Also, bei mir ergibt sich das Gefühl, emotional isoliert zu sein, erst mit zunehmendem Alter und Kraftlosigkeit. Ich habe zunehmend das Gefühl, von allen Leuten "überholt" zu werden, weil ich bei Gemeinschaftsaktionen einfach nicht mehr mithalten kann. Früher konnte ich das so zumindest so, dass ich nicht rausfiel. Aber jetzt habe ich viel weniger Belastbarkeit und kann an den meisten Gruppenaktionen gar nicht teilnehmen, die Gemeinsamkeiten schaffen. Immer nur punktuell. Dann ziehe ich mich wieder zum Runterkommen und Ausruhen zurück.

Natürlich kenne ich es auch schon von früher, eine ganze Menge von "normalen" Sachen aus Überreizungsgründen nicht mitgemacht zu haben wie Klassenfahrten oder Autofahren, wie Vollzeitarbeiten und Verbindung von Familienleben und Beruf.

Aber Freunde, Parties, Treffen, das habe ich schon ganz normal mitgemacht. Heute trinke ich keinen Alkohol mehr wegen meiner Medikamente und rauche nicht mehr.....und schon halte ich Parties nicht mehr lange aus, langweile mich, bin nicht "betäubt" genug, um die Reize auszufiltern. Auch Essenstreffen an der langen Tafel finde ich heute grauenhaft, mir fällt auch meistens nicht zum Reden ein. Früher habe ich pausenlos gesabbelt und stand oft im Mittelpunkt mit meiner Erzählerei, die vielen Spaß machte. Sprechdurchfall der Hypies halt. Heute fällt mir oft gar nichts mehr ein oder ich bin eh zu müde.

Trotzdem bin ich ja ziemlich temperamentvoll und sprühend als Hypie in den Sachen, die ich noch rede und gestikuliere. Bloß klaffen mittlerweile dieses Wesen und die mangelnde Belastbarkeit extrem auseinander. Vom Temperament her bin ich wie jemand, der sagt: "Auf, lass uns die Welt retten." und von den Kräften und der emotionalen Instabilität bin ich halt Nähe Rentnertrott. Mich so zurücknehmen, dass mein Auftreten zu meinen wahren Kräften passt, kann ich aber auch nicht. Das heißt, ich muss mich zurückziehen. Weil die Leute sonst denken, ich spiele total übertrieben was vor oder sie stellen die falschen Erwartungen an mich.

Wenn ich also von Müdigkeit, Stress, Erschöpfung, Erholungswunsch rede, dann sind bei den Normalos im Unterschied zu mir noch lange nicht die Belastungsgrenzen erreicht. Meine Erfahrungswelt ist also mittlerweile eine andere. War sie z.T. immer, aber nicht mehr als bei jedem Invididualisten. Nur einer Freundin geht es vergleichbar und sie hat auch eine chronische Erkrankung.

Ich muss für mich immer unter Bekannten Sonderkonditionen aushandeln, denn ich kann nicht mithalten, egal, um was es geht.

Das war früher nicht so ausgeprägt, längst nicht. Auch wenn immer gravierende Einschränkungen da waren. Aber die Begabungen und Besonderheiten auf der anderen Seite ließen immer wieder neue Wege zu, auch wenn ich bittere Abstriche und Sonderwege machen musste.

Aber ich gehörte immer dazu in allen Lebensbereichen, auch mit all meinen Besonderheiten.

Heute bin ich am Rande, wie gesagt nur punktuell dabei. Außer mit meinem Sohn, da fordert der Alltag mich natürlich ganz als Mutter.