftige, habe ich Angst und bin voller Neid, ich trete die Flucht an... Es gab zwar noch nie Eskalationen durch meine Seite, da ich mich immer im Hintergrund halte, aber mein einer Bruder sagt fiese Sachen über mich, dass ich niemals geeignet sei für ein Kind, er stellt mir voller Stolz seinen Sohn an die Seite und sagt, das sei ja was Tolles so ein Kind und erwartet dann, dass ich Tätscheltätschel mache, etc., da kommt die Wut, und ich fliehe und habe einen Weinkrampf. Er versucht immer noch, mich zu erziehen, dass ich normaler sei, dabei ist er selber alles andere als normal, er hat massive Minderwertigkeitskomplexe und hat sich seine Frau "gekauft" (eine Russin, die laut eigener Aussage nur Wert auf Geld legt und daher seine mittelalterlichen Vorstellungen über die Frauenrolle vordergründig trägt). Dieser Bruder redet mit allen darüber, wie verwöhnt ich und mein anderer Bruder seien (ich war immer Papas Liebling, der andere Mamas Liebling und er Sandwichkind, das in seiner Jugend durch seine Konzentrationsschwierigkeiten, Naivität und extremen Hang zur Geselligkeit - je mehr Leute, ein desto besserer Mensch er sei - ohne Tiefgang Außenseiter in der Familie war und der durch mich und meinen Vater gehänselt wurde. Er möchte seine angeblich nicht erhaltene Liebe immer wieder nachgereicht bekommen, er testet uns alle immer wieder, verschleudert das Geld, steckt es der Russin und ihrer Familie zu, indem er es aus dem Betrieb abzweigt und glaubt leichtfertig alle Ausreden, die sie ihm immer wieder vorsetzt. Sie kommandiert, schreit herum, redet schlecht über uns, setzt den Kindern keine Grenzen, sondern ermuntert sie sogar zu unartigem Verhalten, gibt uns die Schuld, dass unser Hund ihr eines Kind gezwackt hat, nachdem es das Tier zuvor massiv malträtiert hatte und zuletzt mit voller Kraft auf seine Pfote trat (es war eine kleine Verletzung, wofür unbedingt der Notarzt in das feine Restaurant kommen mußte, wo wir gerade waren, ohne Rücksicht darauf, dass mein Mann gerade über den frischen Verlust seiner Mutter trauerte, sie schrie alle Leute zusammen und auch den Sanitäter, weil er es sich "herausnahm", zu sagen, dass der Rettungsruf so total unnötig sei). Am nächsten Tag sollte unser Hund auf ihr Geheiß hin eingeschläfert werden, und das ist über 2 Jahre her, und das Theater ist immer noch da, der Hund muß immer weg, wenn sie mit ihren "Prinzenkindern" in der Nähe ist. Naja, jedenfalls hat mein Bruder immer wieder furchtbare Zusammenbrüche, kriegt Blutdruckkriesen, wenn er allein ist und ist massiv vorgealtert, die Vergangenheit mag er nicht abschließen, obwohl wir immer wieder darüber geredet haben und uns entschuldigt haben.
    Naja, jedenfalls fühle ich mich sehr schlecht, wenn überall herum die Familien sind, mein anderer Bruder hat das, was man wirklich eine Traumfamilie nennt, Harmonie, Erfolg im Beruf, eine Aufgabe im Leben, auch wenn er durch eine angeborene geringere Belastbarkeit auch häufig an seinen Grenzen ist (mit seinen Overloads und Verantwortung würde ich auch wieder nicht tauschen wollen), die Nachteile weiß ich zwar, aber ich sehe in diesen Momenten halt nur, wie unausgefüllt ich bin und nicht da bin, wo ich gerne sein würde: Mutter zweier Kinder, den Doktortitel und Fachärztin oder Inhaberin eines kleinen Unternehmens.

    In diesen verzweifelten Momenten komme ich immer wieder auf dumme Ideen, dass ich mein Leben einfach zurücklassen möchte, abhaue und irgendwie aus dem Nichts meine Traumvorstellungen aus dem Boden stampfe, mit derartiger Gewalt, dass ich mir z.B. Fremdsperma besorgen will, damit das Kind kommt, ich mich irgendwo in der Klinik bewerbe (für Psychiatrie) und da gleich am nächsten Tag anfangen möchte, durch die Gegend fahre und mir vorstelle, einfach dahin zu fahren, wo ich das alles kann, dass meine Probleme durch mangelnde exekutive Funktionen und null Berufs- und Lebenserfahrung nicht existent sind und ich mir sage, dass das alles nur ein böser Traum ist und ich mir das nur eingebildet habe. Mitten in der Nacht habe ich dann aber wieder Angst, ich merke, dass ich garnicht weiß, was ich überhaupt tun soll, wo ich hin soll und dass ich außer meinen Eltern und meinen Mann niemanden habe. Naja, wie oft habe ich meine Eltern in meinem Frust beschimpft, wenn sie manchmal so wenig einfühlsam sind, sie leben auch so ihr Leben dahin, in ihren festen Strukturen, meine Mutter fühlt sich durch meinen Vater eingeengt und lebt sich zu den Enkelkindern "weg" (heraus aus ihrem "Käfig", Kinder füllen sie aus), macht den ganzen Tag täschelidelo, nervt dabei, macht es solange, bis sie zusammenbricht mit ihrer Migräne, klagt dann über meine phlegmatische Art und dass ich zuviel tauche oder an der Kiste herumhänge und überzieht uns dann überhaupt nur mit Vorwürfen. Beide, meine Eltern haben ihre eigenen Probleme, aber sie sind der Meinung, dass ich glücklich sei und faul, da ich ja zuhause alles bekomme und mich auch nicht artikuliere wegen Problemen, nur dann, wenn ich wieder einen Nervenzusammenbruch habe. Wenn mir ihr Gelaber von wegen, dass ich nur faul sei oder desinteressiert, etc., dann knallt es aus mir heraus, ich drohe mit meinem Verschwinden und dass sie mich nie wieder sehen würden, ich haue ab, aber wir vertragen uns meist kurze Zeit später, und ich merke, dass sie wirklich nur hilflos sind und sie mich trotz alledem unwahscheinlich lieb haben. Dann entspannt sich das Ganze erstmal wieder, weil wir darüber reden, aber ändern tut sich doch nichts, weil ich auch nicht weiß, wie und was ich genau ändern muß, damit sich meine Situation mit der Daseinsfrage (Sinn meines Lebens, Inhaltsleere) bessert.

    In den letzten Monaten ist mir immer mehr bewußt geworden, was ich alles nicht kann, dass ich für meine Verhältnisse schon extrem viel geschafft habe und ich dafür und auch für meine finanziell sorgenfreie Situation und meine lieben Eltern und Mann dankbar sein kann. Aber es nervt mich extrem an, dass ich nun wohl wirklich am Ende meiner Möglichkeiten stehe und mich nicht weiterentwickeln kann. Schule und Studium gaben mir Struktur, es gab Herausforderungen, die mich forderten, die ich aber bewältigen konnte, und jetzt müßte ich irgendwie mein Leben selbst in die Hand nehmen, Struktur in mir selbst finden, um meine Ziele zu erreichen, und ich sehe vor mir nur ein unüberwindliches Chaos, wo ich nicht weiß, wie ich es wuppen soll, ohne jemanden neben mir zu haben, der mir jeden kleinen Schritt vorsagt und mir sagt, warum etwas so und so geschieht und nicht anders. Zudem habe ich irgendwie auch wahnsinnige Ängste vor dem "Draußen" entwickelt, jetzt nicht die klassische Agoraphobie oder Sozialphobie, aber die tiefe Befürchtung, dass ich alles irgendwie falsch mache, und dass man mich auslacht, wenn ich in beruflicher Verpflichtung stehe, weil ich ja immer so kindlich und unbeholfen rüberkomme. Solange ich jetzt nur Kunde bin oder Leistungen empfange wie z.B. etwas einkaufen, zum Arzt gehen, etc., habe ich keine Probleme.

    Sorry für den langen Text, es mußte einfach raus.

  5. #5
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.149

    AW: Emotional isoliert

    Mir ist das alles so bekannt, was ihr hier geschrieben habt.

    Ich kann es auch anscheinend nicht ändern, habe ich jetzt 56 Jahre lang versucht und ich kriege es einfach nicht hin.

    Besonders schlimm ist für mich das so häufige Unverständnis - anscheinend denkt jeder, ich hab ein total spannendes und interessantes Leben. Bestimmt war es das auch und ich hab auch viele spannende Dinge erlebt.

    Manchmal weiß ich es selbst nicht, dann werden plötzlich Erinnerungen durch irgendeine Nebenbemerkung angetriggert und ich oute mich dann als diejenige, die ja wohl von reichlich vielen Dingen Ahnung hat. Dann kommt bestimmt jemand auf mich zu und die Geschichten gehen ihren Gang. Leider bleiben dann nur selten lange Freundschaften übrig und ich kann mit der Isolation immer schlechter umgehen.

    Besonders skurril ist es immer beim Thema Reisen oder andere Kulturen. Irgendwann rede ich dann mit und erst da fällt mir auf: Ach da bin ich ja auch schon gewesen oder ich habe doch mal und dann gibt es ja noch dieses oder jenes hochinteressante Buch zu dem Thema.

    Gleich vorneweg: Ich hab alles, wirklich alles schon ausprobiert. Nach einer Zeit des Rückzugs bin ich in die Offensive gegangen und hab einfach konsequent alle Einladungen angenommen - manchmal mit mächtigem Magengrimmen, aber mein Kopf hat immer gesagt: Geh mal hin, vielleicht wird es ja doch ganz gut! Ist gelegentlich auch mal passiert, aber leider bin ich immer noch nicht am Punkt der Lebenszufriedenheit angekommen.

    Ich hab alle erdenklichen Ratschläge beherzt, dass ich mich stärker um meine Interessen kümmern soll und bin umgehend losgewackelt - war alles nicht das Gelbe vom Ei! Dabei erlebe ich vor allem oft schon nach kurzer Zeit Langeweile oder eine gewisse Genervtheit, die ich zwar öfter außen vor lassen kann, aber ich frage mich dann doch, was das jetzt alles wieder soll! Diese emotionale Isolation wird immer schlimmer und sie wird mir immer bewusster! Was die Sache auch nicht einfacher macht.

    Mittlerweile hab ich ne regelrechte Resignationsphase erreicht und versuche auch grundsätzlich nichts mehr zu erwarten - klappt ja eh alles nicht! Komme mir dann vor, wie ein Gelähmter, der weiß, dass er durchaus ein paar Schritte machen kann, dann kommt die Phase des braven Übens und da einfach nicht mehr geht als ein paar Schritte wird dann gleich ganz mit der Physiotherapie aufgehört.

    Regelmäßig steht dann wieder der innere Antreiber hinter mir, haut mir auf den Deckel und sagt: Mach hinne, es ist zu schaffen, du musst nur dies und das und jenes. Und ich fang wieder an und falle auf den Hosenboden!

    Ich kann zwar in bestimmten Situationen ganz gut die Mitte halten, das ist aber nur ne äußerliche Geschichte - sobald ich dann allein bin frag ich mich wieder und wieder warum es mir nicht einfach gelingt, ein stabiles soziales Umfeld aufzubauen und auch zu erhalten.

    Da ich zu den Spätdiagnostizierten gehöre muss ich natürlich auch reichlich Müll beiseite schaffen, aber sobald ich Platz gemacht hab kommt wieder diese unerträgliche Langweile und das Mangelbewusstsein. Ich muss auch schon aufpassen darüber zu reden, falls ich überhaupt mit jemandem darüber reden kann taucht natürlich auch beim Gegenüber die Hilflosigkeit auf und dann gehen die Schleifen los, die ich um jeden Preis vermeiden will.

    Ich find's schon saumäßig schwierig und will einfach nur noch, dass es aufhört.

  6. #6
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 243

    AW: Emotional isoliert

    Geht mir genauso. jetzt haben sie mir gesagt, ich sei Autist, seitdem ist es ein bisschen besser.

  7. #7
    aficionado

    Gast

    AW: Emotional isoliert

    Hakuin schreibt:
    da waren wir 20 Leute, ich bin ja wirklich sehr offen, rede mit jedem fühle mich aber trotzdem immer wieder isoliert, als wenn die anderen nicht als sonderbar erleben, also Gespräche gehen dann immer von mir aus fast nie von den anderen. Oder, ein anderes Mal war ich auf einem Meditations Seminar, das ging auch über mehrere Tage. Und dort war es das gleiche. Niemand ganz besonders Frauen nicht kommen mal auf mich zu und suchen das Gespräch mit mir. Ich denke dann immer nicht den wirklich so total attraktiv? Auf diversen Partys wenn ich mal irgendwo eingeladen ist es das gleiche, entweder ich finde dann eine Person mit der ich mich dann sehr lange und intensiv unterhalte. Oder aber es läuft gar nichts kein Interesse von irgendeinem oder eine Frau die mal auf mich zukommen würde. Und am Ende fühle ich mich dann noch mehr isoliert als wenn ich gleich zu Hause geblieben wäre. Hätte jemand vielleicht eine Idee woran das liegen könnte?
    Bist Du sicher, dass das an Dir liegt und nicht an deiner Umgebung?

    Die deutsche Kultur ist normalerweise (ADHSler sind da wahrscheinlich ein bisschen besser), sagen wir mal euphemistisch, nicht sehr kontaktfreudig. Das ist keine Kritik. Dieser Individualismus hat seine Vorteile - eigentlich ziemlich viele, z.B. man kann alleine ins Kino gehen, ohne als Sonderling zu gelten wie in kollektiveren Kulturen , man hat seine Ruhe - aber halt auch Nachteile, die Du beschreibst.

    Ich bin viel jünger als Du. Mich überrascht es aber ständig wenn ich irgendwohin gehe, um neue Leute kennen zu lernen (Stammtische, Sprachkurse, Studentengruppen, usw.), dass man normalerweise mit einer Person kommt und sich nur mit ihr unterhaltet. Merkwürdig, wozu kommt man denn überhaupt, anstatt sich nur mit dieser einen Person zu treffen? Normalerweise spreche ich in solchen Situationen mit Südländern, Osteuropäern aber auch Briten, Amerikanern, Franzosen, usw., aber einen Anschluss an Deutsche zu finden... Huh, schwierig.
    Geändert von aficionado (14.09.2014 um 21:35 Uhr)

  8. #8
    Impulsbombe

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 58
    Forum-Beiträge: 3.124

    AW: Emotional isoliert

    aficionado schreibt:
    Bist Du sicher, dass das an Dir liegt und nicht an deiner Umgebung?

    Die deutsche Kultur ist normalerweise (ADHSler sind da wahrscheinlich ein bisschen besser), sagen wir mal euphemistisch, nicht sehr kontaktfreudig. Das ist keine Kritik. Dieser Individualismus hat seine Vorteile - eigentlich ziemlich viele, z.B. man kann alleine ins Kino gehen, ohne als Sonderling zu gelten wie in kollektiveren Kulturen , man hat seine Ruhe - aber halt auch Nachteile, die Du beschreibst.

    Ich bin viel jünger als Du. Mich überrascht es aber ständig wenn ich irgendwohin gehe, um neue Leute kennen zu lernen (Stammtische, Sprachkurse, Studentengruppen, usw.), dass man normalerweise mit einer Person kommt und sich nur mit ihr unterhaltet. Merkwürdig, wozu kommt man denn überhaupt, anstatt sich nur mit dieser einen Person zu treffen? Normalerweise spreche ich in solchen Situationen mit Südländern, Osteuropäern aber auch Briten, Amerikanern, Franzosen, usw., aber einen Anschluss an Deutsche zu finden... Huh, schwierig.
    Das ist auch meine Ansicht.Ich habe 15 Jahre in Frankreich und 2Jhre in Italien gelebt und hatte totzder Sprachbarriere, zu Beginn sprach ich praktisch kein Wort der Landessprache,nicht solche Schwierigkeiten wie hier. Dabei bin ich Deutscher

  9. #9
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.907

    AW: Emotional isoliert

    Hakuin schreibt:
    Hätte jemand vielleicht eine Idee woran das liegen könnte?
    Ich will mal nur darauf antworten, weil ich dass sehr gut kenne, was du beschreibst - wir gehen immer auf andere zu, aber andre nicht auf uns. Ich schmeiße oft jeder Gesprächsrunde, fasziniere die anderen und die genießen meine Art, Spritzigkeit oder ich beginne jedes Gespräch auf einer Party mit einem/einer Anderen, der/sie es dann auch genießet und oft denke ich "nö ich hab keine Lust mehr, warum muss ich es immer sein, der auf die andere zugeht". Also ich habe auch schon viel darüber nachgedacht über das was auch dich bewegt und ich bin zu dem Ergebnis gekommen, dass es eigentlich an mir ( uns - wegen dem ADS) liegt. Wir sind quirliger, ertragen nicht so langes Schweigen oder Langeweile in einer Tischrunde zum Beispiel, na und dann reden eben wir und unterhalten ( oft ja auch sehr gut) die anderen. Die haben einfach eine niedrigere "Schmerzgrenze", können ewig nichts sagen oder auch ein total langweiliger Abend stört die nicht. Wir sind emotional sensibler, merken mehr und sind deswegen immer auch am "gestalten" von Beziehungen zwischen den Mitmenschen. Ich weiß jetzt nicht, wie ich es genau ausdrücken soll - hoffe man versteht trotzdem, was ich meine.

    Tja und bevor sich jemand bei uns meldet von den Freunden, ob man mal was zusammen machen will oder einfach mal vorbei kommt, dass hab ich mir auch mal genau überlegt, da bin ich es eben schon eher, der sich meldet, die/der andere hat eben wahrscheinlich nicht so oft das Bedürfnis und melde ich mich nicht, dann meldet er/sie sich auch nicht (vielleicht so gar nie), weil er einfach in seinem Alltagstrott steckt und das nicht so sehr braucht wie ich.

    Also ich glaube, du solltest nicht so viel hadern (obwohl ich es gut verstehen kann), sondern froh sein drüber, dass du zumindest es kannst von dir aus Kontakte zu knüpfen, Freundschaften zu halten, nicht im Alltag zu versinken und nichts anderes mehr zu machen - alles andere bringt dir nichts, es ist wie es ist und ich hab es auch schon versucht, mal nicht die zu sein, von der immer die Initiative ausgeht, aber dann passiert gar nichts und man vereinsamt wirklich. Also was hilft es Es liegt wirklich glaube ich an unserem ADS, dass wir das alles anders empfinden als andere.

    und, wie aficionada richtig bemerkt,
    aficionado schreibt:
    Bist Du sicher, dass das an Dir liegt und nicht an deiner Umgebung?
    an unsere Umwelt, den Leuten die halt ist wie sie ist und die halt sind wie sie sind
    Geändert von Wintertag (14.09.2014 um 22:13 Uhr)

  10. #10
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.907

    AW: Emotional isoliert

    ... jetzt zitiere ich mich schon selbst, wollt doch aber nur noch was ergänzen ... steht jetzt oben, da, wo es hingehört richtiger weise

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