Seite 28 von 30 Erste ... 2324252627282930 Letzte
Zeige Ergebnis 271 bis 280 von 295

Diskutiere im Thema Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das? im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #271
    Chaoprinzessin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 12.435

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Hallo Fliegerlein,

    Wieder lese ich doch so gerne, weil du so gut argumentiert! Da gibt es was zu nachdenken, mein Hirn zu füttern...

    AHDS gilt als eine ernstzunehmende Störung, ist aber auch die am besten zu behandelnde Störung im Bereich der psychischen Erkrankungen überhaupt.
    Das wurde auch hier im Thread schon mehrfach angemerkt ...
    Da kommt mich was im Sinn: Wenn es relativ einfach ist zu behandlen (ich finde es auch!), kann es auch rasch uns der Eindruck geben, es sei doch nicht so schlimm... Wie vergesslich wie wir sind, wenn es uns mal gut geht, leben wir im hier und jetzt und vergessen gerne wie es früher war...

    Ich vergessen, ehrlich gesagt, auch gerne, was ich alles nicht kann, um einfach nicht wieder im Loch zu sein. Aber wenn ich sehe wirklich was ich alles nicht geschafft habe, dann ist klar... Nun, mag ich nicht sehr viel darüber nachzudenken.

    Fliegerlein: Aber jeder vergisst doch mal was" Die anderen: "Ja aber doch nicht ständig"
    Fliegerlein: "Aber jeder plant doch und macht Listen und will vorbereitet sein" Die anderen: "ja aber doch nicht sooo"
    Fliegerlein: "Aber jeder ist doch mal abgelenkt" Die anderen: "Ja aber doch nicht soooooo"
    Fliegerlein: "Aber jeder mag es doch, wenn die Tassen im Schrank gleich stehen und die Hemden in Kleiderschrank" (das gehört in die Aspergersparte): Die anderen: "Ja aber doch nicht soooo! Bei Dir darf der Henkel ja nicht mal ein bisschen falsch stehen ... das ist alles viel zu viel des guten"
    Ich muss lache, wie stark jeden sich anders wahrnimmt! Schon als ich anfang 30 war, gingen die Gesprächen bei mich ganz anders:
    MJ: "ich bin sehr vergesslich". Anderen die mich wenig kennen: "ach, es passiert jeden etwas zu vergessen, tut einfach aufpassen"
    MJ: "Ich bin ablenkbar". Anderen die mich wenig kennen: "So schlimm kann es doch nicht sein, es passiert jeden"
    Also, ich kenne es ehe, dass ich ab etwa 30 Jahren mich schon ganz bewusst war, dass ich eingeschränkt war und dass vielen mich nicht wirklich ernst genommen haben und mich gesagt hatte, ich sei nur unsicher... Es tut auch weh! Diagnose bekam ich mit 36 Jahren. Leute die mich gut kennen, sagen mich oft, ich sei im Bezug auf meine eigene Grenzen realistisch...

    Aber ich muss zugeben, Einsicht hatte ich wirklich erst mit 30 wirklich bekommen... Dafür muss ich oft auf die Nase fallen und es tat auch ziemlich weh. Aber es war auch eine wichtige Wende in mein Leben.

    Screeening habe ich mal kurz gemacht, Ergebnis ist bei mich sehr eindeutig... Bei die Fragen erkenne ich vieles, was mich heute vorgeworfen wird am Arbeit...

    lg

  2. #272
    Chaoprinzessin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 12.435

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Hallo Maofatale,

    Ich mag auch was du schreibst und muss antworten... Die Diskussion hier ist einfach spannend!

    maofatale schreibt:
    wichtigster Bestandteil einer narzisstischen Störung ist fehlende Empathie. also das haben adhsler doch eigentlich gar nicht. im Gegenteil.

    Ja, es stimmt und es kann sicher auch, bei jemand der sich gut auskennt, differenziert werden. Dabei ist noch was bei ADSler: Unsere Empathiefähigkeit zeigt sie nur wenn wir nicht an unsere Grenzen kommen, sonst sind wir nur auf Abwehr... Wir fühlen zwar (Narzissten nehmen auch einiges wahr, auf ihre Art), aber uns fehlt der Abstand. Narzissten fühlen nichts dabei, aber können gut der Eindruck geben, sie verstehen sich... Ach, ich befasse mich damit im Moment auch aus gegebene Anlass...

    Wenn ADSler rasch fühlen, fehlt uns der automatische Perspektivwechseln schwer. Wir neigen aus unsere sicht zu sehen und so feinheiten kann nur jemand der sich gut auskennt differenzieren...

    Wobei mit der Perspektivwechseln: Es ist von uns lernbar (auch von Asperger, die es stärker haben, ich merke es bei Fliegerlein, dass er es kann!) und kommt oft einfach später als bei Nichtbetroffenen. Bei mich ist übung und so automatisch ist es auch nicht, aber ich schaffe es gut, wenn ich daran denke.

    - - - - - - - - - - Beiträge zusammengeführt (< 3 Minuten Zeitunterschied) - - - - - - - - - -

    maofatale schreibt:
    oha, bei mir läuft das genau andersrum....

    Mao: "ständig vergesse ich was! ich schaff das einfach nicht. vllt adhs" Die anderen: "Ja aber jeder vergisst doch mal was, deswegen hat man nicht gleich adhs"
    Mao: "ich schaff nix zu planen und keine Listen und bin nie vorbereitet. ich KANN das nicht. vllt hab ich adhs" Die anderen: "ja aber jeder hat mit sowas doch Probleme"
    Mao: "ich bin ständig abgelenkt." Die anderen: "Ja aber jeder lässt sich doch mal ablenken, deswegen hat man doch kein adhs"


    ich fühle mich dann NICHT ernstgenommen.... versuche dann verzweifelt zu erklären, dass das bei mir anders ist, dass es nicht "reicht" mich mehr anzustrengen, dass es auch nicht geht, WENN ich mich wirklich bemühe...und es wird trotzdem abgesunken, als würde ich mich dabei wichtig machen wollen....
    total frustrierend sind solche Reaktionen :o
    Ich kenne es auch sehr gut!

  3. #273
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    mj71 schreibt:
    Da kommt mich was im Sinn: Wenn es relativ einfach ist zu behandlen (ich finde es auch!), kann es auch rasch uns der Eindruck geben, es sei doch nicht so schlimm...
    Ja, die Gefahr besteht.
    Deshalb macht es ja auch Sinn, auf die Seriösität und Ernsthaftigkeit hinzuweisen und das nicht auch noch selbst
    Und man muss immer im Bewusstsein behalten, dass die Behanldung nicht irgendwann einfach endet.
    Viele denken, man muss einem ADS'ler nur die nötigen Dinge beibringen, es ein bisschen länger mit ihm üben und zusammen mit den Medis klappt das dann schon ...
    Das funktioniert aber nicht.
    Das wäre genauso, als würde man einem Rollstuhlfahrer beibringen, mit einem speziellen Aufzug die Vortreppe im Rathaus hochzukommen und wenn er das eine Zeitlang geschafft hat, dann wird der Aufzug wieder abgebaut. ...
    Die Behandlung endet nicht und wenn die von außen zugeführten Hilfen verloren gehen, kommen die Probleme wieder.
    ADHS ist keine Störung des Wissens, sondern eine Störung selbiges umzusetzen.
    Das bedeutet, dass auch trotz der guten Behandelbarkeit, die Störung bestehen bleibt, sich aber nicht mehr beeinträchtigend auswirkt, weil sie gut gemanaged wird .


    mj71 schreibt:
    Ich muss lache, wie stark jeden sich anders wahrnimmt! Schon als ich anfang 30 war, gingen die Gesprächen bei mich ganz anders:
    MJ: "ich bin sehr vergesslich". Anderen die mich wenig kennen: "ach, es passiert jeden etwas zu vergessen, tut einfach aufpassen"
    MJ: "Ich bin ablenkbar". Anderen die mich wenig kennen: "So schlimm kann es doch nicht sein, es passiert jeden"
    Ja, das kenne ich auch, leider auch zur Genüge.
    Das kommt aber in der Regel von den Menschen, die mich nicht wirklich kennen, die oberflächlich sind und auch nur von sich auf andere schließen und die letztlich auch nichts über ADHS wissen.
    Das kann man denen nicht vorwerfen, ist für uns aber alles andere als schön.
    Aber die Menschen in meinem näheren Umfeld, die, die mich gut kennen, die reagieren da ganz anders.

    mj71 schreibt:
    Also, ich kenne es ehe, dass ich ab etwa 30 Jahren mich schon ganz bewusst war, dass ich eingeschränkt war ...
    Ja ... das war bei mir genauso.
    Ich war mir bewusst, anders zu sein, irgendwie nicht in diese Welt, auf diesen Planeten zu gehören, aber ich konnte das nie wirklich zuordnen.
    Das genau macht ja auch eine ADS aus ... man nimmt vieles wahr, aber es lässt sich irgendwie nicht zuordnen.
    Man scheitert immer und immer und das bekommt man auch mit, aber warum?

    mj71 schreibt:
    Aber ich muss zugeben, Einsicht hatte ich wirklich erst mit 30 wirklich bekommen... Dafür muss ich oft auf die Nase fallen und es tat auch ziemlich weh. Aber es war auch eine wichtige Wende in mein Leben.
    Dito

    mj71 schreibt:
    Screeening habe ich mal kurz gemacht, Ergebnis ist bei mich sehr eindeutig... Bei die Fragen erkenne ich vieles, was mich heute vorgeworfen wird am Arbeit...
    Ja, letzteres kennen wir ... die Vorwürfe, die negativen Rückmeldungen ... auch das sind diese Dinge, die hinterfragt werden, denn das alles hinterlässt Spuren bei uns und die kann man finden. auch wenn wir nicht alles einfach so wahrnehmen.
    Letztlich geht es darum, über die richtigen Fragen solche Hinweise zu bekommen.

    Liebe Grüße
    Fliegerlein

  4. #274
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    maofatale schreibt:
    oha, bei mir läuft das genau andersrum....

    Mao: "ständig vergesse ich was! ich schaff das einfach nicht. vllt adhs" Die anderen: "Ja aber jeder vergisst doch mal was, deswegen hat man nicht gleich adhs"
    Mao: "ich schaff nix zu planen und keine Listen und bin nie vorbereitet. ich KANN das nicht. vllt hab ich adhs" Die anderen: "ja aber jeder hat mit sowas doch Probleme"
    Mao: "ich bin ständig abgelenkt." Die anderen: "Ja aber jeder lässt sich doch mal ablenken, deswegen hat man doch kein adhs"


    ich fühle mich dann NICHT ernstgenommen.... versuche dann verzweifelt zu erklären, dass das bei mir anders ist, dass es nicht "reicht" mich mehr anzustrengen, dass es auch nicht geht, WENN ich mich wirklich bemühe...und es wird trotzdem abgesunken, als würde ich mich dabei wichtig machen wollen....
    total frustrierend sind solche Reaktionen :o
    Ja, ich kenne das auch, aber wie gesagt ist das bei denen, die mich wirklich gut kennen anders.
    Das sind allerdings nur sehr wenige Menschen ... da komme ich auf zwei oder drei.

    Der Rest ist auch genau so ... leider

    Dazu die Sprüche wie "Reiß Dich mal zusammen" "Du kannst, Du musst nur wollen" und all die anderen typischen Entwertungen und Abwertungen...

    Aber die wenigen, die das erkennen und ehrlich und nicht so oberflächlich sind, die sind es, die einem die Augen öffnen können.

  5. #275
    Chaoprinzessin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 12.435

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Hallo Fliegerlein,

    Deshalb macht es ja auch Sinn, auf die Seriösität und Ernsthaftigkeit hinzuweisen und das nicht auch noch selbst
    Und man muss immer im Bewusstsein behalten, dass die Behanldung nicht irgendwann einfach endet.
    Viele denken, man muss einem ADS'ler nur die nötigen Dinge beibringen, es ein bisschen länger mit ihm üben und zusammen mit den Medis klappt das dann schon ...
    Das funktioniert aber nicht.
    Das wäre genauso, als würde man einem Rollstuhlfahrer beibringen, mit einem speziellen Aufzug die Vortreppe im Rathaus hochzukommen und wenn er das eine Zeitlang geschafft hat, dann wird der Aufzug wieder abgebaut. ...
    Die Behandlung endet nicht und wenn die von außen zugeführten Hilfen verloren gehen, kommen die Probleme wieder.
    ADHS ist keine Störung des Wissens, sondern eine Störung selbiges umzusetzen.
    Das bedeutet, dass auch trotz der guten Behandelbarkeit, die Störung bestehen bleibt, sich aber nicht mehr beeinträchtigend auswirkt, weil sie gut gemanaged wird .
    Da finde ich wieder eine gut Argument um selber sein ADS ernst zu nehmen... Ja, es stimmt, von Umfeld wird nicht immer so ernst genommen und die Glaube, es kann sich heilen, begegne ich sie wieder am Arbeit und daraus gibt es grosse Konflikten...

    Dabei geht es um jemand der mich zwar eigentlich gut kennt, aber einiges nicht versteht... Es gibt auch!

    Aber sonst, wer mich eine Weile mit mich zu tun hat und eine Mindenstmass an Menschenverstand (ehrlich, es braucht auch nicht so viel davon!) merkt schnell dass da etwas ist, die man einfach nicht heilen kann. Ob sie damit klar kommen ist noch ein andere Thema und für mich auch nicht so wichtig... Mich reicht, wenn ein Mensch wahrnimmt dass ich gewisse Grenzen habe die nicht zu verrücken sind und es so lässt wie es ist und selber daraus seine Konsequenzen zieht. Niemand muss sich mit mich herumschlagen, wenn es nicht geht...

  6. #276
    pi pa po

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 44
    Forum-Beiträge: 525

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Fliegerlein schreibt:
    Ja, ich kenne das auch, aber wie gesagt ist das bei denen, die mich wirklich gut kennen anders.
    Das sind allerdings nur sehr wenige Menschen ... da komme ich auf zwei oder drei.

    Der Rest ist auch genau so ... leider

    Dazu die Sprüche wie "Reiß Dich mal zusammen" "Du kannst, Du musst nur wollen" und all die anderen typischen Entwertungen und Abwertungen...

    Aber die wenigen, die das erkennen und ehrlich und nicht so oberflächlich sind, die sind es, die einem die Augen öffnen können.

    ne, mir wird eher geglaubt von menschen, die mich weniger gut kennen. vielleicht könen die besser damit umgehen, mich als "verrückt" einzustufen und die nahestehenden wollen mir dieses Attribut nicht geben?

    habe mal wieder keine Ahnung

  7. #277
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Hmmmm, ... ... das ist jetzt wieder eine dieser Momente, an denen ich wieder wahrnehme, wie sich ADS auswirken kann ... je mehr ich darüber nachdenke, desto deutlicher wird mir, dass meine Erinnerung/ Wahrnehmung verfälscht ist ... denn tatsächlich gibt es in meinem Leben auch nur 2 Menschen, die mir wirklich dabei geholfen und das erklärt haben ...

    Selbst mein eigener Bruder hat mir erst vor kurzem gestanden, dass er und seine Frau mir ebenfalls nicht geglaubt haben und dachten, ich würde simulieren.
    Die Erkenntnis kam ihm als er gerade jüngst von Burnout betroffen in einer Klinik war und am eigenen Leib erfahren hat, wie sich solche Erkrankungen auswirken und wie machtlos man dagegen ist (er ist aber kein ADS'ler, einzelne Züge= gewiss, aber kein diagnostizierbares Vollbild oder darauf zurückführbare deutliche Beeinrächtigungen, das war ein "klassischer Burnout").
    Und immerhin kennt er mich mein ganzes Leben lang und dachte dennoch, auch schon in der Schulzeit, das wäre alles nur gespielt (wie auch immer man das durchziehen sollte ....)
    Das ist ihm gewiss nicht leicht gefallen zu sagen und es ist auch recht normal, denn was man von außen sieht, ist ja genau das, von dem man selber aus eigener Erfahrung weiß, dass man einfach nur mal ein bisschen den Hintern hochbinden, sich zusammenreißen usw. muss und dann klappt das schon.
    Deren Erfahrung ist ja nun mal, dass das dann auch funktioniert und man einfach nur keinen Bock etc. hat.
    Ich denke auch, dass man sich das gar nicht vorstellen kann, wie das ist, wenn man gegen diese ADS-spezifischen Beeinträchtigungen ankämpft und es einfach nicht hinbekommt, ... immer und immer wieder nicht. Und dabei auch an sich selbst zweifelt und am Ende ja selber glaubt, nur zu dumm und zu faul zu sein ...

    In erster Linie war es meine Frau, die da die größte Hilfe auf diesem Weg war.
    Zum Einen, weil sie mir nie zum Vorwurf gemacht hat, dass ich so bin, wie ich bin.
    Irgendwie scheint sie gespürt zu haben, dass da keine vorsätzliche Faulheit etc. im Spiel ist, aber sie hat es einfach akzeptiert und ist mir schon bevor wir von alldem wussten, instinktiv die beste ADS-Managerin gewesen.
    Sie hat meine Schwächen einfach als gegeben akzeptiert und mir dabei geholfen.
    Ohne groß darüber nachzudenken ...
    Interessant war es daher, wie sie reagierte, als wir langsam mehr und mehr übr all das erfahren haben, diese Tests gemacht haben und auch sie befragt wurde.
    Irgendwann war sie dann schon verwundert darüber, dass ich mir über diese Macken (und das sind ja anscheindend schon Mega-Macken) gar nicht im Klaren war, das überhaupt nicht als solche wahrgenommen habe.
    Da kam öfter mal ein "Echt jetzt? Das war Dir nicht klar? Das ist doch aber sowas von auffällig"
    Aber sie hat es halt angenommen und akzeptiert und instinktiv als erster Mensch in meinem Leben das richtige gemacht, mich unterstützt.
    Gut, ... aus dem beruflichen Absturz hat mich das nicht retten können, aber das ist auch was anderes.

    Aber es stimmt schon ... die meisten um einen herum sagen einfach nur "Das kennt doch jeder, da kneift man dann halt mal die Bobbesbacken zusammen und dann ist's gut"

    Das kommt mir aber gerade erst jetzt in den Sinn, nachdem ich darüber nachdenke und es nicht aus dem Kopf bekomme und naja ... mich erinnere ...

    Vielleicht ist das ein bisschen auch so wie Farbenblindheit oder Farbsehstörungen .... man weiß ja nicht, dass man etwas ganz anders wahrnimmt, als alle anderen, ... ich schau immer nur aus den eigenen Augen ...

    Liebe Grüße
    Fliegerlein

  8. #278
    pi pa po

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 44
    Forum-Beiträge: 525

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    mit farbenblindheit vergleiche ich das auch immer. wie soll jemand mit rot-grün-schwäche von selbst wissen, dass rot bei anderen anders aussieht - wenn er nicht darauf aufmerksam gemacht wird. und überhaupt ist "sein" rot für ihn ja das "normale" rot.

  9. #279
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 61
    Forum-Beiträge: 2.091

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Hallo Fliegerlein

    Wenn ich in die Tierwelt schaue, und da können wir ja davon ausgehen, dass in deren Welt sich die Reize nicht gravierend verändert haben, dann finde ich dort sowohl Spezies, die auf jeden kleinsten Reiz reagieren, auf wirklich alles.
    Aber ich finde auch Jene, bei denen das nicht so ist, sondern die im Gegenteil sehr fokussiert sind und alles um sie herum ausblenden und nur ein konkretes Ziel verfolgen oder andere Reize einfach nicht als Gefahr betrachten.

    Ersteres sind üblicherweise Beutetiere, Zweiteres die Raubtiere.
    Das finde ich schon sehr interessant und nachvollziehbar, denn während den Räubern eher weniger Gefahren drohten (soll nicht heißen, dass sie keine Gefahren kannten, aber eben deutlch weniger), mussten die Gejagten ständig und immer auf der Hut sein.
    Das ist ja auch im wahrsten Sinne des Wortes überlebenswichtig.

    So als Hundehalterin, die schon mehrfach Welpen hatte möchte ich zu deiner Therorie auch was schreiben

    Nicht nur die Beutetiere nehmen alles wahr was sie sehen, hören, riechen, fühlen - die Raubtiere auch.

    Wenn du so einen Wurf Hundewelpen hast (Hunde sind Raubtiere) dann wirst du feststellen, dass sie so ab der 4 Woche auf alles reagieren was sie wahrnehmen - wirklich auf Alles. SIe sind von jeder Kleinigkeit ablenkbar - jedem Blatt, das an ihnen vorbeifliegt laufen sie hinterher (bei jungen Katzen ist das auch so).

    Wenn du dann ihnen in ihrer Entwicklung weiter zusiehst, dann wirst du festellen, das sie von Woche zu Woche auf weniger Reize reagieren - irgendwann reagieren sie nur noch auf relevante Reize z. B. auf das Rascheln der Futtertüte, auf ein laufendes Kaninchen, auf einen Piff oder auf das Bewegen von Ästen. SIe haben gelernt! Sie haben gelernt wichtige von unwichtigen Reizen zu unterscheinen.

    Ich zum Beispiel wohne an einer sehr befahrenen Bundesstr.. Meine alte Hündin interssierte sich nicht die Bohne für die tausende von Autos, die dort den ganzen Tag lang fahren. Das Motorengeräusch unseres Auto`s hat sie aufstehen und zur Tor gehen lassen.

    Als junge Hündin hat sie ein paar Tage lang jedes Auto angebellt.


    Ein Fluchttier lernt genauso - die Herde läuft los und es läuft weg. Es lernt, das kleinste Geräusche Gefahr bedeuten können - es nimmt wahr und entscheidet entsprechend dessen, was es gelernt hat. Wenn es nähmlich immer und bei jeden Geräusch wegläuft, dann kommt es nicht dazu ausreichend zu essen und wird auch nicht alt. Es nimmt nicht ungefilterter wahr wie das Raubtier - es nimmt entsprechend seiner Überlebensbedürfnisse war.

    Das Alles hat für mich nix mit AD(H)S oder nicht AD(H)S zu tun.



    Alles Liebe Elwirrwarr

  10. #280
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    maofatale schreibt:
    mit farbenblindheit vergleiche ich das auch immer. wie soll jemand mit rot-grün-schwäche von selbst wissen, dass rot bei anderen anders aussieht - wenn er nicht darauf aufmerksam gemacht wird. und überhaupt ist "sein" rot für ihn ja das "normale" rot.

    Genauso ist es.
    Ich gehöre übrigens zu jenen mit einer solchen Farbsehschwäche, einer sog. Deuteranomalie, also einer Grünschwäche (es wird zwar immer "Rot-Grün-Schwäche" genannt, tatsächlich kommt beides gleichzeitig aber sehr selten vor, meist ist man von der Deuteranomalie, also der Grünschwäche, oder von der Protanomalie, der Rotschwäche betroffen).

    Das war auch so ein Schlüsselerebnis...
    Ich wusste wohl schon seit langem, dass ich die habe, aber erst im Rahmen einer fliegeräztlichen Sonderuntersuchung wurde mir im wahrsten Wortsinne vor Augen geführt, was ich da nicht sehe.
    Der Arzt gab mir die Tafeln mit den Ishihara Tests (die vielen bunten Punkte, aus denen man Zahlen und Buchstaben und Linien erkennen soll) und schlug eine Seite auf, auf der ich eine dort zu sehende Linie mit dem Finger nachzeichnen sollte und setzte meine Frau direkt neben mich.
    Als ich dann die Linie, die ich sehen konnte nachzeichnete, schauten die beiden sich an ... ich kann den Blick nicht beschreiben, aber er war schon sehr vielsagend ... dann zeichnete meine Frau die Linie nach, die sie sah und das war eine vollkommen komplett andere und ich sah da nichts, nada, überhaupt gar nix ... nicht mal einen Hauch einer Linie ...

    Ich wusste um meine Farbsehschwäche, auch im Detail, eben dass Grüntöne, die in Gelb wechseln für mich früher schon gelb sind, während andere noch das Grün wahrnehmen... und auch dass ich diese Tafeln halt nicht oder nicht so gut lesen kann ...
    Aber erst als ich das im direkten Vergleich zu meiner normalsichtigen Frau sah, wurde es mir bewusst und es kam zu dem theoretischen Wissen auch die eigene Wahrnehmung dazzu ...
    Ich denke, dass da mit ADS sehr gut vergleichbar ist.
    Wir wissen, dass da "irgendwas" ist, "irgendwas diffuses" sorgt immer wieder dafür, dass ständig was schief läuft in unserem Leben ... nur was?
    Geändert von Fliegerlein (22.07.2014 um 18:06 Uhr) Grund: Zitat nachgefügt

Ähnliche Themen

  1. ADHS eine erfundene Krankheit...?
    Von schneewittli im Forum ADS ADHS: Nonsens aus Presse und Medien
    Antworten: 137
    Letzter Beitrag: 19.06.2015, 15:54
  2. ADHS eine erfundene Krankheit...?
    Von schneewittli im Forum ADS ADHS Allgemeines
    Antworten: 6
    Letzter Beitrag: 27.06.2014, 13:47
  3. Ist ADS / ADHS eine Krankheit?
    Von Celine im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
    Antworten: 79
    Letzter Beitrag: 8.10.2012, 18:17
  4. Ist ADS / ADHS eine Krankheit?
    Von cypher2k1 im Forum ADS ADHS Erwachsene: Umfragen
    Antworten: 80
    Letzter Beitrag: 7.05.2012, 23:31
Thema: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das? im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
©2017 ADHS bei Erwachsenen Forum