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Diskutiere im Thema Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das? im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
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Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #241
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Da halte ich mich raus, ich definiere nichts selbst sondern nehme lieber das, was die Fachwelt anbietet.

    Wer übrigens in der deutschen Wikipedia nach dem Begriff sucht, wird keine sonderlich brauchbare Erklärung finden.
    Für jene, die im englischen ganz gut sind, empfehle ich als ersten Anlauf einen Blick auf den englischen Wikipediaeintrag, welcher auch auf diese Problematik hinweist:

    englische Wikipedia schreibt:
    Conditions associated with perseveration include neurodevelopmental disorders, in particular the autism spectrum (especially Asperger syndrome), and attention deficit hyperactivity disorder (ADHD). In the latter it is informally but probably incorrectly called "hyperfocus"[1] and may be a coping mechanism or symptom of self-regulation impairment–as well as people who are both intellectually gifted and suffer a learning disability who may have either or both of hyperfocus and perseverative behaviours
    englische Wikipedia schreibt:
    Webb, James T.; Amend, Edward R.; Webb, Nadia E.; Goerss, Jean; Beljan, Paul; Olenchak, F. Richard (2005), Misdiagnosis and Dual Diagnoses of Gifted Children and Adults: ADHD, Bipolar, OCD, Asperger's, Depression, and Other Disorders, Scottsdale, AZ: Great Potential Press, Inc., pp. 50–51, ISBN 9780910707640, "…there are no empirical data that support hyperfocus as an aspect of ADD/ADHD. In gifted children without ADD/ADHD, this rapt and productive attention state is described by Csikszentmihalyi (1990) as ‘flow.’ … What has been coined ‘hyperfocus’ in persons with ADD/ADHD seems to be a less medical-sounding description of perseveration. Thus the apparent ability to concentrate in certain limited situations does not exclude the diagnosis of ADD/ADHD."
    Es ist ok, wenn man seine eigenen Definitionen hat, man muss dann natürlich nur mit Missverständnissen rechnen
    Geändert von Fliegerlein (20.07.2014 um 01:32 Uhr) Grund: Fehlerkorrektur

  2. #242
    Kreativchaotin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 57
    Forum-Beiträge: 584

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Ich kann doch nicht schreiben, dass ich Medikamente nehme, aber keine Krankheit habe. Liebe Leute das ist, als ob ein Psychotiker schreibt, sein Wahn sei Bewusstseinserweiterung, aber keine Krankheit. Wenn wir so denken und schreiben, dann fürchte ich, dass man uns in die Ecke derjenigen psychischen Krankheiten schiebt mit eingeschränkter Realitätssicht. Und wie gesagt habe ich eben gerade noch kürzlich in einem Vortrag gehört, dass Nicht-Akzeptanz der eigenen Erkrankung ein häufiges Kennzeichen psychischer Erkrankung sei, wie es die referierenden Fachleute erfuhren.

    (Es gibt ADHSLer, die völlig Beschwerdefrei oder mit besonderen Tricks ohne Krankheitswertige Probleme mit ADHS leben, die gibt es auch. Die lassen vielleicht nur mal just for fun die Diagnose machen. Aber sie brauchen keine Medikamente, keinen Arzt wegen ADHS, keine Therapien wegen ADHS. Dann sind sie nicht krank. )

    Aber diejenigen von uns, die regelmäßig den Doc brauchen, brauchen diesen doch nicht, weil sie gesund sind. Wo sind wir denn? Wollen wir in die Ecke derjenigen, die ihre Krankheit beschönigen und gerade damit belegen, dass sie eine psychische Erkrankung haben? Ich nicht.

    Auch wenn ADHS besondere Begabungen begleitet wie andere psychische Erkrankungen auch, denn es heißt nicht umsonst, dass Genie und Wahnsinn nah beieinander liegen. Schließlich werden einzelne Hochbegabungen hirnorganisch auch durch besondere Reizoffenheit in den Begabungsgebieten gesehen. So lösen ja oft auch Hirnverletzungen plötzlich einzelne Hochbegabungen aus.

    In meinen Begabungsgebieten erbringe ich auch Leistungen in kürzester Zeit, die Normalo nicht erbringt. Und ich sehe den Hyperfokus auch durchaus als positiv. Aber die begleitende Überreizung ertrage ich nicht ohne Medikamente und verhaltenstherapeutische Maßnahmen. Und drohe ständig, aus den einfachsten Alltagsbewältigungen zu fallen.

    Hermann Hesse wusste über sich selber, dass es Depressionen hatte, sein "Steppenwolf" beschreibt die depressive Wahrnehmung ja so beklemmend zutreffend, dass ich es gar nicht zuende lesen konnte.
    Er war trotzdem ein Genie. Hätte er nicht seine Frauen im Hintergrund gehabt, die ihm den Rücken frei hielt, wäre er jämmerlich zerbröselt. Genauso Tolstoi, Kafka und viele andere auch noch, deren Frauen unsäglich gelitten haben. Einige von ihnen vielleicht auch mit ADHS? In der heutigen Zeit hätten diese Genies garantiert sich fachärztliche Erleichterung geholt. Sie waren krank und Genies. Das eine ersetzt nicht das andere. In meinen Literaturwissenschaftlichen Seminaren gab es immer neben verschiedensten Interpretationsansätzen selbstverständlich den psychologischen Interpretationsansatz. Ich denke, für Musikwissenschaft gilt dasselbe ebenso wie für Kunst.
    Geändert von Maggy (20.07.2014 um 08:06 Uhr)

  3. #243
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 39
    Forum-Beiträge: 1.209

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Also ich bin eindeutig krank!

  4. #244
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Maggy schreibt:
    Ich kann doch nicht schreiben, dass ich Medikamente nehme, aber keine Krankheit habe. Liebe Leute das ist, als ob ein Psychotiker schreibt, sein Wahn sei Bewusstseinserweiterung, aber keine Krankheit. Wenn wir so denken und schreiben, dann fürchte ich, dass man uns in die Ecke derjenigen psychischen Krankheiten schiebt mit eingeschränkter Realitätssicht. Und wie gesagt habe ich eben gerade noch kürzlich in einem Vortrag gehört, dass Nicht-Akzeptanz der eigenen Erkrankung ein häufiges Kennzeichen psychischer Erkrankung sei, wie es die referierenden Fachleute erfuhren.
    Dein Posting kann ich nur Wort für Wort unterschreiben, und so ziemlich das Gleiche habe ich ja selber schon oft genug in Threads mit dem gleichen Thema geschrieben.
    Auch wenn vielleicht einige nun entgegnen werden (oder schon entgegnet haben), dass sie die Medikamente ja nicht nehmen, weil sie krank sind, sondern weil sie damit an die Gesellschaft angepasst werden ... wer weiß ... vielleicht ja auch zutreffend, zumindest aber eine Sichtweise ...

    Aber eine kleine Anmerkung hätte ich vielleicht :

    Maggy schreibt:
    (Es gibt ADHSLer, die völlig Beschwerdefrei oder mit besonderen Tricks ohne Krankheitswertige Probleme mit ADHS leben, die gibt es auch. Die lassen vielleicht nur mal just for fun die Diagnose machen. Aber sie brauchen keine Medikamente, keinen Arzt wegen ADHS, keine Therapien wegen ADHS. Dann sind sie nicht krank. )
    Da gehe ich davon aus, dass es durchaus auch Betroffene mit Krankheitswert gibt, welche durchaus eine berechtigte Diagnose haben, die nicht nur just for fun ist, aber dennoch gut zurechtkommen.
    Die besonderen Tricks sind dann nur bereits das besagte ADS-Management oder wenn man so will: die Behandlung.
    Dennoch ist auch dort eine Diagnose berechtigt, denn die gibt es auch dann, wenn das Leiden zu erwarten ist und das wäre dann der Fall, wenn diese Tricks wegbrechen, was ja wie geschrieben, oftmals bei ADS-Betroffenen der Fall ist, wenn sie z.B. mit einem Studium beginnen.
    Bis dahin ging alles gut, weil die familiäre Struktur die Symptome eingedämmt hatte, aber dann gehts den Bach runter ...

    Ansonsten volle Zustimmung!

    Lieebe Grüße
    Fliegerlein

  5. #245
    pi pa po

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 44
    Forum-Beiträge: 525

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Maggy schreibt:
    Ich kann doch nicht schreiben, dass ich Medikamente nehme, aber keine Krankheit habe. Liebe Leute das ist, als ob ein Psychotiker schreibt, sein Wahn sei Bewusstseinserweiterung, aber keine Krankheit. Wenn wir so denken und schreiben, dann fürchte ich, dass man uns in die Ecke derjenigen psychischen Krankheiten schiebt mit eingeschränkter Realitätssicht. Und wie gesagt habe ich eben gerade noch kürzlich in einem Vortrag gehört, dass Nicht-Akzeptanz der eigenen Erkrankung ein häufiges Kennzeichen psychischer Erkrankung sei, wie es die referierenden Fachleute erfuhren.

    es passiert mir immer wieder, dass ich etwas nicht ganz so stehen lassen kann

    so geschrieben hast du völlig recht.

    nur habe ich hier noch keine stimme gehört (gelesen), die meinte, sie hätte nichts und wäre völlig gesund/normal.
    daher denke ich, dass "hier" eigentlich an die 100% ihr ADHS akzeptieren. auch wenn sie sich nicht als "krank" empfinden. es wird davon gesprochen, dass komorbiditäten auftreten "dadurch", dass an grenzen gestoßen wird mit ADHS (die den Alltag erschweren), dass das und das und das nicht gekonnt wird. ich empfinde das als Akzeptanz. ich habe wirklich nichts anderes gelesen als Akzeptanz der ADHS. egal ob derjenige schrieb "empfinde es als Krankheit" oder "empfinde es nicht als Krankheit" (beim 2. kam überall ein "aber" hinterher, in dem all die Beeinträchtigungen aufgeführt wurden).

    vielmehr denke ich, dass bei diesen Vorträgen menschen gemeint sind, die sich nicht darauf einlassen möchten, darüber nachzudenken, ob ihre Probleme vielleicht von einer ADHS kommt. erst gestern sprach ich einen meiner besten freunde an, der aus meiner Sicht so unglaublich verdächtig heftig ADHS haben könnte, der nicht mal im Ansatz "sowas" in Betracht zieht (am Tonfall hörte man wie abwegig er es fand, von sowas, das so einen üblen negativen Beigeschmack hat, betroffen zu sein. lieber nahm er kommendes alzheimer an - ich könnte zig supertypische dinge aufzählen, die bei ihm erheblich auftreten).
    also menschen, die keinerlei Bereitschaft haben, einer möglichen ADHS ins Gesicht zu sehen. oder WENN sie doch auf irgendeinem Wege eine Diagnose bekamen, diese ablehnen und sich nicht damit auseinandersetzen möchten.

    ich glaube ehrlich nicht, dass irgendwer hier im forum so ist. egal ob die user hier sich als "krank" empfinden oder nur als anders/gestört/beeinträchtigt oder sogar die positiven Seiten der ADHS mögen.

  6. #246
    Chaoprinzessin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 12.418

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Hallo maofatale,

    Da finde ich sehr interessant Gedanken. Da kommen mich noch so viel im Sinn...
    Wegen krank sein: Ich finde auch, man kann sachlich gesehen eine Krankheit haben und sich doch nicht krank fühlen, weil die Behandlung erfolgreich ist, so weit, dass man von sein ADS wenig leidet.

    Ich fühle mich ehe Eingeschränk im manche Bereich als krank. Stosse ich auf meine Grenzen, merke ich es, ist echt unangenehm, aber bin ich gerade in eine Situation wo ich nicht an meine Grenze stosse, fühle ich mich wohl. Sich trotz ADS, doch immer wieder und so oft wie möglich wohl zu fühlen finde ich schön. Also, es geht mich auch nicht dauernd schlecht...

    Wegen Akkzeptanz: Ich hatte von ADS 5 Jahren vor meine Diagnose schon gehört, aber war nicht bereit dazu zu stehen... Ich denke, wer schon sich darüber bei Arzt klagt, hat schon angefangen sich zugegeben dass es Problemen gibt. Wer eine Diagnose bekommen hat, war auch bereit die Wahrheit zu wissen. Und auch wer hier auf der Forum ist, setzt sich wirklich aktiv damit auseinander... Vielleicht ist bei vielen der Akkzeptanz noch nicht zu 100% da, aber alle stehen dazu dass sie irgend ein Problem haben, sonst würden sie auch nicht so weit kommen...

    Der problem an die Gesellschaft zu schieben kenne ich auch gut... Ich hatte es auch gemacht. Es war für mich auch ein Schutz gegenüber meine natürliche Neigung mich für alles schuldig zu fühlen und mich unzugänglich zu fühlen, weil ich anders bin. Manchmal hilft es sogar, eine Weile so zu sehen, um etwa an Selbstwert und Akkzeptanz wieder zu gewinnen...

    Als ich spüren konnt, dass wie weit ich mich in diese kranken Gesellschaft anpassen kann nichts mit Wertung zu tun hat, dass ich ehe wert bin, so wie ich bin, egal was meine Schwächen sind, ging es mich besser...

    ADS als Krankheit abzuwehren war bei mich auch eine Art mich von Abwertung zu schützen... Menschen die krank im Kopf sind, werden in unsere Gesellschaft diskriminiert und es tut mich natürlich auch weh. Ich spüre es bei mich immer noch, dass ich mich vor allem gegenüber Diskriminierung wehre, als gegen die Tatsache, dass ich Schwierigkeiten habe im Leben, durch mein ADS.

    Wie viel Menschen können ihre "Krankheit" gar nicht annehmen, gar nicht wahrhaben schon wegen die Diskriminierung und Stigmatisierung der Gesellschaft? So etwas tut weh und mag es wirklich niemand...

    Auch die schöne Seiten des ADS zu sehen, kann eine Art "Ueberlegenstrategie" sein... Wenn Schwierigkeiten die mit ADS zu tun haben wirklich schmerzhaft sind, kann es helfen hier und da, mal etwas positiv zu sehen, es hilft der Schmerz erträglicher zu machen... Es kann auch der Selbstwert auf die Sprünge helfen. Ich will doch trotz allem noch Gründen haben mich auf das Leben ein bisschen zu freuen und einiges schönes an mich sehen können... Negative Hyperfokus tut mich nicht gut...

    lg

  7. #247
    Kreativchaotin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 57
    Forum-Beiträge: 584

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Wenn die Medikamente gut wirken und wir uns mithilfe der Medikamente gesund fühlen, haben wir natürlich die Krankheit trotzdem, sonst bräuchten wir ja die Medikamente nicht. Wenn wir die Wirkung der Medikamente damit verwechseln gesund zu sein, was auch mir schon passiert ist, dann bekommen wir die Rechnung recht schnell präsentiert.

    ADHS akzeptieren heißt, die Krankheit akzeptieren, denn ADHS ist eine Krankheit. Wäre es keine, gäbe es die Diagnose nicht und wir würden keine Medikamente bekommen. Wollen wir das wieder, so wie es war, als ADHS bei Erwachsenen z.B. noch nicht als Krankheit akzeptiert war?

    Ich verabschiede mich jetzt hier aus dem Thread, habe alles, was mir wichtig war, geschrieben. Ich meine, auch wenn wir sagen würden, ADHS sei keine Krankheit, würde sich die Diagnose dadurch nicht ändern. Nur käme vielleicht irgendwann zu den Symptomen "eingeschränkte Realitätssicht" dazu. "Nichtakzeptanz der eigenen Erkrankung" hängt uns mit psychischen Erkrankungen ja eh schon oft an......

  8. #248
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 30
    Forum-Beiträge: 149

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Maggy schreibt:
    Ich kann doch nicht schreiben, dass ich Medikamente nehme, aber keine Krankheit habe.
    Diese Aussage ist meiner Ansicht nach falsch. Eine Krankheit zu haben ist nicht der einzige Grund um Medikamente zu nehmen. Genauso gültig ist ich nehme Medikamente um zu verhindern eine Krankheit zu bekommen für die ich anfällig bin. Eine Anfälligkeit für einen Herzinfarkt kann man bestimmen bevor es zu einem Infarkt kommt, man ist noch nicht krank, aber man unterliegt einer erhöhten Gefahr krank zu werden. Um zu verhindern, dass es zu einem Infarkt kommt, oder zumindest die Wahrscheinlichkeit zu senken, kann man präventiv Medikamente nehmen. Ähnliches gilt für Schlaganfälle, auch hier kann man vorbeugen teils durch eine Anpassung des Verhaltens, aber teils auch durch Medikamente die Risikofaktoren entgegen wirken.

    Maggy schreibt:
    Liebe Leute das ist, als ob ein Psychotiker schreibt, sein Wahn sei Bewusstseinserweiterung, aber keine Krankheit. Wenn wir so denken und schreiben, dann fürchte ich, dass man uns in die Ecke derjenigen psychischen Krankheiten schiebt mit eingeschränkter Realitätssicht. Und wie gesagt habe ich eben gerade noch kürzlich in einem Vortrag gehört, dass Nicht-Akzeptanz der eigenen Erkrankung ein häufiges Kennzeichen psychischer Erkrankung sei, wie es die referierenden Fachleute erfuhren.
    Ich glaube hier hast du etwas falsch verstanden, das Nicht-Akzeptieren einer Krankheit ist nicht das gleiche wie das worum es hier geht. Hier wird in Frage gestellt ob ADHS objektiv überhaupt eine Krankheit ist, nicht ob wir nun ADHS haben oder nicht. Dass ADHS anfällig für psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen macht, steht außer Frage, schon allein deshalb ist es sinnvoll therapeutische und medikamentöse Prävention zu betreiben. Spätestens wenn Probleme auftreten die eine drohende Erkrankung mit einer Komorbidität andeuten sollte man unbedingt Maßnahmen dagegen treffen. Die Frage ist, ob ADHS lediglich ein Risikofaktor ist oder selbst eine Krankheit. Beides ist möglich und für beides lassen sich Argumente finden.

    Maggy schreibt:
    (Es gibt ADHSLer, die völlig Beschwerdefrei oder mit besonderen Tricks ohne Krankheitswertige Probleme mit ADHS leben, die gibt es auch. Die lassen vielleicht nur mal just for fun die Diagnose machen. Aber sie brauchen keine Medikamente, keinen Arzt wegen ADHS, keine Therapien wegen ADHS. Dann sind sie nicht krank. )

    Aber diejenigen von uns, die regelmäßig den Doc brauchen, brauchen diesen doch nicht, weil sie gesund sind. Wo sind wir denn? Wollen wir in die Ecke derjenigen, die ihre Krankheit beschönigen und gerade damit belegen, dass sie eine psychische Erkrankung haben? Ich nicht.
    Ich stehe ambivalent dazu. Für mich kann ADHS eine Krankheit sein aber gleichzeitig wiederstrebt es mir ADHS als Krankheit zu sehen weil mein Verständnis des Begriffs Krankheit es nicht zulässt, dass die selbe Symptomatik für eine Person eine Krankheit ist und für eine andere Person nicht. Deshalb versuche ich für mich einen Weg zu finden diese Diskrepanz aufzulösen. Da in diesem Thread tendenziell für ADHS als Krankheit argumentiert wird, argumentiere ich dagegen um ein Vorankommen der Diskussion zu begünstigen. Das tatsächliche Ergebnis, falls es eines gibt, spielt für mich keine Rolle. Sollten wir hier ein fundiertes Ergebnis erzielen gegen das niemand mehr ein schlagkräftiges Argument bringen kann oder einen logischen Fehler findet, was ich nicht glaube, kann ich mit dem Ergebnis glücklich werden, gibt es kein Ergebnis hatte ich zumindest Spaß an der Diskussion.

    Maggy schreibt:
    Auch wenn ADHS besondere Begabungen begleitet wie andere psychische Erkrankungen auch, denn es heißt nicht umsonst, dass Genie und Wahnsinn nah beieinander liegen. Schließlich werden einzelne Hochbegabungen hirnorganisch auch durch besondere Reizoffenheit in den Begabungsgebieten gesehen. So lösen ja oft auch Hirnverletzungen plötzlich einzelne Hochbegabungen aus.
    Soweit ich weiß gibt es keinen Zusammenhang zwischen ADHS und Begabung oder Intelligenz. Menschen mit ADHS sind keine Genies, sie haben eine andere Art und Weise Informationen wahrzunehmen und zu verarbeiten, die ist nicht grundsätzlich besser oder schlechter als bei Menschen ohne ADHS. Hochbegabte Menschen kann man als Genies sehen, und eine Hochbegabung kann ebenfalls eine Belastung sein und zu psychischen Störungen führen, deswegen ist aber Hochbegabung keine Krankheit.

    Maggy schreibt:
    In meinen Begabungsgebieten erbringe ich auch Leistungen in kürzester Zeit, die Normalo nicht erbringt. Und ich sehe den Hyperfokus auch durchaus als positiv. Aber die begleitende Überreizung ertrage ich nicht ohne Medikamente und verhaltenstherapeutische Maßnahmen. Und drohe ständig, aus den einfachsten Alltagsbewältigungen zu fallen.
    Du nimmst also Medikamente um einer Depression oder einem Burn-Out vorzubeugen, für die du durch dein ADHS eine Anfälligkeit hast. Das ADHS ein Risikofaktor für diese Erkrankungen der Psyche darstellt ist unbestritten, zur Diskussion steht ob ADHS nur ein Risikofaktor ist oder selbst eine Krankheit und darüber kann man wunderbar diskutieren.

    Maggy schreibt:
    Hermann Hesse wusste über sich selber, dass es Depressionen hatte, sein "Steppenwolf" beschreibt die depressive Wahrnehmung ja so beklemmend zutreffend, dass ich es gar nicht zuende lesen konnte.
    Er war trotzdem ein Genie. Hätte er nicht seine Frauen im Hintergrund gehabt, die ihm den Rücken frei hielt, wäre er jämmerlich zerbröselt. Genauso Tolstoi, Kafka und viele andere auch noch, deren Frauen unsäglich gelitten haben. Einige von ihnen vielleicht auch mit ADHS? In der heutigen Zeit hätten diese Genies garantiert sich fachärztliche Erleichterung geholt. Sie waren krank und Genies. Das eine ersetzt nicht das andere. In meinen Literaturwissenschaftlichen Seminaren gab es immer neben verschiedensten Interpretationsansätzen selbstverständlich den psychologischen Interpretationsansatz. Ich denke, für Musikwissenschaft gilt dasselbe ebenso wie für Kunst.
    Depressionen sind definitiv eine psychische Erkrankung, der Umstand, dass man wieder gesund werden kann, ist schon ein Beweis dafür. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen dadurch auch ihre Angehörigen in Mitleidenschaft ziehen können. Nur kann man diese Tatsache nur eingeschränkt für einen Umkehrschluss verwenden. Es ist nicht möglich, aus dem Leiden der Ehepartner und Angehörigen eines Menschen, darauf rückzuschließen, dass dieser Mensch eine psychische Krankheit hat, es gibt genügend Menschen die Leid für ihre Angehörigen verursachen ohne, dass sie an einer psychischen Krankheit leiden. Zudem sind nachträgliche Diagnosen historischer Personen reine Spekulation, man kann allerhöchstens Indizien finden, die auf eine bestimmte psychische Erkrankung hinweisen, aber mehr als fundierte Vermutungen sind das nicht.
    Geändert von Drowe (20.07.2014 um 16:24 Uhr) Grund: Fehlerkorrektur

  9. #249
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 53
    Forum-Beiträge: 7

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    für mich und nur für mich persönlich, glaube ich bei adhs nicht an eine eindeutige antwort, ob's eine krankheit ist wie z.b. bei krebs, ms oder parkinson. medizinische definitionen, die tatsache, dass ich entsprechende medikamente nehmen kann, die mir im alltag helfen: das greift für mich alles zu kurz. warum ich nicht an diese eindeutige antwort glaube? ich machte beim lesen mal ein gedankliches experiment. hätte ich krebs, ms oder parkinson, schweren depressionen, schizophrenie und der liebe gott würde mich fragen, ob ich davon geheilt werden will oder nicht: es ist ja klar, was ich antworten würde.

    wenn ich dagegen die wahl hätte, ob ich adhs will oder nicht, ich wüsste nicht wie antworten. lüge ich mir jetzt einen in die tasche? bin ich hier alleine auf weiter flur bzw. im forum?

  10. #250
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Dr. Cooper schreibt:
    wenn ich dagegen die wahl hätte, ob ich adhs will oder nicht, ich wüsste nicht wie antworten.
    Ich schon ... ich würd was drum geben, das loszuwerden, und den Asperger kann er gleich auch mitnehmen, den leg ich noch gratis drauf ... da kann ich aber sowas von gut drauf verzichten auf beides ...

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