Seite 24 von 30 Erste ... 1920212223242526272829 ... Letzte
Zeige Ergebnis 231 bis 240 von 295

Diskutiere im Thema Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das? im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
  1. #231
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Drowe schreibt:
    Das witzige dabei ist, dass ADHSler ja gleichzeitig an beiden Enden des Spektrums der Reizoffenheit stehen. Der Normalzustand ist meiner Einschätzung nach das reizoffene Ende des Spektrums (Alarmbereitschaft). Aber unter bestimmten Umständen, springen wir übergangslos von unserem reizoffenen Normalzustand in den Hyperfokus (Krisenmanagement, Jagd).
    Da besteht ein wenig Unsicherheit bei den Fachleuten.

    Es ist wahrscheinlicher, dass das, was wir bislang bei ADS als Hyperfokus bezeichnen, genau das im eigentlichen Sinne nicht ist.
    Der Hyperfokus gehört evl. eher in den Bereich des autistischen Spektrums.

    Was bei ADS (möglicherweise fälschlich) als Hyperfokus bezeichnet wird, ist die Unfähigkeit des Betroffenen, sich von einem laufenden Task zu lösen, sprich: ihn zu unterbrechen und einen anderen, jetzt vorrangigen Task zu übernehmen und anschließend wieder zum ursprünglichen Task zurückzukehren.

    Zum Beispiel das typische Beispiel Spielekonsole oder vorm Computer sitzen:
    Der Betroffene sitzt da, die Mutter oder die Frau, je nach Alter kommt ins Zimmer und sagt:
    "Bringst Du bitte den Müll raus!"
    Der Betroffene antwortet mit dem typischen "ja sofort", aber es passiert nichts ... er macht weiter und kann sich nicht von der Konsole oder dem Rechner oder welchem Task auch immer lösen.
    Nicht selten bedarf es etlicher solcher Aufforderungen, bis endlich was passiert und oftmals hat der Betroffene anschließend Probleme, wieder in seinen alten Task zurückzufinden.
    Paradebeispiel:
    Unterbrechung der Arbeit durch einen Anruf, ... danach dann dieser erneute Angang "wo war ich , was hab ich grad gemacht ", wenn es überhaupt so weit kommt, denn oftmals haben wir das bis dahin vergessen und fangen etwas neues, ganz anderes an, weil das, was wir vor dem Telefonat gemacht haben, schlichtweg aus unserem Arbeitsgedächtnis verloren gegangen ist.

    Das ist aber kein Hyperfokus, dass ist eine Unfähigkeit, einen laufenden Task zu unterbrechen, etwas anderes zu machen und wieder zurück zum Ursprungstask zu kehren.
    Und darin sind ADS'ler ganz groß.

    Der Hyperfokus im eigentlichen Sinne ist aber ein komplettes Abschalten der Außenwelt und nur noch auf das gerichtet zu sein, was man gerade macht.
    So ähnlich das auch auf den ersten Blick wirken mag, so unterschiedlich ist es.
    Denn der gravierende Unterschied zum Hyperfokus eines autistischen Menschen ist, dass die in diesem Moment ihre Außenwelt gar nicht wahrnehmen, während der von ADS-Betroffene auf die Ansprache reagiert, also durchaus sein Umfeld wahrnimmt, und auch die Aufgabe registriert und verstanden hat, er kann sich nur nicht selbst den Befehl erteilen, diese auch auszuführen und vorher die andere zu unterbrechen.
    Ein autistischer Mensch bekommt das alles um ihn herum gar nicht mit.
    Nach außen hin wirkt das ähnlich ... mit dem Unterschied, dass der autistische Mensch nicht reagiert.

    Das ist aber von der Funktionalität im Gehirn eine ganz andere Geschichte und zeigt auch eines der Kernprobleme der ADS auf, nämlich nicht in der Lage zu sein, selbstgestellte Anweisungen auszuführen.
    Das ist sehr faszinierend, denn es erklärt auch, warum ADS'ler als faul abgestempelt werden.
    Ein Mensch ohne ADS kann sich selbst aufraffen und braucht keine Befehle von außen, sondern kann sich selbst sagen: "So, jetzt aber den Hintern hoch und anfangen zu lernen oder den Haushalt machen etc." und das kann er dann auch befolgen und umsetzen.
    Der ADS'ler kann diesen Befehl ebenfalls geben, aber es passiert nichts.
    Das ist ein bisschen wie eine unterbrochene Verbindung zwischen der Region, welche das Wissen enthält und die Befehle gibt (der hintere Teil des Gehirnes) und dem Bereich, der für die Ausführung der Aufgaben zuständig ist (der vordere Teil des Gehirnes).
    Wie Barkley mal so schön gesagt hat:
    ADHS ist keine Störung des Wissens, sondern eine Störung der Fähigkeit, dieses Wissen in die Tat umzusetzen.
    Wir wissen, dass jetzt etwas anderes wichtiger wäre, und wir befehlen uns auch, das jetzt zu machen ... aber der Befehl wird nicht zu einer Aktion umgesetzt (EDIT: Das gehört übrigens ebenalls zu den EF).

    Wenn wir uns jetzt noch die Frage stellen, warum wir uns dann z.B. bei Videospielen etc. so super konzentrieren können, so gibt es dafür zwei Antworten.
    Zum Einen das hohe Interesse.
    Ist das vorhanden, funktionieren wir bekanntermaßen sehr gut, wenn auch mit dem genannten Haken, den Task dann nicht mehr unterbrechen zu können.
    Und zum Anderen ist da etwas, das man "Direct Response" nennt, also sofortige Rückmeldung.
    Gerade Videospiele sind dafür ein super Beispiel, denn wenn man da nicht immer konzentriert am Ball bleibt, bekommt man sofort die Rückmeldung, nämlich einen auf den Deckel usw. .
    Das stimuliert das ADS-Gehirn besser und so funktionieren wir auch besser.
    Deshalb bringt es z.B. nichts, wenn wir für etwas lernen müssen, dessen Rückmeldung erst in ferner Zukunft erfolgt ...
    Warum für eine Mathearbeit lernen, um in 10 Jahren einen guten Job zu haben?
    Das ist nichts, womit man ein ADS-Gehirn ködert.
    Im Gegenteil, das Thema Belohnungsaufschub kennen wir ja und wir wissen, dass das bei ADS'lern über das Angstzentrum läuft, also keine funktionale Motivation bewirkt.
    Eine direkte Belohnung dagegen funktioniert.
    Im Videospiel ist es der Erfolg, der sich direkt nach einer Aktion einstellt und man weiterkommt.
    Beim Lernen wäre das eine externe, kurzfristige Belohnung, welche von einem zeitblinden Betroffenen direkt mit der Lernaktion verbunden werden kann.


    Es ist also durchaus denkbar bis wahrscheinlich, zumindest zieht man das in Erwägung, dass wir nicht an beiden Enden des Spektrums der Reizoffenheit hängen, sondern es eher nur den Anschein hat.
    Geändert von Fliegerlein (19.07.2014 um 16:18 Uhr) Grund: Fehlerkorrektur Edit zugefügt

  2. #232
    ...das war mal..

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 265

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Schade, ich kann dem gar nicht mehr folgen...
    So viel Text überfordert mich schlichtweg

    @Fliegerlein
    sehr interessant und intelligent was du so schreibst.
    Auch wenn ich nicht in allem deiner Meinung bin.

  3. #233
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    keineAhnung schreibt:
    Auch wenn ich nicht in allem deiner Meinung bin.
    Das ist auch gut so , ich wünsche mir ja auch immer, andere Meinungen/ Ansichten/ Erkenntnisse und hoffe auch darauf, dass mir Fehler aufgezeigt werden oder einfach auch andere Ansichten präsentiert werden.
    Wenn alle die gleiche Meinung hätten, wäre es genauso sinnfrei, wie wenn man eine einzige als die einzig wahre verkaufen und alle anderen überzeugen wollte.
    Wie wir sehen hat ja selbst die Wissenschaft keine absoluten Wahrheiten zu bieten und mit neuen Erkenntnissen kommt man auch zu neun Schlussfolgerungen etc...
    Auf jeden Fall ist es spannend ... aber ich kann auch gut verstehen, wenn die langen Texte überfordern ... ich wünscht, ich hätte die Fähigkeit dazu, kürzer zu formulieren

  4. #234
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 30
    Forum-Beiträge: 149

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Fliegerlein schreibt:
    Wer weiß ... vielleicht ja, ... vielleicht sind wir aber nur Relikte aus der Vergangenheit und die Eigenschaften, die vormals wichtig waren, sind es heute nicht mehr, sondern stellen vielmehr eine Beeinträchtigung dar.

    Ich für meine Person empfinde es als letzteres.
    Diese Reizoffenheit kostet mich mehr Energie, als ich aufbringen kann, sie ist allgegenwärtig und ich kann nie wirklich abschalten, habe niemals wirklich Ruhe.
    [...]
    Das ist alles einfach viel zu viel des Guten und wie so oft ist es die Menge und die Balance, die zwischen Fluch und Segen entscheidet ...

    Eine gut gewürzte Suppe ist ein Genuss, eine nicht gewürzte ist fad und schmeckt nicht und eine zu stark gewürzte Suppe ist ebenfalls nicht mehr genießbar.
    Ich denke, das ist es auch, was auf ADS zutrifft ... die Dosierung macht es zu einer Krankheit ... ich fühle mich der Analogie folgend, was das "Gewürz Reizoffenheit" und einige andere angeht, schlicht überwürzt... das ist zu viel des Guten und damit nicht mehr gut.

    Deshalb empfinde ich die ADS als Krankheit, denn sie ist es, die dieses unsägliche Leid verursacht.

    Aber das ist eben auch ganz klar meine persönliche Empfindung und das muss keineswegs für Andere gelten.
    Im Bezug auf den Einzelnen, ist AD(H)S sicherlich häufig mehr Fluch als Segen, das gilt sicher für einen großen Teil derjenigen die hier im Forum sind. Allerdings ist AD(H)S ein Spektrum und nicht jeder mit AD(H)S empfindet so. Für mich ist zum Beispiel die Reizoffenheit, vorallem im Bezug auf akustische Reize, weniger stark ausgeprägt. Ich habe vereinzelt Tage an denen ich jemanden durch drei Wände hindurch schnarchen höre, aber das ist nicht die Regel. Ob AD(H)S nun eine Krankheit ist oder nicht, hängt meiner Ansicht nach einfach davon ab wie man eine Krankheit definiert. Allerdings widerstrebt mir der Gedanke, dass etwas für eine Person eine Krankheit sein kann und für andere nicht, dass fühlt sich für mich irgendwie falsch an. Gleichzeitig weiß ich aber um das Leid das AD(H)S auslösen kann, womit es für mich wieder eine Krankheit sein kann. Deswegen kann ich mich nicht für eine Antwort entscheiden.

    Für ein Relikt der Vergangenheit halte ich ADHS jedoch nicht, ich denke dass die Menschheit als Spezies davon profitiert, dass es Menschen mit ADHS gibt.


    Fliegerlein schreibt:
    Threads wie diese dienen nicht dazu, andere zu überzeugen dass es so oder so sein muss und dass es nur diese eine Wahrheit gibt und alles andere falsch ist.
    Vielmehr sehe ich sie als eine Hilfe auch andere Sichtweisen kennenzulernen und damit auch eine andere Art im Umgang damit und der Akzeptanz zu lernen.
    Threads wie diese mit ihrer Vielfalt an Ansichten und Erfahrungen und Meinungen helfen mir dabei, den berühmten Werkzeugkasten zu füllen und geben mir überhaupt eine Möglichkeit, ein Werkzeug zu wählen.

    So interesant ich die Gedanken auch finde, so sehr empfinde ich für mich die ADS mehr als Fluch, statt als Segen, aber dank solcher Diskussionen auch durchaus mal als Segen .


    Das ist schon manchmal echt verdammt schwer....
    Unterschreib ich so mal

    Edit: ich komm einfach nicht mit dem Schreiben hinterher

  5. #235
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 909

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Ach, ich bin weder stolz, noch empfinde ich mich als außergewöhnlich begabt.

    Bin eben in manchen Bereichen gehandicapt, was es schwerer macht, sein eigenes Potenzial auf die Straße zu kriegen.

    Zum Glück gibt es inzwischen gute Medikamente und eine offene Diskussion und zunehmend mehr Forschung zum Thema.

    Nein, als Krankheit empfinde ich das ADHS nicht. Eher als Störung.

    Liebe grüße von Luzie

  6. #236
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 30
    Forum-Beiträge: 149

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Fliegerlein schreibt:
    Da besteht ein wenig Unsicherheit bei den Fachleuten.

    Es ist wahrscheinlicher, dass das, was wir bislang bei ADS als Hyperfokus bezeichnen, genau das im eigentlichen Sinne nicht ist.
    Der Hyperfokus gehört eigentlich eher in den Bereich des autistischen Spektrums.

    Was bei ADS (möglicherwsie fälschlich) als Hyperfokus bezeichnet wird, ist die Unfähigkeit des Betroffenen, sich von einem laufenden Task zu lösen, sprich: ihn zu unterbrechen und einen anderen, jetzt vorrangigen Task zu übernehmen und anschließend wieder zum ursprünglichen Task zurückzukehren.
    [...]

    Es ist also durchaus denkbar bis wahrscheinlich, zumindest zieht man das in Erwägung, dass wir nicht an beiden Enden des Spektrums der Reizoffenheit hängen, sondern es eher den Anschein hat.
    Guter Einwand, vielleicht sollte ich die Aussage etwas umformulieren. Wir sitzen nicht direkt an den extremen Enden des Spektrums sondern an der jeweiligen Grenze von Reizoffenheit und Fokus, die der Mensch gerade so noch bewältigen kann ohne damit überfordert zu sein oder zu wenig von seiner Umwelt mitzubekommen. Zumindest gemessen an einer Umwelt wie sie vor tausenden von Jahren geherrscht hat. Denn das was wir als Hyperfokus bezeichnen, unterscheidet sich zwar in seiner Intensität durchaus noch ein Stück von dem Hyperfokus bei Autisten, aber es ist nicht allein mit der Unfähigkeit eine Tätigkeit aus eigenem Antrieb zu unterbrechen erklärt. In einem solchen Zustand blende ich meine Umgebung weitgehend aus, und auch körperliche Signale dringen kaum noch ins Bewusstsein vor. Ich filtere also sehr stark was ich wahrnehme und was nicht, aber nicht so stark, dass ich etwa einen plötzlichen Schmerz oder ein lautes Geräusch nicht bemerken würde. Aber Müdigkeit oder ein Gespräch das direkt neben mir stattfindet würde nicht in mein Bewusstsein vordringen.
    Geändert von Drowe (19.07.2014 um 16:46 Uhr) Grund: Fehlerkorrektur

  7. #237
    Chaoprinzessin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 12.457

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Im Hyperfokus nehme ich irgendwie nur umbewusst wahr was um mich herum passiert, aber mein Hirn verarbeitet es nicht und denkt sich nichts dabei... Ganz ausgeblendet ist es nicht, es ist nur im Hintergrund.

  8. #238
    pi pa po

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 44
    Forum-Beiträge: 525

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Fliegerlein schreibt:
    Da besteht ein wenig Unsicherheit bei den Fachleuten.

    Es ist wahrscheinlicher, dass das, was wir bislang bei ADS als Hyperfokus bezeichnen, genau das im eigentlichen Sinne nicht ist.
    Der Hyperfokus gehört evl. eher in den Bereich des autistischen Spektrums.

    Was bei ADS (möglicherweise fälschlich) als Hyperfokus bezeichnet wird, ist die Unfähigkeit des Betroffenen, sich von einem laufenden Task zu lösen, sprich: ihn zu unterbrechen und einen anderen, jetzt vorrangigen Task zu übernehmen und anschließend wieder zum ursprünglichen Task zurückzukehren.

    Zum Beispiel das typische Beispiel Spielekonsole oder vorm Computer sitzen:
    Der Betroffene sitzt da, die Mutter oder die Frau, je nach Alter kommt ins Zimmer und sagt:
    "Bringst Du bitte den Müll raus!"
    Der Betroffene antwortet mit dem typischen "ja sofort", aber es passiert nichts ... er macht weiter und kann sich nicht von der Konsole oder dem Rechner oder welchem Task auch immer lösen.
    Nicht selten bedarf es etlicher solcher Aufforderungen, bis endlich was passiert und oftmals hat der Betroffene anschließend Probleme, wieder in seinen alten Task zurückzufinden.
    Paradebeispiel:
    Unterbrechung der Arbeit durch einen Anruf, ... danach dann dieser erneute Angang "wo war ich , was hab ich grad gemacht ", wenn es überhaupt so weit kommt, denn oftmals haben wir das bis dahin vergessen und fangen etwas neues, ganz anderes an, weil das, was wir vor dem Telefonat gemacht haben, schlichtweg aus unserem Arbeitsgedächtnis verloren gegangen ist.

    Das ist aber kein Hyperfokus, dass ist eine Unfähigkeit, einen laufenden Task zu unterbrechen, etwas anderes zu machen und wieder zurück zum Ursprungstask zu kehren.
    Und darin sind ADS'ler ganz groß.

    Der Hyperfokus im eigentlichen Sinne ist aber ein komplettes Abschalten der Außenwelt und nur noch auf das gerichtet zu sein, was man gerade macht.
    So ähnlich das auch auf den ersten Blick wirken mag, so unterschiedlich ist es.
    Denn der gravierende Unterschied zum Hyperfokus eines autistischen Menschen ist, dass die in diesem Moment ihre Außenwelt gar nicht wahrnehmen, während der von ADS-Betroffene auf die Ansprache reagiert, also durchaus sein Umfeld wahrnimmt, und auch die Aufgabe registriert und verstanden hat, er kann sich nur nicht selbst den Befehl erteilen, diese auch auszuführen und vorher die andere zu unterbrechen.
    Ein autistischer Mensch bekommt das alles um ihn herum gar nicht mit.
    Nach außen hin wirkt das ähnlich ... mit dem Unterschied, dass der autistische Mensch nicht reagiert.

    Das ist aber von der Funktionalität im Gehirn eine ganz andere Geschichte und zeigt auch eines der Kernprobleme der ADS auf, nämlich nicht in der Lage zu sein, selbstgestellte Anweisungen auszuführen.
    Das ist sehr faszinierend, denn es erklärt auch, warum ADS'ler als faul abgestempelt werden.
    Ein Mensch ohne ADS kann sich selbst aufraffen und braucht keine Befehle von außen, sondern kann sich selbst sagen: "So, jetzt aber den Hintern hoch und anfangen zu lernen oder den Haushalt machen etc." und das kann er dann auch befolgen und umsetzen.
    Der ADS'ler kann diesen Befehl ebenfalls geben, aber es passiert nichts.
    Das ist ein bisschen wie eine unterbrochene Verbindung zwischen der Region, welche das Wissen enthält und die Befehle gibt (der hintere Teil des Gehirnes) und dem Bereich, der für die Ausführung der Aufgaben zuständig ist (der vordere Teil des Gehirnes).
    Wie Barkley mal so schön gesagt hat:
    ADHS ist keine Störung des Wissens, sondern eine Störung der Fähigkeit, dieses Wissen in die Tat umzusetzen.
    Wir wissen, dass jetzt etwas anderes wichtiger wäre, und wir befehlen uns auch, das jetzt zu machen ... aber der Befehl wird nicht zu einer Aktion umgesetzt (EDIT: Das gehört übrigens ebenalls zu den EF).

    Wenn wir uns jetzt noch die Frage stellen, warum wir uns dann z.B. bei Videospielen etc. so super konzentrieren können, so gibt es dafür zwei Antworten.
    Zum Einen das hohe Interesse.
    Ist das vorhanden, funktionieren wir bekanntermaßen sehr gut, wenn auch mit dem genannten Haken, den Task dann nicht mehr unterbrechen zu können.
    Und zum Anderen ist da etwas, das man "Direct Response" nennt, also sofortige Rückmeldung.
    Gerade Videospiele sind dafür ein super Beispiel, denn wenn man da nicht immer konzentriert am Ball bleibt, bekommt man sofort die Rückmeldung, nämlich einen auf den Deckel usw. .
    Das stimuliert das ADS-Gehirn besser und so funktionieren wir auch besser.
    Deshalb bringt es z.B. nichts, wenn wir für etwas lernen müssen, dessen Rückmeldung erst in ferner Zukunft erfolgt ...
    Warum für eine Mathearbeit lernen, um in 10 Jahren einen guten Job zu haben?
    Das ist nichts, womit man ein ADS-Gehirn ködert.
    Im Gegenteil, das Thema Belohnungsaufschub kennen wir ja und wir wissen, dass das bei ADS'lern über das Angstzentrum läuft, also keine funktionale Motivation bewirkt.
    Eine direkte Belohnung dagegen funktioniert.
    Im Videospiel ist es der Erfolg, der sich direkt nach einer Aktion einstellt und man weiterkommt.
    Beim Lernen wäre das eine externe, kurzfristige Belohnung, welche von einem zeitblinden Betroffenen direkt mit der Lernaktion verbunden werden kann.


    Es ist also durchaus denkbar bis wahrscheinlich, zumindest zieht man das in Erwägung, dass wir nicht an beiden Enden des Spektrums der Reizoffenheit hängen, sondern es eher nur den Anschein hat.

    deine Ausführungen zum hyperfokus sehe ich aber völlig anders
    Unfähigkeit talks zu unterbrechen ist ganz bestimmt wahr. für mich hat aber das eine mit dem anderen rein gar nichts zu tun. hyperfokus kann sich über Wochen, sogar Monate ziehen - manchmal auch nur Stunden. für mich ist hyperfokus, sich mit dem Thema meines aktuellen Interesses ausführlichst (!!!) zu beschäftigen, alles darüber zu erfahren, wissen aufsaugen, in kürzester zeit fast ein Experte auf dem gebiet zu werden und sich extrem darauf konzentrieren zu können, wenn ich mich damit gerade beschäftige, die zeit unmerklich an sich vorüberziehen zu lassen, die Welt außenrum zu vergessen.

    das ist "für mich" hyperfokus.

  9. #239
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    Das ist ein gängiges Problem bei Unterhaltungen wie diesen, ... wenn die gleichen Begriffe verwendet, aber unterschiedlich definiert/ gedeutet werden ... dann wird natürlich extrem schwierig, weil alle den selben Begriff verwenden, aber was ganz anderes damit meinen ...

    Wie wir wissen, ist in diesem Fall ja selbst die Wissenschaft etwas uneinig, was denn nun unter dem Begriff tatsächlich zu verstehen ist.

    Das erinnert mich ein bisschen an Koffein und Teein ... da ist es umgekehrt ... zwei Begriffe für ein und dieselbe Substanz ...

    Es wäre wünschenswert und ist zu hoffen, dass man sich da mal die Mühe macht, diesen beiden Erscheinungsbildern auch jeweils eigene Namen zu geben, damit man sie klar unterscheiden und die Begriffe auch unmissverständlich anwenden kann.

    Bis dahin ist es wohl so, dass Deine Interpretation genauso richtig und zutreffend ist .

  10. #240
    pi pa po

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 44
    Forum-Beiträge: 525

    AW: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das?

    ich lege nun fest:

    natürlich ist "meins" --> HYPERFOKUS I
    und "deins" (nur) HYPERFOKUS II

    hehe

Ähnliche Themen

  1. ADHS eine erfundene Krankheit...?
    Von schneewittli im Forum ADS ADHS: Nonsens aus Presse und Medien
    Antworten: 137
    Letzter Beitrag: 19.06.2015, 15:54
  2. ADHS eine erfundene Krankheit...?
    Von schneewittli im Forum ADS ADHS Allgemeines
    Antworten: 6
    Letzter Beitrag: 27.06.2014, 13:47
  3. Ist ADS / ADHS eine Krankheit?
    Von Celine im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
    Antworten: 79
    Letzter Beitrag: 8.10.2012, 18:17
  4. Ist ADS / ADHS eine Krankheit?
    Von cypher2k1 im Forum ADS ADHS Erwachsene: Umfragen
    Antworten: 80
    Letzter Beitrag: 7.05.2012, 23:31
Thema: Ist ADHS eine Krankheit? Wie empfindet ihr das? im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Allgemeine Fragen, Antworten und Hilfe rund um ADHS bei Erwachsenen und ADS bei Erwachsenen
©2017 ADHS bei Erwachsenen Forum