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Diskutiere im Thema Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das? im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #291
    Mumford

    Gast

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Gute Frage.


    Schon als Kind wurde mir von meiner Umgebung signalisiert, dass ich offenbar nicht der Norm entspreche und überall anecke. Wieso und weshalb, habe ich lange Zeit nicht verstanden. Wegen meiner Unkonzentriertheit hatte ich dann auch noch massive Probleme in der Schule. Krank habe ich mich dabei nicht gefühlt, vielmehr empfand ich meine Umgebung oftmals als "krank", weil ich diese Gehässigkeiten von meinen Altergenossen nicht nachvollziehen konnte. Das ging teilweise schon etwas rabiat zu, in der Schule.


    Als ich dann -auf Drängen einer Lehrerin- untersucht wurde, traf man wohl gleich ins Schwarze und empfahl Ritalin, was mein Vater aber ablehnte, da er mich für kerngesund hielt. Man müsse mir nur ab und zu in den Hintern treten, dann klappt das auch, meinte er. Aber so einfach ist es eben nicht. Unangenehme und lästige Aufgaben waren eine Qual, ich musste mich regelrecht zwingen, am Tisch sitzen zu bleiben und zappelte herum, wie Zappelphilipp. Ein paarmal bin ich aufgestanden und einfach abgehauen.


    Irgendwann habe mich einfach daran gewöhnt, dass das so ist. Eine Störung habe ich aber nie in Betracht gezogen, höchstens zuviel blühende Phantasie und Faulheit. Jedenfalls wurde mir beides häufig nachgesagt. Erst als mir ein Bekannter von ADHS erzählte, kam ich ins Grübeln. Als ich dann einige Artikel darüber gelesen hatte, wurde mir immer klarer, dass das ziemlich genau meinem Wesen entspricht.


    Ich finde den Begriff "Störung" schon ganz passend, aber mit "Krankheit" verbinde ich eher körperliches Leid.

  2. #292
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 40
    Forum-Beiträge: 1.008

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Da ich seit geraumer Zeit keine Berührungsängste mit solchen Begriffen habe, bezeichne ich meine ADS gar als "Behinderung", nur daß sie nicht als solche anerkannt wird.
    Was macht eine Behinderung denn aus?
    Sie behindert Dich, dieses oder jenes so zu tun wie diese Millionen "Normalos" es da draußen jeden Tag tun.
    Denen wiederum fällt es schwer sich selbst in einer Rolle vorzustellen, in der es ihnen auf einmal nicht mehr möglich ist, alles so zu handhaben, wie sie es gewohnt sind.
    Auf der anderen Seite entwickelst Du mit Deiner Behinderung (oft nur zum Ausgleich) außerordentliche Fähigkeiten, die dem "Normalo" regelrechten Respekt abverlangen.
    Und wo andere ein Hörgerät, einen Blindenhund, einen Rollstuhl, eine sterile und betreute Wohnsituation, eine "intelligente" elektronische Protese oder ähnliches haben, hast Du Methylphenidathydrochlorid.

    Ich bin mir sicher: sämtliche Neurologen und Psychologen, die AD(H)S diagnostizieren oder therapieren, würden bei dieser vereinfachten Umschreibung im Zwölfeck springen.
    Aber ganz von ungefähr kommt das ja nun auch nicht. Vor allem, wenn Du bedenkst, daß man Krankheiten "heilen" kann, Behinderungen aber nicht...

    Die Perspektive "Nicht wir sind krank, sondern die Gesellschaft!" ist mir nicht fremd. Zumal AD(H)S ja nicht als einziges "Symptom einer kranken Gesellschaft" auftritt.
    Burnout, Depressionen, aber auch allgemeine Perspektivlosigkeiten, Anonymisierung des Individuums vor allem in urbaner Lebensumgebung, ewiges Wachstum als Selbstzweck (höher, schneller, besser, weiter),...
    Kurzerhand könnte man hier eine enorme Liste zusammenstellen, was alles als Anzeichen dafür dient, daß unsere moderne Gesellschaft von uns Einzelpersonen Fähigkeiten und Lebensführungen abverlangt, zu denen wir aufgrund unserer biologischen Evolution eigentlich noch längst nicht fähig sind, bzw. es vielleicht niemals sein sollten...
    Allerdings ist die dick markierte Aussage in meinen Augen das gleiche Spiel wie im Kindergarten: stehe ich mit meinem Verhalten zu Diskussion zeige ich erstmal auf andere.
    Für ein kleines Kind ist es normal. Ihm kann nicht zugemutet werden, sein Schicksal zu ändern.
    Aber ich als Erwachsener kann eben zum Arzt gehen, mich untersuchen und entsprechend behandeln lassen.
    Und daß die Gesellschaft oder am Ende die ganze Welt besch... (nunja... reden wir nicht drüber! ) ist, ändert nichts daran, daß ich selbst Hauptakteur in meiner Vita bin, und zwar auch dann, wenn ich mich dazu der Hilfe Anderer (Familie, Freunde, andere Bezugspersonen) bediene.
    Mein Leben ist zuerst dran, und dann kann ich immernoch drüber nachdenken, ob ich an diesser Welt bzw. Gesellschaft etwas ändern möchte. Oder ist das jetzt zu egoistisch?

  3. #293
    ...das war mal..

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 265

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Bummel77 schreibt:
    Da ich seit geraumer Zeit keine Berührungsängste mit solchen Begriffen habe, bezeichne ich meine ADS gar als "Behinderung", nur daß sie nicht als solche anerkannt wird.
    Wieso nicht ?
    Bei mir ist mit 50% Einzel-GdB anerkannt:
    Stimmungslabilität, hyperaktive Störung von Aufmerksamkeit und Sozialverhalten.
    Gruß vom Andy.

  4. #294
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Ich hab ebenfalls einen GdB von 50, allerdings haben sie die ADHS geflissentlich beide Male, sowohl bei der Erstausstellung, als auch bei der Verlängerung rausgelassen.
    Zum einen mag das daran liegen, dass die das in vielen Dienststellen gar nicht auf der Liste haben und daher auch nicht einrtragen, dann mag es sein, dass die Diagnosen, bzw. ärztlichen Berichte da nicht optimiert sind, denn die arbeiten, soweit mir das mal erklärt wurde, die Diagnose in der Rangfolge der Auflistung ab ... und dann besteht na klar auch die Möglichkeit, dass die das bewusst zu vermeiden suchen, denn es würde ja jedem ADS'ler die Türen zu einer Anerkennung öffnen und zudem ist ADHS als angeborene Geschichte ja dann auch lebenslang vorhanden und man kann den GdB dann ja nicht einfach wieder runterstufen oder aberkennen.
    Und die sind ein bisschen darauf gebürstet, die Quote der (Schwer-)Behingerungen niedrig zu halten.
    Das war schon vor einigen Jahren, als das wohl in den Augen einiger Politiker etwas zu großzügig gehandhabt wurde ... inwiefern das zutrifft und auch so war, weiß ich allerdings nicht, das ist nur das, was ich so über Ärzte gehört habe, .... vorstellen kann ich mir das allerdings sehr gut ...

    Ansonsten sehe ich das auch so, dass ADS auch als Behinderung betrachtet werden kann.

    Eine Behinderung ist im Neunten Sozialgesetzbuch (SGB IX) wie folgt definiert:
    "Menschen sind behindert, wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist. Sie sind von Behinderung bedroht, wenn die Beeinträchtigung zu erwarten ist."


    Bummel77 schreibt:
    Aber ganz von ungefähr kommt das ja nun auch nicht. Vor allem, wenn Du bedenkst, daß man Krankheiten "heilen" kann, Behinderungen aber nicht...
    Hier könnte man natürlich entgegnen, dass es auch reichlich chronische Erkrankungen gibt, die ebenfalls als unheiblar gelten, aber aufgrund ihrer Eigenschaften eben auch die Kriterien einer Krankheit erfüllen.
    Mir scheint, dass die Begriffe Krankheit und Behinderung da recht eng miteinander verwoben sind, wobei die Behinderungsdefinition zusätzlich eine Zeitbestimmung beinhaltet, über welche die Beeinträchtigungen mindestens gegeben sein müssen.
    Mir scheint, als wäre das der einzige Unterschied zur Krankheitsdefinition, zumindest auf den ersten Blick.

    Liebe Grüße
    Fliegerlein

  5. #295
    Chaoprinzessin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 12.447

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Für mich passt ADS auch besser als Behinderung... Es behindert mich einiges zu erreichen was anderen gut können, es ist seit immer da und gehört auch zu mich.

    Für mich ist krankheit schon etwas ein bisschen anders... Der Leidendruck und der Schmerz ist mehr da, egal was um mich herum passiert... Bei eine Behinderung, funktionniert ausser die Behinderung, der Körper sehr gut und es tut nicht direkt weh oder verkürzt auch nicht das Leben (direkt).

    Daher fühle ich mich nicht krank, weil es mich oft gut geht... Aber eingeschränkt und behindert schon, da es einiges gibt die mich schwer fallen... Ist nur mein Reizoffenheit und Executivfunktion die anders ist, sonst ist alles ok... Aber ich merke es schon...

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