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Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #1
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 546

    Warum grade jetzt?

    Hallo,

    ich habe ja seit letzer Woche die Diagnose. Medikinet schlägt bis jetzt gut an, fühle mich schon deutlich besser. Dass mit mir was nicht stimmt spüre ich schon seit der Kindheit - jetzt die Gewissheit.
    Da ich ja auch zur Zeit krank geschrieben bin hab ich selbstverständlich auch viel Zeit zum Nachdenken - ob das immer positiv ist weiß ich nicht.
    Aber mir brennt eine Frage unter den Nägeln, vielleicht kennt das auch jemand vor sich:

    In der Schule, bis zur 10. Klasse hatte ich ziemliche Probleme auch mit den Mitschülern wollte es nicht so recht klappen. Hab mich, mit Unterstützung meiner Eltern (zusätzliches Lernen am Nachmittag und Abend) doch immer so durchgeschlängelt. Eine Ehrenrunde musste ich nicht drehen, obwohls einige Male, besonders auf der Realschule, knapp davor war. Plötzlich (durch ein einschneidendes Erlebnis) hats dann "Klick" gemacht und ich wusste wie ich lernen muss - hab bemerkt und akzeptiert dass ich ein bischen langsamer bin und einfach mehr machen muss wie meine Klassenkameraden. Hab die Realschulabschlussprüfung bestanden. Die Fachoberschule (abgesehen von Englisch und den nervigen Lernfächern wie Geschichte) war ein Klacks.
    Danach habe ich mir ein Studium ausgesucht. Das war das was ich machen wollte - genau meine Richtung. Es war ein naturwissenschaftliches Diplomstudium und ich muss schon sagen: Leicht wars nicht. Aber es ist mir auch nicht besonders schwer gefallen. Gut, zwischendurch hatte ich mal so eine kleine Sinnkriese, weil die Fächer die mich interessiert haben halt erst im 4. Semester begonnen haben, aber sonst liefs echt gut. Prüfungen, bis auf eine, alle beim ersten Mal bestanden. Der Endschnitt hat ne 2 vorne dort stehen (keine 2,9. Hatte auch nie Probleme meine Ausarbeitungen fertig zu stellen - so von wegen "Auf den letzten Drücker". Hab immer schon relativ früh damit angefangen damit ichs weg hab - alles andere hätte mich genervt weil ich dauernd dieses "Damoklesschwert" über mich schweben gehabt hätte. Auch bei meiner Diplomarbeit gabs keine Probleme.

    Die richtigen Probleme begannen erst, als ich richtig zu Arbeiten angefangen habe. In dieser Zeit bin ich auch von daheim ausgezogen und mit meinem Freund zusammengezogen. Da habe ich so richtig bewusst gemerkt: "Du kannst dich schlecht konzentrieren!" "Du bist oft abgelenkt, musst immer mithören was die Kollegen (2) treiben" "Du bist dauernd total erschöpft wenn du von der Arbeit kommst!" War ich alleine konnte ich weitstgehend konzentriert arbeiten und bei der Sache bleiben, erschöpft war ich danach trotzdem. Die letzten Jahre (ca. seit 2012) habe ich gemerkt wie ich immer kraftloser, desinteressierter und traniger wurde. Habe mich in meiner Freizeit eh schon geschont, aber irgendwie wurds dadurch auch nicht beser.

    Kennt das jemand auch von sich?
    Oder kann mir das erklären?
    Warum hat das Studium, das durchaus anspruchsvoll war, so gut hingehauen? Kann es was damit zu tun haben, dass ich dort relativ frei entscheiden konnte. Aber genau sowas "mögen" ADSler doch eigentlich gar nicht.
    Könnte es sein dass mein Elternhaus da mitreinspielt? Mein Vater ist äußert leistungsorientiert. Ich wollte ihm endlich beweisen dass ichs auch schaffen kann um endlich mal Anerkennung von ihm zu bekommen.

    Wäre nett wenn der ein oder andere darüber berichten könnte
    lg Susilein

    PS: Ich bin übrigens froh, dass es jetzt "schon" rausgekommen ist. Ich will mir gar nicht vorstellen durch was für eine Hölle ich gegeangen wäre wenn ich das erst in 10 oder 20 Jahren rausgefunden hätte. Vielleicht hat mir mein Arbeitskollege, dessen Kind auch ADS hat und durch den ich draufgekommen bin, das Leben gerettet?!
    Geändert von Susilein ( 5.08.2014 um 11:19 Uhr)

  2. #2
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 61
    Forum-Beiträge: 2.091

    AW: Warum grade jetzt?

    Hallo

    ja, dass kann ich Alles so unterschreiben.

    Ich war immer etwas anderes als die Anderen.
    Es gab auch immer irgendwelche Probleme - aber es ging und wenn es nicht mehr ging wurde die Welt geändert - also meine Welt.


    Mit dem Ende meines Studiums und dem Anfang meiner Arbeit kamen die Probleme. Ich kann inzwischen auch verstehen, dass ich anstrengend war für meine Kollegen - für mich war es auch anstrengend. Inzwischen bin ich davon überzeugt, dass es auch daran lag, dass ich die "Regeln" - die ungeschriebenen Gesetze der Arbeitswelt - einfach das zwischenmenschliche auf der Arbeitsebene - nicht verstan"d. So gar nicht. Dazu kam dann meine AD(H)S bedingten Schwierigkeiten.

    Ein Beispiel: Ich schlachtet in Dienstbesprechungen eine "Heilige Kuh" nach der anderen - vor Ungeduld - machte einen Veränderungsvorschlag nach dem Anderen und dann unterliefen mir die blödesten Fehler.


    Ich habe in den 25 Jahren meiner Berufstätikeit nach meinem Studium viel gelernt - über "heilige Kühe" über "ungeschriebenen Gesetze" über "was erzähle ich - was nicht" - über - über -über.

    Viele verstehe ich bis heute nicht - einige haben sich als sehr, sehr sinnvoll erwiesen.


    Ich glaube, dass während des Studiums Vieles noch sehr spannend ist - im Arbeitsleben kommen aber die Routinen, die vielen kleinen und großen Standart`s die wir AD(H)Sler nicht so mögen und an denen wir oft scheitern.

    Ich habe jedenfalls viele Arbeitsstellen - eine ADHS Diagnose - Mph - und viel lernen über AD(H)S, mich und Welt - gebraucht um es zu verstehen und meinen Frieden damit zu finden. Jetzt arbeite ich seit 9 Jahren in einer Firma und bin dort mit mit und meiner Art angekommen



    alles Liebe Elwirrwarr

  3. #3
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 40
    Forum-Beiträge: 1.008

    AW: Warum grade jetzt?

    Hallo Susi!

    Einiges kommt sicher auch mir bekannt vor, aber nicht zum ersten Mal fällt eben auch auf: AD(H)Sler ist nicht gleich AD(H)Sler.
    Man stelle sich vor: wir sind auch nur Menschen!

    Sicher hast Du auch damit Recht, wenn Du Dein Elternhaus als Einflußfaktor "verdächtigst". Es kann schon eine Rolle spielen, wie sehr sich unsere Eltern, Geschwister, Freunde usw. für uns bzw. unsere Handicaps interessieren. MEINE Eltern waren z.B. relativ offen für die Diagnosen der Kinderärzte und Psychologen. Einige meiner Lehrer bzw. Mitschüler dafür eher weniger bis gar nicht.

    Mit Studium und Uni konnte ich noch nie etwas anfangen. Mit zig Leuten in einem Hörsaal den langatmigen Ausführungen von Professoren und Dozenten zuzuhören, das wichtigste schnell in Steno mitzuschreiben (und es dabei vom unwichtigen zu trennen), bei allen selbst angefertigten Schriftstücken VORSCHRIFTSMÄßIG zitieren (Fußnote, Quellenangabe, Quellenüberprüfung auf Richtigkeit usw.) und dann noch nebenbei die Selbstorganisation meines Studiums gebacken kriegen... NEEEE!!!
    Einfache Routinearbeit, bei der ich ganz in meinen Tagträumen aufgehen kann und dann zur Feierabendsirene regelmäßig erschrecke (Nanu! Schon wieder ein ganzer Tag vorbei?), war da eher mein Ding. Oder wäre es gewesen...

    Was ich hingegen wiedererkenne, ist das Überwinden von Motivationslücken und Hemmschwellen, WENN man mal wieder einen guten Lauf hat. Der darf eben bloß nicht abreißen...
    Wäre halt interessant zu beobachten, wie sich die ganze Sache bei Dir durch die Medikamente ändert. Grund zur Hoffnung gibt es da allemal...

  4. #4
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 546

    AW: Warum grade jetzt?

    Hallo,

    danke für eure Antworten.

    Dass beim Studium noch alles neu und spannend ist stimmt. Schließlich hat man ja jedes Semster neue Fächer, die meistens interessant sind. Damals konnte ich mich sogar zu Dingen motivieren die mich nicht so interessiert haben. Kostenrechnung z.B. war am Anfang echt ätzend, aber nach ner Zeit dann doch logisch... man muss ja eigentlich nur "+" und "-" rechnen - und vergessen darf man halt nix. Als ich die ganze Sache dann darauf runtergebrochen hab wars echt gut zu lernen. Ich musste mir immer auch "Anleitungen" schreiben, z.B. "Kurvendiskussion für Dummies". Diese Ausführungen kamen bei meinen Mitschülern und Kommulitonen immer ganz gut an.

    Ich weiß nicht so genau ob ich anstrengend bin. Von meinen Kollegen hab ich noch nie richtig krasses Negativfeedback bekommen. Die klassischen ADS-Arbeitsplatzprobleme hab ich eigentlich nicht, zumindest nicht so ausgeprägt dass dadurch irgendwelche Abläufe massiv behindert wurden oder mal was schlimmes passiert ist. Gut, ich hab manchmal was verplant, konnte mich an etliche Dinge die in Meetings oder am Telefon mit Kunden besprochen wurden nicht mehr erinnern, aber das war immer irgendwie noch auszumerzen. Manchmal habe ich vergessen Protokolle richtig auszufüllen, die hab ich immer mehrfach nachkontrolliert. Ich denke dass ich mit meinen direkten Kollegen echt Glück hab - hoffe das bleibt jetzt so.
    Mein Chef hat halt des öffteren kritisiert dass ich "neuem nicht aufgeschlossen genug" bin, "ängstlich" und "zu sehr darüber nachdenke was andere von mir und meiner Arbeit denken". Man msus aber dazusagen, dass ich meinen Chef vielleicht 5-8Mal im Jahr sehe. Ich habe das Gefühl, dass mein Chef und ich einfach nicht die gleiche Sprache sprechen. Ich versuche ihm was zu erklären und entweder will oder kann er mich nicht verstehen... keine Ahnung. Drücke ich mich so schlecht aus, aber wenn ich doch mit anderen rede verstehen die mich doch auch? Manchmal habe ich das Gefühl dass ich mich lieber mit dem Aktenschrank unterhalten sollte, da würde mehr bei rauskommen.

    Mein Vater sagt auch immer, dass ich, wie Elwirrwarr so schön geschrieben hat die "Regeln" - die ungeschriebenen Gesetze der Arbeitswelt bzw. des Lebens nicht kenne. Aber wohler soll ich das denn wissen? Ich denke das ist auch so ein ADS-Ding, dass man solche Sachen einfach nicht instinktiv weiß sondern sie schmerzahft lernen muss.

    Meine Arbeit ist aber eigentlich alles andere als langweilig. Jeden Tag was anderes, teilweise sogar neue Sachen. Gut, einige Sachen wiederholen sich schon immer wieder, aber man lernt auch immer wieder was neues. Eigentlich genau das richtige für nen ADSler, aber wie Bummel schon schreibt: ADSler ist nicht gleich ADSler. Für mich scheint das wohl nix zu sein. Zum Glück steht mein einer Arbeitskollege (der mit dem ADS-Kind) voll hinter mir. Der weiß genau was das bedeutet und hat letzte Woche zu mir gemeint, dass wir mir jetzt, wenn ich wieder da bin, ganz feste, strukturierte Aufgaben verpassen. Ich glaub das ist besser auf die Dauer.

    Ich denke aber auch, dass ich einfach noch ein bisschen Zeit brauche um mich zu erholen. Ich merke z.B. wenn ich versuche anspruchsvolle Literatur zu lesen, dann bin ich, trotz der Tabletten noch relativ schnell erschöpft. Brauche irgendwie noch viel Ruhe.
    Aber mit er Diagnose und den Tabletten ist der erste Schritt schon getan. Hoffentlich komm ich mit der Psychologin zurecht bei der ich Ende August schon einen Termin habe.

    lg Susilein

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